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Test: Conway WME 627 & WME 729

Test: Conway WME 627 & WME 729

31.08.20 07:30 1.826Text: Ralf HauserFotos: Erwin HaidenEinmal mit 27,5"-Laufrädern bestückt, einmal mit 29", sind das WME 627 und WME 729 vom selben Enduro-Schlag. Wie sie sich im Detail unterscheiden, und wer in der Endabrechnung die Nase vorne hat, versuchen wir in diesem Doppeltest herauszufinden.31.08.20 07:30 2.755

Test: Conway WME 627 & WME 729

31.08.20 07:30 2.755 Ralf Hauser Erwin Haiden This story is also available in EnglishEinmal mit 27,5"-Laufrädern bestückt, einmal mit 29", sind das WME 627 und WME 729 vom selben Enduro-Schlag. Wie sie sich im Detail unterscheiden, und wer in der Endabrechnung die Nase vorne hat, versuchen wir in diesem Doppeltest herauszufinden.31.08.20 07:30 2.755

We Make Enduro (WME) hieß 2015 das Statement, mit dem Conway seine ersten waschechten Enduro-Bikes ins Lineup aufnahm. Das grundlegende Rahmenlayout von damals ist geblieben. Die Geometrie und zahlreiche Details wie versteckte Lager oder eine integrierte Storage-Box am Unterrohr des Vollcarbon-Rahmens sollen die WME-Serie ins nächste Jahrzehnt führen.

Interessant, dass die Kunden, ganz ihrer Vorliebe entsprechend, zwischen 27,5" und 29" Laufradgröße wählen können. Dabei ähnelt sich die Geometrie bei den meisten Werten bis auf den Millimeter, der Federweg beim WME 627 für die kleinere Laufradvariante pendelt sich aber bei 170 mm ein - volle 20 mm mehr als am 29"-Modell.
Auch preislich spielen die beiden Bikes in einer Liga, ist doch das WME 627 für € 4.399,95, das WME 729 für € 4.299,95 zu haben. Das 627 setzt auf Komponenten aus dem Hause Sram samt RockShox Fahrwerk, beim 729 sind Shimano Schalt- und Bremskomponenten sowie Fox-Federung verbaut.

Insgesamt kann man aus sieben verschiedenen Ausstattungsvarianten wählen, vier davon als 27,5"-Variante, drei als 29er. Der Spaß beginnt bei € 2.899,95 mit dem WME 329 und endet bei € 6.499,95 mit dem WME 827.
Übrigens: Zumindest für die Saison 2020 sind die WME-Modelle die einzigen Full-Suspension Bikes in Conways Angebot - volle Hingabe, sozusagen.

Die Rahmen

Beide Modelle verwenden Carbon als Baumaterial, neu ist, dass sogar der Umlenkhebel aus dem schwarzen Wundermaterial gefertigt ist.
Der Knick des Oberrohrs im Steuerrohrbereich ist Teil von Conways Formsprache. Als Nebeneffekt hat die Wasserflasche etwas mehr Platz im Rahmendreieck.
Apropos Platz: Die integrierte Storage-Box am Unterrohr ist ein sehr nettes Detail, wollen doch immer mehr und mehr Personen bei einer Ausfahrt auf einen Rucksack oder ähnliches verzichten. Zwei integrierte Klettbänder halten Utensilien im Zaum.

Konstruiert als echter Viergelenker mit Horst-Link beim Dropout, bleibt die Federung auch beim Bremsen aktiv. Das schwimmend gelagerte Hinterbauelement wird von beiden Seiten komprimiert, einmal durch die Carbon-Wippe, einmal durch die Aufhängung am Verbundstück der Kettenstreben.
Sämtliche Lagerpunkte sind versteckt nur von der Innenseite zugänglich. Das sieht nicht nur sauber aus, sondern reduziert auch die Schmutzanfälligkeit.

Das WME 27,5er und 29er verwenden Hinterbaudämpfer mit unterschiedlichem Hub. Beim 627 kommt ein Einbaumaß von 230 x 65 mm zum Einsatz, beim 729 230 x 57,5 mm.
Das durchschnittliche Hebelverhältnis beträgt 2,62 : 1 beim 627 und 2,61 : 1 beim 729.
Zusätzlich wird die Kinematik leicht durch einen Flip-Chip an der oberen Dämpferaufnahme zwischen den beiden Laufradgrößen angepasst.

Die Kabelführung verläuft sowohl für Schaltung, Sattelstütze, als auch Bremsen komplett intern. Kabelkanäle sorgen dafür, dass die Bowdenzüge nicht an den Innenwänden anschlagen, spezifische Endstücke aus Plastik fixieren die Kabel am Ausgang des Steuerrohrs.
Eine integrierte Kettenführung hält zudem die Kette im Zaum. Ein kleiner integrierter Fender hält Steinschlag und stärkere Schmutzeinwirkung von den Dichtungen des hineren Federelements fern.

Offiziell haben Reifen mit 2,35" Breite Platz im Hinterbau, aber Conway legte die Baubreite des Hinterbaus sehr großzügig an und generiert dadurch viel Reifenfreiheit.
Das Rahmengewicht ohne Dämpfer soll sich bei circa 2.700 g einpendeln. 13,875 kg wog das WME 627 komplett, auf etwas mehr Gewicht brachte es das WME 729 mit 14,295 kg. Beide Modelle sind in vier Größen (S-XL) erhältlich.

