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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Masern und Mumps? - Ja, bitte!



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Buchdrucker47
16-12-2008, 17:52
Es war ein eiskalter Jännermorgen im Jahre 1947, als mich eine
brutale Hebamme in einem kleinen Dorf an der Donau
erbarmungslos in das trübe Licht dieser Welt zerrte.
Bekannt wurde dieses Örtchen erst, als dortselbst etwas später
ein AKW-Modell im Maßstab 1:1 errichtet wurde.

Kurze Zeit später zerrte man mich schon wieder
und zwar in einen Garten am nördlichsten Stadtrand von Wien,
in dem eine windschiefe Holzhütte stand, die mein Vater selig
sofort niederriss, und sodann binnen weniger Jahre mit Mutters
Hilfe ein gemauertes Haus hinstellte (die Ziegeln stammten von
zerbombten Häusern) und das, ohne je ein entsprechendes
Handwerk gelernt zu haben. Türen, Fenster, Dachstuhl, alles
brachte er zuwege, widerwillig muss ich diese Leistung
anerkennen. Vor dem Haus stand eine Pumpe, wir hatten
ein Plumpsklo, keinen Strom, eine Petroleumfunzel lieferte
einen armseligen Abglanz von Licht. Wenn es regnete,
versank ich bis zu den Knien im Schlamm, da die "Straßen"
noch nicht asphaltiert waren.

Auch die Ernährungslage war nicht vielversprechend: Wir lebten
in der sowjetischen Besatzungszone, es gab zwar Lebensmittel-
karten, doch die waren das Papier nicht wert, auf dem sie
gedruckt waren. Also verwandelten wir den Garten in ein
einziges Gemüsebeet: Erdäpfeln (von denen ich die Kartoffel-
käfer abklauben musste), Paradeiser, Radieschen, Erbsen,
Fisolen etc und auch das Obst, das auf den Bäumen reifte,
(Kirschen, Birnen, Marillen und Zwetschken), fand sich in
unzähligen Rexgläsern wieder. Vitamine für den Winter!

Wir hielten auch Hasen und Hühner, wobei Letztere sonntags
meist kopflos herumliefen, weil mein Vater diesen (den Kopf) kurz
zuvor abgehackt hatte, damit es wenigstens ein Mal pro Woche
Fleisch gäbe. Dille wuchs wild im Garten, in Riesenstauden,
wodurch es drei Mal in der Woche Dillsauce gab, ich liebe
sie heute noch!

Die Sommer waren endlos, kein Wölkchen trübte die Bläue des
Himmels, nur kurz unterbrochen von einem heftigen Gewitter,
danach schien gleich wieder die Sonne. Wie in den Tropen.
Dafür hatten wir jeden Winter einen Meter Schnee und es
fuhr damals kein Schneepflug.

An den Kindergarten kann ich mich nur deswegen erinnern, weil
ich vom Lehrer der angrenzenden Volksschule eines Tages
geholt wurde, um den Schülern der ersten Klasse, die sich
gerade mit dem ABC abmühten, aus der Zeitung vorzulesen.
Dieser Umstand trug nicht gerade zu meiner Beliebtheit bei.

Dieser Lehrer war ein Jahr später mein Klassenlehrer und zwar
vier Jahre hindurch, in denen ich lauter Einsen schrieb. Auch
dies machte mich bei meinen Mitschülern nicht sehr sympathisch.
(Das mit den Einsern sollte sich schon drei Jahre später abrupt
ändern).

In der Schule bekamen wir Fluor-Tabletten (gegen Karies) und
Lebertran (gegen Rachitis) prophylaktisch verabreicht, das
hinderte mich aber nicht daran, alle sonstigen Kinderkrankheiten
zu erwerben, außer Keuchhusten. Beide Elternteile waren
berufstätig, ich lag fiebernd allein zuhause im Bett und war
glücklich! Brachte mir doch meine Mutter zwei Mal pro Woche
aus der Städtischen Bibliothek der Gemeinde Wien
je drei Bücher mit! Es handelte sich hauptsächlich um Reise-
beschreibungen. (Dr. Livingstone, I presume). Damit legte sie
den Grundstein für mein Fernweh.

War ich aber ausnahmsweise gesund, so eilte ich bloßen Fußes
in eine nahegelegene Schottergrube, bekleidet nur mit einer
schwarzen Turnhose. Kein Schlüssel, kein Geld, keine Zigaretten,
Kein Feuerzeug, NICHTS belastete mich. Ich fühlte mich frei wie
ein Vogel! In besagter Schottergrube schwammen Ringelnattern
und angeblich auch noch einige ertrunkene deutsche und
sowjetische Weltkriegssoldaten, ein Umstand, der schon eine
leichte Gänsehaut hervorrief, obwohl das grünlich schimmernde
Wasser, abgesehen von einigen Grundwasserquellen, bacherl-
warm war.

Viel interessanter waren jedoch die Kriegsrelikte, die wir zu Hauf
fanden und die heutzutage jeden Entminungsdienst mit Blaulicht
hätten ausrücken lassen! Eierhandgranaten, Flakmunition,
kistenweise MG-Munition, Bajonette, und, als Glanzstücke
einige Granaten des Kalibers 8,8, die wir, nach Entzünden eines
Lagerfeuers dortselbst hineinrollten und die dann auch zu unserer
großen Freude unter starker Lärm- und Rauchentwicklung
nach etwa 20 Minuten explodierten. Kiloweise brachte ich
Munition nachhause um die Patronen in einen Schraubstock
einzuspannen, mit einem Hammer die Spitze abzuschlagen und
das Pulver in Doppelliterflaschen abzufüllen. Nur bei der Flak-
munition war ich vorsichtig, weil ich wusste, dass diese einen
Aufschlagzünder besaß. Den schraubte ich vorsichtig ab, worauf
ein kleines rotes Plastikplättchen zum Vorschein kam. Dass ich
noch im Besitz ALL meiner Glieder bin, grenzt an ein Wunder.
Als ich meiner Frau Mama 20 Jahre später davon erzählte, traf
sie fast der Schlag.
Ein Schulfreund aus meiner Klasse hatte sogar Luftminen und
ein Maschinengewehr im Garten herumliegen. Er wohnte bei
seinen Großeltern, deren Häuschen noch einen Fußboden aus
festgestampftem Lehm hatte. Sein Vater befand sich im
Irrenhaus, weil er vor den Augen des Sohnes mit einer Axt
die Mutter erschlagen hatte. Er lief auch im Winter barfuß,
bis sich der Lehrer seiner erbarmte und ihm ein Paar Schuhe
mitbrachte. Kurze Zeit später blieb sein Platz in der Bank leer,
weil ein Schottertransporter samt Anhänger auf der
Stammersdorfer Straße über das Waffenrad und den sich
daraufbefindlichen Franz hinweggerollt war.

Kein Happy End, zugegebenermaßen.

Liebe Leser, die Story wird, falls Interesse vorhanden, gerne fortgesetzt.

Unsereiner wird nun :du: um sich alsdann zu Bett zu begeben.

Gute Nacht,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

el presidente
16-12-2008, 17:59
Mal wieder eine herrliche Geschichte. Nur: Was hat die mit dem eigentlichen Titel zu tun?:confused:

TomCool
16-12-2008, 18:06
Kannst Deine Histörchen nicht in einem Thread zusammenfassen?Oder bekommt jede einzelne noch eigene Fortsetzungen?

Buchdrucker47
16-12-2008, 18:17
Mal wieder eine herrliche Geschichte. Nur: Was hat die mit dem eigentlichen Titel zu tun?:confused:

Hallo presidente,

die Antwort ist: Weil in der Story Kinderkrankheiten vorkommen.
Welchen Threadtitel hättest Du denn genommen?
(Vielleicht: "Meine Kindheit"?)
Das erschien mir zu langweilig.

Zufrieden?

:wink: :wink:

Kiwani
16-12-2008, 18:25
Jaaaaaa.....

:jump: fortsetzung, fortsetzung :jump:

:toll: supi geschrieben

Buchdrucker47
16-12-2008, 18:27
Kannst Deine Histörchen nicht in einem Thread zusammenfassen?Oder bekommt jede einzelne noch eigene Fortsetzungen?

Hallo TomCool,

ich bin, da CP-Newbie, selbst noch unschlüssig.
Fortsetzungen gibt es sicher, ich weiß aber noch
nicht in welcher Kategorie.
(Ich hätte sonst auch unter "Pleiten Pech und Pannen"
weiterschreiben können, aber dieses Histörchen hat halt
nichts mit Rad fahren zu tun, deshalb "Off Topic").

:wink: :wink:

Evil_Jason
16-12-2008, 20:20
Jaaaaaa.....

:jump: fortsetzung, fortsetzung :jump:

:toll: supi geschrieben
mehr, meeeeeeeeeeeeehhhhhhhhhhhhhhhhrrrrrrrrrrrrrrr!!!:j ump::jump::jump::jump::jump:

Sugarbabe
16-12-2008, 20:41
Ich glaub für den Buchdrucker müss ma no a eigenes Unterforum aufmachen.
zB "Geschichten, die das leben schrieb" oder so ungefähr.

Dr. Dodge
16-12-2008, 21:05
Ich glaub für den Buchdrucker müss ma no a eigenes Unterforum aufmachen.
zB "Geschichten, die das leben schrieb" oder so ungefähr.

gibts eh schon -> HÖLLE:devil: (alles da rein, weil da störts dann keinen)

Sugarbabe
16-12-2008, 21:10
gibts eh schon -> HÖLLE:devil: (alles da rein, weil da störts dann keinen)

das sind aber eher Gschichten, die das Bb schrieb :look:

Dr. Dodge
16-12-2008, 21:16
das sind aber eher Gschichten, die das Bb schrieb :look:

wayne interessierts:p

na gut, dann beantragst für ihn halt ein eigenes unterforum, aber das soll dann ganz weit unten angesiedelt sein, damit ich nicht dauernd über die komischen gschichtl drüberstoplere :s:

el presidente
16-12-2008, 21:29
Was regt´s Euch denn so auf? Find die Geschichten sehr amüsant, insbesondere den Schreibstil. Der Buchdrucker hat halt ein bewegtes Leben hinter sich und lässt uns jetzt daran teilhaben. Wenn´s wen nicht passt, braucht er´s eh nicht lesen, oder?
:U:

Sugarbabe
16-12-2008, 21:31
wer weiß, was aus uns mal wird, vll erzählen wir ja unsere Gschichtln auch mal. Jetzt bin ich aber noch nicht reif dafür !:rolleyes:

lizard
16-12-2008, 21:46
ich finde die geschichten immer gut! :toll:
ruhig mehr davon!

@ dr. dodge: klick halt einfach weiter!
sich nicht angesprochen fühlen und trotzdem antworten ... naja! :rolleyes:

Sugarbabe
16-12-2008, 21:48
Was regt´s Euch denn so auf? Find die Geschichten sehr amüsant, insbesondere den Schreibstil. Der Buchdrucker hat halt ein bewegtes Leben hinter sich und lässt uns jetzt daran teilhaben. Wenn´s wen nicht passt, braucht er´s eh nicht lesen, oder?
:U:

WIRR RRREGEN UNS NICHT AUF !!!!!!!!

Dr. Dodge
16-12-2008, 21:55
@ dr. dodge: klick halt einfach weiter!
sich nicht angesprochen fühlen und trotzdem antworten ... naja! :rolleyes:

hab mir schon fast gedacht, dass so ein posting jetzt dann einmal auftauchen wird:s:

ich klicke eh nach einem flüchtigen blick ins geschriebene sofort weiter (denk mir dabei immer, dass er vielleicht auch einmal was sinnvolles schreibt)

aber trotzdem ist es störend, wenn in jedem forum, ein oder mehrer freds von im eröffnet sind (beim themen lesen, meine ich):s:

Dr. Dodge
16-12-2008, 21:57
WIRR RRREGEN UNS NICHT AUF !!!!!!!!

:rofl::rofl::rofl:, nein hier regt sich wirklich niemand auf, sind nur meinungen(zumindest bei mir:p):wink! :wink:

Buchdrucker47
16-12-2008, 22:10
hab mir schon fast gedacht, dass so ein posting jetzt dann einmal auftauchen wird:s:

ich klicke eh nach einem flüchtigen blick ins geschriebene sofort weiter (denk mir dabei immer, dass er vielleicht auch einmal was sinnvolles schreibt)

aber trotzdem ist es störend, wenn in jedem forum, ein oder mehrer freds von im eröffnet sind (beim themen lesen, meine ich):s:

Was, bitte, lieber Dr. Dodge, wäre denn Deiner Meinung nach
"sinnvoll"???
Darüber können wir gerne diskutieren, und zwar deswegen,
weil Du ein Mensch zu sein scheinst, der denn "Sinn" des
Lebens begriffen hat.

Dazu kann ich Dir nur gratulieren!

Hochachtungsvoll,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Sugarbabe
16-12-2008, 22:12
Ich find auch nur, dass die Geschichten nicht verstreut im board sein sollten sondern schön gesammelt, an einem Platz.

Sozusagen in "gebundener Form" :toll:

Dr. Dodge
16-12-2008, 22:16
Was, bitte, lieber Dr. Dodge, wäre denn Deiner Meinung nach
"sinnvoll"???
Darüber können wir gerne diskutieren, und zwar deswegen,
weil Du ein Mensch zu sein scheinst, der denn "Sinn" des
Lebens begriffen hat.

Dazu kann ich Dir nur gratulieren!

Hochachtungsvoll,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

schönen dank für die blumen :U:

würde es auch sehr gut finden, wenn es so wäre wie sugarbabe sagt:wink:

Sugarbabe
16-12-2008, 22:22
Bikeboards erstes E-Book geht online

"Buchdrucker47s gesammelte Werke"

online oder jetzt auch als Hörbuch! :D:D:D

Buchdrucker47
16-12-2008, 22:41
schönen dank für die blumen :U:

würde es auch sehr gut finden, wenn es so wäre wie sugarbabe sagt:wink:

Sugarbabe hat ja zu 100% recht!

Nur musste ich, wie weiter oben schon erwähnt, von
"Sonstige Bikethemen" zu "Off Topic" wechseln, weil
dieses Thema mit Rad fahren nichts zu tun hat.
Da aber einige Boardies der Meinung waren, ich solle
weiterschreiben und könne "Off Topic" oder das
"BBlauderstübchen" verwenden, habe ich diesen
Ratschlag beherzigt. Obwohl ich es versuchte, kann
ich es, wie es scheint, auch nicht jedem recht machen.

Da Du aber zu wissen scheinst, was sinnlos ist, müsstest
Du logischerweise auch wissen, was sinnvoll ist!?

Sinnvoll (oder sinnlos) für Dich?
Oder sprichst Du im Namen aller Boardies?

Eine sinnvolle (nicht eine sinnlose) Antwort erheischend,

noch immer hochachtungsvoll,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Evil_Jason
16-12-2008, 23:44
Ich find auch nur, dass die Geschichten nicht verstreut im board sein sollten sondern schön gesammelt, an einem Platz.

Sozusagen in "gebundener Form" :toll:

Im Plauerstübchen als Unterforum
"Eure Tourerlebnisse"
oder so...

noplan
17-12-2008, 08:05
Bikeboards erstes E-Book geht online

"Buchdrucker47s gesammelte Werke"

online...

dillsauce Mmmm!! @ww-munition, was hältst'denn eigentlich von der silvesterknallerei heutzutage? :D
aber das hast ja gsd überlebt!
Ja einfacher wärs schon wenns in einem thread weitergeht, wie wäre es also gleich mit diesem hier? Threadtitel lässt sich ja von einem mod abändern.

soulman
17-12-2008, 17:11
Bikeboards erstes E-Book geht online

"Buchdrucker47s gesammelte Werke"

online oder jetzt auch als Hörbuch! :D:D:D

und wer von uns bitte soll die cd besprechen, du kasper? :D:D:D
dazu muss ma lesen können! :rofl:
pisa-technisch samma zwar eh knapp vor belutschistan, aber mei...jo eh...is eigentlich wurscht.
soll eh ned fürn öffentlichen verkauf sein, sondern nur für uns, oder?

soulman
17-12-2008, 17:14
was hältst'denn eigentlich von der silvesterknallerei heutzutage? :D

es ghört viel mehr geknallt!
anlässe, umstände und zu knallende materialien san wurscht!

morty
17-12-2008, 17:25
jo, des woar wieda a gonz a liabe gschicht ...
der sepp schnorcher des bb :rofl:

soulman
17-12-2008, 17:29
ah ja, nowos:

mir gfallen dem hansl seine gschichten.
auch weil ich vieles zwar erst 12 jahre später aber weitgehend so wie er erlebt habe und seine gschichtln bei mir dann vergessen geglaubte erinnerungen wach rufen.

wiegesagt, zwar erst 12 jahre später aber ghabt hamma aa ned viel mehr, glücklicher glaub ich und freier weiss ich waren wir kinder damals auf jeden fall.

es ghörn wieder mehr gschichten erzählt, vorgelesen und selber gelesen.
ich sichs ja bei den jungen kollegen.
die affen sind kaum mehr imstande zuzuhören.
vom lesen können - ned jetzt MAMA UND PAPA, MAMA AM BAUM, OTTO UND ANNA... - sondern lesen-verstehen-umsetzen-anwenden will i eh scho gar nimmer reden.
aber gut, wenn das lebensziel einen möglichst grossen, flachen fernseher als hausaltar zu haben ist, hat ma eigentlich eh scho lang verloren.
gut is nur dass die betreffenden ned merken...während sich die familie einträchtig ums digitale lagerfeuer versammelt.

soulman
17-12-2008, 17:52
grad gfunden...

Das hier ist für alle bis jahrgang 78. die jüngeren kennen vieles bestimmt nicht mehr. aber denkts amal zruck, was ma damals gmacht ham. was wir überlebt ham....


- die feuchtblattern haben wir uns bei freunden abgeholt
- wir sind am nachmittag zu dem freund einfach dorthin mitgegangen. und sei mama hat uns anstandslos reinlassen.
-ohne termin und ohne wochenlange absprache und wissen der eltern
-niemand hatte stress. das wort gabs damals nämlich noch gar nicht. manchmal hammas eilig ghabt. das wars aber auch schon.
- wir sind nach hause gangen wenn die straßenlaternen aufdreht worn sind. oder um a stück brot, was zu trinken oder um ein pflaster. aber auch nur wenn wir in der nähe waren.
- wir ham hosen mit lederflicken ghabt. oder die vom grossen bruder die die mama eingekürzt hat. ausglacht hat uns deswegen niemand. ham ja alle anderen auch ghabt.
- wir sind auf der haupstrasse min radl gfahrn. ein 10-gang rad war der wahnsinn.
-wir ham regenwürmer gessen, im bach gfischt und lagerfeuer gmacht wo immer wir wollen ham. und niemand hat uns des fischen glernt. wir hams einfach nachgmacht und irgendwann können. und wengan lagerfeuer hat uns auch nie jemand angezeigt. höchstens gschimpft und dann simma halt grennt.
-urlaub hamma bei der oma gmacht, und nicht auf mallorca.
-einkaufen hat uns die mama schon in kindergartenalter gschickt. den zettel hamma im gschäft abgebm, weil lesen hamma ja no ned können. und 's retourgeld hat aa immer gstimmt.
-ein jolly hat damals 1 schilling kost.
- unsere eltern waren nie auf einer elternkonferenz, krisensitzung und niemand von uns gschroppen musste wegen der eingschossenen fensterscheibe vom direktor zum psychologen.
-wenn einer genervt hat gabs dresche und gut wars! keine besorgten eltern die sich nachher bekriegten und anzeigten.
-im sommer gingen wir zum planschen zum ententeich
-das haus war ständig voll mit kindern bunt durchenandergewürfelt. wer abends noch da war bekam abendessen. ohne grosse einladung und verständigung der eltern.
- wer was ausgfressen hat hat a paar kräftige am oasch kriegt. jugendamt? keine ahnung!
-wir waren verschont von blödsinnigen trickfiguren.
dick und doof und daktari hamma schaun dürfen. und die familie petz! und dann ab ins bett!

aber wir habens überlebt!!! und es war eine wahnsinnig schöne kindheit!

tomdiver68
17-12-2008, 19:04
das Obst, das auf den Bäumen reifte,
(Kirschen, Birnen, Marillen und Zwetschken), fand sich in
unzähligen Rexgläsern wieder. Vitamine für den Winter!
^
Dille wuchs wild im Garten, in Riesenstauden,
wodurch es drei Mal in der Woche Dillsauce gab, ich liebe
sie heute noch!

Die Sommer waren endlos, kein Wölkchen trübte die Bläue des
Himmels, nur kurz unterbrochen von einem heftigen Gewitter,
danach schien gleich wieder die Sonne. Wie in den Tropen.

wir sind am nachmittag zu dem freund einfach dorthin mitgegangen. und sei mama hat uns anstandslos reinlassen.
-ohne termin und ohne wochenlange absprache und wissen der eltern
-niemand hatte stress. das wort gabs damals nämlich noch gar nicht. manchmal hammas eilig ghabt. das wars aber auch schon.
- wir sind nach hause gangen wenn die straßenlaternen aufdreht worn sind. oder um a stück brot, was zu trinken oder um ein pflaster. aber auch nur wenn wir in der nähe waren.

Bin zwar ein 68iger Jahrgang aber genau so wor´s.
Meiner 13 jährigen Tochter versuche ich immer wieder zu vermitteln wie toll wir es hatten (ohne HANDY Laptop Fernsehn .....)mit mäßigem Erfolg.
Ahja Fernsehen tgl.ab 18Uhr ausser MI 16 Uhr Kasperl hat aber eh kan interessiert außer es hat geregnet.

Kiwani
17-12-2008, 19:26
Ohhh ja.... wir hatten auch eine super Kindheit, herrlich, sowas gibt´s heut nimmer mehr.

:wink:

shroeder
17-12-2008, 19:55
grad gfunden...

Das hier ist für alle bis jahrgang 78. die jüngeren kennen vieles bestimmt nicht mehr. aber denkts amal zruck, was ma damals gmacht ham. was wir überlebt ham....


- die feuchtblattern haben wir uns bei freunden abgeholt
- wir sind am nachmittag zu dem freund einfach dorthin mitgegangen. und sei mama hat uns anstandslos reinlassen.
-ohne termin und ohne wochenlange absprache und wissen der eltern
-niemand hatte stress. das wort gabs damals nämlich noch gar nicht. manchmal hammas eilig ghabt. das wars aber auch schon.
- wir sind nach hause gangen wenn die straßenlaternen aufdreht worn sind. oder um a stück brot, was zu trinken oder um ein pflaster. aber auch nur wenn wir in der nähe waren.
- wir ham hosen mit lederflicken ghabt. oder die vom grossen bruder die die mama eingekürzt hat. ausglacht hat uns deswegen niemand. ham ja alle anderen auch ghabt.
- wir sind auf der haupstrasse min radl gfahrn. ein 10-gang rad war der wahnsinn.
-wir ham regenwürmer gessen, im bach gfischt und lagerfeuer gmacht wo immer wir wollen ham. und niemand hat uns des fischen glernt. wir hams einfach nachgmacht und irgendwann können. und wengan lagerfeuer hat uns auch nie jemand angezeigt. höchstens gschimpft und dann simma halt grennt.
-urlaub hamma bei der oma gmacht, und nicht auf mallorca.
-einkaufen hat uns die mama schon in kindergartenalter gschickt. den zettel hamma im gschäft abgebm, weil lesen hamma ja no ned können. und 's retourgeld hat aa immer gstimmt.
-ein jolly hat damals 1 schilling kost.
- unsere eltern waren nie auf einer elternkonferenz, krisensitzung und niemand von uns gschroppen musste wegen der eingschossenen fensterscheibe vom direktor zum psychologen.
-wenn einer genervt hat gabs dresche und gut wars! keine besorgten eltern die sich nachher bekriegten und anzeigten.
-im sommer gingen wir zum planschen zum ententeich
-das haus war ständig voll mit kindern bunt durchenandergewürfelt. wer abends noch da war bekam abendessen. ohne grosse einladung und verständigung der eltern.
- wer was ausgfressen hat hat a paar kräftige am oasch kriegt. jugendamt? keine ahnung!
-wir waren verschont von blödsinnigen trickfiguren.
dick und doof und daktari hamma schaun dürfen. und die familie petz! und dann ab ins bett!

aber wir habens überlebt!!! und es war eine wahnsinnig schöne kindheit!

genau so war das...

und ich mag dem buchdrucker seine gschichten, teils weils mich auch an eigenes erinnern das vergessen war, teils weil ich immer gerne leuten zuhöre die viel erlebt und eben deshalb viel zu erzählen haben; die mehr zu erzählen haben, als leute die ausser schule/arbeit/essen/schlafen/ihrem dorf und einem hobby nix kennen, die sind nämlich fad...

soulman
17-12-2008, 21:40
kann si no wer ans messeprogramm erinnern?
das war das fernsehprogramm während der messe in der sonst programm losen zeit.
hat so ca. um 11:00 angefangen und is bis in den frühen nachmittag gegangen.
da hamma dann westler schauen dürfen.
nachher hamma uns auf unsere pferde (tretroller, klappradl...was halt a jeder ghabt hat) gschwungen und a jeder war a klana john wayne!
bewaffnet mit kapselrevolver und wäscheleine (lasso) hamma dann irgendan von der gegnerischen bande (die gschroppengruppe was zwei reihen daneben gwohnt hat) gfangt, an an marterpfahl (baum) bunden und die "chinesischen martergriffe" (die irgendeiner aus an uralten büchl vom dachboden daherzaht hat) ausprobiert bis er hamplärrt is.
jo...dann wars aus. weil ohne opfer kann ma kan überfall machen.
na dann hamma halt alle 's taschengeld zammglegt (3,28 schilling), san in nächsten

http://diepresse.com/images/uploads/2/d/a/365274/thumbDi_p1_konsum20080225085531.jpg

gritten und ham si zu sechst 3 jolly und zünder fürs lagerfeuer kauft. die 18 groschen was überbliem san hamma gehütet wie unsern augapfel. mit a bissl feilschen warn immerhin no zwaa stolwerck drin (so urzache, total süße, braune karamelzuckerl in an weissen papierl was immer anpickt is wenn ma 's z'lang in der hosentaschen ghabt hat).

eigentlich hamma alle ned viel ghabt, aber beklagt hat si niemand.
klar, mir hams anders ja ned kennt, aber grundsätzlich waren damals alle bescheidener als heute. und sparsamer.

Zacki
17-12-2008, 21:49
1x die Woche gab´s zu de Stollwerk a Punschkrapferl von der Oma, weil da hats ihr Lohnsackl kriegt, und Samstag Sonntag hab i sogar meine Eltern gesehen! Hab a 5-Gang Radl gehabt, mit dem man auch am Freitag nachmittag lebend auf der Hadik-Gasse von Hietzing bis Hütteldorf kommen is.....

Vielleicht sollt ma an "Alte Säcke"-Thread aufmachen im BBlauderstübchen, quasi a Biker Wawerl-Stube, mit Hilly Reschl und Heinz Conrads als Moderatoren :D

Nabend die Madln, Servas die Buam http://cosgan.de/images/smilie/figuren/a045.gif

route1
17-12-2008, 22:16
auf strohbergen gelegen und in himmel beobachtet,
die erste heimliche zigarette,
irgendwann das erste zeltfest und zu viel bier oder wein, und die eltern haben nur was von kopfweh und geschied dir schon recht gsagt

route1
17-12-2008, 22:17
, mit Hilly Reschl und Heinz Conrads als Moderatoren :D

Nabend die Madln, Servas die Buam http://cosgan.de/images/smilie/figuren/a045.gif

in beiden sendungen is mei frau in ihrer jugend singend aufgetreten und die ganze familie hat zugschaut.
na beim conrads wars die radiosendung,.....

Zacki
17-12-2008, 22:21
auf strohbergen gelegen und in himmel beobachtet,
die erste heimliche zigarette,
irgendwann das erste zeltfest und zu viel bier oder wein, und die eltern haben nur was von kopfweh und geschied dir schon recht gsagt


Tja, "Komasaufen" gab´s damals no ned, dafür den Sonnenkönig am Ballhausplatz, Polizisten, die dir fürs Äpfelklauen a Watschn geben ham und ned a Anzeige, und ana Hausmeisterin is ma mit Respekt begegnet (solang´s im Hof war)

route1
17-12-2008, 22:37
genau ma hats ja braucht wen ma zspät hamkoma is und kan schlüssel ghabt hat

Sugarbabe
17-12-2008, 23:05
und wer von uns bitte soll die cd besprechen, du kasper? :D:D:D
dazu muss ma lesen können! :rofl:
pisa-technisch samma zwar eh knapp vor belutschistan, aber mei...jo eh...is eigentlich wurscht.
soll eh ned fürn öffentlichen verkauf sein, sondern nur für uns, oder?

vll a Sachse, die können ja lt den neuesten Tests recht gut lesen und anhörn tuts dann aber keiner, weil er sonst :k: muss

Buchdrucker47
17-12-2008, 23:33
Hallo liebe Boardies,

ich habe mich über Eure Postings sehr gefreut.
Jeder von uns hatte eine Kindheit, kann sich an diese mehr oder
weniger gut erinnern und könnte davon erzählen, wozu
ich Euch herzlichst auffordern möchte!
(Besonders soulman tut sich diesbezüglich sehr hervor!).

Ich gedenke, keinen neuen Thread mehr zu eröffnen, sondern
werde unter diesem weiterschreiben und zwar chronologisch.
Nun werde ich einige Dosen feinstes Gösser-Bier zu mir
nehmen, weil dieses langzeitgedächtnisfördernd ist.
Schönes langes Wort übrigens, Mark Twain hätte seine Freude
daran gehabt, er versuchte nämlich auf seinem langjährigem
Europatrip auch Deutsch zu lernen, (unter anderem wohnte
er auch monatelang in einem Hotel am Neuen Markt in Wien)
und verzweifelte fast an diesen Wortungetümen.
Davon schrieb er auch in seinem Buch: "The Innocents Abroad",
den deutschen Titel weiß ich leider nicht mehr.
Ein anderes Buch von Twain, das ich Euch empfehlen kann,
ist: " A Young Boy From Connecticut On King Arthur`s Court".
Ein Science Fiction-Roman, in dem ein ein Student, bedingt
durch Blitzschlag, ins tiefste Mittelalter zurückbefördert wird.
Dieses Buch wurde verfilmt, das Remake mit Whoopie Goldberg
entbehrt aber leider jeder Glaubwürdigkeit.
Schlussendlich, weil man (ich) ja vom Hundertsten ins Tausendste
kommt, (Gösser?), noch ein Sci-Fi-Klassiker, den ich auch schon
drei Mal las: "Der Pfeil der Zeit" von Amis Martin. In diesem Buch
lebt der Protagonist sein Leben vom Tod zur Geburt zurück.
Sehr drollig und empfehlenswert!
Nun muss ich feststellen, dass dieser Thread zur Bücherecke
mutiert, also Schluss.

Die nächste Story folgt in Kürze, doch bitte ich, obwohl für
positive Kritik aufgeschlossen, jene Boardies, die mit meinen
Themata nicht zu Rande kommen, nicht mehr zu nörgeln.
Es empfielt sich vornehme Zurückhaltung.

Schönen Abend noch,
wünschen Euch,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Evil_Jason
18-12-2008, 00:04
Die nächste Story folgt in Kürze, .

Schönen Abend noch,
wünschen Euch,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Na ich bin scho gespannt...:bounce:
:corn::corn::corn::corn:

shroeder
18-12-2008, 00:37
Davon schrieb er auch in seinem Buch: "The Innocents Abroad"

mein lieber hans, ich korrigiere ungern aber hier erlaub ichs mir, einfach deswegen, weil das von dir erwähnte und durchaus ebenso lesenswerte wie erheiternde kapitel nicht in "The Innocents Abroad (Die Arglosen im Ausland)" sondern im anhang von "a tramp abroad (Ein Bummel durch Europa)" (Kap.B) zu finden ist, und ich dem allfällig intressierten die suche erleichtern will :wink:

ich muss bei der gelegenheit gestehen, dass nach einer gewissen anzahl an gelesenen büchern auch mir oft die erinnerung an einzelne passagen verschwimmt, und dass bei büchern deren titel weniger frappierende ähnlichkeit haben ;o)

ich darf daraus zitieren...

"Ich entnehme meinem Notizbuch folgende Eintragung:

>>1. Juli. Im Krankenhaus fand gestern eine schwere Operation statt.
Man entfernte einem Norddeutschen Patienten aus der Umgebung von Hamburg ein dreizehnsilbiges Wort. Leider öffneten ihn die behandelnden Ärzte an der falschen Stelle, weil sie unter dem Eindruck standen, er habe ein ganzes Rundgemälde verschluckt, und er starb.
Das traurige Ereignis hat die gesamte Bevölkerung in tiefe Betrübnis versetzt.<<

Ich will im fogenden Absatz einige Anmerkungen machen, die sich auf den Kernpunkt meines Themas beziehen, nämlich auf eigentümliche Länge der deutschen Wörter. Einige sind so lang, daß sie sogar Perspektive haben. Ich gebe Beispiele:
Freundschaftsbezeigungen,
Dilettantenaufdringlichkeiten,
Stadtverordnetenversammlungen.
Diese Wörter sind überhaupt keine Wörter mehr, sondern Demonstrationszüge von Buchstaben. Dabei sind sie im Deutschen durchaus keine Seltenheit. Man kann sie jederzeit in den deutschen Zeitungen majestätisch über die Seiten marschieren sehen.
Bei einiger Phantasie sieht man auch die Fahnen und hört die Musikkapellen. Sie geben dem friedlichsten Gegenstand einen Ruck ins Kriegerische."

sowie:

"Ein junger Mann aus Kalifornien, der in Heidelberg studierte, verriet mir einmal in einer stillen Stunde, daß er eher mit zwei Maß Bier als mit einem deutschen Adjektivum fertig würde. Das sagt genug."

Sugarbabe
18-12-2008, 00:59
tja, "Deutsche Sprache, schwere Sprache" hams uns auch schon immer gesagt. Ich habs aber nie geglaubt. :D
aber bei manchen Neologismen muss man sich schon a bissl was fragen...

siehe auch "Unwort des Jahres"

Buchdrucker47
18-12-2008, 01:16
tja, "Deutsche Sprache, schwere Sprache" hams uns auch schon immer gesagt. Ich habs aber nie geglaubt. :D
aber bei manchen Neologismen muss man sich schon a bissl was fragen...

siehe auch "Unwort des Jahres"

Ausse mit de Töpf, heit gibt`s Nudln!

Was meinst Du mit Neologismen? :rolleyes:

LG,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Buchdrucker47
18-12-2008, 01:47
mein lieber hans, ich korrigiere ungern aber hier erlaub ichs mir, einfach deswegen, weil das von dir erwähnte und durchaus ebenso lesenswerte wie erheiternde kapitel nicht in "The Innocents Abroad (Die Arglosen im Ausland)" sondern im anhang von "a tramp abroad (Ein Bummel durch Europa)" (Kap.B) zu finden ist, und ich dem allfällig intressierten die suche erleichtern will :wink:

ich muss bei der gelegenheit gestehen, dass nach einer gewissen anzahl an gelesenen büchern auch mir oft die erinnerung an einzelne passagen verschwimmt, und dass bei büchern deren titel weniger frappierende ähnlichkeit haben ;o)

ich darf daraus zitieren...

"Ich entnehme meinem Notizbuch folgende Eintragung:

>>1. Juli. Im Krankenhaus fand gestern eine schwere Operation statt.
Man entfernte einem Norddeutschen Patienten aus der Umgebung von Hamburg ein dreizehnsilbiges Wort. Leider öffneten ihn die behandelnden Ärzte an der falschen Stelle, weil sie unter dem Eindruck standen, er habe ein ganzes Rundgemälde verschluckt, und er starb.
Das traurige Ereignis hat die gesamte Bevölkerung in tiefe Betrübnis versetzt.<<

Ich will im fogenden Absatz einige Anmerkungen machen, die sich auf den Kernpunkt meines Themas beziehen, nämlich auf eigentümliche Länge der deutschen Wörter. Einige sind so lang, daß sie sogar Perspektive haben. Ich gebe Beispiele:
Freundschaftsbezeigungen,
Dilettantenaufdringlichkeiten,
Stadtverordnetenversammlungen.
Diese Wörter sind überhaupt keine Wörter mehr, sondern Demonstrationszüge von Buchstaben. Dabei sind sie im Deutschen durchaus keine Seltenheit. Man kann sie jederzeit in den deutschen Zeitungen majestätisch über die Seiten marschieren sehen.
Bei einiger Phantasie sieht man auch die Fahnen und hört die Musikkapellen. Sie geben dem friedlichsten Gegenstand einen Ruck ins Kriegerische."

sowie:

"Ein junger Mann aus Kalifornien, der in Heidelberg studierte, verriet mir einmal in einer stillen Stunde, daß er eher mit zwei Maß Bier als mit einem deutschen Adjektivum fertig würde. Das sagt genug."

Hallo shroeder!

Es freut mich sehr, wenn ich unter Radfahrern auch Leseratten
treffe! (Was meiner Meinung nach, so glaube ich zumindest, bei Fußballspielern eher ((oder handelt es sich um ein Vorurteil?))
sporadisch anzutreffen ist).
Da ich diese Bücher, (ich las natürlich auch "A Tramp Abroad"
aber schon vor etwa 20 Jahren las, kann es durchaus sein,
dass ich diesbezüglich irrte. Kein Wunder, habe ich doch
mittlerweile ca 2000 andere literarische Leckerbissen mir
einverleibt. Wie ich heute schon schrieb: ich bin für jede
konstruktive Kritik offen!
Außerdem freut es mich, dass Du meine Beiträge wirklich
liest und nicht überfliegst, wie ein Boardie, ich will seinen
Namen nicht nennen, schon nach der vierten Zeile
resignierte, um dann zu posten, dass das sowieso Unsinn sei.

Amor librorum nos unit

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

shroeder
18-12-2008, 02:18
Hallo shroeder!

Es freut mich sehr, wenn ich unter Radfahrern auch Leseratten
treffe! (Was meiner Meinung nach, so glaube ich zumindest, bei Fußballspielern eher ((oder handelt es sich um ein Vorurteil?))
sporadisch anzutreffen ist).
Da ich diese Bücher, (ich las natürlich auch "A Tramp Abroad"
aber schon vor etwa 20 Jahren las, kann es durchaus sein,
dass ich diesbezüglich irrte. Kein Wunder, habe ich doch
mittlerweile ca 2000 andere literarische Leckerbissen mir
einverleibt. Wie ich heute schon schrieb: ich bin für jede
konstruktive Kritik offen!
Außerdem freut es mich, dass Du meine Beiträge wirklich
liest und nicht überfliegst, wie ein Boardie, ich will seinen
Namen nicht nennen, schon nach der vierten Zeile
resignierte, um dann zu posten, dass das sowieso Unsinn sei.

Amor librorum nos unit

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

ich bin keine ratte, auch wenn meine exfrau anderer ansicht ist... :devil:

ich sag dir was hans, ich brauch' keine 20 jahre um gelesenes zu vergessen und ab und an sogar falschen autoren zuzuordnen, du kannst mit deinem gedächtnis durchaus zufrieden sein.

ich freu mich jedenfalls über deine geschichten, mark twain war offensichtlich nicht der einzige der etwas erlebt hat und diese erlebnisse in humorvolle worte zu fassen wusste :toll:

lg
tom

Buchdrucker47
18-12-2008, 04:16
Fortsetzung...

Die goldene Zeit der Kindheit ist entschwunden,
der Leidensweg beginnt...
(Ganz schön schwülstig, was?)

Aufgrund meiner guten Noten in der Volksschule plädierte mein
Lehrer, mich in ein Gymnasium zu senden. Er schlug meinen
Eltern die Schulbrüder in Strebersdorf vor, da er dort die
Lehrerbildungsanstalt besucht hatte.
Es war ein Internat, kostete per Monat 750.- Schilling Schulgeld,
dazu kamen aber noch etliche andere andere Ausgaben wie zB
Schulbücher. Außerdem flatterten meinen Eltern regelmäßig
Spendenerlagscheine ins Haus.
Diese Spenden dienten dem Bau einer Sportanlage, die, sobald
diese fertiggestellt war, verkauft wurde, um eine neue
Sportanlage anderenorts zu errichten, natürlich wieder
mit Spendengeldern.
Das bedeutete bei den damaligen Monatslöhnen, dass ein
Elternteil ausschließlich für mich abeiten ging.
In diesen zwei Jahren, die ich in dieser Religionskaserne
verbrachte, habe ich soviel gebetet, dass ich den Rest
meines Lebens nie wieder beten brauche.
Wir beteten um sieben Uhr morgens in einer winters ungeheizten
Kirche, wir beteten vor jeder Unterrichtsstunde, wir beteten
vor dem Essen, wir beteten nach dem Essen, wir beteten
auch nachmittags im Mai, weil dies der Marienmonat ist, wir
beteten vor dem Schlafengehen und wir beteten jedesmal,
wenn einer der Schulbrüder verstarb, oder besser gesagt,
zum Herrn einging.
Zu diesem Zwecke versammelten wir uns drei Stunden rund
um den verschrumpelten Leichnam, sahen ihm ins fahle
Antlitz, aus dem die Nase spitz gen Himmel hervorstach und
wurden vom begleitenden Professor ständig daran gemahnt,
wie vergänglich doch das Leben seie.
Das prägt, das lässt auch einen hartgesottenen Optimisten,
(der ich nie war) früher oder später zum Strick greifen.
Der einzige Lichtblick war der Klassenvorstand, Bruder Thomas.
Er war ein Pädagoge reinsten Wassers, unterrichtete
Religion, Deutsch und Englisch. Leider, kein Mensch ist
vollkommen, war er in Religion auch Demagoge.
So verzerrte sich sein an und für sich nettes Gesicht zu
einer ekligen Fratze, wenn er über die Menstruation dozierte.
Ein kleiner Zacken fiel aus seiner Krone, die ich ihm verpasst
hatte, als er nicht wusste, was "Schildkröte" auf Englisch
heißt. Oft aber verlegte er den Unterricht ins Freie, d.h. den
Bisamberg rauf und wieder runter (natürlich, sonst wäre ich
ja jetzt noch oben), sprach dann nur englisch mit uns und
vermittelte uns spielerisch Vokabular und Grammatik.
Ich profitiere heute noch davon.
Dann gab es noch sogenannte Präfekten, die zwar auch
Ordensbrüder waren, aber kein Lehramt innehatten.
Sie beaufsichtigten uns des Nachmittags und waren, gelinde
gesagt, Sadisten.
Große (Schaden)freude empfanden wir, als ein Schüler, der
bei uns der "dicke Müller" hieß, vom Präfekten, der vielleicht
25 Jahre zählte, in das "Strafkammerl" gebeten wurde.
Das gab es wirklich, meine Mutter musste einen Wisch unterschreiben, in dem sie erklärte, dass sie mit allen
Erziehungsmaßnahmen einverstanden sei. Das bekam leider
auch ich zu spüren, als ich einmal irrtümlich in einen Brief
an meine Eltern ein leeres Blatt steckte. Es gab Briefzensur,
das wußte ich aber nicht, die Typen fühlten sich verarscht
und so weiß ich jetzt, wie sich ein Rohrstock auf den Fingern
anfühlt. Kein Scherz!
Zurück zu Müller: Er war für sein Alter (11 Jahre) der Größte
der Klasse und sehr füllig. Das Ende vom Lied: Der Präfekt
erschien nächsten Tags mit einem Auge, das alle Nuancen
des Farbspektrums spiegelte, der Müller erschien nie wieder.
Dann fällt mir noch ein Turnprofessor ein, den ich am Sportplatz
fragte, ob er denn wisse, was ein Kuss sei? Er verneinte dies
und ich rezitierte stolz: "Das ist das Zusammenklappen zweier
Menschenpappen die nach Liebe schnappen".
Das trug mir sofort ein Ausgangsverbot ein. Wir hatten pro
Monat drei Mal Sonntagsausgang und ein Mal Samstag und
Sonntag.
Als meine liebe Frau Mutter mit dem Motorroller anrauschte
und erfuhr, weshalb ich Ausgangsverbot hätte, sagte sie: "So
a Bledsinn, des host jo von mir glernt", nahm mich bei der Hand
und wir verließen diese Heuchelstätte, was auch keinerlei
Konsequenzen zur Folge hatte.
Der Turnprofessor, er hieß Fuchs, hatte ein Faible dafür,
zartgebauten blonden Jünglingen beim Stangenklettern zu helfen,
indem er diesen an die Arschbacken fasste, um ihnen das
Klettern zu erleichtern. Welch altruistischer Mensch!
Eine männliche Mutter Theresa!
Er wurde entlassen. Fristlos.
Ich sah ihn erst ein Jahr später im BRG Wien 8, Albertgasse.
Meine Wiedersehensfreude hielt sich in Grenzen.
Seine auch.
Zu guter Letzt hatten wir auch noch einen Handarbeitsprofessor.
(Nein, er war kein Wichslehrer).
Er war kein Geistlicher, konnte sich aber, was Prüderie anbelangt,
ohne weiteres mit diesen messen.
Als wir Spieluhren in Holzkästchen einbauen sollten, konnte ich
es mir, geistreich wie ich nun mal bin, nicht verkneifen, den
Vorschlag zu unterbreiten, ob man die Spieluhr nicht in ein
"Klo" einbauen könne, wo dann, wenn man die Spülung zöge,
das Lied erklänge: "Oh Donau so blau, so blau so blau".
AUSGANGSVERBOT!
Nachdem ich meiner Mutter dezidiert erklärt hatte, dass, wenn sie
mich nicht aus dieser Seelenverderbnisanstalt herausnähme,
ich die Flucht ergreifen müsste und in Genua als Schiffsjunge
anheuern würde, erbarmte sie sich meiner und frohen Herzens
fuhren wir mit dem Puch-Roller nachhause.
Nachtrag: Die Schlafsäle vorgenannten "Instituts", wie mein
Vater es zu nennen pflegte, beherbergten 80 Schüler, waren
ungeheizt, wir wuschen uns morgens mit kaltem Wasser und
mussten bei den kleinsten Vergehen eine Stunde neben dem
Bett "Strafestehen". Wir mussten mit den Händen über der
Bettdecke schlafen, das wurde kontrolliert, dort holte ich
mir eine chronische Stirnhöhlenentzündung, an der ich noch
Jahre laborieren sollte. Bei den Mahlzeiten herrschte striktes
Sprechverbot, aber binnen weniger Wochen beherrschte ich
die "Stummerlsprache", die ich bis heute nicht vergessen habe.

Gute Nacht, liebe Boardies,

das wünschen Euch,

Hans (und Pepi) :wink: :wink:

Buchdrucker47
18-12-2008, 04:28
ich bin keine ratte, auch wenn meine exfrau anderer ansicht ist... :devil:

ich sag dir was hans, ich brauch' keine 20 jahre um gelesenes zu vergessen und ab und an sogar falschen autoren zuzuordnen, du kannst mit deinem gedächtnis durchaus zufrieden sein.

ich freu mich jedenfalls über deine geschichten, mark twain war offensichtlich nicht der einzige der etwas erlebt hat und diese erlebnisse in humorvolle worte zu fassen wusste :toll:

lg
tom

Herzlichen Dank für Deine tröstlichen Worte und Dein Verständnis!

Hans (und Pepi)

:U:

el presidente
18-12-2008, 09:16
Deine Geschichte ist wieder köstlich zu lesen. Weiter so.
:wink:

steve4u
18-12-2008, 09:18
sowie:

"Ein junger Mann aus Kalifornien, der in Heidelberg studierte, verriet mir einmal in einer stillen Stunde, daß er eher mit zwei Maß Bier als mit einem deutschen Adjektivum fertig würde. Das sagt genug."


Und dabei ist Deutsch eine flektierende Sprache, schauts euch mal die agglutinierenden Sprachen an, wie Ungarisch oder Finnisch, da kommen erst so die richtigen Wortmonster heran!:D

shroeder
18-12-2008, 10:15
Und dabei ist Deutsch eine flektierende Sprache, schauts euch mal die agglutinierenden Sprachen an, wie Ungarisch oder Finnisch, da kommen erst so die richtigen Wortmonster heran!:D

ich hatte in der baufirma, als ich noch in der werkstatt war, a zeit lang an finnischen arbeitskollegen, heut noch hab ich alpträume in denen herr sinkkonen versucht mir das finnische beizubringen..

steve4u
18-12-2008, 11:02
ich hatte in der baufirma, als ich noch in der werkstatt war, a zeit lang an finnischen arbeitskollegen, heut noch hab ich alpträume in denen herr sinkkonen versucht mir das finnische beizubringen..


