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WM-Silber für Trummer und Gutöhrle

WM-Silber für Trummer und Gutöhrle

12.10.20 12:37 1.128Text: PM, NoManFotos: Moritz Ablinger, Stefan VoitlIn einer epischen Schlammschlacht brillierten die Downhiller David Trummer und Juniorin Sophie Gutöhrle, Vali Höll musste verletzungsbedingt passen. Der XCO war fest in französischer Hand. 12.10.20 12:37 1.277

WM-Silber für Trummer und Gutöhrle

12.10.20 12:37 1.277 PM, NoMan Moritz Ablinger, Stefan VoitlIn einer epischen Schlammschlacht brillierten die Downhiller David Trummer und Juniorin Sophie Gutöhrle, Vali Höll musste verletzungsbedingt passen. Der XCO war fest in französischer Hand. 12.10.20 12:37 1.277

Mit der ersten Elite-Medaille für Österreichs Downhiller bei einer Weltmeisterschaft schrieb David Trummer zum Abschluss der Heim-WM in Leogang Geschichte. Und das in einem Rennen, das witterungsbedingt an Dramatik und Herausforderungen kaum zu überbieten war.
Regen, Schnee und Kälte hatten die Speedster-Strecke quasi über Nacht in die schwierigste Downhill-Strecke der Welt verwandelt: Nabentiefer, zäher Gatsch, Wurzeln und Kurven, so rutschig wie Schmierseife, und mehr Dreck auf Brillen und Laufrädern, als es Abziehfolien oder Reifenfreiheit geben kann. Bedingungen, die alle Erwartungen auf den Kopf stellten und neue Helden schufen.

Sensation für Österreich

Nach dem bitteren Aus von Favoritin und Quali-Dominatorin Vali Höll, die aufgrund eines zu kurz geratenen Sprungs am Epic Gap im morgendlichen Abschlusstraining mit Bänderriss und Bruch im linken Knöchel passen musste, holte erst Juniorin Sophie Gutöhrle die Kohlen aus dem Feuer. Die Oberösterreicherin zeigte im Sandwich zwischen den beiden Französinnen Lauryne Chappaz und Leona Pierrini Flagge und Potenzial.

Und dann machte David Trummer die Sensation perfekt. Mit nur 0,3 Sekunden Rückstand bog der Steirer in die allesentscheidende Waldsektion ein und lieferte einen sauberen Ritt am absoluten Limit. Am Ende fehlten ihm 3,19 Sekunden auf die Führung, allerdings standen noch sechs Fahrer oben - darunter große Namen wie Greg Minnaar, Troy Brosnan oder Danny Hart. Aber einer um den anderen biss sich an den Zeiten des Zwischenpodiums mit Überraschungsmann Reece Wilson (GBR) an der Front und dem Franzosen Rémi Thirion auf der 3 die Zähne aus. Als schließlich auch der letzte Starter, der viermalige Weltmeister Loic Bruni (FRA), in besagtem Waldstück stürzte, war der Jubel bei David Trummer - und mit ihm im Lager der Österreicher - groß.
"Es wird einige Tage dauern, bis ich das realisiere. Ich hatte die ganze Woche über Probleme auf der Strecke und dann sind mir heute die schwierigen Bedingungen einfach entgegengekommen", so der frischgebackene Vize-Weltmeister.
Die weiteren Österreicher Andreas Kolb und Stefan Mauser landeten im hinteren Drittel des Feldes (65.& 66.)

Überraschungs-Goldene bei Damen und Herren

Schier fassungslos schien der Gewinner Reece Wilson. Der junge Schotte hatte trotz widrigster Bedingungen einen hochriskanten und spektakulären Lauf mit High Speed und einer außergewöhnlichen Linienwahl gezeigt, an dessen Ende er sturzfrei mit einer Zeit von 3:51.243 den Hot Seat erklimmen durfte. Da waren aber noch 31 Konkurrenten oben … „Ich bin geschockt“, stammelte denn auch der 24-Jährige nach über zwei Stunden Hoffen und Bangen ins Mikrofon.

Hochverdient, weil als einzige Dame sturzfrei, krönte sich nicht minder überraschend Camille Balanche (SUI) zur neuen Elite-Weltmeisterin. Für die Frauen hatten sich die zähen, noch nicht ausgefahrenen Schlammpassagen als nahezu unfahrbar erwiesen. Manch Athletin blieb auch im steilsten Gelände einfach stecken, hatte nach Stürzen schwer zu kämpfen, überhaupt wieder auf den Kurs zurück zu gelangen, oder musste ihr Bike, dessen Räder sich nicht mehr drehten, tragen. Die Schweizerin allerdings konnte nach starkem Start die zweite Hälfte mit kontrollierter Linienwahl und viel Geschick durchsurfen und holte mit einer Zeit von 5:08.426 schließlich die erste Goldmedaille in der Geschichte des eidgenössischen Downhillsports der Frauen. Vorjahres-Weltmeisterin Myriam Nicole gewann mit gut 3 Sekunden Rückstand Silber für Frankreich, Monika Hrastnik Bronze für Slowenien. Als einzige Österreicherin platzierte sich Marlena Neissl auf Rang 16.

Bei den Junioren konnte sich Óisin O'Callaghan (IRL) das Regenbogen-Jersey sichern. Silber ging an den Briten Daniel Slack, Bronze an James Elliott (UK). Mit Platz 10 wurde Gabriel Wibmer bester Österreicher bei den Downhill Junioren.

