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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Radfahrer am Wegfahren hindern



alekom
28-04-2013, 19:12
Hallo Leute,

bin heute mit meinem Rennrad nach Greifenstein gefahren, ich war zwischen Wien und Kloburg unterwegs, eine Rennradfahrerin hab ich kurz vorher überholt.

Bin rechts abgebogen, bin aber auf der Strasse weitergefahren, rechts daneben ist ein Radweg, kommen 3 Jugendliche mit ihren Mtb's mir entgegen, wollen von der Strasse auf den Radweg rauf und kreuzten natürlich meine Richtung, ich musste kurz bremsen und einen Schlenker nach links machen. Natürlich nicht ohne Kommentar meinerseits.

Kaum war ich mit meinem Kommentar fertig, hörte ich einen Krach, besagte Rennradfahrerin *sie ist auf dem Radweg rauf* ist mit einem Burschen zusammengefahren. Rennrad lag am Boden. Spontan entschied ich mich zu bremsen und retour zu fahren. Die Dame verlangte Namen und einen Ausweis.

Die Burschen zogen das alles natürlich ins Lächerliche, verweigerten natürlich den Namen und Telefonnummer. Dame musste Polizei rufen *die auch später kam*

So und jetzt meine Frage:

Darf ich den Vorbau vom Rad festhalten, der Bursche saß noch drauf, damit er nicht sich aus dem Staub machen kann?

würde mich um Antworten freuen.

Gruß Alekom

herbert12
28-04-2013, 19:27
hallo

ohne die rechtliche lagen zu kennen erstmal danke das du geholfen hast finde ich super:toll:
und ich hätte ihm auch festgehalten und denke das man das auch darf

lg herbert

milestone
28-04-2013, 19:34
Ja. Jedem Staatsbürger ist es gem. §3 StGB (Notwehr) erlaubt jemanden an der Flucht zu hindern und darf dabei angemessene Gewalt anwenden. Fahrrad festhalten, passt.

alekom
28-04-2013, 19:50
Hallo, danke für die Antworten!

natürlich, als Gentleman, musste ich helfen *g*

1 Dame gegen 3 junge Burschen...*ich hätte aber auch einem Opa, Mann ... geholfen*

Ich war mir nicht ganz sicher, aber ich hatte den Burschen eh gesagt, das man das machen darf. Hat sich natürlich aufgeregt, der Bub .

6.8
28-04-2013, 19:53
Kommt im "Ernstfall" dann immer auf die amtshandelnden Organe und in weiterer Folge auf den Richter an, aus einer Anhaltung kann dann schnell mal eine Nötigung werden.

Was du gemacht hast ist auf jeden Fall schwer in Ordnung.

Reini Hörmann
28-04-2013, 19:56
Ja. Jedem Staatsbürger ist es gem. §3 StGB (Notwehr) erlaubt jemanden an der Flucht zu hindern und darf dabei angemessene Gewalt anwenden. Fahrrad festhalten, passt.

Im Grunde der Aussage - was ein Anhalterecht anbelangt - nicht ganz falsch, die Rechtsnorm des § 3 ist jedoch sehr wahrscheinlich nicht zutreffend.

Gesetzestext:


(1) Nicht rechtswidrig handelt, wer sich nur der Verteidigung bedient, die notwendig ist, um einen gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, Freiheit oder Vermögen von sich oder einem anderen abzuwehren. Die Handlung ist jedoch nicht gerechtfertigt, wenn es offensichtlich ist, daß dem Angegriffenen bloß ein geringer Nachteil droht und die Verteidigung, insbesondere wegen der Schwere der zur Abwehr nötigen Beeinträchtigung des Angreifers, unangemessen ist.

(2) Wer das gerechtfertigte Maß der Verteidigung überschreitet oder sich einer offensichtlich unangemessenen Verteidigung (Abs. 1) bedient, ist, wenn dies lediglich aus Bestürzung, Furcht oder Schrecken geschieht, nur strafbar, wenn die Überschreitung auf Fahrlässigkeit beruht und die fahrlässige Handlung mit Strafe bedroht ist.


