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Cervélo Áspero GRX 1x11

Cervélo Áspero GRX 1x11

10.02.20 07:53 45Text: Der BaranskiFotos: fotorika.deTest des Gravel-Racers aus Kanada mit Shimanos neuer 1-fach Schaltgruppe und versenkbarer Sattelstütze - für den sportlichen Rennradeinsatz abseits der Straße.10.02.20 07:53 5.339

Cervélo Áspero GRX 1x11

10.02.20 07:53 5.339 Der Baranski fotorika.deTest des Gravel-Racers aus Kanada mit Shimanos neuer 1-fach Schaltgruppe und versenkbarer Sattelstütze - für den sportlichen Rennradeinsatz abseits der Straße.10.02.20 07:53 5.339

Die eierlegende Wollmilchsau: immer wieder gesucht und aktuell von vielen Herstellern mit den Gravel-Bikes vermarktet. Kann das klappen? Cervélo lehnt sich bei seinem ersten Ritt ins Gelände mutigerweise gleich so weit aus dem Fenster und sagt: „Nein, wir bauen einen Gravel-Racer!“ Wie setzt sich das Áspero dabei von anderen Bikes der G-Gattung ab - und wie fährt sich das dann?

Cervélos erster Gravel-Racer

Gravel ist neben allem mit Motor aktuell ja das Thema in der Fahrradindustrie. Kaum ein Hersteller, der nicht auf das Zwitterwesen aus Rennrad und MTB setzt - als das eine Rad für alle und alles. Wobei man sich aufgrund meist fehlender Federelemente dann schnell zurück in die Zeit von ungefederten Starrbikes gebeamt fühlt. Unter anderem deshalb war ich anfangs mehr als skeptisch, ob Gravel etwas ist, das bleibt. Zu froh war ich vor ein paar Jahren am Ende gewesen, als ich die Sau Fatbike habe durchs Dorf treiben lassen, ohne mir auch gleich eins zuzulegen.
Beim "Graveln" schreckte mich zudem der Ansatz ab, bei dem man so ein minimalistisches Bike dann auch noch minimalistisch belädt, um in die Wildnis zu fahren, dort kalt und nass zu campieren und sich am Lagerfeuer mit Dosenravioli für die Etappen der nächsten Tage zu stärken - Stichwort: Mikroabenteuer und Bikepacking.

Hellhörig wurde ich dann letztes Jahr aber doch, als der kanadische Anbieter Cervélo mit seinem Ansatz zum Thema Gravel auf den Markt kam und das ganze Áspero nannte, was auf Spanisch so viel wie rau oder ruppig bedeutet. Zu interessant - und meist gut - fand ich die bisher rein für die Straße und auf Speed ausgelegten Rennräder und die Triathlon- und Zeitfahrbikes der Kanadier. Außerdem hatte das Áspero gar nicht erst die ganzen Ösen für Gepäckträger, Taschen und Schutzbleche und das klang schon mal nach sportlicherer Ausrichtung und dem, was ich am liebsten tue mit dem Rad: Ballern. Weil das bei mir - wenn schon denn schon - zum Großteil im Gelände stattfinden würde, dann aber gern mit einem Rad in etwas gröberem Aufbau.

Das Testrad gab es im Herbst auch in einer ganz neuen Spezifikation mit 650b-Laufrädern und nur einem Kettenblatt in grün mit türkisen Sprenkeln. Sprenkel in anderen Naturtönen kamen die letzten beiden Monate dann zur Genüge dazu. Um es vorwegzunehmen: statt Schotter und staubigen Pisten wie in den Werbevideos von Cervélo erlebte das Áspero über den Winter eher das Gegenteil, sprich zentnerweise Schlamm und jede Menge nasses und frostiges Geläuf. Sozusagen "Gravel meets Mudder".

Erster Eindruck

Das Áspero gab es fertig aufgebaut und so gut wie neu auf den Hof gestellt. Nicht, dass die Montage mit viel Aufwand verbunden gewesen wäre, so wie inzwischen bei einer ganzen Reihe von Bikes mit Integrationslösungen, etwa am Cockpit. Aber schon mal gut zu sehen, dass man es bei einem Rad für harten Einsatz in der Wildnis bei Standardlösungen wie klassischer Lenkerklemmung und einer ganz normalen runden Sattelstütze belassen hat. Nur für den Fall, dass hier unterwegs mal eine Schraube notwendig sein sollte. Interessant und von Cervélo bei nur diesem Modell verbaut war eine versenkbare Sattelstütze mit immerhin 50 Millimetern Hub, für den Fall, dass es im Gelände richtig ruppig werden würde. Angesteuert wurde diese per linkem STI, der, weil mit Einfach-Kettenblatt und ohne Umwerfer verbaut, eh keine Schaltfunktion zu erfüllen hatte.