Die spinnen, die Finnen!:D


MIt ihren komischen Bukkstappenverdopplunggkonnen!!!:rofl:

tomdiver68
18-12-2008, 18:36
hallo buchdrucker47,

kann deine gschichtl´n über die schulbrüder nur bestätigen.
mein schwiegervatter jg.51 "durfte" dort sogar bis zur matura verweilen.

Buchdrucker47
19-12-2008, 22:34
hallo buchdrucker47,

kann deine gschichtl´n über die schulbrüder nur bestätigen.
mein schwiegervatter jg.51 "durfte" dort sogar bis zur matura verweilen.

@ tomdriver,

ich traf ca 25 Jahre später in einem sogenannten Szenelokal in
der Lerchenfelder Straße (Cafe Anno) einen Klassenkameraden,
den ich nicht mehr erkannt hätte, so sehr hatte sich sein
Äußeres verandert. Er aber erkannte mich an meinen Augen
und schaffte es auch bis zur Matura. Aber um welchen Preis!
(Von ca 60 Schülern in der ersten Klasse blieben in der achten
Klasse etwa 18 übrig).
Er gestand mir, dass er schwerer Alkoholiker sei, (das hätte ich
auch so bemerkt) und dass er jetzt schwul seie.
Das war damals noch ein Makel, heute Gott sei Dank nicht mehr.
Aber er war das Paradebeispiel, was eine Seelenvernichtungs-
maschine wie Strebersdorf es war, (ich hoffe, es ist heute
anders) an der Seele eines Jugendlichen anrichten kann.
Es war die Darwin`sche Auslese, nur die Härtesten kamen
durch, die Sensiberln hatten keine Chance.
Heute "dürfen" sogar Mädchen diese Schule besuchen, das
wäre vor 50 Jahren ein Grund für mehrere hysterische
Schrei- oder Ohnmachtsanfälle des Lehrkörpers gewesen.

Liebe Grüße,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Buchdrucker47
20-12-2008, 01:27
Guten Abend, Boardies!

Da ich mich noch etwas frisch fühle, versuche ich das nächste
Kapitel in Angriff zu nehmen, diesmal ohne Manuskript.

Tatort: RG Wien 8, Albertgasse

Hauptakteure:

Prof. Schremser
Prof. Seifert
Ein Englischprofessor
Prof. Fuchs

Letztgenannten kannte ich schon vom Turnunterricht in
Strebersdorf, es war paradoxerweise keine "warme" Begrüßung.

Seifert unterrichtete Deutsch und Naturgeschichte.
Meine Benotung verschlechterte sich binnen weniger Monate
zusehends, da ich mich weigerte, im sogenannten
Naturgeschichtskammerl unter vier Augen "aufklären" zu
lassen. Obwohl kein Rechtschreibfehler in meinen Aufsätzen
oder schriftlichen Referaten, erhielt ich doch die Note 5, weil
"Thema verfehlt". Seltsamerweise hatten viel schlechtere
Mitschüler die Benotung 1, weil sie es für klüger hielten, sich
aufklären zu lassen.
Wie ich wenige Jahre später der Zeitung entnehmen konnte,
wurde er wegen "Unzucht mit Abhängigen" zu drei Jahren
unbedingt verurteilt.
Man sollte glauben, dass dies Urteil ein Berufsverbot nach sich
zöge! Keineswegs. Ein Student der Slawistik, der die HAK in
Wien 8 absolvierte und den ich 20 Jahre später in einer
Druckerei kennenlernte, erzählte mir, dass deren Deutsch-
professor Seifert hieß. Er diktierte sogar noch immer dieselben
schlüpfrigen Sätze, zB: "Das Mädchen kam unter des Henkers
Beil", wobei er das "Beil" wie "Beidl" aussprach. Ha, wie lustig!

Der Englischprofessor, ein kleiner Dicker mit Schweinsaugen,
hatte, im Gegensatz zu Bruder Thomas aus Strebersdorf, der
acht Jahre in Oxford verbrachte, AUCH acht Jahre in einem
englischsprachigen Land verbracht, aber im Süden der USA.
Er hielt dies für die einzig angemessene Art, Englisch zu sprechen,
nämlich so, als hätte man eine große heiße Kartoffel im Mund.
Auch ohne Rechtschreibfehler zu verbrechen, gelang es mir,
innert weniger Monate die Note 4 zu erreichen.

Diejenigen unter Euch, die den "Schüler Gerber" kennen, können
sich auch noch an Professor Kupfer erinnern.
Professor Schremser war das perfekte Ebenbild, ein Sadist
par excellence. Bei Gleichungen mit zwei Unbekannten holte
er natürlich mich an die Tafel, sich an meiner Unwissenheit
weidend und nicht berücksichtigend, dass ich, während diese
Gleichungen gelehrt wurden, mich für mehrere Wochen wegen
chronischer Stirnhöhleneiterung im Preyerischen Kinderspital
befand.
Als dann am Ende des zweiten Trimesters der vierten Klasse
feststand, dass ich in drei Gegenständen die Note 5 erhalten würde,
setzte er meinem Hass auf ihn noch ein kleines Sahnehäubchen
auf, indem er verlangte, dass ich zwei Schulhefte nachzu-
schreiben hätte, ansonsten würde ich kein Abschlusszeugnis
erhalten. Ja, ich schrieb diese zwei Hefte nach, nicht verstehend,
was ich da eigentlich schrieb, aber mein Herz schrie nach Rache.

Egal in welcher Lokalität ich mich um zwei Uhr morgens befand,
kaum sah ich ein Telefon stehen, schon rief ich ihn an, um ihm
zu sagen, welch Arschloch er doch sei. Das ging über Jahrzehnte,
er war schon in Pension, erst als ich von einem Absolventen
der selben Schule hörte, dass er schon verstorben sei, ließ ich
von ihm ab. Gäbe es im Jenseits Handys, riefe ich ihn auch jetzt
noch an.
Präsumptiven Mathe-Profs rate ich, sollten sie diese Zeilen lesen,
dies als Warnung zu betrachten.

Meine liebe Frau Mutter, diese kluge Frau, meldete mich dann
im A-Zug einer nahegelegenen Hauptschule an, auf dass ich
ein "schönes" Abschlusszeugnis bekäme, die Bedingung, um
eine Lehrstelle zu erhalten. Sie sollte recht behalten.
Ich weiß nicht, ob es auch heute noch so ist, damals aber
hinkte der Lehrplan dem Gymnasium gegenüber um zwei Jahre
nach. Das heißt, ich brauchte nichts mehr zu lernen, brachte
meine Deutschlehrerin in Verwirrung, da ich bei Prüfungen,
vorzugsweise mit den lateinischen Benennungen der deutschen
Entsprechungen antwortete, die sie schon vergessen hatte.
Neu war für mich die Stenografie. Da schrieb ich auch Fünfen.
Das sollte sich aber innerhalb von drei Tagen ändern.
Samstags und sonntags übersetzte ich die damals am
Wochenende erscheinenden Zeitungen "Express" und "Volksstimme"
komplett in Kurzschrift um, um beim nächsten Diktat eine Eins zu
kassieren. Dem verblüfften Lehrer, (ich gab das Diktat als Erster
ab) war dann alles klar, als ich ihm die beiden Transkriptionen
überreichte. (Steno kann ich heute noch).

Es folgte dann noch eine ganztägige Aufnahmsprüfung für`s
grafische Gewerbe, die ich als nicht allzu schwierig empfand
und zwei Monate später war ich schon Anwärter für eine
Bleivergiftung.

Aber davon im nächsten Kapitel.

(Immer vorausgesetzt, es interessiert Euch!)

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Zacki
20-12-2008, 01:46
tja, der Mensch denkt, Gott Kupfer lenkt......


Bei der Gelegenheit auch einen Gruß ins Jenseits an OSTR. Prof Fisslberger, gsd kannst du mieser Nazi heute nicht mehr die Gehirne von Schülern mit deinem Gift verseuchen....


Buchdrucker, ich bin dein Fan!

Buchdrucker47
20-12-2008, 03:06
tja, der Mensch denkt, Gott Kupfer lenkt......


Bei der Gelegenheit auch einen Gruß ins Jenseits an OSTR. Prof Fisslberger, gsd kannst du mieser Nazi heute nicht mehr die Gehirne von Schülern mit deinem Gift verseuchen....


Buchdrucker, ich bin dein Fan!


Hallo Zacki,

erstens freut`s mich, dass Du Gott Kupfer auch kennst,
zweitens, dass Du diese alten Naziärsche auch verabscheust,
und drittens, dass Du Dich als meinen Fan bezeichnest!

Je mehr positives Feedback ich bekomme, umso mehr Freude
bereitet es mir, in diesem Board zu schreiben.

Das Beste kommt noch... Geduld.

Alles Irdische ist vergänglich, nur der Kuhschwanz,
der ist länglich!

Hans (und Pepi)

:U:

:wink: :wink:

noplan
20-12-2008, 12:48
also die abermillionen von buchstaben die ich schon durch die druckmaschiene gejagt habe,haben sich bei mir noch nicht ausgezahlt-abgefärbt schon :D
(Immer vorausgesetzt, es interessiert Euch!)

Hans (und Pepi)



das ist selbstredent! man merkt ja keinen unterschied ob mit oder ohne manuskript, also kannst du dir die extraarbeit sparen.
m.M. ist dein erzählstil schön flüssig zu lesen, witzig sowieso!
Fortsetzung ausdrücklich erwünscht!

Buchdrucker47
26-12-2008, 05:49
Die Lehrzeit...
(Laaaangweilig, bitte nicht weiterlesen!)

Die ersten zwei Wochen verbrachte ich in der Handsetzerei, um
das Bleimaterial, dessen Dimensionen mit dem metrischen System
nicht das Geringste gemeinsam haben, kennenzulernen. Ich
empfand dies als sinnlos, doch sollte es mir später zugute
kommen. Anschließend durfte ich meinem Meister drei Monate
lang zusehen, wie sich dieser in meinen Augen kurz vor der
Pensionierung stehende "uralte" Mann mit vorsintflutlichen
Druckmaschinen abquälte.
Dann teilte man mir eine Maschine zu, die aus dem
vorvorigem Jahrhundert stammte und die von Fußantrieb auf
Elektroantrieb umgerüstet wurde. Auf diesem obskuren Gerät
druckte ich dann sowohl vierfärbige Etiketten als auch
zweifärbige Kuverts in einer Auflage von 35000 Stück, aber
alles mit Handeinlage, d.h. jeder "Bogen" musste exakt händisch
auf Position gebracht werden, damit die nächste Farbe auch
"passte". Man schaffte tausend Stück pro Stunde, pro Tag
9000 Exemplare, war dann aber ziemlich groggy. Trotzdem
fuhr ich nach diesem Knochenjob noch jeden Tag (nach einer
kurzen Stippvisite im Kühlschrank im Elternhaus), ca 80 km
im Marchfeld oder auf der Höhenstraße spazieren. Am Wochen-
ende waren es dann schon 200-300 km.
Als dann mein Meister in Pension ging, wurde mir ein neuer
zugeteilt. Er war 55 Jahre alt, koffeinsüchtig und sexbesessen.
Für damalige Verhältnisse war er ein lockerer Typ, wir duzten
uns, er borgte mir die "Mutzenbacherin", die damals nur als
Privatdruck erhältlich war, wirklich verzweifelt sah ich ihn nur,
als er eines Tages vergaß, die Schlösser des Rahmens, in dem
16 Monotype-Bleiseiten plus etlichen Zinkklischees geschlossen
waren, zu schließen. Vor der Druckmaschine (70x100) lag ein
Riesenhaufen Blei, hinter der Maschine saß ein kleines Häufchen
Elend. Er weinte. Wäre zu diesem Zeitpunkt jemand vor der
Maschine vorbeigegangen, wäre das Resultat ein doppelseitiger
Oberschenkelbruch gewesen. Sogar der Direktor, der wenige
Minuten später vorbeikam, wagte es nicht, diesem Menschen
Vorwürfe zu machen, als er dieses Häufchens Elends ansichtig
wurde.
Wenige Monate später wurde eine nigelnagelneue Heidelberger
Druckpresse angeliefert. Bedingt durch den "Praktischen
Unterricht" in der Berufssschule kam ich mit dieser Maschine
zurecht, nicht so aber mein "Meister". Bevor ich auf Urlaub
ging, musste ich ihn erst anlernen. Verkehrte Welt.
Als mir dann nach diesen quälenden vier Jahren der Direktor
die Freisprechungsurkunde überreichte, war mein Erstes, mir
sofort eine Zigarette anzuzünden, Lehrlinge hatten striktes
Rauchverbot.
Als ich eine Woche später meinen Lohnzettel sah, kündigte
ich sofort. Ich war beleidigt, arbeitete ich doch auf drei
Maschinen, mit einem Helfer und zwei (recht attraktiven)
Helferinnen, druckte fast ausschließlich Vierfarbendrucke
mit Schmuckfarbe Silber und Gold, bekam aber nur die
Hälfte des Lohnes eines drei Jahre älteren Kollegens ausbezahlt.
"Da hätten wir ja drüber sprechen können", meinte der Direktor.
"Das hätte Ihnen früher einfallen müssen", meinte ich.

In selbiger Woche kam es auch zu einem Zwist mit meinem
Vater, der sich schon lange angebahnt hatte und der in Hand-
greiflichkeiten ausartete.
Kurzum, 10 Minuten später war mein kleiner Koffer mit dem
Allernotwendigsten gepackt, meine Mutter lag heulend am
Küchentisch und ich war mit dem letzten Zug unterwegs zum
Bahnhof Floridsdorf. Es schneite, hatte 10 Grad minus,
aber im Amtshaus Am Spitz fand sich eine geheizte Toilette,
wo ich um zwei Uhr morgens aus meinem Halbschlaf geweckt
wurde. Zwei sehr unfreundliche Polizisten beamtshandelten
mich. Es gab damals noch den Vagabondageparagraphen,
wenn man nirgends gemeldet war und weniger als fünf Schillinge
bei sich hatte, kam man in den Knast. Beide vorgenannten
Kriterien konnte ich erfüllen und so mussten sie mich unverrichteter
Dinge ziehen lassen.
Am Bahnhof Floridsdorf existierte damals noch eine "Schwemme",
billiges Bier für billige Menschen. Bei Letzteren handelte es sich
um Kleinkriminelle, deren Vorstrafenregister nichts anderes
beinhaltete, als: Unbefugte Inbetriebnahme eines KFZs, das
Knacken von Kaugummiautomaten und ähnliche simple
Delikte.
Da es der Kripo Floridsdorf nicht entging (welch kluge Leute!),
dass ich mit solch "Gesindel" auf vertrautem Fuße war, sprach
mich wenig später beim Verlassen des Bahnhofs ein Scherge an,
um mir ein in seinen Augen unwiderstehliches Anbot zu machen.
Er würde mich auf ein Schnitzel mit Salat einladen, wenn ich ihm
ein wenig erzählen würde, was da so an diesem Tisch gesprochen
wird. Ich verzichtete dankend und hinterließ einen frustrierten
Beamten. Hähä.

In obig genannten Bahnhofsrestaurant gab`s auch einen etwa
25jährigen Zigeuner, er hatte kohlschwarzes Haar und Sommersprossen, ein seelensguter Mensch, dass auch er von
der Polizei gesucht wurde. wusste ich nicht, hätte ich mir
aber denken können.

Er bot mir an, in einem kleinen Holzblockhaus zu schlafen, die
Miete würde sehr niedrig sein und nächsten Tags zog ich ein.
Zwei Wochen später klopfte es um fünf Uhr morgens an der Tür,
seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen.

Gesehen habe ich aber sehr wohl die Enkelin der Vermieterin.
Ein dralles Mägdelein, 17 Jahre alt und ein raffiniertes Luder.
Sie hatte zwar ein kleines Bäuchlein, das mich in meiner
Geilheit nicht weiter störte, doch platzte die Verlobung, als
mich meine Mutter, die mich durchs Meldeamt ausfindig machte,
darauf hinwies, dass es sich um eine Schwangerschaft im
7. Monat handle. Ich musste ihr Glauben schenken, hatte sie,
die Mutter,doch eine Krankenschwesternausbildung absolviert.
Diese Leibesfrucht konnte also nicht von mir sein.

Was kann man daraus lernen? Nichts.
Ist man sehr jung, muss mein eigene Erfahrungen sammeln.
Ist man etwas älter und hat aus diesen Erfahrungen nichts
gelernt, dann ist sowieso Hopfen und Malz verloren.
Ist man dann alt und hat aus diesen Erfahrungen gelernt,
dann ist es auch egal, weil sich kein weibliches Wesen mehr
findet, bei dem man diese anwenden kann oder will.

Fortsetzung folgt, falls gewünscht.
(Sie wird von meinem ersten Donauschiff handeln)

Es grüßen Euch,

Hans (und Pepi)

Evil_Jason
26-12-2008, 12:26
Fortsetzung folgt, falls gewünscht.
(Sie wird von meinem ersten Donauschiff handeln)

Es grüßen Euch,

Hans (und Pepi)


Immer nur her damit.
Wennst das als Buch veröffentlichst, wirds sicher a Erfolg...

Buchdrucker47
28-12-2008, 00:40
Dank an Alle, die bis jetzt die Geduld hatten, meine doch etwas
langatmig geratenen Geschichterln weiterzulesen.

Fortsetzung:

Mittlerweile war es Herbst geworden, ich kündigte wieder einmal,
um die letzten warmen Tage auf Reisen, wie gewohnt Autostop,
im Süden zu verbringen. Ein Freund, von Beruf Zolldeklarant, dem
ich nächtens schon geholfen hatte, in der Zollfreizone die Original-
"Zanussi"-Kleber bei hunderten Waschmaschinen und Eiskästen
zu entfernen, um sie gegen "No-Name"-Sticker auszutauschen, frug
mich, ob ich ihn "mitnehmen" könne. Wir fuhren zur Südautobahn,
waren wenig später am Semmering, fünf Minuten später blieb ein
VW-Bus stehen, der Fahrer, etwa 50 Jahre alt, sehr langes, schon
weißes Haar, erzählte uns, dass er Ansichtskartenfotograf sei,
(was er uns auch beweisen konnte, er hatte ganz Norditalien
fotografiert), und dass er an Nixen und Wassergeister glaube.
Sehr suspekt! Sein Atelier plus Wohnung befände sich in Milano,
bis dorthin sei es aber zuweit, und er wüsste ein Kloster, wo er
sehr gut bekannt sei und wir könnten dort auch nächtigen.
Uns wurde dort ein warmes Willkommen zuteil. Wir wurden von
den Fratres mit gar köstlichem, selbstgebackenen Landbrot,
Schinkenspeck, Bergkäse und süffigem Rotwein bewirtet.
Alles schien eitel Wonne. Als wir uns dann im Garten zur Ruhe
begaben, ich in meinem Schlafsack, mein Freund im Zelt des
Fotografen, wurde ich schon wenig später durch gellendes
Schreien geweckt. es war der Unerfahrenheit meines Freundes
zuzuschreiben, dass man in Klöstern mit homosexuellen
Attacken zu rechnen hätte. Wir verbrachten dann noch einen
Tag in Milano, es war eigentlich sehr langweilig, also: Heimreise.
Auch die folgende Fahrt nach Griechenland mit einem schweizer
Automobilisten, verlief aufgrund der Wortkargheit des Fahrers ebenso eintönig. Nach einem 3tägigem Aufenthalt in Athen
beschlossen wir, wieder nach Norden zu fahren. Unterwegs
sah ich zur Rechten einen Sandstrand wie aus dem Bilderbuch.
Dort nächtigten wir, hatten noch Weißbrot und Rotwein, was
will man mehr? Morgens sah mein Freund dutzende durch die
Flut angeschwemmte etwa 30 Zentimeter große tote Quallen,
alle mit einem Loch in der Mitte des schwabbeligen Körpers,
was meinen Freund zur Aussage veranlasste, das man die
eigentlich ficken könne. Ich riet ihm ab. Dann brach es aus
ihm heraus: "I wü endlich wieda a bügeltes weißes Hemd
auziagn und mi mit an haßn Wossa rasiern".
Ich riet ihm zur Heimreise, er wankte zur 50 Meter entfernten
Bundesstraße und war 10 Minuten später weg.
Die Einsamkeit des Strandes war verführerisch, ich hatte noch
Proviant und gedachte noch länger zu verweilen.
Wenig später stand auch ich auf der vorgenannten Bundesstraße.
Die Abgelegenheit des Strandes hatte auch andere Meerestiere
angelockt, zB einen Elektrorochen, auf den ich wenig später
in seichtem Gewässer draufstieg. Ein olympiareifer Sprung aus
dem Stand war die Folge.
Anschließend gelangte ich nach Thessaloniki, nach Edirne,
(mit einem alten britischem Lastwagen, dessen Fahrer, wenn`s
bergab ging, stets den Motor abstellte um Benzin zu sparen,
den er, wie er mir verriet, aus dem Tank abzapfte, um ihn am
Schwarzmarkt zu verkaufen. Ansonsten war er, wie die meisten
Mittelmeerbewohner, ein sonniger Typ, der mir vor der nächsten
Kurve, von der ich nicht wusste, ob wir sie schaffen würden,
oder doch im Abgrund landen sollten, versicherte, dass Avstria und
Alemania wunderbare Länder seien.
Das letzte Stück des Weges nahm mich dann ein ca 30jähriger
Türke mir, in dessem Stiefelschaft ich ein 20 cm langes Messer
entdeckte. Darauf angesprochen, (er sprach sehr gut Deutsch,
hatte 10 Jahre in Düsseldorf gearbeitet), erwiderte er, er kenne
seine Landsleute, eine Aussage, die mein Vertrauen in dieses
Land auch nicht unbedingt festigte.
Als ich dann mit zwei jungen hübschen blonden Neuseeländerinnen
die Zisternen, die Hagia Sophia und den Basar besichtigte,
hatte ich aufgrund der Zudringlichkeiten genug von dieser
Stadt, besonders dann, als mich auf der Galathabrücke ein
vielleicht neunjähriger Schuhputzer um Feuer für seine
Zigarette bat, um anschließend das 500 Schilling teure
vergoldete Feuerzeug in einer der Laden seines Schuhputzkastens
verschwinden zu lassen. Als ich dann die Lade wieder öffnete, um mein Eigentum an mich zu nehmen,
begann er furchtbar zu schreien, als wäre ER bestohlen worden.
Gerne verließ ich diese Stadt, wohl wissend, dass Orient und
Okzident nie Freunde werden können.
(Ausnahmen bestätigen die Regel).

Das versprochene Histörchen mit dem ersten Donauschiff trage
ich nächstes Mal nach, es beginnt auch mit Autostop.

Es bitten um Verständnis,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Evil_Jason
28-12-2008, 14:00
...hatte ich aufgrund der Zudringlichkeiten genug von dieser
Stadt, besonders dann, als mich auf der Galathabrücke ein
vielleicht neunjähriger Schuhputzer um Feuer für seine
Zigarette bat, um anschließend das 500 Schilling teure
vergoldete Feuerzeug in einer der Laden seines Schuhputzkastens
verschwinden zu lassen. Als ich dann die Lade wieder öffnete, um mein Eigentum an mich zu nehmen,
begann er furchtbar zu schreien, als wäre ER bestohlen worden.


Toll!!!
Hast das Feuerzeug wieder bekommen???

noplan
28-12-2008, 14:57
Toll!!!


hallo EJ! ich hab dich grade zitiert und das zitierte gekürzt.
lese die beiträge vom BD47 gerne, auch weil er mehr schreibt und es unterhaltsam ist.
aber musst du gleich seinen ganzen post zitieren?
mein scrollfinger freut sich danke! ;)

Buchdrucker47
29-12-2008, 01:55
Hallo Jason, Deine Frage betreffend, ja, ich hab`s wiederbekommen,
einfach in diese Schublade gegriffen und bin leise vor mich hinpfeifend weitergegangen.

Fortsetzung:

In München schlief ich im Wartesaal des Bahnhofs, wurde mehrmals
freundlich perlustriert und beschloss, nach Linz zu trampen, um dortselbst bei der DDSG anzuheuern. Genau 20 Schilling hatte ich
noch, als ich bei der Agentur vorstellig wurde. Man teilte mir mit,
dass ich, um einen "Schifferpass" zu erhalten, zwei Fotos
benötigen würde. Also wieder zurück nach Linz, (fünf Kilometer
zu Fuß), bei einem Fotoautomaten um 10 Schilling zwei Bilder
angefertigt und mit dem Rest meiner Barschaft erwarb ich noch
zwei Leberkäsesemmeln!
Ein nicht sehr vertrauenerweckender DDSG-Angestellter wies mir
dann ein Schiff zu, es lag in der Werft, war stromlos, daher
unbeleuchtet und ungeheizt, was sich bei Außentemperaturen
von -15 Grad Celsius doch etwas unangenehm bemerkbar machte.
Mit sieben Wolldecken eingehüllt, versuchte ich Schlaf zu finden,
hatte auch damals keine Bücher bei mir, und wenn, hätte es
mir auch nichts geholfen, da, wie schon gesagt, kein Licht an
Bord.
Auch an ein "Fortgehen" war nicht zu denken, hatte ich doch,
wie schon erwähnt, keinen Groschen Geld.
Ich war ganz allein an Bord dieses Geisterschiffes.
Folgenden Tags wurde ich noch bei arktischer Dunkelheit
geweckt, ein mürrischer Typ wies mir mein Aufgabengebiet zu.
Die Bilgen lagen 15 cm unter Wasser, ich hatte diese leerzu-
schöpfen und die gefüllten Eimer über eine Hühnerleiter
hochzutragen, um sie ins Hafenbecken zu schütten.
Dies alles wäre mit einer Elektropumpe binnen weniger
Stunden zu bewerkstelligen gewesen, diese Pumpe gab es
leider (für mich) nicht.
Nach einer Woche waren die Bilgen (fast) trocken und man
händigte mir Unmengen von Putzpapier aus, um auch die
letzten Reste von Feuchtigkeit zu entfernen.
Anschließend bekam ich einige Kübel mit Minium-Farbe
überreicht, um die Bilge zu streichen.
Nach Vorweis meines Schifferpasses durfte ich die Kantine
betreten. Das Frühstück bestand, unglaublich aber wahr,
aus einer großen Tasse Tee und sonst nichts!
Hätte ich mehr gewollt, hätte ich es aus eigener Tasche
bezahlen müssen. (Das sollte sich später auf fahrenden
Schiffen wiederholen).
Wenn es Gulasch gab, ohne Beilage, konnte ich mir die
50 Groschen kostende Semmel nicht leisten, trank ein Glas
Wasser und versuchte dann von jemanden, der etwas
wohlhabender aussah, eine Zigarette zu erbetteln, um
anschließend im dunklem Bauche dieses Schiffsmonsters
meine sinnentleerte Arbeit fortzusetzen.
Nach zwei Wochen hatte dieses Martyrium ein Ende.
Dachte ich.
Man teilte mir ein fahrendes Schiff zu, ich schlief gemeinsam
mit zwei Matrosen im "Kranzl", was dem Bug eines Schiffes
entspricht. (Das Heck nennt sich übrigens "Stur").
Dieses Quartier, in dem wir im wahrsten Sinn des Wortes
vegetierten, war auch fast nicht geheizt, wir schliefen
voll bekleidet und fanden selten Schlaf, weil, wintersbedingt,
stets, laut krachend, Eisschollen den Schiffsrumpf entlangglitten,
zweitens, weil wir alle zwei Stunden durch die Schiffsglocke
an Deck befohlen wurden, um in der Schleuse mit gefrorenen
Stahlseilen verhindern sollten, dass das Schiff, bedingt durch
den Sog des Wassers, an der Schleusenwand anschlägt und
Schaden nimmt.
Diese Nachtarbeitsstunden wurden NICHT als Überstunden
verrechnet, egal ob samstags oder sonntags, am nächsten
Tag waren wir wieder voll im Einsatz an Deck.
Ich verdiente monatlich 1800.- Schilling, wovon mir aber
550.- Schilling für die "Küche" abgezogen wurden.
Als Buchdrucker hätte ich das Vierfache verdient, aber ich
wollte es halt so.
(Ein bisschen Masochist muss man schon sein, sonst hätte
ich mich nicht auf dem Rennrad so gequält).
Da ich in Linz an Bord ging, waren, außer mir, alle Besatzungsmitglieder Oberösterreicher, die meisten aus dem
Kreis Schärding.
Der Bootsmann, gelernter Fleischer, mit einem IQ von ca 60 Punkten, verriet dem Kapitän, dass ich Rauschgift in meinem
Spind hätte. Stolz präsentierte er dem Käptn seinen Fund!
Es handelte sich um Zigaretten der Marke "Black Lady",
violettes Zigarettenpapier, goldenes Filter, die ich in Regensburg
ganz offiziell gekauft hatte. Unwirsch war die Reaktion des
Kapitäns: "Du bist a Trottl".
Das Renommee das der Bootsmann schon vorher vermissen ließ,
war dann endgültig im Arsch.
Auch nicht lustig: Bei Hochwasser musste ich die Brücke, die
ja nur aus einigen Holzbrettern bestand, abbauen, um sie nach
Unterquerung der nächsten Donaubrücke wieder aufzubauen.

Bergauf fährt so ein Schiff mit vier Schleppern im Anhang Tag
und Nacht, talwärts ist es aber gezwungen, bei Einbruch der
Dunkelheit zu ankern.
Es begab sich in Aschach, als der Kapitän und der "Erste Maschinist"
sich von Bord begaben, um sich sinnlos zu besaufen.
Dass sie um sechs Uhr morgens wieder zurückkamen, konstatierte
ich erst, als ich äusserst unsanft aus meiner Koje geworfen
wurde und mich wieder aufrappelnd und einen kurzen Blick durch`s
Bullauge werfend, feststellen konnte, dass wir nur 20 cm vom
Ufer entfernt waren.
Der Maschinist startete auf Befehl die Maschine, das Maschine-
Stop-Signal von der Brücke hörte er aber nicht mehr, er war
mittlerweile eingeschlafen.


Das nächste Kapitel handelt von einem Lotsen, gegen den ich
handgreiflich wurde, wie ich dafür von der Reederei belohnt
wurde und von Alkoholschmuggel.

Es grüßen alle Boardies, die mir gewogen sind,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Evil_Jason
29-12-2008, 04:06
Uiiiiiiiii. Sachen gibts...
:corn::corn::corn::corn:

Buchdrucker47
30-12-2008, 00:54
Der Lotse war ein boshaftes,frustriertes Männchen, der schon
40 Jahre bei der Reederei verkümmert hatte, er lebt sicher nicht
mehr, Unfriede seiner Asche. Er hatte den Rang eines zweiten
Kapitäns, wußte über alle Untiefen der Donau Bescheid,
Höflichkeit oder gar Menschenliebe waren ihm aber fremd.
Ein gar lustig Geschichtlein kursierte über ihn: Er hatte, als
er noch jünger war, sich einen Tripper eingefangen und um diesen
seiner Frau, die in Wien wohnte, zu verheimlichen, eine Dose
Sardinen heißgemacht, aß diese, bekam Gelbsucht (Hepatitis),
legte sich ins Spital und heilte gleichzeitig mit der Hepatitis
seinen Tripper aus.

An uns drei Matrosen als Rangniedrigsten konnte er seinem
Frust freien Lauf lassen. Da die Schiffe damals noch keine
Motorwinsch hatten, waren wir gezwungen, die Schleppseile,
die bis zu 100 Meter weit am Donaugrund lagen und sich
noch dazu manchmal in kleinen Felsbrocken verfingen, von
Hand aus einzuholen. Meine Oberarmmuskulatur entsprach
die meiner Schenkeln. Doch sosehr wir uns auch bemühten,
wir konnten es ihm nicht recht machen.
Das Ergebnis waren wüsteste Beschimpfungen von der Brücke.
ZB: " Es sads deppata wia a Binkl Fetzn".
So ging das über Monate, bis ich eines nächtens in Linz um
zwei Uhr morgens ziemlich besoffen die Gangway betrat, um
sogleich mit einem Schwall wüstester Schimpfwörter
empfangen zu werden.
"Wos trampelst do übers Deck, bleda Bua, do kaun i jo ned schlofn!".
Ich versicherte ihm, dass ich das Deck ja noch gar nicht betreten
hätte und an seiner Schlaflosigkeit ja gar nicht schuld sein könne,
ein Wort gab das andere, bis mir der Geduldsfaden riss, meinem
lange angestautem Zorn Luft machte und ihn mit einer
gestreckten Geraden direttamente aufs Kinn, dazu bewog,
die sehr steile Treppe, die ins Schiffsinnere führte, mit einem
doppelten Saltomortale zu beenden. Wunderbarerweise,
(Gott sei Dank), brach er sich nicht das Genick, lief in seine
Kabine und schloss sich ein.
Sofort wandte ich mich an den Bootsmann mit der Frage: Was
jetzt?". Er meinte lakonisch, dass es das Beste wäre, sich zu
entschuldigen. Als wir an seine Kabinentür klopften, hörten wir
nur: "I waß eh, ihr woits mi jetzt gemeinsaum in de Goschn haun".

Nächsten Tags, sieben Uhr morgens.
Der Kapitän: "Pockens zaumm und valossns sofuat des Schiff".

Meine Einwände ließ er nicht gelten, mit der Begründung, dass,
wenn er mich an Bord beließe, niemand mehr Respekt vor dem
Lotsen hätte. Da hatte er nicht ganz unrecht, das musste ich
ihm konzedieren.

Also begab ich mich mit meinen Habseligkeiten die fünf
Kilometer zur Agentur, wo man schon längst Bescheid wusste.
Trotzdem wollten die dort anwesenden Bürohengste und
Bürostuten, etwa 20 an der Zahl, den Vorfall in allen
Einzelheiten zu Gehör bekommen. Der Lotse, dortselbst
wohlbekannt, dürfte nicht sehr beliebt gewesen sein, ich
merkte es an den vor Freude strahlenden Augen.

Trotzdem dachte ich, dass meine "Karriere" bei der DDSG beendet
seie.
Im Gegenteil!

Man wies mir ein Schiff zu, es hieß "Hainburg" und unterschied
sich von anderen Donauschiffen, dass es die Schlepper nicht
hinter sich herzog, sondern nur einen Schlepp hatte, der
beigeheftet war, dh, mit Trossen am Mutterschiff seitlich
befestigt.

Der Kapitän begrüßte mich, indem er sagte: "Wir werden gut
miteinander auskommen, vorausgesetzt, dass sie mich nicht
schlagen"!. Er hatte Sinn für Humor.
Ich beantwortete dieses Statement mit einem schiefen
Grinsen und versicherte ihm, dass ich dies nicht vorhätte.

Auf diesem Schiff war ALLES anders. Es gab keine Hirarchie,
nur neun Mann Besatzung, keine Köchin und wir waren
promillemäßig (nein, keine alkoholischen) am Umsatz beteiligt.
Plötzlich verdiente ich 7000-8000 Schillinge, der Traum jedes
Donaumatrosen!

Wir waren Selbstversorger, ich habe noch nie soviel Fisch gegessen,
wie auf der "Hainburg". Auf der Fahrt nach Passau passierten
wir um etwa vier oder fünf Uhr morgens die deutsche Grenze.
Österreichische Spirituosen waren heißbegehrt, besonders der
80%ige Strohrum. Wir hatten genug Kisten an Bord.

Kleine Fischerboote erschienen wie aus dem Nichts im
Morgennebel. Die "Fischer" erhielten den Alk, der Käptn die Kohle
und wir die Fische. (Die ja sowieso nur Camouflage waren).
Der Einzige an Bord, der eine Badewanne sein Eigen nennen
konnte, war der Kapitän. In dieser Wanne tummelten sich
alle möglichen Fische (außer Quastenflossern), allein deren
Leben war ein gar kurzes, weil wir diese binnen Kurzem in
Fischsuppe verwandelten, natürlich unter Zuhilfenahme von
Paprika, Salz, Zwiebeln und was wir halt sonst noch so fanden.
Davon lebten wir drei bis vier Tage. Es war eine schöne Zeit.


Fortsetzung folgt, falls gewünscht!
(Diese wird von einer Liaison mit einem Rotkopf handeln, von
einem Intermezzo in einem Mariahilferstraßenhotel und von
einem missglückten Versuch, nach Hamburg zu gelangen,
oder so ähnlich...)

Es grüßen Euch,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Kiwani
30-12-2008, 11:55
Hallo Buchdrucker47 ,

wieder mal super Geschichten :toll:
Habe mir schon einige hier im Forum durchgelesen-aber leider muß man die sich alle zusammen suchen.

Freue mich schon auf eine neue Geschichte :klatsch:

Lg

shroeder
01-01-2009, 19:37
ich freu mich über jede fortsetzung :wink:

falls euch, hans & pepi, auch die geschichten anderer "radreisender" intressiern, ich heute darüber (http://mjgradziel.com/thelmajones/lureoftheopenroad.html) "gestolpert", nicht so spektakulär wie eure erlebnisse, aber doch kurzweilig und interessant

Buchdrucker47
02-01-2009, 00:32
ich freu mich über jede fortsetzung :wink:

falls euch, hans & pepi, auch die geschichten anderer "radreisender" intressiern, ich heute darüber (http://mjgradziel.com/thelmajones/lureoftheopenroad.html) "gestolpert", nicht so spektakulär wie eure erlebnisse, aber doch kurzweilig und interessant

Hi, shroeder,

what made you stumble about this story of these 44-girls?
It´s all over decorated with pink laces, like a Pilcher-movie.
I don`t dare to judge the style, `cause I might be jugded
sixty years later in the same way as I judged them now.
By the way, if you prefer this kind of speech, I`ll continue
my stories in this language, in the hope, other boardies
will agree.

Cordially regards,

Hans (and Pepi)

:du: :du:

shroeder
02-01-2009, 01:27
Hi, shroeder,

what made you stumble about this story of these 44-girls?
It´s all over decorated with pink laces, like a Pilcher-movie.
I don`t dare to judge the style, `cause I might be jugded
sixty years later in the same way as I judged them now.
By the way, if you prefer this kind of speech, I`ll continue
my stories in this language, in the hope, other boardies
will agree.

Cordially regards,

Hans (and Pepi)

:du: :du:

hans...

ich bin zwar, nachdem ichs nur verwende wenn nötig, des ausländischen nur minder mächtig, aber wenns meiner diesbezüglichen fortbildung dienlich sein sollte, les ich auch deine geschichten gern auf englisch :wink:

Buchdrucker47
02-01-2009, 03:26
Für die lieben Boardies, die es interessiert, wie´s
Schicksal halt so spielen kann, folgt hier eine

Fortsetzung

Ich hatte keine Lust mehr, eine Woche Geld zu haben und
sodann drei Wochen gar keines mehr,-
mir ein Päckchen Pfeifentabak Marke "Feinschnitt" um
5.50 Schilling zu kaufen, mir daraus Zigaretten zu rollen
und die Stummeln aufzuheben, um daraus wieder "neue"
Zigaretten zu wuzeln. Die Ufer der Donau, obwohl sehr
romantisch, kannte ich schon auswendig.
Auch den Bootsmann hielt ich nicht mehr aus. Der fiel eines
Tages, weil er über einen Schlauch stolperte, hintenüber in
eine Ladeluke, wir dachten, er sei tot, nein, wenig später
kletterte er über eine Leiter wieder nach oben.
Er hieß Edi, war aus Krems, eigentlich ein netter Mensch,
leider aber, höflich umschrieben, geistig etwas eigen.
Ich sollte ihm etwas später an anderen Orten unerwarteterweise
noch drei Mal begegnen. Da war er plötzlich, man glaubt es kaum, Erster Ingenieur auf einem riesigem Tanker der unter liberianischer Flagge fuhr. Doch davon später...

Da man damals, konjukturbedingt, am Arbeitsamt wählen
konnte:

1., In welchem Bezirk Wiens man arbeiten wolle,
2., in einer kleinen oder großen Druckerei,
3., auf welchem Maschinentyp,

fiel die Wahl leicht.

Die erste Druckerei im 20. Bezirk klang vielversprechend wie
eine schlanke Frau mit Minirock und schwarzen Netzstrümpfen.

Leider musste ich schon wenige Tage später zu meinem Entsetzen
konstatieren, dass der Chef, den ich ab jetzt nur mehr
Arschloch nennen will, schon damals in jeder Abteilung
Videokameras installiert hatte. In seinem Büro standen
mehrere Monitore und mit Gegensprechanlagen war er der
"Big Brother, who`s watching you". Als ich eines Tages diese
Sklavenkolonie eine Viertelstunde früher verlassen wollte,
öffnete man mir das mit einem elektrischem Schloss versperrte Tor
erst, als ich drohte, die Polizei herbeizurufen.
((Nötigung? Freiheitsberaubung?)

Dass man mich in meiner 14tägigen Kündigungsfrist noch zu
einer Kundenberatung schickte, wunderte mich sehr, gab ich
doch auf die Frage des Klienten, wie man denn das (technische)
Problem am Besten lösen könne, die nonchalante, aber stimmige
Antwort, das mir das völlig egal seie, da ich diese Scheißfirma
sowieso in wenigen Tagen verlassen würde, was nicht unbedingt
auf Verständnis stieß.

Sie war sieben Jahre älter, hatte lange rote Haare, wurde mir als meine Einlegerin
vorgestellt und gab mir zur Begrüßung einen dicken Kuss.
Die Druckerei befand sich in Wien 15 und ich wurde zum
Nachfolger eines in Pension gehenden Abteilungsleiters der Tiegeldruckabteilung eingestellt.
Noch am selben Abend verfügten wir uns in ein nahegelegenes
Cafe, um dort mit mehreren Cola-Rum im Leibe zu den erotisierenden Klängen der Music-Box zu tanzen um uns
anschließend mit dem Taxi zu mir nach Hause zu begeben,
wo wir uns sehr sehr lieb hatten.
Anschließend erzählte sie mir, schwatzsüchtig wie die Mädels
halt so sind, dass sie gedenke, in einer Woche zu heiraten,
die Firma hätte auch schon 800 Schilling für ein silbernes
Teeservice gesammelt.
Nächsten Tags kamen wir beide gemeinsam um zwei Stunden
zu spät, was doch für einiges Gemurmel in der Belegschaft
sorgte.
Sie heiratete tatsächlich, fuhr aber zwei Mal die Woche zu
ihrer Freundin (das war ich), und erzählte mir, was für
Trottel ihr Mann doch sei, lobte er doch ihre Kochkünste, dabei hatte sie ihm, wie es damals üblich war, in
das "Menagereinderl" eine Dose Inzersdorfer-Gulasch reingeschüttet.

Obwohl sie schon jahrelang in diesem Betrieb tätig war, konnte
sie mit ihren Kollegen ebensowenig anfangen wie meinereiner.
Diese waren zwar nur wenige Jahre älter, hatten aber schon
ein rentnermäßiges Gehabe, sprachen ausschließlich über
Fußball, beschwerten sich, wenn ein Fenster einen Spalt offen
war und hatten alle Kamillentee in der Thermosflasche.
Wir kamen dann noch viele Male zu spät, umso größer war
Rotkopfs Enttäuschung, als ich ihr nach einem halben Jahr
eröffnete, dass ich gedächte, nach Hamburg zu reisen, um
zur See zu fahren. Schluchz.

Ich packte das Notwendigste in einen kleinen Koffer, verabschiedete mich von meinen Freunden, kaufte eine
Fahrkarte nach Hamburg und schon lag die große weite
Welt vor mir.
Bis Passau.
Auf die Frage des Grenzbeamten, was ich denn in Deutschland
vorhätte, antwortete ich arglos, dass ich auf einem Schiff
arbeiten wolle.
Das war ein Fehler.
Ich hatte keine Arbeitsgenehmigung.
Zurück in Wien, erfuhr ich, dass diese einer Wartezeit von
vier bis sechs Wochen bedürfe.
Am nächsten Tag schlich ich zur Generaldirektion der ÖBB, um
die nicht ganz konsumierte Fahrkahrte gegen eine Fahrkarte
nach Rotterdam umzutauschen. Die Auskunft, die ich erhielt:
"Das dauert vier bis sechs Wochen".
Da ich aber aus mir unerklärlichen Gründen diesem leitenden
Beamten sympathisch war, stellte er mir noch selbigen Tages
eine neue Karte aus, begleitet mit dem wertvollen Ratschlag,
dass ich an der Grenze einfach sagen sollte, dass ich ja nur
auf Urlaub führe. Das hätte ich früher wissen sollen!
Ebenso hätte ich wissen sollen, dass es, um auf einem
deutschen Schiff zu arbeiten, gar keiner Arbeitsgenehmigung
bedürfe!
Also fuhr ich nächsten Tags nach Rotterdam, stieg in den
Zug nach Hamburg um, erklärte den Zollbeamten, dass ich
vorhätte, in Hamburg Urlaub zu machen und war wenige
Stunden später in Hamburg, wo ich, mangels damals
vorgeschriebener Pockenimpfung, gleich meine nächste
Enttäuschung erleben sollte.

Aber davon das nächste Mal.

Wir wünschen Euch ein schönes Jahr 2009,

Hans (und Pepi)

:U:

:wink: :wink:

Buchdrucker47
04-01-2009, 03:08
Nochmals allen Boardies viel Glück für`s neue Jahr!

Nachdem ich die vier Donauschiffe irgendwie heil überstand, folgt
nun eine schon in Deutschland spielende

Fortsetzung:

Mein erstes Schiff hieß "MS Alsterblick" und lässt sich schwer beschreiben. Die Ursache dieses "Nichtbeschreibenkönnens"
mag vielleicht in dem Umstand zu suchen sein, dass ich dieses
Schiff nie sah.
Noch war ich nicht gegen Pocken geimpft, was aber damals
Bedingung war, um auf "Große Fahrt" zu gehen.
(Wenige Jahre später sollte die WHO diese Krankheit für
ausgestorben erklären und die Impfpflicht entfiel).
Im Nachhinein war ich recht froh, auf diesem "Bananenjäger"
nicht angeheuert zu haben.

Ich hätte nach Fiumicino fliegen müssen, von dort wäre der
Dampfer nach Ecuador gefahren (10 Tage), binnen weniger
Stunden mit Bananen beladen worden, um sofort die Heimreise
nach Fiumicino, wieder 10 Tage, anzutreten, wo die Löschung
der Fracht auch nur wenige Stunden gedauert hätte.
(Quasi ein Vorläufer der heutigen Containerschiffe).

Also marschierte ich, noch immer in Hamburg, zur Bugsier-Reederei,
Johannisbollwerk, erzählte den dort im Kontor anwesenden
Angestellten von meinen Problemen und fand sofort eine
Heuer als Messejunge.

Eine kleine Zwischenbemerkung: Die Seeberufsgenossenschaft,
(vergleichbar mit der Gewerkschaft), hatte damals noch so
viel Macht, dass sie das Auslaufen eines Schiffes verhindern
konnte, wenn die vorgeschriebene Anzahl von Seeleuten nicht
erreicht wurde, je nach Größe des Schiffes. Das hatte zur
Folge, dass viele fiese Typen, vorbestraft und (oder) von
der Polizei gesucht, ein Leumundszeugnis wurde nie verlangt,
das Schiff als letzten Ausweg sahen, der Judikatur zu entgehen.

Die junge liebe Ärztin, die meine Narben an den Armen bewunderte,
die ich gar nicht hatte, impfte mich dann endlich gegen Pocken.
So bestieg ich dann mein erstes Schiff, es war die MS Finkenau.
Ein kleines Zubringerboot brachte mich quer durch den Hafen
hin.
Ein sehr familiäres Betriebsklima erwartete mich und so fuhr
ich, bis die Impfung (ich hasse dieses Wort), wirksam wurde.
ich hatte dann auch, wie erwartet, drei Tage hohes Fieber,
nichts Ungewöhnliches, wenn man erst so spät geimpft wird.

Diese MS (steht für Motorschiff) Finkenau fuhr stets die
selbe Route: Newport-Bristol-Liverpool-Manchester.

In diesen Häfen kamen auch die verruchtesten Mädels an
Bord. Die breite Palette aller venerischen Krankheiten war
dort wohlfeil zu erwerben.

Der Schiffskoch war ein gemütlicher, etwa 55 Jahre zählender
Bayer, der diese Route schon seit 30 Jahren befuhr, um sodann
in seinen ihm zustehenden dreimonatigen Urlaub zu gehen.
Er hatte eine Lebensgefährtin am Starnberger See, wo er in
den umliegenden Wirtshäusern von Löwen und anderen
Raubtieren erzählte und das dort ansässige Publikum in
Schrecken und Erstaunen versetzte. Man glaubte ihm, er
war ja ein Seemann, dass er ja nur Großbritannien fuhr,
hängte er nicht an die große Glocke.