Die Notwehr gilt der Abwehr eines "gegenwärtigen" rechtswidrigen Angriffs auf Leib, Leben, Vermögen usw., schon an der Definition "gegenwärtiger rechtsidriger Angriff wird es scheitern - war ja schon vorbei.....und Festhalten eines Rades ist nach dem Unfall wohl keine Verteidigung...

und Notwehr und Fahrlässigkeitsdelikte sind ohnehin ein schwieriges Thema.

Wenn ein strafrechtlich relevantes Delikt vorgelegen ist, dann wohl "Fahrlässige Körperverletzung" - falls die Dame verletzt war, was man bei einem solchen Sturz vielleicht annehmen kann.

Dazu § 80 STPO /Strafprozessordung:


(1) Wer von der Begehung einer strafbaren Handlung Kenntnis erlangt, ist zur Anzeige an Kriminalpolizei oder Staatsanwaltschaft berechtigt.

(2) Wer auf Grund bestimmter Tatsachen annehmen kann, dass eine Person eine strafbare Handlung ausführe, unmittelbar zuvor ausgeführt habe oder dass wegen der Begehung einer strafbaren Handlung nach ihr gefahndet werde, ist berechtigt, diese Person auf verhältnismäßige Weise anzuhalten, jedoch zur unverzüglichen Anzeige an das nächst erreichbare Organ des öffentlichen Sicherheitsdienstes verpflichtet.


Wenn die Dame nicht verletzt worden ist, wird ein Anhalterecht schwer zu agumentieren sein. Sachbeschädigung, ein mögliches Strafrechtsdelikt benötigt einen bedingten Vorsatz zur Tat, um relevant zu werden - dieser liegt hier nicht vor - sehr wahrscheinlich.

Ist das Rad also beschädigt worden, durch einen "Verkehrsunfall" die Frau aber unverletzt, macht sich der Täter "nur" nach der STVO strafbar, also der Strassenverkehrsordnung

- wenn er seine Daten nicht bekannt gibt,
- und/oder er nicht am Unfallort verbleibt
- und/oder er nicht an der Aufklärung des Sachverhalts mitarbeitet

- -- - und da es sich dabei um Verwaltungsdelikte handelt und nicht um strafrechtlich relevante Tatbestände, ist das private Anhalterecht hier nicht zulässig.

Edit: Kurze Antwort: bei Strafrechtsdelikten- ja (auch Unfall mit Personenschaden)
Delikte nach dem Bagatellstrafrecht (Verwaltunsübertretungen/Strassenverkehr, Landesgesetzes im zutreffenden
Rang wie z.B: Lärmbelästigung usw.) - nein.

alekom
28-04-2013, 20:42
Hallo Reini,

danke für deine ausführliche Darstellung.

dazu sag ich nur pfffff...er hätte also einfach wegfahren können, soweit ich das verstanden habe. Natürlich gibt kein Mensch Namen und Telefon her, wenn er das nicht will.

Die Dame hatte nur einen Kratzer am Knie. vielleicht 5cm lang.

Aber der Polizist hat eh nix gesagt, wie ich ihm die Situation schilderte u.a. auch das ich den Vorbau festgehalten habe.

Reini Hörmann
28-04-2013, 21:16
Hallo Reini,

danke für deine ausführliche Darstellung.

dazu sag ich nur pfffff...er hätte also einfach wegfahren können, soweit ich das verstanden habe. Natürlich gibt kein Mensch Namen und Telefon her, wenn er das nicht will.

Die Dame hatte nur einen Kratzer am Knie. vielleicht 5cm lang.

Aber der Polizist hat eh nix gesagt, wie ich ihm die Situation schilderte u.a. auch das ich den Vorbau festgehalten habe.

