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Langzeittest: Saris H3 Direct Drive & MP1 Nfinity

Langzeittest: Saris H3 Direct Drive & MP1 Nfinity

20.09.21 04:59 16.634Text: NoHairman; Luke BiketalkerFotos: Erwin HaidenAlles für das Indoor-Training: Der Saris H3 Direct Drive Smart Trainer soll das Geräuschniveau drastisch senken, die MP1 Plattform sorgt für ein natürlicheres Fahrgefühl - wir haben es ausprobiert20.09.21 04:59 16.657

Langzeittest: Saris H3 Direct Drive & MP1 Nfinity

20.09.21 04:59 16.6578 Kommentare NoHairman; Luke Biketalker Erwin HaidenAlles für das Indoor-Training: Der Saris H3 Direct Drive Smart Trainer soll das Geräuschniveau drastisch senken, die MP1 Plattform sorgt für ein natürlicheres Fahrgefühl - wir haben es ausprobiert20.09.21 04:59 16.657

Mit morgendlichen Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt und dick beschlagenen Autoscheiben klopft unweigerlich der Winter an die Tür. Höchste Zeit, um das Setup für die Indoor-Saison auf Vordermann zu bringen und Keller, Balkon oder Wohnzimmer fit für Radsport jenseits des schneidigen Windes zu machen.
Eigentlich, so unser Plan, wollten wir an dieser Stelle bereits Tausende Kilometer durch die digitalen Trainingswelten diverser Anbieter für euch abgespult haben, wollten den Saris H3 Direct Drive Smart Trainer und die innovative, weil bewegliche, Trainingsplattform MP1 Nfinity bereits auf Herz und Nieren geprüft haben.

Doch die Realität sieht anders aus, war das Wetter zwischen Juli und Oktober doch eindeutig zu warm, um sämtliche Einheiten und Ausfahrten nach Drinnen zu verlegen. Etliche spätabendliche Online-Duelle und nebelverhangene Regentage hatten sich dann aber Gottseidank doch angesammelt, so richtig los geht die Indoor-Saison aber erst jetzt.
Darum nutzen wir die folgenden Zeilen sozusagen als Langzeittest Part 1 - mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass das Saris-Ecosystem nach wie vor bewegt wird und für produktspezifische Fragen aus dem Forum genau jetzt die ideale Zeit wäre.

Der Testpilot:


  • Name: NoHairman3500
  • Alter: 50+
  • Größe: 175 cm
  • Gewicht: 67 kg
  • Profil: Hobbyradler mit 6.500-9.000 km pro Jahr
  • Fuhrpark: Trek Emonda SL7; Ridley X-Ride;
  • Antike Leidenschaft: Bianchi RR BJ 1984; Steyr Waffenrad 1969; Steyr Waffenrad 1976

Saris H3 - die Technik dahinter

Geräuschdämmung für das Topmodell: Oberstes Entwicklungsziel für den H3 Smart Trainer mit Direktantrieb war es, so erklärt es zumindest der Hersteller, ein möglichst leises System auf den Markt zu bringen. Bei 32 km/h wird sein Geräuschpegel mit 59 Dezibel angegeben, unsere eigenen Messungen aus ca. zwei Meter Distanz ergaben - je nach Intensität und Trittfrequenz - Werte zwischen 48,9 und 52,6 dBA. Sitzt man am Trainer und absolviert seine Einheit, würden wir subjektiv einer schlecht geschmierten Kette einen höheren Geräuschpegel zuschreiben als dem H3.

Saris fertigt die "Hülle" des Smart Trainer großteils aus Aluminium, sorgfältig kalibrierte Elektronik im Inneren soll eine Abweichung in der gemessenen Leistung von nur +/- 2% ermöglichen. Nebst der Power werden auch die Trittfrequenz sowie die Geschwindigkeit errechnet - weitere externe Sensoren zur Messung dieser Parameter sind nicht notwendig.
Das präzise vermessene Schwungrad ist für eine Leistung von bis zu 2.000 Watt ausgelegt, der Trainer soll Steigungen von bis zu 20% simulieren.