Er war Augenzeuge meiner ersten (und letzten) Seekrankheit,
wo ich vor der Porzellanmuschel kniete und mir die schon an Gott
befohlene Seele aus dem Leib kotzte.

Dieser weise Mensch übermittelte mir auch zwei Leitsprüche,
die mich auch fürderhin sanft durch`s Leben tragen sollten.

1: ALLES IRDISCHE IST VERGÄNGLICH, NUR DER KUHSCHWANZ,
DER IST LÄNGLICH.
2: WER SUPPE KOCHT AUS MONATSBINDEN, WIRD SCHWER ALS
KOCH `NE STELLUNG FINDEN.

Davon profitiere ich heute noch! (Fragt mich aber bitte nicht,wieso).

Drei Wochen später gab ich schon eine Bordzeitung heraus.
Die "Finkenauer Nachrichten". Sie erschienen wöchentlich,
vier Seiten DIN A4, die erste Ausgabe noch handgeschrieben,
die folgenden mit der Schreibmaschine des Stewards getippt.
Ich registrierte alles, egal ob an Bord oder im Hafen.

Dazu ein kleines Beispiel: Der dritte Offizier (Steuermann),
warf nach einer Nacht im Hafen, die er mit einem obskuren
Objekt seiner Begierde verbrachte, sein wohlgefülltes Kondom
aus dem Bulleye, allein der Wind verhinderte, dass es im
Hafenbecken landete, sondern außen am Bulleye hängenblieb.
Morgens das Schiff umrundend, dieser missglückten
Spermaentsorgung ansichtig werdend, sah ich mich bemüßigt,
folgendes Verslein zu verfassen:

Wenn du vögelst mit Pariser,
du Kinderhasser,
dann werfe nach Benützung dieser,
sie gleich in`s Wasser.

Das kam auch dem Kapitän zu Ohren, er befahl mich in seine
Kajüte, um mich zu fragen, wieso ich, als Niedrigstrangiger
die Frechheit besäße, Derartiges über Vorgesetzte zu schreiben.

Ich wollte es ihm erklären, zu diesem behufe bat ich ihn, mir
sein Ohr zu leihen. Seine Replik war: "Warum soll ich Ihnen mein
Ohr leihen, was wollen Sie denn damit"?

Da wusste ich, dass wir keine gemeinsame Diskussionsbasis mehr
finden würden.

Sehr drollig fand ich auch gleich bei meinem ersten Landgang in
Liverpool, wie einfallsreich die Briten doch sein können, um die
"Police Hour", zu umgehen. Aus dem ehemaligen Pub wird ein
"Club", nach Entrichtung eines Obolus von zwei Pfund wurde
man Mitglied, erhielt einen Gutschein für ein Getränk und ein
verwelktes Brötchen, konnte aber bis zwei Uhr morgens
weitersaufen.

Von Liverpool nach Manchester führte ein Kanal, dessen "Wasser"
schon damals so verschmutzt war, dass man Mitleit mit der
Schiffsschraube hatte, weil diese sich im Morast so abmühen musste. Ich weiß noch, dass Seeleute, die über Bord gingen,
im nachsten Spital zwei Wochen in Quarantäne verbringen mussten.

Welcher Mensch macht NIE Fehler?
Kindliche Freude empfand ich, als Gott-Kapitän durch falsche
Berechnung der Tiden (Ebbe und Flut) das Schiff auf eine
Sandbank setzte und dann eine Stunde warten musste, um
wieder freizukommen. (Die Gezeiten können an der Westküste Großbritanniens (Springflut),
je nach Mondphase, 12-14 Meter betragen.
Tagelang ließ sich der Kapitän nicht blicken, um sich nicht den
hämischen Blicken der Crew aussetzen zu müssen. Hähä.

Wie geht`s weiter?

Nach einem halben Jahr machte mir die Reederei ein Angebot,
das ich nicht ausschlagen konnte.
Die Ostküste Südamerikas, samt allen Häfen, Liegezeit pro
Hafen, da das Schiff ein Stückgutfrachter, sieben bis 14 Tage.
Neuharlingersiel hieß der Pott, hatte statt 1000 BRT 10.000 BRT,
was ich auf diesem Schiff erlebte, ist eine Story wert.
Noch schlimmer war es dann auf der MS Porto, aber ich will nicht
vorgreifen.

Es grüßen Euch herzlich,

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

PS: Ich versuche, noch ein Bild zu "attachen", weiss aber nicht
ob`s gelingt. Es ist die "MS Neuharlingersiel".

wuschel
05-01-2009, 02:27
Ja, ja, die alten Leute, wie sie in Erinnerung schwelgen! Das erinnert mich an meinen Großvater, wenn er vom Krieg erzählte. So hat jeder ein Highlight in seinem Leben (hoffentlich). :)

Buchdrucker47
06-01-2009, 02:02
Ja, ja, die alten Leute, wie sie in Erinnerung schwelgen! Das erinnert mich an meinen Großvater, wenn er vom Krieg erzählte. So hat jeder ein Highlight in seinem Leben (hoffentlich). :)

Get out of this Board! Get back, where you belong to. (New York).

Buchdrucker47
06-01-2009, 04:11
Die MS Neuharlingersiel war eine Schönheit.
So wie viele von Euch das Bike neben das Bett stellen, um es beim
Einschlafen und beim Aufwachen betrachten zu können, so konnte
ich mich an diesem Traum von einem Schiff nicht sattsehen.
Fast devot kletterte ich die Gangway empor, wurde freundlich
begrüßt, man zeigte mir meine Kabine und schon drei Stunden
später lief dieses Prachtstück der deutschen Handelsmarine aus.

Erster Hafen war Rotterdam, wo wir Stückgut an Bord nahmen,
dann durch die Biskaya nach Lissabon. Dort wurden (für mich)
überraschenderweise Stallungen an Deck gebaut, Etliche riesige
Zuchtbullen wurden an Bord gehievt, samt den sehr dunkel-
häutigen Viehhütern. In Lisboa hatte eine Messe stattgefunden,
nun fuhren all diese Stiere wieder nachhause, nach
Bahia. Es gab sogar einen eigenen Koch, der sich erbötig machte,
das brasilianische Nationalgericht, Fejuada, für die gesamte
Besatzung zu kochen. Widerwillig stellte ihm der deutsche Koch
die Kombüse zur Verfügung. Das Ergebnis war ein Desaster.
Angeekelt schoben die Offiziere schon nach wenigen Bissen
die Teller beiseite. In den Augen der meist aus Nordfriesland
stammenden "Chefetage" war dieses Gericht bloß "Kanakenfutter".

Sie aßen zwar, wie damals auf allen deutschen Schiffen, jeden
Samstag Eintopf, aber das war halt Kohl (Wirsing) oder Linsen
mit Wiener Würstchen.
Fejuada bestand aber aus braunen Riesenbohnen mit dicken
Stückchen fetten Schweinefleisches.
Ich verschlang drei Teller, aber ich war ja in den Augen
mancher Offiziere, die sich als etwas Besseres dünkten, als
Österreicher ein Halbkanake.

Nach dem Auslaufen hatten wir dann zehn Tage Zeit für
Klönschnack, was nichts anderes bedeutet, als besoffen
Blödsinn daherreden. Dabei erzählte man mir, dass auf der
vorhergehenden Reise ein Landsmann von mir als Decksmann
angeheuert hatte, der sich Edi nannte. Nach dezenter
Recherche fand ich heraus, dass es sich um den Bootsmann
handelte, mit dem ich schon auf Donauschiffen unterwegs war.
Es wurde mir berichtet, dass er zwar nicht rauchte, nichts
trank, aber ansonsten ein Volltrottel war, dem man alles
Wertlose zu überhöhten Preisen verkaufen konnte. Kaputte
Angelruten, ein nicht mehr funktionsfähiges Radio, er nahm
alles. Als ich zugeben musste, dass ich ihn kannte, dass er
aber nie mein Freund gewesen, sondern nur ein Bekannter,
fiel mein Renommee ins Bodenlose.

Da der erste Offizier mich fragte, ob ich an Land einen Beruf
gelernt hätte und ich ihm meine Freisprechungsurkunde
präsentieren könne, wurde ich nach einem kurzen Funkspruch
mit der Reederei zum Steward befördert und in die Offiziers-
messe versetzt, wo es etwas kultivierter zuging.

Ich weiß nicht, wie viele von Euch schon mit einem Schiff
den Südatlantik überquert haben, aber es ist ein neues
Lebensgefühl. Was den meisten meiner Kollegen gar nicht
auffiel, war die simple Tatsache, dass die Sonne, obwohl
diese nach wie vor im Osten aufgeht und im Westen unter,
ihre Bahn im Norden zieht und man am nächtlichen Firmament
völlig neue Sternkonstellationen beobachten kann.
Ich stand des Nächtens stundenlang ganz vorne am Bug
und betrachtete gebannt die in leuchtendem Grün
phosphoriszierende Gischt, die auf leuchtendes Plankton
zurückzuführen ist.

Es gab damals einige Seeleute, die im Suff über Bord gingen.
Sie glaubten, in die Koje zu springen, sprangen aber über die
Reling. Wenn sich jemand sehr unbeliebt gemacht hatte, half
man ein wenig nach. Wir bekamen per Funk die wichtigsten
Nachrichten des "Hamburger Abendblattes" gesendet, laut
Statistik waren es von 50.000 deutschen Seeleuten etwa
50 pro Jahr, die so verschwanden.

Wie meist, bestätigen Ausnahmen die Regel. Ein "Erster Steward",
der auf diese Weise abhanden kam, wurde, nachdem sein
Verschwinden bemerkt wurde, nach 14 Stunden geborgen.
Der Grund: Er hatte als Einziger den Schlüssel für`s Getränke-
Schapp. Nachdem die Suchaktionen der wie immer durstigen
Offiziere erfolglos blieben, wendete das Schiff, fuhr den selben
Kurs zurück und fand ihn wunderbarerweise noch lebend im
Wasser treibend. Im Nordatlantik hätte er keine zehn Minuten
überlebt. Einen "Zweiten Steward" hätte man ohne weiteres
absaufen lassen.

Ein kleiner Zwischenfall, der bei schwerer See böse Folgen
hätte haben können: Das gewohnte Brummen und die
leichten Vibrationen der 10.000 PS-Maschine endeten
abrupt. Einer der zehn Kolben hatte sich festgefressen.
Der "Erste Ingenieur", dessen beste Freundin eine Flasche
"Black Label" war, der Wachdienst oblag dem 2., 3., und 4.
Ingenieur, geriet in Panik. Da ich gerade Mittagspause hatte,
begab ich mich in den Maschinenraum, um dem Kolbenwechsel
zuzusehen. Das verlief, dank ruhiger See, relativ unproblematisch.
Mit einer Laufkatze wurde der kaputte Kolben herausgezogen
und der neue millimetergenau eingepasst. Bei hohem Wellen-
gang wäre das wahrscheinlich nicht gelungen. Das Schiff wäre,
mangels Antrieb, steuerlos geworden, hätte sich quergelegt
und wäre gekentert.
Wie erleichtert waren wir, als wir wieder das vertraute Geräusch
des Schiffsdiesels hörten! Zuerst die Pressluft, die die Maschine
startet und wenige Sekunden später das zufriedene Brummen
der Maschine.

Wenige Tage später sahen wir am Horizont silbrig die
Ostküste Brasiliens schimmern. Wir fanden auch noch selben
Tages einen Ankerplatz im Hafen Bahias mit seinen wunder-
schönen Häusern aus der Kolonialzeit, doch so richtig lustig
sollte es erst in den weiter südlich gelegenen Häfen werden...


Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Evil_Jason
06-01-2009, 23:39
Hui, da habe ich aber eine Menge nach zu lesen gehabt. Echt toll Hans & Pepi:toll::toll:

ManWithoutPlan
07-01-2009, 11:40
Lieber Hans,

wie auch andere Poster hier möchte ich dir für deine Erzählungen danken. Ich finde sie hochinteressant (zudem halte ich den von dir verwendeten Schreibstil für genau richtig) und lese sie mit großem Interesse. Bitte weiter so!

:klatsch: :wink:

Chris64
07-01-2009, 14:58
Mark Twain: "...eigentümliche Länge der deutschen Wörter. Einige sind so lang, daß sie sogar Perspektive haben. ...
Bei einiger Phantasie sieht man auch die Fahnen und hört die Musikkapellen. Sie geben dem friedlichsten Gegenstand einen Ruck ins Kriegerische."





Und dabei ist Deutsch eine flektierende Sprache, schauts euch mal die agglutinierenden Sprachen an, wie Ungarisch oder Finnisch, da kommen erst so die richtigen Wortmonster heran!:D

Da fragt man sich, was Mark Twain erst im Hinblick auf das
Finnische und Ungarische gesehen hätte. Es ist ein bissl lächerlich,
etwas Kriegerisches darin zu sehen, nur weil etwas angeblich
typisch deutsch ist. Auch wenn man Mark Twain heißt.


Dem Buchdrucker seine Gschichten sind wie immer 1A! Ich bin aber
trotzdem froh, dass ich solche Sachen wie Strebersdorf nicht erlebt
habe. Das ist halt die Gnade der späten Geburt.

shroeder
07-01-2009, 15:01
Da fragt man sich, was Mark Twain erst im Hinblick auf das
Finnische und Ungarische gesehen hätte. Es ist ein bissl lächerlich,
etwas Kriegerisches darin zu sehen, nur weil etwas angeblich
typisch deutsch ist. Auch wenn man Mark Twain heißt.


Dem Buchdrucker seine Gschichten sind wie immer 1A! Ich bin aber
trotzdem froh, dass ich solche Sachen wie Strebersdorf nicht erlebt
habe. Das ist halt die Gnade der späten Geburt.

nana, das hat ja nix mit typischem deutschtum zu tun, sondern der für andersprachige besonders hart wirkenden aussprache, dazu die assoziation fahnen und blasmusik (marschmusik), ich find den gedankengang sehr plausibel sogar...

steve4u
07-01-2009, 15:13
nana, das hat ja nix mit typischem deutschtum zu tun, sondern der für andersprachige besonders hart wirkenden aussprache, dazu die assoziation fahnen und blasmusik (marschmusik), ich find den gedankengang sehr plausibel sogar...


Und Mark Twain hatte halt auch noch das Wilhelminische Deutschland vor Augen: Pickelhauben, Marschmusik und Preussentum, war halt die Zeit damals!:D

Chris64
07-01-2009, 17:53
nana, das hat ja nix mit typischem deutschtum zu tun, sondern der für andersprachige besonders hart wirkenden aussprache, dazu die assoziation fahnen und blasmusik (marschmusik), ich find den gedankengang sehr plausibel sogar...

Nageh, ich net, ich glaub der Mark Twain hat ein bissl zu viele Militärparaden über die Medien reingekriegt.

shroeder
07-01-2009, 18:02
Nageh, ich net, ich glaub der Mark Twain hat ein bissl zu viele Militärparaden über die Medien reingekriegt.

geh, sogar ottos faschingsmarschverarsche strahlt mehr militarismus aus als full metal jacket im directors cut...

Buchdrucker47
10-01-2009, 03:55
Liebe Boardies,

es freut mich, dass Euch meine Geschichtlein gefallen,
das Langzeitgedächtnis funktioniert noch einigermaßen,
was, und ob ich vorgestern etwas gegessen habe, entzieht
sich meiner Kenntnis. (Oder wisst Ihr noch auf den Tag genau,
wann Ihr das letzte Mal euer Rad geputzt habt!?).

Rio de Janeiro: Ein Hafen, der ob seiner Schönheit gerühmt wird.
Es war zwar schon das Gefühl, mitten in eine
Bildpostkarte einzulaufen (Zuckerhut), aber das sind vorgeprägte
Klischees. Dieses Gefühl hatte ich auch, als ich ein Jahr später
in den Hafen von New York einlief und das erste Mal die
Freiheitsstatue sah.

Die Lokale an der Copa Cabana konnte ich mir sowieso nicht
leisten und ein Besuch in den nahegelegenen Favellas war
für einen Gringo auch nicht gerade gesundheitsförderlich.

Die Mädels am Strand haben wirklich eine gute Figur, vorausge-
setzt, man mag fette Ärsche.

Der Steward der Unteroffiziersmesse, der schon in Hamburg
ein abweisendes Verhalten an den Tag legte, als er die
Planken des Schiffes betrat, segelte in Rio achteraus.
(Das heißt, er brach den Heuervertrag, in dem er sich
verpflichtete, erst in dem Hafen abzuheuern, in dem er
angeheuert hatte). Ich fand in seiner Kabine einen Koffer
vollgestopft mit alten Zeitungen, ein Beweis, dass er schon
in Hamburg die Absicht hatte, in Übersee zu verschwinden.

Es ist am Seeweg nicht allzuweit von Rio nach Santos.
Kaum hatten wir festgemacht, sah ich schon zwei
Polizisten, die, den abtrünnigen Steward in der Mitte,
versuchten, ihn an Bord zu bringen.
Der Käptn weigerte sich, ihn wieder an Bord zu nehmen, was ihm aber nichts nützte.
Er war verpflichtet (welch garstig Wort), laut
Heuervertrag den Flüchtling wieder nach Deutschland zu befördern!
Er hatte alsbald eine eigene Kabine, die eher nach Einzelhaft
aussah, bekam drei Mal täglich etwas zu "speisen", war aber,
so seltsam sich das anhören mag: "Zahlender Passagier".
Das bedeutete, dass, wo auch immer in Europa er sich
aufhielt, der`ausstehende Betrag (per Interpol) eingefordert werden konnte.

Santos:

Damals der größte Kaffeehafen der Welt.
Möglich,-aber sicher der Irrste.
Diese Stadt erinnerte mich an Klondike, wo Dagobert Duck
seinen ersten Goldtaler fand.
(Berichtigungen werden ohne Widerspruch akzeptiert).
Mindestens fünfzig Lokale in einer Straße, die parallel zum
Hafen verlief, in jedem dieser Lokale Livemusik, dazu
15-17jährige Chicas, die, angesichts eines Europäers,
jegliche etwaige noch vorhandene moralische Schranken
fallen ließen. Miniröcke, die eigentlich nur aus einem
Gürtel bestanden, und darunter KEIN Slip, welcher Umstand
auch noch exzessiv demonstriert wurde.

Wenn dann, wie ich und hunderte andere Seeleute, das zu Gesicht
bekamen, brannten alle Sicherungen durch.
Hatte man aber unter den Schönheiten eine auserwählt, blieb
diese auch tatsächlich treu.
Zumindest für die Schiffsliegezeit.

Zwischenbemerkung: ALLES kostete damals 5000 Cruzeiros,
dh fünf DM, umgerechnet damals 30 Schilling.
ZB eine Flasche Bacardi mit einer großen Flasche Cocacola, ein Taxi, ein Kino- oder Restaurantbesuch oder ein Mädchen.

Diese Chicas gaben dir aber, nicht so wie in Europa (Portugal
ausgenommen), nicht das Gefühl, mit einer Hure unterwegs
zu sein, nein, sie waren Freundinnen, zeigten dir in ihrer
bescheidenen 20 qm kleinen Behausung Fotos ihrer Eltern
oder ihres Bruders, der in Sao Paolo studierte und dem sie
auch Geld überwiesen und luden dich auf Bacardi ein.

Natürlich hatte ich auch in Europa oder in Wien Frauen.
Als Alt-68er (wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon
zum Establishment), kann ich aber leider den europäischen
Frauen nur ein Armutszeugnis ausstellen, was ungehemmte
Sexualität betrifft. (Ich weiß, sie können nichts dafür, es
war die puritanische Erziehung, die ihren Geschlechtsgenossinen
in Brasilien erspart blieb).
Ausnahmen bestätigen, wie immer, die Regel.

Santos:

Mein Nachfolger in der Mannschaftsmesse, wurde, wie wir
alle, vom "Ersten Offizier" gewarnt, beim Landgang keine
feinen Klamotten zu tragen. Schon beim ersten Landgang
bekam er einen Sandsack über den Kopf und er musste
froh sein, dass sie ihm seine Unterhose und sein Leben
ließen.
Was lernen wir daraus? Zieh nur eine Unterhose an, dann
kann man dir nichts mehr wegnehmen.

Die Zollbeamten waren niedliche Menschen.
(In Brasilien waren (oder sind noch) alle Beamten gezwungen,
sich die eigene Dienstwaffe zu kaufen).
Das führte dazu, dass sie der Mannschaft die Pistole
zum Verkauf anboten. Um wohlfeile 100 Deutschmark konnte
man so ein schrottreifes Ding erwerben.
Ein Ingenieursassistent machte von diesem günstigen Anbot
Gebrauch. Oje, eine Stunde später kam ein Kollege des
Beamten in die Kabine, durchsuchte diese, fand die Waffe,
beschlagnahmte sie und verhängte eine Verwaltungsstrafe,
von der man sich aber durch das Überreichen einer oder
mehrerer Flaschen Whiskies oder 100 Deutschmark
retten konnte.

Ein extrem hübsches Mädchen begrüßte mich bei Eintritt
eines Lokals, herzte und küsste mich.
Wenige Minuten später musste ich feststellen, dass meine
Brieftasche gleichzeitig mit ihr verschwunden war.
Darin befand sich: Zu MEINEM Leidwesen mein Reisepass
und ein Foto: Ich als Säugling nackt auf einem Eisbärenfell.
Zu IHREM Leidwesen befand sich darin: Kein Geld.
Das hatte ich nämlich gewitzterweise woanders versteckt.

Ich brauchte eine polizeiliche Diebstahlsbestätigung.
Es dauerte lange, bis sich ein Offizier fand, der der englischen
Sprache einigermaßen mächtig, sich bereit machte, mir diese
auszustellen. Mit diesem "Dokument" , das auch der Kapitän
unterschreiben musste, sollte ich noch heitere Stunden in der
österreichischen Botschaft
in Hamburg erleben. Der Portier nuschelte wie Hans Moser,
die Sekretärin war abwesend, der Botschafter himself
stellte mir handschriftlich den neuen Pass aus, mit dem ich
Jahre später an den damals noch Ostblockgrenzen
Schwierigkeiten bekommen sollte.

Die nächste Destination war Rio Grande do Sul.
Dieser Hafen liegt, wenn ich mich richtig erinnere,
kurz vor der Grenze zu Uruguay und unser Pott
kämpfte sich einen Fluss hoch, bis wir zu diesem
obskuren Hafen gelangten, der Gott sei Dank, keine
Kräne oder ähnliche Entladevorrichtungen hatte.
Er lag tatsächlich mitten im Dschungel.
In der Bretterbude, die sich Wirtshaus nannte,
durchleuchtete eine 25-Watt Birne die Schwärze
des Lokals. Eine extrem dicke Mestizin servierte
lauwarmes Bier, während hinter unseren Rücken
handtellergroße Spinnen ihr Begattungsritual
vollführten.
Sehr froh war ich wenige Tage später, dass es, wie ich hörte,
nach Buenos Aires gehen sollte.
Wir hatten schon alle den Fragebogen für die Einreise
ausgefüllt, in dem so seltsame Fragen vorkamen, wie:
"Sabe leer?" Kann falsch sein, OK, aber es bedeutet:
"Können sie lesen?" Welch sinnlose Frage!
Kann jemand nicht lesen, kann er ja diese Frage auch
nicht lesen!

Die Rettung war ein Funkspruch der Reederei in Hamburg.
Wir fuhren dieselbe Strecke der Ostküste Brasiliens
wieder zurück und des Trippers war kein Ende, lehnten
doch alle diese entzückenden Chicas die Kondome, die
wir von der Reederei gratis zur Verfügung (oder zur
Verfickung) beigestellt bekamen ab, mit der plausiblen
Begründung: "Da spür ich ja nichts mehr".

Meine Wenigkeit litt unter dieser, wie man um die
vorletzte Jahrhundertwende zu sagen pflegte,
"Kavalierskrankheit" 13 Mal, musste mich aber nicht, wie
der Rest der Mannschaft bei dem "Dritten Offizier" in
einer langen Schlange anstellen, um eine Spritze abzubekommen,
sondern erhielt das Penicillin in Tablettenform.
Wahrscheinlich wollte der Sani meinen Arsch nicht sehen?


Wenn Euch diese Story gefallen hat, so schreibt mir
bitte!
Es folgt alsdann ein Geschichtlein über das verrückteste
Schiff, auf dem ich je gefahren bin.
Es hieß "MS Porto", und stellt alles in den Schatten.
Die Reederei hieß "OPDR", das Schiff war ein wahrer
Seelenverkäufer und erst auf meinen nächsten Dampfern
sollte ich, weil man über mich lachte, erkennen, dass
"OPDR" nichts anderes bedeutet, als: Ohne Proviant
Durch Russland".

Es grüßen Euch,

Hans und Pepi

:wink: :wink:

Evil_Jason
11-01-2009, 20:21
Wenn Euch diese Story gefallen hat, so schreibt mir
bitte!
Es folgt alsdann ein Geschichtlein über das verrückteste
Schiff, auf dem ich je gefahren bin.
Es hieß "MS Porto", und stellt alles in den Schatten.
Die Reederei hieß "OPDR", das Schiff war ein wahrer
Seelenverkäufer und erst auf meinen nächsten Dampfern
sollte ich, weil man über mich lachte, erkennen, dass
"OPDR" nichts anderes bedeutet, als: Ohne Proviant
Durch Russland".

Es grüßen Euch,

Hans und Pepi

:wink: :wink:

Bin schon ganz gespannt.
Hast du es schon mal mit "Bloggen" versucht??

Niiiki
13-01-2009, 14:00
Ein Hammer.... grad alles nachgelesen...... ein Jahrgang wie ich kann sowas glaub ich gar nicht mehr erleben....... Sowas kann man nur lesen um seinen trüben Alltag zu erhellen! :D

Pipp0
13-01-2009, 16:44
Diese Stadt erinnerte mich an Klondike, wo Dagobert Duck
seinen ersten Goldtaler fand.
(Berichtigungen werden ohne Widerspruch akzeptiert).

Dann muss ich wohl:
er verdiente seinen ersten eigenen Kreuzer!

Tolle geschichte, meine hochachtung!
sehr kurzweilig.

Buchdrucker47
14-01-2009, 05:18
Hallo liebe Boardies, hier folgt eine

Fortsetzung und Nachtrag


Als ich heute in der schon etwas wurmstichigen Kiste, die sich
"mein Gedächtnis" nennt, herumkramte, fiel mir auf, dass ich
einige Details unterschlagen hatte, zB das Thema:

"Weckmatrosen".

Selbige haben die undankbare Aufgabe, im Turnusdienst sowohl
Offiziere als auch Mannschaft zu Dienstbeginn zu wecken.
Es handelte sich dabei um ganz abgefeimte Burschen, denen
nichts heilig ist und denen es auch gelingt, einen Elefantenbullen
mit vier Promille im Blut noch zu einem Bauchtanz zu animieren.

In der Praxis sieht das dann so aus: Der Weckmatrose zupft
am Ohrläppchen. Stufe zwei: Er sagt: "He, Du hast ja ganz
schwarze Füße!" Guckt man dann hin, hat er schon gesiegt.
Nützt dies auch nichts, (Stufe drei), leert er etwaige noch
am Tisch herumstehende Getränkereste ins Ohrsloch.
Stufe vier: Er lüpft die Decke und greift brutal ins Gemächt.
Wer sich dann noch immer weigert aufzustehen, hat gewonnen,
allerdings wird dann dieser Tag von der Heuer abgezogen.

Noch ein Detail:

"Kreislaufschwäche"

Man säuft im Hafen, weil es da so lustig hergeht.
Man säuft auf See, weil es da so langweilig ist.
Man säuft, weil alle Getränke, da zollfrei, so billig sind.

Bei 95% Luftfeuchtigkeit und 38 Grad im Schatten ist das
aber nicht empfehlenswert, besonders dann, wenn man
pro Tag nur eine bis zwei Stunden schläft. Hundemüde wird
man unsanft geweckt, trinkt zwei oder drei Stück Alsterbrause,
(bei uns Radler genannt) und schwört sofort einen (Mein)eid,
dass man selbigen Tages gleich nach Dienstschluss in die Heia
geht. Abends (im Hafen) sieht das dann gedanklich so aus:
"Ich geh`doch noch auf zwei Bier und dann sofort nachhause".
Es geht schief. Man lebt ja nur ein Mal, wat solls!?

Dasselbe denkt man morgens auf See, will man aber dann zu seiner
Kabine, hören alle deine Schritte, werden neugierig und lugen
bei der Türe raus, wer denn da kömmet. Ah! Es ist der Hans,
"Hans, komm rein, nur auf ein Getränkelein"!
(Meist Whisky oder Bacardi fifty-fifty gemischt mit Cola).
Leider muss ich Euch mitteilen, dass, wenn kein Bacardi mehr
dagewesen, ich auch schon Maschinenspiritus trank.
Durchaus trinkbar, weil zollfrei und dadurch nicht mit
Galläpfeln vergällt.

Am dritten Tag kollabierte ich in der Pantry (Anrichte).
Als ich wenig später wieder das Bewusstsein erlangte,
war mein erster Gedanke, dass ich jetzt tot sei und in der Hölle.
Allein der Anblick eines blauen Plastikeimers und das
Geräusch des Schiffsdiesels überzeugte mich vom Gegenteil,
weil mir mein Schutzengel ins Ohr flüsterte, dass es in der
Hölle gar keine blauen Plastikeimer gäbe.

Mühsam schleppte ich mich auf die Brücke und klagte dem
Ersten Offizier mein Leid. Er hatte vollstes Verständnis, meinte
ich solle mich ein wenig auf`s Ohr legen, aber am Abend
wieder voll da sein. Ich dankte ihm.

Letztes Detail:

"DDR"

Völlig vergaß ich, dass die "Neuharlingersiel", bevor sie nach
Südamerika aufbrach, eine kurze Zwischenreise nach Rostock
unternahm. Der Koch musste vorher von Bord gehen, da er
aus dem "Werktätigen- und Bauernstaat" geflüchtet war.
Wir wurden penibelst kontrolliert, außer unserer Schwanzlänge
wurde alles vermessen und registriert.

Die gefürchtete "Schwarze Gäng" war an Bord.

Während wir aufgereiht wie Zinnsoldaten am Feueralarmdeck
herumstanden, durchsuchten sie alle Kabinen, montierten
sogar den Plafond ab, um mit Spiegel und Taschenlampe
hineinzuleuchten um eines Flüchtlings aus dem Paradies
der Zwergtätigen, nein, Werktätigen habhaft zu werden.
(Bei der Ausreise). Ich selbst machte mich noch am selben
Abend per Autostop auf, um das Landesinnere zu erkunden.
Wie erschrocken war der mitleidige Fahrer des Trabbis, als
er erfuhr, dass ich ein Westler sei. Er bat mich, einen
Kilometer vor der nächstgelegenen Ortschaft auszusteigen,
auf dass nicht der Schatten der STASI auf ihn falle!

Zwischen einer Leichenhalle und einer DDR-Disco ist gar nicht
soviel Unterschied, nur dass sich in der Disco die Leichen noch
ein wenig bewegen. Es war eine Zeitreise: Die Mädels alle
mit überknielangem dunkelblauem Rock und weißem Rüschenkragen,
die Jungs mit lichtblaugrauem Sakko, man tanzte schweigend,
auch bei Tisch fielen wenige Worte und die Zombie-Kapelle
spielte die parteigenehmigten Ostblockhits, aber falsch.

Leider Gottes hatte ich mir auf der dort befindliche Toilette
die Hände in einem Handtuch abgetrocknet, das nicht so
ganz dem entsprach, was man im Westen "frisch" nannte.
Und so kam es, dass ich wenige Tage später einen mir
unerklärlichen Juckreiz empfand, der so stark war, dass ich
in Rotterdam die "Kliniken vor de Geslachtssieken" aufsuchte.

(Für diejenigen, die des Niederländischen nicht so mächtig
sind, "Geslachtssieken" bedeutet "Geschlechtskranken").

Der diensthabende Arzt, ich weiß noch heute seinen Namen,
er hieß Doktor Kennedy, war sehr sympathisch und auch
neugierig, hatte er doch diese Krankheit in seiner bakteriophoben
sauberen Heimat, wo man Samstags mit Lauge die Gehsteige
schrubbt, nicht gesehen. Mit einer Lanzette zupfte er mir
einen dieser Parasiten, die sich mittlerweile auch schon in meiner
Gürtelgegend angesiedelt hatten, unter der Haut hervor, legte
ihn unter das Mikroskop (wohin sonst?), rief sodann noch
drei Kollegen plus zehn Krankenschwestern hinzu, auf dass sie
alle dieses Phänomens teilhaftig werden konnten.
Außerdem begleiteten mich noch zwei Beamte der Gesundheits-
politie an Bord, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, dass
dieses Schiff nicht ein schwimmender Seuchenherd sei.
Unverrichteter Dinge zogen sie wenig später von dannen.

Das Resultat: Eine Woche Schiffsquarantäne.

Ich brauchte bis Lissabon nichts arbeiten und die Speisen wurden
mir, die ich in der stürmischen, aber sonnigen Biskaya im
Liegestuhl verbrachte, auf einem eigenen Teller von einem Matrosen serviert.
Duschen durfte ich auch nicht, sondern musste mich täglich
mit einer milchigen Tinktur ganzkörperlich eincremen.

Die versprochene Fortsetzung folgt auf dem Fuße
(auf welchem, weiß ich noch nicht).

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Buchdrucker47
14-01-2009, 05:20
Hallo liebe Boardies, hier folgt eine

Fortsetzung und Nachtrag


Als ich heute in der schon etwas wurmstichigen Kiste, die sich
"mein Gedächtnis" nennt, herumkramte, fiel mir auf, dass ich
einige Details unterschlagen hatte, zB das Thema:

"Weckmatrosen".

Selbige haben die undankbare Aufgabe, im Turnusdienst sowohl
Offiziere als auch Mannschaft zu Dienstbeginn zu wecken.
Es handelte sich dabei um ganz abgefeimte Burschen, denen
nichts heilig ist und denen es auch gelingt, einen Elefantenbullen
mit vier Promille im Blut noch zu einem Bauchtanz zu animieren.

In der Praxis sieht das dann so aus: Der Weckmatrose zupft
am Ohrläppchen. Stufe zwei: Er sagt: "He, Du hast ja ganz
schwarze Füße!" Guckt man dann hin, hat er schon gesiegt.
Nützt dies auch nichts, (Stufe drei), leert er etwaige noch
am Tisch herumstehende Getränkereste ins Ohrsloch.
Stufe vier: Er lüpft die Decke und greift brutal ins Gemächt.
Wer sich dann noch immer weigert aufzustehen, hat gewonnen,
allerdings wird dann dieser Tag von der Heuer abgezogen.

Noch ein Detail:

"Kreislaufschwäche"

Man säuft im Hafen, weil es da so lustig hergeht.
Man säuft auf See, weil es da so langweilig ist.
Man säuft, weil alle Getränke, da zollfrei, so billig sind.

Bei 95% Luftfeuchtigkeit und 38 Grad im Schatten ist das
aber nicht empfehlenswert, besonders dann, wenn man
pro Tag nur eine bis zwei Stunden schläft. Hundemüde wird
man unsanft geweckt, trinkt zwei oder drei Stück Alsterbrause,
(bei uns Radler genannt) und schwört sofort einen (Mein)eid,
dass man selbigen Tages gleich nach Dienstschluss in die Heia
geht. Abends (im Hafen) sieht das dann gedanklich so aus:
"Ich geh`doch noch auf zwei Bier und dann sofort nachhause".
Es geht schief. Man lebt ja nur ein Mal, wat solls!?

Dasselbe denkt man morgens auf See, will man aber dann zu seiner
Kabine, hören alle deine Schritte, werden neugierig und lugen
bei der Türe raus, wer denn da kömmet. Ah! Es ist der Hans,
"Hans, komm rein, nur auf ein Getränkelein"!
(Meist Whisky oder Bacardi fifty-fifty gemischt mit Cola).
Leider muss ich Euch mitteilen, dass, wenn kein Bacardi mehr
dagewesen, ich auch schon Maschinenspiritus trank.
Durchaus trinkbar, weil zollfrei und dadurch nicht mit
Galläpfeln vergällt.

Am dritten Tag kollabierte ich in der Pantry (Anrichte).
Als ich wenig später wieder das Bewusstsein erlangte,
war mein erster Gedanke, dass ich jetzt tot sei und in der Hölle.
Allein der Anblick eines blauen Plastikeimers und das
Geräusch des Schiffsdiesels überzeugte mich vom Gegenteil,
weil mir mein Schutzengel ins Ohr flüsterte, dass es in der
Hölle gar keine blauen Plastikeimer gäbe.

Mühsam schleppte ich mich auf die Brücke und klagte dem
Ersten Offizier mein Leid. Er hatte vollstes Verständnis, meinte
ich solle mich ein wenig auf`s Ohr legen, aber am Abend
wieder voll da sein. Ich dankte ihm.

Letztes Detail:

"DDR"

Völlig vergaß ich, dass die "Neuharlingersiel", bevor sie nach
Südamerika aufbrach, eine kurze Zwischenreise nach Rostock
unternahm. Der Koch musste vorher von Bord gehen, da er
aus dem "Werktätigen- und Bauernstaat" geflüchtet war.
Wir wurden penibelst kontrolliert, außer unserer Schwanzlänge
wurde alles vermessen und registriert.

Die gefürchtete "Schwarze Gäng" war an Bord.

Während wir aufgereiht wie Zinnsoldaten am Feueralarmdeck
herumstanden, durchsuchten sie alle Kabinen, montierten
sogar den Plafond ab, um mit Spiegel und Taschenlampe
hineinzuleuchten um eines Flüchtlings aus dem Paradies
der Zwergtätigen, nein, Werktätigen habhaft zu werden.
(Bei der Ausreise). Ich selbst machte mich noch am selben
Abend per Autostop auf, um das Landesinnere zu erkunden.
Wie erschrocken war der mitleidige Fahrer des Trabbis, als
er erfuhr, dass ich ein Westler sei. Er bat mich, einen
Kilometer vor der nächstgelegenen Ortschaft auszusteigen,
auf dass nicht der Schatten der STASI auf ihn falle!

Zwischen einer Leichenhalle und einer DDR-Disco ist gar nicht
soviel Unterschied, nur dass sich in der Disco die Leichen noch
ein wenig bewegen. Es war eine Zeitreise: Die Mädels alle
mit überknielangem dunkelblauem Rock und weißem Rüschenkragen,
die Jungs mit lichtblaugrauem Sakko, man tanzte schweigend,
auch bei Tisch fielen wenige Worte und die Zombie-Kapelle
spielte die parteigenehmigten Ostblockhits, aber falsch.

Leider Gottes hatte ich mir auf der dort befindliche Toilette
die Hände in einem Handtuch abgetrocknet, das nicht so
ganz dem entsprach, was man im Westen "frisch" nannte.
Und so kam es, dass ich wenige Tage später einen mir
unerklärlichen Juckreiz empfand, der so stark war, dass ich
in Rotterdam die "Kliniken vor de Geslachtssieken" aufsuchte.

(Für diejenigen, die des Niederländischen nicht so mächtig
sind, "Geslachtssieken" bedeutet "Geschlechtskranken").

Der diensthabende Arzt, ich weiß noch heute seinen Namen,
er hieß Doktor Kennedy, war sehr sympathisch und auch
neugierig, hatte er doch diese Krankheit in seiner bakteriophoben
sauberen Heimat, wo man Samstags mit Lauge die Gehsteige
schrubbt, nicht gesehen. Mit einer Lanzette zupfte er mir
einen dieser Parasiten, die sich mittlerweile auch schon in meiner
Gürtelgegend angesiedelt hatten, unter der Haut hervor, legte
ihn unter das Mikroskop (wohin sonst?), rief sodann noch
drei Kollegen plus zehn Krankenschwestern hinzu, auf dass sie
alle dieses Phänomens teilhaftig werden konnten.
Außerdem begleiteten mich noch zwei Beamte der Gesundheits-
politie an Bord, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, dass
dieses Schiff nicht ein schwimmender Seuchenherd sei.
Unverrichteter Dinge zogen sie wenig später von dannen.

Das Resultat: Eine Woche Schiffsquarantäne.

Ich brauchte bis Lissabon nichts arbeiten und die Speisen wurden
mir, die ich in der stürmischen, aber sonnigen Biskaya im
Liegestuhl verbrachte, auf einem eigenen Teller von einem Matrosen serviert.
Duschen durfte ich auch nicht, sondern musste mich täglich
mit einer milchigen Tinktur ganzkörperlich eincremen.

Die versprochene Fortsetzung folgt auf dem Fuße
(auf welchem, weiß ich noch nicht).

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Buchdrucker47
14-01-2009, 05:21
Hallo liebe Boardies, hier folgt eine

Fortsetzung und Nachtrag


Als ich heute in der schon etwas wurmstichigen Kiste, die sich
"mein Gedächtnis" nennt, herumkramte, fiel mir auf, dass ich
einige Details unterschlagen hatte, zB das Thema:

"Weckmatrosen".

Selbige haben die undankbare Aufgabe, im Turnusdienst sowohl
Offiziere als auch Mannschaft zu Dienstbeginn zu wecken.
Es handelte sich dabei um ganz abgefeimte Burschen, denen
nichts heilig ist und denen es auch gelingt, einen Elefantenbullen
mit vier Promille im Blut noch zu einem Bauchtanz zu animieren.

In der Praxis sieht das dann so aus: Der Weckmatrose zupft
am Ohrläppchen. Stufe zwei: Er sagt: "He, Du hast ja ganz
schwarze Füße!" Guckt man dann hin, hat er schon gesiegt.
Nützt dies auch nichts, (Stufe drei), leert er etwaige noch
am Tisch herumstehende Getränkereste ins Ohrsloch.
Stufe vier: Er lüpft die Decke und greift brutal ins Gemächt.
Wer sich dann noch immer weigert aufzustehen, hat gewonnen,
allerdings wird dann dieser Tag von der Heuer abgezogen.

Noch ein Detail:

"Kreislaufschwäche"

Man säuft im Hafen, weil es da so lustig hergeht.
Man säuft auf See, weil es da so langweilig ist.
Man säuft, weil alle Getränke, da zollfrei, so billig sind.

Bei 95% Luftfeuchtigkeit und 38 Grad im Schatten ist das
aber nicht empfehlenswert, besonders dann, wenn man
pro Tag nur eine bis zwei Stunden schläft. Hundemüde wird
man unsanft geweckt, trinkt zwei oder drei Stück Alsterbrause,
(bei uns Radler genannt) und schwört sofort einen (Mein)eid,
dass man selbigen Tages gleich nach Dienstschluss in die Heia
geht. Abends (im Hafen) sieht das dann gedanklich so aus:
"Ich geh`doch noch auf zwei Bier und dann sofort nachhause".
Es geht schief. Man lebt ja nur ein Mal, wat solls!?

Dasselbe denkt man morgens auf See, will man aber dann zu seiner
Kabine, hören alle deine Schritte, werden neugierig und lugen
bei der Türe raus, wer denn da kömmet. Ah! Es ist der Hans,
"Hans, komm rein, nur auf ein Getränkelein"!
(Meist Whisky oder Bacardi fifty-fifty gemischt mit Cola).
Leider muss ich Euch mitteilen, dass, wenn kein Bacardi mehr
dagewesen, ich auch schon Maschinenspiritus trank.
Durchaus trinkbar, weil zollfrei und dadurch nicht mit
Galläpfeln vergällt.

Am dritten Tag kollabierte ich in der Pantry (Anrichte).
Als ich wenig später wieder das Bewusstsein erlangte,
war mein erster Gedanke, dass ich jetzt tot sei und in der Hölle.
Allein der Anblick eines blauen Plastikeimers und das
Geräusch des Schiffsdiesels überzeugte mich vom Gegenteil,
weil mir mein Schutzengel ins Ohr flüsterte, dass es in der
Hölle gar keine blauen Plastikeimer gäbe.

Mühsam schleppte ich mich auf die Brücke und klagte dem
Ersten Offizier mein Leid. Er hatte vollstes Verständnis, meinte
ich solle mich ein wenig auf`s Ohr legen, aber am Abend
wieder voll da sein. Ich dankte ihm.

Letztes Detail:

"DDR"

Völlig vergaß ich, dass die "Neuharlingersiel", bevor sie nach
Südamerika aufbrach, eine kurze Zwischenreise nach Rostock
unternahm. Der Koch musste vorher von Bord gehen, da er
aus dem "Werktätigen- und Bauernstaat" geflüchtet war.
Wir wurden penibelst kontrolliert, außer unserer Schwanzlänge
wurde alles vermessen und registriert.

Die gefürchtete "Schwarze Gäng" war an Bord.

Während wir aufgereiht wie Zinnsoldaten am Feueralarmdeck
herumstanden, durchsuchten sie alle Kabinen, montierten
sogar den Plafond ab, um mit Spiegel und Taschenlampe
hineinzuleuchten um eines Flüchtlings aus dem Paradies
der Zwergtätigen, nein, Werktätigen habhaft zu werden.
(Bei der Ausreise). Ich selbst machte mich noch am selben
Abend per Autostop auf, um das Landesinnere zu erkunden.
Wie erschrocken war der mitleidige Fahrer des Trabbis, als
er erfuhr, dass ich ein Westler sei. Er bat mich, einen
Kilometer vor der nächstgelegenen Ortschaft auszusteigen,
auf dass nicht der Schatten der STASI auf ihn falle!

Zwischen einer Leichenhalle und einer DDR-Disco ist gar nicht
soviel Unterschied, nur dass sich in der Disco die Leichen noch
ein wenig bewegen. Es war eine Zeitreise: Die Mädels alle
mit überknielangem dunkelblauem Rock und weißem Rüschenkragen,
die Jungs mit lichtblaugrauem Sakko, man tanzte schweigend,
auch bei Tisch fielen wenige Worte und die Zombie-Kapelle
spielte die parteigenehmigten Ostblockhits, aber falsch.

Leider Gottes hatte ich mir auf der dort befindliche Toilette
die Hände in einem Handtuch abgetrocknet, das nicht so
ganz dem entsprach, was man im Westen "frisch" nannte.
Und so kam es, dass ich wenige Tage später einen mir
unerklärlichen Juckreiz empfand, der so stark war, dass ich
in Rotterdam die "Kliniken vor de Geslachtssieken" aufsuchte.

(Für diejenigen, die des Niederländischen nicht so mächtig
sind, "Geslachtssieken" bedeutet "Geschlechtskranken").

Der diensthabende Arzt, ich weiß noch heute seinen Namen,
er hieß Doktor Kennedy, war sehr sympathisch und auch
neugierig, hatte er doch diese Krankheit in seiner bakteriophoben
sauberen Heimat, wo man Samstags mit Lauge die Gehsteige
schrubbt, nicht gesehen. Mit einer Lanzette zupfte er mir
einen dieser Parasiten, die sich mittlerweile auch schon in meiner
Gürtelgegend angesiedelt hatten, unter der Haut hervor, legte
ihn unter das Mikroskop (wohin sonst?), rief sodann noch
drei Kollegen plus zehn Krankenschwestern hinzu, auf dass sie
alle dieses Phänomens teilhaftig werden konnten.
Außerdem begleiteten mich noch zwei Beamte der Gesundheits-
politie an Bord, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, dass
dieses Schiff nicht ein schwimmender Seuchenherd sei.
Unverrichteter Dinge zogen sie wenig später von dannen.

Das Resultat: Eine Woche Schiffsquarantäne.

Ich brauchte bis Lissabon nichts arbeiten und die Speisen wurden
mir, die ich in der stürmischen, aber sonnigen Biskaya im
Liegestuhl verbrachte, auf einem eigenen Teller von einem Matrosen serviert.
Duschen durfte ich auch nicht, sondern musste mich täglich
mit einer milchigen Tinktur ganzkörperlich eincremen.

Die versprochene Fortsetzung folgt auf dem Fuße
(auf welchem, weiß ich noch nicht).

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

Buchdrucker47
14-01-2009, 05:32
Zu meinem gelindem Entsetzen muss ich feststellen, dass mein
letztes Posting doppelt gemoppelt wurde.
Das war nicht ich!
Das war der Server oder Browser oder sonst wer.
Habt Erbarmen,

bitten Euch,

Hans und Pepi

:confused: :confused:

Buchdrucker47
14-01-2009, 07:52
Guten Morgen, liebe Boardies!

Eine Fortsetzung harret Eurer.

Die Rückreise von Rio Grande do Sul via Santos, Rio und
San Salvador do Bahia nach Lissabon, Rotterdam und
Hamburg verlief eigentlich "ereignislos", in den Häfen
traf ich die selben Mägdelein, man glaubt`s ja nicht,
wie die anhänglich Brasilianerinnen sein können, wenn sie
jemanden ins Herz geschlossen haben. Schluchz!

