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NoPain (Test, Technik, Training)

Richtige Rahmengröße und optimale Sitzposition

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Die Wahl der "richtigen" Rahmengröße ist eine Wissenschaft: Bei Standard-Sloping-Rahmen greift der Racer zum kleinstmöglichen Rahmen, bei welchem eine gestreckte Sitzposition samt sportlicher Überhöhung möglich ist. Dazu benötigt es eine kleine Rahmenhöhe sowie ein niedriges Steuer- und ein langes Oberrohr. Aber auch der Winkel des Sitzrohrs ist nicht zu vernachlässigen, da er die tatsächliche Länge (Reach = horizontale Distanz Mitte Tretlager bis Mitte Steuerrohr) des Rades beeinflusst.
Bei Touren- und Marathonfahrern sieht die Sache schon wieder anders aus. Diese Gruppe bevorzugt komfortablere Überhöhungen - allerdings können Rahmen mit höheren Steuerrohren wiederum unangenehm lang ausfallen. Zur Not werden in weiterer Folge (zu) kurze Vorbauten montiert, die so manches Rennrad in engen Kurven nahezu unfahrbar machen, da am Vorderrad der nötige Grip fehlt.

Eine Möglichkeit wäre es, vor einem Rad- oder Rahmenkauf eine Probefahrt zu machen bzw. das Rad zumindest beim Händler Probe zu sitzen. In Wahrheit wissen aber die wenigsten Menschen (Kunde wie Händler), wie man optimal auf einem Rad sitzt (Streckwinkel bei Knie, Hüfte, Ferse, Einsatzzweck, physiologische Eigenheiten des menschlichen Körpers, etc.), und so werden "Sitzpositions-Mängel" oftmals von einem Rad zum nächsten übernommen. Mein Tipp an alle ambitionierten Rennradler lautet daher, unbedingt eine professionelle Sitzpositions-Analyse durchführen zu lassen. Mittlerweile gibt es schon viele Spezialisten in Österreich und Deutschland, die ein solches Service offerieren. Dabei sollten allerdings Aufnahmen mit speziellen Hochgeschwindigkeits- und Infrarotkameras samt computergestützer Auswertung geboten werden, da man wirklich nur unter realen Bedingungen (Treten unter Last mit hohen Kadenzen) die Einstellung kontrollieren und Fehler identifizieren kann.

Ich war bei Christian Bernhard (Sport-Support.at) und ließ mich anhand des revolutionären Retül-Fitter-Systems für mein TT- und das neue Cannondale Rennrad testen und vermessen.



Jede noch so kleine Änderung an Sattel, Lenker und den Pedalcleats kann mit dem Retül-System innerhalb einer Minute ausgewertet und analysiert werden. Der Probant tritt dazu mit 250-300 Watt in die Pedale; den Rest erledigt das System. Am Monitor können schon wenige Sekunden später das Motion-Video sowie die errechneten Werte und Winkel begutachtet werden. Alle Auswertungen sind sowohl für Renn- und Zeitfahrräder als auch Mountainbikes möglich, da bei jedem dieser Einsatzgebiete andere Winkel und Eigenheiten zu berücksichtigen sind.

Nach etwa einer Stunde inklusive Vor- und Nachbereitung fanden wir meine optimale Sitzposition und ich erhielt zwei umfangreiche Auswertungen für zukünftige Aktivitäten wie Rahmenkauf und Radeinstellungen. Der Cyclist-Report enthält alle körperbezogenen Werte (Winkel der Hüfte, am Knie, Fuß, den Ellenbogen, etc.) sowie eine Analyse des Knieverlaufs. Im Bicycle Fitting Report finden sich alle gängigen Raddaten (Sattelhöhe, Sattel-Setback, Reach, Stack, etc.) mit denen ich alle meine Räder einstellen kann. Andererseits kann ich dieses Factsheet auch mit den Geometriedaten der Radhersteller vergleichen und so treffsichere Aussagen über die benötigte Rahmengröße treffen.