Das interne Kühlsystem im H3 wurde auf härteste Trainingsbelastungen hin ausgelegt. Es sorgt dafür, dass das elektromagnetische Widerstandssystem auch in langen und intensiven Einheiten konstante Werte erzeugt.

Besagte Einheiten steuert der H3 grundsätzlich über zwei Wege. Im Ergometer-Modus wird eine Wattzahl vorgegeben, beispielsweise 210 Watt. Die Elektronik des H3 hält dann die 210 Watt an Widerstand bereit, egal, in welchem Gang man sich befindet.
Im Simulations-Modus wird eine spezifische Steigung, etwa 12%, simuliert. Wie beim Fahren in freier Wildbahn lässt sich hierbei über die Gangwahl eine schwierigere oder leichtere Gangart erzielen. Die Wattwerte können dabei variieren, man fährt gegen die "Steigung". Mit 20% Steigung liegt der H3 im guten Mittelfeld, manche Konkurrenten können hier aber auch 24 - 25% bieten.
Zusätzlich lässt sich der H3, sofern am Strom angeschlossen, auch frei von Drittgeräten nutzen. Im Headless Mode lässt er sich mit progressivem Widerstand auch ohne Laptop und Co. bewegen.

Der H3 überträgt seine Daten sowohl via ANT+ als auch Bluetooth Smart und kommuniziert dadurch mit einer Vielzahl an Endgeräten und Apps. Über die Widerstandskontrolle können Apps wie Zwift reale Anstiege simulieren oder im Trainingsmodus, beispielsweise für Intervalle, gezielt Wattvorgaben erzeugen.
Ein Test mit Zwift bestätigt den propagiert einfachen Einstieg in die Welt des virtuellen Radsports. Die App erkennt den am Stromnetz angeschlossenen Saris sofort; neben dem H3 selbst gilt es dann noch, den internen Tritt- und, sofern vorhanden, Herzfrequenzsensor zu koppeln. Danach kann man sofort mit dem Training durchstarten.

Apropos durchstarten: Bevor der H3 in die virtuellen Welten abtaucht, gilt es erst Mal, ganz real Hand anzulegen. In der Natur eines Direct Drive Trainers liegt nun mal, dass der Trainer mit dem Hinterrad die Plätze tauscht.
Wer nicht nur mit dem Wechsel der Jahreszeiten zwischen Straße und Wohnzimmer switcht, ist wohl gut beraten, in eine zweite Kassette mit identer Übersetzung zu investieren. Denn an der Schwungscheibe sitzt ein Freilauf, und der verlangt für den Direktantrieb über die Fahrradkette nach einer Kassette. Ein ständiger Umbau lohnt hier wohl kaum.

Saris bietet den H3 auch in einem Zubehör-Package an; in diesem Fall kommt eine Kassette frei Haus. Ein kleiner Disclaimer für alle Sram (AXS) Fahrer: der Freilauf am Saris H3 ist für Shimano/Sram 8-11-fach Kassetten ausgelegt und es gibt einen Adapter für einen XD/XDR Freilauf. Dieser ist grundsätzlich auch 12-fach kompatibel, allerdings kann es sein, dass die XD MTB-Kassetten an der Seitenabdeckung reiben. Bei der RR-Variante XDR ist es so, dass die Kassette zwar ohne Reibung passt, die Kette aber am innersten Kettenblatt an der Seitenabdeckung streifen könnte.
Wir entschieden uns für eine Shimano-105 Kassette mit 11-30 Übersetzung um rund 55 Euro und blieben damit von eventuellen Schwierigkeiten verschont.

