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Canyon Spectral WMN CF 9.0 EX

Canyon Spectral WMN CF 9.0 EX

10.04.17 08:48 2.316Text: NoManFotos: NoSaneLücke geschlossen: Seit heuer bietet der deutsche Versender sein beliebtes Trailbike auch für Frauen in einer Carbon-Version an. Bikeboard war mit dem potenten Fully spielen ...10.04.17 08:48 2.917

Canyon Spectral WMN CF 9.0 EX

10.04.17 08:48 2.917 NoMan NoSaneLücke geschlossen: Seit heuer bietet der deutsche Versender sein beliebtes Trailbike auch für Frauen in einer Carbon-Version an. Bikeboard war mit dem potenten Fully spielen ...10.04.17 08:48 2.917

Bereits seit den Nullerjahren gibt es in der Canyon-Palette ein vollgefedertes Mountainbike, das auf den Namen Spectral hört. In seiner jetzigen Form - 650B-Laufräder, 140 mm Federweg, bergaborientierter Allrounder - erblickte das Trailbike jedoch erst 2014 das Licht der MTB-Welt. Von Anfang an sollte Canyons 27,5-Zoll-Pionier die Lücke zwischen dem Tourenbike Nerve, nunmehr Neuron, und dem Enduro Strive schließen; anfangs nur in Alu, seit 2016 (nachdem Produktionsverzögerungen den ursprünglich für 2015 geplanten Start vereitelt hatten) auch in Carbon - zumindest für die Herren. Die Damen der Schöpfung mussten noch ein Jahr länger auf eine Kohlefaser-Option warten. Jetzt allerdings ist sie verfügbar, und zwar bereits seit Saisonbeginn in allen Größen, was auf die Herren-Pendants ja nicht vollinhaltlich zutrifft.

 Wendiger Allrounder, insbesondere für enges und technisch steiles Gelände 

Canyons Kurzcharakteristik des Spectral

Ausstattung

Das Spectral WMN CF 9.0 EX entspricht ausstattungsmäßig über weite Teile dem gleichnamigen Modell für Y-Chromosomenträger und ist damit, Versender-Vorteil sei Dank, ein für den geforderten Kaufpreis von 4.299 Euro guter Deal: Hochwertig verarbeiteter, blitzblank aufgeräumter und gewissenhaft geschützter Carbonrahmen mit 1.950 Gramm (Gr. M) laut Hersteller, Sram Eagle Zwölffach-Schaltung, kräftige Sram Guide RS-Bremsen, leichte und robuste DT Swiss XM 1501 Spline One Laufräder mit modernen 30 mm Felgenbreite, stufenlos verstellbare RockShox Reverb Stealth Sattelstütze ...
Unverändert auch die Bedeutung des Namenskürzels EX. Es steht für die potentere Race-Ausstattung mit 10 mm mehr Federweg an der Front (mithin 150), breiterem Lenker und Einfachschaltung.

Abweichungen gibt es nebst dem Sattel als "Pflichtkandidaten" (SDG Allure vs. Circuit Mtn) lediglich bei der Kurbel (Herren: Carbon, 34 Zähne; Damen: Alu-Kettenblatt, 32 Zähne), den Reifen (die WMN-Variante hat geringfügig breitere Schlapfen) und den Federungselementen, wobei letzteres im Grunde das Alleinstellungsmerkmal der Damen-Version ist:
Via gemeinsam mit RockShox entwickeltem "Light Tune" von Gabel und Dämpfer wurde das Ansprechverhalten der Pike RCT3 und des Monarch XX (Herren-Modell: Monarch RT3) an die potenziell leichteren Pilotinnen angepasst.

Tech Specs

Rahmen: Carbon, 140 mm, 1.950 g lt. Hersteller (M) Vorbau: Canyon V12, 50 mm
Größen: S, M, L Lenker: Canyon H23 Rise CF, 740 mm
Gabel: RockShox Pike RCT3 Light Tune, 150 mm Griffe: Ergon GE10 Slim
Dämpfer: RockShox Monarch XX Remote Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth B1
Steuersatz: Cane Creek 40 Sattel: KSDG Allure
Schalthebel Sram X01 Eagle Innenlager: Sram GXP Pressfit
Schaltwerk: Sram X01 Eagle Bremsen: Sram Guide RS 200/180 mm
Kurbel: Sram X01 1400 Eagle, 32 Z., 170 mm Laufräder: DT Swiss XM 1501 Spline One Boost
Kassette: Sram X01 Eagle 10-50 Z. Gewicht: 12,2 kg
Kette: Sram X01 Eagle Preis: € 4.299,-

Last but not least trägt das Carbon-Spectral für Frauen einen anderen Anstrich: Es kommt in nur einer Farboption (Herren: stealth oder green) namens "Lightning Purple", was de facto eine gefällige Mischung aus dunklem Lila und hellem Silber in edlem Finish ist.
Nicht damenspezifisch, aber angesichts tendenziell kleinerer Hände allemal praktisch ist weiters, dass die Griffweite der Sram Guide-Bremshebel werkzeuglos eingestellt werden kann.

