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BMC Timemachine TMR01

Temporausch garantiert: Der schweizer Aerorenner überzeugt mit eigenständiger Konstruktion, perfekter Aerodynamik und messerscharfer Präzision.
Text: NoPain Fotos: M^2, NoPain

Aero-Rennräder liegen voll im Trend: immer mehr Hersteller setzen auf Aerodynamik statt auf extremen Leichtbau. Oft schlägt sich dieser Plan mit Einbußen bei Gewicht, Steifigkeit und Komfort nieder, und vereinzelt sieht ein Rad obendrein schneller aus, als es tatsächlich ist. Zum Glück gibt es mittlerweile zahlreiche Ergebnisse aus unabhängigen Windkanal- und Labortests, mit denen man sich - zumindest theoretisch - ein recht gutes Bild über Schein und Sein machen kann.

Beim neuen BMC TimeMachine TMR01 haben die Schweizer Entwickler wohl alles richtig gemacht. Sie schafften den schwierigen Spagat zwischen niedrigem Luftwiderstand, hoher Kraftübertragung und ausgewogener Fahrstabilität bei annehmbarem Gewicht und schnitten obendrein im letzten TOUR-Vergleichstest (Aero-Renner 2013/2) mit der Note 1 in Aerodynamik und Gesamtnote 2 ausgezeichnet ab. Zur Schaffung eines eigenen Eindrucks hatten wir auf Mallorca 900 Kilometer lang die Gelegenheit, dem technischen Wunderwerk bei Wind und Wetter auf den Zahn zu fühlen.

Exkurs Fahrrad-Aerodynamik: Zur Steigerung der Durchschnittsgeschwindigkeit ist generell der Luftwiderstand (80% des Gesamtwiderstands) zu optimieren. Rund drei Viertel des aerodynamischen Widerstands werden vom Fahrer erzeugt, den Rest teilen sich die Laufräder, der Rahmen und wegstehende Anbauteile. Wunder darf man sich von einem Aero-Rennrad deshalb keine erwarten, denn sein Einfluss auf das Gesamtsystem ist recht gering.
Doch wie sagt man so schön: "Wunder entstehen im Herzen."

Technik & Geometrie

Obwohl einzelne Attribute vom Zeitfahrrad TM01 übernommen wurden, glänzt das TimeMachine TMR01 mit seinem eigenständigen Rahmendesign, hoher Steifigkeit und einer Vielzahl an technischen Innovationen. So soll sich der kompromisslose Aerorenner gleichermaßen für Ausreißer, Sprinter und Kurzdistanz-Triathleten im Kampf gegen den Wind eignen.

Aerodynamik & Integration: Basis der Rahmenkonstruktion ist BMCs SubA-Konzept, bei welchem der Luftwiderstand über eine reduzierte Stirnfläche und abgeschnittene Rohrprofile (3:1 Truncated Profile) minimiert werden soll. Darüber hinaus weisen alle nach vorne zeigenden Flächen (z.B. Sattelrohr und Gabel) Einkerbungen im Rohrprofil auf (Tripwire Technology), welche - ähnlich einem Golfball - Turbulenzen vermindern.

Weitere technische Highlights sind in Gabel und Kettenstreben integrierte V-Brakes, die nicht nur aerodynamisch aussehen, sondern auch in Sachen Bremsleistung voll überzeugen. Dazu gesellen sich die perfekt einstellbare Sattelstütze und kompromisslose Kabel- und Zugführungen. Mittels DTi (Dual Transmission integration) wurde der Rahmen sowohl für elektronische als auch mechanische Schaltgruppen optimiert.

Steifigkeit: Nachdem für Sprinter und Rouleure die Kraftübertragung mindestens genau so wichtig ist wie die Aerodynamik, legte BMC mehr Wert auf Steifigkeit als auf niedrigstes Gewicht. Die speziellen Rohrprofile, ein hoher Anteil an High Modulus Carbon-Fasern und das massive BB86-Tretlager machen das TMR01 steifer als alle bisherigen Rahmen von BMC.

