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Flyer Uproc 6 9.50 Test

Flyer Uproc 6 9.50 Test

12.08.21 05:13 3.804Text: Luke Biketalker, MOtomanFotos: Erwin HaidenSchweizer Carbon-Fully mit Bosch im Herzen trifft auf Traumausstattung. Wir haben das Flyer Uproc 6 9.50 am Trail ausprobiert.12.08.21 05:13 3.920

Flyer Uproc 6 9.50 Test

12.08.21 05:13 3.9201 Kommentare Luke Biketalker, MOtoman Erwin HaidenSchweizer Carbon-Fully mit Bosch im Herzen trifft auf Traumausstattung. Wir haben das Flyer Uproc 6 9.50 am Trail ausprobiert.12.08.21 05:13 3.920

Seit der E-Trend den MTB-Markt endgültig erobert hat, durfte ich bereits eine Reihe von motorunterstützten Rädern aus Schweizer Hand fahren, war damit sowohl in deren eidgenössischer Heimat als auch rund um meine eigene, niederösterreichische unterwegs. Und soviel gleich vorweg: Das Uproc 6 9.50 ist unumstritten das schärfste Teil, das je aus den Fertigungshallen von Flyer rollen durfte.
Mit Jahrzehnten an E-Bike Erfahrung am Buckel und der klischeehaften Schweizer Präzision blickt Flyer auf eine Reihe erfolgreicher Modelle zurück. Das Uproc 6 will mit viel Carbon und „Mullet“-Konfiguration als neue Speerspitze für anspruchsvolle und vor allem abfahrtsorientierte Mountainbiker verstanden werden. Zeitgemäße Optik, robuste Anbauteile und die für Flyer typische Verarbeitungsqualität erheben nicht nur äußerlich und finanziell Premium-Ansprüche. Was die Schweizer aus ihren Hallen schicken, wird ihrem Ruf auch im realen Leben gerecht.

Wie heißt es so schön: Das Auge isst mit. Entsprechend aggressiv gezeichnet stemmt sich das Flyer Uproc 6 9.50 gegen das Sonnenlicht. Schade, dass die von mattem Rot ins Orange übergehende Farbgebung aus dem alten Modelljahr stammt. Doch ein Blick in den Katalog lässt auch hinter den aktuellen Lackkleidern optische Zuckerl vermuten.
Stolze zwei Jahre flossen in die Entwicklung des Schweizer E-Fullys. An deren Ende steht ein Enduro mit 160 mm Federweg, Carbonrahmen und einem Mix aus 29“ Vorder- und 27.5“ Hinterrad - ein sogenanntes „Mullet“. Viel Zeit wurde der Optimierung der Steifigkeit sowie der Konstruktion des Carbon-Umlenkhebels gewidmet. Der Hinterbau selbst gibt wie beim Vorgänger 160 mm Federweg frei, hat mit Letzterem aber bis auf diese Zahl am Papier nichts mehr gemein. Groß dimensionierte Lagerpunkte versprechen Robustheit.

Dass der Bosch Performance Line CX im Herzen des Carbonrahmens mit seinen neuerdings 85 Nm Drehmoment stets kraftvoll bergwärts drängt, ist bekannt. Der von Flyer eingesetzte vollintegrierte Akku mit 625 Wh ebenfalls. Diesen haben die findigen Ingenieure mittels Bolzen direkt im Rahmen verschraubt, was ihm einen sichern Sitz gewährt. Soll er - etwa zum Laden im Hotelzimmer - doch mal aus dem Rahmen entfernt werden, geht dies mit dem in der Steckachse integrierten 6er Innensechskant leicht von der Hand.

Geometrie

Größe S M L XL
Sitzrohrlänge (mm) 395 415 450 485
Oberrohrlänge (mm) 579 608 636 664
Steuerrohrlänge (mm) 100 100 105 110
Kettenstrebenlänge (mm) 445 445 445 445
Lenkwinkel 63,5° 64,5° 64,5° 64,5°
Sitzwinkel 75,7° 75,5° 75,3° 75,2°
Tretlagerabsenkung (mm) 31 31 31 31
Tretlagerhöhe (mm) 347 347 347 347
Radstand (mm) 1208 1223 1250 1277
Überstandshöhe (mm) 756 753 756 758
Stack (mm) 623 629 633 638
Reach (mm) 420 445 470 495

Auch in Sachen Geometrie legten die Schweizer Hand an. Zwar bleibt der Reach mit 470 mm in Größe Large für ein modernes Enduro schon beinahe konservativ. Der Lenkwinkel fällt mit 64,5° dafür umso flacher aus. Zwischen den mittellangen 445 mm Kettenstreben steckt ein 27.5“ Laufrad, in der 170 mm Gabel ein 29“ Laufrad. Das Konzept vereint dabei das Überrollverhalten der großen 29er mit der Agilität der kompakteren 27.5“ Pneus.
Ein Ansatz, der immer mehr Fans um sich schart. Gerade am E-Bike ergibt dies umso mehr Sinn. Denn breite 27.5“ Reifen - eventuell sogar mit Tire-Insert ausgestattet - liefern bergauf richtig viel Grip. Das Konzept hat sich ja auch im Motocross- und Enduro-Bereich durchgesetzt.
Und weil ja bekanntlich erst bergauf will, was bergab Spaß bringen soll: Mit 75° wurde der Sitzwinkel steiler, woraus sich Flyer weitere Vorteile im Uphill verspricht.