Was beim ersten Draufsetzen angenehm auffiel, war die ergonomische Form der STI-Hebel aus der GRX-Reihe von Shimano, der ersten Gruppe rein für dieses Radsegment. Auffällig, aber beides praktisch: die gleich montierte und mit Reißverschluss versehene Tasche auf dem Oberrohr sowie im Steuerkopfbereich angebrachte Schlagschutzfolie, ohne welche die Züge wohl kräftig am Lack gescheuert hätten. Da, wo im Gelände oft der größte Beschuss mit Steinen und Dreck stattfindet, nämlich am Unterrohr, wird das Carbon beim Áspero zudem mit einem fetten Schlagschutz aus Gummi geschützt. Wer mag, kann dort auch noch einen dritten Flaschenhalter oder eine Werkzeugbox befestigen, je nachdem, was man lieber dem größten Dreckbeschuss am Rad aussetzen möchte. Ähnlich und bei der Ausrichtung von allen Rädern fürs Gelände eine gute Wahl ist auch ein kräftiger und langer Schlagschutz an der Kettenstrebe. Hier hatte jemand an den Einsatz in der Praxis gedacht und mit ein paar SPD-Pedalen konnte der auch gleich losgehen. Auf jeden Fall schon vorher immer schön: wenn man sich beim ersten Draufsetzen an den Kontaktpunkten zum Rad sofort wohl fühlt.

Technik: Bike & Geometrie

Wer sich etwas mit den Straßenrädern der Kanadier beschäftigt, dem wird auffallen, dass diese eigentlich alle auf Geschwindigkeit ausgelegt sind. Neben Maßnahmen wie aerodynamischen Rohrformen und der Auslegung das Carbon-Laminats auf leicht und steif liegt das auch an vergleichsweise langem Reach und eher wenig Stack. Übersetzt: Cervélo Rahmen sind gern etwas länger und dafür flacher in Steuerkopf und Oberrohr. Und das gilt jetzt auch für die neue A-Serie, also das Áspero. Ein wenig wie von der R-Serie übernommen – die ganz leichten und steifen Modelle für die Berge – muten hierbei die Formen vom Oberrohr (fast quer-oval), Steuerkopf sowie Unter- und Sattelrohr an, die eine Kammtail-Form aufweisen, also ein „abgeschnittenes“ Tropfenprofil. Weil es mit dem Áspero nicht um das Thema Radwandern geht, sondern um zügiges Fahren auf jedem Terrain, macht das theoretisch durchaus Sinn. Zudem kann man so auch schön steife Rahmen bauen, ein weiteres Merkmal dieses Gravel-Racers.

In die gleiche Richtung – schnellen Vortrieb – geht es auch bei der Sitzposition durch Sattelstütze und Sitzwinkel. Da ist der Rahmen mit seinen 73° nämlich ausgelegt auf Stützen ohne Versatz nach hinten. Dadurch sitzt man tendenziell recht weit vorne über dem Tretlager, was von Vorteil ist, wenn es a.) ums Tempobolzen und b.) steil bergauf geht. Der Hinterbau ist mit 420 Millimetern relativ kurz für mehr Grip und ein direktes Fahrgefühl. Damit das Ganze sich dann trotzdem laufruhig fahren lässt, hat Cervélo sich für die Ausfallenden der Gabel etwas einfallen lassen: den TrailMixer. Damit lässt sich die Geometrie des Áspero feintunen, auch im Hinblick auf die beiden möglichen Reifenvarianten 700c oder 650b. Die Kanadier ermöglichen nämlich ein Drehen der Achsaufnahme in der Gabel. Damit kann der Nachlauf um fünf Millimeter verstellt werden. In hinterer Position (gut für 650b) gibt das mehr Laufruhe. Werden diese nach vorne gedreht, fährt es sich agiler. Die Inbusschrauben auf der Gabelinnenseite fungieren hierbei zudem als Führung der Steckachse beim Einbau des Vorderrades, ein nettes Gimmick. Dieser Geometriewechsel ist zwar recht schnell erledigt, für mal eben auf die Schnelle ist das aber leider nichts, weil ja auch der Bremszylinder mittels eines anderen mitgelieferten Adapters neu ausgerichtet werden muss. Wie so oft bei solchen Optionen ist sowas aber ein „nice-to-have“, nicht zuletzt, wenn es um den Wechsel zwischen den zwei möglichen Laufradgrößen und ein damit verbundenes Anpassen der Geometrie geht.

