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Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: 73 kg Fahrstil/-können: Gemütlicher Allround-Mountainbiker, gerne auch knackig bergab
Rennrad & Gravel: Das Abenteuer steht im Vordergrund
Letztes Jahr stellte Garmin mit dem Edge MTB ein Gerät vor, welches sich, nomen est omen, gezielt an Mountainbiker - vor allem Enduro- und Downhill-Fahrer - richtet. Damit besetzt Garmin nicht nur eine Nische zwischen dem kleinen, minimalistischen Edge 130 und der deutlich umfangreicheren Edge 500 und 800-Serie, sondern bringt auch einige neue Funktionen, die exklusiv am Edge MTB Premiere gefeiert haben, wie etwa die 5Hz Aufzeichnung für präzisere Messung von Downhill-Abschnitten. Das alles gibt’s verpackt in ein ebenso Downhill-taugliches, extra gummiertes Gehäuse mit Gorilla Glass und einer neuen Halterung fürs Oberrohr. In diesem Test gibt’s von mir ein paar grundlegende Überlegungen zu dem Gerät, Einsatzempfehlungen ebenso wie ein paar Eindrücke aus der Praxis.
Ein Ziel ohne Kurs ist nur ein Wunsch.
Garmin hat mit dem Edge MTB ein Gerät entwickelt, das kleiner, leichter und speziell fürs Gelände ausgelegt sein soll. Der Fokus liegt auf Trail, Downhill und Enduro - weniger auf klassischen Trainingsmetriken oder Allzweckeinsatz. Der Edge MTB ist etwa 20-25 % kleiner als z.B. der Edge 540 und mit 56 Gramm auch ganze 30 g leichter als der 540er.Gleichzeitig fehlen beim Edge MTB zahlreiche Features, die man von den "großen" Modellen von Garmin gewohnt ist - etwa Smart Recording, Trainingsbelastung oder WLAN. Garmin nimmt hier also bewusst einen Schnitt im Funktionsumfang, um sich auf eine Nische zu konzentrieren. Ob und wie sich das am Trail bemerkbar macht, erfahrt ihr nach den Hard-Facts.
Die Schachtel ist klein, aber genau wie das Gerät selbst vollgepackt mit Inhalt. Neben der Standard-Lenkerhalterung gibt's die neue Oberrohrhalterung mit im Paket, deren Platzierung vor allem im wilden Gelände oder auf Downhill-Geräten ihre Vorteile hat. Wer zusätzlich auf Nummer sicher gehen will, das Gerät nicht zu verlieren, fixiert zusätzlich noch den Fangriemen, den ich persönlich aber seit 20 Jahren konsequent weglasse, ohne jemals ein Gerät verloren zu haben.Die schier unendlich lange Liste der Möglichkeiten des kleinen Garmin Edge MTB kann sich durchaus sehen lassen. Selbst bei diesem Gerät der Einsteigerklasse ins Garmin-Universum sticht der üppige Funktionsumfang sofort ins Auge und hebt sich von vielen ähnlichen GPS-Radcomputern anderer Marken ab.
Wer in jüngster Zeit ein Garmin-Gerät in Verwendung hatte, wird sich relativ schnell zurechtfinden. Sehr gelungen ist mittlerweile die Möglichkeit, Profile (und Sensoren) via Garmin Connect einfach von einem Gerät zum anderen zu übertragen. Damit entfällt schon einmal ein Großteil des initialen Setup-Aufwands. Dazu kommt, dass man die meisten Seiten, Profile und Funktionen mittlerweile am Gerät selbst oder - meist komfortabler - übers Handy einrichten kann. So ist mein Test-Garmin innerhalb weniger Minuten voll einsatzbereit. Die neue Oberrohrhalterung ist eine willkommene Alternative für den MTB Einsatz, auch wenn ich persönlich die zentrale Montage über dem Vorbau bevorzuge. Der Lesbarkeit tut die Oberrohrmontage jedenfalls keinen Abbruch.Garmin-Neulinge oder Umsteiger werden nicht darum herumkommen, in die einen oder andern Untiefen der Garmin-Menüs einzutauchen - spätestens dann, wenn irgendein Alarm los geht, denn von denen gibt es viele: Herzfrequenz, Auto-Pause, Crash-Detection oder - mein Lieblingsalarm - der Hinweis auf Gefahren. Da haben es die Amerikaner mit meiner Sicherheit wohl ein wenig zu weit getrieben, wenn mitten im Wienerwald vor einem Hund gewarnt wird...