Abmessungen

Beim ersten Aufsitzen stellt sich ein überraschend deutliches Gefühl von Bekanntheit ein. Und tatsächlich offenbart ein Blick auf die Geodaten, dass zwischen WMN- und "normalem" Spectral-Rahmen genau kein Unterschied in den Abmessungen besteht. Sie sind komplett baugleich, wobei das Damenrad naturgemäß - Frauen mit mehr als 190 cm Körpergröße sind nun mal äußerst selten - mit drei Abstufungen auskommt.
Für Menschen unter 160 cm heißt das, sich bezüglich Trailbike anderweitig umsehen zu müssen. Alle anderen finden im Spectral einen ziemlich kompakt gebauten Begleiter (Reach Größe S: 405 mm) mit gemäßigt flachem Lenkwinkel und auffallend kurzen Kettenstreben, dessen Schwerpunkt, dem tiefen Tretlager zum Trotz, etwas hoch erscheint.

Letzteres bedeutet, dass die Sattelhöhe um zwei, drei Zentimeter unter das fürs effizienteste Pedalieren ratsame Maß wandern sollte, damit sich die für All Mountains so wichtige, zentrale Sitzposition „im Bike“ einstellen kann. Andernfalls bleibt man ein gefühlsmäßig zu hoch platzierter Passagier auf einem etwas kippelig-unruhigen Gaul.
Wer aus der Downhill-Ecke kommt und im Spectral das Tourenbike fürs Konditionstraining sieht, wird diese Einstellung ohnehin automatisch wählen. XC-Fahrerinnen, die den Viergelenker mit 140 mm Heckfederung als ihr Gerät fürs Grobe betrachten, werden nach kurzer Eingewöhnungsphase feststellen, dass möglichst effizientes Treten bergauf nicht immer vorrangige Bedingung für Spaß sein muss …

Geometrie

S M L
Sitzrohrlänge (mm): 395 440 480
Oberrohrlänge (mm): 566 596 627
Steurerohrwinkel (°): 67 67 67
Sitzrohrwinkel (°): 74,5 74,5 74,5
Steuerrohrlänge (mm): 100 120 145
Kettenstrebenlänge (mm): 425 425 425
Radstand (mm): 1120 1153 1188
Tretlager-Offset (mm): 335 335 335
Sattelstützenlänge (mm): 380 420 420
Überstandshöhe (mm): 775 783 795
Stack (mm): 580 598 621
Reach (mm): 405 430 455
Stack to Reach: 1.43 1.39 1.36

Outdoor

... Zumal das Klettern mit nur 12,2 kg Kampfgewicht und halbwegs steilem Sitzwinkel (74,5°) trotzdem eine sehr entspannte Angelegenheit bleibt. Die minimal mögliche Übersetzung von vorne 32, hinten 50 Zähnen trägt ihr Scherflein dazu bei; feinere Zwischenabstufungen zu den nächstgrößeren Gängen habe ich bei meinen maximal dreistündigen, eher gemütlichen Wienerwald-Ausfahrten eigentlich nicht wirklich vermisst. Wie sich das auf langen Anstiegen im Hochgebirge verhalten würde, könnte erst der Sommer klären.
Was die Hinterbau-Kinematik an Wippbewegungen im Wiegetritt nicht vermeiden kann, erledigt ein kurzer Griff zur Fernbedienung: das hydraulische Lockout-System des Dämpfers ist dank Lenkerhebel rasch (de-)aktiviert. Ruhiges Bergwärtsstreben verläuft aber ohnehin auch mit offenem Monarch XX durchaus zufriedenstellend. Erst bei energischeren Antritten verpufft einige Energie in den Weiten der Anti-Squat-Welten.

