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Focus Paralane² 9.8 powered by Fazua

Focus Paralane² 9.8 powered by Fazua

01.04.20 09:18 7.069Text: NoPainFotos: Erwin HaidenWeiter und schneller fahren als es die eigenen Kräfte erlauben, auf dem Weg zur Arbeit entspannter und stressfreier vorankommen oder mit leistungsstärkeren Freunden bei Gruppenausfahrten mithalten. Test des sportlichen E-Rennrads aus Deutschland.01.04.20 09:18 7.082

Focus Paralane² 9.8 powered by Fazua

01.04.20 09:18 7.082 NoPain Erwin HaidenWeiter und schneller fahren als es die eigenen Kräfte erlauben, auf dem Weg zur Arbeit entspannter und stressfreier vorankommen oder mit leistungsstärkeren Freunden bei Gruppenausfahrten mithalten. Test des sportlichen E-Rennrads aus Deutschland.01.04.20 09:18 7.082

Am Rennrad bzw. Gravelbike ist der Elektrifizierungstrend bislang weitgehend vorübergegangen. "Und das ist auch gut so", finden wohl die meisten Cracks. Mir persönlich geht es ähnlich. Schlimm genug, wenn vor jeder Fahrt der Reifendruck, das Tubeless-Sealant, die Kettenschmierung, die Trinkflaschenfüllung, der Riegelbedarf, die Funktion von Brustgurt und Kadenzmesser, der Akkustand des Radcomputers, der Di2-Batterie, des Scheinwerfers, des Rücklichts, der Heizsocken, des Handys und des Powermeters gecheckt werden müssen; beim E-Rennrad wäre darüberhinaus auch noch das zeitgerechte Aufladen der Batterie sowie deren Monitoring unterwegs notwendig. Wenngleich eine dezente Motorunterstützung ja schon einige Vorteile mit sich bringen würde - und ich spreche nicht vom Sieg in Cyclocross-Rennen, Frühjahrsklassikern oder Giro'd'Italia Etappen.

Alleine unterwegs
Weiter, steiler, schneller, stressfreier. Mit einem motorunterstützten, breitbereiften Renner bereiten ausgedehnte Touren im Gelände genauso viel Freude wie lange und flotte Asphaltpassagen. Bis zum Erreichen der 25 km/h-Marke hat man immer "seinen" Tag, Durchschnittsgeschwindigkeiten darüber erfordern ihren Einsatz und echten Schweiß. Der gute Pannenschutz und die hohe Reichweite trotzen auch den längsten Abenteuern - vom Ganztagesausflug bis hin zu mehrtägigen Reisen.

In gemischten Rennrad-Gruppen
Hier ist man bergauf immer unter den Stärksten zu finden und kann bergab, wegen der satten Straßenlage und der breiten Reifen, trotz des höheren Fahrradgewichts gut mithalten. Im Flachen sind die individuellen Leistungsunterschiede bis zum Erreichen der 25 km/h Marke kein wirkliches Thema; bei höheren Geschwindigkeiten muss man trotz des Motors stets auf der Hut sein, den Windschatten nicht zu verlieren, da es mit dem massigeren Bike nicht unbedingt leicht ist, aufgegangene Löcher wieder aus eigener Kraft zu schließen.

 

Wer sich für diese oder ähnliche Szenarien bestmöglich rüsten möchte, dem sei das Focus Paralane² E-Rennrad ans Herz gelegt. Nicht unbedingt brandneu, aber in seiner Performance noch immer state-of-the-art, handelt es sich dabei um ein sportliches Langstreckenrennrad für asphaltierte Straßen, Schotterwege und Schlechtwettertouren. Neben seiner entspannten Sitzposition und dem sicheren Handling punktet es mit seiner äußerst subtilen Motorunterstützung. Herz der Paralane²-Plattform ist der ebenfalls aus Deutschland stammende Fazua-Antrieb mit schmalem Q-Faktor, natürlichem Fahrgefühl und niedrigem Gewicht (4,6 kg Zusatzlast). Was ihn von anderen Mittelmotoren unterscheidet? Die 250 Watt und 60 Nm starke Antriebseinheit ist nicht nur schlank im Profil, sondern kann auch entnommen werden, wodurch der Hybridrenner im Handumdrehen zu einem (etwas schwereren) "Bio"-Bike mutiert.

