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Vittoria Corsa G+Isotech Faltreifen 25c

Vittoria Corsa G+Isotech Faltreifen 25c

12.07.16 09:51 9.361Text: Josh HayesFotos: ForstusDauertest der italienischen Wettkampf-Reifen mit vier Gummimischungen zur Vereinigung des Nicht-Vereinbaren: Maximalgrip, Schnelligkeit, Langlebigkeit und Pannenschutz.12.07.16 09:51 9.380

Vittoria Corsa G+Isotech Faltreifen 25c

12.07.16 09:51 9.380 Josh Hayes ForstusDauertest der italienischen Wettkampf-Reifen mit vier Gummimischungen zur Vereinigung des Nicht-Vereinbaren: Maximalgrip, Schnelligkeit, Langlebigkeit und Pannenschutz.12.07.16 09:51 9.380
Vittoria, meine Liebe

Reifen sind bekanntlich der einzige Kontakt zwischen Fahrrad und Straße. Sie sind alle unterschiedlich, und schnell stellt sich heraus, ob man einen guten oder schlechten fährt. In letzter Zeit habe ich alle möglichen Gummis ausprobiert, mit zahlreichen Marken herumexperimentiert, und immer wieder zog es mich zu Vittoria zurück. Möglicherweise, weil mir diese Reifen schon früher in San Francisco positiv aufgefallen sind. Vielleicht aber auch deshalb, weil mein erstes Paar Corsas so verdammt gut war. Egal warum - der Open Corsa ist seither mein unangefochtener Lieblingsreifen.

Graphen


Also, mal ehrlich: der Open Corsa (bzw. der Corsa für Schlauchreifenfahrer) ist ein großartiger Reifen. Was könnte man da noch besser machen? Nun, es sieht so aus, als ob Vittoria mit diesem Graphen - einer Standard-Komponente bei Autoreifen - an etwas Großem dran wäre. Da frage ich mich doch: Was ist eigentlich Graphen? Und warum sollte ich es in meinem Reifen haben wollen? Also: Graphen ist ein sehr interessantes Material, das seine Eigenschaften je nach Krafteinwirkung verändern kann.

Vittoria bedient sich eines 4-Schichten-Systems. Wenn man geradeaus fährt, bleibt das Profil hart und schnell. In Kurven hingegen, wenn Kräfte von der Seite auf den Reifen einwirken, reagiert das Profil genau andersherum: es wird weicher und bekommt mehr Grip. Im Verlauf meines Tests werde ich das noch genauer überprüfen.
Graphen ist allerdings nicht die einzige Neuerung an diesem Reifen. Das Profil wurde komplett verändert und erstreckt sich nun über die gesamte Lauffläche des Reifens. Außerdem sieht die neu eingefärbte, natur-farbene Seitenwand meiner Meinung nach viel besser aus als die des Vorgängers.

Raus aus der Schachtel, rauf auf die Felgen

Genau wie schon beim Vorgängermodell verhält es sich auch mit diesen Reifen: Frisch ausgepackt sehen sie großartig aus, aber es würde äußerst mühsam werden, diesen Zustand beizubehalten, da ich sie umittelbar vor dem Wintereinbruch bekommen hatte.

Die Laufräder, die ich für diesen Test benutzte, waren H Plus Son Archetype Aluminiumfelgen mit 19 mm Innen- und 23 mm Außenbreite. Die Reifen waren schnell montiert, und mit 7,5 bar maßen sie 27,3 mm. Bei manchen Rädern könnten die zusätzlichen 2,3 mm zu Problemen mit dem Abstand zum Rahmen führen. So würde ich sie für einige Cervelos nicht empfehlen, da zwischen Reifen und Sitzrohr bzw. den Kettenstreben zu wenig Platz wäre.

Vittoria Corsa Graphen 25c Clincher

Corsa Graphen 25c Clincher

BauartFaltreifen
MaterialG+ ISOtech 4c
Karkassendichte320 TPI Polycotton
PannenschutzKevlar reinforced Corespun K
Dimensionen23-622 (700x23C)
25-622 (700x25C)
28-622 (700x28c)
EinsatzzweckWettkampf, alle Wetter-Bedingungen
Gewicht249 g
Farbeschwarz/braun (Naturflanke)
Reifendruck6 - 10 bar (85-145 PSI)
Preis€ 69,95 (UVP)

Erste Ausfahrt – was zur Hölle stimmt nicht mit meinem Rad?