Französische Festspiele im XCO

Einen Gold-Hattrick gab's für die Franzosen bei den XCO-Bewerben am Samstag. Bei den Damen gelang Pauline Ferrand-Prevot die erfolgreiche Titelverteidigung mit Rekordvorsprung von über drei Minuten auf die Italienerin Eva Lechner und die Australierin Rebecca McConell, welche sich einen dramatischen Zielsprint lieferten. Runde um Runde konnte die 28-Jährige ihren Vorsprung bei schwierigen Bedingungen ausbauen und "ihr eigenes Rennen fahren, sowohl in den Uphills als auch in den Downhills."
Elisabeth Osl fuhr mit Rang 24 ein solides Rennen.

Ein ähnliches Bild gab es dann wenig später bei den Elite-Herren. Auch Jordan Sarrou legte eine ähnlich spektakuläre Solofahrt, wie wenig zuvor Landsfrau Pauline Ferrand-Prevot, an den Tag: Der 28-Jährige erkämpfte sich früh einen komfortablen Vorsprung und fuhr dann sein eigenes Rennen zum ersten WM-Gold der Franzosen bei den Herren seit sechs Jahren, dem ersten Sieg in der Elite für Sarrou überhaupt. Auf Rang zwei jubelte der Schweizer Mathias Flückiger, acht Jahre nach WM-Bronze in Saalfelden Leogang, über Silber. Es ist das mittlerweile dritte WM-Edelmetall das Schweizers. Bronze ging mit Titouan Carod ebenfalls an einen Franzosen.
Bester Österreicher wurde der Tiroler Max Foidl auf Rang 34.

Und auch die U23-Damen wurden, nach krankheitsbedingtem Startverzicht der Mitfavorition Laura Stigger, zum erwarteten Showdown für eine Französin: Loana Lecomte. Auf Rang zwei sorgte die Ungarin Blanka Kata Vas für die erste Silbermedaille Ungarns im Cross Country seit zwölf Jahren. Bronze ging an die Niederländerin Ceylin del Carmen Alvarado. Als beste Österreicherin landete die Tirolerin Anna Spielmann mit Rang 13 einen Achtungserfolg.
In Wiederholung des Weltcup-Rennens der letzten Woche in Nové Město Thomas Pidcock (GBR) und Christopher Blevins (USA) den U23 Cross-Country-Wettkampf schon am Freitag unter sich ausgemacht. Bereits nach zwei Runden waren die beiden ihren Verfolgern über zwei Minuten voraus. Letztlich feierte der Engländer einen ungefährdeten Sieg, Joel Roth (SUI) beendete das Rennen als Dritter. Mario Bair blieb als 27. immerhin rundengleich.

Positive Bilanz der Veranstalter, Doppel-Weltcup als Lohn

13 Medaillenentscheidungen, drei Disziplinen und drei Jahre Vorbereitungszeit, zuletzt unter schwierigsten Voraussetzungen: Lob für die „Corona-WM“ gab es von allen Seiten – von UCI, Medienvertretern, Funktionären, Politikern, aber vor allem auch von den Athleten selbst.

Die WM fand unter strengsten Sicherheitsauflagen statt, nach Terminverschiebung von Anfang September in den Oktober hinein, wurde kurzfristig auch die Cross Country-WM von Albstadt übernommen und daraufhin innerhalb weniger Wochen eine Cross Country-Strecke verwirklicht. Dazu wurde ein umfassendes Covid-19-Präventionskonzept für rund 700 Sportler und ihre Betreuer aus 48 Nationen entwickelt. „Es war ein sehr langer Weg bis hierher. Ich bin sehr stolz auf das Team. Wir können zufrieden auf eine erfolgreiche WM blicken“, so WM-Veranstalter Marco Pointner.
„Für uns war die Austragung dieser WM auch eine Investition in die Zukunft. Schon jetzt steht fest, dass wir nächstes Jahr sogar einen Doppel-Weltcup werden austragen können“, so der OK-Leiter.
Seit einem Jahrzehnt ist die Bike-Destination erfolgreicher Austragungsort des Mountainbike Downhill Weltcups. Im kommenden Jahr wird es von 11. bis 13. Juni außerdem auch einen Cross Country Weltcup in Saalfelden Leogang geben.


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  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    WM-Silber für Trummer und Gutöhrle

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  2. #2
    degradierter Hobbyist Avatar von Gili
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    Danke für den Bericht, waren richtig geile Rennen

    Die Sensation durch Trummer hat für den Nicht-Start von Vali & Laura ziemlich entschädigt

    ahja, der Zweite beim Herren-XCO heißt übrigens Mathias Flückiger

  3. #3
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    [QUOTE][ahja, der Zweite beim Herren-XCO heißt übrigens Mathias Flückiger*/QUOTE]
    Ich hab's gewusst, dass ich irgendetwas übersehen werde! �� Merci und t'schuidign ...
    NoMan

  4. #4
    bergdocta Avatar von irie movemant
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    Kann für Samstag und Sonntag sprechen. Top organisiert, super über die Bühne gebracht und gratuliere dem Herrn Trummer. War richtig spannend und zum Mitfiebern.
    @ XC Strecke: sehr gelungen, nicht zu künstlich und wahrlich anspruchsvoll. Nächstes Jahr mal selber eine Runde drehen, heuer war 's ma doch zu gatschig ��!!