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Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Für den dritten Teil unserer Berichtsreihe "Radposition & Ergonomie" besuchte ich den Osteopathen und Physiotherapeuten Christian Bernhard (Sport-Support.at) in seiner Praxis in Pressbaum. Der begeisterte Rennradfahrer ist einer von derzeit insgesamt zwanzig Retül Master Fittern weltweit und bietet dank langjähriger medizinischer Ausbildung, High-Tech-Ausstattung und umfangreicher Erfahrung ein ganzheitliches System zur biomechanischen Radpositionsanalyse an.
Mythos "standardisierte Radposition" Da sich jeder Mensch aufgrund seiner individuellen Anatomie nicht in ein allgemein gültiges Raster pressen lässt, ist das Finden der optimalen Radposition selbst für ambitionierte Leistungssportler eine eigene Wissenschaft und ohne professionelle Unterstützung kaum zu schaffen. Denn zu den individuell anatomischen Gegebenheiten gesellen sich vorangegangene Verletzungen, muskuläre Dysbalancen und funktionelle Einschränkungen erschwerend hinzu und sollten zusätzlich zum sportlichen Ziel oder Einsatzzweck stets mit berücksichtigt werden. Gefordert ist somit der beste Kompromiss zwischen physischer Leistungsmöglichkeit, Aerodynamik und Komfort. Außerdem ist das Erlangen der optimalen Radposition immer als dynamischer Prozess zu sehen, da sich während einer Saison die "optimale" Position durch permanente Anpassung aufgrund des Trainings verändert. Um auf längere Zeit effizient und zugleich beschwerdefrei am Rad zu fahren, führt daher kein Weg an einer regelmäßigen Adaptierung vorbei.
_______________________________________________"So unterschiedlich wie die Ausgangsposition der verschiedenen Athleten sind im Endeffekt auch die abgehandelten Schwerpunkte. Der letzte Feinschliff ist nicht zwingend der gefundene Sweetspot (z.B. einer Sattelposition), sondern liegt oftmals im gezielten Techniktraining am Rad oder in einer angepassten Sportphysiotherapie."
Ganzheitlicher Systemansatz Neben notwendigen Umstellungen am Sportgerät arbeitet Christian Bernhard mit Methoden der Osteopathie, Physiotherapie und Sportphysiotherapie sowie gezieltem Techniktraining am Rad. Somit wird neben der Modifikation am Rad der Sportler selbst im Hinblick auf körperliche Dysbalancen und vorhandene Schwachstellen untersucht und je nach Ergebnis ein individuelles Behandlungskonzept erstellt. Das Zusammenführen all dieser Faktoren dient der Entfaltung des persönlichen Leistungspotentials des einzelnen Sportlers, sei es durch Verbesserung der Effizienz, der Ökonomie oder der Ergonomie. Nicht zu vergessen: der prophylaktische Ansatz, der viele beschwerdefreie Kilometer am Rad ermöglichen soll. Zur Verlaufs- und Entwicklungskontrolle vertraut der Spezialist auf das Analysesystem von Retül, das den Athleten während der Fahrt in einem bestimmten Leistungsbereich in Echtzeit vermisst, umfangreiche 2D/3D Daten liefert und dem Sportler einen permanenten Einblick in den Prozess erlaubt.
Über einen definierten Zeitraum hinweg werden alle relevanten Körperwinkel erfasst, deren Durchschnittswerte von der Retül-Software automatisch berechnet und übersichtlich dargestellt. Für hohe Genauigkeit sorgen die direkt auf dem Körper positionierten Messpunkte und gleich drei parallel laufende Kameras, die im Gegensatz zu herkömmlichen Videosystemen ein sehr breites Sichtfeld besitzen. Mit dieser Art der Messung erhält man präzise Informationen über die Position des Fahrers und damit die Grundlage der bevorstehenden Optimierung.
Initialanalysen dauern für gewöhnlich zwischen zwei und drei Stunden. Für ein zusätzliches Rad bzw. einen Re-Check ist mit etwa ein bis 1,5 Stunden zu rechnen. Natürlich ist der Zeitaufwand immer von den Themen, Fragen und technischen Umbaumaßnahmen abhängig. Jede noch so kleine Veränderung an der Position benötigt eine ausreichend lange Adaptierungsphase. Deshalb sollte im Normalfall ein Re-Check erst nach frühestens ein bis zwei Monaten stattfinden. In Ausnahmefällen, wie zum Beispiel nach Verletzungen oder parallel laufenden Behandlungen, können auch kürzere Kontrollintervalle zur Anwendung kommen. Bei Christian Bernhard liegt der Grundtarif bei € 90,- pro Stunde.
Durch die erfassten Daten und der abschließenden Radvermessung mittels Zin Tool ist es mit der "Retül Frame Finder" Software möglich, verschiedene Radmarken und deren Geometriedaten miteinander zu vergleichen und Empfehlungen bzgl. der Rahmengröße, Spacer und Vorbaulänge abzugeben.
