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Trek Madone 5.9 2012

Elektronisch schalten für alle! Treks Madone 5.9 auf dem Prüfstand + Preview: Trek Domane - Cancellaras neues Arbeitsgerät.
Text: BigAir Fotos: Erwin Haiden, Trek (5)

Treks Madone Serie sollte eigentlich jedem Rennradfahrer und Radsportfan ein Begriff sein. Sechs Siege bei den drei großen Rundfahrten (4x Tour, 1x Giro, 1x Vuelta) positionieren das Madone eindeutig im hochpreisigen High-End Segment des amerikanischen Radherstellers. "Rennmaschinen, die schnell, stark, entschlossen sind - perfekt, um die Straße zu beherrschen" - so steht's auf der Website oberhalb der fünf Modellreihen umfassenden Palette geschrieben: Madone Series 3, 4, 5, 6 und die Domane 6 Series.

Domane? Nein, kein Rechtschreibfehler, sondern Cancellaras neues Arbeitstier für anspruchsvolle Eintagesrennen wie das Bianche Strade wo ungefähr 70 km der Rennstrecke auf unbefestigten Straßen zurückgelegt werden. Auf diesen strade sterrate sind standardmäßige Rennmaschinen eher keine Wohltat für den geschundenen Rennfahrerkörper, und deshalb wurde bereits von vielen Herstellern eine komfortable Rahmenversionen eingeführt. Die wohl bekanntesten Vertreter dieser Kategorie sind das Specialized Roubaix und das Cannondale Synapse. Bei Trek klaffte hier - bis jetzt - noch eine Lücke, die nunmehr mit dem radikalen Domane gefüllt wird.

TREK Domane 2013

Im Gegensatz zu den Mitbewerbern, bei denen elastische Einsätze und flexible Carbonkonstruktionen für Komfort sorgen, setzt man bei Trek auf eine Neuentwicklung, die den Namen IsoSpeed trägt. Das IsoSpeed System sitzt am Übergang Sitzrohr/Oberrohr und entkoppelt diese. Dadurch wird das Sitzrohr nachgiebiger, die restliche Rahmenkonstruktion soll nichts an Steifigkeit einbüßen. Und auch die Gabel trägt die neue Technologie im Namen. Mit großzügiger Vorbiegung soll sie für mehr vertikale Nachgiebigkeit und somit mehr Komfort sorgen. Um den Radstand im Gegenzug nicht ausufern zu lassen, wurden die Ausfallenden außergewöhnlich weit hinten platziert.
Die erste (siegreiche) Bewährungsprobe kann sich die Neuentwicklung bereits auf die Fahnen heften: Fabian Cancellara gewinnt das Profi-Rennen "Strade Bianche" beim Renndebüt des Domane.

Nun aber zu unserem Testgerät, dem Madone 5.9. Abgeholt, ins Auto gestopft, ab nach Wien damit. Daheim in der Radfahrgewand-Wühllade eifrig nach der passenden Adjustierung für den Rad-Check gesucht und zum Glück auch gefunden. Schließlich will man dem Trainingsgefährten fürs Frühjahr respektvoll gegenübertreten, und was wäre da besser geeignet als ein Leopard Trek Cappy (eines der nützlichen Abstaub-Items der Eurobike).

Tech Specs

Trek Madone 5.9 Konfiguration
Rahmen500 Series OCLV Carbon SattelBontrager Affinity Race Lite
Größe50/52/54/56/58/60/62/64 cm Kurbel
Shimano Ultegra Compact
GabelBontrager Race X Lite SchaltbremshebelShimano Ultegra STI Di2
SteuersatzIntegriert SchaltwerkShimano Ultegra Di2
VorbauBontrager Race X Lite UmwerferShimano Ultegra Di2
LenkerBontrager Race X Lite KassetteShimano Ultegra 11-28 Z.
LenkerbandBontrager Gel Bremse vo/hiShimano Ultegra
LaufräderShimano Ultegra Gewicht7,2 kg (o. Pedale)
ReifenBontrager R3 Preis€ 3.999,-

7.215 gemessene Gramm abzüglich der 50 Gramm Dreck, den die Kollegen der RoadBIKE auf dem Rad zurückgelassen haben, ergeben 7175 Gramm Kampfgewicht in Größe 56. Um 3.999 Euro gekauft, erfreut man sich an Carbonrahmen, Ultegra DI2 Gruppe, Ultegra Laufrädern, Bontrager Anbauteilen und einem Rahmendesign in elegantem Finish.
Die "Blue Ink/Trek White“ genannte Farbkombination wirkt sehr edel und fügt sich mit der grauen Ultegra Gruppe in ein kühles, aber nicht emotionsloses Gesamtbild ein. Die grauen Ultegra Laufräder runden das stimmige Gestaltungskonzept ab. Einzig die weißen Seitenflächen der Reifen sind nach zehn Mal Wien – Greifenstein – Wien eher grau als weiß und sind farblich eher dem feuchten Schmutz am Unterrohr als dem Weiß des Neuzustands zugehörig.