Saris H3

Bremse Elektromagnetisch Max. Steigung 20 %
Schwungrad 9 kg (Direktantrieb) Max. Fahrergewicht 136 kg
Laufradgrößen On-Size-Fits-All Gewicht 21,3 kg
Nabenbreiten 130 & 135 mm QR; 142 & 148 mm Steckachse Abmessungen 787.4 x 469.9 x 495.3 mm (ausgeklappt)
Kassetten/Freilauf Shimano/SRAM 8 bis 11-fach; XD/XDR einzeln erhältlich Lautstärke 59 dB bei 32 km/h (Herstellerangabe)
Wireless-Verbindung ANT+ FE-C; Bluetooth FTMS Genauigkeit +/- 2 %
Metriken Geschwindigkeit, Trittfrequenz, Leistung Preis 1.099 Euro
  • 80 Umdrehungen - 100 Watt80 Umdrehungen - 100 Watt
    80 Umdrehungen - 100 Watt
    80 Umdrehungen - 100 Watt
  • 80 Umdrehungen - 300 Watt80 Umdrehungen - 300 Watt
    80 Umdrehungen - 300 Watt
    80 Umdrehungen - 300 Watt
  • 100 Umdrehungen - 100 Watt100 Umdrehungen - 100 Watt
    100 Umdrehungen - 100 Watt
    100 Umdrehungen - 100 Watt
  • 100 Umdrehungen - 300 Watt100 Umdrehungen - 300 Watt
    100 Umdrehungen - 300 Watt
    100 Umdrehungen - 300 Watt

Einklappbare Beine sparen Platz beim Verstauen und sorgen ob ihrer höhenverstellbaren Füßchen für einen waagrechten und sicheren Stand auf so gut wie allen festen Untergründen.
Dank verschiedener Freilauf-Endkappen ist der Trainer grundsätzlich mit allen Fahrräder mit 130/135 Schnellspannern bzw. 142/148 mm Steckachsen kompatibel. Steckachsen mit klobigen, starren Hebeln können allerdings beim Einspannen ein Platzproblem bekommen und an der Verkleidung hängen bleiben.

Zwar befinden sich im Lieferumfang des 1.099,99 Euro teuren H3 Trainers alle gängigen Freilauf-Endkappen für Steckachsen und Schnellspanner sowie eine stabile Vorderradstütze, eine eventuell benötigte (Universal-)Steckachse zur Lösung der oberhalb angesprochenen Hebel-Platzproblematik musste allerdings separat geordert werden.
Wer vor der gleichen Problematik steht, sollte beim Kauf unbedingt darauf achten, dass die Gewindesteigung der originalen Achse mit jener der Nachbau-Achse übereinstimmt. Denn neben der Achslänge (142/148 mm) gibt es auch zwei unterschiedliche Steigungen (M12x1.0 mm oder M12x1.75 mm). Unsere Wahl fiel auf eine Sram Maxle RX142, die ausschließlich per Imbusschlüssel zu verschrauben war. No Hebel, no Problem.
Wer keine Lust auf Experimente hat, kann alternativ den 59,99 Euro teuren aber universellen "Saris Thru Axle Adapter" erwerben. Inklusive Unterlegscheiben, Endkappen mit Schrauben und einem kürzeren Gleitrohr sollte damit wirklich jeder Hinterbau im Saris Trainer einen sicheren Halt finden.

  • So klappt das So klappt das
    So klappt das
    So klappt das
  • eher nichteher nicht
    eher nicht
    eher nicht
  • Aber zum Glück gibt Aber zum Glück gibt
    Aber zum Glück gibt
    Aber zum Glück gibt
  • es Steckachsen mit Innensechskant. Leider nur nicht im Lieferumfang...es Steckachsen mit Innensechskant. Leider nur nicht im Lieferumfang...
    es Steckachsen mit Innensechskant. Leider nur nicht im Lieferumfang...
    es Steckachsen mit Innensechskant. Leider nur nicht im Lieferumfang...
  • Oben die originale Achse des Rahmens, unten der Nachbau
    Oben die originale Achse des Rahmens, unten der Nachbau
    Oben die originale Achse des Rahmens, unten der Nachbau

MP1 Nfinity Trainer Plattform - die Technik dahinter

Mit der MP1 Nfinity Trainer Plattform bringt Saris Bewegung in das stationäre Training. Deren innovative Technologie erlaubt dem darauf montierten Trainer harmonische Bewegungen um alle Achsen. Dazu steht die Birkenholzplattform auf einem metallenen Gerüst. Dieses ist so gelagert, dass die Platte leicht ansteigend vorwärts und rückwärts bzw. nach links und rechts wippen und kippen kann.

