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Test: Genesis Axiom Carbon

Test: Genesis Axiom Carbon

19.07.13 07:55 12.242Text: NoManFotos: Erwin HaidenMittelklasse-Twentyniner sucht kräftigen Partner für Genusstouren und gerne auch mehr - Investitionsspielraum vorhanden.19.07.13 07:55 12.391

Test: Genesis Axiom Carbon

19.07.13 07:55 12.391 NoMan Erwin HaidenMittelklasse-Twentyniner sucht kräftigen Partner für Genusstouren und gerne auch mehr - Investitionsspielraum vorhanden.19.07.13 07:55 12.391

Es muss nicht immer die Topklasse sein. Hersteller wie Genesis wissen das schon lange, haben sie doch ihr Geld bislang vor allem mit günstigeren Einsteiger-Bikes verdient und erst vor relativ kurzer Zeit beschlossen, auch höhere Preissegmente bedienen zu wollen – vgl. etwa unseren Langzeittest des Genesis Revolution Team bzw. dessen Kick-off-Bericht.
Mit dem Axiom Carbon fischt das in Wels ansässige Label nun wieder in angestammteren Gewässern: 1.799 Euro kostet das neue Flaggschiff der 29er-Linie Axiom. Das ist zwar immer noch deutlich teurer als der Durchschnittspreis aller verkauften Bikes der Intersport-Eigenmarke; aber bei weitem nicht „High-end“.
Hierfür bekommt man ein ausgesprochen hübsch anzusehendes Carbon-Monocoque in vier Größen (41-56 cm), das sich ausstattungsmäßig in der Mittelklasse einbremst (100 mm Suntour Epicon-Gabel, Deore-Bremsen und -Antrieb, Shimano WH-MT55 Laufräder).
Darunter umfasst die Linie, gedacht als Einstieg in die Welt der großen Räder, übrigens noch fünf Alu-Modelle zwischen 1.299 und 499 Euro.

Es muss nicht immer die Topklasse sein. Auch BB-Crash Test Dummys wissen das, kommen aber, ganz Luxusgeschöpfe, nur selten in die Situation, das auch wirklich am eigenen Leib zu erfahren.
Gerade deshalb waren wir aber auch neugierig. Wieviel Bike ist für knapp 2.000 Euro, genau genommen ja ein kleines Vermögen, zu kriegen, wo müssen Abstriche in Kauf genommen werden, wo gibt’s (günstiges) Optimierungspotenzial?

Bei der Optik, so viel ist unmittelbar nach dem Auspacken fix, nicht. Dunkelgrau mit durchschimmernder Carbon-Struktur und blau-grünen Farb-Akzenten auf Rahmen, Sattel & Co. gefällt das Axiom auf Anhieb. Dazu Rohrformen, welche die diesbezüglichen Freiheiten des Werkstoffs widerspiegeln – fetter Tretlagerbereich (übrigens mit BB91-Press Fit) da, queroval zusammenlaufendes Oberrohr dort, elegant gelöste Übergänge anderswo.
Besonderes Augenmerk haben die Entwickler auf den Hinterbau gelegt – mit seinen abgeflachten Sitzstreben und den runtergezogenen Vierkant-Kettenstreben soll der Komfort so hoch wie der Schwerpunkt tief bleiben. Die Biegung des Sattelrohrs hält den Radstand im Zaum und schafft gleichzeitig Platz für eventuelle Dreckorgien – eine notwendige Option, wie sich später noch herausstellen wird, neigt doch der montierte Rapid Rob zu verstärkter Sammeltätigkeit im Schlamm.
Gespart wurde an innenverlegten Zügen. Sämtliche Bowden sind entlang des Unterrohrs außen verlegt und werden teils von Kabelbindern zusammen-, teils von kleinen Clips an eigenen Halterungen festgehalten. Letztere lösen sich allerdings relativ leicht z.B. beim Putzen – anschließend also immer kontrollieren, ob noch alle da sind!

Spezifikationen

Tech Specs

RahmenCarbon Monocoque 3kKurbelShim. Deore FC-M552 Press Fit 42/32/24 Z.
Größen41/46/51/56 cmKasetteShinano HG62-10, 11-34 Z.
GabelSuntour Epicon RL-R Lite LO, 100 mm; 15 mm QRSchalthebelShimano Deore
SteuersatzFSA Orbit ZS tapered, semi-integratedSchaltwerkShimano Deore
VorbauGenesis Alu OSUmwerferShimano Deore, direct mount
LenkerGenesis Alu OS Flatbar, 680 mmReifenSchwalbe Rapid Rob Kevlar, 57-662
SattelstützeGenesis Alu 27,2 mmLaufräderShimano WH-MT55
SattelGenesis MTBGewicht (o.P.)11,9 kg
Bremse vo/hiShimano Deore 180/180 mmPreis1.799,-