In diesem Punkt hatte Christian Bernhard noch eine Überraschung für mich parat: den Retül Framefinder. Ist die Online-Software erst mal mit meinen ermittelten Retül-Daten gefüttert, können diese per Knopfdruck auf fast alle gängigen Radmodelle in allen Größen appliziert werden.

In meinem Fall stellte ich mir die Frage, ob ich das Cannondale SuperSix Evo in 52 oder 54 kaufen sollte. Der Händler schlug mir Größe 56 (=Large) vor...



Nach fünf Minuten war alles klar. Größe 56 schied komplett aus. Zu lang das Oberrohr bzw. der Reach, zu hoch das Steuerlager. Ich hätte eine Leiter gebraucht, um auf das Rad zu steigen.
Die roten/gelben/blauen Flächen beschreiben den Einstellbereich. Die schwarzen Punkte stehen für meine optimale Position. Vorbau und Sattelstütze wurden entsprechend ausgewählt.


Größe 54 passte schon recht gut. Ich sitze allerdings relativ weit vorne, stünde deshalb mit den meisten Sätteln am Einstellbereich der Stütze an und bräuchte eine gerade Sattelstütze mit 0cm Setback. Außerdem müsste ich mich von allen Spacern trennen, was einen späteren Wiederverkauf erschweren würde.



Bei der Rahmengröße 52 wurde ich schlussendlich fündig. Da sich der Sitzrohrwinkel im Vergleich zum 54er nach oben hin ändert, kommt das 52er auf den gleichen Reach (siehe Grafik, 38.4 cm bei 52 & 54cm). Somit fällt es auf den Millimeter gleich lang aus wie das 54er, ich kann eine normale Stütze mit 20/25mm Setback fahren und der Standard-Spacer (Lagerschalenabdeckung) mit 25 mm Höhe vorne verbleiben. Perfekt!



Also ganz ehrlich - wäre ich mit dem empfohlenen 56er aus dem Shop gewackelt, hätte ich mir am Abend während der Radeinstellung das Leben genommen.
So sind Besitzer und Bike wohlauf, eine aggressive Position ist möglich und ein reibungsloser Wiederverkauf in einiger Zeit garantiert. Ich bin vom Retül-System begeistert. Ich schwörs bei meinem Augenlicht und dem Leben meiner ungeborenen Tochter.



Cannondale SuperSix Evo 2012 in Größe 52 samt Retül-Fitting by Christian Bernhard
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Aktualisiert: 13-05-2012 um 09:33 von NoPain

Kategorien
Cannondale Super Six Evo

Kommentare

  1. Avatar von NoFlash
    Mir wurde auch mal ein 58er Rahmen angeboten, fahren tu ich einen 54er, Sattelstütze mit 2,5cm Setback, keinen Spacer und 120mm Vorbau -> passt perfekt!

    Wenn man auf der Straße unterwegs ist, entsteht oft der Eindruck, dass viele mit deutlich zu großem Rahmen unterwegs sind. Klar, nicht jeder will >10cm Überhöhung, aber wenn dann ein 70mm Stummelvorbau montiert ist, stellt sich schon die Sinnhaftigkeit.
    Dann lieber einen Rahmen kaufen, dessen Geometrie meiner Fahrweise entgegenkommt.
  2. Avatar von Red
    Auf der Homepage war nicht viel zu sehen. Was kostet sowas und geht das für alle Radtypen?
  3. Avatar von ssuats
  4. Avatar von pinkey
    mh schaut verdammt interessant aus.
    nur 1 is ma noch nicht so ganz klar, bist du jetzt mit dem neuen eigenen rad hingefahren und hast das gemacht oder gibts dort ein testrad x und anhand von dem werden die werte für andere räder errechnet, so das man sich schon VOR dem kauf die geo daten hat die für einen sinnvoll wären.
  5. Avatar von NoPain
    Du kannst entweder mit deinem aktuellen Rad antanzen und nimmst - falls verfügbar "Alternativ/Test-Teile" mit (Schuhe, Vorbau, Lenker, Sattelstütze, etc.). Christian hat aber zig Parts in verschiedenen Längen/Winkeln vor Ort, so dass viel ausprobiert werden kann.