Entwickelt wurde die Platte einerseits für mehr Fahrkomfort beim Indoor-Training und um Druck, der beim stationären Fahren rund um Gesäß und Füße entstehen kann, zu reduzieren. Außerdem soll das Training auf der beweglichen Plattform deutlich mehr Muskeln aktivieren als das Fahren auf einer fixierten Walze. So wird durch die zusätzlichen Bewegungsachsen der Oberkörper aktiviert; kleine und große Muskeln im Rumpf müssen für die Erhaltung des Gleichgewichts besonders aktiv bleiben.
Auch wenn keinerlei Gefahr besteht, mit dem MP1 umzukippen - die Anforderung an das Gleichgewicht ist dennoch um ein Vielfaches höher als im klassischen Indoor-Cycling.
Die Birkenholzplatte der MP1 kommt griffig beschichtet und mit diversen Schienen, in denen mittels stabiler Klettbänder so gut wie jeder Indoor-Trainer auf der Plattform sicher verankert werden kann. Preis für den innovativen Trainingshelfer: 1.349,99 Euro.

Saris H3 und MP1 Nfinity Trainer Plattform im Einsatz

Für unseren Test durften wir bei Saris in die Vollen greifen. Soll heißen: Wir haben uns den H3 auf die innovative MP1 Nfinity Trainer Plattform gespannt und das Duo gleich gemeinsam auf die Probe gestellt.
Als wir die Plattform geliefert bekamen, stellte sich rasch heraus, dass zum Transport und Aufbau dringend ein zweiter Helfer notwendig war. Zum Glück war auch der Lift groß genug, um die Platte in den zehnten Stock zu verfrachten, ansonsten hätte es wohl Tränen gegeben. Einmal an ihrer Enddestination angekommen, war es dafür ein Leichtes, den Saris H3 und die mitgelieferte Vorderradstütze darauf zu fixieren.

Das erste voll motivierte Antreten fühlte sich dann etwas "unaufgeregt" und nicht sonderlich dynamisch an. Die Ursache war glücklicherweise schnell gefunden, denn wir hatten vergessen, die Transportsicherungen zwischen den "Blattfedern" aka. Führungsschienen zu entfernen. So hilfreich und fingerschonend diese beim Tansport der Plattform waren, so nutzlos erwiesen sie sich beim Training.
Ohne den Schaumstoffpuffer stellte sich dann nach wenigen Pedalumdrehungen ein sehr harmonisches Fahrgefühl ein.
Schlussendlich verblieb nur mehr ein leichtes Kippgefühl als einziger Störfaktor. Nach dem Auflegen der langen Wasserwaage konnte aber auch die Ursache dafür eruiert werden, denn die Plattform stand nicht hunderprozentig waagrecht am Boden und führte zu einem zur Seite "hängenden" Rennrad. Mit dem freien Auge nicht sichtbar - jedoch beim Pedalieren spürbar.
Nach einem Niveauausgleich mittels der verstellbaren Schraubfüßchen an der Unterseite der Platte war dann aber alles ausbalanciert..

  • Ein ausgeklügelter Mechanismus gibt der Platte ein natürliches Bewegungsgefühl
    Ein ausgeklügelter Mechanismus gibt der Platte ein natürliches Bewegungsgefühl
    Ein ausgeklügelter Mechanismus gibt der Platte ein natürliches Bewegungsgefühl

Was bereits beim Auspacken der beiden Geräte auffiel: Sowohl die Platte als auch der Trainer waren sehr hochwertig und absolut sauber verarbeitet. Im Aufbau zeigten sie sich ebenfalls unauffällig, wenngleich die MP1 etwas sperrig in der Handhabe war.
An ihrer Unterseite fanden sich mehrere kleine Gumminoppen, die Vibrationsgeräusche mindern und die Platte an ihrem Platz halten sollten. Leider können sich diese beim Anheben bzw. beim Transport relativ leicht lösen. Also Augen auf, wenn man das Teil beispielsweise nach einem Transport aus dem Kofferraum holt.
Integrierte Schienen fassen die Klettgurte, mit denen die ausklappbaren Füße des H3 sowie das kleine Podest für das Vorderrad an der Platte (selbstredend flexibel anpassbar und verschiebbar) fixiert werden. Dazu empfiehlt es sich, alles lose vorzumontieren, danach das eigene Rad in den H3 einzuspannen und exakt auf der MP1 auszurichten. Dafür sollte man sich einige Minuten Zeit nehmen, Hexerei ist es aber keine.