Wer schon mal versucht hat, sein Rennrad perfekt einzustellen (Sattelhöhe, Neigung, Setback, Vorbau, Lenker, Überhöhung, Pedalcleats, etc.), kann sich ungefähr vorstellen, wie kompliziert das ganze bei einem modernen Zeitfahrrad aussieht. Abgesehen davon, dass die Umbauten oftmals technisches Geschick und Spezialwerkzeug erfordern, hat der Athlet mit unzähligen Einstellmöglichkeiten an Lenker, Vorbau, Armrests sowie den Extensions zu kämpfen. Darüber hinaus müssen die vielfältigen und teils unsinnigen UCI-Regeln penibel genau eingehalten werden, um ärgerlichen Diskussionen und nervigen Zangeleien kurz vor dem Rennstart aus dem Weg zu gehen.Nach einer durchschnittlich erfolgreichen Rennsaison suchte ich Christian Bernhard, seines Zeichens ebenfalls begeisteter Amateur-Zeitfahrer, im März 2012 mit meinem Kuota Kueen-K Zeitfahrrad auf, um die Sitzposition zu optimieren.
Ich war mit meiner aktuellen Radeinstellung eigentlich immer sehr zufrieden und rechnete gar nicht mit großartigen Änderungen. Schnell kam die Ernüchterung: zu niedrig, zu tief, zu gestreckt, 175er Kurbeln sind zu lange... Shit!Flott war mein Rennrad-Sattel gegen einen hässlichen ISM Adamo Sattel getauscht, der steile Vorbau flog raus und die Sitzhöhe wuchs um 2 cm an... naja!
Die ersten Tage danach machte mir das Training überhaupt keinen Spaß. Der Sattel drückte an ungewohnten Stellen, mir kam die Sattelhöhe viel zu hoch und die Position des Lenkers zu komfortabel vor. Auf ein verzweifeltes eMail meinte Christian: "Vertrau mir... das passt so. Du kannst dich aber auch schrittweise annähern." Davon hielt ich noch weniger. I want it all and I want it now. Also biss ich mich noch ein paar Tage durch - und siehe da, es fühlte sich immer besser an. 14 Tage später waren selbst zwei Stunden durchgängige Aeropose kein Problem und beim EZF in Ybbs kam ich zum ersten Mal ohne Diskussionen beim Rennleiter vorbei. Die vorgeschriebenen 5 cm Mindestabstand der Sattelspitze zum Tretlager war mit dem ISM Sattel ja kein Problem mehr; überhaupt fühlte sich das hässliche Teil mittlerweile richtig gut an.
Der erste Re-Check folgte ausnahmsweise schon nach vier Wochen und beschränkte sich auf Feintuning und weitere Tipps & Tricks zur schnellen Adaptierung. Außerdem riet mir Christian eindringlich zu einer kürzeren Kurbel. Ich vertraute im blind und verfiel dem Kaufwahn.
Die Trainings- und Rennmonate vergingen wie im Flug. Mit der 170 mm kurzen Kurbel bekam ich besser Luft und obendrein einen runderen Tritt. So konnte ich also wieder ein steilerer Vorbau montieren, gewann damit mehr Überhöhung und meine Ergebnisse wurden von Bewerb zu Bewerb besser. Glanzstück war ein Schnitt von 46,6 km/h in Bierbaum - endlich war meine persönliche 46er Schallmauer gebrochen.Im Dezember suchte ich Christian Bernhard zum finalen Re-Check auf und um mit dem Retül Müve ein bisschen herumzuspielen, aber im Prinzip war meine Einstellung schon richtig gut. Wir stellten die Sattelneigung auf UCI-genehmigte 2 bis 3 Grad Neigung und Christian "zinnte" ein letztes Mal die komplette Radeinstellung.
Das Ergebnis der Initialanalyse deckt sich größtenteils mit jenem vom Orthopädischen Spital Speising (vgl. Bericht aus 2009), fällt allerdings in einigen Punkten "aggressiver" aus. Die einzelnen Testläufe (ca. 15 - 40 Sekunden) nehmen inklusive der Auswertung nur wenige Minuten in Anspruch und erlauben daher eine detailliertere Untersuchung in der gleichen Zeit. Positiv finde ich die übersichtliche, auch für den Laien verständliche Darstellung der Ergebnisse und während der gesamten Prozedur über einen Monitor in den Analyseprozess eingebunden zu sein.Tipp: Vor einem anstehenden Rad-Neukauf die Retül-Müve-Analyse durchführen lassen. Der daraus gewonnene Retül Bicycle Report hilft auch ohne Probesitzen, ausschließlich per Geometrie-Daten, die optimale Rahmengröße zu finden. Am einfachsten geht das mit der Retül Frame Finder Software; es sollte aber auch nur anhand der Geo-Daten vom Hersteller möglich sein. Außerdem können damit Sattel, Vorbau, Lenker und Armpads von Neu-, Test- oder Leihrädern im Nu eingestellt werden.
sport-support.at | analysisChristian Bernhard | Osteopath & PhysiotherapeutRetül Master Certified Fitter Pfalzauerstrasse 106/13 3021 Pressbaum www.sport-support.at +43 (0) 664 4510 257info@sport-support.at Radpositionsanalysen € 90,- pro Stunde Physiotherapie, Trainingstherapie € 65,- pro StundeOsteopathie € 95,- pro Stunde Leistungsdiagnostik, Leistungsanalysen € 90,-
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