    Es ist aber auch möglich die Initial-Einstellung mit einem "fit bike" zu machen. Das solltest du Christian aber vorher mitteilen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Fit-Bike Vermessung ein Äutzerl länger dauert, da man ja fast von Null anfängt, dafür sollte ein optimales Endergebnis ohne Kompromisse rauskommen.
  6. Avatar von Enzo74
    Schaut wirklich sehr sehr interessant aus, und ist auf jeden Fall eine Überlegung wert. Darf man noch fragen wie groß du bist, und welche Schrittschlänge du hast? Nur um einen kleinen Anhaltspunkt zu haben. Mir ist schon klar, dass die optimale Position am Rad für jeden sehr individuell ist.
  7. Avatar von NoPain
    177 cm und 84 cm Schrittlänge
  8. Avatar von the tank
    I fahr bei 171 cm Körpergröße, Schrittlänge so ca. 81 bis 82 cm, Rahmenhöhe 50.
    Mei Cannondale Supersix Evo mit SRAM Red (weiß/schwarz Lackierung) hat mit solist zero, speedplay X1, Tune comfort plus, Ritchey Superlogic Anbauteilen unglaubliche 5,54 kg.
  9. Avatar von the tank
    Bezüglich der Rahmengröße ist die Seite von Cannondale Liquigas interessant. Hier sind alle Fahrer mit Ihren Rahmenmaßen aufgelistet.
  10. Avatar von NoPain
    @the tank: super Hinweis, diese Seiten kannte ich noch gar nicht.
  11. Avatar von the tank
    Cool, eine Seite die der Schmerzlose noch nicht kannte
  12. Avatar von robertok
    super artikel! ich hoffe, ich habe nicht den größten fehler meines lebens gemacht: habe mir ein BMC teammachine in der rahmengröße 57 bestellt. bin selbst 187cm groß und habe eine schrittlänge von 89cm. bei der probefahrt mit dem 55er rahmen bin ich mir etwas zu "gekrümmt" vor gekommen, außerdem bin ich in der lenker tief position mit den knien an den ellebogen gestreift. dann hab ich mich zu dem 57er rahmen überreden lassen, der händler meinte dieser sollte passen. derzeit fahre ich ein bmc racemaster slx01 in der größe 56, passt perfekt. ich tendierte bei dem kauf eher zum kleineren rahmen mit 55cm und einen 120er vorbau, statt den verbauten 110er. bin auch auf diesen artikel hier gestoßen: http://www.bikeradar.com/news/articl...e-slr01-34037/ ja ich weiß, ist ein profi, fährt aber einen 55er rahmen und einen 140er vorbau. irgendwie ist mir nicht so wohl bei der sache...
  13. Avatar von robert_i
    der fährt einen 55er rahmen weil er beim 57er den lenker nicht tief genug bekommen würde. ich denke nicht, dass der 57er für dich der falsche rahmen ist außer du bevorzugst eine sehr sportliche überhöhung.

    wieso der händler beim cannondale einen 56er rahmen empfohlen hat würde mich echt interessieren! noch dazu wenn eine sportliche sitzposition gewünscht wird!
    Aktualisiert: 24-05-2012 um 15:17 von robert_i
  14. Avatar von robertok
    alles klar...
    bin ja mal gespannt. sehr sportlich wäre übertrieben, aber eine sportliche position wäre wünschenswert.
  15. Avatar von kubs
    Hallo robertok,
    ich bin 1,90m groß und würde auch den 57iger Rahmen mit einem langen Vorbau nehmen, der 59iger hat mir ein zu langes Oberrohr und ein zu langes Steuerrohr.
    Gruß