
Donnerstag, 16.10., Flughafen Wien-Schwechat
Große Anspannung vor dem geplanten Abflug: Würde der Flieger nach Perth überhaupt abheben? Das AUA-Flugpersonal hat seinen Streik am Vorabend tatsächlich beendet - vorläufig -, und es scheint so, als würden wir tatsächlich Richtung Australien abheben können. Jedenfalls endlose Warteschlangen am AUA-Check-in, wir mit dem Riesen-Transportkoffer in der Schlange. Übergepäck wird am Check-in mit Achslzucken zur Kenntnis genommen - wenigstens etwas Positives -, mit viel Winke-Winke durch die Passkontrolle und ab ins große Abenteuer ...
Foto links: Die Geschwister Lisi Hager und Hubert beim Aubruch zu einem großen Abenteuer. Hubi ist den Tränen nahe, obwohl er mitfliegen darf!
Samstag, 18.10., Cairns
Beim "Einrollen" bin ich heute bereits mitten im nahen Regenwald gelandet; dort hört man eigenartigste Tierlaute, sieht seltsamste Bäume und riecht undefinierbare Düfte - und nur wenige Kilometer daneben liegt Cairns mit seiner quirligen Hauptstraße und dem kitschig-schönen Badestrand ... Zu erzählen gäb`s ja jetzt schon genug, aber mein Magen ist eindeutig dagegen. Also ciao einstweilen, das Abendessen ruft!
Montag, 20.10., Der Countdown läuft
wir stecken mitten in den letzten Vorbereitungen für das Outback: Noch ein paar nützliche Dinge wie Toillettenpapier und Mückenlichter kaufen, natürlich ein paar Kilo Nudeln und Sugo-Variationen, nachdem ich gestern erneut Horrorgeschichten von Mini-Portionen für Spätankommende gehört habe, und H-Milch - ohne meinen leckeren Vanille-Shake bin ich nämlich nur halb so glücklich. Noch eine kleine Runde auf dem Rad drehen - der Puls ist immer noch relativ hoch, die Kehle nach kürzester Zeit trocken, aber den Beinen geht's ganz gut, denke ich. Daneben genießen wir einmal noch den Luxus und das süße Nichtstun in vollen Zügen: Relaxen am Pool, gemütlich Frühstücken ... Obwohl eine Sonneneinheit ja eigentlich zur professionellen Vorbereitung gehört - sonst bin ich ja nach 5 Kilometern schon rot wie ein Apfel ;-)
Gestern haben wir bei einem Ausflug zum Lake Tinaroo erstmals die berühmt-berüchtigten Corrugations kennengelernt - im Auto zwar, trotzdem war's ein ordentliches Rumpeln und Rütteln, das gewaltig an der Fahrzeit nagt. Im Endeffekt blieb nicht mal mehr Zeit, die Zehen in's Wasser zu strecken, weil für 17:00 das Briefing angesetzt war. Aber Duft, Geräuschkulisse und Optik des Regenwaldes konnten wir dafür auskosten Am Abend haben wir dann endlich genaue Streckendaten und -beschreibungen erhalten - ich kann nur sagen: na bumm! Vom Start weg stehen runde 100er am Programm, dann steigert sich das Programm täglich bis zu respekteinflößenden 185 Kilometern. Die erste Wäscherei wird erst für die 7. Etappe angekündigt, vorher gibt's an den Ziel"orten" oft nicht mal Toiletten - dafür Känguruhs.