Das Herzstück des Madone, der aus 500 Series OCLV Carbon gefertige Rahmen, bietet alle technischen Errungenschaften, die bereits im Topmodell Einzug gehalten haben: BB90 Innenlager, Ride Tuned Sitzturm, Direct Mount Umwerfer, E2- Steuerrohr und Gabel, integrierte Zugführung, Di2-Tauglichkeit und DuoTrap-Kompatibilität (zur Aufnahme eines ANT+ Sensors). Unterschiede sind der Einsatz anderer Carbonfasern und die Verfügbarkeit der sportlicheren H1 Geometrie. Die Akkumontage unter dem Tretlager ist nahezu unsichtbar, verhindert aber die Verwendung eines Race-Serviceständers.

Mein letzter Kontakt mit einem Madone ist schon eine Weile her. Damals waren meine Kritikpunkte der extrem weiche Carbonvorbau, der im Tretlagerbereich sehr nachgiebige Rahmen und die kurze Sattelstütze, die nicht unbedingt mit massig Verstellmöglichkeiten protzte. Jetzt, vier Jahre und +8 kg später, bleibt für mich einzig der Kritikpunkt mit der Sattelstütze aufrecht.
Die richtige Rahmengröße ist ein viel diskutiertes Thema und teilweise auch eine Glaubensfrage. Manch einer bevorzugt eher eine gestreckte Position mit wenig Überhöhung, andere sitzen lieber kompakter mit mehr Überhöhung. Beim 58er-Modell hätte ich bestimmt keine Probleme mit dem Auszug der Sattelstütze, aber der 56er-Rahmen sagt mir bezüglich Oberrohrlänge und Handling deutlich mehr zu, bietet für mich jedoch um einen Zentimeter zu wenig Spielraum.

Auf der Straße ist das Madone 5.9 überraschend ausgeglichen, fast schon unauffällig. Die Sitzposition ist angenehm neutral und selbst nach einer längeren Winterpause sind lange Einheiten eine Freude. Ein echtes Highlight im Fahrbetrieb ist die Ultegra Di2 Gruppe. Nach den ersten 50 km ist das Schaltverfahren verinnerlicht und der Griff auf einen der beiden Taster erfolgt automatisch.
Als Campagnolo Fahrer sind zwei Sachen anzumerken. Erstens: Das Schaltverhalten ist, verglichen mit einer aktuellen Chorus Gruppe, um einiges knackiger, präziser und (für mich) ergonomisch ansprechender. Zweitens, gestaltungstechnisch kann man sich von den Italienern noch einiges abschauen, aber immerhin wurde dem externen Zug schon vor einiger Zeit der Garaus gemacht und das Cockpit präsentiert sich aufgeräumt und übersichtlich. Wem optische Werte besonders wichtig sind, der sollte sich eher nach einer Dura-Ace Gruppe umsehen, da das Ultegra Schaltwerk etwas wuchtig und ausladend ausfällt.

Fazit

Trek Madone 5.9
Modelljahr:2012
Testdauer:760 km
+Fahreigenschaften
+optischer Gesamteindruck
+Ausstattung
0Akkumontage
-Sattelstütze
BB-Urteil:oida, ur leiwand

Das Fazit nach gut 700 km teils frostigen Trainings ist - nicht sonderlich überraschend - durchwegs positiv. Die gute Ausstattung zu einem feinen Preis gepaart mit überzeugenden Fahreigenschaften sind eine klare Ansage an die Konkurrenz.

Auch die Lackierung überzeugt; einerseits ist das optische Finish sehr ansprechend und qualitativ hochwertig umgesetzt, und andererseits schlägt sich der Blau/Graue Farbton nicht mit den Mode-Trendfarben 2012 - ein klares Statement für die Eisdielenfraktion.

Einziger Kritikpunkt meinerseits ist die etwas unflexible Sattelstütze, die aber vermutlich nur die Wenigsten trifft.




Ergebnis 1 bis 3 von 3
  1. #1
    messerspeichenfan Avatar von bigair
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    Trek Madone 5.9 2012 + Trek Domane 2013

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  2. #2
    Fisher's Fritz Avatar von Fritz the Biker
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    Für das Madone gibt es eine kurze und eine lange Sattelstütze!
    und ist der Berg auch noch so steil, a bis'l was geht allerweil!

    Mfg
    Fritz the Biker

  3. #3
    messerspeichenfan Avatar von bigair
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    Zitat Zitat von Fritz the Biker Beitrag anzeigen
    Für das Madone gibt es eine kurze und eine lange Sattelstütze!
    das ist mir durchaus bewusst (es gibt auch 2 offset varianten). mein kritikpunkt ist auch nicht, dass es nicht möglich ist eine "erlaubte" position zu finden, sondern das die sattelstützenkonstruktion mMn etwas unflexibel ist. beim 56er Rahmen sind sitzhöhen zwischen 71 und 81cm möglich.