Es muss nicht immer die Topklasse sein. Zumal dieser Umstand den Horizont in Sachen Ausstattung erweitern kann. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass es an einer Suntour Epicon-Gabel einfach nichts zu meckern gibt?
Natürlich werkt eine Highend-Forke feinfühliger, bietet mehr Einstellungsoptionen. Aber mal ehrlich: Sind eine Luftkammer, einstellbarer Rebound und 100 mm Federweg, die sich vollinhaltlich, aber nie durchschlagend nützen lassen, nicht alles, was es braucht? Als Draufgabe gibt's ausreichende Steifigkeit, passables Gewicht (32er-Standrohre, konischer Schaft, Alu-Brücke, Magnesium-Tauchrohre, 1.820 g) und eine wirklich gelungene Variante eines Remote-Lockout-Hebels: ergonomisch, leichtgängig, logisch. I-Tüpfelchen im Federungs-Paket wären ablesbare Druckempfehlungen pro Gewichtsklasse - gerade Einsteiger haben diesbezüglich schließlich kaum Erfahrungswerte.
Auch die Deore-Gruppe - hinten aufgemotzt durch ein XT-Schaltwerk, vorne dafür abgewertet durch eine gruppenfreie Kurbel auf Deore-Niveau - kann überzeugen. Haptisch und optisch logischerweise nicht auf dem Niveau der Topgruppen angesiedelt, gibt's funktionell nichts zu bemängeln: Die Gänge flutschen und halten, die Bremsen greifen, und auch die zugehörigen Hebel liegen gut in der Hand. Lediglich auf langen Downhills gerät das Wärmemanagement an seine Grenzen.

Es muss nicht immer die Topklasse sein. Aber manchmal wäre es dann doch ganz gut. Wenig Gefallen fanden etwa die Reifen. In ihrem Profil dem Bestseller Racing Ralph nachempfunden, ist die Gummimischung des Rapid Rob offensichtlich eine gänzlich andere; zumindest ist der Grip des Drahtreifens speziell im Nassen unzureichend, und auch in puncto Gewicht (790 g das Stück) kann der Schwalbe-Pneu seinem hausinternen Vorbild nicht das Wasser reichen.
Von den Gummis ist's nur ein Hupfer zu den Laufrädern. Dieselben wiegen im Set über zwei Kilo. Ein Steifigkeitsproblem hat dank dieses Werts wohl niemand mit den MT55ern, obwohl sie hinten nur ein konventioneller Schnellspanner an ihrem Platz hält. Ein Gewichtsproblem hingegen schon, handelt es sich doch um rotierende Masse, die erst einmal beschleunigt bzw. generell über die Berge geschleppt werden will.
Apropos Schnellspanner: Die 15 mm-Steckachse vorne beinhaltet einen Suntour-eigenen Mechanismus mit Konus, der von der Notwendigkeit des Aufschraubens entbindet – eine flotte Lösung, wenn's funktioniert, am Anfang jedoch eine Fummelei, die sich nur durch herzhafte Gewalteinwirkung (Gummihammer auf Gegenmutter) beenden ließ, weil der Konus klemmte.