Meine erste Ausfahrt war die 4 km lange Heimreise von der Arbeit, und schon in der ersten Kurve dachte ich, bei meinem Vorderrad wäre etwas kaputtgegangen. Am selben Tag hatte ich zuvor bereits 80 km zurückgelegt, doch jetzt fühlte sich mein Rad plötzlich ganz fremd an. Während der gesamten Fahrt konnte ich jedoch nicht genau eruieren, warum. Am nächsten Morgen machte ich mich auf in die Berge, um zu sehen, wie die Reifen in schnellen Kurven performten. Tatsächlich war es vom Gefühl her so, wie ich es nur von Motorrädern mit guten Reifen kannte: In den Kurven konnte man förmlich spüren, wie die Reifen bis zum Scheitelpunkt stetig Grip aufbauten. Es war, als hätte man mich an die Straße geklebt, während ich zur gleichen Zeit schnell dahinrollte. Eine krasse Empfindung war das subtile Dröhnen der Reifen in engen Kehren, wenn sie sich so richtig im Boden festkrallten. Zu wissen, dass ich diesen Reifen genauso vertrauen könnte wie jenen auf meinem Motorrad, zauberte mit ein breites Grinsen aufs Gesicht.

Die folgenden Monate

Wie gesagt, bekam ich diese Reifen kurz vor dem Wintereinbruch. Normalerweise würde ich ja davon abraten, im Winter mit 70 Euro-Reifen herumzufahren. Aber für diesen Test wollte ich es wissen: Wie würden sie sich bei Kälte und Nässe verhalten? Mit meiner Gruppe von Winterhelden, genannt „Sunriseshowdown/Sunriseslowdown“, machte ich weiterhin meine 6:30 Uhr-Ausfahrten, außer das Wetter war zu extrem, so dass es für uns gefährlich geworden wäre. 6:30 - Dunkelheit, Frost und nasse Straßen: ideale Testbedingungen. Schicke Reifen wie diese werden im Normalfall mit so etwas nicht konfrontiert.
Eines Morgens - am Vortag hatte es geschneit, doch nun waren die Straßen frei - wagten wir uns hinaus in die Kälte und kamen an drei Stellen vorbei, die dick mit Schnee und Eis überzogen waren. Ich wusste: Hier hatte ich eine 50/50-Chance. Ich legte mein ganzes Vertrauen in die Reifen und wurde nicht enttäuscht. Und sogar das leise Dröhnen in der Kurve war immer noch da.

Fazit

Corsa Graphen 25c Clincher
Modelljahr:2016
Testdauer:4 Monate, > 2.500 km
+Geschmeidige Baumwollkarkasse
+Graphen-Profil
+Großartiger Grip in allen Belangen
+Außergewöhnliche Langlebigkeit für einen Wettkampfreifen
+Naturfarbene Seitenwand ist immer ein Poser-Plus
oTeuer
-Mühsam sauber zu halten
-Gibt es (noch) nicht mit schwarzer Seitenwand
BB-Urteil:Schneller, hochwertiger Wettkampfreifen im klassischen Look.

Vier Monate hatte ich mit diesen Bad Boys verbracht, bis ich meinen ersten Patschen hatte. Aber ich möchte noch einmal betonen, dass ich diese sogenannten Race-Reifen wirklich schonungslos rannahm. Entweder hatte ich einfach Glück, oder diese Reifen sind auch im Pannenschutz echte Spitzenklasse. Ich vermute mal, es ist ein bisschen was von beidem. Die Reifen haben Einschnitte (das wäre nach dieser Zeit wohl bei jedem Reifen so), aber ich vertraue ihnen immer noch. Das Profil ist bald komplett abgenutzt, daher muss ich sie wohl in Kürze tauschen.

Die Reifen haben mir gute Dienste geleistet, und wenn ich sie ersetze, dann werden es wieder die selben sein - obwohl ich deshalb mein Rad ein bisschen öfter reinigen muss, als es mir lieb ist.


Ergebnis 1 bis 2 von 2
  1. #1
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    Beiträge
    1

    Vittoria Corsa G+Isotech Faltreifen 25c

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  2. #2
    Registrierter Benutzer
    User seit
    Apr 2016
    Ort
    Wien
    Beiträge
    240
    Halli hallo!

    Für echte Wettkampfreifen kommen mir die Vittorias doch eher schwer vor - sogar meine Conti 4S mit double Vectran Breaker wiegen nagelneu gerademal 238g als Faltreifen in 25C - und den wird wohl niemand als Wettkampfreifen bezeichnen.

    Wie sind die Vittorias im Vergleich dazu bei Nässe zu bewerten?

    Und wie würdet Ihr z.B. die A.Dugast 25er Roubaix Tubulars im Vergleich sehen? Ich fahre beide und empfinde die A.Dugast z.B. um Häuser sicherer am feuchten Asphalt oder Pflaster als die Conti - der Haken bei den Dugasts ist eher die "offene" LeinenKarkasse - die bei Feuchtigkeit sich vermutlich ordentlich ansäuft. - wie verhält sich das bei den "open" Vittorias?

    (Dugast empfiehlt hier eine Mittel namens "Aqua-Safe" - hat das hier schon wer probiert?)


    Dennoch: nicht umsonst fuhr zb Herr Preidler und viele andere A.Dugast Tubular Reifen z.B. beim heurigen Giro - nur am Rollwiderstand wird es vermutlich nicht liegen warum diese Reifen im Profizirkus - mal direkt erkennbar - mal drübergelabelt - eingesetzt werden...