Der Erste Offizier namens Rindfleisch, (wie poetisch),
versicherte mir, dass, wenn ich an Bord bliebe, ich
vom dritten Steward zum zweiten befördert werden
würde. Er meinte es gut, allein, ich lehnte ab, der Stress
war mir zuviel. Es gab Besatzungsmitglieder, die, obwohl
sie mehr verdienten als meine Wenigkeit, in Hamburg
noch auf Grund der Vorschüsse die sie unterwegs genommen hatten, an Bord bleiben mussten, um die Schulden
abzuarbeiten.

Ich hatte noch etwas Geld ausbezahlt bekommen.

Im Seemannsheim, es hieß "Stella Maris", konnte man in
einem Achtbettzimmer um fünf DM schlafen.
(Es gab auch Einzelzimmer, doch konnte ich mir diese
nicht leisten).
Den Rest der Heuer brachte ich, wie allgemein üblich,
auf der Reeperbahn oder deren Seitengassen durch.

Nach drei Tagen war ich gezwungen, mir einen neuen
Dampfer zu suchen. Zu diesem Behufe begab man sich
in den sogenannten Heuerstall, wo per Lautsprecher
ständig verschiedenste Positionen auf verschiedensten
Pötten (Schiffen) mit verschiedensten Fahrtgebieten
angeboten wurden.

Da ich schon so knapp bei Kasse war, blieb mir nichts
anderes übrig, als das nächstbeste Schiff zu nehmen.

Es hieß: MS Porto.

Es lief aus, der hamburger Himmel war so grau wie das Schiff,
und hätte ich gewusst, was mich erwartet, wäre ich noch in
der Elbe über Bord gesprungen.
Es war kein großes Schiff, eher ein Kümo (Küstenmotorschiff),
Fahrtgebiet "Mittlere Fahrt", doch sollte sich schon in
obgenannter Biskaya herausstellen, dass der Dampfer eigentlich
verschrottet gehört hätte.

Die Gummidichtungen, die bei den Bulleyes dafür sorgen sollten,
dass kein Wasser ins Schiff eindringt, waren derart verrottet,
dass schon wenige Minuten später das Wasser in meiner
Kabine fünf Zentimeter hoch stand. Außerdem war der Pott
so überladen, dass ich tatsächlich beim Bulleye Fische
vorbeischwimmen sah.

Die Mannschaft (abgesehen von den Offizieren), bestand nur
aus Spaniern, der Bootsmann war Portugiese.

Die Spanier konnten diesen Portugiesen nicht ausstehen,
das allerdings ist eine jahrhundertealte Feindschaft.
Als der Bootsmann sich lauthals beschwerte, wie mies doch
der Kaffee schmecke und mir die Schuld geben wollte, erhob
sich einer dieser Spanier und sagte dem Bootsmann glatt ins
Gesicht, dass er genau gesehen hätte, dass er in meiner
Abwesenheit Salz in den Kaffee geschüttet hätte.

Dann kam vom Bootsmann der Befehl: Alle Luken
dicht! Wir verschraubten alle unsere Bulleyes so gut es ging.
Hehe! Seine eigenen Bulleyes vergaß er zu verschrauben!
Als er dann die Türe zu seiner eigenen Kabine öffnete, kam
ihm ein riesiger Wasserschwall entgegen.
Alles was in den Schubladen unterhalb seiner Koje aufbewahrt
war, war Schrott. Dokumente, Kleidung usw. Jeder der weiß, wie aggressiv Salzwasser ist, kann das bestätigen.
ER wollte mir dann befehlen, seine Kabine wieder klar zu machen.
Ich lachte ihn aus. Auch dass er sich beim Käptn beschweren
würde, kostete mich nur ein Lächeln.

Im ersten Hafen Portugals, Porto, Hafenliegezeit drei Tage,
verschwand der "Dritte Ingenieur" und wurde nie wieder gesehen.

Im nächsten Hafen, (schon in Spanien), verschwand der Koch.

Dies allerdings hatte ernsthaftere Konsequenzen.

Zwischenbemerkung: Da die Reederei so knapp bei Kasse war,
wurde Bier an Bord genommen und auch Zigaretten, doch
wurde binnen weniger Minuten alles wieder an Land gebracht,
als sich herausstellte, dass kein Geld vorhanden war, um die
Lieferung zu bezahlen. Wir liefen dann noch fünf spanische
Häfen an und mussten uns, wenn wir noch Geld hatten, die
Zigaretten selbst kaufen. Wenn aber auch kein Bier mehr
vorrätig ist, führt dies unweigerlich zur Meuterei.

Es gab auch damals schon abenteuerlustige Zeitgenossen, die
keine kostspielige Pauschalreise buchen wollten, sondern
billig auf einem Frachter buchen.

Wir hatten zwei Ehepaare an Bord, die voll auf ihre Rechnung
kamen.

Als der Koch verschwunden war, setzte der Käptn auf meine
diplomatischen Fähigkeiten, um den Passagieren nahezulegen,
ob sie nicht für die Mannschaft kochen wollten.

Nach einem Gespräch von nicht einmal fünf Minuten, erklärten
sich beide Frauen (im Alter von etwa 30 Jahren) gerne bereit,
diese Aufgabe zu übernehmen. Auf meine Frage, ob sie das
nicht störend empfänden, meinten sie: Nein, nein, das ist
schon OK, wir wollten ja einen Abenteuerurlaub.

Als ich ihnen dann aber die "Speisekammer" vorführte, erstarb
ihr Lächeln. Es war kein Mehl mehr vorhanden, sondern nur
Hülsenfrüchte. Auf die Frage: "Ja, wie sollen wir denn da
kochen?", antwortete ich nur: "Genau das hat sich der Koch
auch gefragt".

Erschrocken waren sie,als sie mich auf der Back stehen sahen,
auf Seevögel schießend. Die Back war von der Kombüse nur
fünf Meter entfernt, ein kleines Schiff.

Erleichtert waren sie, als ich erklärte, dass es nur eine
Schreckschusspistole sei.


Gerne erzähle ich Euch, wie ich fast nach Japan fuhr und
mich ein Bootsmann umbringen wollte.

Jetzt bin ich aber schon ein wenig müde...

Gute Nacht,

Hans und Pepi

:wink: :wink:

treboR
15-01-2009, 12:51
Es fehlt nur noch die Stimme vom Erich Schneider ....
:toll:

soulman
15-01-2009, 14:52
sorry, aber wer ist erich schneider?
ich kenn nur erich schleyer und werner schneider...
aber i kann ja ned alles kennen.

treboR
15-01-2009, 15:19
Ups, Schleyer ich meinte.
:)

THX

beli
15-01-2009, 20:00
buchdrucker :klatsch:
but who the f... is Pepi?

ManWithoutPlan
16-01-2009, 00:21
buchdrucker :klatsch:
but who the f... is Pepi?

Soweit ich das verstanden habe, ist Pepi der buntgefiederte Genosse auf dem Benutzerbild von Hans (dessen Geschichten ich grandios finde) - kann mich aber auch irren... :wink:

Evil_Jason
16-01-2009, 13:54
Soweit ich das verstanden habe, ist Pepi der buntgefiederte Genosse auf dem Benutzerbild von Hans (dessen Geschichten ich grandios finde) - kann mich aber auch irren... :wink:

stimmst scho. Irgendwo hier im BB gibts a Photo mit Hans, Papagei Pepi und Rennrad

beli
16-01-2009, 16:56
schad, papagei ist naheliegend, aber irgendwie zu einfach

i hab g'hofft, dass sich heraustellt, dass die rothaarige, die sich scheiden hat lassen (vielleicht vom karl aus krems), mit vornamen
josefine heisst.

noplan
17-01-2009, 23:00
kacke!! Wann(?) soll ich die stories vom buchdrucker alle nachlesen?
z.Z.keine zeit fürs board, hoffentlich schreibt er weiter! DANKE SCHÖN BUCHDRUCKER FÜR DEINE NETTEN GESCHICHTEN! ;)

treboR
18-01-2009, 17:58
kacke!! Wann(?) soll ich die stories vom buchdrucker alle nachlesen?
z.Z.keine zeit fürs board, hoffentlich schreibt er weiter! DANKE SCHÖN BUCHDRUCKER FÜR DEINE NETTEN GESCHICHTEN! ;)

Während da Hackn so wie i :D.

beli
19-01-2009, 09:20
wann gehts weiter?
:corn:

Buchdrucker47
20-01-2009, 17:32
wann gehts weiter?
:corn:


Na jetzt!

:) :)

Buchdrucker47
20-01-2009, 19:34
Der nächste Dampfer hieß "Frank Leonhardt", hatte 6000 BRT und
war ein Stückgutfrachter. Er kam gerade von einer achtmonatigen
Ostasienreise zurück und die Besatzung, derer ich noch ansichtig
wurde, war dementsprechend urlaubsreif. (Nach sechs Monaten
Fahrzeit hat man Anspruch auf drei Monate Urlaub).

In den Kabinen hingen noch Asahi-Bierreklamen und japanische
Pinup-Girl-Posters an den Wänden.
Im Heuerstall in Hamburg sagte man mir, dass der Pott nach
Japan gehen würde, auf der Reederei erfuhr ich, dass zuvor noch
eine kleine Reise dazwischenkäme.

Na gut, dachte ich arglos, begab mich an Bord und schon
wenige Stunden später liefen wir aus.
Erster Hafen: Hamina in Finnland, um Eisenerz zu bunkern.
Mein erster Eindruck von Hamina: Trostlos.
Mein zweiter Eindruck: Alle Finnen sind besoffen.

Das waren wir binnen kurzer Zeit zwar auch, aaaber,
wir hatten Trinkkultur!

Zwischenbemerkung:
Auf skandinavischen Schiffen herrscht Alkoholverbot, deshalb
wunderte es mich auch nicht, was ich in Liverpool erleben
durfte. Ein norwegisches Schiff war eingelaufen, fünf
Matrosen stürmten die Hafenkneipe, bestellten doppelstöckigen
hochprozentigen Fusel, kippten diesen auf Ex runter, um sofort
die nächste Runde zu bestellen.
Nach etwa einer halben Stunde kippte der Erste vom Barhocker,
die verbleibenden vier Kollegen schleppten ihn in die Ecke
eines Sofas.
Zehn Minuten später kippte der Nächste, die restlichen drei
setzten ihn daneben (so wie bei den zehn kleinen
Negerlein), den letzten Komatrinker platzierte dann der
Wirt, der aber derlei schon gewohnt zu sein schien.

Noch ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Unterschied zu
deutschen Schiffen: Auf skandinavischen Dampfern darf
die Besatzung abheuern, wo immer sie will.
Wir hingegen waren laut Heuervertrag verpflichtet
(bis zum bittern Ende), erst in einem deutschen Hafen, wozu
seltsamerweise auch Rotterdam gehörte, von Bord zu gehen.
Widrigenfalls wären wir vertragsbrüchig geworden und hätten
auf eigene Kosten einen Ersatzmann einfliegen lassen müssen.
(Ein Einfachticket hätte damals ca 50.000 Schilling nach NY
gekostet).
Ende der Zwischenbemerkung.

Christiansand in Norwegen war der nächste Erzhafen.
Malerisch am Ende eines Fjords lag dieses öde Kaff.

Was mich stutzig machte, war der Umstand, dass an der
Mole etwa 15 weibliche Wesen standen, die teilweise mit
Ferngläsern ausgerüstet waren.
Schon wenig später sollte ich den Grund erfahren.
Sie hielten Ausschau nach der Nationalität der Schiffe
und da unseres ein deutsches war, wie an der Flagge
leicht zu erkennen, kam eitel Freude auf, wussten die
klugen Mädchen doch, dass wir "fast" unbegrenzte
Mengen zollfreier Alkoholika an Bord hatten.
(Wenn man genug Geld hatte, konnte man in einem
staalichen Spirituosenladen ein Mal pro Monat eine
Flasche Alk zu exorbitanten Preisen kaufen).

Wenig später, wir hatten noch kaum festgemacht,
stürmten sie schon das Schiff. Ähnliches hatte ich
in Brasilien schon erlebt, nur waren hier die Girls weisser,
dicker und älter.
Wie so oft im Leben bekamen die Ranghöheren die
Hübschesten, mir als drittem Steward ward ein Nilpferd
zuteil.
Sie trug, trotz niedriger Außentemperaturen, nur einen
Pulli (und drunter nichts), eine Pepitahose, die sie wohl
einem Koch abgebettelt hatte (alle Köche tragen diese
schwarzweißkarierte Tracht) und Holzschlapfen ohne Socken.

Wir verliebten uns sofort ineinander, d.h. drei Stunden später,
nachdem sie eine Flasche Cognac getrunken hatte und ich
eineinhalb Flaschen Bommerlunder (Kümmelschnaps).

Eigentlich (mag) mochte ich dicke Frauen nicht, aber wie
das Sprichwort uns sagen will: In der Not frisst der Teufel
Fliegen, wenig später lagen wir schon in meiner Koje.
Wie sich dies platzmäßig ausging, vermag ich mir bis heute
nicht zu erklären, ebensowenig wie den Umstand, dass
ich angesichts dieser Fleischmassen noch erektionsfähig
war.
Es muss aber so gewesen sein, denn nächsten Tags
bestätigten mir sechs Besatzungsmitglieder, die drei
Stunden unser Liebesspiel mit Wohlwollen betrachteten,
diese Tatsache. (Man nennt dies "Schaufick", konnte ich
selbigen auch bei ....naja).
Als ich am nächsten Morgen dieses Unsterns von Frau
ansichtig wurde, beschloss ich, meine Kabine nicht mehr
zu betreten. Ich schlief dann bei (nicht mit) einem
Leichtmatrosen, der noch eine Koje frei hatte.
Schlimm war auch, dass die Toilette, die visavis meiner
Kajüte lag, auch vom Maschinenpersonal frequentiert wurde,
und so traf es sich, dass der zweite Ingenieur, der unfreiwillig
dieses Wesens ansichtig wurde, sie hatte die Türe nicht
abgesperrt, mir mittags kundtat: "Also wissen Sie, eine
derartige Geschmacklosigkeit hätte ich Ihnen nicht zugetraut".
Ich krümmte mich wie ein Wurm.

In meiner Abwesenheit erzählte die Hübsche in ihrem
kümmerlichem Englisch, dass wir verlobt seien und bestellte
beim ersten Steward einen Kasten Bier auf meine Rechnung.

So richtig eng wurde es erst, als ich zu Gehör bekam, dass
unser Schiff nachmittags auslaufen sollte.
Nennt mich feige, werft mir Schuhe nach!!!
Ich versprach dem hamburger Decksjungen, 18 Jahre alt,
aber abgebrühter als ich es war, eine Kiste Bier, falls er
mir diese Braut von Deck schaffen würde.
Sie ging nicht freiwillig.
Von sicherer Position aus konnte ich beobachten, wie er
sie, unter Zurücklassung ihrer Holzpantinen, von Bord jagte.

Das dreimalige Tuten der Schiffssirene fiel mit dem lautem
Geräusch zusammen, das der Stein verursachte, der mir
vom Herzen fiel.

Dass ich diesen Hafen nochmals wiedersehen würde, wusste
ich noch nicht, das erzähle ich Euch das nächste Mal.
(Falls es Euch interessiert).

Hans (und Pepi)

:wink: :wink:

beli
20-01-2009, 20:08
erst: :du:
dann: I don't like small cars or really big women / but somehow seem to always find myself in 'em.

Nowatschek
22-01-2009, 21:21
Hallo Leute !

Ich bin beim durchforsten des Google vorerst zum Lesen in dieses Forum gekommen.

Eure umwerfende Ehrlichkeit Dinge beim Namen zu nennen
und diese so zu schreiben,dass es den Leser regelrecht fesselt,
ist mir sympatisch.

Jemand der die kath.Schulbrüder,egal wo auf dieser Welt als Schüler aushalten mußte,weiß viel von dieser oft schrecklichen Zeit zu erzählen.

Extrem selten sind es schöne Geschichten,die den Schülern
in Erinnerung geblieben sind.Nicht selten wurden Schüler untereinnander aufgehetzt.Es gab die Schüler, die die anderen unterdrücken durften und mit den so Geschundenen machen durften was sie wollten.

Es gab die goldene Mittelgruppe die froh war weder zu den Schlägern und auch noch mehr darüber froh waren nicht zu den Opfern zu gehören.Da ein Schüler der zum OPferwerden ausgesucht wurde,nicht nur OPfer der Schlägerschüler war,sondern auch von den Lehrern und Präfekten.

Lehrer und Präfekten die zum Täterkreis der Pädokrimminellen zählen,hatten aus diesen von ihnen künstlich erzeuigten Schülerkriegszustand profitiert.Da sich die Schüler selten nach deren dort erlbter Schulzeit treffen wollten und sich so zu Ungunsten der Täter solidarisieren konnten.

Den Schüler,egal ob sie nun zu den Schlägern gehörten
oder zur Mittelgruppe,die froh waren nur beobachten zu müssen
und nicht selber Opfer sein mußten oder auch die Opfer,
niemand konnte etwas dafür,dass dort die Schüler untereinander aufgehetzt wurden.

Ehrlich:
Wer würde nicht lieber nur Beobachter sein oder wenn es nötig ist auch zu den Schlägern gehören,umnur ja selber vorm Opfer sein damit bewahrt zu werden.Den die Kinder die zum Opferwerden ausgesucht wurden,hatten dort ein extrem schweres Leid zu ertragen,an dem auch heute noch,jeder der dort Opfer war,schwerstens zu leiden hat.

Logisch,erlebte Verbrechen am eigenen Körper heißt, den Tatort nicht ohne sich selber Schaden zu zufügen,nie verlassen zu dürfen.

Heute wird in fast allen Werbungen das Produkt im Lichtblick der Sexualität beworben.Warum auch nicht.

Heut eredet man offen über Sexualität.
Warum auch nicht.

Warum schämen sich dann immer noch Opfer von körperlicher
und sexueller Gewalt,ein Opfer gewesen zu sein ?

Sie haben sicher keinen Grund sich zu schämen,den die Schande der Tat liegt immer nur beim Täter und nie beim Opfer.

Nicht einmal in einem Gefängnis,dort wo wahrlich schwere und muskulöse Jungs einsitzen,haben auch nur die geringste Chance sich dann,wenn sie von den anderen zum Opfer ausgesucht werden,sich erfolgreich zur Abwehr zu setzen. Wie soll sich dann ein wehrloses Kind oder Jugendlicher erfolgreich wehren können,
das ist unmöglich !

Siehe bitte hier die Links:

Wer ich bin und was ich mache,hier zum nachlesen.
Eine kleine Info zu den kath.Schulbrüder und der sie trotz bewiesenen Täterschaft, schützenden Justiz
Bitte hier unten auf den Link klicken

www.freegermany.de/eva-nowatschek/vorwuerfe-und-belege.html

die Sunday Times hingegen hat berichtet, daß bisher 39 Pfarrer wegen sexueller Verfehlungen rechtskräftig gerichtlich verurteilt wurden,Anfang Juni erstmals auch eine ehemalige Nonne, die ihrem Geliebten beistand, ein ihr anvertrautes zehnjähriges Mädchen zu vergewaltigen.Der Nonnenorden zeigt sich erschüttert und kratzt sein Vermögen zusammen, weil eine Reihe anderer Männer und Frauen,die in ihrer Kindheit mißbraucht worden sind,den bereits
angeklagten Nonnen Rechtsanwaltskosten im Strafverfahren verursachen wird. Und laut Irish Times sind bereits weitere fünf Schulbrüder wegen sexueller Verfehlungen an ihren Schülern und Pfleglingen vom Staatsanwalt angeklagt worden. Der Orden der Schulbrüder distanziert sich von seinen bekleckerten Brüdern, bittet die Opfer um Verzeihung und fürchtet insgeheim noch weitere Fälle. Lustig? Nein !!!

Lese bitte auch hier weiter:
Diese Homepage ist echt lesenswert,da sie unzensuriert die Wahrheit aufzeigt.
http://michaeltfirst.blogspot.com/

Danke fürs Lesen !!!

Herzliche Grüße Nowatschek
freie.nachrichten@gmx.at

Buchdrucker47
23-01-2009, 22:34
Lieber Nowatschek,

sehr gut kann ich nachempfinden, welch Tort Dir von dieser
scheinheilig frommen Brut angetan wurde.
Auch meine Seele (falls es eine solche gibt), war voll des
Zorns. Ich habe es niemals vergeben und vergessen.
Andererseits war mir aber auch bewußt, dass ich, sollte
es mir nicht möglich sein, dieses Fehlverhalten Einzelner
in einen Ordner "Vergangenheit" zu schieben, mein ganzes
Leben vergiftet worden wäre. Das wurde es anfangs
tatsächlich, doch ist es nun schon 50 Jahre her und ich
bin altersbedingt retrospektiv "milder" geworden, ein
Umstand, der die Chose natürlich nicht gutheißen soll.

Aus Deinen intensiven Recherchen (Presse und Judikatur)
lässt sich unschwer erkennen, dass es Dir nicht gelang,
diese Geschehnisse der Vergangenheit anheimfallen zu
lassen. Es ist schon zu Deinem Lebensinhalt geworden,
(a la Simon Wiesenthal), derartige Lapsi aufzudecken.

Ob dies jetzt, was Dich anbelangt, noch auf freiwilliger
Basis beruht oder schon zum Zwang geworden ist, kannst
Du, so glaube ich, selbst nicht mehr beurteilen.

Obwohl ich selbst kein Moderator bin, finde ich, dass Du
dieses Board missbrauchst, um Deine zum Himmel schreiende
Anklage loszuwerden.

Es gibt viele Boards, die sich mit seelischen Bedrängnissen
auseinandersetzen, warum wählst Du ein Bikeboard?
Solltest Du aber jede Menge Feedback auf Dein Posting
bekommen, dann nehme ich alles zurück.

Ich jedenfalls wünsch`Dir alles Gute und ein bisschen mehr
Verständnis für die Schwächen der Menschen.

Hans

:wink:

shroeder
23-01-2009, 23:02
Lieber Nowatschek,

sehr gut kann ich nachempfinden, welch Tort Dir von dieser
scheinheilig frommen Brut angetan wurde.
Auch meine Seele (falls es eine solche gibt), war voll des
Zorns. Ich habe es niemals vergeben und vergessen.
Andererseits war mir aber auch bewußt, dass ich, sollte
es mir nicht möglich sein, dieses Fehlverhalten Einzelner
in einen Ordner "Vergangenheit" zu schieben, mein ganzes
Leben vergiftet worden wäre. Das wurde es anfangs
tatsächlich, doch ist es nun schon 50 Jahre her und ich
bin altersbedingt retrospektiv "milder" geworden, ein
Umstand, der die Chose natürlich nicht gutheißen soll.

Aus Deinen intensiven Recherchen (Presse und Judikatur)
lässt sich unschwer erkennen, dass es Dir nicht gelang,
diese Geschehnisse der Vergangenheit anheimfallen zu
lassen. Es ist schon zu Deinem Lebensinhalt geworden,
(a la Simon Wiesenthal), derartige Lapsi aufzudecken.

Ob dies jetzt, was Dich anbelangt, noch auf freiwilliger
Basis beruht oder schon zum Zwang geworden ist, kannst
Du, so glaube ich, selbst nicht mehr beurteilen.

Obwohl ich selbst kein Moderator bin, finde ich, dass Du
dieses Board missbrauchst, um Deine zum Himmel schreiende
Anklage loszuwerden.

Es gibt viele Boards, die sich mit seelischen Bedrängnissen
auseinandersetzen, warum wählst Du ein Bikeboard?
Solltest Du aber jede Menge Feedback auf Dein Posting
bekommen, dann nehme ich alles zurück.

Ich jedenfalls wünsch`Dir alles Gute und ein bisschen mehr
Verständnis für die Schwächen der Menschen.

Hans

:wink:

:toll:

Buchdrucker47
24-01-2009, 01:00
Liebe Leser!

I proudly present a
Vortsätzung

Alles grau, feucht und nebelig...
So präsentierte sich mir der damals größte Hafen der Welt,
Rotterdam. Kurz zuvor hatte er New York den Rang abgelaufen.
Die 50 Kilometer vom Ölhafen bis ins Zentrum fuhr der Bus
eine Stunde. Während das Erz gelöscht wurde, trieb ich mich
im Vergnügungsviertel herum. Es nannte sich Katendrecht
und gleich in der ersten Spelunke, die ich betrat, dachte ich
in ein Clublokal von Basketballspielern reingeraten zu sein.

Alle Gäste waren zwei Meter hoch und aus der ehemaligen
Kolonie Surinam. Obwohl sehr schwarz, hatten alle die
niederländische Staatsbürgerschaft. Ich plauderte ganz
gemütlich mit diesen Giganten und fuhr dann wieder zurück
an Bord. Dort frug man mich, ob ich nicht alle Tassen im
Schrank hätte, ob ich nicht wüsste, welcher Gefahr ich mich
ausgesetzt hätte, ich, als einziger Weißer!

Da ich mir der Gefahr nicht bewusst war, verhielt ich mich
völlig unbefangen, diese Naivität dürfte die Blackies
beeindruckt haben. (So denke ich heute, vielleicht hatte
ich nur Glück?).

Ich nahm mir ein Herz, konsultierte den "Ersten Offizier" und
wollte, ganz unverschämt, wissen, wie es denn mit der
versprochenen Japanreise aussähe?

Er lächelte wie ein Buddha ob meiner Einfalt und ließ mich
wissen, dass noch eine kleine Zwischenreise eingeschoben
werden würde.
Christiansand? Hamina?
Nein, nein, es ginge erst nach Huelva (Spanien) und Savona
(Italien), anschließend nach Limassol (Zypern).

Ich empfand dies als gar nicht so unangenehm, da in
Nordeuropa der Winter herrschte und im Mittelmeer mit
20 Grad plus zu rechnen war.

Ein Ingenieursassistent, kurz Assi, ist ein Mensch, der an
Land einen technischen Beruf gelernt hat (Automechaniker,
Schlosser, sogar einen Hufschmied lernte ich kennen) um
sodann als Sklave eines Ingenieurs mit diesem gemeinsam
im Bauch des Schiffes Wache zu schieben.
(Der Assi hat, wie es die Hierarchie halt so fordert, auch
einen Sklaven, einen Subsubsklaven sozusagen, der hieß
"Öler" oder "Schmierer" oder "Storekeeper". Diese "Unter-
menschen" hatten keinen Beruf erlernt und waren noch
schmutziger, um politisch ganz unkorrekt zu sein, von
Negern optisch nicht zu unterscheiden.

Huelva:

Einer der drei Assis, er stammte aus Stuttgart, war ein ganz
drolliger Bursche.
Schon ein Mal hatte er die Aufmerksamkeit des Kapitäns auf
sich gezogen, als er bei einer der täglich stattfindenden Parties
Seekarten in seiner Waschmuschel verbrannte.
Rauchmelder gab es damals zwar noch nicht, aber der Qualm
fand seinen Weg hoch bis zur Brücke. (Ich war dabei).

Sein Meisterstück (Geselle war er ja schon), lieferte er im
Hafen von Huelva.
Es sollte der Reederei Millionen kosten.
Die spanische Hafenaufsicht stellte jedem Schiff einen
Zollwächter bei. Tagsüber stand dieser meist gutmütige
Mensch an der Gangway und kontrollierte, ob Verbotenes
von oder an Bord gebracht wurde.
Wenn es dunkel wurde (weil die Nacht einbrach, hehe), saß
die Ablöse in einer winzigen Kabine, deren Interieur nur aus
einem kleinen Schreibtisch und einem Sessel bestand.

Im selben Ausmaß wie der Assi betrunken und aufgekratzt
war, war der Zollwächter nüchtern und müde, sehr müde.
Mit einem Wort, der wurmstichige Schreibtisch verwandelte
sich in einen Kopfpolster, dorthin legte er auch seinen
Kopf, nicht ohne vorher seinen Gürtel mit dem Pistolenhalfter
abzulegen.

To make a long story short:
Vorgenannter Assi (seine Kabine lag visavis) bemerkte diesen
Umstand, schlich sich heimtückisch an und war Sekunden
später (ich war dabei, schon wieder), in seiner Kabine, um
uns stolz seine neu erworbenen Schätze zu präsentieren.

Meine Einsprüche, dass diese Aktion die armselige Karriere
dieses Spaniers, der zweifelsohne noch ein Jahr zuvor als
Ziegenhirte gearbeitet hatte und froh war, diesen, wenn
auch unterbezahlten, aber sicheren Job zu finden,
zerstören würde, fielen nicht auf fruchtbaren Boden.

Der Assi warf den Gürtel samt Halfter in den Rio Tinto,
die Dienstpistole versenkte er in einer Ölwanne im
Maschinenraum.

Nächsten Tags war die Hölle los.
Um sieben Uhr Feueralarm, die Besatzung versammelte sich
auf dem dafür vorgesehenen Deck und der Kapitän hielt
eine Ansprache.
Wenn derjenige, der dieses Lausbubenstück vollbracht hätte,
sich freiwillig melden würde, sähe er von einer Bestrafung ab,
vorausgesetzt die Pistole käme wieder zum Vorschein.

Es meldete sich niemand.

Zwei Stunden später hatten wir alle eine eidesstattliche
Erklärung zu unterschreiben, in der wir erstens:
versicherten, dass wir damit nichts zu tun hätten,
und zweitens, auch nicht wüssten, wer der Täter sei.
Ich unterschrieb. Mein erster und letzter Meineid.
(Andernfalls wäre mein Leben an Bord nicht mehr das gewesen,
was man ein "Zuckerlecken" nennt.

Wenige Stunden später erschien ein Marinekommando mit
Schlauchboot. (Ja, so schnell können Spanier sein, wahrscheinlich
haben sie zu wenig Pistolen?).

Vier Taucher, eine Frau war auch dabei, durchwühlten den Schlamm rund ums Schiff und förderten immerhin aus der schlammigen Brühe den Gurt samt Halfter zu Tage.
Gleichzeitig erschien die gefürchtete "Black Gang", die das
Schiff in kleinste Bestandteile zerlegte.
Auch sie fanden NICHTS.

Ich weiß nicht, ob die Reederei diesen Einsatz zu bezahlen
hatte, es wären einige tausend DM gewesen, viel schlimmer
traf es die Reederei, dass dieses Schiff Hafenverbot bekam,
es durfte nie wieder Huelva anlaufen.

Der nächste Hafen, Savona, bleibt mir deswegen in unguter
Erinnerung, weil mir dort drei Italiener meine Uhr, die mir
meine Mutter anläßlich meines Geburtstages nach Hamburg
geschickt hatte, um zwei Uhr morgens mit vorgehaltenem
Messer raubten, sondern auch weil mir dort, in dem auf
Reede liegendem Schiff, der Bootsmann versprach, mich
umzubringen. (Eine Drohung, die man, wenn auch betrunken
ausgesprochen (ausgelallt?), durchaus ernst nehmen sollte.

Fortsetzung folgt (etwas später).

Begründung folgt (auf dem Fuße).

Hans

Buchdrucker47
24-01-2009, 01:38
Allen mir wohlgesinnten Boardies möchte ich mitteilen,

dass ich ab heute nur mehr mit "Hans" firmiere.

Der Grund: Mein über alles geliebter Papagei namens

Pepi, hat gestern, nach vielen tausenden Kilometern

die er mit mir (auf meiner Schulter) mit dem Rennrad

verbrachte, seinen kleinen grünen Geist ausgehaucht.

Im Sommer wäre er 37 Jahre alt geworden,

mich hat er mehr als 35 Jahre auf meinem Lebensweg begleitet

und ist mir stets treu geblieben.


Es grüßt Euch,
ein zu Tode betrübter Mensch,

Hans (ohne Pepi)

PS. Ich bitte, von Beileidskundgebungen abzusehen!

PPS. Er hatte lt. Autopsiebefund Wasser in der Lunge und
ein vergrößertes Herz.


Als Anhang versuche ich noch ein Bild runterzuladen,
weiß aber nicht, ob`s mir gelingt, ich bin schon zu
betrunken.

Buchdrucker47
24-01-2009, 02:03
:toll:


Danke,

:toll:

Nowatschek
24-01-2009, 20:41
Servus lieber Buchdrucker 47 :wink:

Das ich beim durchforsten des Google auf Deine mir,wegen Deiner bestechenden Ehrlichkeit, sehr gut gefallenden Texte gestoßen bin,habe ich in meinem Posting schon erwähnt.

Aus Dir ist ein ganzer Kerl geworden,der sich nicht versteckt,
weil ihm andere schaden wollten.

Deine Einstellung wünsche ich vielen,die es bis heute nicht geschafft haben,nun selber über ihr Leben zu bestimmen.

Ich jage keinen Hühnerdieb,der die Beute schon gefressen hat
und es so keinen Sinn mehr macht,ihm zu verfolgen.

Ich darf es mir nicht erlauben müde zu werden und damit aufzuhören,die Eltern die auch heute noch ihre Kinder dorthin anvertrauen,zumindest aufzuklären,was vielen Kindern
dort angetan wurde.

Hätte ich,noch bevor auch ich meinen Sohn dorthin schickte,
nur ein kleines Wörtchen der Vorwahrnung wo gelesen oder gehört,was er dann erlebte,dann wäre ihm sicher extrem
viel erspart geblieben,da ich ihm dann absolut sicher nie dorthin geschickt hätte.

Du hast recht,dieses Thema gehört nicht in ein Bikerboard.
Dafür möchte ich mich bei allen Usern und so wie so
auch bei Dir entschuldigen.

Sollte mir wer was zu diesem Thema zu sagen haben,kann mich der was mich sucht,über diese e-mail erreichen.

freie.nachrichten@gmx.at

Schreib ja Deine Berichte weiter,da sie absolut lesenswert sind.
Für dein weiteres Leben wünsche ich Dir alles Gute und bleib
der ganze Kerl,den ich hier in Dir erkannt habe.


herzliche Grüße Nowatschek

Evil_Jason
25-01-2009, 10:43
Im Sommer wäre er 37 Jahre alt geworden,

.
Ach wie Schade. Ich hab so gehofft, dass wir 3 uns mal über den Weg (nicht zsam) fahren...
Ist das eigentlich für einen Papagei schon viel?
Keine Ahnung...

Buchdrucker47
25-01-2009, 13:15
Ach wie Schade. Ich hab so gehofft, dass wir 3 uns mal über den Weg (nicht zsam) fahren...
Ist das eigentlich für einen Papagei schon viel?
Keine Ahnung...


Das kommt auf den Papagei an. Amazonen werden etwa
40-50 Jahre alt, man hat aber auch schon von 80-100jährigen
Aras gehört.
Wir können uns auch zu zweit über den Weg fahren, Du
erkennst mich an meinem Trek y foil 77, davon gibt es, so
glaube ich, in Wien und Umgebung nicht Allzuviele.
Wenn doch, dann bitte ich den Besitzer, sich bei mir zu
melden. (Zwecks Speichengeflüster).

Hans (ohne Pepi):(
:wink:

Evil_Jason
25-01-2009, 13:45
Das kommt auf den Papagei an. Amazonen werden etwa
40-50 Jahre alt, man hat aber auch schon von 80-100jährigen
Aras gehört.
Wir können uns auch zu zweit über den Weg fahren, Du
erkennst mich an meinem Trek y foil 77, davon gibt es, so
glaube ich, in Wien und Umgebung nicht Allzuviele.
Wenn doch, dann bitte ich den Besitzer, sich bei mir zu
melden. (Zwecks Speichengeflüster).

Hans (ohne Pepi):(
:wink:

http://nyx.at/bikeboard/Board/attachment.php?attachmentid=90960&d=1219822537

Das Bike übersieht man einfach nicht.
Warum ist denn der Pepi immer verkehrt rum gesessen?

Buchdrucker47
25-01-2009, 14:17
http://nyx.at/bikeboard/Board/attachment.php?attachmentid=90960&d=1219822537

Das Bike übersieht man einfach nicht.
Warum ist denn der Pepi immer verkehrt rum gesessen?


Weil er sich die Fahrer anschauen wollte, die ich ständig
überholt habe! :devil:

:wink:

Buchdrucker47
30-01-2009, 20:14
Liebe Leser!

Hier folgt eine Fortsetzung, die aber vielleicht nicht ganz so
pointiert ausfällt, da mein Herz noch immer blutet ob des
traurigen Verlusts meines Pepis. (Genug der Melodramatik).

Savona:

Dieser Hafen ist relativ klein, so dass die meisten Schiffe
gezwungen sind, auf Reede zu liegen. Es kann Tage dauern,
bis man einen Liegeplatz ergattert. Um der Besatzung einen
Landgang zu ermöglichen, fährt um 19 Uhr ein Shuttleboot
zum Hafen und um 24 Uhr wieder zurück.
Bis zum Hafen brauchte es 20 Minuten, genug Zeit, dass
der Bootsmann vor versammelter Besatzung versuchte,
mich als Österreicher zu verhohnepiepeln. (Verarschen, auf
die Schaufel zu nehmen). Leider lachte niemand über seine
plumpen "Scherze", bei meinen zynisch-sarkastischen
Antworten lachten aber alle. Das brachte ihn zur Weißglut, er
versprach Rache. Wieder an Bord, schlug er um ca ein Uhr
morgens mit stahlharter Faust an meine Kabinentür und
schrie lauthals: "Den Steward bring ich um, ich bring ihn
um"!
Abgesehen davon, dass ich sowieso mit eine großkalibrigen
Gaspistole unter dem Kopfpolster schlief, hatte ich noch
einen Mitbewohner. Er stammte aus Bayreuth, hatte jahrelang
beim Straßenbau gearbeitet und der Umfang seiner
Oberarme entsprach dem meiner Unterschenkel.
Er fragte: "Wos wü er"?
Ich sagte: " Na umbringen wü er mi".
Darauf mein Kollege: "Hähä".
Durch das Geschrei war auch der Erste Offizier wachgeworden,
vor dem der Bootsmann heillosen Respekt hatte.
Der fragte nur: "Wat mokst du denn hier? Du gehörst auf`s
Achterdeck, nu gei mal slopen"!
Der Bootsmann folgte wie ein Hündchen.

Nach dem Auslaufen hatten wir schwere See von Backbord,
und ich war gezwungen, das Wellentunnel zu benützen, um
von den Brechern nicht von Bord gespült zu werden.
Ich wollte einige befreundete Matrosen besuchen, um
zu demonstrieren, dass ich keinerlei Angst vor dem Bootsie
hätte. (Das ist, vom psychologischen Standpunkt her gesehen,
sehr wichtig).
Schon nach wenigen Bieren öffnete sich die Türe und wer
kam herein? Mein Freund, der Bootsmann.
Er tat so, als ob er mich nicht gesehen hätte, aber kein
Wort des Streites, geschweige denn des Umbringens.
Er hatte mich, ob wohl oder übel, akzeptiert.

Der nächste Anlaufhafen war Limassol (Zypern).
Schon seit mindestens zwei Jahrtausenden wird dort Kupfer
gefördert, im Tagbau.
Wir fuhren südlich von Kreta vorbei, das Ida-Gebirge war noch
mit Schnee bezuckert, die Temperatur lag aber schon bei
20 Grad Celsius.

Und schon wieder lagen wir auf Reede, diesmal aber gleich
für vier Wochen.
Das Kupfererz wurde mit Schuten längseits des Schiffes
gebracht und abends fuhr wieder ein Shuttleboot zum
Hafen.
Es ist ja schön, wenn man winters durch Zitronenhaine,
an deren Bäumen leuchtend gelbe Zitronen hängen,
spazieren kann, doch empfand ich das damals etwas
langweilig, eher für Pensionisten.
Das einzige Lokal das offenhatte (es war ein kleines Dorf
außerhalb von Limassol), war eine Holzbaracke, voll mit
betrunkenen Seeleuten.

Wir tranken den billigen süßen zypriotischen Wein und
das einzige Mädchen, das wir sahen, war des Wirten
Töchterlein.
Sie war feist, unschön und trug eine große rosa Plastikblume
im Haar.
Mit jeder Bouteille die wir tranken, wurde sie schöner!
Ein Wunder!
Nach der fünften Flasche erschien sie uns wie die Monroe!

Einige Boardies, die finanziell besser gestellt waren, fuhren
mit dem Taxi nach Nikosia, konnten aber auch nichts
Aufregendes berichten.

Um Limassol, das ja nur wenige Kilometer entfernt lag, besser
kennen zu lernen, nahm ich den Bus.
Darin befanden sich einige hübsche Gymnasiastinnen, aber
leider auch einige ungehobelte Jungs.
Als ich nur wenige Worte mit der levantinischen Schönheit,
die hinter mir saß wechselte, sprang einer dieser Epheben auf
und versetzte mir eine schallende Ohrfeige.

Auf meine Frage, was denn das solle, erwiderte er: "Das
seien brave Mädchen und ich dürfe mit ihnen nicht sprechen"!
Die restlichen zehn Minuten bis zum Busbahnhof hatte ich
dann noch Gelegenheit, ihm zu erklären, dass, wenn dies
auf Zypern Usus sei, diese Insel wohl nie Europareife
erlangen würde. Ich hätte die 17jährige ja nicht beleidigt
oder ihr gar unsittliche Anträge gemacht und mit einem
Menschen Belanglosigkeiten auszutauschen, sollte in
kultivierteren Gegenden ja wohl möglich sein.

Obwohl der ultraorthodoxe Typ fließend Englisch sprach,
fiel ihm keine Replik ein. Traurig.

Zehn Tage später waren wir wieder im grauen, feuchten und
kaltem Rotterdam.
Die Antwort auf die Frage an den Ersten Offizier, wann
wir denn endlich nach Japan fahren würden, verrate ich
Euch das nächste Mal.

Liebe Grüße,

Hans (ohne Pepi)
:wink:

shroeder
30-01-2009, 20:28
manchmal, so beim durchlesen deiner geschichten, beneid' ich dich um deine abenteuer...

"feist" is übrigens ein nettes vokabel, verwend ich ab und an damits mir nicht in vergessenheit gerät ;o)

was ist ein wellentunnel?
:wink:

Buchdrucker47
30-01-2009, 21:16
manchmal, so beim durchlesen deiner geschichten, beneid' ich dich um deine abenteuer...

"feist" is übrigens ein nettes vokabel, verwend ich ab und an damits mir nicht in vergessenheit gerät ;o)

was ist ein wellentunnel?
:wink:

Lieber shroeder,

Ad eins: Wieso beneidest Du mich nur MANCHMAL?

Ad zwei: Wahrscheinlich aufgrund meines Berufs bin
ich in antiquierte und aussterbende Wörter verliebt.
(Ich habe viele Bücher aus dem 19., 18., 17., und
16. Jahrhundert zu Hause. Weißt Du zB was
Afterbürde bedeutet? Vor 300 Jahren wußte das
jeder Mensch).

Ad drei: Von der Hauptmaschine jedes Schiffes
läuft eine Antriebswelle bis zur Schraube.
Diese hat, je nach Größe des Dampfers einen
Durchmesser von 30-80 Zentimetern.
Entlang dieser Welle verläuft das Wellentunnel,
damit man auch bei Windstärke 12 noch nach achtern
gelangen kann, ohne von Bord gespült zu werden.

Ich hoffe, mit diesen Antworten dienlich gewesen sein
zu können!

Hans (leider ohne Pepi)

:wink:

shroeder
30-01-2009, 21:24
Lieber shroeder,

Ad eins: Wieso beneidest Du mich nur MANCHMAL?

Ad zwei: Wahrscheinlich aufgrund meines Berufs bin
ich in antiquierte und aussterbende Wörter verliebt.
(Ich habe viele Bücher aus dem 19., 18., 17., und
16. Jahrhundert zu Hause. Weißt Du zB was
Afterbürde bedeutet? Vor 300 Jahren wußte das
jeder Mensch).

Ad drei: Von der Hauptmaschine jedes Schiffes
läuft eine Antriebswelle bis zur Schraube.
Diese hat, je nach Größe des Dampfers einen
Durchmesser von 30-80 Zentimetern.
Entlang dieser Welle verläuft das Wellentunnel,
damit man auch bei Windstärke 12 noch nach achtern
gelangen kann, ohne von Bord gespült zu werden.

Ich hoffe, mit diesen Antworten dienlich gewesen sein
zu können!

Hans (leider ohne Pepi)

:wink:

1.) weil andere auch was erlebt haben und darum beneidet werden wollen :D
2.) ja, weiß ich, sah mich aber noch nie veranlasst es zu verwenden ;o)
3.) aja, eh klar, die frage hätt ich mit a bissl denken selbst lösen können...

:wink:

steve4u
30-01-2009, 22:26
1.) weil andere auch was erlebt haben und darum beneidet werden wollen :D
2.) ja, weiß ich, sah mich aber noch nie veranlasst es zu verwenden ;o)
3.) aja, eh klar, die frage hätt ich mit a bissl denken selbst lösen können...

:wink:



Ich glaub bei dem Film "Poseidon Inferno" sinds durch den Wellentunnel dann raus aus dem Wrack gekommen, wenn ich mich recht erinnere!

shroeder
30-01-2009, 23:01
Ich glaub bei dem Film "Poseidon Inferno" sinds durch den Wellentunnel dann raus aus dem Wrack gekommen, wenn ich mich recht erinnere!

du erinnerst richtig :toll:

steve4u
30-01-2009, 23:07
du erinnerst richtig :toll:


Gell, wir Spätfilmschauer!! ;)

Buchdrucker47
05-02-2009, 22:59
Liebe Boardies,

soeben ist mir auch ein Text verschwunden, an dem ich soeben
zwei Stunden geschrieben habe.
Der Grund ist mir schleierhaft, weiß ich doch nicht, weil Newbie,
wie man solchen Text speichern kann.

Also folgt hier ein Gedächtnisprotokoll. (Welch garstig
Wort!). Es rächt sich auch, weil ich ansonsten all
meine Gschichterln vorab mit der Hand schreibe, diesmal
leider nicht.

Die Bernd Leonhardt fuhr leider auch den langweiligen
Trip: Jössingfjord-Rotterdam-Savona-Zypern.
Und wieder retour. Gähn.
Von Ostasien keine Spur.

Man raubte mir keine Armbanduhr, (die wurde mir schon
geraubt). Der Bootsmann verhielt sich auch sehr dezent.

Den Traum von der Ostasienreise (Japan) hatte ich auch
schon aufgegeben, bis sich dann, unerwarteterweise beim
Auslaufen von Jössingfjord, ein Erzhafen, in dem
während des Weltkrieges einige deutsche Kriegsschiffe
Zuflucht suchten, doch noch ein kleines Abenteuer ergab.

Es war 12 Uhr mittags, als der leicht betrunkene Koch
mit einer Tatsache konfrontiert wurde, mit der wir alle
nicht gerechnet hatten.

Der Kapitän, wortkarg wie eine Ameise, schwarzgekleidet
wie ein SS-Offizier, uns das Auslaufen befahl.
Obwohl vom Funkoffizier gewarnt, dass uns außerhalb des
Fjords eine extreme Schlechtwetterfront erwarten würde,
liefen wir aus.

In der Kombüse flog alles kreuz und quer, an eine
gediegene Nahrungsaufnahme war nicht mehr zu denken.

Zwei SOS-Funksprüche von griechischen Frachtern
erreichten uns, doch konnten wir nicht Folge leisten.
Dazu hätten wir den Kurs ändern müssen.

(Wenn ein Erzfrachter quer zu den anstürmenden 15 Meter
hohen Wellen liegt, ist er manövrierunfähig und kann auch
in wenigen Minuten zerbrechen und mit Mann und Maus
in der kalten Nordsee verschwinden).

Zurück in Hamburg, bot mir die Reederei Leonhardt und
Blumberg ein Schiff an, das noch gar nicht von Stapel
gelaufen war, noch in der Werft lag, aber das ist schon
wieder eine andere Geschichte...

Wenn Ihr diese lesen wollt, so schreibt mir bitte,

Hans (leider ohne Pepi)

:wink::wink:

krull
05-02-2009, 23:05
Wenn Ihr diese lesen wollt, so schreibt mir bitte,

Hans (leider ohne Pepi)

:wink::wink:

Unbedingt! Bitte! Ich habe mir gerade heute gedacht, wann denn wieder ein Schwank aus deinem Leben zu lesen ist...

Buchdrucker47
05-02-2009, 23:22
Unbedingt! Bitte! Ich habe mir gerade heute gedacht, wann denn wieder ein Schwank aus deinem Leben zu lesen ist...

Danke, lieber krull,

Du beflügelst mich!