5cm langer Kratzer ist, wenn auch leicht, verletzt - darauf hättest du dich berufen können, denke es war gerechtfertigt - moralisch sowieso schwer in Ordnung.

bbl
29-04-2013, 12:35
Vermutlich macht es auch einen unterschied, ob man die person berührt, oder nur das radl.

yellow
29-04-2013, 18:28
löst aber nicht das Grundproblem
:f:
Würd ich mit der Karre jeden abräumen, der/die eventuell meine Fahrtstrecke kreuzt, dann würd ich ma einen doofen Geländewagen mit echtem Rammschutz zulegen.
Wie wärs mit ausweichen?
Oder zumindest ein wenig aufpassen?
Vielleicht auch bremsen, wenn nötig?

Wie wäre denn die Meinung hier, hätte die offensichtlich überforderte Dame einen Kinderwagen samt Inhalt abgeräumt?
Den Burschen ghörat a Klaps und der Dame auch, für beide dass sie sichs merken
;)

roadrunner82
29-04-2013, 18:42
5cm langer Kratzer ist, wenn auch leicht, verletzt - darauf hättest du dich berufen können, denke es war gerechtfertigt - moralisch sowieso schwer in Ordnung.

Wie oder wo wäre da Fahrerflucht einzuordnen?

Reini Hörmann
29-04-2013, 19:34
Wie oder wo wäre da Fahrerflucht einzuordnen?


Auf die Gefahr hin, dass ich die Frage falsch verstehe:

Es passiert ein Unfall - ist geschehen
Dabei entsteht Sach oder Personenschaden - ist geschehen
Ursächlich Beteiligte an dem Unfall (unabhängig vom Verschulden) müssen vor Ort bleiben, um zur Klärung des Sachverhaltes beizutragen
Tun sie das nicht ist das strafbar - bei Sachschaden liegt noch kein Strafrechtsdelikt vor.
Bei Personenschaden schon - fahrlässige Körperverletzung - das private Anhalterecht greift, bis die Polizei kommt.

rogma84
29-04-2013, 19:53
Personenschaden kann aber auch erst von einem Arzt ausgeschlossen werden ob offensichtliche verletzung hin oder her .
Selbst wenn der Betroffene sagt das er nicht verletzt ist muss das aufrgrund eines shocks erst mal nyx bedeuten.
Wenn man unfreiwillig vom radl absteigt wg. Fremdverschulden ist immer von einer verletzung auszugehen bis jemand der dazu befähigt ist das ausschliest.

Lg roman

roadrunner82
29-04-2013, 20:10
Auf die Gefahr hin, dass ich die Frage falsch verstehe:

Es passiert ein Unfall - ist geschehen
Dabei entsteht Sach oder Personenschaden - ist geschehen
Ursächlich Beteiligte an dem Unfall (unabhängig vom Verschulden) müssen vor Ort bleiben, um zur Klärung des Sachverhaltes beizutragen
Tun sie das nicht ist das strafbar - bei Sachschaden liegt noch kein Strafrechtsdelikt vor.
Bei Personenschaden schon - fahrlässige Körperverletzung - das private Anhalterecht greift, bis die Polizei kommt.

Also ist eine Fahrerflucht selbst keine strafbare Handlung bei der das Anhalterecht "automatisch" greifen würde sondern es hängt davon ab in welchem Zusammenhang (Personen / Sachschaden) die Fahrerflucht geschieht? :eek:

milestone
29-04-2013, 20:54
Also ist eine Fahrerflucht selbst keine strafbare Handlung bei der das Anhalterecht "automatisch" greifen würde sondern es hängt davon ab in welchem Zusammenhang (Personen / Sachschaden) die Fahrerflucht geschieht? :eek:



Das sich entfernen vom Unfallort ist an sich streng genommen noch keine Fahrerflucht (wenn es sich nur um Sachschaden handelt).
Die Meldung muss aber unmittelbar nach dem Unfall erfolgen, also sofort. Wer nach einem Unfall die Unfallstelle verlässt sollte als nächstes eine Polizeidienststelle aufsuchen um den Unfall zu melden, damit hat man den Straftatbestand der Fahrerflucht erfolgreich abgewendet. Wer erst am nächsten Tag die Anzeige macht handelt zu spät.