Tech Specs WME 627

Rahmen: Conway Carbon WME Kassette: Sram PG 1275 Eagle, 10-50 Z.
Größen: S/M/L/XL Kette: Sram Eagle
Gabel: RockShox Lyrik Select +, 170 mm Laufräder: DT Swiss Spline M1900, 27,5"
Dämpfer: RockShox Super Deluxe Select +, 170 mm Reifen: Schwalbe Magic Mary, 27,5 x 2,35"
Schwalbe Hans Dampf, 27,5 x 2,35"
Kurbel: Sram X1 Carbon, 32 Z. Steuersatz: Acros
Lenker: Conway Low Rizer, 780 mm Vorbau: Conway Alloy Light, 31,8 mm
Bremse vorne: Sram G2 RSC, 200 mm Griffe: Conway
Bremse hinten: Sram G2 RSC, 180 mm Sattel: Conway 1489 Sport Light
Schalthebel: Sram X01 Eagle, 12-fach Sattelstütze: Contec Drop-A-Gogo, 125 mm
Schaltwerk: Sram X01 Eagle, 12-fach Gewicht: 13,875 kg (BB-Messung)
Kettenführung: Conway Preis: € 4.399,95 UVP

Tech Specs WME 729

Rahmen: Conway Carbon WME Kassette: Shimano CS-M7100, 10-51 Z.
Größen: S/M/L/XL Kette: Shimano CN-M7100
Gabel: Fox Float 36 Performance, 150 mm Laufräder: DT Swiss Spline M1700, 29"
Dämpfer: Fox Float DPX2, 150 mm Reifen: Schwalbe Hans Dampf, 29 x 2,35"
Nobby Nic Evo, 29 x 2,35"
Kurbel: Shimano XT FC-M8100, 32 Z. Steuersatz: Acros
Lenker: Conway Carbon Superlight Rizer, 780 mm Vorbau: Conway Alloy Light, 31,8 mm
Bremse vorne: Shimano XT BR-M8120, 203 mm Griffe: Conway
Bremse hinten: Shimano XT BR-M8120, 180 mm Sattel: Conway 1489 Sport Light
Schalthebel: Shimano XT SL-M8100, 12-fach Sattelstütze: Contec Drop-A-Gogo, 125 mm
Schaltwerk: Shimano XT RD-M8100 Shadow Plus, 12-fach Gewicht: 14,295 kg (BB-Messung)
Kettenführung: Conway Preis: € 4.299,95 UVP

Geometrie

Modern, aber in keinem der Werte extrem, ähneln sich das WME 627 und 729 in vielen Belangen bis auf den Millimeter. 65 Grad Lenkwinkel und 75 Grad Sitzwinkel definieren die zwei wichtigsten Radien der WMEs.
Die beiden Bikes teilen sich das vordere Rahmendreieck, nur der Hinterbau ist auf die unterschiedlichen Laufradgrößen abgestimmt - der einzige unterschiedliche Bauteil ist die Sitzstrebe inklusive Anlenkung für das Horst Link in Verbindung mit dem unterschiedlichen Dämpferhub.
Um die Geometrie bei beiden Modellen fast exakt gleich zu gestalten, nutzt das 627 eine 10 mm dicke externe untere Lagerschale beim Steuersatz im Vergleich zu einer Zero-Stack-Variante beim 729. Mit unterschiedlichen Längen und Federwegen der Federgabeln soll so selbst die Stack-Höhe exakt dieselbe sein.
Unsere Testbikes in Größe M verfügen über eine horizontale Oberrohrlänge von 594 mm, Sattelrohrlänge von 430 mm, einen Reach von 445 mm und 609 mm Stack.

Unterschiede gibt es bei der Kettenstrebenlänge. Hier beschert Conway der 27,5"-Variante kurze 430 mm, beim 29er immer noch recht kurze 440 mm. Dementsprechend wächst auch der Radstand beim WME 729, allerdings nur um drei, beziehungsweise vier Millimeter, je nach Rahmengröße (bei Größe M misst das WME 627 1.198 mm, das WME 729 1.202 mm).
Nachdem selbst der Stack und alle anderen Werte dieselben sind, stellt sich die Frage, weshalb auch dieser Wert nicht 10 mm mehr beträgt. Selbst mit leicht unterschiedlichem Offset der Federgabeln kann die Diskrepanz nicht ganz erklärt werden.

Geometrie WME 627

Größe S M L XL
Sitzrohrlänge (mm) 400 430 460 500
Steuerrohrlänge (mm) 100
Oberrohrlänge (mm) 569 594 619 644
Kettenstrebenlänge (mm) 430 430 430 430
Lenkwinkel 65° 65° 65° 65°
Sitzwinkel 75° 75° 75° 75°
Stack (mm) 608 609 617 631
Reach (mm) 421 445 467 487
Radstand (mm) 1173 1198 1224 1250

Geometrie WME 729

Größe S M L XL
Sitzrohrlänge (mm) 400 430 460 500
Steuerrohrlänge (mm) 100
Oberrohrlänge (mm) 569 594 619 644
Kettenstrebenlänge (mm) 440 440 440 440
Lenkwinkel 65° 65° 65° 65°
Sitzwinkel 75° 75° 75° 75°
Stack (mm) 608 609 617 631
Reach (mm) 421 445 467 487
Radstand (mm) 1177 1202 1227 1253

Komponenten

Bei den Federungskomponenten gehen das WME 627 und 729 getrennte Wege, schließlich vertraut Ersteres auf RockShox und Zweiteres auf Fox.