Schwieriger kann sich das Setup da mitunter bei der Klemmung des Hinterbaus am H3 gestalten. Zu den Eigenheiten bei der Wahl der geeigneten Kassette respektive des Freilaufkörpers hatten wir ja bereits weiter oben im Technikteil unseren Senf abgegeben. Etwas Vorsicht ist aber auch bei Rädern mit Steckachsen gefragt.
Der H3 kommt zwar mit einer Reihe von Adaptern; passende Schnellspanner (für Räder ohne Steckachsen) oder eben Steckachsen vermisst man aber im Lieferumfang. Grundsätzlich ist dies kein Problem, es gilt nur, den zur Einbaubreite passenden Adapter zu montieren und anstelle des Hinterrades einfach den Saris einzuspannen. So weit, so unkompliziert. Allerdings kann es bei Steckachsen mit integriertem Hebel beim Anziehen der Achse zu Berührungen zwischen Hebel und H3 kommen, was eine feste Montage unmöglich macht.
Räder mit via Innensechskant geschraubter Steckachse sind von dieser Problematik natürlich ausgenommen - und eine ebensolche Steckachse mit Innensechskant eines Drittanbieters war auch in unserem Test-Setup die günstigste Lösung zur reibungslosen Montage des Bikes am H3 (siehe oben).

  • Hochwertige Oberflächen, rutschfeste BeschichtungHochwertige Oberflächen, rutschfeste Beschichtung
    Hochwertige Oberflächen, rutschfeste Beschichtung
    Hochwertige Oberflächen, rutschfeste Beschichtung
  • Stabile Verzurrschienen für den ErgometerStabile Verzurrschienen für den Ergometer
    Stabile Verzurrschienen für den Ergometer
    Stabile Verzurrschienen für den Ergometer
  • Hier gut zu sehen: Die Verschraubung der Vorderradhalterung in den Schienen
    Hier gut zu sehen: Die Verschraubung der Vorderradhalterung in den Schienen
    Hier gut zu sehen: Die Verschraubung der Vorderradhalterung in den Schienen

Ohne großes Tam-Tam verbindet sich der Saris H3 mit den gängigen Trainingsplattformen wie etwa auch Zwift. Dank ANT+ und Bluetooth Smart kommuniziert der Trainer anstandslos mit sämtlichen gängigen Apps und überträgt neben der Leistung auch Daten zur Trittfrequenz. Dies erlaubt den Apps im Umkehrschluss auch die automatische Steuerung des Widerstands, sodass sich während der Fahrt oder einer Trainingseinheit ein äußerst realistisches Fahrgefühl an Steigungen und auch während Abfahrten ergibt.
Überhaupt spricht der H3 sehr sensibel an, und fühlt sich dadurch sehr natürlich an. In Sachen Fahrgefühl muss er sich vor keinem der aktuellen Kontrahenten verstecken.
Nettes Feature am Rande der smarten Konnektivität: Der H3 verarbeitet nicht nur Streckenprofile aus diversen Apps - dank ANT+ FE-C lassen sich auch Fahrradcomputer wie die Garmin Edge-Serie oder die Wahoo Elemnt/Bolt/Roam direkt mit dem Saris verbinden, um abgespeicherte Outdoor-Fahrten indoor nachzufahren.

Nach der ersten Inbetriebnahme sowie in regelmäßigen Abständen empfiehlt sich die Kalibrierung des H3. Dies gelingt beispielsweise direkt über die Zwift-App, sofern man Zwift verwendet, aber auch über die für Apple und Android erhältliche Saris Utility-App. Über Bluetooth lässt sich der Trainer innerhalb weniger Wimpernschläge mit der App koppeln und der H3 exakt kalibrieren. Der Kalibrierungsprozess selbst wird von der App genau vorgegeben - sprich: Warmfahren des Systems inklusive der Kalibrierung im Anschluss.
Mit schneller und subjektiv präziser Reaktion auf geänderte Steigungen und Widerstände macht der Saris eine gute Figur, und auch die Watt-Werte scheinen auf den ersten Blick sehr realistisch. Dazu werden wir den H3 in den kommenden Wochen aber noch mit einigen Powermetern gegenprüfen, um hierzu eine verbindliche Aussage zu treffen. Mehr dazu dann im finalen Abschluss des Langzeittests.