Dienstag, 21.10. 1. Etappe
Momentan kein Internet-Anschluss, daher kurzer Telefon-Report in Stichworten:
+++ Stunde der Wahrheit - erste Etappe mit 93 km und 44 Grad (!) +++ Die Dimension der Anstrengung ist noch viel ärger, als ich sie mir in meinen schlimmsten Visionen schwarzgemalt habe. Für mich war der erste Abschnitt eine einzige Gratwanderung, unter mir eine Art von Gelände, das mit nichts vergleichbar ist, was ich bis jetzt in meinem Leben gefahren bin, über mir die erbarmungslose Sonne. +++ Wenn sich ein Hügel in den Weg stellt, dann gleich ordentlich ein steiler, kaum fahrbarer Stich nach oben, dann ebenso steil wieder runter. Dann wieder flach dahin auf wechselndem Untergrund von Asphalt bis zu tiefem Sand -, aber egal, was gerade am Programm steht, es tut weh, und zwar so lange, bis dir nichts mehr weh tut, weil du in einen bedenklichen Trance-Zustand verfällst, mit kalten Schauern über den Rücken, um dich herum wird's nach und nach stiller, du schaust in einen Tunnel, dessen Öffnung am anderen Ende immer kleiner wird, und erlebst das Ganze, als würdest du im Rückwärtsgang fahren. Irgendwann reißt's dich dann wieder, denkst dir ... phuuu, das war knapp am Umkippen!!! ... dann geht das Spiel wieder von vorne los. +++ Mit mir sind's drei Frauen, die ins Rennen gehen, und bereits nach der ersten Etappe scheinen die Positionen bezogen: Rosie King liegt 40 min. vor mir, die Dritte im Bunde wiederum noch deutlicher hinter mir.
Als Belohnung wartet ein netter Lagerplatz mit kleinem See mitten im Outback | Termitenhügel gibt's auf jeden Fall mehr als Wasser |
Mittwoch, 22.10. 2. Etappe
Internet erst wieder in drei Tagen, also weiter am Telefon:
+++ Langsam scheint sich mein Kreislauf an die Verhältnisse zu gewöhnen. +++ Heute waren's 101 km, und laut Aussage von Veranstalter Gerhard Schönbacher war's noch eine Spur heißer - 45,5 Grad! +++ Das ist auch neu für mich: Ich fahre ein Rennen gegen mich - weit und breit kein anderer Fahrer. +++ Ich erreiche Rosie, die mit Defekt am Straßenrand steht; keiner der vorbeikommenden Fahrer hat ihr mit Werkzeug ausgeholfen, was ich etwas bedenklich finde ... +++ Ich habe das passende Tool dabei, schnell sitzt sie wieder am Bike - so ergibt sich heute auch ein relativ geringer Rückstand auf Rosie von 10 Minuten. +++ Tolle Leistung aus österreichischer Sicht durch Robert Hotter vom Team Sport Nora: wie schon am Vortag Etappen-Vierter, in Gesamtwertung nach zwei Etappen auf Rang 3.! +++ Auf diesem Weg liebe Grüße an die Familie - Mama, mach dir keine Sorgen, es ist alles halb so schlimm, wie es sich anhört!!! +++
Donnerstag, 23.10., 3. Etappe
Australien scheint jeden Tag eine neue Überaschung für mich auf Lager zu haben. War es am ersten Tag die unerträgliche Hitze, am zweiten der auf vielerlei Arten unerträgliche Untergrund, so waren es heute ausnahmsweise nicht ganz so unangenehme:
1. Ein passabler Regenguss mitten im Regenwald (eh klar, woher hat der sonst seinen Namen?)
2. Ein Waldbrand, kurz darauf. Ein geplanter wohlgemerkt, ist hier so üblich. Das tat aber den Atemwegen nicht wirklich gut, war aber für feine Fotos gut.
3. Ist es heute wirklich gut gelaufen. Ich habe vom Start weg alles daran gesetzt an dem Franzosen dranzubleiben, der bisher jeweils vor mir war, weil die heutige Etappe sehr flach und schnell war, außerdem größtenteils asphaltiert. Und es funktionierte! Im Doppelpack sind wir bis zum 2. Depot geradelt, dann kam ein langer Downhill, auf dem er mir einfach davongeradelt ist, schwer wie er und Bike sind. Trotzdem: Bis ins Ziel wars nicht mehr weit und mein Auftritt bis dorthin sehr zufriedenstellend - Rosie war nur geschaetzte 10 Minuten vor mir ...