Im Detail sind am 627 eine Lyrik Select Federgabel und Super Deluxe Select + Hinterbauelement verbaut. Die Gabel verfügt über eine DebonAir Luftfederung und Charger RC Dämpfungs-System, eine abgespeckte Variante ihres Charger 2.1-Systems. Zug- und Druckstufendämpfung sind einstellbar.
Die RockShox Lyrik 27,5" am 627 besitzt ein Offset von 46 mm.
Auch das Super Deluxe Select + Federelement ist mit einer Variante der DebonAir Luftfederung ausgerüstet, kommt allerdings mit RT-Dämpfungssystem. Dabei ist die Zugstufendämpfung einstellbar, ein Threshold-Hebel schaltet bei Bedarf eine Plattform hinzu, die ein Wippen unterdrückt.
Maxima Plush Dämpferöl in beiden Federungen reduziert Reibung und Geräuschentwicklung des Dämpfers.

Das 729 vertraut auf eine Fox Float 36 Performance mit 150 mm Federweg und schwarz anodisierter Tauchrohr-Beschichtung, EVOL-Luftfederung und GRIP-Dämpfer. Letzterer ist ein etwas simpleres System in puncto Einstellbarkeit, verglichen mit GRIP2, Zug- und Druckstufe lassen sich aber unabhängig voneinander justieren. Der Offset des gewählten Modells beträgt 42 mm.
Auch das DPX2 Hinterbauelement kommt mit EVOL-Luftkammer und verfügt über Zugstufendämpfung und einen Plattform-Hebel.

Beide Bikes verbauen eine Contec Drop-A-Gogo-Teleskopstütze mit 125 mm Drop, die bei Größe S und M zum Einsatz kommt. L verwendet 150 mm, XL 170 mm.
Die Laufräder von DT Swiss sind mit Straight-Pull Centerlock-Naben versehen, die Felgen aus Aluminium. 30 mm Innenbreite hat die XM1700er 29"-Variante des 729er, 35 mm die XM1900 beim 627.
Beide Lenker kommen auf 780 mm Breite, beim 729 wird sogar ein Conway Carbon-Lenker eingesetzt, beim 627 muss man sich mit Alu begnügen.

Am Trail

Zum Test-Setup angemerkt soll sein, dass ich aufgrund der dünnwandigen Reifen bei beiden Bikes sowohl vorne als auch hinten Reifeninserts mit Tubeless-Umbau installierte, damit diese im ruppigen Terrain nicht alle paar Meter die Luft aushauchen würden.
Da unser WME 729 Musterbike mit einem inkorrekten Hinterreifen ohne Tubeless-Ready-Eigenschaft ausgeliefert wurde, mussten wir auf ein anderes Modell ausweichen.

 ... aus Sektionen mit aneinander gereihten Anliegern schießt man gezwungenermaßen mit einem breiten Grinser heraus. 

Über die Willigkeit des WME 627, sich in Kurven drücken zu lassen

Klettern

Eine Kategorie, in der sich die beiden Bikes einen unerbittlichen Schlagabtausch mit ihren laufradbedingten Vor- und Nachteilen liefern.

Kampf der Physik: ein Bike mit 27,5" Hinterrad lässt sich aufgrund seiner geringeren Rotationsmasse schneller beschleunigen; ein Vorteil, der sich natürlich beim Anfahren, aber auch jedem wiederholten Beschleunigen, wie einem Herausbeschleunigen nach engen Kurven, bemerkbar macht.
Auf der anderen Seite punktet das 729 mit seiner besseren Überrollfähigkeit und Traktion, vor allem auf losem Untergrund. Rollt es einmal, gleitet es gutmütig über Unebenheiten hinweg und neigt dazu, seine aufgebaute Geschwindigkeit besser halten zu können.

Der Sitzwinkel von 75 Grad geht bei beiden in Ordnung, herausragend ist dieser Wert in heutigen Tagen aber wirklich nicht mehr. Bikes mit ein paar Grad mehr in diesem Bereich bieten eine effizientere Position, um Tretbewegung in Vortrieb umzusetzen.
Ich habe bei beiden Bikes den Sattel bis ans Limit vorgeschoben, um mich weiter nach vorne platzieren zu können, und war auf diese Art auch bei langen Touren recht zufrieden.

Ein Wippen der Hinterradfederung fällt bei beiden Modellen nicht auf, oder ist nicht einmal beim Blick auf die Wippe während des Tretens auf ebenem Boden wirklich festzustellen. Ein Griff zum Plattform-Hebel der Federelemente kann man sich in 99 Prozent der Fälle also getrost sparen - erreichbar sind sie aber nach etwas tieferem Bücken ganz gut, sollte man die Heckbewegung auf langen Asphaltpassagen doch gerne beinahe komplett unterdrücken wollen.
Dennoch reagiert das Fahrwerk richtig feinfühlig auf Bodenunebenheiten und man kann sich ständig über ein ruhiges aber effizientes Vorankommen freuen. Dieser nicht leicht zu bewältigende Spagat ist Conway exzellent gelungen.

Klettern in technischen Steilpassagen beherrschen beide Modelle auch im Schlaf, das Vorderrad bleibt ohne viel Körperarbeit brav am Boden. Wird es richtig steil, scheint man sich mit dem 729 allerdings eine Spur mehr zu plagen, als mit dem 627. Ob das am etwas höheren Gewicht oder der höheren Schwungmasse des größeren Laufrades liegt, sei dahingestellt, vermutlich ist es eine Mischung aus beiden Punkten.
Mit 13,88 kg (WME 627) und 14,3 kg (WME 729) liegen die beiden Bikes sehr nahe beisammen. Beides sind Werte, die sich für ein vollwertiges Enduro sehen lassen können. Am Trail fühlten sich beide sogar leichter an als die Waage zeigt.
Die effiziente Federung trägt ihren Teil zum willigen Vortrieb bei, das Systemgewicht der Laufräder ebenfalls.