Was dem natürlichen Fahrgefühl zusätzlich - nicht nur am H3, sondern wohl auch auf jedem anderen Rollentrainer - mehr als nur positiv in die Karten spielt, ist die MP1 Nfinity Plattform. Das innovative Konzept von Saris funktioniert tatsächlich wie beworben.
Sitzend, im Wiegetritt, voll attackierend oder gemütlich ausrollend - die Plattform lässt stets so viel Bewegung zu, dass man sich bei geschlossenen Augen beinahe auf der Straße wähnt. Einer sehr glatten Straße, wohlgemerkt. Dadurch verschwindet das lähmende "statische" Gefühl beim Indoor-Training gänzlich aus der Rechnung und der unangenehme, starre Gegendruck von Sattel und Lenker bleibt aus. Gesäß und Schultern danken's.
Allerdings sollte man vor Inbetriebnahme unbedingt das Handbuch (oder diese Zeilen) lesen. Denn die MP1 wird mit Transportsicherungen verschickt. Anfangs war das "Fahrverhalten" der beweglichen Platte darum äußerst "knackig" - die Demontage der zur Sicherung an den Gleitschienen montierten schwarzen Schaumgummi-Puffer gaben schließlich das volle Bewegungspotenzial der Platte frei. Hoppla ...

Mit einer Längsbewegung von +/- 12 cm und einer Seitneigung von +/-6° ist die Platte äußerst beweglich. Die robuste Birkenplatte und das für die Beweglichkeit verantwortliche Metallgerüst unter der Platte schlagen sich aber auch auf der Waage nieder. 28 kg wiegt die MP1. Das, und die sehr klebrigen Gummipuffer an deren Unterseite machen es schwer, die große Platte zu bewegen. Man sollte also einen fixen Platz haben, an dem man trainiert. Wer nach der Einheit wieder alles aus dem Wohnzimmer verschwinden lassen muss, hat hier wohl schlechte Karten.
Das war es aber auch schon wieder mit den Nachteilen des MP1. Denn gegenüber einer Matte, die man sonst unter die Rolle stellen würde, nimmt sie nicht mehr Platz weg, erlaubt dafür eben ein drastisch besseres Fahrgefühl. Außerdem ist sie dank edler Holz-Optik schöner anzusehen als Gummimatten und wertet die heimische Trainingsecke schon allein dadurch auf.

Da Fahrrad und Walze fix an der Platte montiert sind, können sie während harter Intervalle auch nicht quer durchs Wohnzimmer wandern - was bei anderen Lösungen doch immer wieder der Fall ist. Schweiß wird direkt auf der Platte aufgefangen und kann dort einfach abgewischt werden.
Und zu guter Letzt scheint die Plattform Vibrationen der Walze nochmals besser zu dämpfen, als eine Trainingsmatte. Doch das ist eine subjektive Wahrnehmung, Daten dazu können wir keine anbieten.

Genauigkeit der Wattleistung und Trittfrequenz

Zum Abschluss unseres Langzeittests warfen wir noch einen analytischen Blick auf die Dynamik und Genauigkeit der Watt- und Trittfrequenzwerte. Rein subjektiv machte der Saris H3 Trainer während des gesamten Zeitraums einen guten Eindruck, denn die Reaktion auf sich ändernde Steigungen und Wattwiderstände erfolgte relativ schnell und die zu tretenden Wattwerte schienen realistisch. Um eine exaktere Aussage über Watt, TF & Co. zu treffen, tauschten wir kurzerhand die vorhandene Ultegra-Kurbel gegen unseren mehrfach erprobten p2m NG Leistungsmesser mit Shimano 4-S Kettenblattstandard.

