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Ridley X-Fire 10 Disc

Ridley X-Fire 10 Disc

12.01.14 22:09 25.786Text: Stefan Herr, NoManFotos: Erwin Haiden, Ernst Teubenbacher"Turn grit into glory" lautet der Leitspruch des belgischen Carbon-Crossers. Moch ma! Das nötige Wadenschmalz und Ersatzlaufräder vorausgesetzt.12.01.14 22:09 26.469

Ridley X-Fire 10 Disc

12.01.14 22:09 26.469 Stefan Herr, NoMan Erwin Haiden, Ernst Teubenbacher"Turn grit into glory" lautet der Leitspruch des belgischen Carbon-Crossers. Moch ma! Das nötige Wadenschmalz und Ersatzlaufräder vorausgesetzt.12.01.14 22:09 26.469

Belgien ist ein Hotspot in Sachen Cyclocross, und Ridley hat seinen Sitz im Herzen Belgiens. Eins und eins ergibt zwei, auch im Querfeldeinsport, und so eilt den Cross-Bikes der Flamen bereits seit einiger Zeit ein halbwegs legendärer Ruf voraus. Frühe Verwendung von Carbon, konischen Steuerrohren oder Scheibenbremsen sowie sieben Weltmeister-Titel seit 2002 sind nur einige der Gründe hierfür. Entsprechend groß unsere Erwartungen gegenüber Ridleys Oberklasse-Crosser X-Fire 10 Disc.


Die Eckdaten des Bikes klingen nicht schlecht: Ultegra 11-fach, 4ZA Anbauteile und Laufräder, Scheibenbremsen, Carbonrahmen. Auch die Optik überzeugt. Weltmeister-Streifen schmeicheln zuverlässig jedem Ego; wer derlei Psycho-Booster nicht benötigt, kann gegen Aufpreis und Wartezeit auch individuell lackieren. Dazu das großzügig dimensionierte, kantige Unterrohr samt ebenfalls fettem Steuerrohr-Bereich, die eleganten Bögen am Monostay-Hinterbau, die muskulösen Schultern der Carbon-Gabel …
Mit innen verlegten Zügen, abgeflachten Schulterpunkten, viel „Schlammabstand“ bei Gabel und Streben sowie kurzem Drop zwecks einfacherer Bewältigung von Hindernissen wirkte das aus HM-Fasern bestehende Chassis für alle Cyclocross-Herausforderungen dieser Welt (inkl. Di2- und EPS-Kompatibilität) gerüstet.
Beim Sprung auf die Waage machte sich allerdings erstmals Ernüchterung breit. 9,3 Kilo – dem Ridley geht’s wie der BB-Mannschaft nach den Weihnachts-Feiertagen: Es könnte eine radikale Diät gut gebrauchen. Und auch das weiße Lenkerband und der gleichfärbige Sattel sahen leider nur gut aus, so lange sie neu waren.

Tech Specs

RahmenHM Unidirectional Carbon, Pressfit BB30KurbelFSA Gossamer PF30 46/36
Größe41/48/50/52/54/56/58 cmKassetteShimano Ultegra 11-fach, 11-25 Z.
GabelOryx Carbon, taperedSchalthebelShimano Ultegra 11-fach
Vorbau4ZA StratosSchaltwerkShimano Ultegra 11-fach
Lenker4ZA StratosUmwerferShimano CX-70
Sattelstütze4ZA Stratos, 31,6 x 350 mmKetteKMC X11
Sattel4ZA StratosBremsenAvid BB7 mech. Disc, 160 vo/140 hi
Laufräder4ZA Cirrus CX DiscPreis€ 2.799,-
ReifenChallenge Grifo 32 mmGewicht9,33 o.P.

Mitte-Mitte oder Mitte-Oberkante, das ist hier die Frage ...

Eine separate Anmerkung ist die Größenangabe Ridleys wert: Was bei den Belgiern 52 heißt, ist gemäß klassischer Messmethode nämlich ein 56er-Rahmen, also Obacht beim Bestellen!
Und passend zum Thema Größe noch ein interessantes Detail: Das Oberrohr wird ergonomisch gestaltet, was bedeutet, dass sein Durchmesser bei XS- und S-Rahmen schrumpft, damit auch Fahrer mit potenziell kleineren Händen es gut umfassen können.

First Rides

Der gewichtsmäßigen Kampfansage gegen den Fahrer zum Trotz waren die ersten Fahreindrücke sehr positiv. Einerseits lag dies an der sehr komoten Geometrie des Crossers. Das verkürzte Oberrohr - übrigens besonders schlagfest ausgeführt - erleichtert das Manövrieren durch enge Kurven, gleichzeitig bringt der längere Radstand viel Stabilität.
Andererseits gefielen die Bremsen anfangs sehr gut. Scheibenbremsen an Cross-Bikes kommen ja immer mehr in Mode. Das X-Fire wird von Avids BB7, also mechanischen Discs, mit einer 160er-Scheibe vorne und einer 140er hinten gestoppt. Präzise dosierbar und fest zupackend, eroberte diese Bremsanlage rasch des Testfahrers Herz.