Bei der Punktevergabe ist es schwierig, einen echten Gewinner zu bestimmen. Persönlich würde ich dem 627 und seiner besseren Beschleunigung den Vorzug geben, da ich seit jeher eine gewisse Aversion verspüre, das größere Laufrad (etwas mühsamer) in Schwung zu versetzen.
Die bessere Überrollfähigkeit und Traktion von 29" ist allerdings auch nicht zu unterschätzen, abgesehen davon, dass sich das WME 729 ohne Mucken seinen Weg nach oben bahnt und auch das 29"-Laufrad-Systemgewicht recht gering ausfällt und daher ziemlich gut in Vortrieb zu versetzen ist. Der Gewichtsunterschied ist zu gering, als dass er ins Gewicht fallen würde (haha).
Daher: ein Punkt für beide.

1:1

 Die höhere Laufruhe wandelt sich direkt in ein höheres Sicherheitsgefühl, was sich im Normalfall in höhere Geschwindigkeiten umsetzen lässt. 

Größer ist ruhiger, im Fall des WME 729

Wendigkeit

Das 627 (zumindest ab Größe M) kann nicht als nervös bezeichnet werden, fühlt sich aber im Vergleich zum 729 spürbar quirliger an. Dazu tragen die 430 mm kurzen Kettenstreben bei, die überraschenderweise auch mit dem Größe M-Rahmen gut harmonieren - ich kenne Bikes mit ähnlichen Werten, die sich weitaus weniger balanciert anfühlten. Für die größeren Rahmen mit längerem Reach will ich allerdings nicht die Hand ins Feuer legen, stellt sich aus längerer Front mit kurzem Heck doch erfahrungsgemäß ein Ungleichgewicht ein, weil verstärkt Fahrergewicht auf dem Heck des Bikes lastet und mit Nachdruck an der Front Druck aufgebaut werden muss.
Das 627 folgt extrem willig den Gewichtsverlagerungen und Lenkbewegungen des Piloten und aus Sektionen mit aneinander gereihten Anliegern schießt man quasi gezwungenermaßen mit einem breiten Grinser heraus.

Mit 65 Grad Lenkwinkel noch nicht extrem flach, ist auch das 729 willig um enge Kurven zu zirkeln. Die 29"-Laufräder stabilisieren durch ihre Rotationsmasse das Bike auf ihre eigene Art, die nach einer etwas ausgefeilteren Fahrtechnik verlangt, um es auch schnell in enge Kurven drücken zu können. Auch die 10 mm längere Kettenstrebe trägt zu einem etwas längeren Radstand bei. Problematisch ist dies in keinem Fall, aber dennoch dem 627 in Wendigkeit leicht unterlegen.

2:1

Laufruhe

Am Gegenpol des Faktors Wendigkeit gereichen besagte Eigenschaften des 729 dem Bigfoot zum Vorteil. Die höhere Laufruhe wandelt sich direkt in ein höheres Sicherheitsgefühl, was sich im Normalfall in höhere Geschwindigkeiten umsetzen lässt.

Auch das 627 verträgt hohe Geschwindigkeiten gut, kann aber nicht ganz das Gefühl von 29“-Laufrädern vermitteln. Um wieviel nervöser sich das Größe S-Modell anfühlt, darauf kann ich nur aus Erfahrungen der letzten Jahre schließen. Persönlich möchte ich allerdings kein Bike mehr unter einem Reach von 450 mm fahren.

2:2

Federung

Die Kinematik des Hinterbaus und damit das generelle Schluckverhalten beider WME-Modelle ist sehr gut gelungen: Feinfühlig zu Beginn des Federwegs, mit ausreichend Gegendruck im Mittelbereich und hoher Endprogression, um auch bei harten Schlägen den Hinterbau auf der Strecke zu halten. Ein Rezept, welches einige Firmen leider immer noch nicht geschafft haben, in ihren Enduro-Bikes zu implementieren.
Auf alle Fälle bekommt man auf diese Art eine solide Plattform, um die Federungsperformance im Detail gut abstimmen zu können. Zusätzlich besteht die Option bei beiden Bikes, in den Hinterbauelementen Volumen-Spacer für höhere Progression zu installieren und den Luftdruck für etwas mehr Sag zu reduzieren. Wirklich Bedarf dazu verspürte ich allerdings nicht, wobei ich bei längerer Nutzung sicher damit herumexperimentieren würde.

Fox und RockShox haben über die Jahre mit ihrer Federungsabstimmung zwei leicht unterschiedliche Wege eingeschlagen, die beide ihre Anhänger gefunden haben.

Wie von RockShox gewohnt, fühlt sich der Hinterbau des 627 beim Parkplatztest etwas zäh und leblos an. Für leichte Fahrer wird sich der Super Deluxe-Dämpfer vermutlich auch etwas überdämpft anfühlen. Interessanterweise bekommt man davon am Trail nur wenig mit, und man kann sich nicht über mangelnde Schluckfreudigkeit beklagen. Ganz so aktiv wie das Fox DPX2-Element fühlt er sich aber dennoch nicht an.
Über den gesamten Federweg gesehen, ist die Progression des 627 mit 15 gegenüber 14 % eine Spur höher, ins Gewicht fällt das aber nicht. Auch wenn diese Zahlen auf dem Papier niedrig erscheinen, hält die linear verlaufende Kurve der Kennlinie gegen Ende des Federwegs Durchschläge effizient.
Die Federgabel ist schnell und simpel einzustellen. Dass sie nur eine Abstimmung für jeweils Zug- und Druckstufe besitzt, wird den meisten Piloten nicht negativ auffallen, außer, sie haben ein sehr spezifisches Wohlfühl-Setup oder wollen auf Sekundenjagd in Rennen gehen.