An sich will das Spectral, so überzeugt ihm Canyon auch "unschlagbare Vortriebskraft" attestiert, jedoch lieber in die Gegenrichtung oder zumindest der Horizontalen bewegt werden - und das vorzugsweise auf verblockten oder zumindest engen Passagen, denn seine Stärke ist ganz eindeutig seine verspielte Wendigkeit.
Ob enge Spitzkehren, schneller Baumstamm-Slalom oder präzise Manöver in felsdurchsetztem Gelände: Kraft seiner kompakten Bauweise reagiert das Bike ausgesprochen agil. Speziell seine nur 425 mm kurzen Kettenstreben machen es zu einem wahren Kurvenkiller; es lässt sich willigst um sämtliche Ecken drücken und schlängelt sich leichtfüßig um jedes Hindernis. I like!

Einfach drüber und munter weiter erledigt es ebenfalls in durchaus vertrauenerweckender Weise. Maßgeblichen Anteil daran haben wohl die schluckfreudigen Federelemente, zu deren spezieller Abstimmung (s.o.: Light Tune) Canyon und RockShox durchaus gratuliert werden kann – vor allem im Zusammenspiel.
Davon abgesehen, dass die Pike RCT3 nicht umsonst eine sehr beliebte All Mountain- und Enduro-Gabel ist. Sie vereint geringes Gewicht und hohe Steifigkeit mit sanftem Ansprechverhalten bei dennoch straffer Charakteristik. Wer auf individuelle Anpassungsmöglichkeiten steht, kann sich bei einstellbarer Zugstufe, Low-Speed-Druckstufe und dreistufig regulierbarer Druckstufe (offen, Pedal, gesperrt) austoben, ohne hierfür einen HTL-Abschluss zu benötigen.

Durchschlag gelang mir trotz komfortabel gewähltem Setup kein einziger, weder vorne noch hinten. Freilich mangelt es mir aber ohnehin an der nötigen Risikobereitschaft und Fahrtechnik, um dieses Gerät an seine Grenzen zu bringen, schaffte doch Enduro-Profi Joe Barnes damit sogar bereits EWS-Podiumsplätze …
Insgesamt wirkt das Fahrwerk sensibel, dabei aber hart im Nehmen, und scheint viel Wert auf Bodenkontakt zu legen – das beruhigt! Allerdings gibt es geradlinigere und spurtreuere Bikes als das Spectral WMN. Wo viel Agilität, da eben auch etwas Unruhe. Von echter Unsicherheit sind wir aber auch in steilen Stufen oder auf hässlichen Wurzeltrails noch ein ganzes Stück entfernt.

Etwas über die Stränge wird für mein Empfinden mit der Lenkerbreite geschlagen. Zwar fördert diese speziell bergab Kontrolle und Laufruhe. Aber ergonomisch wollen 74 cm mit meiner Schulterbreite nicht mehr wirklich zusammenpassen, und faktisch liegen sie anscheinend auch außerhalb meines Wahrnehmungsbereiches: Eng stehende Bäume oder schmale Brückengeländer bereiteten mir Probleme, mehrere Male touchierte ich ungewollt Türpfosten, Hinweistafeln o.ä., und einmal fand ich mich, hurtig bergauf über Wurzeln stangelnd, sogar einen Meter neben dem Weg wieder, weil das rechte Lenkerende mit solchem Schwung an einen Baumstamm krachte, dass dieser mich vom Weg katapultierte.
Und auch in Sachen Tretlager-Position gab's mehrere unangenehme Aha-Erlebnisse. Dieses liegt so tief, dass ich öfter beim Treten mit dem Pedal auf Wurzeln oder Steinen hängen blieb bzw. aufsaß. Zwar lässt sich derlei mit vorausschauender Fahrweise meist verhindern – aber eben nicht immer. Und anders als die Lenkerbreite ist dieses Maß bzw. Manko auch nicht veränderbar – zumal, wenn die Kurbel bereits 170 cm kurz ist ...

Funktionalität

Auf ganzer Linie überzeugen konnten die Maxxis Highroller. Sie präsentierten sich auf sämtlichen Böden, welche der spätwinterlich-frühlingshafte Wienerwald zu bieten hatte, als geeignete Partner, boten viel Grip, ohne alle Kraft aus den Muskeln zu saugen und sorgten nie für böse Überraschungen.
Zusammen mit den breiten Felgen liegen die 2,4" Gummis recht satt am Boden auf, nicht nur optisch nähert man sich mit dieser Kombi also bereits einem Plus-Bike an - hohe Fehlertoleranz inklusive. Von der deshalb befürchteten Trägheit war, wohl auch dank des relativ geringen Gewichts der recht robust wirkenden DT Swiss Laufräder, in der Praxis glücklicherweise nichts zu spüren.