Gewichte: Ein 56er Rahmen wiegt laut BMC 1.140 g, eine ungeschnittene Gabel 440 g und die Sattelstütze rund 187 g. Das klingt relativ viel, ist allerdings auf den hohen Integrationsaufwand bei Bremsen und Zugführung zurückzuführen. Als Komplettrad bringt das BMC mit Ultegra Di2 und massiven Mavic Cosmic Carbone SL Laufrädern rund 7,6 Kilogramm auf die Waage.

Die Geometrie ähnelt dem SLR01; das TMR01 besitzt jedoch im direkten Vergleich einen geringeren Stack (bei gleichem Reach), um eine aggressive, aerodynamischen Position zu ermöglichen. Das Rad wurde bereits 2012 bei TDF-Flachetappen gefahren und wird von bestimmten Teamfahrern bei schnellen Rennen wiederholt eingesetzt (z.B. Tour of Oman/Katar)

  • der Rahmen des Aero-Rennrads basiert auf dem BMC Timemachine TM01 Zeitfahrradder Rahmen des Aero-Rennrads basiert auf dem BMC Timemachine TM01 Zeitfahrradder Rahmen des Aero-Rennrads basiert auf dem BMC Timemachine TM01 Zeitfahrrad
    der Rahmen des Aero-Rennrads basiert auf dem BMC Timemachine TM01 Zeitfahrrad
    der Rahmen des Aero-Rennrads basiert auf dem BMC Timemachine TM01 Zeitfahrrad
  • das TMR01 besitzt eine sehr geringe Stirnflächedas TMR01 besitzt eine sehr geringe Stirnflächedas TMR01 besitzt eine sehr geringe Stirnfläche
    das TMR01 besitzt eine sehr geringe Stirnfläche
    das TMR01 besitzt eine sehr geringe Stirnfläche
  • die Hinterradbremse sitzt unten, hinter dem Tretlagerdie Hinterradbremse sitzt unten, hinter dem Tretlagerdie Hinterradbremse sitzt unten, hinter dem Tretlager
    die Hinterradbremse sitzt unten, hinter dem Tretlager
    die Hinterradbremse sitzt unten, hinter dem Tretlager
  • das massive Tretlager trägt seinen Teil zur enormen Rahmen-Steifigeit beidas massive Tretlager trägt seinen Teil zur enormen Rahmen-Steifigeit bei
    das massive Tretlager trägt seinen Teil zur enormen Rahmen-Steifigeit bei
    das massive Tretlager trägt seinen Teil zur enormen Rahmen-Steifigeit bei
  • die Aerostütze bildet mit dem Sattelrohr optisch eine Einheit, die Klemme ist vollständig verstecktdie Aerostütze bildet mit dem Sattelrohr optisch eine Einheit, die Klemme ist vollständig versteckt
    die Aerostütze bildet mit dem Sattelrohr optisch eine Einheit, die Klemme ist vollständig versteckt
    die Aerostütze bildet mit dem Sattelrohr optisch eine Einheit, die Klemme ist vollständig versteckt
  • die vorderen V-Brakes sind in die Gabel integriertdie vorderen V-Brakes sind in die Gabel integriert
    die vorderen V-Brakes sind in die Gabel integriert
    die vorderen V-Brakes sind in die Gabel integriert
  • Abrisskanten am Rahmen sorgen für weniger Luftverwirbelungen, abgeschnittene Rohrprofile verringern das GewichtAbrisskanten am Rahmen sorgen für weniger Luftverwirbelungen, abgeschnittene Rohrprofile verringern das Gewicht
    Abrisskanten am Rahmen sorgen für weniger Luftverwirbelungen, abgeschnittene Rohrprofile verringern das Gewicht
    Abrisskanten am Rahmen sorgen für weniger Luftverwirbelungen, abgeschnittene Rohrprofile verringern das Gewicht

Laufradtausch und Montage der Bremsen


Integrierte V-Brakes: "Wo Licht ist, gibt's auch Schatten". An der Funktion dieser technischen Meisterleistung gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Die Bremsen verzögerten sowohl die Alu-Laufräder als auch die Hochprofil-Tubulars mit Carbonbremsflanke. Bei Nässe, Trockenheit und auch während des Sa Calobra-Downhills - Begleiter, auf die man sich in jeder Situation verlassen kann.