Drama zu Beginn
Leider hatte NoPain vergessen, den großen Drehmomentschlüssel einzupacken, um die linke Achsschraube der Rotor Aldhu 24 Kurbel mit effektiven 35 Nm anzuziehen. So wurde geschätzt und nach fest kam ab. Abgesehen davon, dass wohl kein Händler der Welt diese höchst proprietäre Schraube auf Lager gehabt hätte, war es Samstag Nachmittag. So half nur mehr der Weg zum Baumarkt, wo sich um 2,20 Euro ein "russischer", allerdings superstabiler Workaround beschaffen ließ.
Welt der Wunder: Am Montag darauf erhielten wir beim Bikepirat tatsächlich die benötigte Ersatzschraube (Rotor Kurbelschraube ALDHU 24 links), denn dieser entnahm sie uneigennützig einer kompletten Rotor Kurbel. An dieser Stelle drücken wir ihm ganz fest die Daumen, dass aus Spanien bald Ersatz bekommt.

Warm-Up
Um die von Saris angegebene Genauigkeit von +/-2% zu überprüfen, absolvierte unser Tester ein 24-minütiges Workout auf Zwift, das in etwa seinem gewohnten Indoor-Leistungslevel entsprach, denn die Trittfrequenz sollte so gut wie möglich auf einem gleichmäßigen Niveau gehalten werden. Zuvor fuhren wir die Gerätschaften eine Viertelstunde warm und kalibrierten sowohl den Leistungsmesser als auch den Saris H3 per Spindown.

Workout
Bereits wenige Sekunden nach dem Beginn des Workouts glichen sich die vom p2m Leistungsmesser angezeigten Wattwerte an die ZWIFT-Vorgaben an und folgten ihnen stabil, ohne übermäßig zu oszillieren oder gar zu driften. Auch die Reaktionszeit zwischen den einzelnen Widerstandsstufen war vorbildlich. Im Schnitt dauerte es nur 2-3 Sekunden, bis die gefühlte Anstrengung über einen Wattsprung Auskunft gab und vom p2m widergespiegelt wurde.

Analyse und Interpretation
Wie es um die tatsächliche Genauigkeit bestellt war, ließ sich erst im Anschluss am Computer ermitteln, als wir die gespeicherten Werte des Saris H3 mit jenen des p2m Leistungsmessers verglichen. Da die Wattgenauigkeit des Saris H3 mit +/-2% und die des p2m NG Leistungsmessers mit +/-1% angegeben waren, hätte eine Range von rund +/-3% einen guten Rahmen abgegeben.
Abgesehen von einigen wenigen Ausreißern blieben tatsächlich beide Wertepaare über den gesamten Testzeitraum hinweg erstaunlich stabil und nahe beieinander. Im Schnitt zeigte der Saris H3 um 2% höhere Wattwerte an.
Anmerkung: Die vier offensichtlichen Wattpeaks in der p2m-Grafik (siehe entsprechende Markierungen) entstanden durch explosives Wechseln in den Wiegetritt.

Zusätzlich zur Power errechnet der Saris H3 auch die Trittfrequenz ohne externen Sensor. Der eingebaute Algorithmus funktioniert gut, aber keinesfalls perfekt. So lagen die Durchschnittswerte zwar nur 1% unter jenen unseres externen Garmin-Kadenzsensors, aber es gab zwischendurch immer wieder mal größere Ausreißer nach unten - meistens, sobald unser Tester in den Wiegetritt ging, aber auch, wenn sich die Widerstandswerte abrupt änderten.
Wer grundsätzlich nur die Trittfrequenz monitoren bzw. speichern möchte, wird mit dem H3 Algorithmus bestimmt das Auslangen finden; zur Durchführung frequenzorientierter Übungen würden wir jedoch einen externen Trittfrequenzsensor empfehlen.

NoHairmans Resumé


Im Langzeittest hat sich das problemlose Zusammenspiel zwischen Saris und der Zwift-App absolut bewährt. Auf die Vorteile und den Leistungsumfang von Zwift muss in diesem Bericht wohl nicht extra eingegangen werden. Ich kannte die Trainingsapp nicht und abonnierte sie nach dem kostenlosen Probemonat.