  • Die Steckachse öffnet man mittelsDie Steckachse öffnet man mittels
    Die Steckachse öffnet man mittels
    Die Steckachse öffnet man mittels
  • Schnellspanner auf der linken Seite.Schnellspanner auf der linken Seite.
    Schnellspanner auf der linken Seite.
    Schnellspanner auf der linken Seite.
  • Sodann per Druck auf Gegenmutter Sodann per Druck auf Gegenmutter
    Sodann per Druck auf Gegenmutter
    Sodann per Druck auf Gegenmutter
  • Konus "einfahren", sodass die Achse Konus "einfahren", sodass die Achse
    Konus "einfahren", sodass die Achse
    Konus "einfahren", sodass die Achse
  • rausgezogen werden kann.rausgezogen werden kann.
    rausgezogen werden kann.
    rausgezogen werden kann.
  • Der Lockout-Hebel gefällt:Der Lockout-Hebel gefällt:
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Es muss nicht immer die Topklasse sein. Denn auch ein 1.800-Euro-Hobel kann prinzipiell das Prädikat "Wohlfühlbike" tragen.
Die Sitzposition fällt relativ aufrecht und, Twentyniner-typisch "mit dem Rad verwachsen" aus. Zwei Spacer hätten noch Spielraum geboten, um die Front zu senken und dem Hardtail einen sportlicheren Charakter zu verleihen. Die gemütlichere Variante erschien der Testerin aber passender.
Kombiniert mit dem gefällig geformten Sattel, den rutschfesten Griffen und dem (für Fahrer um 1,66 cm fast schon zu) breiten Lenker ergibt das eine gute Ausgangsbasis für genussvolle Touren.
Gleiches gibt es von den Fahreigenschaften an sich zu berichten: Das Bike liegt ruhig, rollt gut, reagiert geschmeidig auf Lenkbefehle und Gewichtsverlagerungen und wirkt komfortabel. Kurvige Forststraßen damit runterzuheizen, ist eine wahre Freude und sichere Angelegenheit; wellige Wege werden förmlich gefressen; verblockte Trails gelingen je nach Wetter (Reifen!) mal mehr, mal weniger gut - wendig wie ein 26er ist das Axiom freilich nicht.
Aber, und das ist das große Minus des Bikes, das die positiven Eindrücke immer wieder überlagert: Für die Übersetzung braucht's in Kombination mit den 13 Kilo "Lebendgewicht" (also Radl, Pedale und gefüllte Flasche) strammere Waden, als die Testerin sie hatte. Lange Anstiege à la KitzAlpBike werden damit zum Gewaltakt, kurze Steilstiche zum automatischen Schiebestück.
Lösen bzw. verbessern lässt sich dieses Problem, so man bei der Dreifach-Kurbel bleiben aber weder ein 36-Ritzel noch einen gruppenfremden, kleineren Kurbelkranz montieren will, wohl frühestens 2014 mit der neuen Deore (22/30/40) ...

Fazit

Genesis Axiom Carbon
Modelljahr:2013
Testdauer:3 Wochen und einen Hillclimb
+hochwertiger Rahmen
+ausgewogenes Handling, auch in Größe S
+fesches Design
-hohe rotierende Masse (Laufräder, Reifen)
-harte Übersetzung
-wenig Reifengrip
BB-Urteil:schwere Schale, toller Kern

Es muss nicht immer die Topklasse sein. Schon gar nicht, wenn die Mittelklasse auf den Namen Genesis Axiom Carbon hört.
Mit besseren Reifen und einem 36er-Ritzel können mit minimalem Mehraufwand zweieinhalb der drei Kritikpunkte des Carbon-Hardtails entschärft werden; für 2014 ist zu hoffen, dass Intersport zur neuen Deore-Kurbel (22/30/40) greift. Weiteres Tuning-Potenzial ist vor allem bei den Laufrädern vorhanden.

Ganz prinzipiell erwirbt man mit dem neuen Twentyniner von Genesis ein liebevoll designtes Hardtail mit ausgewogenem Handling, dessen Geometrie auch kleingewachsene Menschen (die Testerin selbst ist 1,67 m) mehr als glücklich machen kann und das sich serienmäßig vor allem für gemütliche Touren ohne Extrembereiche (sehr steile bzw. lange Anstiege, hochtechnische Downhills) eignet.
Speziell der Rahmen wirkt dabei hinsichtlich Fahreigenschaften und Komfort dermaßen gelungen, dass er sich, um sein volles Leistungsspektrum ausspielen zu können (Stichwort Renneinsatz), durchaus auch eine höherwertige Bestückung verdient hätte.
Aber es muss ja bekanntlich nicht immer die Topklasse sein …


Ergebnis 1 bis 5 von 5
  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Test: Genesis Axiom Carbon

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  2. #2
    gibts do an shuttle? Avatar von marph_42
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    bericht ist so nicht schlecht geschrieben. finde das aber schon komisch das jeder absatz mit der "proforma rechtfertigung" anfängt.... "Es muss nicht immer die Topklasse sein" .... stimmt schon aber ein 41RH carbon HT mit 11.9kg.... ouch .... hab meiner lady eines komplett in alu RH 45 zusammengebaut und das ding hat mit pedale 11,2.... und ist auch kein Topklasse bike bzw. rahmen.... es ist sogar ein "eigenmarken" rahmen .....

    ...keep the pressure

  3. #3
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    das soll in dem fall eigentlich keine rechtfertigung, sondern ein (schreiberisches) stilmittel sein ...
    NoMan

  4. #4
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    Schon lustig, aber dieser gut gemachte Bericht hat mir dieses bike verkauft Ob ich dafür dankbar bin, werde ich nach ner Weile vermelden...

  5. #5
    Admin Avatar von NoPain
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    Zitat Zitat von Shoto Beitrag anzeigen
    Schon lustig, aber dieser gut gemachte Bericht hat mir dieses bike verkauft Ob ich dafür dankbar bin, werde ich nach ner Weile vermelden...
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