Gefallen fand Herr Herr auch an der Performance der Shimano Ultegra. Zudem lagen die Schaltbremshebel gut in der Hand und vermittelten auch am Obergriff Sicherheit im Gelände. Die Übersetzung des Elffach-Werkes allerdings brachte unser Crash Test Dummy zum Stöhnen. "Mit 11-25 wird's nach einer Weile echt hart im Wald, auch, wenn vorne ein 36er-Blatt ist."
Ein Umstand, über den auch das insgesamt sehr angenehme Fahrverhalten und die steife Gabel nur teilweise hinwegtrösten konnten ...

Kritik gab's bezüglich der Reifenwahl. Die Challenge Grifo 32 mm sind Drahtreifen - einem Schlauchreifenverfechter wie Stefan bereitete das fast körperliche Schmerzen.
Lässt sich über weniger Komfort, geringere Traktion und schlechteres Rollverhalten noch als Kriterien mit subjektivem Einschlag diskutieren, gibt's hinsichtlich Pannensicherheit eine objektive Zahl. Insgesamt sechs Defekte in zwei Monaten, davon der erste bereits nach einer Stunde Fahrt, sprachen hier letztlich eine deutliche Sprache. "So viele Patschen hatte ich die letzten acht Jahre zusammengenommen nicht", monierte der Tubular-Fan.

Mit fortlaufender Testdauer änderte er außerdem seine Meinung zu den Bremsen. "Bei längeren Abfahrten auf Asphalt und leichtem Anbremsen bemerkte ich beunruhigende Vibrationen." Und beim ersten Regen war's dann überhaupt vorbei: "Die quietschten so laut, dass ein Polizist Nachschau hielt, als ich unterm Fenster eines Kommissariats vorbeifuhr!" Ihre Bremsleistung verloren die akkustisch nervtötenden Lustkiller allerdings nicht.
Dafür verlor das Laufrad beinahe die Gabel, oder umgekehrt - und das, obwohl der Schnellspanner geschlossen war. Das Problem, auf welches ein kurzes Knacken aufmerksam machte: Bei stärkerem Bremsen oder Blockieren des Vorderrades traten durch die einseitige Belastung solche Kräfte auf, dass sich das Laufrad in der Gabel verzog und in der Folge in den Ausfallenden verrutschte. Ein fester zupackender Schnellspanner mit Schraub- statt Klappmechanismus könnte hier wohl Abhilfe schaffen.

Fast Rides

Im Rennbetrieb - immerhin drei Bewerbe bestritt Österreichs frischgebackener Querfeldein-Vizemeister der Amateure zwischen Oktober und Jänner - hinterließ das Ridley ebenfalls einen zweispältigen Eindruck: Die Fahreigenschaften des Rades an sich wunderbar, das Handling einfach und gut kontrollierbar, die Lauf- und Tragepassagen dank der Special Features wie dem unten abgeflachtem Oberrohr oder dem geringen Drop relativ problemlos.
Das hohe Gewicht v.a. der rotierenden Masse schlug bei der permanenten Notwendigkeit, abzubremsen, wieder zu beschleunigen und das Rad zu schultern jedoch mit besonderer Macht zu; und die Drahtreifen nicht mit 1,8 bar fahren zu können, förderte weder Traktion noch Komfort.
Last but not least fehlten dem Zahnkranz unter Wettkampfbedingungen links die Zähne, die rechts zu viel waren: "Eine größere Kassette wäre von Vorteil gewesen, um steile Antiege am kleinen oder schnellere Passagen noch auf dem großen Kettenblatt bewältigen zu können", lautete unseres Testfahrers Resümee.

Fazit

Ridley X-Fire 10 Disc
Modelljahr:2013
Testdauer:ca. 1.300 km/55 h, 3 Rennen
+starke Optik
+durchdachte Geometrie
+Ultegra 11-fach (auch im Dreck)
+innenverlegte Züge
-Gesamtgewicht
-Drahtreifen plus LR-Systemgewicht
-quietschende und vibrierende Bremse
-vorderer Schnellspanner hält Kräften nicht stand
BB-Urteil:Pummelchen mit Potenzial

Technisch up to date und in Geometrie und Handling überzeugend, ist das Ridley X-Fire 10 Disc ein (form-)schöner Begleiter im flachen Gelände.

Für hügeligeres Terrain oder den Wettkampfeinsatz braucht's eine strenge Diät und eine breitere Übersetzung. Die hierfür notwendigen Investitionen könnten sich aber lohnen. Denn im Herzen ist das Ridley mindestens so viel Crosser, wie Belgien Querfeldein-Hotspot.