Wer in der Nacht zB beim einparken in ein anderes Fahrzeug beschädigt, kann ziemlich sicher sein dass keine Personen zu schaden kamen. Den Unfalllenker dann festzuhalten bis die Polizei kommt wäre nicht verhältnismäßig. Ausnahme: Alkoholisierter Lenker. Man kann einfach die Nummer notieren und anzeigen.
Bei einem Unfall mit 2 Fahrrädern ist a priori immer von einem Personenschaden auszugehen, erschwerend kommt hinzu dass eine Ausforschung de facto aussichtlos ist um Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

Man kann das auch anders betrachten: Was würde demjenigen, der festhält, vor Gericht in solchen Fällen blühen? Nichts, wenn die Form des Festhaltens angemessen war.

Und in diesen Fällen ist selbstverständlich nicht nur die Verwaltungsstrafe fällig, sondern auch Schadenersatz und Wertminderung (zur Not über ein Zivilgerichtsverfahren) und auch Schmerzensgeld sei hier nicht zu vergessen (entweder über eine entsprechende haftpflichtversicherung oder aus eigener Tasche bis zur Gehaltspfändung).

Lieben Gruß
Thomas

Reini Hörmann
29-04-2013, 21:24
Also ist eine Fahrerflucht selbst keine strafbare Handlung bei der das Anhalterecht "automatisch" greifen würde sondern es hängt davon ab in welchem Zusammenhang (Personen / Sachschaden) die Fahrerflucht geschieht? :eek:

Fahrerflucht als Verwaltungsstraftat begründet kein Anhalterecht - das stimmt.

Wenn jemand verletzt wurde, ist das Anhalterecht begründet - wer sich hier entfernt, begeht nicht nur Fahrerflucht und ist, wenn er schuldig am Unfall war - wegen fahrlässiger Körperverletzung dran, es kommt auch noch "Imstichlassen eines Verletzten" dazu.

Wer einem Verletzten nach einem Unfall die Hilfeleistung verwehrt - obwohl der Verletzte den Unfall allein verursacht hat - begeht "Unterlassene Hilfeleistung", aber keine fahrlässige Körperverletzung.

Noch irgendetwas klar? Oder kennt sich eh keiner mehr aus ;o)))??

Blue300300
29-04-2013, 21:31
Ich hab gelernt, dass nur die Polizei jemanden festhalten darf. (auch wennst Sanitäter oder so wärst)
Wennst nur den Vorbau gehalten hast, ist er ja nicht persönlich festgehalten worden. Ich denke das ist dann noch im grünen Bereich.

Reini Hörmann
29-04-2013, 21:33
Ich hab gelernt, dass nur die Polizei jemanden festhalten darf. (auch wennst Sanitäter oder so wärst)
Wennst nur den Vorbau gehalten hast, ist er ja nicht persönlich festgehalten worden. Ich denke das ist dann noch im grünen Bereich.

Das oben zitierte Anhalterecht räumt ausdrücklich privaten Personen ein, Menschen (Täter) nach einer Straftat festzuhalten. Das dies nur die Polizei darf ist schlicht nicht zutreffend.

alekom
29-04-2013, 22:56
@yellow,

hallo du, also wie ich die dame überholt hatte, hatte ich nicht den Eindruck, das sie zum erstenmal auf einem Rennrad saß, zumal sie einen Dress von einem Radclub trug *g*

Manchmal kann man gegen einen Sturz genau nix machen, denn man rechnet einfach nicht, das einer dir reinfährt wenn du gerade aus fährst und der dir seitlich reinknallt. Überfordert hat die Situation sie sicher nicht. Ich würde behaupten, es war schlichtes Pech. Wenn andere dumm sind, bist du manchmal schlecht dran.

firesurfer
30-04-2013, 07:45
"anhalterecht" gibts 2x:

bei verdacht einer gerichtlich strafbaren handlung:
§ 80 strafprozessordnung ....bereits zitiert

schutz des besitzes/"eigentum":
besitzschutz/selbsthilferecht privater § 344 (§19) allgem. bürgerl. gesetzbuch ABGB

u es geht hier immer um angemessene gewalt......also nicht mit kanonen auf spatzen schießen :rofl:


:wink:

roadrunner82
30-04-2013, 09:49
Noch irgendetwas klar? Oder kennt sich eh keiner mehr aus ;o)))??