Am Heck des 729 kommt das DPX2 Performance Hinterbauelement zum Einsatz. Ein äußerst fähiger Absorber von Schlägen aller Art, welcher sich mit Volumen-Spacern nachträglich in seiner Federkennlinie extrem progressiv gestalten lässt, sollte man in derartiges Territorium vorstoßen wollen. Die Zugstufendämpfung lässt sich über einen sehr breiten Bereich abstimmen und das Schluckvermögen ist auch auf radikaleren Trails enorm hoch - ein guter Begleiter also für Enduro-Abenteuer.
Mit dem richtigen Setup der 36er (mein persönlicher Favorit entspricht zwei Volumen-Spacern mit etwas niedrigerem Luftdruck für hohe Sensibilität bei gutem Durchschlagschutz) schafft die Gabel einen guten Kompromiss aus händeschonender Schlagdämpfung und Kontrolle im unwegsamen Gelände. Zwar neigt sie etwas stärker zum Tauchen als ein vergleichbares Modell mit GRIP2, ihre Sensibilität und Absorptionsfähigkeit von Schlägen aller Art ist aber exzellent und sie kann mit einigen teureren Gabeln problemlos konkurrieren.

Persönlich gebe ich dem etwas aktiveren Federungsverhalten von Fox - vor allem beim Hinterbauelement - den Vorzug, da sich die exzellente Sensibilität des GRIP-Dämpfers in händeschonendem Fahrvergnügen niederschlägt. Allerdings befindet sich auch die Effizienz des Charger-Dämpfers von RockShox auf sehr hohem Niveau.

Beide Firmen arbeiten auch bei erschwinglicheren Modellen auf sehr hohem Niveau und es ist schwer zu sagen, ob man mit der einen oder anderen Marke schneller oder sicherer unterwegs sein könnte. Am Ende des Tages ist es ein bisschen Geschmackssache, welches Federungskonzept einem vom Gefühl her mehr zusagt. Ein Punkt für beide.

3:3

Bergab

Bei allen Ähnlichkeiten des Setups ist es überraschend, dass Conway dem 729 volle 20 mm Federweg weniger gönnten als dem 627. Es stimmt zwar, dass sich mit größeren Laufrädern die 150 mm Travel in gewissen Fällen, wie beim Überrollen von Wurzelfeldern, nach etwas mehr Federweg anfühlt, da die Laufräder zum Beispiel in einem flacheren Winkel auf die Hindernisse treffen – 20 mm Federweg macht diese Eigenschaft vor allem an der Front dennoch nicht wett.

An dem Punkt, wo sich die Steinfelder von faustgroßen zu kindskopfgroße Brocken wandeln, heißt es, den Lenker entweder richtig fest zu packen, oder die Geschwindigkeit zu drosseln - wobei ich jetzt nicht vermitteln will, dass man in solchen Situationen im Schneckentempo den Berg hinunterrollen muss. Ich habe auch auf dem 729 auf einem lustigen langen Trail in Südtirol trotzdem eine Top 10 Strava-Zeit geschafft, obwohl ich mir das Schuhband mitten am Trail zubinden musste.
Die Front vermittelte mir nur nie das Gefühl in technisch forderndem Gelände, dass ich - wie auf anderen Bikes mit mehr Federweg - ungehindert aggressiv durch solche Sektionen fetzen könnte. Abgesehen davon, dass die Hände nach einem harten Ritt manchmal durchaus geschunden waren oder man mehr zum durchgerüttelten Passagier wurde, als zum bestimmenden Piloten. Nachdem ich mehrere Monate auf demselben 36er-Modell mit 160 mm Federweg verbracht habe, weiß ich, dass bereits zehn Millimeter extra einen merkbaren Unterschied in dieser Hinsicht ausmachen können. Persönlich würde ich sofort nachträglich in die Umrüstung auf mehr Federweg an der Front investieren - die Kosten dafür halten sich in Grenzen.

Am Ende des Tages werden also vor allem harte Schläge, die beim 729 an die Hände durchdringen, schwächer gefiltert, als beim 627. Legen sich Wurzelteppiche und ähnliche Hindernisse dem 627 in den Weg, hat man die Haudrauf-Tendenz dazu, diese Sektionen mit mehr Geschwindigkeit zu meistern. Die Qualität der Federung hat damit nichts zu tun.
Zieht es einen gerne einmal als Abstecher in den Bikepark, sind auch bei höheren Drops etwas früher die Limits der Komfortzone des 729 erreicht - nicht, dass man mit dem 729 nicht auch eine Menge Fahrspaß im Park erleben kann, oder es nicht den gelegentlichen Ausflug dorthin gerne mitmachen würde.

Aufgrund der smarten Kinematik der Hinterradfederung ist diese erst sehr spät aus der Ruhe zu bringen und fängt nur ganz selten zum Tänzeln in Steinfeldern an. Das gilt sowohl für die 27,5", als auch die 29"-Variante, wobei der Unterschied des Federwegs natürlich wahrnehmbar ist, aber nicht ganz so stark wie an der Front ins Gewicht zu fallen scheint.