:wink:

shroeder
05-02-2009, 23:26
Unbedingt! Bitte! Ich habe mir gerade heute gedacht, wann denn wieder ein Schwank aus deinem Leben zu lesen ist...

dem is nix hinzuzufügen :bounce:

skorpio01
05-02-2009, 23:50
das wollt ich auch grad sagen.

soulman
06-02-2009, 00:29
her mitn gschichtl!
er harrt ungeduldig.:o

ps: ich hab mir all deine stories im word chronologisch abgespeichert um sie bei bedarf en bloc wieder lesen zu können ohne in den tiefen der bb-threads danach suchen zu müssen.
na wenn das kein ansporn ist....

Buchdrucker47
06-02-2009, 01:37
Weil es noch nicht allzu spät ist, und Ihr noch nicht
einschlafen könnt, wird Euch der Radopa noch ein
kleines Geschichterl erzählen:

Stets abgeneigt, einen sogenannten Pauschalurlaub zu
buchen, konnte ich doch nicht widerstehen, als ich vor
etwa 15 Jahren folgendes in der Volksverdummungspostille
namens "Kronenzeitung" (doppelseitiger Artikel) lesen musste:

Dieser Turm aus dem 16. Jahrhundert wurde zu einem
Hotel mit 82 Zimmern umgebaut. Ein Motorboot wird
zur freien Verfügung beigestellt.

Ich liebe alles aus dem 16. Jhdt., hoffte aber, dass das
besagte Motorboot nicht auch so alt seie.

Frohgemut fuhr ich mit der Bahn nach Rijeka und mit dem
Bus noch einige Stunden weiter, um dann vor einem
verschlossenen Burgtor zu stehen.

Orientalische Gelassenheit machte sich in meiner Seele
breit, also wartete ich in einer kleinen Cafeteria visavis
auf die Öffnung des Paradieses.

Schon nach wenigen Gläsern des dort gewachsenen
Rotweines erschien ein dubioser Mensch und öffnete
die Pforte.

Nachdem ich mich mit dem in Wien ausgestelltem
Voucher ausgewiesen hatte, wurde ich als erster Gast
freudigst begrüßt.

Eine Stunde später kam auch ein netter Mensch, der
sich als Koch ausgab, und so nahm das Verhängnis
seinen Lauf.

Wir tranken auf Kosten des Hauses (Turmes) soviel, wie
in den letzten 400 Jahren in diesen feuchten Gemächern
getrunken wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass die
extreme Gastfreundschaft auch darauf rückzuführen
sein könnte, dass ich aufgrund der vielen Urlaube in
Dalmatien der Sprache einigermaßen mächtig bin.

Das laut Prospekt versprochene Boot war, wie zu erwarten,
nicht vorhanden, aber der Sohn des Bürgermeisters
stellte mir seines (un)gerne zur Verfügung.

Das Schiffernakel schien aus der berüchtigten
skipetarischen Zwergzeder geschnitzt zu sein,
hatte aber, kaum zu glauben, vorne eine Kajüte,
in der zwei Personen (bei)schlafen konnten und
hinten einen Motor, der auch aus dem 16. Jhdt.
stammte.

Frohgemut schipperte ich nächsten Tags los, es war
der erste Maientag und es hatte schon 30 Grad Celsius.

Als ich die Bucht verließ, konnte ich mich mit dem
Geräusch, das der Motor plötzlich von sich gab, nicht
so wirklich anfreunden.
Es war ein schrilles Geräusch, vergleichbar mit dem
Durchsägen einer tiefgefrorenen Katze.

Ein kurzer Gang nach Achtern bewies meinen Verdacht.
Die Schiffsschraube hatte sich, bedingt durch einen
flüchtigen Splint, verabschiedet.

Was tun, sprach Zeus!? (Ich).

Ergriffen ergriff ich die Riemen (Ruder), die Gott sei Dank
vorhanden, und bewegte mich gegen die auslaufende
Flut Richtung Hafen, mit der imposanten Geschwindigkeit
von ca einer viertel Seemeile pro Stunde.

Nach sieben Stunden sah ich das Kap der guten Hoffnung.

Ich machte das Boot fest, kletterte einige Stufen empor,
ein Eingeborener begrüßte mich, als hätte ich ihn
soeben entdeckt und schüttete mir (nein, leider, kein Wasser),
einen Wortschwall über den Kopf.

Was Schiffsschraube auf jugoslawisch heißt, entzieht sich
noch immer meiner Kenntnis, wie man aber sagt: "Wenn
Sie mir nicht sofort etws zu trinken bringen, bringe ich Sie
um", das weiß ich auch heute noch.

Er brachte mir sofort eine "Bevanda", d.i. ein Viertel Liter
Wein mit Wasser und drei Sekunden später noch einmal
Dasselbe.

Und während wir so in den Sonnenuntergang hineinsprachen,
erschien wie aus dem Nichts der Sohn des Bürgermeisters,
nahm mich ins Schlepptau, eine viertel Stunde später war
ich wieder zuhause.

Nächsten Tags hatte ich nicht nur einen allgegenwärtigen
Sonnenbrand, sondern auch einen Sonnenstich mit
Schüttelfrost, meine Gedanken glitten ins Buddhistische
über. Om mani padme hum hum hum. Beim letzten "Hum"
erschien die Köchin (ich war noch immer der einzige Gast
im Hotel) und frug mich, was ich denn zu essen haben
wolle?
Ich murmelte leise: "Nichts", was sie freudigst zur Kenntnis
nahm und mir Pasta Asciutta und Wiener Schnitzel brachte.

Übernächsten Tags ging es mir einigermaßen besser, ich
torkelte nach unten zum Hafen und nahm ein versprochenes
nigelnagelneues Boot in Empfang.
Mißtrauisch beäugte ich den kleinen Tank des Motors, es war
ein "Tomos", ein Puch-Lizenzerzeugnis und verlangte sofort
einen 5-Liter Reservekanister, schließlich wollte ich nicht
jeden Tag gegen die Flut nach Hause rudern!

Aber oh Weh, kaum hatte ich die Bucht verlassen, begann
der Motor zu stottern und ich begann mich zu fragen:
Erstens: Warum bist du nicht mit dem Fahrrad gefahren!?
Zweitens: Warum haben die mir keinen Trichter mitgegeben!?

Es gelang mir, von den fünf Litern nur drei Liter ins Meer
zu schütten, aber ich kam nach Hause!

Der letzte Tag meines "Urlaubs" war sehr drollig.

Ein Reisebus mit Maturanten aus Varasdin stund vor dem
Turm, viele hübsche Mädchen quollen heraus und
installierten im ersten Stock sofort eine Musikanlage,
mit der die Rolling Stones auch zufrieden gewesen wären.

Ich zog es vor, mich mit dem begleitenden Lehrpersonal
zu unterhalten.
So warf ich zB dem mir intellektuell weit überlegenen
Mathematikprofessor Inkompetenz vor und spottete
ob seiner minimalen Entlohnung, um mich anschließend
der Englischprofessorin zu widmen, dh, ich frug sie, ob
sie allen Ernstes gedächte, diesen furchtbar slawischen
Akzent an ihre Schüler weiterzugeben, was ja zur Folge
hätte, dass diese nie und nimmer eine Chance hätten,
in einem europäischen Land auf reelle Weise ihr Brot
zu verdienen. Sie sprach dann nichts mehr mit mir,
wahrscheinlich mangelte es ihr an Worten.

Am nächsten Tag fuhr ich nach Hause.

Liebe Grüße,

Hans

:wink:

Evil_Jason
06-02-2009, 12:37
Zurück in Hamburg, bot mir die Reederei Leonhardt und
Blumberg ein Schiff an, das noch gar nicht von Stapel
gelaufen war, noch in der Werft lag, aber das ist schon
wieder eine andere Geschichte...

Wenn Ihr diese lesen wollt, so schreibt mir bitte,

Hans (leider ohne Pepi)

:wink::wink:


UUUUiiiiiiiiiiiiiiii, toll.
Und wie gings weiter?
Bin schon gespannt.:jump::jump:
:corn::corn:

soulman
06-02-2009, 19:02
a bissl a gretzn is er aber scho, unser buchdrucker, gell?:D

Evil_Jason
06-02-2009, 22:23
a bissl a gretzn is er aber scho, unser buchdrucker, gell?:D
:corn:

Buchdrucker47
08-02-2009, 22:30
Liebe Boardies,

es kann ganz schön auf den Geist gehen, immer die selbe Strecke
zu fahren. Das ist beim Rad fahren nicht anders als bei der
Seefahrt.

Nachdem ich also auf den Schiffen "Frank Leonhardt" und
"Bernd Leonhardt" vier Mal die Route: Finnland-Norwegen-
Hamburg-Rotterdam-Spanien-Italien und Zypern gefahren
war, ohne je, wie versprochen, Japan gesehen zu haben,
heuerte ich kurz entschlossen in Hamburg ab.

Eigentlich hatte ich vor, die Reederei zu wechseln, das
Angebot, das man mir aber im Kontor (Büro) machte,
konnte ich nicht ausschlagen.

Eine Nordamerikareise mit allen wichtigen Häfen der
Ostküste. Boston - New York - Philadelphia - Baltimore -
Norfolk - Newport News auf einem Schiff mit
10.000 BRT.

Schon am selben Tag saß ich im Zug nach Kiel, wo die
"Finn Leonhardt" noch ungetauft in der Werft lag.

Was ich vorfand, war ein alttestamentarisches Tohuwabohu.

Handwerker liefen scheinbar planlos kreuz und quer über`s
Deck, um das Schiff bis zum Übergabetermin fertig zu
stellen. Alle zehn Minuten fuhr ein Truck vor, der
blitzschnell ausgeladen wurde.

Ebenso planlos standen der "Erste Steward" und ich in der
Pantry (Anrichte) und warteten auf Teller, Tassen und
Besteck.

Der Koch war kopflos, weil topflos.

Proviant war noch nicht geliefert, aber in drei Tagen
sollte die Schiffstaufe mit anschließendem Stapellauf
stattfinden, zu der etwa 200 Gäste geladen waren,
alle highbrowed citizens aus der hamburger High Society.

Wir waren gezwungen, einstweilen mit den fragwürdigen
Produkten der Werftkantine vorlieb zu nehmen.

Am nächsten Nachmittag erbarmte sich das Schicksal
unser. Es erschienen zwei Trucks, vollbeladen, und so
liefen wir zu dritt bis spät in die Nacht hin und her,
treppauf treppab, um all dieser Gaben Gottes teilhaftig
zu werden und diese am zugehörigen Platz zu verstauen.

Wir hatten niemanden, der uns half (die Matrosen waren
noch nicht an Bord), also schleppten wir hunderte von
Kartons vollgepackt mit Zigaretten, Bier, Spirituosen,
Fleisch, Gemüse und Geschirr, um all dies in die dafür
vorgesehenen Schapps (Kästen) und Stores einzuräumen.

Ich weiß nicht, ob es damals schon Catering gab, oder ob
die Reederei zu geizig war, ein solches zu ordern.
Jedenfalls musste ich feststellen, dass für die
65-köpfige Mannschaft gerade 100 Teller geliefert
wurden (aber alle mit dem Reedereiwappen), wir aber
200 Gäste erwarteten. Für diese waren aber weder in der Kapitänsmesse, noch in der
Offiziersmesse zu wenig Platz.

Deshalb wurden, weil ja Sommer, in einer leeren Ladeluke
Holzbänke und Holztische aufgestellt.

Für uns bedeutete dies, dass wir, mit einer Hand vier Teller
balancierend (die andere Hand benötigten wir, um uns
festzuhalten), eine Hühnerleiter hinabsteigen mussten,
um in den Laderaum zu gelangen, nachdem wir die Distanz
von 50 Metern zur Kombüse zurückgelegt hatten.

Die hamburger Honoratioren waren etwas verwundert, das
Mahl schichtweise serviert zu bekommen,- kaum hatten
sie fertig gegessen, rissen wir ihnen den leeren Teller
weg, eilten (wieder über die Hühnerleiter) in die Pantry,
um das Geschirr abzuwaschen (Geschirrspüler gab es keinen,
hätte auch zu viel Zeit in Anspruch genommen), um sodann
wieder in die Kombüse zu hasten, um mit vier vollen
Tellern wieder in die Ladeluke abzutauchen.

Es ist mir bewußt, das dies alles nach Seemannsgarn klingt,
es spielte sich aber tatsächlich genau so ab, ich habe
leider zu wenig Fantasie, um Derartiges zu erfinden.

Wir hatten aber auch Glück im Unglück:

Erstens, wir brauchten nicht kassieren, da es sich um geladene
Gäste handelte.
Zweitens, jeder Gast musste sich aus den von uns schon
vorher auf den Tisch gestellten Flaschen selbst bedienen.
(Sie taten es reichlichst). Bier, Wein, Korn (Bommerlunder).
Drittens, alles was diese besoffene Brut überließ, durften
wir zu unserer eigenen Belustigung im eigenen Spind
bunkern, der sich dann naturgemäß als zu klein erwies.
Jedenfalls hatten wir noch wochenlang Spaß mt den Resterln.
Hicks!

Am nächsten Tag liefen wir zur Jungfernfahrt nach
Flensburg aus.


Von vielen Kapitänen jahrzehntelang erzählt, wurden
Berichte über sogenannte Monsterwellen stets als
unglaubwürdig beurteilt. Erst in den letzten Jahren
wurden aufgrund von Lasermessungen diese Meldungen
verifiziert. Diese Phänomene existieren.
Ich weiß ein Lied davon zu singen.

Aber davon das nächste Mal.

Schlaft gut, liebe Leser,
Es grüßt Euch,
Hans

:wink:

Evil_Jason
08-02-2009, 23:45
Hast du es eigentlich nach Asien geschafft, oder kommt das noch???

Buchdrucker47
09-02-2009, 00:25
Hast du es eigentlich nach Asien geschafft, oder kommt das noch???


Leider nein.

Es folgen noch zwei Seefahrtsgschichtln,
anschließend habe ich in Wien in der
Prosektur gearbeitet, aber ob das
jemand lesen will, bezweifle ich.
:rolleyes:

Hans
:wink:

tomdiver68
09-02-2009, 09:10
Danke ,
lieber Buchdrucker. Habe gerade nach meinen Urlaub:du: die Gschichtl´n nachgelesen.:D
Die Arbeitswoche kann kommen.:(

Buchdrucker47
14-02-2009, 02:58
Toktok, toktoktok, so klang es drei Tage nach dem Auslaufen
aus Flensburg.

Haben wir einen Specht an Bord?, so dachte ich, im Halbschlaf
in meiner Koje liegend.
Wie gut, dass unser Schiff nicht aus Holz gefertigt!
Wie war das damals übrigens bei der Arche Noah?
Hatte der gute Mann nicht auch ein Spechtpärchen an Bord?

Wieder halbwegs bei Bewußtsein, torkelte ich zur Waschmuschel,
um mir die noch verbliebenen Zähne zu putzen und stellte fest,
dass nicht der Restalkohol des Vortags der Grund meines
Torkelns war, sondern dass sich nächtens die ohnehin rauhe
Nordsee in eine noch rauhere verwandelt hatte.

(Ich weiß: "Rauh" schreibt man jetzt "rau" und Stengel "Stängel",
ich aber nicht).

Toktok, toktoktok, es war also kein Traum gewesen,also versuchte
ich, die Ursache des Geräusches zu ergründen.
Schon nach wenigen Minuten wurde ich fündig.

Ein Matrose klopfte mit einem Gummihammer auf DIE Hebel
der Stahltüren die,
den normalen Türen vorgelagert, einen Wassereinbruch
verhindern sollten.

Ein dreister Gedanke durchzuckte mein alkoholverseuchtes
Gebilde, das Anatomen als Gehirn bezeichnen!

"Will man die Nordsee von mir schützen oder mich vor der
Nordsee?"
Von überall schallte dieses Hämmern, es waren einige
Matrosen auf allen Decks am Werk.

So wurde mir das erste Mal bewußt, dass Klaustrophobie
ab nun kein Fremdwort mehr sei, sondern eine hautnah
erlebte Erfahrung.

Da die Matrosen zu beschäftigt waren, wankte ich weiter
bis zur Kombüse, um den Koch zu befragen.
Dieser meinte fröhlich, dass ein Frühstück nicht
in Frage käme (außer Rindssuppe), ein Mittagessen
könne ich vergessen, schließlich wären wir direttamente
in einer Schlechtwetterzone.

"Na gut", dachte ich, wird so schlimm nicht werden, hatten
wir doch den Sturm, der uns beim Auslaufen aus dem
Jössingfjord erwartete, auch abgeritten.

Randbemerkung: Es kann ein Orkan auch 2000 Seemeilen
entfernt sein, doch können die Wogen, die dadurch
verursacht werden, sich fortpflanzen und turmhoch
werden.

Da an Arbeit nicht zu denken war, konnte ich durch die
Bugfenster (nicht Bulleyes, die befinden sich seitlich),
beobachten, wie sich die See aufbaute.

Etwas, was man um sieben Uhr morgens noch als lustige
Schaukelei bezeichnen konnte, verwandelte sich binnen
weniger Stunden in einen Höllenritt mit bis zu 15 Meter
hohen Wellen.

Ein Sprichwort sagt: "Not lehrt beten".

Den Wahrheitsgehalt kann ich bezeugen.
Obwohl Atheist, begann ich, ohne es zu wollen,
Bruchstücke von mir noch im Gedächtnis haftenden
Gebeten vor mich her zu sabbern.

Ein Schiff wie die "Finn Leonhardt", für "Große Fahrt"
gebaut, konnte wohl mit 15 Meter hohen Wellen
zurechtkommen, nicht aber mit viertelstündlich
daherkommenden 30 Meter hohen Brechern.
Da wird`s dann wirklich gruslig.

Eine fünf Stock hohe Wasserwand, die den ganzen
Horizont einnimmt, prallt bis zur Brücke an die Aufbauten
und bringt das Schiff so zum Stillstand, als ob man gegen
eine Betonwand führe.

Diese Wasserwände haben bei großen Kreuzfahrtschiffen
die Panzerglasscheiben der Brücke zerschmettert,
mehrere Todesopfer gefordert und die gesamte
Bordelektronik lahmgelegt.

(Auch ein großer Frachter, die "München", verschwand
spurlos und unerklärlicherweise vor etwa 15 Jahren im
Atlantik, heute weiß man den Grund).

Ich starrte mit weit aufgerissenen Augen nach vorne,
kein Mensch weit und breit, wartete ob die nächste
Welle vielleicht noch höher sein werde und mir wurde
bewußt, dass Herr Einstein doch recht haben müsse,
was die Relativität der Zeit anbelangt.
Diese Stunden der Angst kamen mir wie Tage vor.

Am schlimmsten war das Gefühl des Eingesperrtseins.
Obwohl mir bewußt war, dass bei diesem Wellengang
trotz Vorhandenseins von Rettungsinseln und
Schwimmwesten nie und nimmer eine Überlebenschance
bestanden hätte, abgesehen von der Wassertemperatur.

Seltsamerweise sprach nächsten Tags, als all diese
Unbill der Natur vorbei, niemand mehr darüber, obwohl
jeder wusste, das wir dem Tode knapp entronnen waren.
Vortags noch blass um die Nase, fühlten sie sich
wieder als "Sealords".

Von Boston, dem ersten Hafen in den US sind mir nur
zwei Erinnerungen haften geblieben:
Der Liegeplatz des Schiffes war nur einen Kilometer
vom Flugplatz entfernt und so brausten auch schon damals
alle fünf Minuten in 30 Metern Distanz die Jets über unser Schiff.
An Schlaf war nicht zu denken.

Erinnerung Nummer zwei: In einem Nachtlokal vollführte
eine hübsche Hübsche jeden Abend einen Striptease in
einen riesigen Glaskelch. Betrunkene geile Männer (wie ich)
umstanden sie glupschäugig (nicht ich).
Ein Ami verriet mir, dass sie aus Österreich sei. Ja, sie war
aus Kärnten. Als sie erfuhr, dass ich nicht der Kapitän
des Schiffes sei, verlor sie schnell das Interesse an mir.


Liebe Boardies,

die nächste und letzte Story handelt in Newport News,
Virginia, wo ich drei Tage (und Nächte) mit sieben
Afroamerikanern in einer Zelle verbrachte und mich vor einem
kleinen Cafe fast der Blitz traf. (Distanz: Ein halber Meter).

Gute Nacht,

Hans

:wink:

noc
14-02-2009, 03:05
der Hebel, die Hebel

Sugarbabe
16-02-2009, 22:32
wieder a gewoidige Gschicht!:toll:

Buchdrucker47
21-02-2009, 01:59
Liebe Boardies,

Bodybuilder mögen für einige einen gewissen Reiz ausstrahlen,
ich gehöre nicht dazu. Zwei Meter Körpergröße vermögen
anscheinend nicht, einen deutlich merkbaren Mangel an
Gehirnsubstanz zu kaschieren. Diese geistigen Riesenzwerge,
auch "Marines" genannt, umringten mich, welch Lokal ich auch
betrat, in Norfolk, dem größten Marinehafen der Welt.

Obwohl im Süden der Vereinigten Staaten gelegen (wo man, so
dachte ich blauäugig, mit blauem Himmel rechnen könne),
war alles Grau in Grau: Die See, der Himmel, die Flugzeugträger,
die Kreuzer und Torpedoboote und die Zukunft deren Besatzung.

Dass nicht jeden Tag einige Dutzend dieser tapferen Burschen
sich gegenseitig totschlugen, war nur dem Umstand zu verdanken,
dass die MPs (Military Police) ständig präsent war.
Die waren noch um einige Zentimeter größer, hatten dazu
riesige Gummiknüppel und, das kommt freilich auch noch
hinzu, sie waren bewaffnet.

Man gestatte mir einen kleinen Exkurs in die altgriechische
Mythologie: Als der Professor am humanistischem
Gymnasium seinen Schülern erklärte, dass der Riese namens
Polyphem nur ein Auge hatte und deshalb nicht mehr
dreidimensional sehen konnte, die Felsbrocken, die er
gegen die anrückende feindliche Flotte warf, dadurch bedingt
nicht zu treffen vermochte, entgegnete ihm ein aufmüpfiger
Schüler, dass zu diesem Zeitpunkt Polyphem, dessen
einziges Auge, bedingt durch einen Steinwurf, der ihn mit
völliger Blindheit schlug, gar nichts mehr sah, erwiderte
obgenanner Professor: "Das kommt freilich auch noch hinzu".

Newport News, das ja nur eine halbe Stunde mit dem Bus
entfernt liegt, bleibt mir, obwohl eine Kleinstadt, in
unvergesslicher Erinnerung.

Eine kleine Bar, so klein, dass wenn drei Menschen reinwollen,
vier rausgehen müssen (wer ist denn dann überhaupt noch
drinnen?), verlockte mich, einzutreten. (Nein, nicht die Türe!).
Durstig wie immer, bat ich höflich um ein Bier.
Ich bekam es auch, allerdings erst nach Vorweis meines
Seefahrtsbuches, in dem mein Geburtsdatum vermerkt war.
Rigorose Sitten, but there rules "Law and Order".

Ein sehr sehr heftiges Gewitter war im Frack, nein,
im Anzug, und obwohl ich nach dem vierten Bier eigentlich
diese Kaschemme verlassen wollte, ich stand schon wenige
Zentimeter von dem Loch entfernt, das man in zivilisierten
Gegenden Türe nennt, besann ich mich aus unerfindlichen
Gründen eines Besseren und orderte noch ein fünftes
Budweiser. Sekunden später schlug der Blitz ein.

Und zwar genau dort, wo ich gestanden wäre, hätte ich
diese Altersüberprüfungsstätte verlassen.

Es muss sich um einen etwas geistig gestörten Blitz
gehandelt haben, schließlich weiß ja jeder einigermaßen
Gebildete, dass diese Strafe der Götter nur hochgelegene
Ziele suchen, oder darmgeplagte Menschenskinder, die
im Wald ihre Notdurft verrichten.

Zufrieden vor mich hinlallend, begab ich mich auf den
Weg zum nahen Hafen, wo ich schon eine Stunde später
mein Schiff wieder fand.


Eigentlich glaube ich nicht an solch Gewäsch wie Erdstrahlen,
Magnetismus, Kristallkugeln und ähnlich esoterischen Humbug.
Newport News brachte aber mein vermeintliches gefestigtes
Weltbild ins Wanken.
Zwei oder drei Tage später beehrte ich obgenanntes Lokal
wieder, um einer drohenden Dehydrierung abzuhelfen.

Kaum war mein physischer Flüssigkeitslevel wieder auf für
dem mir sehr genehmen und auch der Gesundheit sehr
zuträglichem Standard, verwies man mich des Lokals,
mit der etwas fadenscheinigen Ausrede: " We close".
Wie unromantisch!
Im selben Maß, wie der Drang wieder auf mein Schiff zu
gelangen, wuchs auch mein Drang, die prallgefüllte
Harnblase zu entleeren.

Allein, weit und breit, man glaubt es nicht,
es war kein Örtchen in Sicht.

Also fühlte ich mich notgedrungen bemüßigt, die nächste
Seitengasse heimzusuchen, wohl wissend, dass ich
ungestört dort pinkeln könne.

Weit gefehlt!!!

Schon wenige Sekunden später blieb in dieser von allen
Göttern verlassenen gegend ein Chevi mit kreischenden
Bremsen hinter mir stehen, ein dicker Mensch ohne Hals
(genau wie der Sheriff vion Springfield (Simpsons), hieß
mich einzusteigen und beförderte mich im Höllentempo
in das einzige Polizeirevier, wo ich sofort all meiner
Habseligkeiten entledigt wurde.
Er wollte mir auch die Schuhbänder nehmen, aber ich trug
Sandalen. :)

Sieben Afroamerikaner, (Neger darf man ja nicht mehr sagen),
begrüßten mich auf das Allernichtherzlichste, waren etwas
echauffiert, einen Weißen in der Zelle ertragen zu müssen,
(vielleicht stinkt der ja?), natürlich wollten sie den Grund
meines Inhaftiertseins wissen!

Schallendes Gelächter brach aus, als ich gestand: "I`have
been pissing against a wall".

Schon kurze Zeit später war mir klar, dass ich von diesen
Menschen nichts zu befürchten hatte.

Es waren Kleinkriminelle, die Autos geknackt hatten, um eine
Spritztour zu unternehmen oder ähnlichen Unfug.
Mir hatte man alles weggenommen, auch meine Zigaretten und
das Feuerzeug, darum wunderte es mich, wieso diese
Typen was zu Rauchen hatten. Ja, man bot mir sogar eine
Marlboro an!

Auch über das Frühstück kann ich mich nicht beschweren.
Es war opulenter als in jedem Bed and Breakfest.
Zwar im Blechnapf (Wer kennt das Buch nicht: Wer einmal
aus dem Blechnapf fraß), aber es war fast ein Lunch!

Keiner von meinen Mithäftlingen wußte, wo "Austria" sich
befinde, sie wußten ja auch nicht, dass es dieses Land
überhaupt gibt.

Nach drei Tagen hämmerte ich vehement gegen die
Zellentür. Ein Negerpapi erschien, der sofort die
Hauptrolle in "Onkel Toms Hütte" hätte spielen können.
Etwas dicklich, gemütlich, graumeliertes Haar.

Er frug mich: "Why do you make such a noise?"
Meine Antwort: `Cause I wonna get out!"
ER: "But everybody wants to get out of here!"
Meine Antwort: " But my ship is leaving the harbor this
afternoon!"

Zehn Minuten später wurde ich dem "Justice of Peace"
vorgeführt, der mich in seiner schon vorher ersichtlichen
Unkenntnis der Sachlage beeindruckt hatte.
Nach meiner unverblümten Schilderung meiner
Freveltat frug er mich: "Was that really all you`ve done?"
Ich bekam sofort all meine Habseligkeiten zurück.
Die große rote Weckuhr machte ihm ein wenig Kopfzerbrechen,
die hatte ich an einer Schnur in meiner Jacke, weil man meine
Armbanduhr ja in Savona geraubt hatte.
Es stellte sich auch heraus, das der Friedensrichter ein großer
Münzensammler vor dem Herrn war, er bettelte mir all mein
Kleingeld ab. Es waren aber wirklich nur kleine Nennwerte
aus skandinavischen Ländern.

Dann war dieser Mensch, der so gar nichts am Hut hatte, wie
seine Polizeikollegen, so freundlich, mir ein Taxi zu bestellen,
aber nicht, ohne den Taxifahrer zu beauftragen, er dürfe mich
zu "meinem" Schiff fahren und sonst nirgendshin.
Das hatte natürlich einen Grund. Erstens waren Haftkosten
aufgelaufen von 15 Dollar, zweitens wollte der Taxler ja auch
entlöhnt werden.

Eine Viertelstunde später waren wir (der Taxler und ich) an
Bord, erklommen Deck vier, wo der Funkoffizier haust,
Der Fuhrlohnsklave erhielt seinen Obolus, der Funker
grinste mich schäbig an und sagte: "Dat het ich nich
gedocht, dat ich dich wiederseh!".

Zwei Stunden später erscholl drei Mal lautes Tuten, das
bedeutet, "Schiff wendet, Schiff läuft aus.
Und ich war an Bord.

Es gibt von der Heimreise nach Hamburg nichts
Nennentswertes zu berichten.

Der "Erste Offizier", der auch für die Besatzung zuständig
ist, fragte mich, er war doch etwas neugierig: "Was werden
Sie denn jetzt in Wien machen?"
Ich antwortete prompt: "Ich werde in einer Prosektur arbeiten".
Er schüttelte nur den Kopf.


Nachbemerkung: Es gibt seit etwa fünf Jahren soviele Bücher
und Fernsehserien, in denen unglaubwürdige
Schauspielerinnen, die beinharte Frauen verkörpern und
mit Leichen hantieren, um einen Mord aufzuklären.
Die Realität ist viel trivialer.
Ich habe zwar nicht in der Forensik gearbeitet, kann aber
auch interessierten Boardies einen kleinen Einblick geben
in die Welt der Toten und wie diese "behandelt" werden.

Schreibt mir einfach ob`s Euch interressiert.

Liebe Grüße,

Hans

:wink:

tomdiver68
21-02-2009, 04:46
Fortsetzung :confused::confused::confused:

Am besten schon gestern :rofl:

gruß eines Süchtigen :wink:

Buchdrucker47
25-02-2009, 07:02
:wink:Liebe Boardies,

bedingt durch den Umstand, dass auf meine Frage, ob Ihr
denn an meinen Erlebnissen in
der Prosektur interessiert seid, und, außer von Tomdiver,
kein Feedback erfolgte, ziehe ich den Schluss, dass dieses
Thema sich nicht allzu großer Beliebtheit erfreut, was
ich verstehen kann.

Deshalb bringe ich Euch einen anderen Schwank aus
meinem Leben, der, weil Schadenfreude die schönste
ist, vielleicht Anklang findet:

Ein Fläschchen Underberg mag ein gar köstliches
Magenreparaturmittel sein. Dieser Ansicht war auch
ich, denn ich fühlte mich sehr wohl, als mir der Wirt
in meinem damaligen Stammlokal in Wien 20,
Traisengasse, mitteilte, dass er soeben mit
Hilfe seines Taschenrechners eruiert habe, dass
ich innerhalb von zwei Stunden einen halben
Liter dieses grusligen Zeugs in mich hinein
geschüttet hätte.

Er hatte diese Medizinalfläschchen in einer Art
Patronengurt an der Wand hängen und kaum war eines
leer, bestellte ich das nächste, ungeachtet dessen,
dass ich um 10 Uhr morgens mich von meinem sich
in einer Substandardwohnung befindlichen Lager
erhob, ohne vorher gefrühstückt zu haben.

An den Rest des Nachmittags und des Abends
kann ich mich nicht mehr erinnern, ich kann nur
ausschließen, dass ich nicht mehr mit dem Rad
unterwegs war. Das war der Samstag.

Natürlich hatte ich am darauf folgenden Sonntag
einen Filmriss, auch Palimpsest genannt, um die
Fachsprache der Kalksburger Psychiater zu
bemühen, wusste nicht mehr, ob ich ein
Männchen oder Weibchen seie, war jenseits
von Gut und Böse.

Der Portier im alten AKH, wahrscheinlich ein verkappter
Medizinstudent, schickte mich weg, obwohl ich
wortreich schilderte, dass ich meinen rechten Arm
weder spüren könne, noch dessen Finger imstande
sei zu bewegen.

Montags bewegte sich noch immer nichts.
Gezwungenermaßen fernrufte ich (Handy gab`s noch nicht),
die Druckerei, in der ich mein täglich kärglich Brot
verdiente, um meine körperliche Versehrtheit
mitzuteilen, um mich anschließend in die Obhut
einer Nervenärztin zu begeben, die, wie ich später
erfuhr, sich eines legendären Rufs erfreute.

Schon nach zehnminütiger Untersuchung begannen
ihre Augen sanft enthusiastisch zu glühen und sie
frug mich, ob ich mit der Behandlung nicht noch
zwei Monate warten könne, da ja dann der
Universitätsbetrieb wieder begänne und ihr
Kollege, der sehr geehrte Herr Professor
mich seinen Studenten vorstellen könne,
mein Leiden sei ein Phänomen und käme in
Wien nur zwei bis drei Mal im Jahr vor!

Ich hatte eine sogenannte Schlaflähmung, die,
bedingt durch schwere Alkoholisierung, dadurch
entsteht, dass man sich während des Schlafs
nicht mehr bewegt, sondern mit dem eigenen
Kopf die Armnerven abquetscht.

Da ich das sonderbare Ansinnen dieser Ärztin
ablehnen musste, mit der Begründung: "Wie
stellen sie sich das vor, gute Frau? Schließlich
soll ich arbeiten, sind Sie weltfremd?", überwies
mich die Psychotante an das Hanuschspital,
wo ich dann ambulant behandelt wurde.

Eine mollige drollige Schwester legte mir die
Kathode an der Handwurzel an, die Anode
in der Ellenbogenbeuge, tätigte einige
Einstellungen an einer Apparatur, die etwas
ostblockhaftes an sich hatte, und schon begann
mein Arm unfreiwillig zu zucken

Nächsten Tags begann ich, bedingt durch Langeweile,
schon an den wenigen vorhandenen Schaltern zu
drehen. Ich konnte jetzt die Stromstärke regulieren
und auch die Intervalle. Fasziniert sah ich meiner
Hand zu, wie sie versuchte, mir zu entfliehen.
Auch einen Tennisball bekam ich, den ich
kneten sollte, zwecks Beschleunigung der Heilung.

Langer Rede kurzer Sinn, 14 Tage später stand ich
wieder bei einer Druckmaschine und frug mich, ob
ich nicht doch die zwei Monate hätte warten
sollen, bis zur Eröffnung des Universitätsbetriebes,
um den sich hoffentlich dort befindlichen Studenten
zu demonstrieren, wie man`s nicht machen soll.

Es grüßt Euch,

Hans

:wink:

erdferkel
25-02-2009, 10:41
Bitte, bitte, hochverehrter Buchdrucker, verbalisiere auch deine Prosekturerlebnisse in deinem unverwechselbaren, kurzweiligen Schreibstil! :toll:

skorpio01
25-02-2009, 11:24
Schreib bitte, bitte, bitte, bitte einfach so weiter.
u made my day.:wink:

lotusblume
25-02-2009, 11:37
super!!!!:toll::rofl:


meine Kollegin bricht grad vorm Schreibtisch zusammen


Danke!!

shroeder
25-02-2009, 11:50
:rofl:

und natürlich wolln wir die prosekturgeschichten mit allen grauslichen details :D


:wink:

Niiiki
25-02-2009, 11:55
:wink:Liebe Boardies,

bedingt durch den Umstand, dass auf meine Frage, ob Ihr
denn an meinen Erlebnissen in
der Prosektur interessiert seid, und, außer von Tomdiver,
kein Feedback erfolgte, ziehe ich den Schluss, dass dieses
Thema sich nicht allzu großer Beliebtheit erfreut, was
ich verstehen kann.

Es grüßt Euch,

Hans

:wink:

Aber es hat auch niemand behauptet, dass du nichts darüber schreiben sollst....:D

Ich wäre für ein paar Gschichtln offen! ;)

Buchdrucker47
25-02-2009, 12:52
Um all DEN weiblichen Boardies, die da vehement behaupten,
ich sei schwanzfixiert, ein für alle Mal den Wind aus den
Segeln zu nehmen, folgen hier zwei Vierzeiler, die sie
hoffentlich eines Besseren belehren:


Ich bin so stolz!

Mein Penis riecht nach Sandelholz!

Des nächtens hör`ich leises Schaben,

er wird doch keinen Holzwurm haben!?




Mein Penis ist ein Sender!

des nächtens sendet dieser Pfahl,

den Frauen ein Signal ins Tal,

worauf sie all nach oben wallen,

dann ist er leider umgefallen.



Zugegebenermaßen war Letzteres ein Fünfzeiler.
Ich bitte trotzdem von Kondolenzschreiben,
meine Dichtkunst betreffend, Abstand zu nehmen.

Liebe Grüße,

Hans

:wink:

shroeder
25-02-2009, 12:58
Ich bin so stolz!

Mein Penis riecht nach Sandelholz!

Des nächtens hör`ich leises Schaben,

er wird doch keinen Holzwurm haben!?



:rofl::rofl::rofl:

soulman
25-02-2009, 16:02
lieber herr buchdrucker!

melde gehorsamt, dass ich in meiner sturm- u. drangzeit,
also vor etwa dreissig jahren auch einmal zu diesen besagten in wien
nur 2-3mal im jahr vorkommenden phänomen gehörte.
viel schlimmer noch, denn es passierte mir damals im burgenland, genauer gesagt
in der heutzutage als blaufränkischland bezeichneten gegend des
mittleren burgenlandes
(von da zur ungarischen grenze sind es gerade einmal 10km,
man hat verwandte dort und kennt sich hüben wie drüben - doch dazu später...)
wo - so neheme ich an - ob des intensiveren vorkommen von
alkoholischen getränken, diese lähmungserscheinung etwas weniger
phänomenales haben dürfte.
ich also an einer etwas bekannteren erscheinung litt.
es ist mir also voll bewusst, welch abartige gedanken
du über dich selbst damals gehabt haben musst.

damals - ausschlaggebend war ein zeltfest - kümmerte mich dieses phänomen allerdings wenig,
denn ich fuhr danach mehrere tage einarmig mit dem auto durch die gegend.
lenken und schalten musste also abwechselnd passieren, denn es
war ja gottseidank der linke arm der mich temporär im stich liess.
lediglich auf das blinken verzichtete ich damals.
macht aber nix, denn wohin ich wollte wusste ich auch so
und die anderen gings ja eh nichts an.

nachdem ich aber als wenig lernresistent gelte, bemühte ich mich
fürderhin auch mit einem gewaltigen rausch nicht in embryohafter
stellung auf einem meiner beiden oberarme als kopfpolster einzuschlafen.
anscheinend ist es mir gelungen, da diese lähmung kein weiteres mal vorkam.
ungeachtet dessen änderten sich aber die orte an denen ich mich in morpheus schoß begab nicht.
wirtshaustische und zeltfestbänke, ziegelpaletten und ladepritschen waren vor mir damals nicht sicher.
dazu fällt mir auch eine kleine geschichte ein:

es begab sich, dass der warme juni ins land zog und sich am
zweiten wochenende desselben das wiederkehrende fest der blasmusik in unserem ort stattfand.
das erfreute sich bei den homies grosser beliebtheit, zumal im grossen festzelt am sportplatz für tanz,
musik und speis und trank und allerhand anderes kurzweil gesorgt war.
der samstagabend an diesem feste war der jugend gewidmet,
weshalb auch eine örtliche band schlager für zurückgebliebene und
anderen lärm von sich gab der die alkoholgeschwängerte dorfjugend
grölen und schunkeln liess.
ich war davon nicht ausgenommen.
jedoch - mit schnellem schritt, die zeit eilt fort, wir eilen mit -
wie bereits wilhelm busch wusste, neigte sich auch hier das fest dem ende zu.
die luft im zelt war so dick, dass man sie fast schon wie plastilin kneten konnte
und der atem der jugend befand sich bereits gefährlich nahe dem zündpunkt.
trotz allem rauchten auffällig viele munter weiter.
so wie die anderen war auch ich bereits von explosiver gefährlichkeit,
weshalb ich beschloss - mich steuerte bereits nur mehr das vegetative
nervensystem und das denken wurde nur mehr vom rückenmark als primitivste
form von gehirnmasse übernommen - mich vor dem zelt zu erleichtern.
das stark erhöhte maß an sauerstoff, das einem beim verlassen
des zeltes in die verrauchten lungen und von dort direkt ins blut fuhr
liess den bis dato latenten vollrausch förmlich im gehirn explodieren.
propulsive peristaltik, zu deutsch: der drang zu scheissen, trieb mich
in richtung häuslwaggon. derselbe war mit zwei eingängen, einmal mädchen,
einmal knaben ausgestattet. um diese eingänge zu erklimmen
standen davor jeweils eine relativ steile, 4-stufige treppe samt geländer
aus aluminium. meine HPU (human processor unit) die ich als backup
bereits laufen hatte, groß- u. kleinhirn waren wie berichtet ja bereits
von sleep mode in narcotic mode übergegangen, konnte jedoch kein
gültiges WENN > DANN ergebnis für ein zeitgerechtes erklimmen
und damit verbundenen erreichen des scheisshauses liefern.
es konnten die beiden parameter "schneller angschissen als am topf"
und "schneller am topf als angschissen" also nicht zuverlässig errechnet werden.
ich- nein, mein instinkt - beschloss also lieber gleich dort wo ich gerade war,
einen dem gebären ähnlichen schaffensprozess zu simulieren.
nämlich auf einer gedachten geraden zwischen zeltausgang und häuslwaggon.
und wie ich da so hock und dabei mehrere halb- u. fertig
fermentierte bratwürste, grillhühner und koteletts in wechselnder
festigkeit hinter mir lasse, fühle ich wie der flüssigkeitpegel aus
meinem magen langsam hochsteigt.
kaum gefühlt, schon erlebt könnte zwar ein werbeslogan von einem reisebüro
genausogut aber einer aus einem puff sein, allein hier wars anders.
während ich nämlich noch mit den letzten paar äusserungen am heck beschäftigt war,
röhrte ich vorne los wie ein wild gewordener V8, dem gerade einer,
oder besser gesagt alle kühlerschläuche platzen.
binnen sekunden hat sich vor mir eine dampfende pfütze aus allem was eine zeltfest-küche
an festen und flüssigen substanzen hervorbringen kann gebildet.
die aufsteigenden dämpfe derselben erinnerten stark an einen verunfallten chlorgas-tanker auf der autobahn.
doch damit nicht genug, sei erwähnt dass mein tun und wirken
auf diesem taufeuchten sportplatzrasen auch einiges an artistik vorausgesetzt hat.
nämlich in der hocke zu scheissen allein ist ja noch keine kunst.
dieses aber gepaart mit kotzen nach vorne schon viel eher.
und noch viel mehr, wenn man dabei trachtet trotz erhöhtem
blutspiegel im alkohol dabei auch noch die balance zu halten.
neigt man sich dabei nämlich zu weit nach hinten, kackt man zwar
sicher ins gras, reihert sich jedoch unweigerlich in die heruntergelassenen hose.
was ein anziehen danach sehr unwahrscheinlich werden lässt.
wahrscheinlich ist das auch mit ein grund warum man so oft
betrunkene menschen nur halb bekleidet herumtaumeln sieht.
um das vollreihern der unterhose hintan zu halten trachtet man nun
sich möglichst weit vor zu beugen, was im falle von unachtsamkeit
trotz allem dazu führt, dass man sich dennoch in die hose scheisst.
in die herunter gelassene nämlich.
egal wie, jedenfalls war es die mühe wert, denn danach überfiel
mich eine bleierne müdigkeit.
ich brauchte dringend eine lagerstatt.
nicht weit von jenem ort wo ich ca. 5kg bzw. 20ltr. DNA zurückgelassen habe,
stand ein alter vw-pritschenwagen samt plache.
ich erklomm diesen, kroch hinein und fand platz auf einer anderen
zusammengeschlagenen plache wo ich sofort einschlief.
und das war gar nicht gut!
merke: der gelernte trinker ist in der lage immer und überall seinen
rausch auszuschlafen. einzige ausnahme und strikte zu meiden sind
a) lebendige objekte mit wenigstens zwei, besser vier beinen.
also kühe, pferde, esel oder auch känguruhs (soferne der beutel groß genug ist) und
b) tote objekte die von selbst oder durch lebende menschen von einem ort
zum anderen bewegt werden können. also fahrzeuge mit von 2 bis 200 rädern,
schiffe und u-boote sowie flugzeuge, raketen, ballons egal welcher
bauart und ufos.
ich habe in jungen trinkerjahren dagegen verstoßen!
geweckt wurde ich durch lautes, gläsernes scheppern, geschrei in einer
mir unverständlichen sprache und gleißend helles licht sowie dröhnenden motorengeräusch.
schnell stellte sich heraus, dass das laute gläserne scheppern vom abladen zahlreicher kisten
voll mit leerflaschen kam. das unverständliche geschrei stammte
von aufgeregten älteren männern, die meiner gewahr wurden
als sie die letzten kisten beiseite schafften.
und unverständlich war das geschrei deswegen, weil wie sich später herausstellte
diese männer nur ungarisch schrieen.
das gleißend helle licht war das ungefährlichste am ganzen. es war schlicht die liebe sonne.
und das dröhnende motorengeräusch war eigentlich auch nicht wirklich da,
zumal der fahrer des fahrzeuges auf dem ich aufgebahrt lag,
schon vor einigen stunden den motor abgestellt hatte und kein
weiteres fahrzeug in sicht war. nachdem dieses dröhnende
motorengeräusch aber überall war wo ich war,
kam ich zu dem schluß, dass dies wohl oder übel mein eigener kopf sein müsste.
die aufregung war schnell erklärt.
als betrunkener in österreich ein fremdes fahrzeug als schlafplatz auserkoren.
im morgengrauen fuhr der lenker desselben wieder nach hause.
was ich nicht wissen konnte und zu diesem zeitpunkt wärs mir wahrscheinlich
auch ziemlich wurscht gewesen, war, dass der lenker als auch das
kfz ungarischer herkunft war. und dass der ungar ein freund vom örtlichen wirt,
der die ausspeisung im festzelt bediente war oder ist.
möglich war das ja nur, weil das ganze zu einem zeitpunkt besser gesagt
im jahre 1989 stattfand, als der eiserne vorhang bereits ernste rostschäden hatte
und demzufolge ziemlich durchlässig war. grenzkontrollen von A nach H
fanden so gut wie gar nicht mehr statt. umgekehrt ein wenig mehr.
irgendwie kamen wir überein, dass man mich nicht behalten wolle und ich nicht
hierbleiben möchte. ein noch etwas älterer herr meinte radebrechend
auf deutsch-ungarisch, dass es wohl besser sei jetzt als später
zu verschwinden, zumindest aber bevor noch jemand auf die idee käme,
dass dies behördlicherseits geregelt werden sollte um sich nicht die eigenen finger
mit mir schmutzig zu machen. manchmal kam mir vor als wüssten
sie etwas von meinem menschlichen rühren in der vergangenen nacht.
jedenfalls dauerte es nicht lange und ich durfte abermals auf der pritsche platz nehmen,
mit der man mich dann ausserhalb des orts brachte.
gottseidank kannte ich die umgebung ja von den diversen einkaufs-reisen
am wochenende und das eine oder andere mal ist man auch hier
vorbei an die ungarische seite des neusiedler sees geradelt.
an einem seitlich abgehenden feldweg hielt mein schlafwagen.
der fahrer deutete mir abzusteigen, meinte noch
"finfhundert meter gehen, dann links runter, springen iber boch, dann esterreich.....jo napot!"
winkte mir zu und verschwand hinter einer gelben, pannonischen staubwolke.
also begann ich meinen fußmarsch aus einem zerbröselnden ostblock
durch einen löchrigen eisernen vorhang in den goldenen westen.
niemand hielt mich an, niemand wollte etwas von mir...
ich war mit den resten eines gewaltigen vollrausches mutterseelenallein auf weitem flur.
und es ist nicht alles schlecht wenn was schlecht ist.
denn mein marsch nach hause hatte auch etwas philosophisches.
kaputt aus dem kaputten osten in den (damals noch) intakten westen um ebenfalls wieder intakt zu werden.
diese und andere gedanken gingen mir dabei durch den kopf.
staubig und sonnenverbrannt kam ich unter verwunderten blicken zu hause an,
leerte dort zuerst eine dreiviertel flasche mineralwasser, dann eine dose bier,
beides in einem zug und stellte mich dann unter die dusche
um dem aufkeimenden sonnenstich zuvorzukommen.
danach fiel ich ins bett und erwachte erst irgendwann montag nachmittag.

aber schön war es doch!