Geometrie-Verstellung per TrailMixer
  • TrailMixer: in zwei Positionen einstellbare Gabel-Dropouts
    TrailMixer: in zwei Positionen einstellbare Gabel-Dropouts
    TrailMixer: in zwei Positionen einstellbare Gabel-Dropouts

Ein sehr interessantes technisches Detail ist der sogenannte TrailMixer an der Gabel. Dabei kann die Geometrie des Ásperos mittels der einstellbaren Gabel-Dropouts für alle Laufrad-/Reifen-Kombinationen optimal adaptiert werden. Die Position "Forward" erzeugt einen kürzeren Gabelnachlauf (Trail) und ein schnelleres Handling, während "Rearward" einen längeren Gabelnachlauf bzw. ein langsameres Handling bewirkt.

  • OptimalOptimal
    Optimal
    Optimal
  • OptimalOptimal
    Optimal
    Optimal
  • Nicht optimalNicht optimal
    Nicht optimal
    Nicht optimal

Basisregel für gutes Handling mit 700c: breite Reifen = forward, schmale Reifen = rearward
Basisregel für gutes Handling mit 650b: rearward

Beispiel: ein 33 mm breiter Reifen auf einem 700c Laufrad und ein 51 mm breiter Reifen auf einem 650b Laufrad schwingen sich beide auf einen Radumfang von 677 +/-2 mm auf. So erhält man mit "Rearward" für beide Laufrad-Reifen-Kombis einen optimalen Gabelnachlauf von 62 mm.

Weitere Übernahme aus dem Road-Bereich sind die tief ansetzenden Kettenstreben am Áspero. Auf der Straße oft aus Gründen der Aerodynamik, hier vermutlich eher aus Design- und/oder Komfortgründen gewählt - auch wenn dieser Faktor von Cervélo ganz bewusst nicht so gespielt wird, wie etwa BMC und Cannondale das bei ihren Gravel-Bikes tun.


Geometrie Áspero

  48  51 54 56 58 61
Stack (mm) 505 530 555 580 605 630
Reach (mm) 370 379 388 397 406 415
Sitzrohrwinkel effektiv (°) 74,5° 74° 73,5° 73° 73° 73°
Oberrohr (mm) 512 532 553 575 591 608
Laufradgröße 700c 700c 700c 700c 700c 700c
Lenkwinkel (°) 71° 71,5° 72° 72° 72° 72°
Gabel-Offset Rwd/Fwd (mm) 52/57 49/54 46/51 46/51 46/51 46/51
Steuerrohrlänge (mm) 83 107 133 159 188 214
Tretlager-Drop (mm) 78,5 78,5 76 76 73,5 73,5
Front Centre Fwd Pos. (mm) 583 592 602 619 637 654
Kettenstrebenlänge (mm) 420 420 420 420 420 420
Überstandshöhe (mm) 690 732 764 788 814 838
Trail 700C (mm) 58,6 58,6 58,6 58,6 58,6 58,6
Trail 650B (mm) 58,1 58,1 58,1 58,1 58,1 58,1
Radstand (mm) 990 1000 1010 1027 1046 1063

Was deutlich auffiel, ist, wie schon erwähnt, der recht flache Steuerkopf für ein Rad, welches zumindest zum Teil auch ein Geländefahrrad ist. Hier wird man vermutlich nicht um Spacer herumkommen, wenn man das Rad auch in technisch anspruchsvollem Gelände bewegt. Denn die Karte "Aero" ist hier dann eher zweitrangig gegenüber sicherem Handling. Das 58er Test-Bike hatte satte 35 Millimeter verbaut und die blieben auch alle unter dem Vorbau. Neben der Front liegt auch das Tretlager beim Áspero recht tief, was eine höhere Fahrstabilität schaffen soll. Das verstärkt sich natürlich noch bei der Wahl der kleineren Laufräder, denn damit wandert alles noch ein bisschen weiter nach unten Richtung Stock und Stein.