Schade, dass dem 729 nicht etwas mehr Extrem-Potenzial zugetraut wurde. 160 mm Federweg vorne und hinten, oder sogar 170 mm, zumindest an der Front, sind heutzutage geometrietechnisch rein theoretisch kein Problem mehr und wären dem 729 meiner Meinung nach exzellent gestanden, auch wenn das 729 mit seinem Setup selbst im All-Mountain-Segment wildern kann.
Nachdem sich das 627 und 729 zumindest den Hauptrahmen teilen, sind allerdings technische Grenzen gesetzt - zumindest mit Conways Ziel, die Geometrie zwischen den beiden Bikes so ähnlich wie möglich zu gestalten.

Ein "besser" oder "schlechter" zu bestimmen, ist im Vergleich zwischen WME 627 und 729 gar nicht so einfach. Persönlich ziehe ich dieser Tage das höhere Sicherheitsgefühl, welches ein 29"-Vorderrad vermittelt, vor. Nachdem ich aber noch vor wenigen Jahren Wendigkeit und Verspieltheit über alles andere gesetzt habe, kann ich immer noch den Reiz von 27,5"-Laufrädern erkennen.

Auch wenn ich mich auf dem 729 vom Handling her eine Spur sicherer fühle und dadurch die Tendenz dazu hätte, in allen Sektionen am Trail zu pushen, macht der geringere Federweg den Absichten manchmal einen Strich durch die Rechnung.
Dafür liebt das 729 flowige Passagen mit vereinzelten Wurzeln und Steinen. Es generiert Vortrieb, wo es nur kann, und fliegt zielsicher den Weg entlang.
Gerade wenn es steiler und loser wird, ist das kleinere Vorderrad am 627 dem Größeren des 729 unterlegen. Da kann es schnell einmal passieren, dass die Front ein wenig aus der Kurve schiebt oder für einen kurzen Moment der Grip vorzeitig verloren geht, trotz griffigerem Vorderreifen.
Dafür bietet vor allem für kleinere Piloten ein kleineres Hinterrad mehr Bewegungsfreiheit hinter dem Sattel. Bei 29" kommt es schon einmal vor, dass der Hintern ungewollt beim Bezwingen von radikalen Steilsektionen oder rollenden Drop-Offs streift.

Gab es beim 627 keine unübliche Geräuschentwicklung, klapperte und nervte irgendetwas im Steuerbereich des 729. Auch nach längerem Suchen ließ sich nichts Offensichtliches finden, und die Vermutung reicht von einem internen Problem der Federgabel über ein loses Kabel im Inneren des Rahmens - allerdings gehe ich von einem einmaligen Problem aus, das sich in der Serie nicht wiederholen sollte, nachdem das 627 keine Anzeichen in diese Richtung machte.

Langer Rede kurzer Sinn: In der Endabrechnung sticht das 627 mit seinem Extra an Federweg das 729 als kompromissloseres Enduro aus.

4:3

Details

Sattelstütze & Einschubtiefe
Nur 125 mm Versenkbarkeit der Sattelstützen bei Größe M Rahmen locken heutzutage keinen Abfahrer mehr hinter dem Ofen hervor. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, und gerade in Steilpassagen oder technischen Finesse-Stücken hat man öfter mit dem Allerwertesten Kontakt, als einem lieb ist.
Vielleicht hat die zögerliche Haltung, keine längere Stütze zu verbauen, mit der Bauweise des Rahmens zu tun. Dadurch, dass das Federelement das Sattelrohr trennt, ist die Einschubtiefe etwas geringer als ein ununterbrochenes Rohr bei smarter Konstruktion liefern könnte, und könnte für kleinere Fahrer, die auch in den Genuss von Teleskopstützen mit höherer Verstellbarkeit kommen wollen, zum Problem werden. Dabei ist die Einschubtiefe trotz der Tatsache, dass das Federelement das Sattelrohr trennt, nicht einmal so übel - zumindest ab Größe M.
Im Endeffekt will Conway sicherstellen, dass auch etwas kleinere Fahrer noch Platz nehmen können, ein Kompromiss ist es dennoch und falls es die Beinlänge zuließe, müsste man in ein neues Modell investieren.

Bei Größe L und XL wächst die Sattelrohrlänge im Vergleich zum Reach stark an, somit wird der Griff zu Modellen mit längerem Reach je nach Beinlänge und Vorliebe vielleicht nicht möglich. Dafür werden hier immerhin Sattelstützen mit mehr Hub verbaut.

Bremsen
Nachdem ich die Sram G2-Bremse des WME 627 mittlerweile bereits auf mehreren Testbikes unter den Fingern hatte, kann ich getrost sagen, dass sie für einen Enduro-Einsatz ungeeignet sind. Die Bremskraft ist vielleicht für Cross-Country-Piloten adäquat, aber für Enduristen unbefriedigend. Nur mit viel Handkraft kommt man bei hohen Geschwindigkeiten rechtzeitig zum Stehen, am Ende eines langen Tages oder sogar Bikepark-Einsatzes sind die Hände müder, als sie sein müssten. Nur in puncto Dosierbarkeit und Ergonomie können sie überzeugen.

Shimanos XT (BR-M 8120) mit Vierkolben-Bremssätteln erledigt ihren Job viel besser. Perfekt zu modulieren, mit viel Bremskraft in den meisten Situationen, gehört sie momentan zur ersten Wahl für alle, die bergab gerne Gas geben.
Auch in ihrer Standfestigkeit kann sie überzeugen, allerdings wandert der Bremspunkt unter Extrembedingungen wie z.B. langen, sehr steilen Abfahrten ein wenig - aber genug, um vom persönlichen Idealpunkt soweit abzuweichen, dass ich bei solchen Fahrten gerne ein wenig an der Distanzschraube drehte.