Ausstattung

Topmodell der Bosch-basierten Uproc 6 Familie ist unser Testbike zum UVP von 9.999 Euro. Dafür gibt es nebst hochwertigem Carbonrahmen Srams kabellose X01 AXS Eagle Schaltung, eine dazu passende Reverb AXS von RockShox sowie ein Nobelfahrwerk von Fox in Form einer 38 Float Factory Gabel mit 170 mm Federweg und einem Float X Factory Dämpfer, welcher die 160 mm am Hinterbau verwaltet.
Maguras mächtige MT7 sorgt mit 220/203 mm Scheiben für Verzögerung. Nettes Bonus-Feature aus dem Zubehör der Schwaben: Ab Werk kommen die Bremsen samt Maguras fein einstellbarem HC3 Hebel. DT Swiss spendiert mit den HX 1501 Spline mit 30 mm Felge die rollende Basis, Bodenkontakt stellt Maxxis mit der Kombi aus Assegai 3C DD TR 29 x 2.50" und Minion DHF 3C DD TR 27.5 x 2.50" her.
In Größe Large stehen am Ende 24,46 kg auf der Waage.

Tech Specs

Rahmen: Carbon, 160 mm Federweg, 27.5" Hinterrad und 29" Gabel Kassette: Sram X01 Eagle
Größen: S/M/L/XL Kette: Sram X01 Eagle
Antrieb: Bosch Performance Line CX Laufräder: DT Swiss HX 1501
Batterie: Bosch Power Tube, 625 Wh Reifen: Maxxis Assegai 3C DD TR 29 x 2.50" und Minion DHF 3C DD TR 27.5 x 2.50"
Display: Bosch Kiox Vorbau: Flyer Alloy, 40 mm
Gabel: Fox 38 Float Factory, 29", 170 mm Griffe: Spank
Dämpfer: Fox Float X Factory, 205 x 65 mm Trunnion Sattel: Fizik Alpaca Terra
Kurbel: Aluminium Sattelstütze: RockShox Reverb AXS
Lenker: Flyer Alloy, 780 mm, 30 mm Rise Bremse hinten: Magura MT7, HC3 Hebel
Bremse vorne: Magura MT7, HC3 Hebel Gewicht: 24,46 kg (BB-Messung)
Schalthebel: Sram X01 Eagle AXS Preis: UVP 9.999 Euro
Schaltwerk: Sram X01 Eagle AXS

Haptik, Optik, Features und Erstkontakt

Alles am edlen Flyer wirkt wie aus einem Guss und ist hochwertig verarbeitet. Die wenigen Leitungen und Züge - Sram AXS an Schaltwerk und Sattelstütze machen es möglich - sind gut integriert und alles am Rad wirkt sehr aufgeräumt.
Toll gelöst ist auch die Fixierung des vollintegrierten 625 Wh Akkus. Dessen Entnahme erfolgt, wie bereits weiter oben erwähnt und auch schon bei anderen Herstellern gesehen, schlüssellos und unkompliziert mittels eines in der Hinterachse verstecken Inbusschlüssels. Anders als bei der Konkurrenz löst bzw. fixiert die Schraube, für die der Innensechskant gedacht ist, allerdings nicht nur die Abdeckung; vielmehr wird der Akku selbst gleich mit dem „Deckel“ mitgeschraubt. Eine weitere Verriegelung muss dabei nicht geöffnet werden.
Easy zu lösen, einfach wieder zu befestigen, und über den gesamten Testzeitraum mit absolut festem Sitz. Wie sich das Gewinde bei häufiger Entnahme des Akkus auf lange Sicht schlägt, das liegt wohl vor allem am Feingefühl des Nutzers.

Die Sitzposition (Rahmengröße L, 185 cm Körpergröße) ist sportlich, aber doch auch langstreckentauglich. Durch die gegebene Geometrie hat man das Gefühl auf einem sehr kurzen, wendigen Bike zu sitzen. Man fühlt sich richtig tief integriert und nicht nur oben drauf. Das macht es zwar sehr sportlich, aber doch noch bequem - zumindest bei meiner Größe. Vom subjektiven Gefühl hätte ich nicht gedacht, auf einem L-Rahmen zu sitzen. Alles mutet, entgegen der Zahlen am Papier, etwas kompakter und kürzer an.

Top in der Funktion: Srams kabelloses AXS Schaltwerk. Es erwies sich als absolut robust und präzise. Persönlich habe ich mich damit sofort angefreundet und kann das noble kabellose Schalten eigentlich nur weiterempfehlen. Drauftippen, und die Elektronik erledigt den Rest.