Apropos Laufräder: das Áspero ist eines der Gravel-Bikes, das neben den 700c-Laufrädern auch ausgelegt ist für 650b. Weil es irgendwann immer eng mit der Reifenfreiheit wird, gibt Cervélo die Maximalbreiten mit 42 mm für die großen und 49 mm für die kleine Laufradvariante an. Man sollte aber immer noch vier bis fünf Millimeter rundum als Sicherheitsreserve einplanen, etwa für Dreck oder tierische Abfälle auf Wald und Wiese. Nachmessen lohnt auf jeden Fall: die verbauten hatten statt der angegebenen 47 dann 50 Millimeter – aber immer noch genug Platz in Rahmen und Gabel.

Und wo wir schon bei Zahlen sind und auch, wenn es beim Graveln sicher Wichtigeres gibt: ohne Pedale wog das Testrad in 58 Zentimetern 9,2 Kilogramm, den Rahmen gibt Cervélo in 56er Höhe mit 1.100 Gramm an. Die Gabel soll 450 Gramm wiegen. Der Wartungsfreundlichkeit geschuldet gehen die Züge beim Áspero erst hinter dem Steuerrohr ins Unterrohr. Rahmen bzw. Führungen sind mit mechanischen Zügen, Hydraulikleitungen, Strom und Funk kompatibel.

Und wer sich wundert, was der „UCI-approved“-Sticker soll, wo Gravel doch zum Glück noch nicht vom Radsportweltverband entdeckt wurde: zumindest in Nordamerika ist es wohl üblich, mit Gravel-Bikes auch Cross-Rennen zu fahren. Wer also noch einen weiteren Grund für ein neues Rad sucht: da hat er ihn.

Technik: Parts und Zubehör

Bei der Bestückung des Áspero spielt Cervélo die Karte gut und bewährt, soweit man das für diese recht neue Fahrradgattung jetzt schon sagen kann. Gebremst und geschaltet wird mit Shimanos GRX-Gruppe in der hochwertigen RX-810er Serie als mechanische Variante. Angelehnt an die Straßengruppen der Japaner entspricht diese Ultegra-Niveau. Höher geht es damit nicht mehr und wenn man sich die Einsatzbedingungen von Gravel-Bikes vor Augen führt, macht das durchaus Sinn. Wer hier genauer einsteigen mag, der klicke mit etwas mehr Zeit in petto hier zu einem Artikel meines werten Kollegen NoPain.

Vorne fehlte beim Áspero der Umwerfer dieses Mal komplett, kompensiert im Sinne von Übersetzungsbandbreite und Abfallschutz wurde dies durch ein 40er Kettenblatt von Easton, das auf einer 175er EA 90 Kurbel verbaut war. Wie immer bei Monoblättern kommt das Blatt auch hier mit unterschiedlich geformten Zähnen, wobei jeder Zweite eine andere Form hat. Achtung: ungerade Zahnzahlen sind hiermit nicht möglich. Schon mal vorab: in Kombination mit dem Kettenstabilisator am Schaltwerk hat das hier funktioniert und in Verbindung mit der 11-40er Kassette hat die maximal 1:1-Übersetzung für fast alle Anstiege ausgereicht.

Der Teilespezialist Easton liefert neben dem Kurbelsatz aus Alu auch die EA70 AX Laufräder mit Alufelgen und ganz klassischen, freiliegenden Messingnippeln. Auch hier ginge es sicher raffinierter mit Leichtbau und verdeckten Nippeln, aber im Falle eines Materialschadens ist diese Version deutlich einfacher zu reparieren. Für breite Reifen und ein speziell im Gelände fluffiges Fahrverhalten haben die Felgen eine Innenmaulweite von 24 Millimetern - bei diesem Modell des Áspero wie gesagt in der kleineren und fetteren 650b-Variante fürs grobe Gelände. Das Cockpit am Áspero stammt auch von den Amerikanern und zwar mit einem schnörkellosen Alu-Vorbau samt Vierschraubenklemmung und einem EC70 AX Carbon-Lenker mit Flare, dem Typus Gravel-Bike sei Dank. Die Idee dahinter: je breiter man im Gelände greifen kann, umso stabiler lenkt sich das Rad. In Unterlenkerposition schafft Easton hiermit 68 Millimeter mehr Breite als an den Bremsgriffen. Auf längeren Strecken sorgt die breite Griffposition für mehr Abwechslung und Entspannung. Was am Lenker auch angenehm auffiel, war die Mulde an der Unter-/Rückseite, in die man in Oberlenkerposition mit den Fingern automatisch reingreift.