Danke. Jetzt ist alles klar. :)

Reini Hörmann
30-04-2013, 13:57
"anhalterecht" gibts 2x:

bei verdacht einer gerichtlich strafbaren handlung:
§ 80 strafprozessordnung ....bereits zitiert

schutz des besitzes/"eigentum":
besitzschutz/selbsthilferecht privater § 344 (§19) allgem. bürgerl. gesetzbuch ABGB

u es geht hier immer um angemessene gewalt......also nicht mit kanonen auf spatzen schießen :rofl:


:wink:


Der Paragraph 344Abgb gilt aber nur zur
Selbsthilfe. Also wenn eigener Besitz durch Gewalt Dritter
bedroht ist. Wäre im Fall des TE nicht zutreffend..Ob dies auch ein Recht zur Anhaltung
Impliziert, kann ich nicht rechtssicher bestätigen oder
bestreiten. Ich denke aber das nach 344 der 80 StPO greift,
ist aber sicher diskutabel.

xLink
01-05-2013, 15:24
und wenn ich einfach ein Spiralkabelschloß um sein Hinterrad mache? Klick und sitzt.
Dann kann er's heimtragen.. aber ist leicht verfolgbar. Ist das Absperren fremder Räder irgendwie.. verboten?

shroeder
01-05-2013, 18:00
Ist das Absperren fremder Räder irgendwie.. verboten?
eventuell über a besitzstörungsklage verfolgbar?

Reini Hörmann
01-05-2013, 19:42
würde ich so sehen, wie der hr. shroeder

berggassigeher
03-05-2013, 08:46
besitzstörung ja, eine einstweilige verfügung dürft sich nach der neuen judikatur nimmer ausgehen: OGH 20. 2. 2013, 3 Ob 229/12s

schön blöd, wenn man bis zur letztinstanzlichen erledigung warten muss, bis das radlschloss wieder vom bike ist (sofern man sich nicht mit dem bolzenschneider behilft, was aber auch wieder rechtliche implikationen haben könnte ;-)

woha
03-05-2013, 09:11
und wenn ich einfach ein Spiralkabelschloß um sein Hinterrad mache? Klick und sitzt.
Dann kann er's heimtragen.. aber ist leicht verfolgbar. Ist das Absperren fremder Räder irgendwie.. verboten?
Bezüglich Selbstjustiz kriegst im Fall der Fälle vor Gericht ziemlich heftig die Augen geöffnet!;)

xLink
03-05-2013, 12:48
ähh... moment mal. Selbstjustiz? Schloß bleibt bis zur Letztinstanz? Ich glaub wir reden/denken hier von unterschiedlichen Themen.. ;)

Ich meinte einfach, dass - anstatt das Radl festzuhalten - ich ein Schloß drauf mach. Bis die Polizei dann eingetroffen ist. Dann mach ich es wieder runter. Quasi zum "Festhalten"; nur eben dass ich mich nicht 30cm vor seinem Gesicht befinden muß um den Vorbau festzuhalten.

is es jetzt klarer? :)

daybreak
03-05-2013, 16:12
Festhalten geht schon in dem geschilderten Fall nach den genannten Bestimmungen (§ 80 Abs 2 StPO, § 433 ABGB). Gerade zur Feststellung der Identität ist das auch nur zur Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche, also zB Schaden am Rad seit 5 Jahren ausjudiziert (Schwarzfahrer, 5Os71/07s). Man muss halt sofort die Polizei rufen.