Schaltung
Sram oder Shimano, das ist hier die Frage. Beide Gruppen legen eine tadellose Performance an den Tag. Shimanos neue XT ist der X01 Eagle mit einem Zahn mehr am Ritzel in ihrer Bandbreite leicht überlegen - ein gerne gesehenes Feature für das 29"-Modell, wodurch beide Bikes einander in der zurückgelegten Distanz pro Pedalumdrehung fast ebenbürtig sind.

Auch ein Hochschalten unter Last steckt die XT geräuschärmer weg als die X01, obwohl beide Gruppen unter den meisten Bedingungen willig ihre Gänge wechseln. Überraschend für mich ist immer noch, dass es etwas mehr Daumenkraft benötigt, um beim XT-Hebel die Gangwechsel vor allem beim Herunterschalten einzuleiten. Das ist zwar kein Problem, an das man nach etwas Eingewöhnung auch nur einen Gedanken verschwendet; die etwas weichere Bedienung von Srams Trigger-Shiftern gefällt mir persönlich aber besser.
Auch, dass man beim Herausnehmen des Hinterrades den Sram-Käfig arretieren kann. Eine leichte Kurbel aus Carbon gibt es als Sahnehäubchen drauf.

Halten beide Schaltwerke die Kette sicher im Zaum, ist im Bikepark bei Shimano die einstellbare Shadow RD Plus-Kupplung einmal ungewollt in ihre Position mit leichterer Rückhaltekraft gesprungen, was sofort zu wildem Kettenschlagen geführt hat.

In der Endabrechnung halten sich die beiden Systeme die Waage, verkehrt liegt man mit keiner von beiden.

Laufräder
Bei den M1900 Spline Laufräder aus dem All-Mountain-Segment hatte ich auch nach etlichen Kilometern auf Enduro-Schmankerl-Runden und manchem Bikepark-Besuch keine Beanstandungen. Die breite Innenbreite von 35 mm sorgte für großartigen Seitenhalt der Reifen und wäre selbst für eine Plus-Breite von 2,8" ausreichend.
Mit einem angegebenen Gesamtgewicht von 1.991 g sind sie nicht einmal extrem schwer.

Etwas weniger Glück hatte ich mit dem M1700 Spline-Laufradsatz mit 30 mm Innenbreite des WME 629. Dort lockerten sich nach relativ kurzer Zeit die Speichen, was schnell wieder behoben war. Mit einem kräftigen Höhenschlag am Hinterrad, dessen Herkunft wir uns nicht ganz erklären konnten - möglicherweise durch die Lockerung der Speichen beeinflusst - musste ich allerdings im Laufe des Tests leben. Das kann aber der besten Alufelge passieren und muss wohl eher einem Fahrfehler zugeschrieben werden, zumal die Felgen des M1900 und M1700 baugleich sind, von der unterschiedlichen Innenbreite einmal abgesehen.

Die DT Swiss Schnellspann-Steckachse musste ich da wie dort mit ungewohnt hoher Kraft festspannen, um ein ungewolltes Lockern zu verhindern.

Reifen
Der Magic Mary ist für Enduristen kein Neuling, bietet er doch mit seinen aggressiven Seitenstollen, dem groben Profil und der Addix Soft Gummimischung sehr guten Grip auf unterschiedlichsten Untergründen. Vor allem auf harten und weichen Waldböden gräbt er sich verlässlich ein, nur auf losem Schotter kann er mich nicht ganz begeistern.
Verbaut beim 627 vorne, ist er mit einem Hans Dampf am hinteren Laufrad gekoppelt, der über etwas bessere Rolleigenschaften verfügt und somit einen guten Kompromiss aus Bergauf-Tauglichkeit und Grip liefert - auch, wenn der des Hans Dampf etwas geringer ist als jener des Magic Mary.

Beim 729 muss man sich mit einem Hans Dampf an der Front begnügen, gekoppelt mit einem Nobby Nic am Heck. Beides gute Allrounder, zeigen sie im harten Gelände aber eben nicht die Haltequalitäten eines Magic Mary. Auch wenn ich generell nicht oft in Schwierigkeiten geriet und durchaus Vertrauen in die Spurführung des Hans Dampf mit Addix Soft-Gummimischung setzte, gab es ein paar Situationen, in denen mir der Vorderreifen seitlich wegbrach und nur mit einem schnellen Aufsetzen des Fußes ein Sturz vermieden werden konnte, bzw. in einem Fall ich in einer unscheinbaren Kurve auf Tuchfühlung mit dem Boden ging.

Alle Reifen sind mit eher dünnwandigen Seitenwänden bestückt, müssen daher in hartem Gelände entweder mit ziemlich hohem Reifendruck oder Reifeninserts gefahren werden. Auch im Regen konnten die Addix-Mischungen überzeugen.

Dies & Das
Bei der Steuersatzkappe aus Plastik kann es sich wohl eher nur um einen Scherz, als einen ernstgemeinten Komponentenbauteil handeln. Bereits bei geringstem Druck - im Fall vom 729 sogar so wenig, dass man den Steuersatz nicht einmal rüttelfrei festziehen konnte - dellen sich die Seitenränder an den Carbon-Spacern, die nur stufenartige Auflagen besitzen, schnell ein. Bei etwas mehr Druck, würde die Kappe einfach brechen. Beim 627 mit Alu-Spacern funktionierte das Festziehen besser. Dennoch ist es verwunderlich, dass Acros derlei überhaupt produziert.