Disc GRX 1 Dark Teal/Light Teal

Rahmen Cervélo Áspero Disc Frameset, Thru Axles Gabel Cervélo All-Carbon Áspero Fork, Tapered 1-1/8 x 1-1/2
Größe 48, 51, 54, 56, 58, 61 Steuersatz FSA IS2 1-1/8 x 1-1/2
Vorbau Easton EA70 + Computer Mount Tretlager Cervélo BBright Connect 30x79
Lenker Easton EC70 AX Kassette Shimano M8000, 11-40
Lenkerband Velo Kette Shimano CN-HG701, 11-fach
Sattelstütze TransX Dropper 50 mm Travel Schaltwerk Shimano GRX RX-812
Schalthebel Shimano GRX RX810, 11-fach Bremsen Shimano GRX Hydraulic Disc 160 mm
Sattel Prologo Dimension NDR T4 Kurbel* Easton EA90 40 Zähne 175 mm
Laufräder Easton EA70 AX Reifen Vittoria Terreno Dry 650bx47C
Gewicht 9,2 kg (RH 58 ohne Pedale) Preis € 3.999,-

Die Reifen am Testrad kamen von Vittoria und zwar als 47 Millimeter breite Terreno Dry in der Semislick-Variante. Effektiv sind diese beim Mindestdruck von 2,5 Bar allerdings satte 50 Millimeter. Natürlich werden die in Tubeless-Variante gefahren, auch wenn Cervélo sie stets mit Schlauch montiert ausliefert. Warum? Mit Milch hält das halt nur begrenzt die Luft, bei uns waren vorne und hinten nach zirka zwei Monaten komplett ausgetrocknet. Nach 60 ml frischem Stan's No Tubes war das aber auch schnell wieder behoben.

Der Sattel von Prologo sitzt bei dieser Variante des Áspero interessanterweise auf einer versenkbaren Sattelstütze von TransX, die über den linken STI-Hebel per innenverlegtem Kabel angesteuert wird und 50 Millimeter Hub bietet. Das ist im Vergleich zu den Versionen beim Mountainbike zwar nicht viel, kann aber hilfreich sein, wenn es so richtig ruppig wird - oder man nach einem Absteiger in steilem Gelände wieder aufsteigen und anfahren will.

Fahreindruck

Wenn man mit einem Rennlenker bisher nur auf der Straße unterwegs war, dann mag man sich anfangs scheuen, damit auch mal so richtig ins Gelände zu gehen. Und im Vergleich zu einem geraden oder gekröpften Lenker am MTB ist die Bremsgriffposition erst einmal gewöhnungsbedürftig, wenn es offroad und bergab geht - umso mehr, je fordernder das Gelände ist und je schneller man wird. Das Áspero schafft hier aber schnell Vertrauen. Die in Verbindung mit den 650b-Laufrädern etwas trägere Geometrie und die breiten Reifen bügeln auch ohne Federung einen Großteil der Unebenheiten weg; das ist dann wirklich so ähnlich wie Mountainbiken in den 80er Jahren. Eines der Highlights in diesem Zusammenhang waren die STIs der GRX-Gruppe. Die lagen – warum auch immer – so perfekt in der Hand wie bisher noch keine anderen Schalt-/Bremshebel, egal von welchem Hersteller. Das mag aufgrund des „geflareten“ Lenkers und der angeschrägten Position der Fall gewesen sein oder wegen des größeren Umfangs im Vergleich zu den reinen Straßenversionen (zum Vergleich: zum Vergleich: GRX MECHANISCH hat 14 Zentimeter, Ultegra Di2 hydraulisch nur 12,5 Zentimeter Umfang). Oder vielleicht waren es auch die Rippen im Gummi für mehr Grip. Auf jeden Fall sind die ein großer Wurf aus Japan für größere mitteleuropäische Hände.

