Passwort vergessen?
Wer Magura sagt, sagt seit vielen Jahren auch Carbotecture. Und wer viel Zeit in einschlägigen Foren verbringt, weiß: Genau daran scheiden sich die Geister. Technisch hatte der faserverstärkte Kunststoff durchaus seine Argumente, emotional konnte ein aus Kunststoff gefertigter Bremsgeber im hochpreisigen Segment aber nicht jeden überzeugen. Bei der neuen Race Pro erspart sich Magura diese Diskussion kurzerhand. Geber, Hebel und Schelle bestehen aus Aluminium, ebenso der einteilig geschmiedete und anschließend großzügig CNC-bearbeitete Bremssattel. Heraus kommt eine ziemlich technische, fast schon skelettierte Optik - und mit angegebenen 310 Gramm inklusive 1.000 mm Bremsleitung ein durchaus bemerkenswertes Gewicht für eine Bremse dieser Leistungsklasse.
Magura bezeichnet die Race Pro selbst als die bislang stärkste und präziseste Bremse der Firmengeschichte. Im hauseigenen Prüfstandstest soll sie gegenüber der ohnehin nicht gerade schüchtern verzögernden Gustav Pro 16 Prozent mehr Bremsleistung liefern.Interessant ist das vor allem in Verbindung mit dem Gewicht. Denn während die Gustav Pro bewusst auf maximale thermische Reserven und unter anderem 2,5 mm dicke Bremsscheiben setzt, fährt die Race Pro mit klassischen 2,0-mm-Rotoren. Sie soll damit nicht die Gustav ersetzen, sondern eine andere Richtung einschlagen: sehr hohe Bremsleistung bei deutlich geringerem Systemgewicht für Trail, Enduro und Co.
Hydraulisch setzt Magura auf einen 12-mm-Kolben im Geber und vier 19-mm-Kolben im Bremssattel. Doch große Kolben allein machen freilich noch keine starke Bremse - Übersetzungsverhältnis, Steifigkeit und Reibungsverluste spielen ebenso eine Rolle. Dementsprechend steckt einiges an Aufwand im Geber. Der Aufbau der Bremskraft soll möglichst linear erfolgen und damit trotz des aggressiven Bisses gut dosierbar bleiben.Optisch ist die Race Pro wohl eine der deutlichsten Abkehrbewegungen der jüngeren Magura-Geschichte. Der Geber wird aus Aluminium geschmiedet und anschließend CNC-bearbeitet. Gleiches gilt für den Bremssattel, dessen einteilige Konstruktion Magura schon länger als Mittel für hohe Steifigkeit und wenige potenzielle Leckstellen nutzt. Material wird dabei offensichtlich dort entfernt, wo es strukturell entbehrlich ist. Die vielen Fräsungen sind also nicht nur fürs Schaufenster gedacht, sondern helfen Magura dabei, große Kolben, ausreichend Ölvolumen und einen steifen Sattel mit niedrigem Gewicht zu vereinen. Auch beim Thema Steifigkeit liefert Magura eine Zahl: Gegenüber der MT7 soll die Race Pro 20 Prozent weniger unerwünschte Nachgiebigkeit am Hebel zeigen.
Von der Gustav übernimmt Magura das Easy-Link-System zur Verbindung von Leitung und Geber, entwickelt es aber weiter. Die Bremsleitung lässt sich ohne Spezialwerkzeug am Geber lösen; bei der Race Pro sitzt dort nun ein abgedichtetes Ventil, sodass der Geber auch bei getrennter Leitung geschlossen bleibt. Gerade bei durch Steuersatz und Rahmen verlegten Leitungen könnte das eines jener Features sein, die man beim Schrauben schnell zu schätzen lernt. Auch das Entlüften soll einfacher werden. Ein durchgehender Ölkanal ohne Sackgassen soll Luft leichter aus dem System befördern. Dazu erweitert Magura das Ersatzteilangebot: Hebel, Hebellager, Kolben- und Dichtungssätze für den Geber sowie Reservoirdeckel sollen einzeln erhältlich sein. Und auch fünf Jahre Dichtigkeits-Garantie sind mit an Bord.
Serienmäßig kommt die Race Pro mit MDP-13 Silver Belägen. Zusätzlich stehen Black und Yellow zur Wahl. Laut Magura bringen die Yellow nochmals rund zehn Prozent mehr Bremsleistung gegenüber Silver und sind primär für kurze, harte Bremsmanöver gedacht.Bei den Scheiben bleibt es hingegen konventionell. Freigegeben sind Maguras 2,0 mm starke Rotoren zwischen 180 und 220 mm, konkret MDR-P, MDR-S und MDR-C. Am Lenker gibt's eine zweiteilige Aluklemme samt Shiftmix-IG-Schnittstelle, über die sich passende Schalt- und Dropper-Hebel direkt integrieren lassen. Die Griffweite des CNC-Aluhebels ist werkzeuglos einstellbar.Ganz billig wird der Spaß erwartungsgemäß nicht. Magura nennt für die Race Pro aktuell eine UVP von 699,90 Euro für das Set aus zwei Bremsen. Die ersten kleinen Stückzahlen sollen ab Mitte Oktober 2026 verfügbar sein. Ob die stärkste Magura aller Zeiten am Trail tatsächlich genauso souverän verzögert, wie es Prüfstand und Datenblatt versprechen? Wir hoffen auf baldige eigene Test-Tiefenmeter...
Kann ich 2,5-mm-Bremsscheiben verwenden?Nein. Die Race Pro ist ausschließlich für 2,0 mm starke Magura-Scheiben von 180 bis 220 mm ausgelegt.Ist die Race Pro mit MT5, MT7 oder anderen Magura-Bremsen kompatibel?
Nein. Weder Geber noch Bremssattel lassen sich mit anderen Magura-Systemen kombinieren. Fördervolumen, Übersetzung, Ausgleichsvolumen und Zangenbreite sind speziell auf die Race Pro abgestimmt.
Muss nach dem Trennen der Easy-Link-Leitung entlüftet werden?Nein. Das Ventil am Geber schließt hydraulisch dicht, sodass dort weder Öl austritt noch Luft eindringt. Die Leitung kann anschließend wieder eingeklickt werden.
Kann ich Vorder- und Hinterradbremse tauschen?Die Bremsgriffe selbst sind nicht Flip-Flop, es gibt also einen linken und einen rechten Geber. Über Easy-Link lassen sich allerdings die Leitungen zwischen den Gebern tauschen. Dabei sollten zuvor die Kolben beider Bremssättel vollständig zurückgedrückt werden.
Kann ich auf Easy-Link verzichten?Ja. Alternativ ist eine klassische Magura-Klemmringverbindung mit Stützhülse und schwarzer M8x0,75-Überwurfschraube möglich.
Welche Teile sind austauschbar?Neben dem Bremshebel sind auch dessen Kugellager, Kolben und Dichtungen sowie Ausgleichsbehälterdeckel und Membran als Ersatzteile vorgesehen.
Wie wird entlüftet?Wie gewohnt mit Magura Royal Blood: schnell über die EBT-Schraube am Geber oder vollständig über das Befüllventil am Bremssattel.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
Kommentare (3) im Forum