Hat man sich einmal an die Knopfbedienung gewöhnt, klappt damit selbst das Scrollen auf der Kartenansicht, wobei hier natürlich die größeren Geräte mit Touchscreen deutlich im Vorteil sind. Trotzdem findet man sich relativ schnell zurecht. Dabei hilft in dem Zusammenhang der etwas reduzierte Funktionsumfang ebenso wie die mittlerweile deutlich übersichtlichere Menüführung, die aufs Wesentliche abzielt und viele Funktionen erst kontextbezogen anzeigt (z. B. Höhendiagramm, Kartenansichten, Trainingsdetails, etc.). Bis auf einige Trainingsseiten und Hardware-Einschränkungen (wie das fehlende WLAN) bietet auch der kleine Edge MTB etliches, was das Bikerherz begehrt: Polularity-Karten und Routenplanung, Groupride, Trainingsempfehlungen, Climb Pro, Zurück zum Start Navi, Varia Kompatibilität, Bike Alarm und vieles, vieles mehr. Aus Erfahrung hat hier jeder andere Wünsche und Anforderungen an das, was so ein Radcomputer können muss. In meinem Fall sind ein präziser Höhenmesser, gute Karten und Climb-Pro die Killerfeatures.Die Akkulaufzeit ist mit bis zu 14 Stunden "bei anspruchsvoller Nutzung” und bis 26 Stunden im Energiesparmodus für die meisten Anwendungsfälle im Rahmen. Wer eine Powerbank nutzt, kann das Gerät mit USB-C laden; hier muss man nur darauf achten, dass das Kabel keinen zu dicken Stecker hat, der dann wie in meinem Fall am Gehäuse ansteht.
Wo Licht ist, ist auch Schatten - so auch bei den MTB-spezifischen Funktionen. Es ist super, die Trainingsdaten nach Anstieg und Abfahrt zu trennen. Vor allem im liftunterstützten Downhill-Einsatz dürfte das ein geniales Feature sein, das mittlerweile auch seinen Weg auf andere neue Garmin-Geräte gefunden hat. Im Enduro-Einsatz muss man manuell zwischen den Modi wechseln, was je nach Gelände, Trainingsintensität und Vergesslichkeit des Bikers oft nicht so einfach umzusetzen ist. Wenn man im Eifer des Gefechts vergisst umzuschalten, wird der Track in der Abfahrt eben nicht mit 5 Hz, sondern nur 1 Hz aufgezeichnet oder umgekehrt. Generell macht die 5 Hz Technologie meiner Meinung nach vor allem bei den Splitzeiten Sinn, denn ob Spitzkehren am GPS-Track jetzt so viel präziser aufgezeichnet werden müssen, um als solche analysiert zu werden, ist fraglich.
Apropos Split-Zeiten: Diese zweite MTB-spezifische Funktion habe ich nur rudimentär getestet, aber im Wesentlichen die Erfahrung gemacht, die auch viele User in den Garmin-Foren berichten (Quelle). In der Theorie suggerieren die 5 Hz Aufzeichnung und die Splitzeiten eine Genauigkeit, die in der Praxis schwer nutzbar ist. Auch mein Gefühl als Techniker sagt mir, dass die Genauigkeit trotz 5 Hz Aufzeichnung nicht in dem Zehntel- oder gar Hundertstel-Bereich ist, in dem sie sein müsste, um valide Aussagen zu produzieren. Der vorwiegende Einsatz am MTB im Wald und das damit verbundene höhere GPS-Signal-Rauschen tragen sicher ihr Übriges dazu bei. Am Bike hat man zumindest in unseren Breiten selten freie Sicht auf den Himmel oder eine Strecke wie beim Straßen-Mannschaftszeitfahren am Pannoniaring.
Ich sehe im Wesentlich zwei Zielgruppen, für die das Gerät interessant sein könnte. Wer sich zu beiden zählt, umso besser. Das wären zum einen Downhill-Fahrer, die die automatische 5 Hz Aufzeichnung und Umschaltung vom Up- und Downhill-Modus suchen. Dies erleichtert und verfeinert die nachträgliche Auswertung der Daten. Die zweite Zielgruppe sind jene, denen ein Edge 130 und ähnliche Monochrom-Geräte zu rudimentär sind, aber ein größerer Edge 550 schon wieder zu mächtig über dem Lenker oder Oberrohr thront.
Garmin hat mit dem Edge MTB ein Gerät gebaut, das auf den ersten Blick wie ein abgespeckter Edge 550 wirkt, aber im Trail-Einsatz unter bestimmten Voraussetzungen durchaus Sinn macht. Fans physischer Knöpfe werden auf ihre Rechnung kommen, Lesbarkeit und Funktionsumfang im Allgemeinen ist top. Die Akkulaufzeit ist akzeptabel und der Funktionsumfang wird für viele Biker mehr als ausreichend sein.Die 5 Hz Abtastrate, die hauptsächlich auf die Splitzeiten-Funktion für Downhills abzielt, funktioniert leider nicht immer, wie sie sollte, und im Enduro-Modus sollte man nicht vergessen, zwischen Auf- und Abfahrt umschalten, wenn einem die 5 Hz Daten wichtig sind. Generell sehe ich diese Funktion noch am ehesten im Downhill-Einsatz im Bikepark sinnvoll.Neben den immer besser werdenden User-Interfaces absolut top sind vor allem das robuste, kleine und relativ leichte Gehäuse und das bei fast allen Lichtverhältnissen gut lesbare Display. So wird der Edge MTB, denke ich, seine Anhänger finden, und ich bin mir ziemlich sicher, dass die die eine oder andere Funktion noch mit Software-Updates feingeschliffen und weiter verbessert wird.
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