Und ganz ehrlich: man soll sich nicht immer vor dem Kadi fürchten. Im Zweifel (und wenns keine gefährliche Situtation ist) lieber ein bischen mehr Zivilcourage zeigen und das Richtige tun. Dazu mein Respekt an den Threadersteller.

Reini Hörmann
03-05-2013, 16:52
Ich nehme an, 433 ist nur ein Zahlendreher...

Oben zitierte OGH Entscheidung - Schwarzfahrer - ist nur für die Verkehrsbetriebe ausjudiziert...und hier wird man davon ausgehen müssen, dass zeitnah die Polizei einschreiten kann..sie sagt nichts anderes aus, als das ein Kontrolleur einen Schwarzfahrer kurzfristig festhalten darf, um finanzielle Schäden von seinem Auftraggeber - den Verkehrsbetrieben - fernzuhalten.

Ein privates Anhalterecht daraus abzuleiten halte ich für nicht rechtlich belegt. Es kommt sehr auf die Umstände, die Höhe des Schadens usw. an..und wer hier zu wild, intenstiv oder zu lange interveniert, kann schon mit einer Anzeige wegen Nötigung rechnen.

Nicht falsch verstehen, ich bin auch für Zivilcourage und halte es auch für richtig was der Fredersteller gemacht hat, dass nun jede private Sicherheitsfirma oder jeder Detektiv einen privaten anhalten kann, vermeintlich weil ihm oder seiner Firma finanzieller Schaden drohen würde - so ist das nicht..


Edit: zumal nirgends in diesen Bestimmungen steht, dass man sich gegen die Anhaltung nicht wehren darf..(auf Notwehr kann man sich nicht allgemein berufen, aber sobald die Einwirkung zu intensiv wird sehr wohl...und die Anhaltung darf nicht rechtswidrig sein, was sie aber schnell sein kann..)

daybreak
03-05-2013, 17:49
Ich nehme an, 433 ist nur ein Zahlendreher...
jep, danke.

Oben zitierte OGH Entscheidung - Schwarzfahrer - ist nur für die Verkehrsbetriebe ausjudiziert...und hier wird man davon ausgehen müssen, dass zeitnah die Polizei einschreiten kann..sie sagt nichts anderes aus, als das ein Kontrolleur einen Schwarzfahrer kurzfristig festhalten darf, um finanzielle Schäden von seinem Auftraggeber - den Verkehrsbetrieben - fernzuhalten.
Ad Verkehrsbetriebe: In dem Fall wurde aber mit privaten Ansprüchen (Beförderungsentgelt) argumentiert. Die Verkehrsbetriebe dürfen festhalten (bzw. festhalten lassen) wenn ihnen der einen zivilrechtlichen Schaden verursachende Schwarzfahrer davonrennen will. Das mit der Polizei ist wie auch von mir gesagt natürlich korrekt, in keinem Fall darf beliebig lang festgehalten werden. Einsperren im Gartenhaus und Polizei erst morgen holen geht nicht. Das Stichwort ist angemessene Gewalt.


Ein privates Anhalterecht daraus abzuleiten halte ich für nicht rechtlich belegt. Es kommt sehr auf die Umstände, die Höhe des Schadens usw. an..und wer hier zu wild, intenstiv oder zu lange interveniert, kann schon mit einer Anzeige wegen Nötigung rechnen.
Ad privat: Das ist aber das Interessante an der Entscheidung. Der OGH meint nämlich, dass sich das OLG nicht nur mit der StPO-Rechtfertigung, sondern auch mit dem privaten Selbsthilferecht hätte beschäftigen müssen - konkret würde der dem § 344 ABGB nachgebaute § 105 Abs 2 StGB eine Nötigung eben ausschließen.
Ad zu wild, zu intensiv, zu lange: da hast du natürlich bereits ex definitione Recht. "Zu irgendwas" ist eben nicht mehr OK, sondern "zu". Aber Festhalten zur Sicherstellung der Identifikation des Schädigers wenn man weiss das die Polizei in 15 Minuten da ist und ich sonst keinen Ersatz für meinen 5000 EUR Karbonrenner kriege geht definitiv. Nur halt nicht mit Pfefferspray, Schlagstock. Aber Vorbau halten geht.