Nach einigen Kilometern im Winter hatte ich mich schon länger gefragt, ob die Maxxis 3C DD Reifen wohl im Sommer auch so toll performen. Eine Frage, die ich nach wenigen Metern zu beantworten wusste. Die Reifenkombi aus Assegai 3C DD TR Minion DHF 3C DD funtioniert zu jeder Jahreszeit und auf jedem Untergrund, läuft zielsicher wie auf Schienen.

Einzig das verwendete Purion Display will mir auch nach dem x-ten Testrad nicht gefallen. Persönlich finde ich es ergonomisch einfach in die Jahre gekommen und mir stellt sich die Frage, was man am E-Enduro überhaupt an Informationen braucht. Eigentlich müsste eine schlichte Ladestandsanzeige ausreichen, wer mehr Daten benötigt, könnte sich diese ja unkompliziert aufs Smartphone holen.
Aktuell ist man für derlei minimalistische Ansprüche bei anderen Antriebsherstellern besser aufgehoben. Und wie bei allen Motoren-bezogenen Themen ist natürlich auch dieser Aspekt Geschmackssache. Der Bosch Performance CX hat seine klaren Vorzüge, und dafür lieben ihn seine Anhänger. Ob man selbst zum Fan des starken Schubs wird, klärt man am besten persönlich im Rahmen einer Probefahrt.

Fahreindrücke

Als passionierter Ducatisti darf ich einen gewissen Hang zum Motto „look good, feel good - feel good, ride good“ nicht verleugnen. Von der aggressiven Optik des Flyer verführt, fühlt man sich entsprechend schon auf den ersten Metern ausgesprochen wohl und schnell.
Die Motorunterstützung in der Ebene, im Eco-Modus, ist angenehm und völlig ausreichend. Ab dem Moment, wo es im Uphill hügelig und abwechslungsreicher wird, weiß der eMTB Modus des Bosch-Kraftwerks zu überzeugen. Schaltfaul und zügig geht es so bergan. Überhaupt gibt es im Uphill nicht vieles, das die Fahrt stoppen könnte. Selbst heftige Rampen erklimmt das Flyer recht souverän. Einzig in Sachen Bodenfreiheit und Wendigkeit in engen, verwinkelten Passagen muss das Schweizer Kraftpaket ein paar Punkte liegen lassen.

Bergab, egal ob in schnellen Trailpassagen, im Bikepark oder am Flowtrail, zeigt sich das Uproc 6 absolut spurstabil, lässt sich sehr kontrolliert bewegen und einfach beherrschen. Auch kleine Sprünge nimmt das Rad mit großer Gelassenheit.
Über jeden Zweifel erhaben zeigt sich auch das Fahrwerk, welches das Rad ruhig, satt und immer mit genügend Reserven durch den Wald geleitet. Die überragende Fox 38 Factory passt da nur allzu gut ins Bild.
Am wohlsten fühlt sich das Rad in grobem Geläuf, dort steht es seinem Fahrer auch mit gutem Feedback und besagten Reserven treu zur Seite. Um enge Kurven und auf sehr flowigen Trails wirkt das schwere Rad in Kombination mit der laufruhigen, tiefen Position im Rahmen und dem tiefen Tretlager dann vielleicht doch mitunter etwas träge - aber hier jammern wir schon auf recht hohem Niveau.
Maguras MT7 sind sehr fein zu dosieren, super standfest und kräftig, verlangen aber doch etwas höheren Kraftaufwand, geht es dann ordentlich zur Sache. Ja, Bremsen sind Geschmackssache. Persönlich hatte ich mit der MT7 auf Sekundenjagd immer das Gefühl, mehr Kraft aufwenden zu müssen als von meinen Shimano gewöhnt, weshalb ich vor Kurven früher in die Eisen gehen musste als sonst. Sicherlich reine Gewöhnungssache, eine Erwähnung aber dennoch wert.

Fazit

Flyer Uproc 6 9.50
Modelljahr: 2021
Testdauer: 160 km
Preis: € 9.999,- UVP
+ Fahrwerk
+ Ausstattung
+ Sram AXS
+ Optischer Auftritt
+ Laufruhe und Sicherheit
- Bodenfreiheit
BB-Urteil: Optischer Kracher mit Premium-Versprechen


Flyer erhebt mit seinen Rädern Premium-Ansprüche und weiß diese in Sachen Verarbeitung, Qualität und Ausstattung auch mit dem Uproc 6 9.50 zu erfüllen.
Das E-Fully mit kräftigem Bosch-Motor klettert munter bergan und kann in Abfahrten vor allem mit Stabilität und großen Sicherheitsreserven überzeugen. Teils dem tiefen Tretlager geschuldet, nimmt man im und nicht am Rad Platz. Das gibt viel Kontrolle und verkürzt die Eingewöhnungszeit auf ein Minimum, am Ende des Tages fehlt es dem Bike aber auch ein klein wenig an Wendigkeit, Verspieltheit und Bodenfreiheit in technischen Passagen. In Summe überzeugt allerdings das satte Gefühl, mit dem das Flyer über Trails bügelt.
Optisch ragt das Flyer aus der Masse hervor, macht überall eine gute Figur und wird sehr positiv wahrgenommen. Kontaktfreudige Piloten werden mit dem auffälligen Rad ihre Freude haben.


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