Das Camp ist heute an einem See mit Trinkwasserqualität - so kitschig-schön, dass es ärger nicht sein könnte. Nachdem heute der einzige Tag ist, an dem ein bisschen mehr Zeit bleibt, habe ich nicht nur fleißig Wäsche gewaschen, sondern auch erste Filmaufnahmen fuer "25 - Das Magazin" (ORF) gemacht: Lisi beim Baden, beim Essen (cooked by Robert Hotter, der heute schon wieder hervorragender 4. geworden ist), beim Abwaschen, ... Jetzt noch moeglichst effektiv regenieren, denn ab morgen heißt's Start 8 Uhr und Kämpfen ums Überleben.....
from the Outback into the rainforest | doch auch im Regenwald geh's heiß her | Endlich habe auch ich den kitschig schönen See "Koombaloomba Dam" erreicht |
Freitag, 24.10., 4. Etappe
Die ersten 50 km gingen durch dichtesten Regenwald, auf einem extrem
lustigen, abwechslungsreichen und relativ hügeligem Weg. Während sich die
Spitze dort beim Windschattenfahren nacheinander ins Gebüsch beförderte, habe ich den Track genossen - ab Kilometer 10 in Begleitung von Ulrich, einem weiteren Österreicher - und vor allem berab ein wenig die Sau rausgelassen. Kilometerweise ist der Regen- dann in Buschwald übergegangen, dann wurden die Bäume immer seltener, dafür stand dazwischen wogendes Gras, einen halben Meter hoch - echt schön. Teil 2 begann sehr hügelig, und Uli und ich machten Meter um Meter, holten ein paar notorische Einzelkämpfer ein und waren glücklich, nicht alleine fahren zu müssen. Teil 3 wurde immer flacher und der Untergrund immer fester, sodass wir düsten wie die Feuerwehr. Nur am Schluss kamen 2 arge Anstiege - so etwas Gerades
habe ich noch nie gesehen!
Im Ziel war ich dann zwar ganz schön fertig, allerdings auch hochzufrieden
- hätte nicht gedacht, dass ich auf unterschiedlichestem Terrain 7
Stunden lang solchen Druck machen kann.
Während sich Staff und Betreuer ums soeben entzundene Lagerfeuer
versammeln, kämpfe ich im Schein meiner Stirnlampe mit diversen "flying and crawling stuff" - auf unserem Lagerplatz wurlts nur so vor eigenartigen Insekten und anderem Getier - wäh! Habe auch gerade unliebsame Bekanntschaft mit einer speziellen Gattung gemacht: Wespen sehen hier aus wie Fliegen, stechen aber genauso schnell wie bei uns ...
Lagerfeuerromantik gibt’s auch auf der Crocodile Trophy | Auch im Outback gibt’s beim Frühstück beinahe alles, was das Herz begehrt |
Samstag, 25.10., 5. Etappe
Die Etappe war extrem zäh, vor allem für den Kopf - viel flach, kaum
Abwechslung, permanentes Gerüttel. Gott sei Dank ist Uli vom anfänglichen 5er-Pack wieder übrig gebleiben - alleine wäre ich heute wohl verdörrt, in
irgendeinem der Backöfen.
Einzige Neuheit: Bulldust - Sandstaub, der zentimetertief am Boden liegt und meterhoch und wurrldick in der Luft stehen bleibt! Drum bin ich heute auch erstmals mit der Trophy-typischen Gesichtsmaske zurückgekommen ...
So, mehr geht heute nicht. Morgen warten erneut 166 km, also gute Nacht!
Sonntag, 26.10., 6. Etappe
171 km, 9:41 Fahrzeit, 42 Grad
Da waren's nur noch zwei... Heute ist Debra ausgeschieden. Sie wurde gestern gegen Etappenende von einem Auto angefahren und hat sich dabei am Handgelenk verletzt - und wenn du hier im Outback neben Kopf und Hintern noch irgendein Koerperteil wirklich dringend brauchst, dann sind das die Arme. Jede einzelne dieser grauenhaften Rillen schnalzt dir naemlich durch selbige hindurch geradewegs in Nacken und Schultern.
Klugerweise hat sie's bleiben lassen, bevor der heutige Horror-Abschnitt angefangen hat. Ab Kilometer 115, wenn du eigentlich eh schon ordentlich paniert und muede bist, haben wir Vulkan-Land befahren.