Was im Gelände auch immer viel bringt, sind gut ansprechende und dosierbare Scheibenbremsen. Und auch hier gibt es beide Daumen hoch für die Modelle von Shimano, die auf 160-Millimeter-Bremsscheiben vorne und hinten verzögerten. Einziges Manko bei Nässe, und davon sah das Test-Bike mehr als genug: leider quietschten die immer wieder so laut wie eine Sturmklingel, und wenn es so richtig sauig ist, verschleißen die Beläge auch im Flachland recht schnell durch ungewollte Reibung von Dreck, Belag und Metall.

Den Großteil an Fahrkomfort und -sicherheit holt man sich bei diesem Aufbau weniger über das steife Rahmenset als über die großvolumigen Reifen – und so wenig Reifendruck wie nötig. Als bester Kompromiss haben sich für mich mit einem Systemgewicht von grob 100 Kilogramm die 2,5 Bar Mindestluftdruck herausgestellt. Angeliefert wurde es noch mit deutlich weniger und auch damit klebte das Áspero im Gelände wie Kaugummi am Boden. Bloß auf der Straße war damit dann kein zügiges Vorankommen, vor allem nicht in der Gruppe und mit Sparringspartnern, die auf 700c-Reifen unterwegs waren. Ging es dann aber ins Gelände und wurde der Boden tief, dann spielten die 650b wieder ihre Stärken aus. Und auch wenn die Reifen mit dem Zusatz “Dry“ versehen waren: die fuhren sich auch im Matsch ganz passabel mit leichten Abzügen in der seitlichen Führung bei höherem Tempo. Hier dürfte ein derberer Gravel- oder sogar MTB-Pneu helfen, etwa ein Modell von Schwalbe aus der G-One-Reihe oder etwas mit noch mehr Profil.

Wobei wir bei der Königsfrage dieses Rades sind: welches ist denn nun die richtige Laufradgröße und die richtige Bereifung? 700c oder 650b? Und dann eher mit Semislicks oder kräftigen Stollen? 40, 45 oder 50 Millimeter Breite? Die Antwort, die jetzt vermutlich keiner hören will, ist aber leider die einzig wahre: es kommt darauf an - genauer gesagt auf den Einsatzzweck und das Terrain, das man mit dem Áspero bespielen möchte. Man wird sonst immer einen Kompromiss eingehen müssen, mit dem man an mindestens einem Ende der Range keine rechte Freude haben wird. Das Gute daran: außer dem Laufradsatz mit Bereifung sowie dem Gabelnachlauf wird man nichts mehr am Rad ändern müssen. Das ist zwar nicht die eierlegende Wollmilchsau, aber für ein Rad, das Gelände, Feld- und Waldwege oder auch mal Straße auf Tempo kann, schon verdammt viel.

Cérvelo Áspero Line-Up 2020

  • Disc Force eTap AXS  - Burgundy/Dark Orange€ 5.999,-Disc Force eTap AXS  - Burgundy/Dark Orange€ 5.999,-Disc Force eTap AXS  - Burgundy/Dark Orange€ 5.999,-
    Disc Force eTap AXS - Burgundy/Dark Orange
    € 5.999,-
    Disc Force eTap AXS - Burgundy/Dark Orange
    € 5.999,-
  • Disc GRX 1 - Dark Teal/Light Teal€ 3.999,-Disc GRX 1 - Dark Teal/Light Teal€ 3.999,-Disc GRX 1 - Dark Teal/Light Teal€ 3.999,-
    Disc GRX 1 - Dark Teal/Light Teal
    € 3.999,-
    Disc GRX 1 - Dark Teal/Light Teal
    € 3.999,-
  • Disc GRX - Mid Olive/Dune€ 3.999,-Disc GRX - Mid Olive/Dune€ 3.999,-Disc GRX - Mid Olive/Dune€ 3.999,-
    Disc GRX - Mid Olive/Dune
    € 3.999,-
    Disc GRX - Mid Olive/Dune
    € 3.999,-
  • Ultegra Disc RX - Burgundy/Dark Orange€ 3.999,-Ultegra Disc RX - Burgundy/Dark Orange€ 3.999,-
    Ultegra Disc RX - Burgundy/Dark Orange
    € 3.999,-
    Ultegra Disc RX - Burgundy/Dark Orange
    € 3.999,-
  • Ultegra Disc RX - Mid Olive/Dune € 3.999,-Ultegra Disc RX - Mid Olive/Dune € 3.999,-
    Ultegra Disc RX - Mid Olive/Dune
    € 3.999,-
    Ultegra Disc RX - Mid Olive/Dune
    € 3.999,-
  • Disc Apex 1 - Burgundy/Dark Orange€ 2.999,-Disc Apex 1 - Burgundy/Dark Orange€ 2.999,-
    Disc Apex 1 - Burgundy/Dark Orange
    € 2.999,-
    Disc Apex 1 - Burgundy/Dark Orange
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  • Disc Apex 1 - Mid Olive/Dune€ 2.999,-Disc Apex 1 - Mid Olive/Dune€ 2.999,-
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    € 2.499,-
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    Frame - Dark Teal/Light Teal
    € 2.499,-
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  • Frame - Mid Olive/Dune€ 2.499,-Frame - Mid Olive/Dune€ 2.499,-Frame - Mid Olive/Dune€ 2.499,-
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    € 2.499,-
    Frame - Mid Olive/Dune
    € 2.499,-