Nicht falsch verstehen, ich bin auch für Zivilcourage und halte es auch für richtig was der Fredersteller gemacht hat, dass nun jede private Sicherheitsfirma oder jeder Detektiv einen privaten anhalten kann, vermeintlich weil ihm oder seiner Firma finanzieller Schaden drohen würde - so ist das nicht..
Passt schon, versteh ich nicht falsch. In den Schranken des oben gesagten (Interessensabwägung, gelindestes Mittel etc.) geht das durchaus - auch wenn es die Verkehrsbetriebe etwas leichter haben, weil sie bei der Interessensabwägung mit der "Aufrechterhaltung des Verkehrssystems" etc. argumentieren können. Ich bin auch kein großer Schwarzkapplersympatisant, das ist nunmal die passende Entscheidung dazu.

Reini Hörmann
03-05-2013, 18:15
Wir sind bei fast allem da core..die "speziellen" Umstände zu dieser Entscheidung - das Eisenbahngesetz, dass man für die Beförderung ein Ticket braucht, die Aufrechterhaltung des Verkehrssystems usw., dass ein Schwarzkappler Schaden abwendet, von seinem Auftraggeber (dabei geht es ja nicht nur um den Fahrpreis sondern auch um die Strafpönale) uvm. wurde da ins Feld geführt, lassen es mmn. nicht zu, dass Urteil auf ein allgemeines privates Anhaltrecht abzuleiten.

Wenn der finanzelle Schaden nicht zu gering ist, die Befürchtungen nicht "zu abstrakt" sind, dann wird man sich auf § 344 stützen können.

Eine (klassisches) Anhaltung an einer Supermarktkasse, ohne konkreten Beweis und die damit verbundene Durchsuchung eines privaten Behältnisses wird sich aber nicht auf diese Bestimmung stützen können. Die sind mmn. zu 99% rechtswidrig - und im Fall der Fälle dann meist angeblich freiwillig.

Alles auf gesunden Menschenverstand stützen, dann wirds schon passen^^

daybreak
06-05-2013, 09:43
Alles auf gesunden Menschenverstand stützen, dann wirds schon passen^^
Bin ich bei dir. Klar, wie bei jeder Abwägung von geschützten Rechtsgütern gibts da maßgebliche Unschärfen, die muss man dann im Einzelfall mit dem Kopf und ein bischen Herz lösen. Und wenn's dann trotzdem mal nicht passt und wer einsitzt, bitte mir PM schicken ;)

Capt.Capslock
06-05-2013, 13:11
Ich weis nicht, ob ich bei Fahrerflucht mit Personenschaden nicht sogar noch härter durchgreifen würde. Der Flüchtige hatte da ziemliches Glück, das er DIR dabei begegnete und nicht MIR! Ich hätte zwar keine Polizei gerufen, hätte dem aber sein Fahrrad um den Hals gewickelt!
Unfälle können passieren und gehören vernünftig geklärt! Bei Fahrerflucht allerdings zieht es mir die Halsschlagader auf! Da könnt ich mir nen Ausraster meinerseits gut vorstellen. Für mich ist das dasselbe, als würde ich jemanden beim Randalieren erwischen.

alekom
07-05-2013, 20:44
ich meld mich nochmal zu dem thread, da ich ja hauptbeteiligter war!

also der junge mann der in die dame reingefahren ist machte keinerlei anstalten davonzufahren. ein hin und her geplänkel zwischen den jugendlichen und der dame, bis es mir gereicht hat und ich sagte ihm das er gar nicht auf den gedanken zu kommen braucht, das er davonfahren kann, weil ich ihm jetzt seinen Vorbau festhalten werde.

shroeder
07-05-2013, 23:49
unspektakulär.

hätt ma uns spannender vorgstellt.