 Mit dem Paralane2 (sprich: Paralane Squared) stellte der Stuttgarter Hersteller 2018 seinen ersten serienreifen E-Renner vor. 

Focus Paralane2

Das Rad: Focus Paralane²

Obwohl das erste E-Rennrad der Stuttgarter bereits 2018 präsentiert wurde, sieht man ihm sein "Alter", abgesehen von der externen Fazua-Bedieneinheit am Lenker, kaum an. So wurde die Fazua Evation 1.0 Motor-/Batterieeinheit wunderschön im Unterrohr integriert und der in vier Größen erhältliche Carbon Rahmen-/Gabelsatz geizt weder mit technischen Detaillösungen noch mit hochtrabenden Abkürzungen wie "F.I.T.", "R.A.T." und "C.I.A.".

Während der Elektroantrieb bei den meisten bisherigen E-MTBs der permanenten Unterstützung dient, soll er im Paralane² eher als unaufdringlicher Support in bestimmten Situationen, beispielsweise an steilen Ansteigen oder bei kräftigem Gegenwind, verstanden werden. Dieses Konzept stieß international bereits auf großes Interesse und wurde mit dem prestigeträchtigen Design & Innovation Award 2018 sowie dem Reddot Award 2019 ausgezeichnet.


F.I.T.

Ein leichtes und agiles E-Rennrad bedarf trotz seines massiv vom Standard abweichenden Designs eines ebenso leichten und stabilen Rahmens (1.450 Gramm). Um die Batterie- und Motorintegration mit Carbon-Leichtbau bestmöglich zu vereinen, bediente sich Focus seiner F.I.T. Carbon-Technologie (Focus Integration Technology), bei der ein spezielles Layup mit großem Anteil hochfester Carbonfasern zum Einsatz kam.


C.I.A., R.A.T. und Road Boost

Damit trotz des steifen Rahmens der Komfort nicht zu kurz kommt, wurden die Rohrquerschnitte der Sitzstreben, Kettenstreben und des Sattelrohrs (C.I.A. = Comfort Improving Areas) möglichst flach und vertikal nachgiebig geformt. Dadurch absorbiert der Rahmen Unebenheiten, das Bike läuft ruhiger, der Fahrer bleibt länger leistungsfähig.

Ebenso mit im Bild ist die "schnellste" Steckachse (R.A.T. = Rapid Axle Technology) der Welt, welche Stabilität, Ausrichtung und Seitensteifigkeit mit einem extrem schnellen Laufradwechsel verbinden möchte.

  • Road Boost vorneRoad Boost vorne
    Road Boost vorne
    Road Boost vorne
  • Road Boost hintenRoad Boost hinten
    Road Boost hinten
    Road Boost hinten

Weil das Tretlager aufgrund des E-Antriebs etwas breiter baut und die Kettenblätter weiter außen sitzen, implementierte Focus in Zusammenarbeit mit DT Swiss bei all seinen E-Rennrädern den Road Boost Standard mit 12x148mm Einbaubreite hinten. Diese Verbreiterung um 6 Millimeter sorgt für eine optimale Kettenlinie und damit für ein Minimum an Verschleiß und Geräuschentwicklung.
Vorne erhöht eine 110 mm breite Road Boost Achse anstelle der üblichen 12×100 mm die Steifigkeit der Laufräder und deren Zuverlässigkeit sowie Haltbarkeit.


Motor- und Batterieeinheit (Drivepack)

Das Fazua Evation 1.0 Drivepack sitzt im Unterrohr und lässt sich per Druckknopf (an der Oberseite des Unterrohrs) kraftvoll auswerfen. Je nach Einstellung unterstützt der Motor den Athleten mit bis zu 400 Watt und entkoppelt sich über 25 km/h bzw. nach dem Ausschalten komplett vom Antrieb.


Downtube Cover

Per optional erhältlicher Alublende lässt sich das Paralane² mit wenigen Handgriffen in ein 2,9 kg leichteres, vollständig muskelbetriebenes Rennrad umrüsten. Der Hohlraum des Downtube Covers kann dann als praktischer Stauraum für Flickzeug, Werkzeug oder Verpflegung genutzt werden.


Max. 35 mm Reifenbreite und Kotflügel

Eine maximale Reifenfreiheit von bis zu 35 Millimetern versüßt sogar das Befahren der schlechtesten Asphaltstraßen bis hin zu Schotterpisten. Mitgelieferte, formschöne Curana C-Lite Kotflügel erweitern das ohnehin schon recht breite Einsatzspektrum.

