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"Wollen nichts unter den Tisch kehren"

Einstimmig hat der ÖRV-Vorstand am 4. April den Beschluss gefasst, die Österreich-Rundfahrt zu retten und den Bewerb wie geplant von 30. Juni bis 7. Juli auszutragen.
Zuvor hatte der Österreichische Radsportverband die Radsportszene mit der Nachricht schockiert, wonach die Finanzierung der traditionsreichen Radsportveranstaltung noch nicht gesichert sei und mehrere Optionen diskutiert würden: Verkürzung auf fünf Tage, einjährige Pause oder doch reguläre Durchführung.
Zu den Details der Rettungsmaßnahmen und deren Folgen haben wir Tour-Direktorin Ursula Riha befragt:


Bilder aus einfacheren Tagen: Ursula Riha bei der Rundfahrts-Präsentation 2012.
Fotos: Nikolaus Wagner

Vorweg das Wichtigste: Ist der Fortbestand der Österreich-Rundfahrt nun schon gesichert?
Wir arbeiten fieberhaft daran, die 65. Jubiläumstour in diesem Jahr wie gewohnt über die Bühne zu bringen. Der Vorstand des Österreichischen Radsport Verbandes hat ja am 4. April in einer Sitzung den einstimmigen Beschluss gefasst, dass die Traditionsveranstaltung gerettet werden muss. Die Sitzung dauerte vier Stunden und es wurden verschiedene Konzepte durchdiskutiert. Eine Absage hätte natürlich fürchterliche Konsequenzen für den österreichischen Radsport gehabt, nicht zuletzt für die Teams und deren Sponsoren. Und eine Verkürzung der Tour würde nur marginale Einsparungen ergeben.

Wie kam es überhaupt zu diesem finanziellen Engpass?
Problematisch waren in den letzten Jahren viele Faktoren, vor allem die organisatorischen Kosten - hier speziell die behördlichen Sicherheitsauflagen und die damit verbundenen Kostenexplosionen.

Der Ausstieg vertraglich gebundener Sponsoren oder allgemein steigende Kosten passieren nicht von heute auf morgen. Hätte man da nicht bereits früher gegensteuern und Maßnahmen setzen können?
Mit dem Großteil der Sponsoren konnten nur Jahresverträge abgeschlossen werden, zwei davon wurden dieses Jahr nicht verlängert. Die Ö-Tour wurde schon in den letzten Jahren mit einem Mindestbudget durchgeführt und war deshalb nicht komplett durchfinanziert. Allerdings kann man in diesem Jahr auf keine Verbandsreserven mehr zurückgreifen.

Die Schwierigkeiten öffentlich zu machen, wirkte wie eine Notmaßnahme, um doch noch Sponsoren aufzutreiben. Hat's gewirkt?
Wir wollen nichts unter den Tisch kehren und natürlich wissen auch unsere Partner, dass wir finanzielle Probleme haben. Aber alle Sponsoren und vor allem die Tourismusorte stehen hinter der Int. Österreich Rundfahrt. Und das Publikmachen der finanziellen Situation hat natürlich gewirkt, es haben sich einige Gespräche ergeben.

Kommt es zwecks Reduktion der organisatorischen Kosten zu einer Umkategorisierung auf 2.1?
Wir haben in der Vorstandssitzung darüber diskutiert. Derzeit wird die Int. Österreich Rundfahrt ja in der Hors Categorie, also der höchsten europäischen Kategorie, ausgetragen. Die Kostenersparnis bei einer Umkategorisierung auf die nächstniedrigere Kategorie 2.1 wäre minimal und würde vor allem die UCI-Gebühren, die jeder Veranstalter zu entrichten hat, betreffen. Ich persönlich halte nicht viel davon. Vor allem auch deshalb, da der Stellenwert der Int. Österreich Rundfahrt sehr hoch angesiedelt ist.


Welche weiteren Sparmaßnahmen sind angedacht, und werden Zuschauer oder Teilnehmer davon etwas merken?
Nein, wir wollen die 65. Int. Österreich Rundfahrt so durchführen, dass kein Zuschauer entlang der Strecke oder in den Etappenorten etwas merkt. Allerdings werden die TV-Zuschauer wahrscheinlich auf die Live-Etappen verzichten müssen, nicht jedoch auf die täglichen Zusammenfassungen im ORF.

Wie groß ist das Budgetloch derzeit noch?
Wir geben keine genauen Zahlen an und bitten hier um Verständnis.

Letztlich wird wohl der ÖRV für diese Summe aufkommen müssen. Drohen dadurch Sparmaßnahmen in anderen Bereichen oder Disziplinen?
Es ist so, dass wir immer noch vehement versuchen, die heurige Ö-Tour zu finanzieren!

Was ist langfristig geplant, um die Österreich-Rundfahrt für Sponsoren wieder attraktiv zu machen?
Das oberste Ziel ist es, die Int. Österreich Rundfahrt im Fernsehen komplett live zu übertragen, um so vor allem das Image des Radsports zu verbessern und neben sportlichen Highlights vor allem die schönsten Bilder aus ganz Österreich zu präsentieren. In welcher Sportart funktioniert das sonst noch als im Radsport?


Ergebnis 1 bis 2 von 2
  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Interview mit Ö-Tour Chefin Ursula Riha

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  2. #2
    Sidasta Èg Avatar von martin
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    gott sei dank findet die ö-tour wieder statt.
    allerdings: die live-etappen entfallen heuer? und das ziel ist möglichst die ganz ö-tour zu übertragen? ein kleiner widerspruch wohl.
    ist es nicht einmal möglich die ö-tour von einem privaten übertragen zu lassen?
    ich hoffe die frau riha hat die letzjährige diskussion im board bezüglich der attraktivität der ö-tour gelesen (oder hat sie noman darauf hingewiesen?).
    danke jedenfalls für das interview. die ö-tour darf nicht sterben!
    cu, martin