Auch wenn der kleine integrierte Schmutzfänger das Schlimmste vom hinteren Federelement fernhält, hätte er ruhig noch eine Spur länger sein können, um auch wirklich die Gefahr von Steinschlag am unteren Teil des Schafts zu eliminieren.

Positiv: Eine Abdeckkappe beim unteren Hauptgelenk verhindert, dass sich kleine Steine zwischen den beweglichen Teilen verfangen könnten.

Die integrierte Storage-Box ist ein brauchbares Detail. Ein kleines Multitool, ein dünner Ersatzschlauch und eine CO2-Ersatzpatrone finden Platz, größere Mitbringsel allerdings nicht.
Das Drehrad ist selbst mit Handschuhen bedienbar, zwei integrierte Klettbänder halten die meisten Utensilien rüttelfrei im Zaum. Führt man Kleinteile mit, sollte man aber ein Paket in einem kleinen Stoffbeutel oder ähnlichem schnüren, sonst wird einen das Rasseln an den Rand eines Nervenzusammenbruchs führen.

Fazit

WME 627
Modelljahr: 2020
Testdauer: 2 Monate
Preis: € 4.399,95 UVP
+ Potente Hinterradfederung
+ Massig Federweg für Extrembedingungen
+ Agiles Handling
+ Guter Allrounder
+ Sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis
o Nicht so laufruhig wie WME 729
- Schwache Bremsen
BB-Urteil: Konsequent umgesetztes Enduro mit schluckfreudiger Kinematik.
WME 729
Modelljahr: 2020
Testdauer: 2 Monate
Preis: € 4.299,95 UVP
+ Potente Hinterradfederung
+ Laufruhe
+ Sehr guter Allrounder
+ Sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis
o Könnte eine Spur mehr Federweg vertragen
- Reifen-Kombo mit weniger Grip
BB-Urteil: Enduro mit All-Mountain Tauglichkeit in den Genen.

Mit einem Endstand von 4:3 steht das WME 627 im direkten Vergleich zum 729 als Gewinner da, zumindest auf dem Papier. Ganz ernst zu nehmen ist diese Art des Punktevergleichs natürlich nicht.

Sind beide als Enduro-Bike kategorisiert, setzt das WME 627 aufgrund von 20 mm mehr Federweg dieses Konzept aber konsequenter um, vor allem im Extrembereich. Sieht man sich die Reifenwahl des 729 und seinen Federweg an, kommt es einem fast so vor, als hätte Conway versucht, eher ein All-Mountain als ein waschechtes Enduro mit der 29"-Bereifung in seiner Palette zu platzieren. Fühlt es sich auf 80 Prozent an anspruchsvollen Enduro-Trails trotzdem pudelwohl und kann man auch richtig Gas geben, würde mir in Renn- und Extremsituationen etwas Federweg und besseres Reifenmaterial fehlen, damit in höchst technischen Passagen bei Vollgas nicht die Hände abfallen.

Die Kinematik beider Bikes ist gelungen und das Heck ist nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Will man es in brutal technischen Passagen richtig krachen lassen, wird man am 729 unweigerlich stärker durchgeschüttelt; eine derartige Menge an Federweg kann auch die größere Laufradgröße nicht kompensieren.

Schnell, sogar richtig schnell, kann man mit beiden sein. Ein paar meiner persönlichen Strava Bestzeiten konnte ich auch auf dem 729 unterbieten, vor allem, wenn flowig schnelle Passagen dominierten. Das Sicherheitsgefühl und die höhere Laufruhe des größeren Vorderrades und die etwas längere Kettenstrebe des 729 gefällt mir grundsätzlich persönlich mittlerweile sowieso besser. Hätte es nur etwas mehr Federweg, hätte es das 627 vermutlich auch in der Bergab-Kategorie geschlagen.

Bei der Ausstattung kann man die Bremsen des WME 627 getrost vergessen, dafür ist die Bereifung abfahrtstauglicher. Sram- und Shimano-Schaltung halten sich die Waage. Das Preis/Leistungsverhältnis ist bei beiden erstaunlich. Normalerweise würde man bei Händlerbikes weitaus tiefer in die Tasche greifen müssen, um an das qualitative Package der Bikes heranzureichen.

Am Ende des Tages haben beide Laufradgrößen immer noch ihre Berechtigung. Wer ein verspielteres Handling sucht, wird vermutlich mit dem WME 627 besser beraten sein, Laufruhe und Sicherheitsgefühl sind die Domäne des WME 729 - Federweg hin oder her, obwohl dieser Punkt bei Enduristen vermutlich darüber entscheidet, welches von beiden man wirklich wählt. Falsch liegt man aber mit beiden nicht.


Ergebnis 1 bis 5 von 5
  1. #1
    Registrierter Benutzer Avatar von NR22
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    Test: Conway WME 627 & WME 729

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  2. #2
    Asphalt ist Teufelswerk Avatar von muerte
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    Optisch voll schöne Bikes diese WME! Storagebox ist auch cool, und P/L fein. 4 Gelenker halt *gg*
    .
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  3. #3
    Geht scho! Avatar von FloImSchnee
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    Ja, ganz cool eigentlich!

    Wusste gar nicht, dass die auch schon einen Kofferraum haben -- wenn auch an etwas blöder Stelle, voll im Gatsch. Dennoch fein.

  4. #4
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    Die Kinematik des Hinterbaus und damit das generelle Schluckverhalten beider WME-Modelle ist Canyon sehr gut gelungen
    ist wahrscheinlich rein gerutscht

  5. #5
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    Zitat Zitat von klemens88 Beitrag anzeigen
    ist wahrscheinlich rein gerutscht
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