Der Motor: Fazua Evation 1.0

Der Evation 1.0 Antrieb des 2013 gegründeten Münchner Unternehmens Fazua ("fahr zu") besticht mit seiner äußerst unauffälligen Mittelmotor-/Akku-Integration, einem relativ geringen Gewicht sowie dem natürlichen Fahrgefühl eines unmotorisierten Fahrrads und richtet sich in erster Line an ambitionierte Freizeitsportler, welche eher nur temporäre Motorunterstützung, beispielsweise an längeren oder steileren Anstiegen, suchen.

Die herausnehmbare Motor-, Elektronik und Batterieeinheit wiegt in Summe nur 3,3 kg, liefert bis zur gesetzlichen Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h eine Nennleistung von 250 Watt (max. 400 Watt) mit maximal 60 Nm Drehmoment und läßt sich dank ihrer kompakten Abmessungen formschön ins Unterrohr integrieren. Der Akku selbst wiegt 1,4 kg und leistet 252 Wattstunden. Ab Geschwindigkeiten über 25 km/h entkoppelt der Freilauf den Motor vollständig vom Getriebe, so dass rennradtypische Durchschnitts- und Spitzengeschwindigkeiten aus eigener Kraft und ohne spürbare Zusatzreibung erreicht werden können.


Bedieneinheit

Obwohl Fazua mittlerweile ein vollständig im Rahmen integrierbares Bedienelement ("Remote fX") mit Soft-Touch anbietet, kommt das Paralane² nach wie vor mit der älteren "Remote b" Einheit. Diese ist zwar nicht minder einfach und intuitiv zu bedienen, wirkt allerdings im direkten Vergleich etwas klobig, aufgrund des abstehenden Kabels weniger aufgeräumt und wird extern am Lenker montiert.

Die Betätigung der drei Druckknöpfe erlaubt das An- und Ausschalten sowie das Wechseln zwischen den vier verfügbaren Fahrmodi: Weiß leuchtende LEDs bedeuten keine Unterstützung, Grün (Breeze 75%, 125W), Blau (River 150%, 250W) und Rot (Rocket 240%, 400W) indizieren die drei Unterstützungsstufen*. Die Anzahl der leuchtenden LEDs gibt Auskunft über die Restreichweite. Das oberste LED signalisiert einen Statuswechsel, die Bluetoothverbindung mit der Smartphone App oder eine anliegende Störung.

* Hinweis: Wieviel Watt in welcher Stufe tatsächlich addiert werden, obliegt dem OEM-Hersteller des Fahrrads und kann vom User selbst nicht verändert werden.

  • Erste Generation: Remote bErste Generation: Remote b
    Erste Generation: Remote b
    Erste Generation: Remote b
  • Neu: Remote fXNeu: Remote fX
    Neu: Remote fX
    Neu: Remote fX
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Einschalten des Fazua Motors

Zur Inbetriebnahme des Systems drückt man für 2 Sekunden eine der drei Tasten an der Bedieneinheit. Wurde das Bike seit 10 Stunden nicht mehr bewegt und auch keine Taste am Remote betätigt, muss zuerst der Akku aus dem Rahmen entnommen (bzw. herausgekippt) und per Hauptschalter eingeschaltet werden - ein kleiner Zusatzschritt, den man unserer Meinung nach eleganter über die Remoteeinheit hätte lösen können. Alles weitere ist selbsterklärend. Die Anzahl der LEDs am Akku und an der Bedieneinheit steht für den Ladestand, wobei jede einzelne LED 10% der gesamten Kapazität darstellt, die Farbe der LEDs an der Bedieneinheit gibt Auskunft über den aktiven Fahrmodus.

Aber auch zum Aufladen muss der Akku aus dem Unterrohr entnommen werden. In beiden Fällen drückt man beim Paralane² mit einer Hand den auffälligen, schwarzen Knopf an der Oberseite des Unterrohrs und fängt gleichzeitig mit der anderen den wie eine Fliegerbombe ausgeworfenen Akku auf, bevor dieser am Asphalt detoniert.