Evil_Jason
25-02-2009, 16:48
:rofl::rofl::rofl::rofl::rofl:
Ich brech nieda.
Auch super geschrieben

lotusblume
25-02-2009, 16:50
Oida!

jetzt hast uns arbeitsunfähig gemacht:rofl::rofl::rofl:

Sugarbabe
25-02-2009, 21:25
Oida!

jetzt hast uns arbeitsunfähig gemacht:rofl::rofl::rofl:

nur gut, dass ich des erst nach der Arbeit gelesen hab :devil::rofl:

Buchdrucker47
28-02-2009, 04:27
Liebe Boardies,

da das heutige TV-Gesülze tres miserable war, ist mir wieder
ein Geschichtlein in den Gänsekiel geflossen, genauer, eine
Hagiographie, nämlich das Leben des hl. Biciclius, des
Schutzpatrons der Radfahrer, der im vorvorigen
Jahrhundert lebte:


Der Wind pfiff um die schroffen Spitzen der südlichen
Ausläufer der Dolomiten, als plötzlich durchs Sturmgetos
der schrille Schrei eines Neugeborenen unüberhörbar
zu vernehmen war.

Den guten Menschen in Cambio di Campagnolo rann es
kalt den Rücken runter!
Wahrscheinlich weil es regnete und die Dächer nicht
ganz dicht waren, genau wie der stolze Vater, von
Beruf Radrahmenbauer.

Er baute die schönsten Rahmen im Trentino, kein Wunder,
entwendete er doch nach und nach aus dem kleinen
Schlößchen, das sich schmiegsam an die Hügel rankte,
alle blöd herumhängenden Ölbilder, entrahmte diese,
und baute mit oder aus diesem vergoldetem Holz
seine Rahmen.

Das lieb Mütterlein war eine angelernte Einspeicherin,
als Rohstoff dienten ihr die Speichen von alten
Regenschirmen, die ja überall herumliegen oder
stehen, weil sie bekanntlicherweise gerne vergessen
werden.

So fristeten die Beiden ein karges, aber
unzufriedenes Dasein.

Aus der Kindheit des hl. Biciclius ist nur wenig
überliefert, doch fiel seinen Erzeugern auf, dass
wenn Bici, so nannten sie den Kleinen liebevoll,
seine Hand auf ein Laufrad legte, jeglicher
Hoch- oder Seitenschlag wie durch ein Wunder
in Windeseile verschwand und sich in eitel
Wohlgefallen auflöste, wie der Herr Papa,
wenn er genug des Grappas getrunken hatte.

Auch über die Schulzeit, die Bici in der
zweiklassigen Volksschule im Nachbarort
Colnago verbrachte, weiß sein Lehrer,
Herr Caesare Matto, wenig zu berichten.

Dass er die Schulhefte,
zwei Jahre lang mit Fahrrädern
vollkritzelte, anstatt Lesen und Schreiben zu lernen,
wurde doch mit einem Einser benotet, weil die
Räder, die er zeichnete, so schön waren.

Bici, so wollen auch wir ihn fortan nennen,
sparte eisern, woher er das Geld hatte, entzieht
sich unserer Kenntnis (Opferstock?) und so konnte er sich
schon als Zwölfjähriger ein Vorderrad leisten,
mit dem er auch sein erstes Rennen bestritt.

Wie nicht anders zu erwarten, gewann er dieses
und somit auch eine Medaille aus dubiosem
Buntmetall, deren Aversseite (Vorderseite)
recht hübsch geschnitzt war, die Reversseite
(Hinterseite) aber leer, da er ja ohne Hinterrad
gefahren war.

Der heilige Biciclius war auch ein Erfinder!
So erfand er, als er wieder einmal den ganzen
lieben langen Tag mit Trainieren, Beten und
Grübeln verbracht hatte, überraschenderweise
die Fahrradbremse.

Mit diesem zugegebenermaßen sehr nützlichem Accessoire
wurde er weit über die Grenzen seiner Heimatprovinz
bekannt. Dies führte zu einer drastischen Abnahme der
Unfälle, besonders bei Bergabzeitfahren!

Wie die meisten uns überlieferten Heiligen,
hatte auch Bici ein frugales, aber streng
durchdachtes Ernährungskonzept.

So nahm er zum Beispiel nur Honig (Nektar) von
vegetarisch lebenden Bienen zu sich und trank
nur den etwas herben Wein (Ambrosia), der auf
den verkrüppelten Stöcken in den schattseitig
gelegenen Rieden von Cambio di Campagnolo wuchs,
was vielleicht die Erklärung sein könnte, dass sein
Antlitz, auf den wenigen uns erhaltenen gebliebenen
Kupferstichen, leicht sauertöpfisch wirkt.

Ein weiteres Wunder, sich schon in der Adoleszenz begeben habend,
war, dass sich anders als
bei seinen Teamkollegen, sein Rennrad, sobald
Scherben von Glasflaschen, die besoffene Bauern
weggeworfen hatten, auf der Straße lagen, sich etliche
Zentimeter wie von Geisterhand erhebend, darüber
hinwegglitt, ohne Schaden zu nehmen!

Ja, in hellen Neumondnächten vermeinten viele
Gläubige, einen leichten Anflug von Heiligenschein
an Bici wahrgenommen zu haben.

Alle Admiranten liefen herbei, um die einzige, sich
im Familienbesitz befindliche Banknote (50 Lire)
segnen zu lassen, waren doch dann auch sie im
Besitz eines Heiligen Scheins!

Nicht nur die Bremse hat unser über alles geliebter
und verehrter Bici erfunden!
Auch die Pedalclips!

Da die Zehennägelschere in Cambio di Campagnolo
eine etwas untergeordnete Rolle spielte,
(Das heißt, niemand hatte eine oder kannte jemanden,
der eine gehabt hätte), wuchsen so Bicis Zehennägel
fröhlich so vor sich hin und krümmten sich alsbald
ums Pedal. Alles klar?

Ein weiteres Wunder!
Gar viele seiner Adepten versichern glaubwürdig,
eine weiße Taube über diesem gesegnten Haupte
schweben gesehen zu haben.
Dies ist nicht von der Hand zu weisen, haben doch
Paläophrenologen unzweifelhaft auf dem
skelettiertem Schädel des hl. Bici rückseitig
Ätzspuren festgestellt, ein Umstand, der
zweifelsohne auf Taubenkot zurückzuführen ist!

Über das spärliche Sexualleben von Bici ist nur
ein Umstand überliefert.
Wenn er um die wenigen vorhandenen Jungfern
balzte und von diesen auf das Schnödeste
abgewiesen wurde, sang er des nächtens
stundenlang (mehrstimmige!) Choräle,
zum Entsetzen seiner Erzeuger, aber zum
Gaudium des ortsansässigen Pfaffen.

Der heilige Biciclius starb jung, wie es sich für
Helden und Heilige geziemt.

Er hatte beim Bergabzeitfahren vergessen, die
von ihm erfundenen Bremsen zu montieren.

Wir werden ihn alle schmerzlich vermissen,
aber seiner gedenken.

Liebe Grüße an alle Boardies,

Hans

:wink:

Evil_Jason
01-03-2009, 20:04
Lieber Buchdrucker,
Wir alle finden deine Stories (oder doch Storys??) sehr lesenswert. Nur weil keiner auf deine Geschichten reagiert, heißt das noch laaaaaaaange nicht, dass wir nicht an deinen Fortsetzungen interessiert sind.

Im Gegenteil, mittlerweile ist es sogar zu einer Selbstverständlichkeit gekommen, dass wir mehr über deine Erlebnisse und Geschichten erfahren/ lesen möchten und somit ist es sicherlich von uns auch unnötig, Nachrichten zu schreiben in denen weitere Fortsetzungen von dir erbeten werden.

Ich hoffe dir nun alle Zweifel genommen zu habe und verbleibe mit freundlichen Grüßen:wink:,
Jason



PS: Bin schon auf weiter G'schichterln gespannt...:toll::toll:

Buchdrucker47
02-03-2009, 11:02
Lieber Buchdrucker,
Wir alle finden deine Stories (oder doch Storys??) sehr lesenswert. Nur weil keiner auf deine Geschichten reagiert, heißt das noch laaaaaaaange nicht, dass wir nicht an deinen Fortsetzungen interessiert sind.

Im Gegenteil, mittlerweile ist es sogar zu einer Selbstverständlichkeit gekommen, dass wir mehr über deine Erlebnisse und Geschichten erfahren/ lesen möchten und somit ist es sicherlich von uns auch unnötig, Nachrichten zu schreiben in denen weitere Fortsetzungen von dir erbeten werden.

Ich hoffe dir nun alle Zweifel genommen zu habe und verbleibe mit freundlichen Grüßen:wink:,
Jason







PS: Bin schon auf weiter G'schichterln gespannt...:toll::toll:


Danke, lieber Jason, Deine tröstlichen Worte sind Balsam für
meine arme Seele, you made my day! :flower: :flower: :flower:

Hans

:wink:

PS: Storys lt. Duden

lotusblume
02-03-2009, 11:07
....ich schließe mich dem Vorposter an!


bitte bitte hör net auf......

LG LB

Buchdrucker47
02-03-2009, 12:38
....ich schließe mich dem Vorposter an!


bitte bitte hör net auf......

LG LB



Ganz lieb, verehrtes Lotusblumerl!

Schluchz!

:wink:

Caileen
02-03-2009, 12:53
Liebe Boardies,

soeben ist mir auch ein Text verschwunden, an dem ich soeben
zwei Stunden geschrieben habe.
Der Grund ist mir schleierhaft, weiß ich doch nicht, weil Newbie,
wie man solchen Text speichern kann.

Schreib deine Texte lieber zuerst im Word (oft zwischenspeichern) und dann erst kopiere sie ins BB.
So wird nichts verloren gehen. :zwinker:

Buchdrucker47
02-03-2009, 13:21
Schreib deine Texte lieber zuerst im Word (oft zwischenspeichern) und dann erst kopiere sie ins BB.
So wird nichts verloren gehen. :zwinker:


Das ist eine ganz ausgezeichnete Idee, Caillie!!!

(Leider weiß ich nicht, ob ich Word installiert habe,
nicht, wie man da reinschreibt,
nicht, wie man zwischenspeichert
und auch nicht, wie man den Text kopiert).

Ich trage auch nur Schuhe mit Klettverschluss,
weil ich nicht weiß, wie man Schnürs Enkel bindet!

Trotzdem vielen Dank für die bei mir leider verlorene
Liebesmüh`.

:U:

:wink:

lotusblume
02-03-2009, 14:01
Das ist eine ganz ausgezeichnete Idee, Caillie!!!

(Leider weiß ich nicht, ob ich Word installiert habe,
nicht, wie man da reinschreibt,
nicht, wie man zwischenspeichert
und auch nicht, wie man den Text kopiert).

Ich trage auch nur Schuhe mit Klettverschluss,
weil ich nicht weiß, wie man Schnürs Enkel bindet!

Trotzdem vielen Dank für die bei mir leider verlorene
Liebesmüh`.

:U:

:wink:

dann tscheck dir eine Sekretärin
und bitte die halt regelmäßig zum Zitat:D

Csyrh
02-03-2009, 14:10
dann tscheck dir eine Sekretärin
und bitte die halt regelmäßig zum Zitat:D
na da kommt er dann wahrscheinlich gar nimmermehr zum Schreiben so wie ich den Buchdrucker bisher gelesen hab... :D
aber wahrscheinlich hat er statt Wort das Sternenbüro. das ist ja auch viel günstiger.

lotusblume
02-03-2009, 14:12
na da kommt er dann wahrscheinlich gar nimmermehr zum Schreiben so wie ich den Buchdrucker bisher gelesen hab... :D
aber wahrscheinlich hat er statt Wort das Sternenbüro. das ist ja auch viel günstiger.

wurscht, und wenn er Hyroglyphen stemmt - schreiben muß er:cool:

Csyrh
02-03-2009, 14:26
wurscht, und wenn er Hyroglyphen stemmt - schreiben muß er:cool:

er schreibt wohl mit Gänsekiel! :cool:


Liebe Boardies,

da das heutige TV-Gesülze tres miserable war, ist mir wieder
ein Geschichtlein in den Gänsekiel geflossen.....

lotusblume
02-03-2009, 14:27
er schreibt wohl mit Gänsekiel! :cool:

eh scho innovativ!

GrazerTourer
02-03-2009, 14:33
@buchdrucker
Unter Umständen hilft dir das:

Du klickst auf "Start" -> Ausführen

dann tippst du folgendes ein "notepad" (ohne Anführungsstricherl) und tippst dort deinen Text.

Diesen Text speicherst du ganz einfach irgdnwo hin (zB auf deinen Desktop = Hintergrund ;)

Um den Text zu kopieren drückst du im Fenster wo du gerade den Text geschrieben hast gleichzeitig die tasten "Strg+A" als odie Strg Taste und die A taste zugleich. dann husch husch ins Bikeboard und dort einfach einen neuen Beitrag erstellen, ins Textfeld klicken und STRG+C drüken. dann ist dein text hier drin.

Buchdrucker47
02-03-2009, 14:39
eh scho innovativ!


Ja, und es war gar nicht so leicht, die USB-Verbindung
zwischen Gänsekiel und Faltrechner herzustellen! :)


:wink:

Buchdrucker47
02-03-2009, 14:46
@buchdrucker
Unter Umständen hilft dir das:

Du klickst auf "Start" -> Ausführen

dann tippst du folgendes ein "notepad" (ohne Anführungsstricherl) und tippst dort deinen Text.

Diesen Text speicherst du ganz einfach irgdnwo hin (zB auf deinen Desktop = Hintergrund ;)

Um den Text zu kopieren drückst du im Fenster wo du gerade den Text geschrieben hast gleichzeitig die tasten "Strg+A" als odie Strg Taste und die A taste zugleich. dann husch husch ins Bikeboard und dort einfach einen neuen Beitrag erstellen, ins Textfeld klicken und STRG+C drüken. dann ist dein text hier drin.



Danke, Grazer Tourer, ich werd`s versuchen.
Wenn Ihr nichts mehr hört von mir, dann bin
ich in den unendlichen Weiten des WWW
verschwunden...

:wink:

Caileen
02-03-2009, 16:43
Um den Text zu kopieren drückst du im Fenster wo du gerade den Text geschrieben hast gleichzeitig die tasten "Strg+A" also die Strg Taste und die A taste zugleich und gleich drauf "Strg+C". dann husch husch ins Bikeboard und dort einfach einen neuen Beitrag erstellen, ins Textfeld klicken und Strg+V drücken. dann ist dein text hier drin.


Jetzt passt es besser, wordtechnisch gesehen. :zwinker:

Buchdrucker47
10-03-2009, 04:33
Liebe Boardies,

eine Fortsetzung, (wir nähern uns den Leichen).

Dieses Mädchen war hübsch, sehr hübsch sogar, eine kleine
Schönheit!
Schlank, sehr schlank, dunkelbraune Augen und neugierig,
sehr neugierig!

Nach meiner Rückkunft aus Hamburg war ich mangels
Bargeld gezwungen, in einem Autodrom im Wurstelprater
als Fahrchipsverkäufer zu arbeiten, wo man das Salär täglich ausbezahlt bekam.

SIE stand jeden Sonntag mit einer Freundin am Rande des
Geschehens und warf mir rehäugige Blicke zu, die an
Eindeutigkeit nichts vermissen ließen.

Natürlich ließ ich sie gratis fahren, alle hübschen Mädels
dürfen gratis fahren, das nennt man Emanzipation!

Ich selbst war nicht mal krankenversichert, hätte ich mir
den Fuß gebrochen, hätte ich mir das selbst zahlen müssen.

Die Arbeitszeit von 12 Uhr mittags bis 24 Uhr kam mir auch
sehr gelegen. (Langschläfer, der ich bin).

Zum Gespött meiner zwei Kollegen wurde ich erst, als
ich ihnen mitteilte, dass ich 150-200 Schilling pro Abend
verdiente.
Sie verdienten fast das Doppelte, weil sie bei der Rückgabe
des Wechselgeldes nicht ganz so penibel waren.

Dieser Job war eigentlich recht lustig, weil die Fahrgäste
sehr heiter oder sehr betrunken waren oder beides.

Weniger lustig empfand ich es allerdings, als ich um ein Uhr
morgens in der Unterführung am Praterstern zusammenge-
schlagen wurde, weil ich den drei miesen Typen nicht meine
letzte Zigarette geben wollte.

Die Liebe zum Autodrom war gestorben, nicht aber die
Liebe zu meiner rehäugigen Freundin!

Nur sonntags hatte sie Ausgang, den verbrachten wir dann
in meiner Substandardwohnung im 20. Wr. Gemeindebezirk.

Das war sehr schön.

Ansonsten arbeitete sie als Verkaufslehrling in einem
Herrenausstattungsgeschäft.

Unweit der Wiener Börse befand sich die
Personalaufnahmestelle der Gemeinde Wien,
Abteilung Gesundheitswesen.

Es war nicht leicht, der sich dort befindlichen Beamtin
klarzumachen, dass ich in einer Prosektur arbeiten wolle!
Sie war von der Überzeugung besessen, dass ich nekrophil seie
und es war auch nicht leicht, ihr klarzumachen, dass mein Ansinnen
ein auf Neugierde beruhendes seie, gepaart mit einem
sozialem Helfersyndrom.

Ein anderes Gegenargument ihrerseits war: "Wie stellen sie
sich das vor, da gibt es Dutzende in den Wiener Spitälern,
die schon monatelang, ja, jahrelang darauf warten, diesen
Job zu bekommen"!

Meine Antwort war: " Ich möchte nächsten Montag beginnen".

Randbemerkung: Fast alle Leute, die ich traf, waren
felsenfest davon überzeugt, dass man, erstens, in dieser
Branche wahnsinnig gut verdient, und, zweitens,
man jeden Tag eine Flasche Rum gratis zur Vertrinkung
bekäme.
Dem ist (war) nicht so.

Ad eins: Als Buchdrucker hätte ich das Dreifache verdient.
Ad zwei: Hätte ich nur das kleinste (Alk)-Fähnlein gehabt,
wäre ich selbigen Tags noch fristlos gekündigt worden.

Ein großer, kräftiger Hausarbeiter begleitete mich die
Stufen in das Reich der Toten hinunter, um mich
aufzufangen, sollte ich angesichts der ersten Leiche
ohnmächtig werden. Unverrichteterdinge verließ er schon
wenige Minuten später das Leichenetablissement.

Der Kollege, etwa 50 Jahre alt, der mich einschulte,
klagte ständig über einen diffusen Druck auf der Leber.
Er hatte sich bei einer infektiösen Leiche Hepatitis "C"
eingeheimst. Das Saufen kam freilich auch noch hinzu).

Schon nach wenigen Wochen in denen er mich in die
Geheimnisse des Aufschneidens, Zerlegens, Zunähens
und Einsargens eines Totens eingeweiht hatte, war er plötzlich
verschwunden, er verbrachte seine Tage bei seinem
Sohn, der in der Portierloge saß und sein Dasein unter
Zuhilfenahme mehrerer Doppler des weißen Weines fristete.

Eine lustige Geschichte:
(Untertitel: Meine Freundin kommt zu Besuch).

Dieses zierliche Persönchen hatte tatsächlich die Neugier
und die Courage mich an meiner Arbeitsstätte zu besuchen.
Schnurstracks stapfte sie die Stufen bergab, stutzte nur
kurz, und begab sich dann recht flott zur nächstgelegenen
Leiche, deren Schädeldecke ich kurz zuvor mit einem
rostigen Fuchsschwanz (kein Scherz) entfernt hatte,
um die leere Kopfhöhle und das danebenliegende Hirn zu
aus nächster Nähe zu begutachten.

Allerdings fand ich ihre Fragen sehr drollig.
(Bitte, nicht zu vergessen, dass sie durch die katholische
Gehirnwäsche geprägt war!)

"Was passiert denn eigentlich mit der Seele eines Toten und
wie sieht diese aus"?

Ich versuchte, etwas Unfassbares in Worte zu fassen, etwa so:

Die Seele verlässt nach drei Stunden den Körper, sie sieht
aus wie ein gelber Badeschwamm, lässt sich dann am
Heizkörper nieder, (der bei uns an der Decke angebracht war),
wird immer transparenter und verschwindet dann vollends.

Sie glaubte diesen Humbug tatsächlich, was meiner Liebe zu
ihr keinen Abbruch tat.


Das nächste Mal werde ich über eine lustige Pathologin
erzählen, über eine winterliche Fahrt in das Hainburger KH
und Kunstfehler, die einem Primarius auch passieren
können, die aber dem Patienten das Leben gekostet
haben. (Alles schon verjährt, keine Regressforderungen mehr).

Bleibt mir gewogen,
das wünscht sich,

Hans

:wink:

Evil_Jason
17-03-2009, 01:52
Nun, meine gestrige erlebte Story ist vielleicht nicht so genial geschrieben wie die vom Buchdrucker:toll: und co.:klatsch:, aber ich möchte sie dennoch erzählen:


Aus Langeweile und des miesen Fernsehprogramms wegen, wollte ich die neue Autobahn, die A6, abfahren und erproben. Dort stellte ich fest, dass die "Neue" doch einige Schönheitsfehler hatte. Die Fahrbahn war teilweise so uneben, dass ich dachte ich würde mich umkippen oder querdrehen. Aber nein, alles ging gut.

Ich beschloss die Abfahrt Kittsee zu nehmen, da ich nicht auf der slowakischen Autobahn fahren wollte, weil keine Vignette.

In Kittsee angekommen wollte ich eigentlich wieder umdrehen, aber ich entschied mich dafür, einen kleinen Auslandsausflug zu unternehmen.

Nach verlassen des Österreichischen Grund und Boden kam ich auf eine Landstrasse, wo ich jedoch keine Bodenmarkierungen, keine Leitschienen, keine Randpfosten, welche Rückstrahler hatten, ausmachen konnte. In dieser Dunkelheit war es sehr schwer den Straßenrand zu erspähen. Das Schicksal gab mir sogar noch eine Extraportion herumlaufender Feldhasen als Zugabe, die sich jedoch nur in Wiesen den und Äcker zu erkennen gaben. Bis jetzt.

Nach kurzer Fahrzeit erreichte ich eine Autobahnüberführung, worauf ich auf zwei Schutzwege für Fußgänger stieß. Wieso ausgerechnet mitten in einer unübersichtlichen, scharfen Kurve genau im Scheitelpunkt der Überführung Schutzwege für Fußgänger errichtet wurden, wobei der Gehweg nicht als solcher auch nur annährend zu vermuten wäre, entzieht sich mir jeglicher Kenntnis.

Ich erreichte eine Grenznahe Ortschaft namens Jarovce, obwohl ich auf dem Ortsschild Bratislava zu lesen glaubte. Ich entschloss mich aber dann rasch den Heimweg anzutreten, weil ich um spätesten 23 Uhr wieder zu Hause sein wollte. So befahl ich meinem GPS mich nach Hause zu führen und sofort bekam ich die Anweisung: „Links abbiegen“. Ich wollte allerdings auf dem selbigen Wege zurück nach Österreich fahren und so drehte ich um, da mich mein GPS auf die slowakische Autobahn führen wollte und ich mir wegen ein paar hundert Meter keine Vignette zulegen wollte.

Nachdem ich das Ortsendeschild passierte, begann ich zu beschleunigen, aktivierte das Fernlicht und als ich gerade schalten wollte, entdeckte ich mit Schrecken einen Feldhasen genau in meiner Spur sitzend. Sofort wurde eine Notbremsung eingeleitet, von der der Hase ganz irritiert, vermutlich weil auch das Fernlicht noch immer aktiviert war, im Kreis lief und dann endlich Straße überquerte. Natürlich schaffte ich es rechtzeitig stehen zu bleiben und so fuhr ich besonders aufmerksam weiter. Kurz vor erreichen der Grenze traf ich wieder auf einen Hasen, dieses mal allerdings brauchte ich nur mäßig abzubremsen und zu hupen und schon lief der Hase davon

Nach dem Grenzübertritt musste ich wegen eines herannahenden Zuges stehen bleiben und durfte mit ansehen wie der vorletzte Waggon genau vor mir anhielt, weil die Station wohl kleiner war, als der Zug lang. So blieb der Schranken doch einige Zeit geschlossen und als es dann endlich wieder weiterging, bekam ich vom GPS die Anweisung zum Linksabbiegen auf einen asphaltierten Güterweg. Ich vermutete eine Abkürzung und folgte der Aufforderung. Nach ein paar Minuten erhielt ich dann eine weitere Anweisung und so bog ich in eine Straße ein, die sich später als Sackgasse herausstellen sollte.

Nach dieser Anweisung befand ich mich zwar noch immer auf einer asphaltierten Strasse, jedoch war die so breit, dass sie eher einer Einbahnstraße ähnelte und ich bekam den Eindruck, dass es sich hier um eine Zufahrtsstrasse, zu in der Nähe befindlichen Äcker, handeln müsse. Nach ein paar Minuten jedoch fuhr ich plötzlich auf einer gut ausgebauten, 2-spurigen Landstrasse und schon ertönte die Nachricht: „In 400m links abbiegen“.
"Eine gute Abkürzung", dachte ich, jedoch wurde ich bald darauf schwer enttäuscht.

Als ich mich der Kreuzung näherte, musste ich leider feststellen, dass diese „Landstrasse“ genau bei der Kreuzung endete, weil dort massive Betonbarrieren aufgestellt wurden. Ich versuchte einen Weg zu finden um die Barrieren zu umfahren, jedoch befand sich auf einer Seite ein riesiges Gebüsch und auf der anderen Seit ein breiter Graben. So musste ich wieder die ganze Strecke zurückfahren und als ich endlich die Untere Hauptstraße in Kittsee wieder an der Stelle befuhr, wo ich sie zuletzt verließ, ignorierte ich schließlich sämtliche GPS- Ansagen, wo ich dauernd zum Abbiegen aufgefordert wurde.

Kurz vor erreichen der Autobahn stimmten die Aufforderungen wieder überrein und so ging es über die tückischen Bodenwellen der neuen Autobahn A6 auf die A4 und von dort direkt nach Hause ohne weitere Zwischenfälle.


Ich hoffe, dass diese Geschichte nicht so langweilig ist und freue mich schon auf weitere Storys vom lieben Buchdrucker.:jump::jump:

Mit freundlichen Grüßen,:U:
Evil_Jason:qualm:

noc
17-03-2009, 02:05
[COLOR=black]
...
Ich hoffe, dass diese Geschichte nicht so langweilig ist und freue mich schon auf weitere Storys vom lieben Buchdrucker.:jump::jump:

Mit freundlichen Grüßen,:U:
Evil_Jason:qualm:

Die Geschichte war leider ziemlich uninteressant, aber DU hast hoffentlich wenigstens etwas draus gelernt.

Evil_Jason
17-03-2009, 02:08
Die Geschichte war leider ziemlich uninteressant, aber DU hast hoffentlich wenigstens etwas draus gelernt.

Naja, der versuch wars wert...

Buchdrucker47
17-03-2009, 15:29
Naja, der versuch wars wert...

@Jason!

Also die Geschichte selbst finde ich schon interressant,
sie gehörte halt, wie soll ich`s nur sagen,
stilistisch etwas bearbeitet, dh manches weggelassen,
anderes dagegen wiederum etwas ausgeschmückt.

Titel: "Wie man mit dem Navi dort nie hinkommt, wo
man sowieso nie sein wollte". Oder so ähnlich....

Kopf hoch!

Hans

:wink:

Buchdrucker47
17-03-2009, 17:04
Liebe Boardies!

Hier eine neue Folge aus der Serie:
"Geschichten, die niemanden interessieren".

"Ich finde ihre Bemerkung unappetitlich", murmelte die
Frau Doktor und warf mir einen strafenden Blick zu.
Sie war ein zierliches Persönchen von etwa 45 Jahren
und ging in ihrem Beruf völlig auf.
Filterlose Zigaretten der Marke Austria C rauchte sie
in Kette, schien es nicht zu bemerken, wenn die
Asche in die geöffnete Leiche fiel, und, da sie ohne
Handschuhe zu arbeiten pflegte, war auch das
Mundstück der Zigarette stets blutig.

Eigentlich war ihr Dienstort das nahe gelegene
Elisabethspital, doch zwischen 11 und 13 Uhr
"erledigte" sie die bei uns angefallenen fünf bis
sieben Verstorbenen dank meiner Vorarbeit in
zwei Stunden.
Die Befunde sprach sie in ein Diktaphon, dessen
Minikassette ich ins Sekretariat brachte, sobald
sie gegangen war.

Die weibliche Leiche, die vor uns lag, war etwa
35 Jahre alt, ca 140 Kilo schwer und um sieben
Uhr morgens noch quicklebendig gewesen.
Sie hatte noch fröhlich Frankfurter mit
Erdäpfelsalat geschmaust, um dann in der
Straßenbahn zusammenzubrechen.
Es war den Rettungsärzten nicht gelungen,
sie zu reanimieren und so fand sie sich eine
halbe Stunde später bei mir am Marmortisch
wieder.

Ich hatte alte, leicht rostige, von der Chirurgie
ausgemusterte Skalpelle zur Verfügung, deren
Klingen vom oftmaligem Schleifen schon sehr
kurz waren. Diese erleichterten auch nicht
gerade das Durchdringen der 15 Zentimeter
dicken Fettschicht, um an die Innereien zu
gelangen, die noch 33 Grad warm waren.

Zwischenbemerkung eins:
Vom Zeitpunkt des eingetretenen Todes bis zur
Leichenöffnung ist eine Mindestwartezeit von
drei Stunden vorgeschrieben.
Zwischenbemerkung zwei, betreffend Verwesungsgeruch:
Ich weiß zwar, wie entsetzlich ein Leichnam duftet, der
im Sommer schon 14 Tage vor sich hin west, dieser
Geruch blieb mir an meinem Arbeitsplatz Gott sei Dank
erspart, da ich es nur mit frischen oder im Kühlraum
gelagerten Toten zu tun hatte.
Zwischenbemerkung drei:
Wir hatten, weil wir ein armes Spital waren, leider keine
Stryker-Säge, mit der eine Schädelöffnung eine Sache
von Minuten gewesen wäre.

"Mmm, das riecht ja verführerisch", war mein Kommentar,
als ich den Magen öffnete und der hastig verschlungenen
und schlampig gekauten Frankfurter ansichtig wurde.
Ebendiese unqualifizierte Bemerkung trug mir den
eingangs erwähnten Tadel der Pathologin ein.
Als diese das Herz in feine Scheiben geschnitten hatte,
war die Todesursache schnell gefunden.
Die kleinen gelben Flecken, die auf abgestorbenes
Muskelgewebe schließen ließen, sprachen eindeutig
für einen Herzinfarkt.

Ich war erleichtert. Wäre es ein cerebraler Insult
(Gehirnschlag) gewesen, hätte ich mit schon besagtem
rostigen Fuchsschwanz die Schädeldecke öffnen müssen.
Eine schweißtreibende Arbeit, dazu kommt noch der nicht
sehr delikate Geschmack von Knochenstaub im Mund, den
man schwer los wird.

Kaum war die Frau Doktor gegangen (die ich übrigens sehr
schätzte, weil sie ganz ohne Standesdünkel mit mir
plauderte und mir, einem im wahrsten Sinne des Wortes
blutigen Laien, geduldig erklärte, was sie gerade im
Begriff sei zu tun und weshalb), begann erst mein
wahres Martyrium.

Ich hatte bei der Städtischen Bestattung den größten
Sarg geordert, der vorrätig, doch alle Versuche, mit
Hilfe eines Spitalshausarbeiters der guten Frau eine
letzte Ruhestätte zu verschaffen, misslangen.
Sie war einfach zu breit.
Erst bei dem zweiten Sarg, einer Sonderanfertigung,
hatten unsere kräftezehrenden Bemühungen Erfolg.
Zu sechst trugen wir dann die unförmige Kiste die
steilen Stufen zum wartenden schwarzen Wagen
empor.

Fortsetzung folgt (hoffentlich)

:wink:

lotusblume
17-03-2009, 17:22
oh no!

das Bild bekomm i nimmer ausm Kopf:D

tomdiver68
17-03-2009, 17:36
Danke Buchdrucker!

Hab grad gegessen:k:

Ab jetzt lese ich die Spitalsgschichtln immer vorm essen.:rofl:
Vielleicht nehm ich dann ab weil ich keinen hunger mehr hab.:D

soulman
17-03-2009, 22:51
apropos frankfurter im toten magen...da fallt ma a witz ein:

gengan zwaa sandler auf der strossn.
sagt der ane zum andern:
"heast i hätt an hunger. waast nix wo ma wos ohstauben kenna?"
drauf der andere:
"na jo...so direkt ned, owa glei ums eck is a spitoi. do kennt ma vurbeischaun ob in dera kuchl bei dena wos fir uns ohfoit!"
na de zwa woggln in des spitoi eine.
in gang entlang dreimoi ums eck, a gang länger ois da andere und wias so is im leben, hom si de zwaa im nu varrennt und finden die kuchl ned.
drauf der ane:
"heast jetz schau ma no bei dera tür eine und wann daun des aa ned die kuchl is gemma hoid wieder."
de zwaa reissn de tür auf und bleim wie augwurzlt stehn!
se san mitten in da prosektur.
drauf der andere:
"heaaast, duurt schau hii...do liegt jo a leich."
drauf der andere:
"joo, geh kumm, de schau ma si au."
"geht scho, schau man si au."
"heast bistu deppert, den homs aufgschnittn vom spotz bis zur gurgl!"
"do schau des is es herz."
"joo und des do is de leber."
"und do is da mogn...jöö schau, mohnnudln hod er gessn!"
"geh wäää...i hob koide mohnnudln no nia megn!"
"ah i scho. aa oisa koida hob i 's gern gessn!"
und scho faungt er au die mohnnudln aus den totn sein mogn zum aussapicken und issts.
kurz drauf wird den sandler owa sowos vo schlecht.
gaunz weiss is er in gsicht und da koide schwitz rinnt eahm owe.
es dauert ned laung und er speibt in hochn bogen mitten in die prosektur.
drauf da aundre:
"na jo...jetz wo de mohnnudln wieder woarm san wir i 's hoid aa probiern!"

Evil_Jason
17-03-2009, 23:05
wäääääääääääähhhhhh:k:
:rofl::rofl:

noc
17-03-2009, 23:35
Naja, der versuch wars wert...

War net so gemeint, wie dus vielleicht verstanden hast.
Ich denk mir nur, dass du vielleicht jetzt nichtmehr auf das deppade GPS vertraust ;)

Evil_Jason
18-03-2009, 00:01
War net so gemeint, wie dus vielleicht verstanden hast.
Ich denk mir nur, dass du vielleicht jetzt nichtmehr auf das deppade GPS vertraust ;)

Jo eh...
Nicht, wenn ich den Weg selber weiß... weiss... Schxxxx neue Rechtschreibung

roots
18-03-2009, 00:06
weiss... Schxxxx neue Rechtschreibung

http://www.rubeina.com/wp-includes/images/smilies/shake.gif

;)

Buchdrucker47
21-03-2009, 19:11
Liebe Boardies,
wieder eine Story aus der Serie:
"Geschichten die niemanden interessieren".

Winter war`s, nur mit Mühe bahnte sich meine lichtblaue
Puch DS 50 den Weg vom 20. Bezirk den Weg durch das
tiefverschneite Wien zum Spital.

Kurz vor Dienstschluss erschien ein hagerer sauertöpfisch
blickender Typ, der, mit einer Sense versehen, bei jedem
Wandertheater ohne weiteres die Rolle des Gevatter Tod
spielen hätte können.

Er stellte sich mir als Pathologe vor, der selbigen
Abends noch nach Hainburg fahren müsse und einen
Gehilfen suche, 180 Schillinge wären zu verdienen.
Unter ständigem Geldmangel leidend, sagte ich sofort
zu und schon eine halbe Stunde später befanden wir
uns in Simmering.

Der Kampf gegen den Schnee konnte beginnen!

Schneepflüge sahen wir keine. Entweder waren diese
noch nicht erfunden, oder sie hatten sich gut versteckt.

Der Wind heulte und angesichts der meterhohen Schnee-
wächten verhielt sich der Mercedes wie eine Nussschale
im Nordatlantik. Manche dieser Wächten konnten wir erst
nach mehrmaligem Rammen überlisten.

Der Herr Doktor sprach nichts. Er war nicht der
Wortgewaltigsten einer.
Mit einer Stunde Verspätung endlich in Hainburg
angekommen, erblickte ich zu meinem Erstaunen
eine Horde von Soldaten einer Spezialeinheit, die
rings um den Prosekturtisch standen, der Dinge
harrend, die da kommen sollten.

Fünf oder sechs verdächtige Leichen, deren Todesursache
ungewiss, erwarteten uns.
Bei einer bestand der Verdacht, dass sie im Spital vom
Bettnachbarn nächtens gemeuchelt worden sei, doch
stellte sich die Schuldlosigkeit des Vorgenannten schnell
heraus. Er war am Spinat erstickt, der als Beilage
zum (letzten) Abendmahl gereicht wurde und den wir
dann auch in der Lunge fanden.

Der Spinat war noch grün und so waren auch die Gesichter
der tapferen Vaterlandsverteidiger.

Der wortkarge Wanderbühnentodesdarsteller gab mir nur
kurze Anweisungen, ich assistierte, kaum war er mit einem
seiner ebenso schweigsamen "Kunden" fertig, begann ich
diesen zuzunähen und holte den nächsten Deliquenten.

Wie dieser Arzt mit den verschiedensten Leichenteilresten
herumfetzte, bleibt mir unvergesslich.
Aus den "Abfällen", die rund um den Tisch am Boden lagen,
hätte man mit einigem Frankensteinschem Geschick locker
noch einen neuen Homunkulus basteln können und mit
etwas Starkstrom vielleicht auch wieder zum Leben
erwecken.

Sehr froh war ich, als ich erfahren durfte, dass die
Beseitigung dieses Massakers in die Kompetenz der
jungen uniformierten Helden fiel, mit der fadenscheinigen
Begründung, dass auch sie sich an den Anblick des Todes
gewöhnen sollten.

Die Heimfahrt nach Wien verlief wie die
Hinfahrt: Schweigend.
Ich habe diesen pathologischen Schlächter nie wieder
gesehen. Wahrscheinlich ist er auch schon tot.
Hoffentlich.

Liebe Grüße,

Hans

:wink:

Evil_Jason
21-03-2009, 21:46
Wie dieser Arzt mit den verschiedensten Leichenteilresten
herumfetzte, bleibt mir unvergesslich.
Aus den "Abfällen", die rund um den Tisch am Boden lagen,
hätte man mit einigem Frankensteinschem Geschick locker
noch einen neuen Homunkulus basteln können und mit
etwas Starkstrom vielleicht auch wieder zum Leben
erwecken.


Mjamm. Muss wohl lecker ausgesehen haben.
Na dann:U:

Buchdrucker47
29-03-2009, 00:17
Und wieder eine Story für die literarisch-nekrophil interessierten
Boardies:

"Ja, wissen sie, Herr Kollege, ich habe dem Patienten vor drei
Jahren den linken Lungenflügel entfernt....", wollte sich das
kleine alte Männchen im Steireranzug rechtfertigen, doch ich
unterbrach ihn grinsend. "Ich bin nicht ihr Kollege".

Ratlos blickend zeigte er auf meinen weißen Plastikschurz,
den einst ein Gastpathologe namens Dr. Gerstner mit Hilfe eines Kugelschreibers gekennzeichnet hatte.

"Ich bin hier bloß der Prosekturdiener".

Abrupt machte der Primarius kehrt, lief mit rotem Kopf die
Stufen hinauf und ward nicht mehr gesehen.

Zuvor hatte ich ihm, meinen kleinen Fundus von Fachausdrücken
lateinischen und griechischen Ursprungs verwendend,
erklärt, welch Kunstfehler ihm unterlaufen sei, der
schlussendlich zum Tod seines Patienten geführt hatte.

Eigentlich wäre es nur eine simple Resektion von Magengeschwüren
gewesen, der sich der Privatpatient unterziehen sollte, doch war
aufgrund des nicht mehr vorhandenen Lungenflügels der Magen
an den Herzbeutel angewachsen.

Genau dort befand sich aber noch ein Ulcus, das der von mir
nicht sehr verehrte Herr Primarius übersehen hatte.

Und so pumpte das gequälte Herz, fröhlich lustvoll langsam,
aber stetig Blut in den Magen, von wo es in den Darm gelangte,
der, bedingt durch den verdauten Lebenssaft, einer Blutwurst
verzweifelt ähnelte.
Um vier Uhr morgens verstarb der Bedauernswerte.

Dies alles hatte mir meine Lieblingspathologin anschaulich
erklärt und demonstriert, wobei sie nicht umhin kam, ständig
mit dem Kopf zu schütteln, weshalb, wie schon erwähnt,
noch mehr Zigarettenasche in die Leiche fiel.

So gesehen, ist es kein Wunder, wenn Ärzte, insbesonders
Chirurgen, so wenig Vertrauen zu Kollegen haben.

Auch mir mangelt es an Vertrauen, obwohl selbst kein Arzt.
Wurde mir doch, als ich mich vor etwa 30 Jahren in kaltem
Schweiß gebadet, schwer und schnell atmend, in die sich
im ersten Bezirk befindliche Ordination eines senilen Arztes
schleppte, sofort Effortil (ein kreislaufanregendes Mittel)
intravenös gespritzt bekam, was die Sachlage derart verschlimmerte,
dass der Herr Doktor sich gezwungen sah, die Rettung zu
rufen, die mich dann mit Blaulicht in die Herzambulanz brachte.

Dies wäre mir erspart geblieben, hätte dieser "Arzt" die richtige
Diagnose gestellt. Ich litt an einer durch Stress ausgelösten
vegetativen Dystonie und Hyperventilation, mit zehn mg Valium
intravenös wäre ich schon 15 Minuten später beschwerdefrei
gewesen.

Zurück zu meinen kalten "Kunden".
Dort kann es auch lustig sein!
"Er" zählte zwar erst 40 Lenze und hatte innerhalb von zwei
Jahren drei Lokale eröffnet, der Gieraal (Raffzahn), nun war er
tot, Herzinfarkt.

Nackt und mit Waschbrettbauch lag dieser Adonis in Warteposition
auf einer Bahre und harrte des Skalpells.

Unsere Putzfrau, ein altes spindeldürres verhutzeltes Weiblein,
musterte den toten Schönen, dann wandte sie sich zu mir und
stieß mit hexenhaft kichernder Stimme hervor: "Dem steht er
owa a nimma"!

Was lernte ich daraus?
Auch medizinisch völlig unbeleckte Laien können oft überraschend
treffsichere Diagnosen stellen!

Diesbezüglich lügt die Statistik ausnahmsweise nicht:
Frauen haben halt eine längere Lebenserwartung als Männer.
Wenn nun diese mehr oder weniger lustigen Neowitwen zu
mir in den Hades abstiegen, um mir die Sargbekleidung zu
bringen (tolle Maßanzüge von Silbernagl und Knize, damals
2oooo Schillinge oder mehr) drückten mir diese Frauen 50 oder
100 Alpendollar in die Hand und äußerten gar drollige Wünsche.

Die meisten wünschten, dass ich ihren erkalteten (Ex)gatten
noch frisiere und rasiere, brachten auch noch das
Lieblingsrasierwasser mit (nein, es war nicht Pitralon),
einige übergaben mir Jugendfotos, wahrscheinlich noch von
Daguerre angefertigt, ich sollte diese in der Brusttasche des
Sakkos verstauen.
Eine Trauernde reichte mir schluchzend eine Zahnbürste plus
einer Tube Lieblingszahnpasta des Verflossenen, ich sollte
diese Toiletteartikel als Grabbeigabe in den Sarg legen.
(Wissen`s, er hod se hoid imma so gern de Zähnd putzt!)

Eine kleine pieätetlose Unart möchte ich auch nicht verschweigen.
Ich habe diese von meinem Vorgänger geerbt.
Wenn ich während des Zunähens eines Verblichenens, zB telefonisch
gestört wurde, steckte ich die Nadel zwecks leichterer
Wiederauffindung dieser, dem gerade Behandelten in die
Nase. Das blutet nicht, tut auch nicht weh. Es ist nicht die
feine englische Art, aber recht praktisch.

Die Hypophyse ist eine in der Schädelbasis liegende Drüse,
deren Hormone das Wachstum regelt. Ich sammelte diese
wurmfortsatzähnlichen Drüsen eifrig in einem formalingefülltem
Glas, denn bekam ich doch pro Stück von einem
14täglich erscheinendem Pharmaheini 20 Schillinge.
Aus diesen Drüsen wurde ein Präparat hergestellt, das
zwergwüchsigen Kindern zu weiterem Wachstum verhalf.
Dass ich mich damit strafbar gemacht hatte, entnahm ich erst
viel später den Zeitungen.
In Klagenfurt wurden einige Prosekturbedienstete wegen
"unerlaubter Entnahme von Leichenteilen (bedingt) verurteilt.

Sehr erstaunt war ich, als mir nach der Eröffnung des Abdomens
(Bauchdecke) ein Blutschwall entgegenquoll. Höchst verdächtig!
Als braver Staatsbürger verständigte ich sofort telefonisch die
Obrigkeit, sprich, die Kripo des für uns zuständigen Polizei-
kommissariats. Schon wenig später erschien ein griesgrämiger
Kriminalbeamter, der die männliche Leiche "beschlagnahmte" und
deren sofortigen Abtransport in die damals noch in der sich in
der Sensengasse (welch passender Name!) befindlichen
gerichtsmedizinischen Abteilung veranlasste.
Es bestand der Verdacht auf ein "stumpfes Bauchtrauma".

Die Nachbarn hatten aus der Wohnung lautstarken Streit
gehört, es hätte die Möglichkeit bestanden, dass das
innigst geliebte Eheweib den damals noch unter den
Lebenden weilenden in den Bauch getreten hätte.

Neugierig wie ich war, rief ich nächsten Tags meine Kollegen in der
Gerichtsmedizin an.
Nein, die Frau war schuldlos (wie ja fast immer).
Den armen Gatten hatte der Zank so aufgeregt, dass aufgrund
des in bedrohliche Höhen gestiegenen Blutdrucks ein
Aortenaneurysma (von dem er selbst nichts wusste), in der
Bauchhöhle geplatzt war.
Dieser Blutverlust führt binnen weniger Minuten schmerzlos
zum Exitus. Ein schöner Tod, beneidenswert!


Nun ist, weil alles zu Ende geht, auch meine Story zu Ende.
(Einige unter Euch werden aufatmen).

Liebe Boardies, mir ist natürlich bewußt, dass Ihr fast alle
jünger seid als ich und deshalb der Gedanke an das Sterben
oder den Tod gerne ausgeblendet oder verdrängt wird, eine
Tatsache, die ich sehr gut verstehen kann, weiß ich doch
noch, wie ich als 20- oder 30jähriger darüber dachte.
(Das ist alles noch so weit weg...)

Es liegt mir fern, einen neuen Thread zu eröffnen, trotzdem
würde es mich interessieren, schon alleine deswegen, weil
wir, egal ob MTB-Fahrer oder RR-Fahrer laut
Verkehrsstatistik mit einem Pedal im Grab stehen.
Ihr könntet natürlich posten: "Jaja, eines Tages müssen wir
alle in den Asphalt beissen", für mich wäre das aber nur
eine Aussage von "Postingschindern"

Schreibt mir bitte Eure Gedanken, wie Ihr mit dem
"Unausweichlichem" fertig werdet.
Eure Meinung ist mir wichtig und ich werde, so gut ich es
kann, darauf reagieren.

Es grüßt Euch herzlich,

Hans

:wink:

lotusblume
29-03-2009, 11:02
Lieber Buchdurcker!

Danke für deine erfrischende Herangehensweise an dieses tödlich Thema. Ich muß jedesmal über Deine Geschichten herzhaft lachen. Und lachen ist ja bekanntlich gesund und hält am Leben....

Wenn ich gehe - und das dauert noch - dann mit Humor und eben so wie ich zu leben gedenke: intensiv und gut!

Wobei ich eigentlich nicht auf einem deiner erwähnten Stahlbetten landen möchte. Auch der Gedanke mit der Nadel in der Nase wirkt net besonder erotisch post mortum... also werd ich mich in eine Urne vertschüssen und nochmal rauswinken:wink:

baba lb

Sugarbabe
30-03-2009, 23:16
ja liebe LB, es mag ja noch Zeitgenossen gebn, die Dich gern vor sich liegen hätten. Wie's allerdings ausschaut, wenn mal der Zahn der Zeit daran genagt hat, sei dahingestellt :devil:

Buchdrucker47
18-04-2009, 02:05
Hallo Boardies!

