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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kampf gegen Doping ist verloren



phgruber
22-05-2002, 14:12
Was ist die aktuelle Schlagzeile auf sport.orf.at? Bei Garzelli ist wenig überraschend auch die B-Probe positiv und jetzt wurde auch Gilberto Simoni positiv getestet.

Im Grunde müsste jetzt wohl jedem klar sein, dass es wohl keine Profi-Radteam gibt, in dem nicht gedopt wird. Ich komme zumindest zu dieser Einstellung, denn inzwischen wurden von fast jedem Team Fahrer irgendwann positiv getestet und bei der sportmedizinischen Überwachung, die es bei solchen Profi-Teams gibt, ist es wohl unwahrscheinlich, dass die Fahrer daneben noch (unbemerkt von den Ärzten) "privates Doping" machen.

Es wird systematisch gedopt und zwar durch das Team und das die Teamleitung bei positiven Fällen dann den Fahrer zum Sündenbock macht, während sich die Teamleitung sofort davon distanziert ist sowieso eine Frechheit (wohl eine geheime Vertragsklausel).

Dass es wirklich noch dopingfreie Teams gibt, glaube ich einfach nicht. Auch wenn zB Team Telekom immer noch so tut, doch dieses Jahr hat man Elli erwischt und der fuhr voriges Jahr noch TT und dass er erst heuer (mit ca. 36 Jahren) mit Doping angefangen hat ist sehr unwahrscheinlich. Außerdem sind die Telekomer schon mehrmals unerwartet wegen überraschender Krankheiten bzw. Schmerzen aus Rennen ausgestiegen - gerade vor einer drohenden Kontrolle.

Im Grunde sind daher Dopingkontrollen in meinen Augen umfunktioniert worden und es wird eher geprüft, welches Team blöd genug ist, sich erwischen zu lassen.

Zurück zur Überschrift. Meines Ermessens ist der Kampf verloren, weil 1. sowieso jeder auf diesem Niveau dopt und 2. die Tests immer dem aktuellen Stand der Wissenschaft nachhinken.

Daher denke ich, dass es vielleicht wirklich sinnvoller wäre, Dopingmittel freizugeben. Die Grenze zwischen Doping und Sportmedizin ist sowieso eine willkürliche Grenze, die nicht vollständig überprüfbar ist.

Das wäre gesamt gesehen sogar vielleicht gesünder für die meisten Fahren, denn dann würden sie mit "erprobten, effektiven, aber halt leicht nachweisbaren" Mitteln arbeiten, statt jetzt mit weniger effektiven, teilweise sehr gefährlichen Mitteln, deren Vorteil nur ist, dass man sie (noch) nicht nachweisen kann.

O.K. Jetzt mal Schluss. Das war ein langer Beitrag, doch das musste ich jetzt einmal loswerden.

theBikeMike
22-05-2002, 19:40
Sehe ich (Großteils) ebenso, was für einen Großteil der Hobbybiker und "Normalos" unverständlich sein wird.

Fakt ist, dass EPO 6-8% mehr Leistung bringt. Der vormals letzte des Giros (namen vergessen) meinte zu der Frage, warum er denn Dope genommen habe, er habe "das Gefühl, gegen Motorradfahrer anzutreten".

Bei einer rein hypotetischen Annahme, dass zwei Radprofis an der Schwelle 400 Watt leisten, vergrößert sich dieser Wert bei dem gedopten Fahrer auf 424/432 Watt, und das ohne zusätzliches Training.

Wobei EPO-Doping in den (allgemeinen) Medien als zu leicht dargestellt wird. Einfach mal so ab und zu ne Spritze rein is' nicht. Eine Kur kostet im 3stelligen Eurobereich, nehmen wir mal an, 5000 Euro. Dies ist (meines Erachtens) mit ein Grund, warum Doping im Mountainbike Sport noch nicht (so stark) vertreten ist. Kann aber auch aufgrund geringerer Kontrollen liegen.

Das Simoni auch positiv bzw. "nicht negativ" getestet wurde, finde ich insofern traurig, da somit der Giro-Sieger sowie der vormals Zweite des Vorjahres Mittelchen nahmen bzw. Simoni erst jetzt, da er beim Giro nicht erwischt wurde oder "sauber" war, um ihre Leistung zu pushen.