Wenn wir hier "Akku" schreiben, dann ist in Wahrheit das Fazua Evation 1.0 Antriebspack gemeint. Denn nach der Entnahme der auf den Namen Drivepack getauften Einheit hält man tatsächlich Motor und Akku gleichzeitig in Händen. Gemeinsam im Unterrohr eingeführt, treibt eine dreifache Verzahnung die Welle des Tretlagers mit an und unterstützt den Fahrer in seiner Leistungsabgabe. Ausgebaut und durch ein optional erhältliches 490 g leichtes Downtube-Cover ersetzt, kann das Rad auch ohne Antriebseinheit gefahren werden. Es verbleiben lediglich das 1,31 kg schwere Tretlagergetriebe, die Verkabelung und die Remoteeinheit am Rad - so lassen sich rund 2,9 kg einsparen. Das hier vorgestellte Focus Paralane² käme ohne Pedale auf insgesamt 11,2 kg.

Sobald das mitgelieferte, 550 g schwere Ladegerät am Strom hing, leuchtete dessen LED grün. Bei angeschlossener Batterie leuchtete es rot, bis der Akku vollständig geladen war. Die Ladezeit betrug je nach Zustand zwischen 2 und 4 Stunden. Nach 2 Stunden war der Akku aber schon zu 80% voll. Aufgrund seiner kompakten Größe lässt sich das Ladegerät auch bei Mehrtagestrips problemlos im Rucksack verstauen.

Geometrie

Das Paralane² ist dank gemäßigter Granfondo-Geometrie, dem Carbon Layup (F.I.T.), der vertikal flexenden Ketten-/Sitzstreben (C.I.A.) und der Carbongabel auf längere Touren ausgerichtet. Trotz seines höheren Steuerrohrs und des eher flachen Lenkwinkels läßt es sich aber auch sehr sportlich - sogar über anspruchsvolle Schotterpisten - bewegen. Dafür zeichnen neben dem kurzen Reach von Rahmen und Lenker besonders sein tiefer Schwerpunkt und die maximale Reifenfreiheit von 35 Millimetern verantwortlich.

Geometrie

S (51) M (54) L (57) XL (60)
Sattelrohr (mm) 480 516 540 570
Oberrohr (mm) 525 545 568 590
Lenkwinkel (°) 71,5° 72° 72,5° 72,5°
Sitzrohrwinkel (°) 74,5° 73,5° 73,5° 73,5°
Kettenstrebe (mm) 415 415 415 415
Tretlagerabsenkung (mm) 75 75 75 75
Steuerrohr (mm) 150 165 190 215
Gabellänge (mm) 380 380 380 380
Gabel Offset (mm) 46 46 46 46
Radstand (mm) 990 996 1014 1036
Stack (mm) 564 580 605 630
Reach (mm) 370 375 390 405

Ausstattung

Das hier vorgestellte Modell Paralane² ist in zwei Farbvarianten und in jeweils vier Rahmengrößen um 6.999 Euro erhältlich und bringt inklusive der Kotflügel 14,1 Kilogramm auf die Waage. Zur zeitgemäßen Ausstattung zählen neben einer Shimano Ultegra Di2 Gruppe mit hydraulischen Scheibenbremsen (160 mm Discs vorne/hinten), ein aerodynamischer DT Swiss RR521 Spline DB Laufradsatz mit Continental GP4000S II Faltreifen in 28C und die eigens entwickelte 27,2 mm CPX Plus Carbon-Sattelstütze, welche mittlerweile von BBB vertrieben wird. Der BBB Deluxe Lenker mit BBB Deluxe Vorbau, eine hochwertige FSA Carbonkurbel und die optimal in ihrer Farbe und Abmessung abgestimmten Curana C-Lite Kotflügel runden das Gesamtpaket ab.