Jason bat mich, weiterzuschreiben.
Es folgt eine ware Geschichte.
(Das "h" fehlt absichtlich!

Tja, der Tag begann eigentlich so harmlos.
Ich hatte gut geschlafen und war bestens gelaunt, weil ich wie
üblich von einer ohne Höschen tanzenden Cancan-tanzenden
französischen Mädchentruppe geträumt hatte.

Die daraus resultierende Morgensteife war leider nicht im
Genitalbereich, sondern in der Höhe des fünften Lenden-
wirbels zu suchen.

Mürrisch begrüßte ich die sich hinter bleigrauen Wolken versteckende Sonne, trank bedächtig noch drei Dosen
Ottakringer und dachte nach, wo ich des Tags zuvor
mein Fahrrad vor mir versteckt hatte.
Küche, Wohnzimmer und Kühlschrank hatte ich schon
vergebens durchsucht, Keller habe ich keinen.
Auch in den Ästen des vor meinem Haus dahinblühenden
Kirschbaumes war nichts radmäßiges zu entdecken

Nach einer weiteren Dose dieses das Bewusstsein enorm
erweiternden isotonischen Getränkes fand ich mein Rad
genau dort, wo ich es Tags zuvor hinstellte, vor dem Haus.
Und es kam große Freude auf!

Einer Ausfahrt stand nichts mehr im Wege.
Schnell noch den Sturzring übergestülpt (zwecks Sicherheit),
die Sonnenbrille auf die Nase geklemmt (zwecks Anonymität)
und schon war ich auf dem Wege zu neuen Abenteuern!

Der Lastwagen mit Hänger, der ohne zu blinken vor mir
rechts abbog, ärgerte mich ein wenig, so beschloss ich,
ein wenig Eigeninitiative zu ergreifen.

Die um 700.- Euro wohlfeil am Mexikoplatz erworbene
Smith & Wesson schien mir das Mittel der Wahl zu sein
und so schlingerte schon kurze Zeit später ein Laster
mit durchschossenen Zwillingsreifen den Donaukanal
entlang. Lustig!

Durch puren Zufall lernte ich in einem etwas anrüchigen
Lokal einen leicht illuminierten Berufssoldaten kennen, der,
nachdem ich ihm einige Cola-Rot finanzierte, mir versprach,
einige Haftminen, die nicht mehr der Ö-Norm entsprachen,
mitzubringen.

Das eröffnete für mich ein neues Betätigungsfeld!
Diese Minen nahmen in meinem kleinen Rucksack
wenig Platz ein.
Sobald ich ein Automobil am Radweg stehen sah,
applizierte ich diese "Sprengkörperchen" und
huschhusch waren dieses Verkehrshindernisse wie
weggeblasen!

Es muss nicht immer "High Tech" sein.
Ein sich seit kurzem in Pension befindlicher albanischer
Landwirt überließ mir um wenige Lewonzen einige
rostige Sensenblätter, die ich mit ein wenig Geschick
auf meinem Vorderrad montierte.
Seitdem haben einige SUV-Lenker, die mich mit zu knappem
Abstand überholen, mit gravierenden Lackschäden zu
rechnen.

Derzeit stehe ich in Geheimverhandlungen mit der
nordkoreanischen Regierung. Es wird sich zeigen, ob
sich Nuklearwaffen zugunsten der Radfahrer einsetzen
lassen.


Stets hoffend, Euch mit meinen kleinen Storys ein wenig
amüsiert zu habend,
verbleibe ich mit lieben Grüßen,

Hans

:wink:

Evil_Jason
19-04-2009, 23:50
Hallo Boardies!

Jason bat mich, weiterzuschreiben.
Es folgt eine ware Geschichte.
(Das "h" fehlt absichtlich!


´

Gibt's noch diese mobilen Selbstschussanlagen mit automatischer "Search and Destroy" Zielführung?


Manche Sachen hätten wir wohl alle gerne, die Sensenblätter, die Smith & Western wären sicherlich praktisch für unterwegs

Buchdrucker47
25-04-2009, 00:49
Lieber Jason,

diese Waffe, die ich tatsächlich mein Eigen nenne, heißt nicht
Smith & Western, sondern Smith und Wesson, Kaliber 38 special.

Liebe Boardies,

da ich bei meinen einsamen Radausflügen auf staubigen
gottverlassenen Straßen (Marchfeldkanal, Richtung
Hainburg), oft ins Grübeln verfalle, fiel mir ein, dass
ich Euch ja noch gar nichts über das halbe Jahr, das
ich als Hilfsportier in einem Hotel in der Mariahilferstraße
verbrachte, berichtet habe.

Als Portier hatte ich mich beworben, doch die sauertöpfische
alte "Dame", die sich Chefin nannte, meinte, dass ich mit
meinem jugendlichen Alter dafür noch viel zu unreif seie.
Als Hilfsportier könnte ich allerdings jederzeit beginnen.

Es war eine sehr schöne lustige Zeit!

Abgesehen davon, dass ich nur 1800.- Schilling verdiente,
mit Trinkgeld allerdings 7000.- Schilling, möchte ich diese
Erfahrung nicht missen!

Der Chefportier, der unter anderem auch schon in Schweden
U-Boote geschweißt hatte, war ein ganz lockerer Typ.
Ein Optimist, wie ich selten einen traf, er lachte ständig.
(Ausnahmen bestätigen die Regel: Als der Dollarkurs
über Nacht absackte, blieben von seinen 50.000 Bucks
nur mehr mehr 25.000 übrig).

Er sah aus wie Heinz Erhardt, war mir sofort sympathisch,
(ich ihm auch).
In der Zeit zwischen 11 Uhr und 16 Uhr gab es keine
Anreisen und Abreisen, ich besorgte aus einer gegenüber-
liegenden Greißlerei fünf Packerln Trinkkkakao, er aus dem
dem Hotel zugehörigem Restaurant den dazugehörigen Rum.
Wenn doch sporadisch Gäste eintrafen, wunderten sich diese,
wie fröhlich das österreichische Hotelpersonal doch sei.

Wir nützten diese "Leerzeit" um unsere Sprachkenntnisse
zu erweitern. Der Chefportier sprach ein ungepflegtes
Französisch, ich ein ungepflegtes Jugoslawisch.

So lernte ich binnen kurzem, auf französisch bis 82 zu
zählen. Warum? Weil das Hotel nur 82 Zimmer hatte!

Wir hatten zwar selten französische Gäste, wenn aber doch,
sprachen diese ganz sicher nicht Deutsch oder Englisch!
Schon um den Gästen den Zimmerschlüssel auszuhändigen,
bedurfte ich also dieser von mir nicht sehr geliebten Sprache.

Später allerdings, auf meinen Radreisen durch Frankreich,
waren mir diese Sprachkenntnisse sehr nützlich, sprach doch
niemand in den Orten, in denen ich nächtigte, deutsch oder
englisch. Ich weiß noch heute die wichtigsten Redewendungen:
"Haben sie ein Zimmer? Ich möchte bitte Schinken mit Ei!
Können sie mir bitte die Handschellen abnehmen!? Nein, ich
bin kein Drogenkurier!"

Nicht sehr erheiternd war es, als ich, bedingt durch die dünnen
Wände des Hotelzimmers, ein junges Pärchen stundenlang
stöhnen hörte. Dazu bedarf es keiner Französischkenntnisse.
Der nächste Tag war dann sehr "hart", fast so hart wie mein
Sattel.

Zurück zum Hotel:

Ich hatte auch gelegentlich die sich im Keller befindliche
Heizung zu betreuen, um den pt Gästen das warme Wasser
zu bescheren, das nach vollzogenem Geschlechtsverkehr
zwecks Waschung der Genitalien unumgänglich ist.

Bei einer dieser Heizungskontrollen versuchte sich mir ein
großer blonder Arbeitskollege handgreiflich zu nähern.
Er nahm dann doch davon Abstand, als ich ihn fragte,
ob er sein blütenweißes gebügeltes Hemd auf dem Koksberg,
der sich hinter ihm befand, beschmutzen wolle.
Er wollte nicht.

Eine weitere sexuelle Attacke eines Zimmermädchens, das mich
ebenfalls in den Heizungskeller verfolgte, ließ ich willig über
mich ergehen.

So lustig der Chefportier, so trübselig der Nachtportier.

Ein völlig verbitterter alter zaundürrer Mensch, der mir
heftigste Vorwürfe machte, als ich einem armen
Vietnamesen das billigste Zimmer gab, das verfügbar.
Der Streit eskalierte, wir schrieen uns an und sprachen
anschließend nichts mehr miteinander.

Das sollte sich alsbald ändern, als eine neue Telefonanlage
installiert wurde, mit der er, altersbedingt, nicht mehr
umzugehen wußte.

150 Tasten!

Ging des nächtens ein Anruf ein, oder sollte er jemanden
verbinden, bat er demütigst um meine Hilfe.

Der dritte Portier war ein ganz Netter.
Seine Freundin war Krankenschwester, wenn sie dienstfrei hatte,
packte ihn die Sehnsucht, leider hatte er Dienst.
Also fragte er mich, ob ich mir zutraue, seinen Dienst zu
übernehmen.
Ich traute mir das zu und so fuhr er mit seinem Vespa-Roller
in der Direttissima zum Geschlechtsakt.
(Er wirkte nächsten Tags sehr ausgeglichen (befriedigt?)).

Wie schon gesagt, war dies einer meiner lustigsten Jobs, doch
dann wurden die Tage kürzer und die Nächte länger und so
beschloss ich, die restlichen Tage des Sommers im Süden zu
verbringen, ein Umstand, der von meinen Arbeitskollegen nicht
gutgeheißen wurde.

Liebe Boardies,

auf meine letzte Frage, die Gedanken an den Tod betreffend,
hat nur EIN weiblicher Biker geantwortet.
Das kann ich verstehen, ist es doch eher ein unangenehmer
Gedanke, mit dem man sich nicht so gern auseinandersetzen will.

Diesmal habe ich eine andere Frage, die aber nur diejenigen Biker
betrifft, die alleine unterwegs sind:
Was geht Euch bei diesen "lonesome rides" so durch den Kopf?

Auf diskussionsfähige Antworten hofft,

Hans

:wink:

roots
25-04-2009, 01:17
Nicht sehr diskussionsbedürftig, trotzdem möchte ich dir als stiller Leser nun doch einmal für die Möglichkeit des Teilhabens an deinen Lebenserfahrungen danken. :wink:

Buchdrucker47
25-04-2009, 01:30
Nicht sehr diskussionsbedürftig, trotzdem möchte ich dir als stiller Leser nun doch einmal für die Möglichkeit des Teilhabens an deinen Lebenserfahrungen danken. :wink:

Lieber Roots,
ich freu mich über jede Zeile, die als "Echo" kommt!
Danke,
Hans
:wink:

shroeder
29-04-2009, 00:44
servus hans :wink:

jetzt hab' ich einiges nachglesen, und freu mich schon auf die nächsten geschichten (reiseerzählungen aus irland/griechenland etc?) :D

lucy und ich ham uns übigens gefreut dich zu treffen letzten samstag, war sehr nett mit dir zu plauschen :U:

Buchdrucker47
29-04-2009, 02:07
servus hans :wink:

jetzt hab' ich einiges nachglesen, und freu mich schon auf die nächsten geschichten (reiseerzählungen aus irland/griechenland etc?) :D

lucy und ich ham uns übigens gefreut dich zu treffen letzten samstag, war sehr nett mit dir zu plauschen :U:

Auch meine Freude war sehr groß, warst Du doch, wie gesagt,
erst der zweite Boardie, den ich traf. Ein "wirkliches" Treffen ist
halt doch lustiger als ein virtuelles!

Schade, dass ich vergaß, Dir die Rückseite meines Trikots zu
zeigen. 45 Jahre alt, ARBÖ-Pittentaler Radler, das war der
Club, für den ich damals Rennen gefahren bin.

Leider hat das Bikeboard kein Clublokal (der ARBÖ hatte mehrere).
Es wäre schön, sich dort zu treffen und Gedanken auszutauschen!
(Das betrifft leider nur wiener Radler und auch nur die aus
Floridsdorf und Umgebung). Wer will schon, zB, aus Vösendorf
nach Kapellerfeld fahren? Dort befindet sich eine Pizzeria mit
großem Schanigarten, bei der man als Biker einfach stehenbleiben
MUSS! Wie schon besprochen, ist der Radweg entlang des
Marchfeldkanals eine der schönsten Strecken die ich kenne,
(die richtige Bereifung vorausgesetzt). 70 km lang, wobei die
ersten 20 km von Langenzersdorf bis Stammersdorf zu
vergessen sind, aber dann wird`s heimelig und romantisch.
Natur pur!

Lieber Shroeder, ich träfe gerne mehr so sympthische Biker wie
Du es bist, insbesonders wären mir Mägdelein willkommen!,
aber leider scheuen alle den Longtrail nach Transdanubien.

Mein Haus mit kleinem Garten liegt, wie schon gesagt,
10 Minuten vom Kanal entfernt und es würde mich wirklich
freuen, Boardies kennenzulernen, die auch ein wenig
Fantasie haben und außer der Frage, ob das Lenkerband
farblich zum Sattel passt, geistig up to date sind.

Liebe Grüße an ALLE Boardies,

die sich geografisch in meinem Bereich befindlichen Freaks
bitte ich um eine PN zwecks Terminvereinbarung.

Bussi,
Hans

Sugarbabe
29-04-2009, 21:54
lieber Buchdrucker, ich kann es gar nicht mehr erwarten, dass Deine Memoiren in gebundener Form erscheinen.
:jump::toll:

Buchdrucker47
05-05-2009, 04:19
Liebe Boardies:

Wien - Waldviertel

Einige von Euch werden diese Straße schon gefahren sein.
Vor 40 Jahren war diese Straße mit winterbedingten
Schlaglöchern übersät, aber verkehrsarm.

Mittlerweile ist dieser "Highway" drei Mal so breit, aber,
obwohl keine Autobahn, für jeden Radler, der`s gern
gemütlich liebt, ein Horror.

Das ändert sich erst in Maissau. Dort nämlich beginnt
das wirkliche Waldviertel.

Hat man das sich dort befindliche Hügerl überwunden,
wird plötzlich links und rechts von der Straße alles grün!

Um diese vorhin genannte langweilige Strecke
zu überlisten, lud ich mein Rennrad (oder MTB) in
den Kofferraum meiner APE, war drei Stunden später
in Waidhofen oder Gmünd und fand sofort ein billiges
Zimmer.

Ein kleiner Exkurs: Die nördlichen Waldviertler sind, so
wie Vorarlberger und Tiroler, die in abgeschiedenen
Seitentälern leben, ein nicht sehr kommunikations-
freudiger Menschenschlag.

Erst nachdem ich, den mir als Wiener nicht so gewogenen
Gästen der umliegenden Gaststätten zur Kenntnis brachte,
dass meine Mutter dort geboren sei und ich schon als
fünfjähriges Kind meine Sommer, in der Thaya badend,
dort verbrachte, wurden mir auf meine Fragen die
Gnade einer Antwort zuteil.

Und schon wieder ein kleiner Exkurs für die Schadenfrohen:
Ich wußte, das das Hotel um 23 Uhr sperrt, dachte aber,
dass ich um diese Zeit längst zu Hause sein würde.
Ich hatte zwar einen Schlüssel für das Haustor, der befand
sich aber im Fahrzeug, das ich innerhalb des Hotels geparkt hatte.

Man trinkt, man plaudert, die Zeit vergeht, es ist ganz
unerwartet zwei Uhr morgens, man wird müde, sehr
müde, will nur mehr schlafen, allein der Schlüssel fehlt!

Wie in der Sahara, können die Nächte im Waldviertel
bitterkalt sein. Und so wankte ich bis sieben Uhr in der
Frühe, nur mit T-Shirt und kurzer Hose bekleidet, in
Waidhofen umher, bis um sieben Uhr der erste Wirt
aufsperrte. (Er kannte mich und wunderte sich nicht).
Dort trank ich dann zwei große Schwarze und zwei Campari,
mittlerweile wurde es neun Uhr, ich begab mich auf mein
Zimmer und schlief den ganzen Tag.

In einem meiner Postings habe ich schon erwähnt, dass
es von Waidhofen nur 25 km zur Grenze sind, von Gmünd
gar nur 500 Meter. Innerhalb der Tschechei zu fahren, ist
traumhaft, man sieht ausgestorbene Ortschaften,
zerbombte Häuser, aus deren Dach 20 Meter hohe Birken
wachsen, nur sollte man sich nicht allzuweit vom Trail
entfernen, weil noch nicht alle Minen gefunden wurden,
es könnte ein aufwühlendes, aber letztes Erlebnis sein.

Um auf die Schwammerln zurückzukommen:
Es ist völlig sinnlos, dort welche zu suchen.
Die Eingeborenen stehen um vier Uhr morgens auf,
um sie wenig später auf der Bundesstraße zu einem
Spottpreis feilzubieten.

Als Sensationstourist war ich mit dem Rad zwei oder
drei Wochen nach der Überschwemmung im Kamptal
und Thayatal unterwegs.
(Übrigens auch in meinem Geburtsort an der Donau,
wo der drei Meter hohe Kukuruz einen halben Meter
unter der Wasserlinie sein Leben fristete und man am
Sportplatz mit Müh und Not noch den Korb des
Basketballplatzes erkennen konnte).

Auch im Waldviertel wuchsen, bedingt durch die feuchte
und warme Luft, die Schwammerln wie verrückt!
(Narrische Schwammerln?).

Teils schob ich mein Rad, teils fuhr ich damit, um zum
nächsten Forst zu gelangen, jedenfalls wurde ich stets fündig.
Es waren Steinpilze, deren ich binnen kürzester Zeit habhaft
wurde. (Drei bis fünf Kilo pro Tag).

(Bitte nicht zu verwechseln mit den Bitterlingen, die in
jugendlichem Stadium genau so aussehen, zwar nicht
giftig sind, aber ein einziger dieser Mieslinge ein
Schwammerlgulasch total verhunzen können).

Dank meiner Großzügigkeit, musste ich zwar für Trank,
aber für Speis nichts mehr bezahlen.

Ein exquisites Erlebnis war der Fund einer "Krausen Glucke",
ein Pilz, der nur am Fuß von Eichen wächst und zwischen
drei und fünf Kilo wiegt.Er ist gelborange bis lichtbraun
und ein gar köstlicher Speisepilz. Schneidet man ihn in
Scheiben, nachdem man ihn gründlich gewaschen hat,
um etwaiges Ungeziefer zu entfernen, kann man ihn in
der Pfanne, paniert oder unpaniert braten und ergibt ein
gar köstlich Mahl.

Nachdem ich dieses Riesending auf einer Porzellanplatte
den Stammgästen, die ja nur die drei gängigsten
Pilzsorten kannten, präsentierte, sah ich mich gezwungen,
ein Pilzbuch zu kaufen, in dem dieses Unikat abgebildet
war (in Farbe) und konnte dadurch Vertrauen erwecken.
(Auch ein Schildchen schrieb ich: Sparissa crispa,
auch Krause Glucke genannt, ein wohlschmeckender Speisepilz)

Ein Wagemutiger meldete sich, bekam seine Gratisportion,
seine Stammtischfreunde baten um eine Kostprobe, und am nächsten Tag war das Monstrum weg.

Eierschwammerln:

Allentsteig, DER Truppenübungsplatz!
Eine Kreation des von uns allen "geliebten" Führers!
Lediglich eine Kirche und einige Gräber erinnern an
ein Dorf, das einstens bestand, aber auf Führerbefehl
dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Hatte ich doch im Dimlinger Wald bei Waidhofen und auch
später noch in Weikertschlag Eierschwammerln gefunden,
so sind diese leider im Waldviertel ausgestorben.

Mit einer Ausnahme: Rund um den vorhin erwähnten
Truppenübungsplatz stehen Warnschilder: "Betreten
verboten, Minengefahr, Blindgänger".

Sowas reizt unsereinen. Schon nach dem ersten Schild
fand ich binnen drei Minuten eine Eierschwammerlkolonie,
deren Größe der Hüte mir verriet, dass sie schon seit geraumer
Zeit von Schwammerlsuchern unbehelligt waren.

Da die Menge des Angebotes die Kapazität meines Rennrades
weit überschritt, erschien ich nächsten Tags mit der Ape
und zwei Bananenschachteln, die ich für solche
Anlässe ständig parat habe. Eine halbe Stunde später
waren beide Schachteln voll.

Noch mehr Waldviertel?
Bitte, gerne.
Aber diesmal ohne Rad.

Waidhofen/Thaya:

Noch am selben Abend traf ich im einzig existierenden
"Künstlerkaffee" namens "Lorbeer" ein wunderhübsches
Mägdelein,, sie sei Malerin, ihr Bruder Schriftsteller,
Vater und Mutter seien auch künstlerisch tätig, hätten,
wie halt, wie bei Künstlern so üblich, eine verlassene Mühle
gekauft, etwa 15 km von Waidhofen entfernt.

Der Papa hätte nächsten Tags eine Vernissage, ob ich
nicht hinkommen wolle?
Ich wollte.
Ich interessiere mich für Kunst, ich war im Urlaub, ich
hatte genug Benzin im Tank und das Mädchen war
sehr hübsch.

Die Vernissage war sehr langweilig, der Rotwein war
billig, weil gratis, bla bla, es wurde später und später.
Irgendwann ging`s nur mehr darum, wer wen nach
Hause führt.

Wie es sich meistens NICHT so ergibt, blieb die
Hübscheste über. Trotz drei Automobilen, war
ích der Einzige, der noch ein Plätzchen
für die ca 40 Kilometer nach Waidhofen
übrig hatte.

Das Cafe Lorbeer war noch offen, ich brachte
sie, wie es sich für einen Gentleman geziemt,
nach Hause, der Rest ist Schweigen...

Es grüßt Euch,

Hans

:wink:

lotusblume
05-05-2009, 10:05
Guten Morgen!

SChwammerln, hübsche Fräulein und das alles im Waldviertel

sehr nett geschrieben:)

Buchdrucker47
06-05-2009, 23:52
Guten Morgen!

SChwammerln, hübsche Fräulein und das alles im Waldviertel

sehr nett geschrieben:)


Liebe Lotusblume,

ich freu`mich sehr über Dein positives Response,
eine zarte Röte überzieht mein Antlitz, mir fehlen
fast die Worte, hoffentlich war Dein Posting ernst
und nicht ironisch gemeint!

Bussi,

Hans

:wink:

lotusblume
06-05-2009, 23:57
Liebe Lotusblume,

ich freu`mich sehr über Dein positives Response,
eine zarte Röte überzieht mein Antlitz, mir fehlen
fast die Worte, hoffentlich war Dein Posting ernst
und nicht ironisch gemeint!

Bussi,

Hans

:wink:

Verehrter Buchdrucker,

selten entbehren meine Posts einer gewissen Ironie
selten fehlt der Sarkasmus
aber in Deinem Fall
habe ich von jeglichem unartigen Stil
abstand genommen.

Wir alles wissen doch, dass die fiesesten Schwammerln hier im BB Sumpf zu finden sind:devil:

Buchdrucker47
17-05-2009, 01:22
Ein kleiner Betriebsurlaub...

Unser Chef hatte drei Jahre zuvor in Germanien eine Yacht
(gebraucht) erworben und diese, weil so groß, mit einem
Tieflader nach Kroatien transportieren lassen.
(Was schon fast den Kaufpreis des Schinakels ausmachte).

Es war ein süßer Sommer, trotzdem herrschte in der Druckerei
die Sauregurkenzeit und mein Boss beschloss, die Firma für
eine Woche zu schließen, sich von einem alten Freund
einen ebenso alten VW-Bus aus Bundesheerbeständen
zu borgen, um damit sowohl sich, als auch uns nach
Süden zu befördern, wo eine Minikreuzfahrt harrte.

Das Boot hatte 11 Kojen, der Bus acht Sitzplätze, war aber
mit Gepäck proppenvoll.

Schon an der slowenischen Grenze wurden wir von einem
österreichischen Zollschergen zur Seite gewunken.

Kaum hatten wir alle unsere Pässe gezeigt, meinte er
plötzlich ganz freundlich: " Es sats jo eh Unsrige, foats
weida, i hob glaubt, ihr sats Türken".

Mein Boss, der vorher nur extrem PS-starke Schlitten
gefahren war, tat seinem Ärger lautstark Ausdruck,
dass dieser betagte und voll beladene VW trotz brutal
durchgetretenem Gaspedal sich wie ein störrischer
Esel weigerte, auch kleinste Steigungen mit mehr
als 40 kmh zu erklimmen.

Als wir dann endlich die Marina erreichten, war alles
da, was sich ein Gemeindebauhausmeister wünscht:
Der blaue Himmel, das blaue Meer, die Sonne,
aber etwas fehlte doch: DIE YACHT!

Schnellen Schrittes eilten wir zum Hafenkapitän, um zu
erfahren, dass der Mitbesitzer (ein Schriftsetzer, der
noch zwei Jahre zuvor in der Firma tätig war),
wenige Tage zuvor damit ausgelaufen sei und den Kahn
in einem anderen Hafen verkauft hätte.

Mein Chef "was not very amused" und bat mich,
mit ihm nach Pula (oder war`s Rijeka?) zu fahren,
um dort eine Diebstahlsanzeige zu erstatten.

Wie`s halt so ist im Leben, ging uns 100 Meter vor
einer Tankstelle der Sprit aus und ich schob dieses
Fossil von Auto bis zum Zapfhahn.
(Die Straße war eben und es saß außer meinem
Chef auch niemand mehr drin)

Im Hafenkapitänat, wo ich dem diensthabenden
Offizier in gebrochenen Kroatisch erklären wollte,
dass ein Schiff gestohlen wurde, erklärte man
sich für nicht kompetent.

In fast akzentfreiem Deutsch erlärte uns der
Kommandant, dass, wenn die Besitzer beide
Österreicher seien, wir nur in Wien Anzeige
erstatten könnten.

Betroppezt fuhren wir wieder nach Medulin,
mieteten am Campingplatz zwei Wohnwägen,
einen für den weiblichen Teil der Belegschaft,
einen für den männlichen Rest.

Der Rest des Urlaubs verlief problemlos.

Meine Reisegefährten verbrachten die
sonnigen Tage am Schotterstrand, ich,
der ich wohlweislich Flossen, Schnorchel und
Taucherbrille mitgenommen hatte, verbrachte
sie submarin.
Abends trafen wir uns aber alle wieder, um die kroatischen
Alkoholbestände um einiges zu reduzieren.

Obwohl mein sehr geschätzter Chef (er hieß Pepi, so wie
mein Papagei, wenn er in der Firma bei mir vorbeiging und
ich zu meinem Vogel sagte: "Braver Pepi", wußte er nie,
ob ich ihn meinte, oder meinen Flattermann),
keinen Alkohol trank, war er bei der Heimreise sehr matt.

Also setzte ich mich neben ihn, (ich hatte nie einen
Führerschein, also konnte ich ihn auch nicht ablösen),
und versuchte ihn durch Gespräche wachzuhalten.

Ein geeignetes Thema war auch bald gefunden.
Atomkraftwerke.

Er ein Befürworter, ich ein Gegner.

Sein Adrenalinspiegel stieg und so gelang es mir,
ihn bis Wien wachzuhalten.

Dann passierte Tschernobyl.

Ein Jahr später gab er mir zu verstehen, dass ich
damals eigentlich recht gehabt hätte.
Er sähe nicht ein, dass sein Töchterlein plötzlich
nicht mehr im Garten spielen dürfe, da das Gras
mittlerweile radioaktiv verseucht sei.

Diese Aussage war Balsam für meine Seele, ward
ich doch in Zwentendorf geboren.
(Obwohl man sich, wie man weiß, den Ort der
Geburt als 0-jähriger nicht aussuchen kann.

Wenn Euch dieses Geschichtlein gefallen hat,
bitte ich um ein Echo, wenn nicht, auch.

Liebe Boardies,

gute Nacht,

Hans

:wink:

lotusblume
17-05-2009, 08:37
hallooo Echo???

Wiedereinmal eine Buchdrucker Story :toll:

LG LB

Blomma
17-05-2009, 10:23
werter herr buchdrucker
der spannungsbogen vom tarnfarbenen VW-bus über geschlechtergetrennte unterkünfte bis hin zu gesprächen über die atomkraft finde ich an einem sonntag morgen faszinierend!

darf ich davon ausgehen, dass diese reise im jahr 1985 stattgefunden hat?

mfg
eine, die 1986 nicht im freien spielen durfte

p.s. danke für "Betroppezt" und "submarin"!

Evil_Jason
17-05-2009, 12:08
Ich, als auch 1985er, finde diese Story, sowie alle anderen der deinigen Werke, sehr unterhaltsam. Immer nur weiter so
:toll::toll::toll:

Evil_Jason
17-05-2009, 12:09
Was heisst
"Betroppezt"?:confused:

Blomma
17-05-2009, 14:09
Was heisst ?:confused:

dein ernst?? das kommt vom schauen der vielen deutschen debilen serien. die leut' verlernen auf diese weise solch' schönes vokabular. :cool::rolleyes:

Evil_Jason
17-05-2009, 17:34
dein ernst??

Sir, ja, Sir!:megaph:

GO EXECUTE
17-05-2009, 18:29
Sir, ja, Sir!:megaph:

Die Blomma is a Mann ? Schau schau, so kann ma sich täuschen :D

Buchdrucker47
19-05-2009, 21:54
werter herr buchdrucker
der spannungsbogen vom tarnfarbenen VW-bus über geschlechtergetrennte unterkünfte bis hin zu gesprächen über die atomkraft finde ich an einem sonntag morgen faszinierend!

darf ich davon ausgehen, dass diese reise im jahr 1985 stattgefunden hat?

mfg
eine, die 1986 nicht im freien spielen durfte

p.s. danke für "Betroppezt" und "submarin"!


Hallo Lotusblume!
Hallo Blomma!

Für das erbetene und mir von von Euch zuteil gewordene
Echo möchte ich mich auf das Allerherzlichste bedanken!

Viel schöner wäre es natürlich, wenn aus diesem
virtuellen Treffen ein persönliches werden könnte.
(Honi soit qui mal y pense).

Bussi,

Hans

:wink::wink:

Buchdrucker47
19-05-2009, 22:33
Was heisst ?:confused:

Hochlöblichster Jason!

Ignorant, der ich nun mal bin, bitte ich submissest um Pardon,
weil Vokabeln verwendend, die Dir unbekannt, weil aus dem
Jiddischen. (Betroppezt).

Per Google oder Duden würdest Du aber innert Sekunden fündig
werden.

Ausserdem kann ich diesbezüglich einen literarischen
Leckerbissen empfehlen:
"Sprechen Sie Wienerisch?" von Peter Wehle.

Inselbiger literarischen Perle finden sich gar drollige Verben
aus dem Tschechischen, dem Rotwelschen und natürlich
auch aus dem Jiddischen.

Da ich meine Wenigkeit als Admirant solcher Sprachjuwelen
bezeichnen darf, bin ich diesbezüglich noch a jour.

Nützlich behufs dessen könnte natürlich auch die Lektüre
von Produkten der Buchdruckerkunst aus dem
16., 17., und 18. Jahrhundert sein!

Sehr empfohlen für Tage, wo das Grau des Firmaments
die Ingebrauchnahme des Velozipeds in Frage stellt.

Ich hoffe, mich nicht zu gehochmetzt ausgedrückt zu haben,
wünsche Dir Maseltov,

Shalom,

Hans

:wink:

Buchdrucker47
22-05-2009, 04:12
Liebe Boardies,

Nichts läg` mir ferner, als mit meinen Glossen belehrend
sein zu wollen.
Das klingt, schon ganz allein des Reimes wegens,
sehr geschwollen.

Wien, achter Bezirk: Meine Behausung.

Diese Jugendstilwohnung befand sich in der Pfeilgasse, war
hoch wie eine Kathedrale und so lange, wie sich die meisten
Männer ihren Schwanz wünschen.

Schon in Kürze fand ich, als Newcomer, ein Lokal, das mich
und meine Affinität zu Alkohol zufriedenstellte.

Mein Papagei, der Pepi, schien nicht meiner Meinung zu sein.

Kaum hatte ich dieses obskure Getränknisstätte betreten,
breitete er seine Schwingen aus, flog zur Überraschung
der dort befindlichen Möchtegerns die zwanzig Meter zum
letzten Tisch und brachte nicht nur das Weltbild der
Anwesenden, sondern auch alle sich dort befindlichen Getränke
ins Wanken!

Das Modegetränk hieß "Green Frog" , bestand aus Pisang Ambon,
(Grüne Banane), Orangenjuice und kostete per Glas
60 Schilling, mal vier 240 Schilling, ein kleines Vermögen!

Freudigen Herzens erklärte ich mich bereit, alle Kosten
übernehmen zu wollen, war ich doch heilfroh, nicht auch
noch die Putzereikosten übernehmen zu müssen!

Zwei Wochen später saß ich schon am Stammtisch.
Dort saß auch Wilfried (Heidelbeern), bitte kein
Namedropping. Es fand sich auch, für mich unerklärlicherweise,
ein gar jung und lockendes Mägdelein ein, deren Liebreiz mich bewog, ihr die Möglichkeit einer Zweisamkeit
in Form einer Heirat schmackhaft zu machen.

Sie lernte Goldschmiedin, war zum Abbusseln, allein mich als ihren
künftigen Begleiter durch dieses Jammertal zu sehen, das man
Leben nennt, dürfte sie sich doch anders imaginiert haben.

Sie hat dann später Buchhändlerin dazugelernt, in dieser
Branche ist sie heute noch tätig, ich bin ihr treuer Kunde.
(Wir trafen uns durch Zufall wieder, weil damals ich in einer
Druckerei in Wien 15 jobbte und die Buchhandlung sich gleich
um`s Eck`befand.

Jetzt wird`s lustig.

Ich liebe Bowle. Diese stund auf dem Tresen und ich
konnte nicht Nein sagen. Es gibt meeresbewohnende
Lebewesen, die ihren Magen komplett umstülpen können.
An diesem Abend empfand ich ein tiefes Verständnis für
das Vermögen dieser vernünftigen Geschöpfe.

Als Stammgast hatte ich Zutritt zur Küche.
Es war Horror in Reinkultur.

Die Köchin hatte ca 120 Kilo, ihr "Mann" etwa 45 Kilo.
Sie ergriff eine Zweiliterflasche Gin und einen
Doppelliter Rotwein, schüttete beides synchron
zusammen, schnitt dann binnen fünf Minuten einige
ungeschälte Orangen in Scheiben und schon ward
ein neues "Getränk" geboren! Orangenbowle!

Während dieser Genesis meinte sie plötzlich: "Du, mir is
furchtboa haß, zog sich ihren Kittel über den Kopf und
stund plötzlich in all ihrer nackten Pracht vor mir.
(Sie trug keine Unterwäsche).

Auf meine bescheidene Frage: "Und was ist, wenn jetzt
dein Mann reinkommt?", meinte sie nur lakonisch: "Dea
muaß des aushoidn".

Der Chef dieses Etablissements, der seltsamerweise nach
wenigen Monaten das Interesse am weiteren Werdegang
seines Cafes verlor und nur mehr ein Mal wöchentlich kam,
um abzucashen, hatte das zu bereuen.

Nachdem er insolvent war, machten Köchin und Kellner
zwei Gassen weiter ein Lokal auf, alles holzgetäfelt,
(woher hatten die bloß soviel Geld?), mussten aber
mangels Gästen ein halbes Jahr später wegen mangelnder
Liquidität auch schließen.

Und die Moral von der Geschicht?
"Trinkt was Ihr wollt, doch Bowle nicht!"
Entledigt Euch nicht Eurer Kleider,
das darf man nur bei seinem Schneider.
Quält Euch das Denken an das Grab,
dann ruft mich an, ich heb nicht ab.

Gute Nacht, liebe Boardies,

Hans

:wink:

Buchdrucker47
28-05-2009, 00:55
Liebe Boardies,

die Ape Piaggio stand, als ich mich nach wenigen Wochen an
dieses italienische dreirädrige motorisierte Fahrrad gewöhnt
hatte, bei Kälte und Regen sofort in Konkurrenz zu meinem
heissgeliebten Rennrad.

Dieses "Fahrzeug" ist eine lebendig gewordene Philosophie.
So wie es leidenschaftliche Anhänger von Ferrari gibt
(un Ferrarista), gibt es auch "un Apenista".

Wie vor 30 Jahren all dies begann:

Meinem Chef stach ein Inserat ins Auge, in dem eine
garagengepflegte Ape mit 5000 km auf dem Buckel
um 5000 öS.- angeboten wurde.

Er wusste, dass ich keinen Führerschein mein Eigen
nennen konnte, also mit der Ape Kunden im Raum
Wien visitieren könne, ob der Winzigkeit des Gerätes
auch einen Parkplatz fände und bei Bedarf auch
obskure Lasten befördern könne.

Wir begutachteten dieses Prachtexemplar, es war
tatsächlich voll funktionsfähig, nur der Inhalt des
Tanks ließ zu wünschen übrig, weil fast leer.

Des Mopedfahrens war ich kundig, hatte ich doch schon
eine HMW Baujahr 1950, sowie eine Puch DS 50 in
freundlichem Lichtblau gehalten, gesteuert.

Nachdem ich, devot wie ich nun mal bin, meinem
Brötchengeber bis zur nächsten Tankstelle, an der
Triester Straße liegend, folgte, ließ er mich alsdann,
obwohl eitel Sonnenschein, im Regen stehen.

Das heißt, ich war gezwungen, ganz alleine den Weg
in die Firma, die damals noch in Wien 1. ansässig,
zu finden.

Meine Ortskenntnisse bezüglich Wien Süd waren sehr
begrenzt, dazu kamen noch zwei Faktoren, die zu
extremer Transpiration führten:

Faktor eins: Wechsle nie die Fahrspur, wenn Du mit
40 kmh unterwegs bist, die anderen aber mit 80 kmh.

Faktor zwei: Bedingt durch den Kastenaufbau der
Ape, ist die Sicht, was von hinten kommende
Fahrzeuge betrifft, sehr eingeschränkt oder gar
nicht vorhanden.

Zwar hatte ich zwei Rückspiegel (da haben sich die
italienischen Ingenieure, tolle Hechte! schon was
einfallen lassen!), aber in diesen vorgenannten
"Rückspiegeln" erkannte ich ein Goggomobil in
50 Metern Entfernung.

Der Wahrheit schon etwas näher kommend, war der Fakt:
es handelte sich um einen 40-Tonner zehn Meter
hinter mir.

Da hüpft der Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen!

Da ich jetzt schon die vierte Ape fahre, könnte ich
über die Vorteile eines Handstarters oder die Nachteile
einer Magnetzündung referieren, über sonstige Probleme,
dieses Vehikel betreffend berichten, außerdem über
durchgerostete Bodenplatten, Unfälle, Fernreisen etc.

Falls es Euch interessiert, schreibt mir ganz einfach.

Es grüßt Euch,

Hans

:wink:

Evil_Jason
28-05-2009, 16:06
Da ich jetzt schon die vierte Ape fahre, könnte ich
über die Vorteile eines Handstarters oder die Nachteile
einer Magnetzündung referieren, über sonstige Probleme,
dieses Vehikel betreffend berichten, außerdem über
durchgerostete Bodenplatten, Unfälle, Fernreisen etc.

Falls es Euch interessiert, schreibt mir ganz einfach.

Es grüßt Euch,

Hans

:wink:

Na, da bin ich und sicherlich auch andere schon sehr gespannt...

Buchdrucker47
02-06-2009, 01:21
Liebe Boardies,

wer kennt ihn nicht, diesen Frust, wenn der Motor Deines Fahrzeuges nach einer frostigen Winternacht Dir zuröchelt: "Nein, nein, ich will nicht!".

Meine erste Ape hatte einen Handstarter.

Frau Holle hatte es zu gut gemeint und des nächtens
40 cm ihres Schneedeckenpolsters ausgeschüttelt.

Mit Moonboots (vier "O"`s in einem Wort!) bewaffnet,
stapfte ich durch die weiße Pracht, die nur Schifahrer,
aber nicht Eissalonbesitzer begeistern kann, zu meinem
tiefverschneiten Fahrzeug.

Am Privatparkplatz angelangt, stellte ich fest, dass alle
Hausbewohner ihre Mercedesse und BMWehe stehen
gelassen ließen und Öffis benutzt hatten.

Taxis fuhren zwar schon, aber nicht sonder Zahl, d.h.,
eine Wartezeit von einer Stunde hatte man schon in
Betracht zu ziehen.

Zurück zur Ape.

Soviel Schnee hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen.

Mit einigen kräftigen Fußtritten verschaffte ich mir Zutritt
zum Cockpit, nach dreimaligem Ziehen am Handstarter begann
der Unterflurmotor zaghaft und zögernd vor sich hin zu
blubbern.

Oh Wunder! Es gelang mir, wenn auch im Schritttempo, den
Parkplatz zu verlassen, auch die ungeräumte
Nebenstraße zu durchpflügen und die Linzer Straße
zu erreichen, die, weil schneegeräumt, gut befahrbar war.

Die Heimfahrt verlief ebenso abenteuerlich, außer Fußgängern,
einigen wenigen Taxlern und mir war nichts zu sehen.

Untertitel: Schadenfreude? Ja!

Nächsten Tags beschloss ich, über den Flötzersteig nach
Hause zu fahren. Es hatte wieder ein bißchen nachgeschneit,
ich überholte einen Mercedes, der hilflos mit dem Heck
schlingernd, mit 20 kmh vor sich hindümpelte.

Ganz forsch röhrte ein roter BMW mit geschätzten 60 kmh
vorbei.

Ein BMW ist ein schönes Automobil, besonders dann, wenn
man ihn zwei Minuten später auch von der Unterseite
betrachten kann. Der Fahrer hatte die schmale abschüssige
Abfahrt zur Linzer Straße etwas zu flott genommen.

Gott sei Dank brauchte ich keine Erste Hilfe zu leisten.

Im Schritttempo fuhr ich bei dem am Dach liegenden Auto vorbei,
den verzweifelten Blick des Möchtegern-Formel-Eins-Piloten
werde ich aber nie vergessen.
(Er dürfte angegurtet gewesen sein).

Ein Taliban, dessen Frau man die Burka entwendet,
(oder die Kalaschnikov) hätte ähnlich reagiert.

Das nächste Mal erzähle ich Euch, warum meine Ape
plötzlich vor dem Schloss Schönbrunn auf der mittleren
Fahrspur für mich unerklärlicherweise zum Stillstand kam.
(Nein, es war keine Brücke in der Zündkerze, motorisch
Interessierte dürfen drei Mal raten!).
Nein, an mangelndem Sprit lag`s auch nicht.

Übrigens, wußtet ihr schon?
Es ist verboten, einem am Boden liegenden toten Kojoten
die Hoden zu verknoten!

Es wünscht Euch eine gute Nacht
und ein schönes Morgen,

Hans
:wink:

Evil_Jason
03-06-2009, 00:17
Nächsten Tags beschloss ich, über den Flötzersteig nach
Hause zu fahren. Es hatte wieder ein bißchen nachgeschneit,
ich überholte einen Mercedes, der hilflos mit dem Heck
schlingernd, mit 20 kmh vor sich hindümpelte.

Ganz forsch röhrte ein roter BMW mit geschätzten 60 kmh
vorbei.



Jaja, diese möchtegerne "Ich bin so Nobel"- Deppen.

Ich rate:

Defekte Elektrik
Verstopfte Einspritzung
Falscher Sprit

Buchdrucker47
03-06-2009, 23:28
Jaja, diese möchtegerne "Ich bin so Nobel"- Deppen.

Ich rate:

Defekte Elektrik
Verstopfte Einspritzung
Falscher Sprit

Lieber Jason,

Neinneinnein.

Es war der Ansaugstutzen, aber davon in meinem
nächsten Posting.

:wink:

Buchdrucker47
04-06-2009, 02:16
Liebe Boardies,

man vermag es nicht zu glauben, was an einem derart simplen
Fahrzeug namens Ape Piaggio alles kaputt werden kann!

Vorgenannter Ansaugstutzen riss mir etwa acht Mal ab.
Natürlich nicht auf einsamen Landstraßen, nein, schon
immer im dichtesten Verkehrsgewühl.

Zugegebenermaßen hatte ich eine etwas höhere Kubatur
als erlaubt und der Mechaniker meines Vertrauens meinte,
dass dies den dadurch entstehenden Vibrationen
zuzuschreiben seie.

(Er war aber auch jener, der mir zum Umbau auf eine
höhere Kubatur riet!).

Meine liebe kleine Ape kam aber auch oft ganz plötzlich
zum Stillstand, schon wieder wußte ich nicht warum???
(Das erinnert natürlich an die Endlichkeit des Lebens).

Zylinder und Kolben sind das Herz des Motors und haben
bedingt durch die hohe Drehzahl eine relativ kurze
Lebenszeit.

Zwanzig Kilometer vor Bozen sagte mein Kolben plötzlich:
NEIN. Während ich die Ape mühsam zum nächstgelegenen
Parkplatz schob, bildete sich hinter mir ein kilometerlanger
Stau.

Nachdem ich dem Barkeeper mein Problem erklärt hatte,
gab er mir, erstens einen Cafe, zweitens die Nummer von
ACI ( ist ÖAMTC in Italien) und die Gettoni (Telefonmünzen)
um dort anzurufen.

Der ACI-Fahrer war sehr freundlich, brachte mich sofort
zur Piaggio-Werkstätte, die hatte natürlich geschlossen,
aber nicht weil Freitag, sondern weil Mittagspause, er gab
mir noch einen Tipp, wo man unweit wohlfeil essen könne.
(Ich gab ihm natürlich schon ein Trinkgeld von 100.- ÖS).

Nachdem ich gesehen hatte, dass alle dort anwesenden Gäste
nur Nudeln mit einer undefinierbaren Soße aßen, entschied
ich mich für ein Achtel Rot und ein Achtel Rot und dann noch
ein Achtel Rot. Er schmeckte so, als hätte man den Saft
von roten Rüben mit Glykol aufgespritzt.

Oh Wunder! Nachdem diese Werkstätte wieder geöffnet,
gelang es mir, den Boss, der seltsamerweise nur italienisch
sprach, zu überzeugen, dass ich montags wieder in Wien
zu arbeiten hätte , es gelang ihm, obwohl schon Freitag,
noch einen 16jährigen tiroler Lehrling zu aktivieren, der
mir mit Hilfe einer Gebrauchsanweisung den neuen
Zylinder plus Kolben montierte.

(Die 450.- Schilling Trinkgeld die ich gab, hatten mir ca 2000.-
ÖS erspart, hätte ich bis Montag auf die Reparatur warten
müssen.

Sehr schnell lernte ich auch, dass es nicht sehr sinnvoll ist,
mit der APE durch eine Pfütze (a Lockn) zu fahren.

Schon nach 200-300 Metern kam dann dieses Vehikel zum Stillstand,
weil Wasser in die Magnetzündung eingedrungen war.

Drei Tage später besuchte ich dann die APE mit RR oder MTB,
lud meine Räder in den Laderaum, startete, und kurze Zeit
später waren wir zuhause. (Weil die Zündung dann wieder trocken war).

Mit der elektronischen Zündung konnte ich im Gailtal kleine
Seen durchpflügen, trotz Wolkenbruchs.

Der Scheibenwischer: Schon nach wenigen Regentagen
gab er seinen kleinen Geist auf.

Mein Leibmechaniker entfernte blitzschnell die drei winzigen
Schrauben, die das optische Verständnis des
Nichtfunktionierens erklären sollten.

Es war offensichtlich: Das größte Zahnrad, es war weiß
und wie die anderen Zahnräder aus Plastik, hatte aber,
so wie ich, keine Zähne mehr.

Ersatzteile? NEIN. Was tun?
Ein neuer Motor hätte (ungelogen!) vor 25 Jahren 3500.- ÖS
gekostet. (Mehr als ein Mercedes- Scheibenwischer).

Mein Leibmechaniker hatte Mitleid, er bot mir von einer
fast schon verschrottenden APE einen noch funktionierenden
Motor an um den Spottpreis von 500.- ÖS. an.

So, das war die Mechanik,
nächstens folgt das Fahrverhalten im Gebirge und auf
Langstrecken.

Wer`s nicht glaubt, ich hab`noch eine im Garten stehn,
erst 5000 km am Tacho, Probefahrt gratis, Damen
bevorzugt. (Müssen auch keine wirklichen Damen sein!).