Rüttel-die-Schüttel über steinige Rillen und Schupfen, und dazwischen immer wieder Sand, schwarz, tief und saugemein. Ich bin für solche Passagen einfach zu leicht; während Ulrich, mein in den letzten Tagen zum treuen Begleiter avancierter Mitstreiter, geradeaus durch die Sandlöcher pflügt, schwänzle ich hinterher wie ein Eierbär, grab mich in die Gruben, werde an jedem Stein um Zentimeter versetzt - Gott sei Dank hab ich wenigstens das Fully, sonst wäre Letzteres noch markanter. Apropos: Das Material leidet entsetzlich unter all diesem Sand und Staub. Mehrmals täglich müssen wir Kette und Kassette einsprühen, weil der Antrieb Geräusche von sich gibt, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen. Trotzdem hat mich der Silberpfeil bisher nicht im Stich gelassen und fährt defektfrei seiner Wege. Im Gegensatz zu mir haben naemlich gestern z.B. ziemlich alle Fahrer einen oder mehrere Patschen gehabt. Blöderweise auch sämtliche Mitglieder jener Gruppe, die wir am zweiten Depot gebildet haben. Die horrende Fahrzeit von heute beinhaltet also auch allerhand Stehzeiten. Irgendwann hat's Ulli und mir gereicht und wir haben das Warten bleiben lassen - weise Entscheidung, alle drei hatten noch jeweils mindestens eine Panne. Außerdem ist Ulli der einzige, mit dem ich wirklich gut gemeinsam fahren kann - wir haben uns beide die hintern-schonende, niedrige Trittfrequenz angewohnt, nuetzen fast schon simultan den Schwung aus kleinen Hügeln und brauchen auch an den Labstationen gleich lang, um wieder aufzutanken. Sehr fein, so etwas.
Obwohl noch länger unterwegs als gestern, war ich im Ziel weniger fertig als gestern. Um den schönen Campingplatz zu genießen, hat meine Fitness aber doch nicht mehr gereicht. Gerade mal Abendessen, eine Compex-Session und Schlafen gehen sind sich noch ausgegangen. Robert hingegen hat heute den Vogel abgeschossen: Er hat Seriensieger Jaap Viergever attackiert und ist hinter einem Ausreißer als zweiter ins Ziel gekommen!
Die Mörderhitze haut den stärksten Bullen um | Wenn sie stehen, sind sie schon gewaltig, aber wehe wenn sie fahren... |
Monatg, 27.10., 7. Etappe
Siiieeeg! Ein geschenkter zwar, nichts desto Trotz aber ein mehr als verdienter! Rosie war von gestern ziemlich platt und ist nicht so schnell rausgezogen wie die anderen Tage. Also ran an die Gute und nicht mehr weg, bis ich sterbe, hab ich mir gedacht. Eine Weile war's richtig gemütlich, mit einem rund werkenden Rädchen aus zwei Belgiern, Ulli und mir und Rosie. Dann ist einer von hinten gekommen, zwar gleich wieder eingegangen, aber Rosie hat dadurch ihren Tritt gefunden und ist schneller geworden. Nachdem ich mich gut gefühlt habe, habe ich beschlossen, mitzugehen, solange Kreislauf, Beine und Pumpe halten. Und es kam Labe 1 und es kam Labe 2 und wir waren immer noch gemeinsam, immer fleißig abwechselnd vorne. Nach ein paar Querelen mit dem übrig gebliebenen Belgier (das Übliche, wenn Männer es nicht aushalten, mit stärkeren Frauen zu fahren) war auch wieder Rhythmus drin - aber was für einer! Autsch, uff, stöhn! Und diese Hitze! Grauenhaft! Und trotzdem ist's gelaufen und auch nach Labe 3 war die Welt noch in Ordnung. Beim vierten Stopp hab ich mir ein Herz genommen und Rosie um den Etappensieg gebeten - eine Attacke gegen sie wäre völlig sinnlos, soviel stärker, wie sie nun mal ist. "That's what I thought of already three hours ago", sagte sie schlicht und ergreifend, überlies mir die Arbeit auf den letzten Kiloemtern und ließ den Zielsprint fuer die Kamera auch noch richtig echt aussehen.
"Fastest women of the 7th stage" steht auf dem Boomerang, den es hier täglich fuer die Etappensieger gibt - coole Sache! Noch viel cooler ist allerdings die Tatsache, dass morgen das Zeitfahren und damit quasi ein Ruhetag ist. Werde Rosie mit ihren fast vier Stunden Vorsprung sicher nicht attackieren, sondern, gemütlich über die 20 Kiolmeter ausstrampeln - vor allem der Hintern hat die Pause dringend nötig, hab ich doch schon eine wundgeriebene Stelle. Und eine Blase an der Ferse, und eigenartig geschwollene Finger, und überhaupt. Baden, Faulenzen und Fressen in Sicht - das Leben ist schön!
Robert Hotter (Sport Nora) bei Solofahrt mit Lapere | Die Strasse ist so heiss und rot wie glühende Lava | Das taegliche Erholungsprogramm mit dem Compex | Ist das ein gutes Gefuehl ganz oben zu stehen |
Dienstag, 28.10., 28.10., 20km Zeitfahren
20 km, keine Ahnung bezueglich der Fahrzeit, heiß genug, dass man auch mit Puls 120 schwitzt wie Sau.
Poah, können Ruhetage anstrengend sein! Diese Hitze - ächtz, stoehn! Und wie müde man wird beim Nichtstun - unglaublich. Obwohl: Einige haben ja heute sogar etwas getan, schließlich war ja ein Zeitfahren ueber 20 Kilometer. Meinereiner hat sich eine Pause gegoennt: Habe das Strandshirt angezogen, die Shorty ausgepackt und bin gemütlich zum Umkehrpunkt und wieder retour gerollt. (Erstaunlich, wie kurz einem diese Mini-Distanz plötzlich vorkommt) Dabei waeren die Beine topfit gewesen. Aber ich kann ja nicht seit einer Woche vom Faulenzen reden und dann erst recht Gas geben, wie das so ziemlich alle anderen gemacht haben, oder?
War schon sehr angenehm, mal nicht um 5:30 aus den Federn zu muessen (wenngleich es so heiß und schwuel war, dass ich kurze Zeit später trotzdem munter war) und dann hurtig das Auto vollstopfen und die Flaschen füllen zu müssen. Statt dessen gab's ein herzhaftes Frühstück mit Ham&Eggs, Wursttoast und zwei Tassen Kaffee, dicht gefolgt vom ersten Sprung in den Pool. Den haben wir aber nach einem kurzen Nickerchen und Nudeln vom Geko-Herd gegen ein lauschiges Natur-Badeplaetzchen gleich um die Ecke des Campingplatzes getauscht - Eukalyptus-Blätterrauschen, Fels-Badewannen und Sandbank mit Bierdosen-Bar (Staff only ;-)) - very nice.
Fest vorgenommen habe ich mir für heute noch genau zwei Dinge: erstens ausgiebig dehnen, zweitens das Radl schnuckeln - wenngleich morgen ab Km 5 wieder alles verstaubt und entsprechend unrund sein wird...
Die Zielcrew passt auf, dass niemand ungestoppt ins Ziel kommt | Nach dem entspannenden Zeitfahren geht's zum entspannenden Baden an einen Fluss. Chillen in Chillagoe |
Mittwoch, 29.10., 9. Etappe
136km, etwas über 50 grad, 7h45min
Oje, Oje - Ruhetage machen müde... War ein wenig unmotiviert heute morgen. Umso erstaunter war ich, als ich mir vom Start weg eine Gruppe schnappte, die erst Rosie einholte und nach 30 km sogar zur Spitze aufschloss. Dort sagte ich kurz noch den Schnellen Guten Morgen und ließ dann abreissen - erstens fingen nämlich die Corrugations an, was im Feld sehr unangenehm ist und zweitens reichte es; allzu hoch soll man den Puls nicht halten, wenn man noch so einiges vor sich hat. Und das hatten wir, am Programm stand schließlich "a track, taht has not been used for many years". Fahrverbot für sämtliche Betreuerautos, mit uns nur 2 Mechaniker, the Doc und der Schlußwagen.
Was dann folgte war nicht die befürchtete Wiederholung der "hilly section" von Tag 2, sondern mountainbiken vom Feinsten. Anstrengend, weil sehr kupiert und stellenweise sandig, aber abwechslungsreich und technisch spaßig. Nur die Temperaturen waren einmal mehr weniger fein, zumal sich die Charakteristik der Strecke 50km lang nicht änderte.
Und dann wurde es sandig - und zwar wirklich. Was hab ich innerlich geflucht, jedesmal wenn es mir die Räder in Richtungen verzogen hat, die ich niemals eingeschlagen habe, wenn sich die Reifen eingegraben haben, bis zum Flegenflansch und weiter! Wenigstens war stellenweise ein Ausweichen auf den steppenartigen Straßenrad möglich, sonst hätten wir überhaupt nie Meter gemacht.
Kopf und Beine haben Gott sei Dank aber ausgezeichnet funktioniert - nur die letzten 25km, die dann völlig flach ins Ziel führten, haben mir Nerven gekostet. Genau genommen hatte ich rund um Km20-16 schwer zu kämpfen. Die Sonne brannte erbarmungslos runter und es fehlte plötzlich der Rhythmus. Ulli einmal mehr an meiner Seite, erging es nicht anders. Mein Glück, wäre er nämlich vor, um zu übernehmen, hätte mich das endgültig erledigt - einer der eventuell schneller könnte, wenn man selbst grad gar nicht mehr will...
Wie wenig es mittlerweile braucht, um aus der Bahn zu geraten, merkte ich dann auch in der Nacht: Wie schon die letzten beiden Tage kühlte es kaum ab, de facto rinnt einem der Schweiß in Bächen runter, wenn man nur ganz ruhig im Bett liegt. Also früher oder später raus aus demselben, um Flüssigkeit nachzutanken. Ich stapfe jedoch vergeblich durch den Sand, der ein ausgetrocknetes Flußbett und heute unser Lager war - keine Wasserflasche zu finden. Also Hubi wecken, der neben dem Auto im freien schläft und fragen. Der hatte frisch aus dem Tiefschlaf natürlich auch nicht die richtige Antwort parat - bis ich das Wasser endlich gefunden hatte, wäre ich fast ausgeflippt, dabei gings bloß um 2,3min auf oder ab.
Donnerstag, 30.10., 10. Etappe
150 km, 7:22, a bissl kühler!
Welche Wohltat! Wolken am Morgen, dicht und dunkel über Mt. Mulligan, und sogar drei Regentropfen beim üblichen Morgenwerk: Flaschen füllen und abgeben an den Depots, Zehen und Hintern schmieren, Finger tapen...
ur Abwechslung war's also am Start schwül statt heiß und erstmals fühlten sich heute die Beine ein wenig schwer an - kein Wunder, nach dem gestrigen Beginn und den vielen Hügeln! Allerdings kam Rosie bald in Sichtweite, was als Motivation völlig reichte, um in Schwung zu kommen. Und siehe da: das Mädl schien müde zu sein, arbeitete wesentlich weniger vorne und auchh ein Eck langsamer als ich, ließ manchmal kurz Löcher aufreißen - ein andermal aber wieder stiefelte sie die Hügelchen rauf, als ob es sie gar nicht gäbe. Mit dabei in der Gruppe waren Manfred und Rainer, beide Österreicher, beide normal ein Eck schneller. Manfred jedoch war dick verbunden und ließ es langsam angehen, Rainer kämpfte mit Kopf und Nacken, die Tags zuvor gegen einen Pick-up gekracht waren. Die beiden könnten mmir helfen, Rosie zu attackieren... sollte ich es wagen?
Bei Labe 2 angekommen, erübrigten sich diese Überlegungen: Gerade mal eine Kühlbox mit unseren Flaschen drin und ein paar Bananen- und Orangenreste, das war's. Kein mittlerweile als Aufputschmittel so heiß geliebtes Red Bull, und höflicherweise auch keine Banane - hinter uns waren schließlich auch noch 4, 5 Fahrer. Labe 3 war überhaupt leer - 2 Orangen war alles, was vom Tage übrig blieb und damit war die Sache für mich gelaufen. Rosie hingegen, die nie Red Bull trinkt, hatte damit weniger Probleme, weshalb ich sie bei km 120 ziehen lassen musste. Ärgern oder nicht? Lieber nicht, macht keinen Sinn und ändert nix...
Traurig: Ulli musste heute mit Kreislaufproblemen w.o. geben, dafür konnte ich Rainers lädierten Kopf zum Weitermachen überreden - auch fein!
Zentimetertifer Sand hindert mich am geradeaus fahren | die letzten Stufen noch, dann ist das Ziel in Cooktown erreicht |
Freitag, 31.10., 11. Etappe
Auf nach Cooktown, die Küste ruft! Nach der ersten, kühlern Nacht seit langem war ich geistig gewappnet für meine Horror- Etappe!
Eine lausige Straße, seit Jahren nicht mehr geebnet, satte 100km lang. Als Hubi Einheimischen gestern erzählte, wo wir fahren würden, haben diese nur mehr gelacht. Zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Bevor wir uns jedoch stundenlangen Rumpelpisten der bösesten Art stuerzten, garniert mit tiefem bulldust und gewürzt mit schwerem undurchdringlichem Sand, musste ein Flattire beseitigt werden. Aber nicht bei meinem KTM, sondern an unserem Auto!
Und dann begann der Käse. Gleich auf den ersten Metern bestätigte sich, was ich in den letzten Tagen bereits immer wieder als "Kurzversion" zu spüren bekommen hatte: Fuer Boden wie diesen bin ich zu leicht. Die Corrugations bremsen mich runter, lange bevor sie die anderen bremsen, im Sand zeichne ich Schlangenlinien, waehrend die anderen die 20-30kg- mehr-Menschen noch gerade aus fahren... Ich tat das einzig richtige und verzichtete auf jegliches Mitfahren, dranbleiben, verfolgen. Drehte das Werkl völlig runter auf "Reisetempo" und cruiste mehr oder weniger herum. Der Preis dafuer: Vorletzter Platz und reichlich einsame Reise.
Dafür schmerzen meine Arme verhältnismäßig wenig, und gemessen an der Fahrzeit, fühle ich mich ziemlich fit. Und: Die Zielankunft hat noch richtig Spass gemacht - 2km extrem steil rauf zum Leuchtturm von Cooktown, 30 Stufen zum Abschluss. Herrlicher Blick über die Bucht aufs Meer hinaus und in die Gegenrichtung eine Vorahnung dessen, was morgen, zur letzten Lang-Etappe kommt: bis zu 30%steile Anstiege und DHs am laufenden Band.... Aber wenns auf allen Vieren ist: ich erreiche morgen das Ziel! Egal, wie sehr die Fieberblasen brenn, das Sitzfleisch leidet, der Magen protestiert (all das Riegel-Zeugs und tee-heisse Iso-klump - bähh! Wobei ich noch minimale Probleme habe im Gegensatz zu anderen, muss wohl an der guten SPONSER-Qualitaet liegen ;-) Und wenn ich grad beim Sponsoren streicheln bin: Falls jemand mal vorhat, durch die Wueste zu radeln: packt eine Adidas Evil Eye auf die Nase und nothing else. Noch nicht einmal der von den Roadtrains aufgewirbelte Staub geht da durch - herrlich!
beim Bike putzen muss ich natürlich immer ein strenges Auge auf Hubi werfen | Moments before disappearing in the dust... |
Samstag, 1.11., 12. Etappe
138 km, 8:44, erträglich heiß
Wow! Wahnsinn! Ui! Mei, war das schoen heute! Regenwald-Trails, dass einem das Herzerl vor Freude in der Brust huepft, dazu eine Optik, die ihresgleichen sucht: Ein Waldruecken hinter dem anderen und immer wieder rote Bänder, kerzengerade rauf und runter, die das gruene Meer durchziehen - Songlines, jene Pfade der Aborigines, auf denen auch wir heute geradelt sind. Oder gegangen, denn sandig-schlüpfrige 40%-Steigungen sind per se schon mal schwer zu bezwingen, und wenn diese imposanten Rampen dann Längen von 500 Metern und mehr annehmen... aber ehrlich gesagt: nach 1.500 km Biken ist ein Marsch die Wände hinauf nicht das Schlechteste! Fotos von diesem herrlichen Streckenabschnitt gibt's leider keine, weil nur die allernötigsten Autos (Mechaniker und Dottore) erlaubt waren - zu ausgewaschen und heavy fuer die Motorisierten. Touristen waren allerdings einige unterwegs, mit einem Vierer-Auto-Pack habe ich einige Kilometer gemeinsam absolviert: Bergauf - sie vor mir in einer unschönen Staubwolke, bergab ich vor ihnen mit einem breiten Grinser und Highspeed.
Vor diesen wunderschönen, außerdem von zahlreichen River-Crossings (beware of Crocodiles! Gesehen habe ich allerdings kein einziges; Hubi schon) durchzogenen 60 Kilometern hatten wir allerdings auch schon 60 zum Aufwärmen. Tatsächlich wurde allerdings dermaßen gebummelt, dass sogar ich mal Führungsarbeit leistete - gemeinsam mit Mauro Bettin, mit Puls 120... War aber irgendwie sehr nett, glaube, dass ziemlich alle Fahrer während dieser ersten Stunde miteinander ins Gespräch kamen... Dann noch ein letztes Mal Corrugations (muss das sein? Bäh!) und die ersten "Hügel" (ich gestehe: kleines Blatt) zum Dran gewöhnen.
Rosie gab heute von Beginn an Vollgas - mir war's nur recht, so kam ich gar nicht erst auf die Idee, die heutige Etappe nicht zu genießen... Und als ob der Regenwald an Schönheiten noch nicht genug wäre, änderte sich die Landschaft auf den letzten 20 Kilometern erneut: Sanfte, grüne WIESEN, FETTE Rinder, liebliche Flußläufe - Daintree, der heutige Etappenort, überfordert die Augen eines aus dem Outback kommenden Betrachters geradezu mit seinem grünem Ueberschwang. Der Abend war sehr gemütlich: Angefangen vom Essen im Pub (auf Porzellantellern, ohne Abwasch), über den ersten Cappucchino seit Wochen bis zum Z'aumsitz'n und Tratschen war die relaxte Stimmung förmlich greifbar. Kein Wunder - morgen ist nur noch Formsache, wer es nach Daintree geschafft hat, hat die Trophy geschafft! Yes!!!
PS.: Die derzeit letzten beiden
Sonntag, 2.11., 13. Etappe
Hmmm... irgendwie hab ich mir das Ende ein wenig anders vorgestellt. Das Kriterium in Cairns passte nicht wirklich zum Rest des Rennens: ein kurzer Rundkurs, hin und zurück über den Sand der Esplanade (als ob wir davon nicht genug gehabt hätten, die letzten Tage!), eingeleitet von einer zugegebenermaßen ziemlich lustigen Rampe über die Promenaden-Mauer plus ein Asphaltstück Richtung Hafen.
Durch das Reglement (bei Überrundung raus, was bei ca. 1,5 km Rundenlänge für die meisten relativ rasch kam) fehlte irgendwie das Finisher-Feeling. Aber gut, es war ein Spektakel, das den Einheimischen eindeutig gefallen hat, in puncto Promotion war's also ok. Und so "im Ziel", wie ich mich gestern bereits gefühlt habe, wäre auch jede andere Form von Draufgabe heute irgendwie "überfluessig" gewesen. ABER HALLO: Ich habe es geschafft!!! Und mit mir 3 weitere Österreicher (Foto) und, wenn mich jetzt nicht alles täuscht, 24 weitere Rider aus insgesamt 16 Ländern - was fuer ein verdientes Finisher-Foto!
An dieser Stelle herzlichen Dank an alle, die an diesem Erfolg in irgendeiner Weise beteiligt sind: Von Trainer Fritz Tröstl und Gute-Laune-Einmassierer Alex Stiefsohn über sämtliche Sponsoren und den Chef der MBR, der sich bei den Vorbereitungen ordentlich einen Hax'n ausgerissen hat, Mastermind Martin Koniarski (defektfrei - cool!) bis zu allen so fleiszig mitlesenden und -schreibenden Bikeboardern. Und natuerlich an Hubi, stets zur Seite mit allem, was das Leben eines gepeckten Outback-Bezwingers angenehmer machen kann - Thanx!!! Und jetzt wird zwei Tage lang das Leben genossen, ehe ich mich hinter den Schreibtisch klemme, um euch eine hoffentlich tolle Story für die Mountainbike Revue zu schreiben: Gala-Diner heute Abend, Ausflug zum Great Barrier Reef morgen, tja, und übermorgen, da muss ich glaub ich ein wenig das Mädi in mir raushaengen lassen und ... Shoppen gehen! :-)))





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