Tech Specs

Rahmen F.I.T carbon E-Road, disc, road boost 148x12 mm through axle, RAT Evo technology, flat mount 160 mm, internal cable routing Gabel Carbon, disc, road boost 110x12 mm RAT through axle, RAT Evo Technology, flat mount 160/140 mm, internal brake cable routing
Größe S/M/L/XL Steuersatz IS42/28.6 - IS52/40
Motor Fazua Evation, 60 Nm, 250 W Akku 250 Wh, 7 Ah
Bedieneinheit Fazua evation 1.0 Remote b Innenlager Integriert in Mittelmotor
Sattelstütze BBB CPX Plus, Carbon, 27,2mm, 350mm, set-back: 20mm Sattel Prologo Scratch
Lenker BBB Deluxe, Aluminium, drop: 125mm, reach: 70mm Griffband Focus Bartape SL
Vorbau BBB Deluxe, aluminium, 31.8mm, +/- 7 degree Bremsen Shimano Ultegra R8020 Disc, 160/160 mm
Lauräder DT Swiss RR521 SPLINE DB, 32mm height w/ DT Swiss 370 boost hub Reifen Continental GP4000S II, 700 x 28C, Folding
Schalthebel Shimano Ultegra R8070, Di2 Kette Shimano CN-HG701
Schaltwerk Shimano Ultegra R8050, Di2 Umwerfer Shimano Ultegra R8050, Di2
Kurbel FSA, carbon, 52/36 Zahnkranz Shimano Ultegra R8000, 11-34T
Schutzbleche Curana C-Lite Pedale keine
Gewicht 14,1 kg (ohne Pedale, mit Blechen) Preis € 6.999,-

In der Praxis

Vor der ersten elektrifizierten Ausfahrt empfiehlt sich ein Blick in die Kurzanleitung, denn ein im Ruhezustand befindlicher Fazua Evation Antrieb lässt sich wider Erwarten nicht über das Bedienelement am Lenker einschalten, sondern ausschließlich über den Hauptschalter am Akku. Dazu muss das Drivepack aber erst per Knopfdruck aus dem Unterrohr entnommen (bzw. herausgekippt) werden. Warum? Wir wissen es nicht. Einerseits irgendwie entbehrlich, andererseits weniger aufwendig, als es klingt.

Einmal aufgestiegen, gefiel das Paralane² auf Anhieb mit seiner entspannten, aber keineswegs unsportlichen Sitzposition. Kein Wunder, entsprechen Stack, Reach, Rohrlängen und Winkel nahezu 1:1 jenen des unmotorisierten Paralane Endurancebike. Gleich nach dem Aktivieren des Breeze-Modus (grün, 125W) die nächste angenehme Überraschung: der Fazua-Motor geht so extrem leise und unauffällig zu Werke, dass man im Flachen fast gänzlich auf die Unterstützung vergisst und sich voll und ganz auf's eigentliche Radfahren konzentrieren kann.

Bergauf und bergab

Völlig anders als die mir bekannten E-MTB Raketen eignete sich das vergleichsweise geringe Drehmoment des Fazua weniger zum Erklimmen senkrechter Rampen mit Highspeed, sondern eher zur geschmeidigen Beschleunigung aus dem Stand oder zur spürbaren Erleichterung an moderaten bis steilen Anstiegen. An Letzteren allerdings nur im River- (blau, 250W) oder Rocket-Modus (rot, 400W), denn mit "Breeze" war ich mir zeitweise nicht einmal sicher, ob die aufgelegte Unterstützung das Mehrgewicht am Berg überhaupt wettmachen würde.

Aufgrund der rennradtypischen Sitzposition bzw. Geometrie und des guten Rollwiderstands bot das Paralane² fast die gleichen Fahreigenschaften wie ein unmotorisierter Granfondo-Renner mit etwas zuviel Speck an den Rippen. Nur beim Beschleunigen oberhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenze oder in besonders steilen Bergaufpassagen ließ es die Leichtfüßigkeit und Agilität eines traditionellen Renners vermissen.

Bergab vermittelte das E-Rennrad grundsätzlich viel Sicherheit und lag dank seiner Geo und der breiten Reifen laufruhig und satt auf der Straße. Nur der Komfort von Rahmen und Gabel ließen bauartbedingt etwas zu wünschen übrig. Daran konnten auch F.I.T., C.I.A. und die Carbon-Sattelstütze nichts ändern. Zudem musste man beim scharfen Abbremsen aufgrund des Mehrgewichts etwas früher den Anker ziehen, um mit der 14 Kilo-Fuhre noch die Kurve zu kratzen.