Einen schönen Tag wünscht Euch noch,
Hans
:wink:

lotusblume
04-06-2009, 10:15
APE düsen???

ich bin dabei:jump:

Buckdrucker ich kanns mir leibhaftig vorstellen - das Ding wetzt über die Hügeln wie nix und bei der ersten Lockn - pfffft, nix geht da!

LG LB

Buchdrucker47
04-06-2009, 17:26
APE düsen???

ich bin dabei:jump:

Buckdrucker ich kanns mir leibhaftig vorstellen - das Ding wetzt über die Hügeln wie nix und bei der ersten Lockn - pfffft, nix geht da!

LG LB

Na dann komm, liebe Lotusblume!
Mit dem Rad bist Du in einer halben Stunde in Floridsdorf.
Darfst mich auch massieren...:zwinker:

:wink:

lotusblume
04-06-2009, 17:26
Na dann komm, liebe Lotusblume!
Mit dem Rad bist Du in einer halben Stunde in Floridsdorf.
Darfst mich auch massieren...:zwinker:

:wink:

jaja i derf scho wieder hackeln....

Buchdrucker47
04-06-2009, 17:38
jaja i derf scho wieder hackeln....


Bedingt durch die Schönheit meines Körpers würdest Du es

aber gar nicht als Arbeit empfinden!

Also, wann kommst Du?

:wink:

lotusblume
04-06-2009, 17:40
Bedingt durch die Schönheit meines Körpers würdest Du es

aber gar nicht als Arbeit empfinden!

Also, wann kommst Du?

:wink:

also noch einmal zum Mitlesen:

ich bekomme eine Ausfahrt mit der APE

und du dafür eine Rückenmaschasche....

ok! Woe Sonntag Nachmittag is leiwand für mich....

steve4u
04-06-2009, 17:43
Na dann komm, liebe Lotusblume!
Mit dem Rad bist Du in einer halben Stunde in Floridsdorf.
Darfst mich auch massieren...:zwinker:

:wink:




Tipp: Rückenbehaarung vorher rasieren!:D

lotusblume
04-06-2009, 17:44
Tipp: Rückenbehaarung vorher rasieren!:D

schmerzliche Erinnerung gell - war net so leiwand, wie ich dir mitm Epiliergerät über die Arschbacken gefahren bin:D

steve4u
04-06-2009, 17:49
schmerzliche Erinnerung gell - war net so leiwand, wie ich dir mitm Epiliergerät über die Arschbacken gefahren bin:D


Tränen lügen nicht!:D



Aber besser über - als zwischen die Arschbacken....:f::D

lotusblume
04-06-2009, 17:51
Tränen lügen nicht!:D



Aber besser über - als zwischen die Arschbacken....:f::D
cu next time:devil:

Buchdrucker47
05-06-2009, 23:39
also noch einmal zum Mitlesen:

ich bekomme eine Ausfahrt mit der APE

und du dafür eine Rückenmaschasche....

ok! Woe Sonntag Nachmittag is leiwand für mich....


Hallo Lotusflower!
PN hab`ich schon geschrieben!
UAwg wegen Uhrzeit!

:wink:

PS:
(Vergiss die "Maschasche", I`ve been joking).

Buchdrucker47
06-06-2009, 01:23
Liebe Boardies!

Unverständlich ist es für mich, fast ein Mysterium, dass Ihr all
den Schmonzes, den ich schreibe, auch lest.

(Jetzt wird der Jason, der so evil gar nicht ist, die Stirne
runzeln und dann fragen: "Was ist Schmonzes?".

Lass ma ihn fragen, er is a Goi.

Zur Ape: Die Bremsen.

Sie quietschten, kreischten, schrien ihren Schmerz in
die Welt hinaus, unüberhörbar. Metall auf Metall.
In meiner grenzenlosen Naivität fuhr ich zur Firma
Faber, damals die Generalvertretung für Vespa Ape,
und bat den Werkstättenleiter untertänigst,
er möge Abhilfe schaffen.

Ich flehte, ich betete, allein, meine Gebete wurden nicht
erhört. (Vielleicht ist das dem Umstand zu verdanken,
dass ich ein Jahr zuvor aus der Kirche ausgetreten war,
die von mir per Advokat 5000.- ÖS gefordert hatte.

Obgenannter Werkstättenleiter teilte mir lakonisch mit,
dass diese (seltenen?) Ersatzteile nicht vorhanden und
auch aus Italien frühestens in 2 bis 3 Monaten lieferbar
seien.

Da kommt Freude auf! Insbesonders dann, wenn man weiß,
dass man einen Termin zwecks Pickerl hat.
Der Überprüfer war zwar ein langjähriger Freund und
frug mich nur: "Geht eh olles?", beim Reifenprofil und den
Bremsen war aber auch er unbarmherzig.

Was tun?

Ich erinnerte mich, dass meine erste Ape im Keller der
Druckerei vor sich hin döste, einer Wiedergeburt harrend,
(Sie war Buddhistin).

Der Ernstl, mein Freund und Arbeitskollege, stolzer Besitzer
einer Flex, entledigte der Mumie binnen zehn Minuten
deren Hinterräder (wodurch es zu einer zumindest
teilweisen Wiedergeburt kam), ich brachte per Taxi
diesen verrosteten Schrott zur Firma Faber, man baute
die Bremsbeläge aus und schon übernächsten Tags
flitzte ich mit neuem Pickerl wieder neuen Reparaturen
entgegen!

Zum Amusement meiner Leserschaft noch ein heiteres
Geschichtlein.

Es soll Menschen geben, die Rinks mit Lechts wervechseln.

Zugegebenermaßen zähle auch ich mich zu diesen,
allerdings erst nach dem achten Bier.

Da die ersten drei Apes anstatt eines Elektromotors
für die Scheibenwaschanlage links (rinks?) unten
einen kleinen Gummiball hatten, der, wenn man mit dem
Fuß darauf trat, die Windschutzscheibe mit einer obskuren
Flüssigkeit schwach benetzte, führte dieser Umstand
(Links-Rechts-Schwäche) dazu, dass ich das Fußbremspedal,
das sich rechts befindet, mit der Scheibenwaschanlage
verwechselte.

Erst ein beherzter (stahlharter) Griff zur Handbremse
rettete einer zebrastreifenüberquerenden bejahrten Dame
das Leben.

Das war`s für heute,
bleibt mir gewogen,
das wünscht sich,

Hans

:wink:

Buchdrucker47
09-06-2009, 03:56
Liebe Boardies!

"Welch schöner Herbstnachmittag" sprach ich zu mir.

Es hatte einige Tage geregnet, aber jetzt schien sie wieder,
die Sonne, sandte ihre schmeichelweichen Strahlen auf den
feuchtbemoosten Boden des Waldes im Westen Wiens, um dortselbst jenen
mysteriösen Gewächsen zum Wachstum zu verhelfen, zu
denen ich schon seit frühester Kindheit eine innige Beziehung
pflegte.

Egal, ob Parasole, Anisegerlinge, Semmelstoppelpilze,
Rotkappen, Austernseitlinge, Maronenröhrlinge,Tintlinge,
Täublinge, Eierschwammerln und Steinpilze sowieso,
aber auch Totentrompeten, von derem Verzehr mir von
"Eingeborenen" dringendst abgeraten wurde, sie alle
wurden meine Opfer und landeten in der Pfanne.

Doch kann ein leises und dann immer lauter werdendes
Geräusch aus dem Getriebe der Ape, die alle diese Pilzsuchpläne
binnen kürzestem zunichte (zur Nichte?) machen.

Ein Krachen, ein Knirschen, ein Rattern, all dies bewog
mich, in die nächste Seitengasse rechts abzubiegen, in der
Hoffnung, noch einen Parkplatz zu erreichen.

Flotten Schrittes begab ich mich zum ÖAMTC-Stützpunkt
Schanzstraße (ein Handy hatte ich damals noch nicht),
um einen Lastwagen zu erflehen. Die Ape kann man nicht
per Seil abschleppen.

Als der Chauffeur des LKWs des Fahrzeugs ansichtig wurde,
dann meiner, lange Haare und ein knallrotes gehäkeltes
Hauberl auf dem Haupt, und, Nonplusultra, mein lieber
grüner Freund, der Pepi, auf der Schulter, rieb er sich
kurz die Augen, um sich zu vergewissern, dass er nicht
träume.

Er brachte mich dann zur Werkstätte in Wien 6., die natürlich
schon geschlossen hatte und fuhr fröhlich pfeifend von dannen,
weil trinkgeldbedingt um 100.-ÖS reicher.

Montags erfuhr ich dann telefonisch die grauenhafte
Wahrheit. Vom größtem Zahnrad im Getriebe war ein
Zahn ausgebrochen, ich hätte eine Woche zu warten,
bis der Ersatzteil aus Italien eingetroffen sei und dass die
Reparatur etwa 12.000 ÖS kosten würde.

"Oh ja, fein" schrie ich durchs Telefon zurück und verfiel
sofort in einen Zustand, den auch ein halbgebildeter
Psychiater als schwere Depression erkannt hätte.

Nachdem es dem Wunderwuzzi von Mechaniker gelungen
war, das Vehikel wieder fahrfähig zu machen, riss mir
das Gangseil.

"Kein Problem", meinte der Werkstättenbesitzer, ich könne
die wenigen Kilometer von Wien 7 bis Wien 6 ohne
weiteres im zweiten Gang fahren.

Dem Rat des Fachmannes vertrauend, ward ich alsbald zum
Verkehrshindernis erster Klasse. 20 Minuten später
erreichte ich diesen mechanischen Musentempel, fuhr
noch in den Hof, allein, der Motor ließ sich trotz
gezogenem Zündschlüssel nicht abstellen.

Durch den Lärm des auf Vollgas laufenden Motors alarmiert,
lief der Chef mit hochrotem Kopf aus dem Büro und
schrie, nachdem ich ihm mein Problem erklärt hatte,
ich solle die Kupplung loslassen und gleichzeitig auf
die Bremse steigen.

Gesagt, getan. Das hässliche Geräusch war plötzlich weg,
genauso plötzlich wie meine Kupplungsbeläge.

Diese Firma ging ein Jahr später in Konkurs.
Ich weiß bis heute nicht, ob ich den Umstand bedauern soll.

Zum Abschluss noch ein gar drollig Geschichtlein.

Winter war`s, Schnee lag damals noch Zuhauf, ein Parkplatz
war, bedingt durch die von der MA 48 beiseite geschaufelten
Berge noch schwerer zu finden als sonst.

Nach Beendigung meines mühevollen Tagewerks hatte ich
mir verdienterweise einige Biere vergönnt.
(Ein Umstand, den Ihr sicher nachempfinden könnt).

Dass ich von Wien 15 nach Wien 7 zwanzig Minuten
benötigte, wäre, was die Harnblase betrifft, noch
erträglich gewesen, nicht aber die darauffolgende
Parkplatzsuche, die ebenso lange währte.

Die Natur ist unbarmherzig!
Ich musste pinkeln!!!

Not macht erfinderisch.

Ich erinnerte mich, noch ein Billa-Plastiksackerl
im Laderaum herumlungern zu haben, öffnete diesen,
tat so, als hätte ich etwas zu entladen (in zweiter
Spur stehend) und im Schutz der schon einbrechenden
Dunkelheit entlud ich auch.

Als umweltbewußter Bürger entsorgte ich nächsten
Tags das Sackerl mit dem hartgefrorenen Urin im
nächstgelegenen Abfalleimer.

Jaaa, dieses Fahrzeug ist sehr praktisch und birgt für
erfinderische Geister ungeahnte Möglichkeiten!

God bless you,

Hans
:U:
:wink:

shroeder
09-06-2009, 08:02
du hast recht hans, nicht nur der eine oder andre goi, auch shroeder der schmock liest mit, mit begeisterung, auch wenn deine schilderungen ned immer kommentiert werden :D :wink:

Evil_Jason
09-06-2009, 17:11
du hast recht hans, nicht nur die gois liest mit

Wie meinen?:ylsurpris

shroeder
09-06-2009, 18:41
Wie meinen?:ylsurpris

besser?

Buchdrucker47
11-06-2009, 01:12
besser?

Hallo, shroeder,- jason dürfte nicht der israelitischen
Kultusgemeinde angehören (ich übrigens auch nicht).

Der Ahnenpass meiner Eltern (der anläßlich der Heirat
gefordert wurde, reicht bis 1780 zurück, also auch
ich a Goi, warum versteht´s der der liebe Jason
nicht, wenn man mit einer Schickse teigazt, den
Doches zeigt, seinen Freund einen Haberer nennt
und eigentlich nur a Ruh`haben will von der ganzen
Mischpoche.

Schalom,

Hans,
:wink:

Evil_Jason
11-06-2009, 01:28
jason dürfte nicht der israelitischen
Kultusgemeinde angehören

ja, da liegst du richtig:wink:

Sugarbabe
18-06-2009, 22:50
ja, da liegst du richtig:wink:

mich würd's aber auch wundern, wenn der Meister Shroeder derer angehören würde.

Buchdrucker47
23-06-2009, 01:13
Liebe Boardies,

Diejenigen unter Euch, die schon so einen lustigen italienischen
Dreiradler vorbeiflitzen sahen, sei`s im TV oder in dessen
Heimat, möchte ich inständig bitten, vom Kauf eines dieser
zugegebenermaßen drolligen Vehikel abzusehen.

Solltet Ihr keine finanziellen Reserven Euer Eigen nennen, ist
Euch der Privatkonkurs schon vorprogrammiert!

Habt Ihr dieses geniale Produkt der itakischen "Ingenieurskunst"
neu gekauft, so habt Ihr drei Jahre Schonzeit, doch dann
beginnt eine nicht endenwollende Flut von Pannen,
Ersatzteilkäufen und Reparaturen, deren enorme Kosten
den Ankauf einer neuen Prestigekutsche aus Stuttgart
überlegenswert erscheinen lassen!

Ausnahme: Man wohnt in Italien, wo die "Spareparts" und
die Mechanikerlöhne die Hälfte dessen ausmachen, was
hier zu löhnen ist.

Da kann bei einer Panne, bei bestem Willen, auch der ÖAMTC
nicht helfen, dieses Fahrzeug überfordert, wie ich
mehrmals feststellen konnte, die Fachkenntnisse
auch des versiertesten Mechanikers.

Übrigens ist dieses Konstrukt seit drei Jahren bei der
§ 57 Überprüfung als PKW klassifiziert, dh höherer
Mitgliedsbeitrag trotz rotem Nummerntaferl und
penibelster Untersuchung, zB Bremsflüssigkeit.

Die Ape wurde vor etwa 50 Jahren konzipiert, um
Kleintransporte kostengünstig (spritsparend) auf
kurzen Strecken zu transportieren.
(Vater, Mutter, Kind und hinten alles Melonen).

Sobald man aber das Fahrzeug umbaut oder umbauen
lässt, um etwas schneller zu sein, oder, wie im
gebirgigem Norditalien Steigungen zu überwinden,
die man mit dem "normalen" Motor nicht geschafft
hätte, wird`s teuer.

Der Umbau kostete (in Wien) 3500 ÖS, man fährt statt
40 kmh 50 kmh, schafft Alpenpässe, die man sonst nie
gemeistert hätte, der Spritverbrauch steigt aber von
(lt. Werksangabe) von 3,5 auf sieben Liter.
(Ein Liter Benzin in Wien kostete 10 ÖS, mein Gemisch
aber 14 ÖS).

Der Tank fasst 10 Liter, einen Reservekanister darf man
in Italien lt Gesetz nicht mitführen (Explosionsgefahr,
hohe Geldstrafen), nichts desto trotz hatte ich immer
einen in petto, wusste ich doch, dass die Tankstellen
häufig streiken.

Wenn man dann, so wie ich, an die 350 km pro Tag
zurücklegt, kommt man nicht sehr weit.
Auch wenn man bergab die Zündung abstellt, nicht
um Sprit zu sparen, sondern um die Überhitzung des
winzigen Zylinders durch die Motorbremse zu vermeiden.
Natürlich auf Kosten der Bremsbeläge, andererseits
ist es aber auch lustig, einen mit Baumstämmen
beladenen Schwertransporter plus Anhänger mit
80 kmh zu überholen.

Ich hätte jetzt zwar noch drei Manuskriptseiten,
bin aber schon zu müde, um sie in die Tastatur
zu hämmern. Ich hoffe, Ihr verzeiht.

@ Lotusblume: Melde Dich, sonst werden wir beide
alt und grau!

Liebe Grüße an meine Leser,

gute Nacht,

Hans

:wink:

BiciGT43
23-06-2009, 11:19
:bump:
Hallo Buchdrucker47!
Sehe Dein Nachkriegszeit-Leben direkt als s/w - Film vor mir.
Später ist es ja doch noch farbiger geworden - wie ich in anderen Beiträgen lesen konnte.
Interessante Story!
LG G.

Buchdrucker47
29-06-2009, 00:15
Liebe Boardies,

Nicht mit dem Rad, sondern mit dem Eilzug (in dem man damals
noch dem Tabakgenuss frönen durfte, fuhr ich nach "Bella Napoli",
einer Stadt, in der kein Automobil existiert, das nicht lädiert ist.

Auf dem Weg vom Bahnhof zum Hafen fand ich eine Ausnahme:
Einen VW, er hatte aber erst 800 km auf dem Tacho.

Auch bei den Vespa-Rollern fehlten großteils recht nützliche
Utensilien, wie zB Scheinwerfer.
Schnell wurde mir klar, dass es keinen Sinn hätte, diese
besonders nächtens nützlichen Utensilien nachzukaufen.
Sie werden spätestens nächsten Tags wieder gestohlen.

Herkulanum (Ercolano) und Pompeji: Ein "Muss"!
(Für Boardies, die schon dort weilten, bitte nicht weiterlesen).

Bedingt durch die sieben Meter hohe Aschenschicht, die
nach dem Ausbruch des Vesuvs sozialistisch Arm und Reich
bedeckte, sind an den Wänden die Graffiti der damaligen
Jugend (die ja nicht ahnte, dass sie nie und nimmer älter
werden würde) so gut erhalten, als wären sie erst vor
Kurzem geschrieben worden.

Für diejenigen, die des Lateinischen ein wenig mächtig sind:
Der Unterschied zu den heutigen Kritzeleien ist unwesentlich.

Ich wandelte sieben Stunden durch diese einst blühende
Kleinstadt, sah die Bäckerei (Pizzeria?), das Puff und die
Villen der Reichen.

Besonders sehenswert waren für mich, dem man getrost
einen Hang zur Nekrophilie nachsagen kann, die Gipsabgüsse,
die man von den Hohlräumen der gemütlich vor sich
hinwesenden Leichen anfertigte.

Liebespaare in Umarmung, Hunde, Schlafende, alle wurden
von den giftigen Gasen, der pyroklastischen Hitzewelle und
dem Asche- und Bimssteinregen in Sekundenschnelle überrascht.

Dies hat Goethe anlässlich seiner "Italienischen Reise" leider
noch nicht gesehen, waren doch damals erst einige Häuser
freigelegt.

Pompeji liegt vier Km von Neapel entfernt, näher liegt das
viel kleinere Herkulanum (Ercolano).

Der Mosaikboden des sich dort befindlichen Hallenbades ist,
bedingt durch das Erdbeben, das den Vulkanausbruch
begleitete, leicht gewellt.

Wäre dem nicht so, würde man aufgrund des perfekten
Zustandes des Bades erwarten, dass ein oder mehrere
Römer in Toga das Etablissement betreten. Eine Zeitreise!

Müde von der Exkursion nahm ich in einer nahe gelegenen
Trattoria Platz, der ca 30jährige Kellner verstand sogar
mein Volkshochschulitalienisch (welch prächtig Wortgebilde!).

Er machte sich erbötig, mit mir und seinem Fiat 500 den
Gipfel des Vesuvs zu erklimmen, allerdings müsse er zuvor
noch sein Mütterlein abholen.

Die Mutter erwies sich als italienische "Mamma" wie sie im
Buche steht, etwa 55 Jahre alt, schwarz gekleidet und
sehr streng.

Alsbald ließ ich ihr, unterstützt von meinem alkoholgedüngtem
Gehirn Komplimente zuteil werden, die sie sichtlich genoss.
So teilte ich ihr beispielsweise mit, dass sie der Inbegriff
aller italienischen Mammas seie und gewann so ihre Gunst.

Dies wirkte sich insofern vorteilhaft aus, weil ihr Schlitzohr
von Sohn kurz vor Erreichen des Vesuvgipfels
(Parkplatzes) seine Fiat 500-Rostlaube zum Stillstand brachte
und mir überraschenderweise zu verstehen gab, dass ich
nun 10.000 Lire zu zahlen hätte oder andernfsalls aussteigen
müsste.

Ich stieg aus (es war schon abends) und wanderte frohen
Fußes auf gut Glück gen Gipfel.

Auch wenn schon 50 Meter entfernt, konnte ich noch immer
das Gekeife der Mutter vernehmen, die ihrem Sohn eine
Moralpredigt hielt.

Reumütig fuhr er mir nach, ich stieg wieder ein in questa
piccola macchina und wir fuhren talwärts.
Um ihn zu beschämen, überreichte ich ihm mit Grandezza
die 10.000 Lire und fuhr mit dem Bus in mein Hotel.

Liebe Boardies,

ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich Euch schon von
den Mumien in Palermo erzählt habe oder von den
Moorleichen in Dänemark.

Wenn nicht, bitte ich um ein Feedback, ein Bericht wird
dann alsbald folgen.

Außerdem hätte ich noch eine Fortsetzung vom Pizzaflitzer
in petto, falls dieses seltsame Fahrzeug noch jemanden
interessiert.

Liebe Grüße und gute Nacht,

Hans

:wink:






.

Evil_Jason
29-06-2009, 00:23
Lieber Hans,
wir freuen uns über jede Geschichte von dir.
Bis demnächst und Gummistiefeln nicht vergessen
E_J

Buchdrucker47
29-06-2009, 00:40
Lieber Hans,
wir freuen uns über jede Geschichte von dir.
Bis demnächst und Gummistiefeln nicht vergessen
E_J

Lieber Jason,

natürlich freue ich mich wie immer über Dein positives
Feedback. Danke!

Aber was die Gummistiefel anbelangt,
stehe ich auf dem (Gummi)schlauch!

:wink:

Buchdrucker47
04-07-2009, 02:06
Stichwort "Posen":
Posen ist, lt. Wikipedia eine Stadt im Westen Polens, an der
Warthe gelegen...blablabla.

Natürlich kann man mit der Ape posen.
Ein auffälliges Fahrzeug, das, bedingt durch das im Norden Europas
ungewohnte Design gerne als Werbefläche benutzt wird.

In "Bella Italia" ist das impossibile, weil ja 10tausende von diesen
huckeligen Dingern herumbrausen.

"Auffallen" kann man eigentlich nur, wenn man auf der Rückwand
des Kastenaufbaus eine Werbung appliziert hat, die besagt:
"FÜHRERSCHEINFREIES LASTENFAHRZEUG". Dann wird man
schon von den Eingeborenen gefragt, was diese mysteriöse
Aufschrift zu bedeuten hätte.

Schon wenige Tage später bewies mir ein etwa 10jähriger, dass
auch Jungitaliener den PISA-Test bestehen könnten!

Nach dreisekündiger Betrachtung meines roten Nummerntaferls
gab er schon seiner Mutter kund: Schau! Der ist aus Wien!
(Ein Umstand, der dann, auf der Fähre nach Elba, einigen schweizer Mountainbikern einiges Kopfzerbrechen bereitete).

(Für die Peniblen: Schweizer schreibt man tatsächlich klein, weil
mit "er" endend).

Owa eigentlich is eh wuascht.

Von Autofahrern, die mich überholten (was kein Kunststück ist),
erntete ich anerkennendes Kopfgenicke oder einen Daumen nach
oben.

Die Apemania findet übrigens nicht, wie ich früher dachte, erst
südlich von Rom statt.

Nein, auch im Norden, in den Ausläufern der Dolomiten, in der
Provinz Trento, kaufen sich 16jährige eine kurz vor der
Verschrottung stehende Ape, lassen sich diese von meinem
Cousin etwas aufpeppen, um sodann mit mit 70 kmh die nächste
Serpentinenstraße auf ewig zu verlassen.

Denjenigen unter den Wagehälsen, die den Absturz überleben,
repariert mein Cousin gerne das Chassis.

Diese "Fahrzeuge" sind auch nicht im Besitz eines Kastenaufbaues,
sondern nur einer Pritsche, weil Vorgenanntes absolut verpönt.
Diese "Pritsche" allerdings mit Überrollbügel.

Erst durch meine italienische Mischpoche ward ich der Kenntnis
teilhaftig, dass es auch für diese mickrige Reifendimension
Schneeketten gäbe.

Die ansässige Jugend der drei Dörfer im Val di Primiero nutzte
diesen Umstand, um die Statistik zugunsten der längeren
Lebenserwartung von Frauen aufzubuttern.

Abends saß ich dann in einer Minidisco, um festzustellen, dass
die Bartenderin auch eine Verwandte von mir war.
Dies war aber nichts Neues für mich, schließlich traf ich,
früher oder später, auch in Almhütten oder als Verkehrspolizisten,
immer Verwandte, eine Inzesteria.

Das störte mich auch nicht im mindesten, war ich doch, nach
Nennung meines Familiennamens quasi integriert und man erzählte
mir lokalintime Details, die ein "Fremder" nie zu Gehör bekommen
hätte.

Paradise lost:

Die Berge, 3000 m hoch, mit Schnee bedeckt, überall quillt
reinstes Quellwasser, der Fluss, Forellen sonder Zahl, die
wirklich saubere Luft, all dies hätte mich bewogen, eine
"Auswanderung" nach meiner Pensionierung in Betracht zu ziehen.

Allein der Umstand, dass ich aufgrund meines etwas flüssigeren
Italienisch meine Verwandten besser verstehen konnte, hielt
mich davon ab.

Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte: Mein ältester
Cousin.

Er hatte ein Mädel aus einem in der Nähe gelegenen Gebirgs-
dorf geheiratet, "vollbrachte" (verbroch?) mit diesem Ausbund
an Intellekt 12 Kinder, von denen er keines in die örtliche
Schule gehen ließ.

Diese Armen sind auch heute noch Opfer des religiösen Wahns
ihres Vaters, weil sie kein Abschlusszeugnis einer Schule
vorweisen können.

Er, der Patriarch, hat noch nie gearbeitet, brachte sich aber
autodidaktisch das Orgelspiel bei, quält sommers wie WINTERS
seit 40 Jahren barfuß und ohne Hemd dieses Instrument und
lebt nur von der Kirche und der Gemeinde, die ihm eine große
Wohnung gratis (12 Kinder!) zur Verfügung stellte, ein
Umstand, der seine Beliebtheit, wie ich feststellen konnte,
auch nicht unbedingt erhöht hat.

Und schon wieder die unvermeidliche Bitte:

Wenn Euch meine Geschichtlein gefallen, schreibt mir bitte!

Das wünscht sich,

Hans

Evil_Jason
04-07-2009, 20:04
(Für die Peniblen: Schweizer schreibt man tatsächlich klein, weil
mit "er" endend).



Eigenschaftswörter werden, so wie schweizer Irgendwas, immer klein geschrieben:look:

Evil_Jason
04-07-2009, 20:13
Lieber Hans,
Auch dies war wieder eine höchst lesenswerte Geschichte (netter Comic am Ende:p). Ich bin sicher, dass es bei deinen Lssern, bei mir sowie so, höchst erfreuliche Gemütszustände geben wird, wenn es neue, von dir verfasste Erlebnisse zu lesen gibt.
Wolkige Grüße aus dem Burgenland wünscht dir,
E_J

Buchdrucker47
07-07-2009, 00:15
Hui, war das ein Gekreische, als sich in den Katakomben das
Licht verabschiedete! Ein absichtlicher Kurzschluss?

Die japanische Reisegruppe flippte aus.

Allein, ganz allein, mit 5000 Toten!

Japaner haben traditionsbedingt eine andere Einstellung zu
Verstorbenen als Europäer, sie sind gespenstergläubig, wie
wir es noch vor 100 Jahren waren (und kleinteils es auch
heute noch sind).

Diese skurrilen, verstaubten Zeugen der Vergänglichkeit
hängen dort seit ca 400 Jahren überall herum, trocken
spannt sich die gegerbte Haut über die Schädelknochen.

Sie hängen an Haken an der Wand und es wurde von den
mittlerweise auch schon verblichenen Nachfahren dieser
Patrizier früher sogar regelmäßig die Bekleidung gewechselt,
um diese (dernier cri) auf den modisch letzten Stand zu
bringen. (Das muss ganz schön gescheppert haben!)

Die meisten der Knochenheinis tragen aber noch die schicke
Tracht des 17. oder 18. Jahrhunderts.

Ein spezieller Altar wurde errichtet, um die im Babyalter
Dahingeschiedenen dahinter an die Wand zu dübeln.
(Das sieht sehr nett aus).

Das Prunkstück aber ist ein Mädchen, das wie Schneewittchen
in einem Glassarg der Ewigkeit entgegendämmert. Sie starb,
soweit ich mich erinnere, als Zweijährige, sieht aus, als wäre
sie erst gestern verblichen und war im Jahre 1920 die letzte,
die dort ihre letzte Unruhe finden durfte.

Der einbalsamierende Arzt hat nie sein Geheimnis verraten,
mit welch Cocktail von Chemikalien ihm dies Meisterwerk
gelang.

Beim Rundgang durch dieses Elysium der Vergänglichkeit
stößt man auf ein Kämmerlein, in dem sich ein Mönch
(wohlig ausgestreckt auf einer Bank) befindet, der gerade
der Entnahme seiner Eingeweide harrt.

Er sieht sehr friedlich aus, also dürfte ihn dieses Procedere
psychisch nicht allzu sehr belastet haben.

Das aufgeblähte Bäuchlein lässt darauf schließen, dass er
den Freuden der Nahrungsaufnahme grundsätzlich nicht
allzusehr abgeneigt war.

Kurz und gut, für Menschen, die den Anblick des Todes
gruslig finden, nicht geeignet, für mich interessant.

Genauso interessant wie "Van Hagens Körperwelten".
Faszinierend!
Aber etwas fehlte mir.
Ich wußte erst nicht, was dies sein könnte, dann kam
mir die Erleuchtung: Es war der Verwesungsgeruch, den
die plastifizierten Leichen nicht ausströmen.

Ich schlug dem Ausstellungsleiter vor, dass man dieses
Odeur doch mit Hilfe eines Gebläses in die Räumlichkeiten
einbringen könne. Er war von meiner genialen Idee nicht
sehr begeistert.

Eine gute Nacht mit lustigen Träumen wünscht Euch,

Hans

:wink:

Buchdrucker47
11-07-2009, 02:00
Liebe Boardies,

ein wenig bin ich schon verwundert, dass eine seit langem
in Österreich weit verbreitete Sportart, nämlich das Kampf-
oder Komatrinken, die dem Fiskus Einnahmen in mehrstelliger
Millionenhöhe beschert, im Bikeboard keinen Niederschlag
findet. (Oder habe ich da etwas überlesen?).

Diese vergorenen oder destillierten Fruchtsäfte werden von
unsensiblen Gutmenschen schlichtweg als Alkohol bezeichnet
und in den Orkus des Unaussprechlichen befördert.
(Was nicht sein darf, kann nicht sein).

Ich traf Biker, die erst durch den Kontakt mit den Funktionären
im Radsportvereinslokal dem Suff anheimfielen,
aber auch solche, die nach 30jährigem Genuss dieser
Volksdroge Nummer eins und nach mehrmonatigem
Aufenthalt in Kalksburg mit anschließender Mitgliedschaft
bei den Anonymen Alkoholikern zum Radsport fanden.

Hier meine Geschichte in verkürzter Form, verkürzt deswegen,
weil sie sonst zu einem Roman a la Fallada, "Der Trinker",
ausarten würde.

Schwer lässt sich das Alter eines Menschen schätzen, wenn
man selbst erst fünf, sechs oder sieben Jahre zählt.

Meine Nachbarin war etwa 55, alleinstehend (sitzend, liegend),
und verwertete lobenswerterweise jede Frucht ihres
Obstgartens, um daraus mit erstaunlichem Geschick
Likör herzustellen. Eine Alchimistin, sozusagen.

Besuchte ich dieses einsame Weib, so war vom Dachboden
her ein ständiges Brodeln und Glucksen zu vernehmen,
dessen Ursache die Gärröhrchen waren, die aus den
vielen großen Korbflaschen ragten.

Geizig war sie nicht, gab sie mir doch mit einem diffusem
Glanz im Auge ein oder mehrere Gläschen ihrer neuesten
Produktion zu verkosten.

Kinder spielen gerne. Nach dem Konsum mehrerer Likörchen
spielte ich noch viel gernerer!

Meine liebe Frau Nachbarin segnete aber leider wenig später, zirrhosebedingt, das Zeitliche. Welch Jammer!

Auch im Vereinslokal des ARBÖ in Floridsdorf musste ich
nicht dürsten.
Freigebig stellten die Funktionäre (alle ehemalige Radrennfahrer)
uns einen Doppler auf das wackelige Konstrukt, das man
kaum mehr als Tisch bezeichnen konnte, mit der
Bemerkung: "Kummts Burschn, trinkts"!

Das erste Glas schmeckte nicht so besonders, weil säuerlich
(Brünnerstraßler), das fünfte aber schon köstlich.
Und so fuhr ich samstags nächtens über die verschneite
Leopoldauer Straße besoffen nach Hause.

Im vorigen Jahrhundert (Jahrtausend), das einige von Euch
(hähä) schon erlebt haben dürften, war der samstägliche
Fünf-Uhr-Tee Usus. Es spielten Live-Bands, deren Name
nichts Gutes verhieß und deren Musik auch so klang.

Twist war angesagt, weil man dazu keine Tanzschule
besucht haben musste, aber auch Slow-Fox.
Wenn auch falsch intoniert, waren "True Love"
"I`ll be Home" und andere Schnulzen von Pat Boone,
Bing Crosby und Paul Anka ein Renner.

Der Grund?
Man durfte die Tanzpartnerin ganz fest an sich drücken,
quasi ein Fruchtbarkeitsritual.
(Frei nach Mae West: " Ist das Ihr Haustorschlüssel,
oder haben Sie mich wirklich so lieb"?

Um aber als 16jähriger ein Mädchen zum Tanze zu bitten,
das erforderte schon einen ganzen Mann! (Der ich nicht war).

Womit wir wieder beim Thema wären.

Die wenige Meter entfernte Spelunke, mit einer 25-Watt
Glühbirne notdürftig der Dunkelheit entrissen und
spinnwebverhangen, offerierte ein Achtel Kirsch-Rum
zum Spottpreis von fünf Schilling! Das macht Courage!
Nach dem fünften Achterl hätte ich sogar die
Primaballerina der Wiener Staatsoper zum Tanz aufgefordert.

Falls gewünscht, folgt eine Fortsetzung zum Thema "Alkohol".

Ihr kennt ja diese Lebensweisheit, dieses Trösterlein der vom
Schicksal Vergessenen:
"Alkohol und Nikotin, macht die halbe Menschheit hin,
ohne Alk und ohne Rauch, stirbt die and`re Hälfte auch".

Gute Nacht und Prost,

Hans

:U:

:wink:

Buchdrucker47
27-07-2009, 04:22
Liebe Boardies,

kaum zu glauben, welch skurrile Menschen man trifft!


Schräg, blöd und vorfrühlingshaft kalt schien die Sonne auf
das Deck dieses verrosteten DDSG-Dampfers herab, als ich
in Linz des EDIS erstmals ansichtig wurde.

Ich war Matrose, er Bootsmann.

Etwa 160 cm groß und 55 kg schwer, betrachtete er mich
aus seinen kleinen Schlitzaugen begutachtend, als eher
störendes Element.

EDI stammte, wie ich schon wenig später erfuhr, aus einer
kleinen betrübhafteten Stadt an der Donau.

Es war schwer, ihn einzuordnen. Die Rhetorik war seine
Sache nicht. Manchmal sehr nett, verhüllte er sich
wenig später in seinen Kokon.

Schon in der ersten Woche an Bord ereignete sich
etwas für mich Unvorstellbares.
Dieses dürre Männlein stolperte über einen Schlauch,
mit dem er kurz zuvor das Deck abgespritzt hatte
und fiel rücklings sieben Meter tief in eine leere
Ladeluke.

Mein erster Gedanke war: Der ist tot, der hat sich das Genick
gebrochen!
Keineswegs! Schon nach wenigen Sekunden kletterte er
die Hühnerleiter zum Deck empor.

EDI hatte kein "Profil", aber gerade diese Profillosigkeit
machte ihn zum Original, wie ich später feststellen konnte.

EDI trank keinen Alkohol, rauchte nicht, und fiel auch auf
anderen Schiffen nur durch seine exorbitante Teilnahmslosigkeit
auf.

Als meine Wenigkeit bei der Reederei Leonhardt und
Blumberg in Hamburg anheuerte, erzählte mir die Crew, dass ein
total beknackter Österreicher an Bord gewesen sei,
der Tags zuvor von Bord ging.

(Ich erzählte nichts davon, dass ich
ihn kannte, sonst wäre mein Image
im Arsch gewesen)!

Es war, drei Mal dürft Ihr raten, der EDI.


Als ich die DDSG verließ und EDI erfuhr,dass ich ab nun
für zwei bis drei Monate per Autostop unterwegs sein
würde, frug er mich, ob ich ihn nicht mitnehmen könne,
da diese Art zu reisen für ihn völlig fremd seie.

Ich wünschte, ich hätte "Nein" gesagt.
Er entpuppte sich als Quälgeist.

Sagte ich, schau wie schön blau das Meer ist,
korrigierte EDI mich sofort und meinte das sei grün.

Ich lebte von Baguettes, Eckerlkäse, Wasser und
selbstgedrehten Zigaretten, schlief im Schlafsack,
SO hatte der EDI sich ein Tramperleben nicht
vorgestellt.

Nachdem wir den größten Teil der französischen
Küste zu Fuß latschten, weil uns eh keiner mitnahm,
gelangten wir doch irgendwie nach Barcelona,
wo ich dann ein Machtwort sprach: " Du gehst jetzt
nach links und ich nach rechts"!

Es war eine laue Frühherbstsommernacht, ich stund
auf einer Seinebrücke und sprach gerade mit einem
Russen, als schemenhaft dert EDI auftauchte und
mich frug, ob ich denn nicht Orangen haben wolle
oder 50 Deutschmark!?
Konsequent, wie ich nun mal bin, lehnte ich ab.

Wenige Jahre später, wieder zurück in Wien, erreicht
mich ein Telefonat, in dem mir EDI mitteilt, dass er
jetzt auch in Wien sei und mich treffen möchte.

Neugierig wie ich nun mal bin, sagte ich zu.

In einem Lokal am äußeren Neubaugürtel harrten meine
Freundin, deren Freundin und meine Wenigkeit seiner.
Und dann kam EDI. Er hatte mir einen Feldstecher
aus der Zollfreizone Rotterdam mitgebracht und
erzählte ein wenig aus seinem Leben.

Als er pinkeln ging, meinte die Freundin meiner Freundin
ganz lakonisch: "I hob gor ned gwusst, dass du so deppate
Hawara host".
Ich genierte mich ein wenig.

To make a long story short:

EDI hatte auf einem Schiff angeheuert, das einen Schmierer
(Öler, Reiniger) suchte, ein Scheißjob, besonders in den
Tropen, wo es dann im Maschinenraum 70 Grad Celsius hat.

(Fast) jeder weiß, dass man in afrikanischen Ländern ein
Kapitänspatent oder Ingenieurspatent um 5000 $ kaufen
kann.

EDI hatte ein Ingeneurspatent!
Sein Seefahrtsbuch bewies es!
Er war der Erste Ingenieur auf einem Tanker, der während des
ersten Golfkrieges im Einsatz war und, wie er erzählte,
auch gelegentlich beschossen wurde.

Als ich vor vielen vielen Jahren (damals gab`s noch Fahndungs-
bücher) dienstlich bei der Kripo Wien 20 zu tun hatte,
erkundigte ich mich auch wegen EDI.
Ja, er war noch gesucht, wegen Wehrdienstverweigerung.

Aber, wen interessiert das schon?

Liebe Boardies, wenn Euch dieses Geschichtlein aus
meinem Leben gefallen hat, erzähle ich noch mehr davon....

Hans

:wink:

.

Buchdrucker47
16-08-2009, 02:00
Liebe Boardies,

Es war einmal, vor Jahrzehnten, als es noch keine PCs gab und
der ORF ein sehr bescheidenes Programmangebot hatte,
dies damals natürlich nur in Schwarz-Weiß, die Welt
noch in Ordnung war. (Abgesehen vom Kalten Krieg).

Den leicht vergilbten "Bravo"-Heften, die noch bei mir herumlurchen,
entnehme ich, dass um 20.00 Uhr die Nachrichten (ZIB) erfolgten,
dann wurden wir mit dem Hauptabendprogramm beglückt.

Ob es sich um eine Aufzeichnung aus der Wiener Staatsoper
handelte, oder um einen Durbridge-Krimi ("Das Halstuch", ein
Straßenfeger), um 22 Uhr ermahnte uns die rotweißrote
(grauweißgraue) Fahne plus Bundeshymne an den Sendeschluss.

Dienstags und donnerstags war Funkstille, dafür durften wir
uns samstags schon um 17 Uhr vor dem Bildschirm
versammeln, um den Segnungen von: "Der Kasperl kommt",
"Fury" und "Lassie" teilhaftig zu werden.

Damals hatte ich nur zwei Optionen: Rad fahren und lesen.
Ersteres bei Schönwetter, zweiteres bei Regen und Kälte.

Ich erinnere mich noch gerne an mein erstes Buch, das mir
in die Hände fiel. Es war "Quo Vadis".

Das zweite Buch war schon etwas älter, meine Oma selig
hatte es nach Wien gebracht. Es war schwer zu lesen, weil
mit gotischen Lettern gedruckt und für mich "uralt", weil
aus dem Jahre 1848. Dieses Jahrbuch borgte ich meinem
Volksschullehrer und bekam es nie wieder zurück.

Obwohl mir dieser Lehrer lauter Einser gab, hatte ich kein Mitleid,
als ich erfuhr, dass er bei einem Krampusfest tanzenderweise
einem Herzinfarkt erlag.

Anschließend las ich (siehe erstes Kapitel) alles was mir in die
Pfoten kam, hauptsächlich Reisebeschreibungen.

Beruflicherweise prädestiniert, erwarb ich in einer Buchhandlung
am Graben ein Konvolut namens "500 Years of Printing".

Nach Lektüre dieses Werkes, das mit penibler Genauigkeit alle
Bücher aufzählte, die bis zum Jahre 1500 gedruckt worden
waren (Inkunabeln), bedauerte ich den Umstand, dass mein
Vater nicht mit dem Familiennamen Flick, Thyssen oder
Rockefeller zur Welt kam.

Dann las ich noch ein reich illustriertes Prachtwerk: "Die
Geschichte der alten Bücher", verfasst von einem wiener
Juden, dem es rechtzeitig gelang, dem Naziterror zu entfliehen.
Alles was er bei seiner Ankunft in New York bei sich trug,
war ein Originalbrief von Columbus.

In seiner Biographie erwähnt der Autor auch ein Geographiebuch
aus dem 15. Jahrhundert, das ihm (als Dachbodenfund) ein
Onkel schenkte. Er solle dieses Buch aber nicht für den
Unterricht verwenden, da der Inhalt (die Landkarten) nicht
mehr korrekt seien.

Er verkaufte das Buch um 1000.- Schilling und verbrachte einen
vierwöchigen Urlaub in Italien.

Drei Jahrzehnte später erfuhr obgenannter Autor, mittlerweile
renommierter Antiquar, dass dieses Buch nur mehr in wenigen
Exemplaren existiere und kaufte es um zigtausende Dollar
wieder zurück.

Sein nächster Coup war der Erwerb einer Gutenberg-Bibel.
Ich habe nicht bei Wikipedia recherchiert, aber meines
Wissens gibt es nur mehr 48 komplette Exemplare.

Fast alle sind auf Büttenpapier gedruckt, einige wenige aber
auf Pergament, wofür aber auch einige tausende Rinder
ihre Haut lassen mussten.

Obwohl ich kein religiöser Mensch bin, kann ich mir sehr gut vorstellen, welch Glücksgefühl ihn durchflutete, als er seinen
neuesten Erwerb, um viele Millionen Dollar gekauft, nächtens
durchblätterte, um ihn anschließend wieder im Tresor zu
verstauen.

Zurück zu meiner Bibliomanie:
Als sich der Flohmarkt noch Am Hof befand, gelang es mir
manchmal ein Buch um 20 Schilling zu erwerben, das eigentlich
300 Schilling wert war.

Dann übersiedelte der Flohmarkt auf den Naschmarkt.
Dort mischten sich Profihändler und Jugos.
Die Profis wussten (fast) immer genau, wieviel ein Buch
wert war, die Jugos, die die Bücher aus Dachbodenräumungen
hatten, bemaßen seltsamerweise den Wert eines Buches nach
dem Gewicht! Dickes Buch: Teuer, dünnes Buch: Billig.

Dadurch gelangte auch ich in den Besitz mancher literarischen
Kostbarkeit. Ein Kalendarium mit rot-schwarz gedrucktem
Frontispiz aus der theresianischen Zeit um 20 Schilling ist
auch nicht zu verachten!

Eine Woche später sprang mir eine Biographie des Freiherrn
von Trenck ins Auge, gedruckt zu Wien 1786 bei Trattner
in Wien. Zu meinem Leidwesen musste ich feststellen, dass
noch ein zweiter Band existiert, der die Festungshaft beschreibt,
die er als Feind Maria Theresias erleiden musste.

All meine Recherchen waren vergeblich, ein Jahr später gelangte
ich dann doch durch Zufall an mein Ziel.
Der erste Band hatte 450 Schilling gekostet, der zweite
20 Schilling. Ich war auf einen Angestellten eines Antiquariats
gestossen, dem ich sympathisch war und der seine Chefin
hasste.

Das erste (für mich) wirklich teure Buch habe ich dann vor
ca 35 Jahren gekauft. Eine Reisebeschreibung eines
portugiesischen Matrosen, der mehrmals Schiffbruch erlitt,
gedruckt in deutscher Sprache in Amsterdam anno 1670.
Blutenden Herzens legte ich 7000 Schilling auf den Tisch.
Mittlerweile wird selbiges Buch in Hamburg und Berlin um
5000 Euro angeboten.

Mittlerweile nenne ich Werke aus den Sachgebieten
Jurisprudenz, Medizin, Geschichte und Geographie etc
mein Eigen, lächle manchmal nachsichtig ob der "Fehler"
die unseren Vorfahren inhaltlich widerfuhren, rieche am
Büttenpapier und am Pergamenteinband, denke auch daran, dass die Setzer und Drucker, die diese aus dem 15., 16,. 17., und 18., Jahrhundert stammenden Prachtstücke zustande brachten, längst zu Staub zerfallen sind.


Liebe Boardies, schreibt mir, falls Ihr auch ein Faible für alte
Bücher habt!

Ansonsten gehabt Euch wohl, seid guten Sinnes und erfreut
Euch des Daseins!

Das wünscht Euch,

Hans

:wink:

lastrada
10-11-2009, 10:33
kannst du mir bitte den artikel vom bankl schicken

lg lastrada

Buchdrucker47
20-06-2012, 22:35
wayne interessierts:p

na gut, dann beantragst für ihn halt ein eigenes unterforum, aber das soll dann ganz weit unten angesiedelt sein, damit ich nicht dauernd über die komischen gschichtl drüberstoplere :s:

"Stoplere" ? :f: (Über die eigene Sparche gestoplert)?
"gschichtl" erfordert übrigens, auch wenn klein geschrieben, ein Plural-"n", also "gschichtln".

:zwinker:

Hans :wink:

Tigger
21-06-2012, 17:33
Hallo,

ich finde die Geschichte super, es war sehr toll diese zu lesen. Der Schreibstiel ist super auch das lesen macht richtig spaß.

LG

Buchdrucker47
21-06-2012, 19:27
@ tigger, freut mich zu hören, dass Dir die Geschichte gefällt!
(Falls Du es gemerkt hast, sie hat Fortsetzungen).

An alle Oldboardies: "Verzeiht bitte, dass ich den Thread wieder aktiviert habe"!

Es erwuchsen dem BB in den letzten Jahren Newbies, denen diese Gschichtln unbekannt sind
und die sie vielleicht auch lesen wollten, so dachte ich in meiner selbstverliebten Einfalt.

Sollte ich mich geirrt haben, so verschwindet dieser Thread sowieso sehr schnell wieder in den
unerforschlichen Abgründen des Archivs.

Liebgruß,

Hans :zwinker:

:wink: