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Das Altern der Radfahrer


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Liebe Boardies!

 

Zu Eurer Erquickung, als Trost und Seelenbalsam...

 

Wird man älter, so erlahmen nicht nur die körperlichen Kräfte (beispielsweise sind nur mehr 300 km statt 500 km je Trainingseinheit möglich), nein, auch der Blickwinkel mit dem man die Welt betrachtet, verschiebt sich unmerklich, aber stetig.

 

Dinge, die einst wichtig (wann ruft mich meine Freundin an?) sind es nun nicht mehr so arg, dafür rücken andere, früher eher für unwesentlich gehaltene Littlekeiten in den Mittelpunkt des Interesses (wo ist meine Rheumasalbe?)

 

Auch Verwechslungen und kleine Störungen des Orientierungssinnes hält das Altern als Danaergeschenk in seinem Füllhorn bereit!

 

So fuhr ich im Herbst verblichenen Jahres von Tulln kommend Richtung Klosterneuburg und fragte mich mich, den Bart kraulend, nach einem Blick linkerhands, ob es letztens wirklich so stark geregnet hatte, denn er erschien mir doch etwas zu breit, der "Marchfeldkanal"!

 

Wenige Tage später hatte ich im schönen Burgenlande ein Dejavue -Erlebnis vom Feinsten. Alles, alles, kam mir vertraut und bekannt vor. Die Bäume, die Wiese, die Blumen und sonstiges wildwucherndes struppiges Gesträuch….

 

Hier war ich schon gewesen, das wusste ich definitiv! Gab es sie wirklich, die Seelenwanderung?

Ein Leben vor dem Tode?

 

Dann nahte der Moment der intellektuellen Niederkunft.

„NEIN!!!“ hätte Homer Simpson ausgerufen!

Ich saß ja noch zuhause in meinem Garten!

Denn dann sah ich mein am Schuppen lehnendes Rad.

Ich hatte nur vergessen, wegzufahren!

 

Leichtere Sorgen um meine geistige Unversehrtheit begann ich mir anlässlich eines Radausfluges in die Wachau zu machen, als ich an einem glühendheißen Sommertage mit verdorrter Kehle zur

Trinkwasserflasche griff, um mich an einem herzhaften Schluck des Hochquells zu erquicken, sich aber in besagtem Behältnis nur feinster Brennspiritus vorfand.

 

Brennspiritus ist übrigens gar nicht so übel!

Wenn nicht von den Zollbehörden vergällt und zu 50 Teilen mit Wasser gemischt, dazu ein paar Tröpfchen Himbeersirup als Tüpfelchen auf dem „I“, ergeben ein gar köstliches Getränk!

Dies eine Empfehlung an obdachlose Radfahrer die keinen Dagobert`schen Geldspeicher ihr Eigen nennen und trotzdem

ganz laut „JA!“ zum Leben sagen wollen.

 

Nun steht er da, vor meinem geistigen Auge, der Herr Doktor, mit mahnend erhobenem Zeigefinger.

Er will mir einen Extrakt aus den Hoden der mongolischen Sumpfschildkröte auf mein rehbraunes Äuglein drücken!

Er sagt: „Nimm dies` du gequältes Menschenkind. Es dient der Regeneration von längst verloren geglaubten Synapsen und wird dich ferrarigleich an Begebenheiten erinnern lassen, die du schon

für immer in deinem Müllhaufen, den du Gehirn nennst, verloren glaubtest“!

 

Dankbar greife ich zum rettenden Elixier, doch da löst sich dieses akademische Wahngebilde in Luft auf und so muss ich wohl weiter cerebral vor mich hinfretten und solche Geschichtlein zu Papier bringen.

Wieso meine alte Olympia-Schreibmaschine plötzlich eine

„Strg-Taste“ und einen Bildschirm hat, kann ich mir

allerdings auch nicht erklären.

 

Das Leben ist voller Wunder!

 

Liebe Grüße

 

Hans

 

:wink:

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