Flach und wellig

Im flachen und welligen Gefilde war das Paralane² voll und ganz in seinem Element. Beinahe lautlos addierte es bis zu 400 Watt auf die eigene Leistung und ließ einen wieselflink und seidenweich über leichte Schupfer auf Asphalt oder Schotter dahingleiten. Trotz der begleitenden Motorunterstützung galt es die 2x11 Gangschaltung dabei genauso (oft) zu bedienen wie an einem normalen Rad. Einerseits, um Gelenke, den Fazua-Antrieb sowie Kette und Ritzeln zu schonen, andererseits, um die Trittfrequenz möglichst im optimalen Bereich zu halten, da sich der gewählte Gang nicht nur auf die Geschwindigkeit, sondern auch ganz besonders auf die Reichweite auswirkte. Für eine bestmögliche Motorunterstützung empfiehlt Fazua eine Trittfrequenz zwischen 65 und 85 Kurbelumdrehungen pro Minute.

Beim Überschreiten der 25 km/h Schwelle entkoppelte das Aggregat dann sanft, aber vollständig vom Tretlager und das Pedelec ließ sich absolut widerstandsfrei pedallieren. So waren aus eigener Kraft ähnliche Spitzengeschwindigkeiten wie mit einem unmotorisierten Rennrad möglich, da der Motor nicht permanent mitzutreten war. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, daß eine genaue Aussage über die Reichweite des Fazua-Systems weder vor noch während einer Tour möglich ist. Sprich: Wer schneller (über 25 km/h) fährt, kommt deutlich weiter als jemand, der unter 25 km/h permanent den Motor mitlaufen hat.

Weitere Faktoren neben der Geschwindigkeit, die großen Einfluss auf die Reichweite nehmen, sind die gewählte Unterstützungsstufe, das Schaltverhalten, der Reifentyp und -druck, die Topographie, das Wetter bzw. die Temperatur, das Gewicht von Fahrer samt Gepäck sowie der Zustand des Akkus. Im Rahmen unserer Testfahrten vermeldete der Akku nach der längsten Solo-Fahrt von fast 100 Kilometern mit 1.400 Höhenmetern noch einen Strich, sprich 10% Restkapazität. Dabei fuhr der 70 kg schwere Fahrer rund 40 km über 25 km/h (also ohne Motorunterstützung) und bergauf bzw. gegen den Wind fast ausschließlich im Breeze- und River-Modus und niemals im Rocket.

Die Angst vor einem leeren Akku wäre jedoch völlig unbegründet, denn die Schaltung würde ihren Strom ja weiterhin aus der Shimano Batterie beziehen und das Pedelec fährt sich auch ohne Unterstützung wie ein ganz normales (wenngleich relativ schweres) Rennrad.

Fazit

Paralane² 9.8
Modelljahr: 2019/20
Testdauer: ca. 450 km
Preis: € 6.999,-
+ Leiser, unauffälliger Motor
+ Breiter Einsatzbereich
+ Antriebseinheit entfernbar
+ Fahreigenschaften
+ Schutzbleche
o Komfortwerte
o Akku-Auswurf
o Akku-Einschaltknopf
- Fazua Lenker-Remote
BB-Urteil: Mutiges Motorkonzept für performance-orientierte (E-)Rennradler und Commuter.


Focus bereichert das noch recht junge Segment der E-Rennräder mit einem performance-orientierten Endurance-Modell samt integrierter Motorunterstützung. Das optisch ansprechende Paralane² bietet ein ähnlich ausgewogenes und sicheres Handling wie sein unmotorisiertes Pendant und richtet sich in erster Linie an ambitionierte Fahrer, die den zusätzlichen Rückenwind beim Grundlagentraining schätzen, Tourenfahrer, welche sich nahezu schwerelos auf jeden Pass shutteln lassen können, sowie an Commuter oder Wellnessfahrer, die ein Fortbewegungsmittel mit sportlichen Rennradgenen und dem Fahrkomfort eines Pedelecs suchen. Aber auch gänzlich ohne Motorunterstützung bleibt das E-Rennrad jenseits der gesetzlich vorgeschriebenen 25 km/h-Schallmauer gut fahrbar.

Dabei verrichtet der Fazua-Antrieb flüsterleise und geschmeidig seinen Dienst, Shimanos Ultegra Di2 Gruppe ist vor allem auf der Straße eine Offenbarung und auch die Laufräder samt Reifen sowie die restlichen Komponenten passen sehr gut ins Gesamtkonzept. Abgesehen von den bauartbedingten, eher mittelmäßigen Komfortwerten von Rahmen und Gabel und ein paar Kleinigkeiten, wie beispielsweise dem versteckten Akku-Einschaltknopf und der antiquierten Remote-Einheit am Lenker, ist das Paralane² auch noch zwei Jahre nach seiner Erscheinung ein echter Geheimtipp für all jene, die sich nicht zwischen Rennrad und E-Rennrad entscheiden können, und das Rad darüberhinaus zum Pendeln verwenden möchten.