Und auch von allen am Spectral verschraubten Sram-Teilen kann ich nur Positives berichten. Die Eagle, zumal mit der kraftsparenden 32er-Option, macht Einfachschaltungen endlich auch für normal trainierte Menschen zur echten Option. Am anderen Ende der Fahnenstange war mit 32:10 bei knapp 40 km/h Schluss - das scheint für ein Trailbike allemal schnell genug. Die Gangwechsel erfolgten prompt, präzise und auch im Dreck zuverlässig. Anders als die Zwölffach eines Kollegen zickte meine auch keine Sekunde bezüglich Einstellbarkeit herum.
Ähnlich das Fazit zur Guide RS: Der Vierkolben-Anker wirkte allzeit potent und ließ, kombiniert mit 200er- und 180er-Scheiben, nie an Power vermissen. Gleichzeitig fein dosierbar und völlig (!) schleiffrei, ließ die Bremse meine althergebrachte Sram-Skepsis förmlich dahinschmelzen.

Fazit

Canyon Spectral WMN CF 9.0 EX
Modelljahr: 2017
Testdauer: 490 km, 7 Wochen
Preis: € 4.299,-
+ Optik und Verarbeitung
+ Ausstattung und Gewicht
+ Wendig und agil
+ großer Einsatzbereich
+ Spezial-Tuning
+ Funktionalität
o Durch Kompaktheit etwas hoch, unruhig
o Lenkerbreite
- Tiefes Tretlager
BB-Urteil: In der Kürze liegt die Würze - Trailbike, Typ leichtfüßig-verspielt.


Die Kompaktheit des Spectral samt dem daraus resultierenden, hohen Schwerpunkt muss man mögen, und sein tief liegendes Tretlager stets im Hinterkopf behalten.
Wer diese beiden Voraussetzungen erfüllt, wird in der Damenversion des Trailbikes einen vielseitigen Begleiter für beinahe jedes und vor allem auch grobes Gelände finden, der spielerische Wendigkeit und leichtfüßige Agilität mit absolut zufriedenstellenden, wenngleich nicht herausragenden Klettereigenschaften kombiniert.
Kompromisslos bergabbolzen können Räder mit etwas längerem Reach als das Spectral vermutlich besser. Hochwertig ausgestattet und fesch designt, erwirbt man mit dem auf 150 mm gepimpten 140er-Fully für versendertypisch "wenig" Geld aber jedenfalls sehr gute Allround-Eigenschaften und erfreulich wenig Gewicht.

Ob des baugleichen Carbonrahmens mit geschlechtsneutraler Farbgebung ist das speziell getunte Spectral WMN CF außerdem eine ernstzunehmende Option für zart gebaute Männer, können doch auch diese von einem effektiven und potenten, aber trotzdem sanft ansprechenden Fahrwerk profitieren.


Ergebnis 1 bis 3 von 3
  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
    User seit
    Apr 2002
    Ort
    Wien Süd, gelegentlich Bad Hall (OÖ)
    Beiträge
    1.624

    Canyon Spectral WMN CF 9.0 EX

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  2. #2
    Registrierter Benutzer Avatar von stephin
    User seit
    Jul 2006
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    Wien
    Beiträge
    1.591
    Echt prima die (Damen)modelle von Canyon und ziemlich durchdacht! Die Alu Version mit "nur" 1kg mehr gibts schon um rd. 2000 EUR billiger....
    Geändert von stephin (10-04-2017 um 09:22 Uhr)
    jella jella - imma schnella!

  3. #3
    ... Avatar von Konfusius
    User seit
    Dec 2003
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    Graz
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    2.191
    Für meine Freundin haben wir letzten Sommer im Sale das hier bestellt:

    http://www.bikesport-magazin.de/test...pectral-70-wmn

    Angebotspreis: €2150,- + Versand, trotz Fox 34 Fit4, welche ich technisch und "gefühlsmäßig" (bei 50-55kg Körpergewicht) eine halbe Stufe über die Pike (heuriges Model) stellen würde. Gewichtsnachteil gegenüber Carbon und 1fach-Schaltung sind komplett ca. 800g. Dafür hat man einen deutlich unempfindlicheren Rahmen und etwa 2k gespart...Mehr Preis/Leistung geht fast nicht und meine Lady ist sehr zufrieden! Bis jetzt: Daumen hoch für Canyon!