Fazit

Áspero Disc GRX 1x11
Modelljahr: 2020
Testdauer: 3 Monate, 1.500 km
Preis: € 3.999,-
+ Leicht & steif
+ Einstellbar: agil oder laufruhig
+ Großartige Schaltgruppe
+ Zahlreiche Ausstattungs-Optionen
o Für Extrem-Gravel sehr tiefes Steuerrohr, wenig Stack, viel Reach
- Bremsen quietschen und schleifen bei Nässe und im Schlamm
- Sehr niedriges Tretlager in Verbindung mit 650B
BB-Urteil: Haul ass, not cargo!


Cervélo legt dafür, dass es sich mit dem Áspero um den ersten Abstecher offroad handelt, einen beeindruckenden Aufschlag hin. Alles, was Sinn macht und sich auf der Straße bewährt hat, nehmen die Kanadier einfach mit ins Gelände - ergänzt um Anleihen aus dem Bereich MTB. Und da kann man es mit dem Áspero dann ordentlich krachen lassen. Ob nun auf der Feierabendrunde abseits von den Straßen mit den Kumpels oder am Wochenende auf längeren, gern auch mal komplett unbekannten Touren auf der Suche nach Grenzen. Die wird man sicher auch irgendwann finden, aber speziell mit den kleineren Laufrädern und dicken Reifen wird das dauern.

Das Áspero ist hierbei eher was für den Rennfahrer auf der Suche nach dem nächsten KOM als für den Radwanderer. Kraftübertragung steht hier auf jeden Fall über sofagleichem Fahrkomfort. Dafür hat Cervélo einfach zu viel Rennsport-DNA im Blut. Graveln auf Wettkampfniveau? Das wird kommen. Auch wenn sich solche Formate im deutschsprachigen Raum erst noch entwickeln müssen, ganz anders als in UK oder USA. Das könnte auch damit zu tun haben, dass die Autofahrer dort noch beschissener und rücksichtsloser fahren und den gemeinen Rennradfahrer von der Straße vertreiben, eben auf den Schotter der Nebenstrecken. Wenn die Tour allerdings länger werden soll, und damit meine ich was über mehrere Tage und gemütlich mit Gepäck und Zelt, dann mag es andere Bikes mit dem Label "Gravel" geben, die hier besser passen. Wer die Finger nicht vom wettkampforientierten Fahren lassen kann, der findet hier aber genau die Faust aufs Auge! Um hierzu den Claim des Herstellers zum Bike zu bemühen: "Haul ass, not cargo!".


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  1. #1
    Registrierter Benutzer
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    Rosengarten
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    Cervélo Áspero GRX 1x11

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  2. #2
    ich will sommer!! Avatar von mbiker
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    bei cervelo frag ich mich immer, warum die das 2020 no immer ned schaffen bei einem 3000+ teurem radl die kabelführung etwas hübscher zu gestalten. schaut vorne no immer wie a spinnennetz aus
    cu, martin

    2RC °199 "NoRegrets"

  3. #3
    langsam alt Avatar von hermes
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    Zitat Zitat von mbiker Beitrag anzeigen
    .... bei einem 3000+ teurem radl ....
    mittlerweile ist das die einsteigerklasse, da muss man mit kompromissen leben.
    2RC°395

    www.selberbruzzler.at
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    i tät gern so gscheit radlfahrn können, wie i deppat reden kann

  4. #4
    Frohnatur Avatar von NoPain
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    Sieht mit einer SRAM AXP entsprechend aufgeräumter aus. Diese Konstruktion hat allerdings auch ein paar Vorteile. Wartungsfreundlicher und die Bowden können relativ spannungsfrei verlegt werden.