Was den Saris H3 betrifft, so funktionierte dieser seit dem erfolgreichen Aufbau ausgezeichnet und absolut stressfrei. Er stellt faktisch das gallische Dorf in der Welt der unzuverlässigen Freizeitelektronik dar. Bis auf eine einzige Ausnahme: den einen Moment, in dem einem die Ideen ausgehen.
Im Falle des Saris ergab sich eine derartige Situation, als wir ihn mit meinem Android Smartphone kalibrieren wollten. Es sollte folgendermaßen funktionieren: Nach einem Warm-Up und der Bluetooth-Kopplung von Handy und H3 beginnt man zu treten, bis eine Geschwindigkeit von rund 29-35 km/h (bei gefühlten 250 Watt) erreicht wird. Danach tritt man solange weiter, bis einem die App befiehlt, damit aufzuhören und zu coasten.
In unserem Fall vermeldete die App permanent "Test initializing. Keep pedalling!" ohne zu einem Abschluss zu kommen. Nach zwei Versuchen á 5 Minuten brachen wir ab.
Erst ein kompletter Restart von Saris und meinem Android Smartphone brachte die Wendung und die Kalibrierung klappte auf Anhieb innerhalb von 30 Sekunden.
NoPain hatte mein Android Handy "in Verdacht", ich dachte gar nichts, ich war g'schossn.

Bis auf diesen Ausrutschter funktionierten der Saris H3, die Saris App und auch Zwift absolut problemlos. Und auch die MP1 Nfinity Trainer Plattform verrichtete unauffällig ihren Dienst. Ist man die Platte erst einmal gewöhnt, will man sie auch nicht mehr missen. Obwohl die Kippwinkel der Platte nicht übermäßig groß sind, sind Körperspannung und Trainingseffekt permanent erhöht.
Natürlich muss dem Sportler dieser Effekt auch die 1.349 Euro extra wert sein. In Summe bin ich mit dem Paket mehr als nur zufrieden, es befriedigt alle Bedürfnisse, die ich an einen Indoortrainer stelle.

Fazit

SARIS H3 DIRECT DRIVE & MP1 NFINITY
Modelljahr: 2021
Testdauer: 6 Monate
Preis: 1.099 Euro (H3); 1.349 Euro (MP1)
+ Verarbeitung
+ Fahrgefühl
+ Konnektivität
+ Genauigkeit Leistung
o Genauigkeit Trittfrequenz
o Lieferumfang
- Steckachsen müssen mitunter extern besorgt werden
- Potenziell Probleme mit manchen Kassetten
BB-Urteil: Smooth Operator

Unterm Strich ist Saris sowohl mit dem H3 als auch mit der MP1 ein überzeugender Wurf gelungen. Der H3 Smart Trainer überzeugt mit guter Verarbeitung und ebensolchem Fahrgefühl. Er ist leise genug, um die gute Nachbarschaft nicht mit abendlichen Trainingsfahrten zu stören und leistet sich in Sachen Konnektivität mit diversen Apps von Drittanbietern keine Schwächen.
Einzig der begrenzte Raum für Steckachsen mit integrierten Spannhebel sowie die Problematik mit teilweise am Gehäuse reibenden XD Kassetten bzw. teils ebendort streifenden Ketten an XDR-Freiläufen sollten vor einem Kauf abgeklärt werden.

Die MP1 Nfinity Trainer Platform ist ein Nice-To-Have für jeden kompatiblen Rollentrainer (Saris, Elite, Tacx, Wahoo). Das Fahrgefühl rückt deutlich näher an jenes auf der Straße, die große Beweglichkeit entlastet den Körper spürbar. Vor allem der Entfall des starren Drucks durch den Sattel ist ein Genuss.
Wer den Platz hat, über das nötige Kleingeld verfügt und sein Trainings-Setup über die Wintersaison fix aufgebaut lassen möchte, sollte einen genaueren Blick auf die MP1-Basis werfen.


  • 1 Monat später...
Zum Glück war auch der Lift groß genug, um die Platte in den zehnten Stock zu verfrachten, ansonsten hätte es wohl Tränen gegeben.

 

Finde keine Produktabmessungen. Frage aus dem 5., mit Mini-Aufzug bestücktem Stock: Wie groß muss denn die Lifttür/-kubatur tatsächlich sein, damit's klappt? Sooo riesig kommt mir die Platte auf den Fotos jetzt nicht vor ...

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  • 2 Monate später...
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