Wäre da nicht die Vielfalt unterschiedlicher Felgenbreiten: von Mavic Cosmic Carbone SL 19 mm bis hin zu den ZIPP 303/404/808 Firecrest 26,5 mm. Selbst meine Airstreeem Testlaufräder besaßen eine Überbreite von 24,5 mm, was einen simplen Tausch der Laufräder vereitelte, denn ich bekam sie nicht einmal zwischen den geöffneten Bremsen hindurch. Es musste gezangelt werden - und das nicht wenig. Das Studium der übersichtlichen Beschreibung (siehe Link) machte sich schnell bezahlt. Je nach Felgenbreite kommt eine bestimmte Anzahl an Spacern zum Einsatz; Kabeleinsteller und Federspanner möchten zwecks symmetrischer Bremsfunktion justiert werden, ferner sollte sich im Falle einer Panne der V-Brake-Schnellverschluss öffnen lassen.

Rennfahrer, die einer Felgenbreite treu bleiben, ersparen sich diese Sorgen - zumindest bis zur ersten Panne während eines Rennens. Denn ohne vorangegangene Bremsprobe sollten sie sich nicht mit Reserve-Laufrädern des neutralen Materialwagens in die nächste Abfahrt begeben (z.B. Austausch von 26,5 mm auf 19 mm schmale Felgen).

Im Test: Timemachine TMR01 Ultegra Di2 Compact

Timemachine TMR01 Ultegra Di2 Compact

Tech Specs

Rahmenp2p* x subA Dti, Vollcarbon InnenlagerPressfit-86 Shimano
GabelAero-Gabel, Vollcarbon, subA** Kurbel (Option)Shimano Ultegra, 50-34
Größen48 / 51 / 54 / 56 / 58 / 61 SchaltbremshebelShimano Ultegra Di2
Steuersatz1-1/8" SchaltwerkShimano Ultegra Di2
SattelFizik Arione CX manganese UmwerferShimano Ultegra Di2
VorbauEaston EA70 ZahnkranzkassetteShimano Ultegra, 12-25
LenkerEaston, EA70 KetteShimano Ultegra
SattelstützeAerostütze (+21, +7, -7, -21mm Offset) Bremse vo/hiIntegrierte BMC V-Brakes
LaufräderMavic Cosmic Carbone SL
>>> hier im Test:
Airstreeem Carbon Aero S. 50 SL
Reifen 700x23cContinental, Force & Attack, falt
>>> hier im Test:
Conti, Force & Attack, tubular
Gewicht7.60 kg Herstellerangabe ohne Pedale Preis€ 6.999,- (Ultegra Di2 Compact)


* Position to Perform:
Die beste „"Position to Perform" ergibt sich aus maximaler Einstellmöglichkeit über den Vorbau, den Lenker und die Sattelposition.

Wegen Lieferverzögerung der internen Shimano Di2 Akkus war unser Testrad noch mit dem klassischen Akku unterhalb des Unterrohrs ausgestattet. Die neue zylindrische Batterie passt in das TMR01 Sitzrohr und ersetzt in Kürze den Serien-Akku.

Das schmale Steuerrohr mit integrierter Gabel (1 1/8 - 1.25") samt Bremsen minimiert die Stirnfläche. Die Führung des vorderen Bremszuges wurde direkt an den Gabelkopf laminiert und rotiert um das Steuerrohr. Die Kabelabdeckung wurde von der UCI genehmigt und alle Rahmen (mit Ausnahme L) besitzen das Prüfsiegel.