    Bei meinem Open gehen alle Züge an der linken Seite rein und es war eine ziemliche Spielerei mit der Bogenlänge, bis der Lenker spannungsfrei montiert war und bei freihändiger Fahrt nicht selbstständig einschlug.
    Geändert von NoPain (10-02-2020 um 12:45 Uhr)

  5. #5
    Steiler is Geiler
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    Das Rose Backroad kost 1400! Euro weniger und is an halben Kilo leichter - mindestens
    ok - die Dropperpost fehlt...

  6. #6
    ich will sommer!! Avatar von mbiker
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    Zitat Zitat von Commander Tom Beitrag anzeigen
    ok - die Dropperpost fehlt...
    naja wenn der arsch schon so schwer ist, dass er einen lift braucht zum absteigen, dann is der kanadier sowieso nix
    cu, martin

    2RC °199 "NoRegrets"

  7. #7
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    Zitat Zitat von Commander Tom Beitrag anzeigen
    Das Rose Backroad kost 1400! Euro weniger und is an halben Kilo leichter - mindestens
    ok - die Dropperpost fehlt...


    Ich glaube nicht das den Cervelo Kunden interessiert wieviel ein Versenderrad kostet das den Namen seiner Vorgarten Zierpflanzen trägt.

    Die Kabelführung stört mich auch, sie ist aber immer noch eine der leichtesten, klapperfreien Lösungen bei sehr geringem Reibwert der Kabel.

    Ansonsten is es ein ziemliches Pornofietsen.

  8. #8
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    Habe mir das Komplettrad mit Apex in Gold bestellt.
    Kommt leider erst im April.
    Wird dann auseinander gebaut, eine nagelneue Etap 11-fach 50/34 kommt dran.
    Ist eher RR Ersatz als wie Graveler. Kommt zum Glück nicht mit zu vielen Befestigungsmöglichkeiten
    Bei Rose bestelle ich auch schon mal, aber keine Räder

  9. #9
    aka NoBier Avatar von NoBizarro
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    Das Aspero in weinrot mit 2fach Grx Di2 wäre meins. Das oder das Scott Addict Gravel 10 oder das 3T Exploro.

  10. #10
    aka NoBier Avatar von NoBizarro
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    Oida, wieso die Flakes? Hat das weinrote auch diese Gayflakes?

  11. #11
    aka NoBier Avatar von NoBizarro
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    Die sind nicht necessary!

  12. #12
    Steiler is Geiler
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    Zitat Zitat von ruffl Beitrag anzeigen
    Ich glaube nicht das den Cervelo Kunden interessiert wieviel ein Versenderrad kostet das den Namen seiner Vorgarten Zierpflanzen trägt.

    Die Kabelführung stört mich auch, sie ist aber immer noch eine der leichtesten, klapperfreien Lösungen bei sehr geringem Reibwert der Kabel.

    Ansonsten is es ein ziemliches Pornofietsen.
    Ja, kann sein, aber was ist genau aus Kanada bei dem Radl? Würd mich interessieren...

  13. #13
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    Zitat Zitat von Commander Tom Beitrag anzeigen
    Ja, kann sein, aber was ist genau aus Kanada bei dem Radl? Würd mich interessieren...


    Das Hirnschmalz und evtl. der Stahl für die Schrauben sowie das Messing der Speichennippel.

  14. #14
    the dude rocks ..... Avatar von wüdi
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    Feiner, ehrlicher Bericht - das Bike, wie auch die anderen Gravel-Räder löst bei mir gottseidank keinerlei "will-haben-Reflexe" aus.... für mich sind Gravel-Räder halt typische N+1-Räder bzw. Kompromisslösungen sowie nix Ganzes und nix Halbes....
    Bleib beim Rennrad bzw. MTB - und wer weiß wie es in ein paar Jahren ausschaut -> Meinungen können sich ja bekanntlich ändern, gerade bei Radfahrern

  15. #15
    TM1ka
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    wenn ich eine Rose will, gehe ich ins Blumengeschäft... äh heute vielleicht
    Zitat stammt nicht von mir, fällt mir aber immer wieder ein bei manchen (nicht-passenden) Beiträgen

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