Freigabe von Doping
Wird (vor allem in Profikreisen) schon länger diskutiert und ich selbst kenne einige Fahrer, die dafür sind. Allerdings wird man darauf lange warten müssen bzw. dürfen, da ich diese Entscheidung von der UCI eigentlich nicht erwarte. Die Öffentlichkeit würde es nicht hinnehmen, da die Leistungen der Spitzenfahrer dann nur noch darauf zurückgeführt werden würden. Könnte mir durchaus vorstellen, dass einige Fernsehzuseher jeglichen Respekt vor der unglaublichen Leistung dieser Athleten verlieren würden, und sogar meinen würden, dass sie das selber könnten, wenn sie bloß dopen würden.

Zudem gibt die UCI genaueste Beschränkungen für das Rennmaterial, um chancengleichheit zu gewährleisten. Da ist wohl nicht zu erwarten, dass jetzt plötzlich Doping freigegeben wird.

Eine Altersbeschränkung würde ich allerdings aufrechterhalten (18/19 Jahre), da ich es für unmoralisch halten würde, den Jugendsport zu "versauen".

Ich hoffe bloß, dass bei der TdF keine "großen" Fahrer wie Lance Armstrong, Beloki oä überführt werden, denn falls einer Symbolfigur wie LA Doping nachgewiesen werden kann, ist der Radsport wohl in einer der größten Krisen nach der TdF 98 und dem Giro 01.

Dominik
22-05-2002, 20:10
Ja, im Radsport gibts enorm viele Dopingfälle!
Aber es gibt im Radsport auch enorm viele Kontrollen!
Weltweit sind in etwa 2-3% der Dopingkontrollen positiv.
Das ist in allen Sporarten gleich!
Im Fussball gibt es in Italien seit 2 Jahren auch einige Fälle, denn seit ca. 2 Jahren kontrollieren die Italienischen Behörden auch dort.

Das mit Epo ist was andres: Um mit EPO einen Erfolg zu haben, muss man schon ein gewisses Grundlevel haben. Es ist in etwa mit einem Turbo vergleichbar.

Es ist halt wesentlich einfacher mit Doping auf ein hohes Leistungsniveau zu kommen, als mehr zu trainieren. Aber auch der zweite Weg ginge.

Der Grund, weshalb das Doping noch nicht freigegeben ist, sind die Hobbysportler. Wenn ein Profisportler vom Arzt die Medikamente verabreicht bekommt, dann ist das "relativ vertretbar"
Denn der Arzt weiß in etwa, wie weit er gehen kann. Aber der Hobbysportler weiß es nicht!

Aber ich bin der Meinung, dass ein Sportler so viel Moral beweisen sollte, und nach positiver Probe zurücktreten müsste.
Der einzige Sportler, der mir dazu einfällt ist Huber Schösser. Der Tiroler Bob-Pilot ist vor 3 Jahren erwischt worden (Nandrolon)
Er gab zu, das Mittel genommen zu haben, um die Rehabilitationszeit nach einer Verletzung zu verkürzen.

Er wurde erwischt, und zog die Konsequenz: Rücktritt!
Respect!

schönen Tag noch
Dominik

christoph01
23-05-2002, 08:49
schon seltsam, was da beim giro passiert.
warum rückt man erst jetzt mit der positiven probe simoni's heraus - die probe liegt ja schon wochen zurück. bei garzelli gings deutlich schneller.
ausgerechnet kokain: was soll das bringen ?

alles läuft für totschnig, jetzt müssen nur noch casagrande, evans und ... erwischt werden, dann fährt er aufs stockerl.

uwuces04
23-05-2002, 09:54
1.) doping beim mtb: schauts euch einmal die leistungskurven diverse spitzenfahrer bei den langen ma an. da werdets feststellen, daß jahrelang auf dem gleichen level gefahren wurde. doch am beginn der nächsten saison ( erstmals training gemeinsam mit nem anderen spitzenmann?) fährt einer auf einmal ganz vorne mit :o . hat sicher ausreichend übern winter trainiert:p .

2.) doping wird in der spitzenklasse überall verwendet. die kunst isses nur rechtzeitig damit aufzuhören, daß es nicht mehr nachgewiesen werden kann. um solch ein trainingspensum zu absolvieren sind zusatzstoffe einfach unumgänglich.

also wär gesund bleiben will, lässt die finger davon.

lg

cardio
23-05-2002, 18:24
Witz?

.......du glaubst doch wohl selber nicht, dass sich ein österreichischer Biker eine EPO-Kur leisten kann - laut aktuellem BIKE-Magazin kostet die mehrere tausend Euro pro Monat.

es kann schon sein, dass alle möglichen legalen/illegalen Substanzen verwendet werden, aber den österr. Biker (CC oder MA) der sich längerfristig (und nur so bringts wirklich was) EPO oder NESP leisten kann, den zeigst mir :rolleyes:



lg

stephan
23-05-2002, 21:22
@cardio
bista da GAANZ sicha ?????