Ergebnis 1 bis 10 von 10
  1. #1
    Admin Avatar von NoPain
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    Focus Paralane² 9.8 powered by Fazua

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  2. #2
    Schokoholiker Avatar von chriz
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    7000.- für den Bock ist auch nicht ohne

  3. #3
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    Ich war jetzt 2x mit dem Domane + unterwegs und bin bis auf die genannten Punkte begeistert von Fazua. Es trifft genau das was die herkömmlichen E- Branchenführer nicht können und gibt das gewisse Extra was Frauen oder Ältere jahrelang vom sportiven Fahren abgehalten hat. Bedieneinheit und -komfort sind leider jenseits.

    Für mich eines der Highlights des Jahres, selten so glückliche Kundinnen erlebt.

    Die 7000,- sind der übliche Preis für ein Fazua E-RR im Fachhandel.

  4. #4
    TM1ka
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    Hallo Martin,
    der orange Helm würde jetzt gut zu meinen Swisscross passen
    der gelbe ist zwar immer noch nicht beglichen, aber sobald alles vorbei ist .....
    LG Thomas

  5. #5
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    Geiles Teil, in der Pseudo- bzw. Softgravelversion Gravel Version um 5400 mit mechanischer GRX ein echtes Schmuckstück.

    Was mir weniger gefällt ist wie so oft der lieblose Umgang mit der DI2-Verkabelung. Bei einem 7000 Euro Rad sollten die paar Cent für einen Schrumpfschlauch im Bereich des Möglichen sein.

  6. #6
    langsam alt Avatar von hermes
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    Zitat Zitat von 6.8_NoGravel Beitrag anzeigen

    Was mir weniger gefällt ist wie so oft der lieblose Umgang mit der DI2-Verkabelung. Bei einem 7000 Euro Rad sollten die paar Cent für einen Schrumpfschlauch im Bereich des Möglichen sein.
    denkste, das ist knallhart kalkuliert!
    für meine pendlerzwecke wäre es fast perfekt (packlträger fehlt), nur wer braucht am pendlerrad eine di2 und wer gibt fürs arbeitstier 7000 euronen aus? die kritikpunkte aus dem bericht würden mich auch abschrecken. ein paar mal verkraftet man solche dinge, aber wennst dich täglich über den gleichen unnötigen handgriff ärgern musst, landet das teil bald auf willhaben.
    dafür scheint der fazua-antrieb derzeit das nonplusultra für e-rennräder zu sein. habt ihr einen vergleich zum vivax?
    2RC°395

    www.selberbruzzler.at
    www.facebook.com/Selberbruzzler

    i tät gern so gscheit radlfahrn können, wie i deppat reden kann

  7. #7
    Admin Avatar von NoPain
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    Bin den Vivax vor Jahren mal gefahren. Ist im direkten Vergleich, wie soll ichs sagen, a liabs Spüzeug. Der Vivax Antrieb ist mehr oder weniger unsichtbar, abgesehen vom Akku und natürlich leichter, aber in allen anderen Punkten nicht konkurrenzfähig. Power, Art und Weise der Entfaltung, Updates, Display, etc... aus heutiger Sicht,
    ist des nyx.

  8. #8
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    Schade, das dieses Teil nicht 11,9 kg hat. Dann kannst damit am Gürtel trainieren.

  9. #9
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    Mit so einem Gerät, https://www.canyon.com/de-at/e-bikes...accordions=1_0, ist man im Bereich Preis/Leistung besser unterwegs. Außer man braucht unbedingt einen Rennlenker

  10. #10
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    Zitat Zitat von hermes Beitrag anzeigen
    denkste, das ist knallhart kalkuliert!
    Listenpreise sind mit Masse nur der Statt-Preis.

    Aktuell gehen die von minus 20 - minus 35% bei HS-Bike-Discount über die Schachtel (nicht über die Theke).

    Das vorgestellte Rad kommt auf 5650, die Alu Modelle sind ab 2900 zu bekommen.

    Das ist dann knallhart Kalkuliert und selbst da sollte sich ein Schrumpfschlauch für die DI2 ausgehen.