Noch feiner wäre es aber freilich, wenn gleich der Hersteller selbst bei kleinen Details, die nicht die Welt kosten, dieselbe aber deutlich zum Positiven verändern - etwa den größtenteils schweren 4ZA-Eigenparts - Hand anlegen würde ...


Ergebnis 1 bis 9 von 9
  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Test: Ridley X-Fire 10 Disc

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  2. #2
    Höhenmetersammler Avatar von PLR
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    Interessanter Test, aber "Pummelchen mit Potenzial" halte ich fast für zu sanft ausgedrückt wenn es sich bei dem Bike um ein Serienmodell handelt. Immerhin nehmen die ja auch 2800€ für dieses Teil, wenn ich dann FSA Gossammer, oder 9,33 Kg ohne Pedale lese.....naja OK, wenn der Rest dafür überdurchschnittlich gut wäre, wärs sicher verschmerzbar.
    Aber wenn mir eine BB7 bereits das Laufrad aus der Gabel haut, hört sich der Spaß eigentlich echt auf. Auch wenn die BB7 sicher eine Top Bremse unter den mechanischen vertretern ist, was würde passieren wenn man diesen Rahmen mit Flat Bar und einer hydraulischen Bremse in der Klasse einer SLX oder gar XT ausstatten würde? Selbst ein mittelklassiger Schnellspanner müsste doch bei einer 160er Scheibe genügend Spannkraft haben um das Laufrad sicher in den Ausfallenden zu halten, so zumindest meine Meinung.

  3. #3
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    aber genau deshalb ja "potenzial" - kleine änderungen da und dort würden fahrspaß, sicherheit, ... deutlich heben
    NoMan

  4. #4
    Registrierter Benutzer Avatar von bastl
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    Die Öffnung der Ausfallenden der Gabel weisen nach hinten. Das ist ein schwerer Konstruktionsfehler der genau das Herausziehen der Achse verursacht, unabhängig vom Schnellspanner.
    Die Öffnung der Ausfallenden einer Disc-Gabel muss gerade sein oder besser nach vorne zeigen.
    Da hat jemand einen ganz ordentlichen Bick geschossen!

    Edith sagt: siehe Mtb-Gabeln
    Geändert von bastl (13-01-2014 um 17:25 Uhr)

  5. #5
    Registrierter Benutzer Avatar von Tom Turbo
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    Sehr ojektiver Test, sauber geschrieben Stefan

  6. #6
    langsam alt Avatar von hermes
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    das sind belgier, die leben den cx-sport. klar, dass die von disk keine ahnung haben. leider müssen sie halt auch mit der moden gehn.
    2RC°395

    www.selberbruzzler.at
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    i tät gern so gscheit radlfahrn können, wie i deppat reden kann

  7. #7
    Höhenmetersammler Avatar von PLR
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    Zitat Zitat von NoMan Beitrag anzeigen
    aber genau deshalb ja "potenzial" - kleine änderungen da und dort würden fahrspaß, sicherheit, ... deutlich heben
    OK,im allgemeinen passt das Urteil vielleicht eh ganz gut,soll jetzt auch keine Kritik an deiner Ausdrucksweise sein,aber ich finde einfach,dass bei einem 2800€ Bike mit solchen Schwächen das Urteil vernichtender ausfallen müsste.In etwa "der Wille war da bei den belgiern, aber an der Ausführung ists gescheitert" "Potenzial" wäre bei einem 800€ Bike passend,ein 100er da ein 50er dort und da noch bissl was,wär in dieser Preisklasse OK,aber bei 2800€ sollte eigendlich das Grundpaket schon passen und nicht gleich nach zwangstuning schreien damit es überhaupt mal richtig funktioniert.

  8. #8
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    bei 2800€ sollte eigendlich das Grundpaket schon passen und nicht gleich nach zwangstuning schreien damit es überhaupt mal richtig funktioniert.
    da geb ich dir recht - das letzte fazit-satzerl hätt insofern wohl ein eck fordernder gehört...
    NoMan

  9. #9
    Registrierter Benutzer Avatar von thomsen
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    Zitat Zitat von bastl Beitrag anzeigen
    Die Öffnung der Ausfallenden der Gabel weisen nach hinten. Das ist ein schwerer Konstruktionsfehler der genau das Herausziehen der Achse verursacht, unabhängig vom Schnellspanner.
    Die Öffnung der Ausfallenden einer Disc-Gabel muss gerade sein oder besser nach vorne zeigen.
    Da hat jemand einen ganz ordentlichen Bock geschossen!

    Edith sagt: siehe Mtb-Gabeln
    ...als hätte der Designer mehr als der Ing. zu sagen gehabt