@uwuces
wenn meinstn do jetz :confused:

wenn si wer bei uns aufdonnert, daß er dorf-wödmasta wird, solltma erm ned sperrn sondern zu an psychologen schicken, damit seim ego gholfen wird

cardio
23-05-2002, 22:55
also bist du da genauer informiert? ;)



lg

michl
24-05-2002, 07:37
Hat denn wirklich jemand geglaubt, daß im Profisport generell nicht gedopt wird?? Seht euch die Leistungsentwicklung in den letzten Jahren an, dann könnt Ihr die Frage gerne selbst beantworten.
Aber Freigabe?: Welche Eltern wollen Ihre Kinder in einen Sportverein geben, wenn Sie gleichzeitig wissen, daß Doping legal ist und bei Talent des Sprößlings diese Mittel dann auch hemmungslos angewandt werden, nur damit man einen Wettkampf gewinnt?!
Leutln- denkts nach! "Keine Macht den Drogen"- Doping ist eine Sackgasse und rundum abzulehnen!

uwuces04
24-05-2002, 09:26
@stephan
du kennst dich scheinbar in der branche aus ( mtb nicht dope). ich werd mich aber in8nehmen einen namen zu posten und mir irgendwelche klagen einhohlen. schauts euch wirklich die leistungskurver an, dann wird der eine oder andere drüber nachdenken ob man sich sowas bei uns leisten kann oder nicht. es muß ja nicht immer nur ums geld gehen. aber wannst sehr hart trainierst und net besser wirst, viel. spielst dann auch mit dem gedanken irgendwas zu tun :mad: .

nur ausreden gibts für doping nicht, sauber bleiben
cy

christoph01
24-05-2002, 12:26
@michl:

es ist ein trauriges thema,
aber wo ist der unterschied für die eltern,
jetzt wissen sie das die profis zu 99 % dopen, das schreibst du ja selber - (... glaubt eh keiner mehr, dass sie clean sind).
wenn doping erlaubt ist, dann wissen wirs zu 100 %.
das ist für mich kein kriterium, mein kind zum sportverein zu schicken, oder nicht.
und auf den hobbysport-bereicht hat ein verbot od. freigabe null einfluss. da kann sowieso jeder machen was er will.

wenns so weitergeht wie jetzt, dann wird der radsport nie zur ruhe kommen. so gut können die fahnder gar nicht arbeiten, die methoden der kontrolle mögen noch so erfolgreich sein: doping lässt sich dadurch nicht verhindern.
möglicherweise wird beim nächsten giro niemand positiv erwischt. die doping-fahnder könnten das als ihren erfolg auslegen. aber wer glaubt dann wirklich, dass alles paletti ist....

michl
24-05-2002, 12:54
da hast Du nicht ganz recht:
Wenn Doping verboten ist, mein Kind in einem Verein gute Leistungen bringt und für "höhere" Aufgaben aufgebaut wird, dann muß ich mich als Vater verlassen können, daß der Verein "sauber" arbeitet und mit reellen Mitteln die Leistungsfähigkeit meines Kindes verbessert.
Bei einer Freigabe von Doping geht das nicht mehr, denn ab wann kann- darf der Verein dann Dopingmittel verabreichen?

Umfangreiche Berichte aus der DDR beweisen, daß bereits im frühen Alter bei Jugendlichen UM (unerlaubte Mittel) eingesetzt wurden. Als "Paradeathletin" wurde da immer von Heike Drechsler gesprochen, die bereits ab dem 17. Lebensjahr mit UM aufgebaut wurde. Und das, obwohl Doping auch in der DDR offiziell als verboten galt.
Und bei einer Freigabe soll ich meinen Kindern das zumuten?
SICHER NICHT!:mad: :mad:

stephan
24-05-2002, 12:56
@cardio

"genauer" wär als übertrieben bezeichnet ;)

christoph01
24-05-2002, 21:51
stimme dir völlig zu, du musst (od. zumindest solltest) dich verlassen können, dass im verein sauber gearbeitet wird.
bei doping-freigabe ist das nicht möglich.
was ich nur sagen wollte:
auch wenn doping verboten ist/bleibt, kannst dich meiner meinung nach auch nicht drauf verlassen, oder ?

spitzensport ist nun mal ein schmutziges geschäft.
und das doping-verbot ist eine art "zölibat" des radsports.