Die Sattelstütze besitzt eine "Tripwire" Vorderkante, kommt in drei Setbacks (0, 15 und 30 mm) und wird mit dem vom TM01 bekannten internen Doppelkeil gesichert, so dass keine Schraube oder Klemme im Wind steht. Auch die ungewöhnliche Sattelmontage (vgl. Giant Trinity) mittels 13er Sechskantschraube unterhalb des Sattels funktioniert vorbildlich.

Bereifung: Auf meinen Airstreeem Carbon Series 50 SL Laufrädern teste ich Contis erstes "Tire Positioning System" Schlauchreifenset. An der Front verrichtet der 22mm schmale Attack Comp sein Werk und gewährleistet eine verbesserte Aerodynamik und hohe Agilität. Am Heck sorgt der Force Comp mit 24mm für Vortrieb. Die große Aufstandsfläche bietet eine bessere Kraftübertragung sowie niedrigen Rollwiderstand bei gleichzeitig hoher Laufleistung. Der höhere Komfort des 24mm Tubulars ist gerade bei ultrasteifen Racebikes ein willkommener Nebeneffekt.

Fazit

BMC Timemachine TMR01
Modelljahr:2013
Testdauer:ca. 900 km
+kompromisslose, eigenständige Aero-Konstruktion
+enorm steif, stark im Antritt bei hoher Lenkpräzision
+top Aerodynamik laut Windkanaltest und Popometer
oWendigkeit ausreichend
owenig komfortabel, man wird aber auch nicht totgeprügelt
-integrierte Bremsen erschweren den Laufradtausch bei unterschiedlicher Felgenbreite
BB-Urteil:Ein fantastisches Racebike für echte Männer mit Bandscheiben aus Stahl.

Ich bin ein Jünger der Aerodynamik und glaube an Yaw und Drag wie an die Wahrhaftigkeit meiner Träume. In Bezug auf aerodynamisch optimierte Rennradrahmen bin ich zugegebenermaßen etwas skeptisch, mache beim TMR01 aber eine Ausnahme. Einige Watt werden sie schon bringen, die Aero-Rohrprofile mit ihrer reduzierten Stirnfläche, den Abrisskanten und integrierten Bremsen. Abgesehen vom höheren, aber vernachlässigbaren Gewicht und einem etwas verringerten Rahmenkomfort ist dies in meinen Augen mit keinerlei Nachteilen verbunden.

Absolut überzeugend: Die tiefe Front mit kurzem Steuer- und langem Oberrohr ermöglicht eine extrem sportliche Sitzposition (!) sowie das sinnvolle Upgrade eines Zeitfahr-Aufliegers für Kurzdistanz-Triathleten.
Die enorme Steifigkeit des Rahmens sorgt mit perfekter Kraftübertragung für unbändigen Vortrieb. Natürlich wird man auf schlechtem Asphalt deutlich mehr durchgerüttelt, als dies mit einem normalen Renner der Fall ist. Die Gabel besitzt allerdings eine überraschend gute Dämpfung und das straffe Heck konnte mit dem 24 mm Hinterreifen entschärft werden.
Darüber hinaus begeistert die Timemachine mit großer Fahrstabilität und hoher Lenkpräzision auf schnellen Abfahrten.

Sieht man von der komplizierten Einstellung der integrierten V-Brakes ab, erhält der Kunde eine kompromisslose Rennmaschine mit aggressiver Optik, zu Ende gedachten Aero-Features, ausgezeichneten Fahreigenschaften, hoher Alltagstauglichkeit und der Lizenz zum Tempobolzen.



Diese kantigen Rahmen mit all den aufsehenerregenden Einfällen der Rahmenbauer und dem ganzen aerodynamischen Schnickschnack sehen oft wie Prototypen aus, zum Teil auch dieser von BMC. Das hat einen gewissen Reiz. Aber fertige Rahmen, möchte man sagen, sehen anders aus.

 

Das BMC ist g'fällt mir aber jedes mal besser.

Bearbeitet von feristelli
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