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Der Berg ruft

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Eigentlich wollte ich ja die 1. Amateur Tour in Windischgarsten bestreiten. Doch nachdem ich beim Zeitfahren am Freitag eine Vollbremsung mit Tempo 60 hinlegen durfte und auch dank einer Fehlleitung einen Umweg fahren musste, schmiss ich auf die anderen Bewerbe vor Zorn den Hut, und suchte mir eine Alternative.

Es folgt eine rein subjektive Geschichte, die keinen vollständigen Anspruch auf Richtigkeit besitzt:

Ich beriet mich mit Julia.
Ich: „Der Glockner ist doch eh nicht weit weg, warum fahr ma nicht dort hin?“
Mausi: „Gute Idee, ca. 170km“
Ich: „Super, in 1:30h sind wir dort.“

Aus dem kurzen Ausflug wurde eine Reise von 3h pro Richtung. Offenbar ist den anderen Verkehrsteilnehmer nicht ganz klar, wofür das rechte Pedal im Auto ist, aber das ist eine andere Geschichte….

Bei optimalen Bedingungen von 12°C, Wind, starkem Regen und einer Sichtweite von 100m, machte ich mich bei der Mautstation Ferleiten zur Auffahrt bereit. Julia in Sorge: „Es ist kalt und es regnet, zieh das an, damit dir nicht kalt wird, und das, das, das auch noch, und………“
Eingepackt wie das Michelinmännchen schwang ich mich top motiviert auf das Rad. „Aufwärmen? Ist doch nur was für Luschn und bei 14 Kehren wird mir schon warm werden!“, denk ich mir. Noch schnell das Powertap kalibriert und schon zieh ich leichtfüßig weg.
Exakt zu diesem Zeitpunkt dürfte Pfanni wohl starkes Schluckauf geplagt haben, war doch sein Streckenrekord von 47:23 ernsthaft in Gefahr!
„Zu Beginn ca. 340W und oben raus dann noch mal kräftig zulegen“, war meine Devise. Gesagt getan, doch gleich zu Beginn gingen mir die Gänge aus, kein Wunder, 39/23 ist wohl eine suboptimale Übersetzung für diesen Berg.
Jedoch völlig unbeirrt, mit dem klaren Ziel vor Augen, den Rekord zu knacken, strample ich mit einer Kadenz von 50U/min hoch.
Erst überhole ich eine Zweiergruppe, danach noch drei Radfahrer (dabei dürfte es sich um Basso, Armstrong, Menchov, Schleck und Contador gehandelt haben), perfekter Start! Auf Betriebstemperatur drohte mir trotz der Kälte der Hitzekollaps und ich riss 7 der 12 getragenen Kleidungsschichten auf.
Nach 10min stellten sich die ersten Ermüdungserscheinungen ein. Anstelle der angepeilten 340W zeigte mein Garmin übermotivierte 370W an. Aber meine Moral war gut und vielleicht hatte ich an diesem Tag ja eine Überform!

Nach 20min (exakt die Länge von Berg, die ich üblich gewohnt bin) war es dann aus mit eitler Wonne. Der Wind peitschte mir den Regen ins Gesicht und zwang mich permanent aus dem Sattel, auch meine Durchschnittsleistung war schon unter 360W gefallen. „Vielleicht doch ein paar Körner für den Zielsprint sparen“, dachte ich...... kein einfaches Unterfangen bei 50U/min Trittfrequenz.
Nach 40min ging plötzlich nichts mehr - Hungerast. Klar, lag die letzte Mahlzeit doch mehr als 5 Stunden zurück, sehr schlau. Aus dem physischen Kampf wurde immer mehr ein psychischer und ich konzentrierte mich darauf, auf den Fotos, die Julia bei jeder Kehre schoss, nicht allzu leidend auszusehen.
Auch das Wetter machte es mir nicht einfacher, zwischenzeitlich sah ich kaum mehr als 20m Straße vor mir, die Temperatur fiel stätig und auch der Regen wurde nicht weniger.

Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchte aus den Wolken die Silhouette des Fuscher Törls auf.
Ziel? Tatsächlich geschafft! Doch eigentlich viel zu früh, mit einem Zielsprint hätt ich locker 1,5 Sekunden rausholen können, aber was soll‘s.
Bei einsetzendem Schneeschauer kämpfte ich mich schnell aus den nassen Klamotten und rein ins warme Auto.
Gerade als wir uns zur Abfahrt bereit machen wollten, begannen sich die Wolken zu verziehen und es schimmerte sogar etwas die Sonne durch. Was mir der Wettergott damit bloß sagen wollte?

Fazit des kurzen Ausfluges:
Mit 1:03:28 bin ich nur haarscharf am Rekord vorbeigeschrammt. Mit besseren Bedingungen, anderer Übersetzung, ohne Hungerast, besserer Vorbereitung, Streckenkenntnis, 15kg weniger und ohne jugendlichen Übermut ist der Rekord realistisch möglich.
Nächstes Jahr dann!

;-)
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