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Cannondale Bad Habit 1

Es war eine dieser Touren, unterwegs mit Charly Falke irgendwo in der Nähe von Bleiburg. Der Flow passt, wir genießen die Landschaft, die Zeit verstreicht und ein paar Fotostopps später wird es schön langsam dunkel. Und dann ist es plötzlich so, als würde ein Playstation-Adventure Realität werden: Ich rase blind durch die Dunkelheit, fehlsichtig und ohne optische Hilfen verschwimmt die Landschaft vor meiner gletschertauglichen Sonnenbrille zu schemenhaften Umrissen; Schatten der Dunkelheit, die im Downhill wild auf und ab tanzen. Charlies Freilauf und das wilde Schlackern der Kette geben eine grobe Richtung vor. An dieser Stelle meiner Geschichte tritt das Cannondale Bad Habit ins Licht am Ende des Anliegers.

Das 27,5+ Bike ist der Geländetruck unter den Mountainbikes und genau jenes Gerät, das ich in diesen Situationen gerne fahren würde. Ganz abseits von Schneefeldern und Eisplatten plättet das fette Teil Wurzeln, Felsen und Geändestufen in flauschige, surfbare Wellen am Trail - in etwa so, als würde man mit fetten Rockern durch den Tiefschnee gleiten.

 Roboter mit Senf, is mir egal, Wurzel nass, is mir egal, Baum im Weg, is mir egal, Stufen runter, is mir egal, Stufen rauf, is mir egal, ein Meter Drop, is mir egal, zwei Meter Drop, is nicht egal, Weidezaun is mir egal, is mir egal, is mir egal... 

frei nach Kazim Akboga

Die Technik


Neben dem sauberst verarbeiteten Rahmen, der netten Lackierung und der wunderschönen Cannondale Si Kurbel ist am Bad Habit eine Einsteiger-Mischung aus Shimano und Sram verbaut. Das führt auch zu einem der wenigen Kritikpunkte an dem Rad. Die Bremsen fand ich auf unserem Testrad ein wenig schwammig und undefiniert, die Sram GX-Schaltung zwar passend fürs Bike bzw. für mich abgestimmt, aber nicht ganz so präzise, wie ich das von z.B. von der Sram X01 kenne. Da war doch trotz perfektem Setup gelegentlich das eine oder andere Rattern zu vernehmen.
Dafür arbeiteten sowohl die Lefty als auch der Monarch-Dämpfer sehr gut. Die Gabel sprach feinfühlig an, wie ich das von den Lefties gewöhnt bin, der Monarch-Dämpfer war für mittelgrobes Gelände gut abzustimmen und bot ausreichend Reserven - vor allem, weil kleine Unebenheiten schon von den Reifen weggebügelt wurden.


Mit 415 mm Reach in M saß ich angenehm kompakt am Bike, und auch die Winkel passten aus meiner Sicht (68° Lenk, 74° Sitz, effektiv). Was technisch fehlt, ist eine versenkbare Sattelstütze. Die kann natürlich nachgerüstet werden; wenn ich jetzt schreibe, auf das halbe Kilo mehr kommt's auch nicht drauf an, müsste ich allerdings lügen.
Vor der ersten Ausfahrt sollte man sich passende Schläuche besorgen. Im Fall eines Defekts schnell mal den Schlauch von Kollegen ausborgen wird bei 3 Zoll schon schwierig.

Tech Specs

Rahmen:Bad Habit Smartformed Alu, BB30Kassette:Sram XG-1150, 10-42, 11-fach
Größe:S, M, L, XLLaufräder:WTB Scraper i45, 27,5", 45 mm
Farbe:Teal (Blaugrün)Reifen:WTB Bridger 27,5x3,0 tubless ready
Gabel:Lefty 2,0, 120 mm, Trail+ tune, 55 mm OffsetVorbau:Cannondale C3, 1,5", 31,8 mm, 5 Grad
Dämpfer:Rock Shox Monarch RL, 120 mm FedewergLenker:Cannondale C3 Riser, Alu, 4 Grad Up, 9 Grad Back, 760 mm
Schaltwerk:SRAM GX, 11-fach Griffe:Cannondale Dual Locking
Naben:Lefty 60 vorne, Formula 148x12 XD hintenSattelstütze:Cannondale C3, 6061 Alu, 31,6x350 mm
Schalthebel:Sram GX, 11-fach Sattel:Cannondale Stage 3
Bremsen:Shimano Deore 180/180 Gewicht:14,8 kg (ohne Pedale)
Kurbel:Cannondale Si, BB30, 30 Zähne Preis:UVP € 3.499,-

Luftdruck

Als essenziell hat sich bei unseren Tests der richtige Luftdruck erwiesen. Kaum ist etwas zu viel Luft in den Reifen, fängt das Habit an, über die Trails zu wobbeln wie ein wild gewordener Mustang auf LSD. Das Fahrwerk hat dann Mühe, die Resonanz zu dämpfen und die Ritte werden schwer kontrollierbar. Bei zu geringem Luftdruck ist das Gegenteil der Fall, das Teil wird zu schwammig und die Reifen beginnen zu walken.
Mit 0,9 bar vorne und 1,1 bar hinten fühlte sich das Habit bei meinem Gewicht am neutralsten an, mit übermächtig viel Grip in Kurven und ohne Aufschaukeln über Wurzelteppiche.

Fahreindrücke

Zwar kennen wir das schon von diversen Fatbikes, aber es überrascht immer wieder, wie unerwartet leicht diese fetten Reifen auf Asphalt rollen. Bei unseren Ausfahrten hatte ich nie Probleme, mitzukommen und wenn nötig auch noch ein wenig aufs Gas zu drücken - vorausgesetzt, es ging schön flach dahin.
Bergauf sah die Sache dann aufgrund des hohen Gewichts ein wenig anders aus. Zwar lag das Bike in allen Steilheiten gut am Trail, aber so ein Bröckerl muss erst mal in die Höhe gewuchtet werden und auf den üblichen Schotterwegen schien das Plus an Rollwiderstand subjektiv wesentlich größer zu sein als auf Asphalt.

Dafür gab's Traktion, die man auf allen Untergrund-Arten spürte. Ganz egal ob Schlamm, nasse Wurzeln, Schnee auf felsigem Untergrund oder Schlimmeres: Es blieb immer die Gewissheit, dass der Reifen doch halten wird. Und tatsächlich schraubte man sich mit den fetten Reifen auch über richtig rutschige Passagen, wo man mit einem normalen Enduro schon längst herumbalancieren ober überhaupt schieben würde, einfach hoch. Sogar im Winter gefürchtete Eisplatten waren relativ sicher zu überqueren.

Dieses Ultimo an Traktion offerierte das Bike mit den vermeintlich schlechten Gewohnheiten dann auch in allen anderen Situationen. Kurven auf trockendem Untergrund nahm das Bad Habit wie eine Ducati am Pannoniaring, während sich das Teil auf flachen verwinkelten Singletrails oder im steilen, technischen Gelände bergab fuhr, wie man es von einem Dakar Begleit-LKW erwartet.
Es bügelte die Trails, man spürte nicht nur, wieviel Grip der Reifen aufbaute, sondern auch den wirklich breiten und gutmütigen Grenzbereich. Man muss nicht Brian Lopes sein, um die rutschenden Reifen wieder einzufangen. Daran muss man sich aber erst gewöhnen, nämlich dass ein Ritt auf losem Untergrund eher ein Surfen statt Carven ist.
So hatte ich immer wieder das Gefühl, dass ich Passagen, die ich mit dem Enduro präzise wie mit Schiern auf Kanten um die Kurve fahre, mit den fetten Reifen im Grenzbereich durchdrifte. Beim harten Anbremsen auf losem Untergrund (Steine auf Felsen) kam dieses "Kugellager-Gefühl” auch ein bisschen früher, weil sich schmälere Enduro-Reifen vermutlich mehr in den Untergrund verbeißen.
Hat man sich aber erst mal an das massiv andere Fahrverhalten gewöhnt, kann man auch gleich das Grinsen in Bergabpassagen als Dauerzustand akzeptieren.

 Rollin' Rollin' Rollin'
Rollin' Rollin' Rollin'
Rollin' Rollin' Rollin'
Rollin' Rollin' Rollin'
Rawhide! 

Jake & Elwood Blues

Fazit

Cannondale Bad Habit 1
Modelljahr:2016
Testdauer:3 Monate, 300 km
+Rollt besser als erwartet
+Rollt überall drüber
+Verzeiht (fast) alles
+Grip in Schlamm, Schnee und Eis
oVersenkbare Stütze nur optional
oDeore-Bremsen
oSram GX - naja
-schweres Bröckerl
BB-Urteil:Der SUV unter den Mountainbikes. Feines Bike für gnadenlose Draufhalter.

Das Bad Habit ist witzig! Man kann sich bei der Rallye Dakar die tänzelnden Motorradfahrer geben, kreischenden PKWs zusehen oder den Trucks, die übers Gelände bügeln. Für die Fans der letzten Kategorie, für Brachial-Biker, genau für die ist das Bad Habit eine solide Wahl, und das aber nicht nur als Drittbike.

Es ist das etwas andere Enduro. Freunde der feinen Klinge, die sich präzise ein Ideallinie suchen um ihr zu folgen werden damit weniger Freude haben. Aber bergaborientierte Fahrer, die Sommer wie Winter, bei Regen und Schnee, sorglos und mit vielen Reserven über technisches Gelände rocken wollen, die werden mit dem Bad Habit viel Spaß haben.

Die Bandbreite geht dabei von Bergauf-Passagen in Schlamm und Schnee bis zu komplett neuen Linien bergab, die mit einem schmäler bereiften Enduro eine Grenzerfahrung wären.


Ergebnis 1 bis 13 von 13
  1. #1
    Admin Avatar von NoSane
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    Cannondale Bad Habit 1

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  2. #2
    Jetzt mit ALUHUT Avatar von der Markus
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    Was ist denn der Unterschied zwischen dem normalen Habit und dem Bad Habit vom Rahmen her? Der Hauptrahmen wird gleich sein, nur die Zero Pivot Schwinge muss breiter sein, damit der Reifen passt, oder?

  3. #3
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    krieglach
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    Oberrohrlänge, Lenk- und Sitzwinkel, Tretlagerhöhe, Steuerrohlänge etc. scheinen gleich zu sein bei Habit und Bad Habit. Hinterbau ist halt breiter und länger und die Achse gegenüber dem Tretlager etwas höher postitioniert. Ob in der Fertigung tatsächlich ein Unterschied am Rahmen selbst gemacht wird, wissen wir leider nicht. Aber Tretlager ist bei beiden BB30, also... Durch die + Reifen baut dann eben die Front höher, wodurch der Reach am Bad Habit in M bei 415 mm, am normalen Habit bei 427 mm liegt.
    Hast du ein Bike mit zwei Laufradsätzen im Kopf ?

  4. #4
    Jetzt mit ALUHUT Avatar von der Markus
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    Zitat Zitat von lukiss Beitrag anzeigen
    Hast du ein Bike mit zwei Laufradsätzen im Kopf ?
    Naja, ein Habit 4 wäre schon da und das Bad Habit hat mich eigentlich auch angelacht. In der Schwinge hätte ich knappt 7,5 cm Platz, da würden die Stollen aber schon anstehen. Baut ein 3" Reifen auch höher oder nur breiter? Schwinge wechseln ist halt schon wieder zu aufwendig.

    Lefty 2.0 ist aber ident, oder?

  5. #5
    More than back!!! Avatar von riffer
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    Das Bad Habit gefällt mir sehr gut. Allerdings habe ich ja das Bucksaw, das sich leicht auf bPlus über einen Lrs oder ggf auch Gabel umbauen lässt. Aber probieren würde ich das CD schon gerne...

  6. #6
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    Sry, obs eine spezielle + Lefty gibt, weiß ich nicht... Man könnt sich ausmessen, wie breit ein 2.8" Reifen auf der Felge baut. Von der Höhe ist da zumintest nicht so ein extremer Unterschied zu 2.3" Reifen. Alles ohne es selbst gemessen zu haben. Aber Ibis argumentiert so bei ihrem neuen Mojo...hat aber auch 425er Kettenstreben und Boost. Ob er auch ins Habit passt? Fraglich. Aber vl. kann ein Besuch beim Händler weiterhelfen? Der hat vielleicht ein Bad Habit, wo du Maß nehmen kannst?

    Aber, und das find ich eine feine Alternative:
    Wenn 27,5+ nyx wird, bleibt dir immer noch die Option auf ein 26" Laufrad mit fetten Reifen. Surly hat da zb. was mit 26 x 2,75" und 26 x 3" im Angebot http://surlybikes.com/parts/tires
    Eventuell wär das eine Option? Dann hättest die breite Kontaktfläche, und ob der geringeren Höhe eine größere Chance alles im Hinterbau unterzubringen...

  7. #7
    Jetzt mit ALUHUT Avatar von der Markus
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    Zitat Zitat von lukiss Beitrag anzeigen
    Wenn 27,5+ nyx wird, bleibt dir immer noch die Option auf ein 26" Laufrad mit fetten Reifen. Surly hat da zb. was mit 26 x 2,75" und 26 x 3" im Angebot http://surlybikes.com/parts/tires
    Eventuell wär das eine Option? Dann hättest die breite Kontaktfläche, und ob der geringeren Höhe eine größere Chance alles im Hinterbau unterzubringen...
    Sehr sehr gute Idee, danke erstmal dafür!

  8. #8
    Registrierter Benutzer Avatar von Alex0303
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    Wie hoch und breit ein Reifen baut hängt auch von der Felgenbreite ab.*
    Ein 2,8er Reifen wird bei einer 30mm Felge höher bauen wie bei einer mit 40mm...

  9. #9
    More than back!!! Avatar von riffer
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    Eigentlich nicht, der Reifen formt sich anders, im Durchmesser bleibt er aber gleich. Ein 2,8" Reifen ist laut Tabelle im ibc bei rund 75mm Breite.*

    Die Surly Reifen sind auf feuchten Wurzeln etc. keine Gripwunder, falls man sich das erhofft. Am Waldboden hast aber die Vorteile des fetten Reifens natürlich schon.

  10. #10
    Jalla Jalla! Avatar von bs99
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    Was ist denn an dem Ding so schwer?
    Gabel, Antrieb, Ausstattung (keine Teleskopstütze) sind ja auf der leichten Seite.
    SUCHE: Carbon Hochprofilfelge Clincher 24h
    VERKAUFE: Hope Mono RS Nabe HR NEU

  11. #11
    More than back!!! Avatar von riffer
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    Meine Vermutung: Die Naben schleichen da einiges an Gewicht herein! Aber natürlich kein Grund für 14,8kg ohne Pedale. Die Reifen sind wahrscheinlich nicht schwerer als meine Bereifung am 26er Enduro, die Schläuche aber natürlich deutlich. Und die Kassette ist auch nicht ganz auf der leichten Seite, dafür halt die 1x11-Konfiguration an sich schon nicht zu schwer.

  12. #12
    Admin Avatar von NoSane
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    Laufräder, Naben, Reifen, Schlauch ... also im Prinzip die rotierenden Teile...

    Auf der Waage:
    Vorne: 2,8kg inkl. Bremsscheibe
    Hinten: 3,4kg inkl. Bremsscheibe und Kassette

  13. #13
    Jetzt mit ALUHUT Avatar von der Markus
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    Heute wär' ein bisschen mehr Reifen nicht schlecht gewesen. War aber so auch nicht bad

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