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Nach Monaten der Entsagung steht zur Abwechslung "Aktivurlaub" auf dem Programm. Mit dem Rad, versteht sich. Begleitet werde ich von einem geliebten Menschen, einer Lichtgestalt dieses Planeten, die mich versteht, meine Freuden teilt und mir in schlechten Zeiten als große Stütze zur Seite steht, ohne mir permanent auf den Keks zu gehen. Ich spreche natürlich von meinem Alter Ego und fahre mit mir und meinem Cannondale SuperSix Rennrad an den Gardasee.
Genauer gesagt: mit vier Fahrrädern, Werkzeug, Ersatzmaterial, Riegel, Getränkepulver, Radbekleidung, BCAAs, Vitaminen, gemalenem Getreide, Trombosespritzen... Oida, Oida, ... die Liste ist schon wieder viel zu lang. Ich verliere schnell den Überblick und stopfe einfach alles, was in der Wohnung herumliegt und im Entferntesten mit Radfahren zu tun hat, in den Bus. Die offizielle Abfahrt erfolgt um 14.30 Uhr. Ich notiere die Zeit, als die Ortstafel meines Heimatorts "Soulcity" an meinem Fenster vorbeiflitzt. "Über den Brenner oder den direkten Weg über Udine?" überlege ich - Unschlüssigkeit macht sich breit. Als sich mein Navi deutlich für die südliche Variante ausspricht, wähle ich die Autobahnauffahrt in Richtung Graz und bete, dass die Venedig-Umfahrung mittlerweile fertig gestellt wurde. Zu bitter und sinnlos sind die Staustunden auf Venedigs "A23 Südosttangente". Eine Verschwendung jeder einzelnen Minute, die in den Stunden zuvor mit riskanten Überholmanövern und ultrakurzen Tank- und WC-Stopps erkämpft wurde.Ich nähere mich dem Grenzübergang Arnoldstein und ärgere noch ein paar LKWs und einen Mödlinger Mini, als die CD im Autoradio zu springen beginnt. "Bumm bumm bu - zack - Bumm bumm bu - zack". So ein Scheißdreck. Der "Eject" Knopf reagiert anfänglich nicht, aber dann doch. LKWs zischen an mir vorbei, links, rechts, überall LKWs, ich halte die CD in der einen Hand, die Wasserflasche in der anderen, Lenkradsteuerung per Knie, Sonnenstrahlen blenden mich, "Wo ist die verdammte Sonnenbrille?" und "Gibt es hier noch Grenzkontrollen?" schießt es mir durch den Kopf. In diesem Moment springt plötzlich ein Mann mit Uniform brüllend auf die Straße und fuchtelt wild mit seiner bunten Kelle umher. Und da war er auch schon wieder verschwindend klein im Rückspiegel und ... weg. "Wie sollte ich denn bei einer Fahrgeschwindigkeit knapp über 160 auf so kurzem Weg stehen bleiben? Wie hat er sich das wohl vorgestellt?" dachte ich mir. Ich verstand erst, als ich kurz darauf die "30er Ende" Straßenschilder passierte. "Na, wird schon nix sein."
Keine fünf Minuten später erreiche ich die Mautstation. Es herrscht Chaos, da quer gestellte Autos der Carabinieri rund zwei Drittel der Durchfahrten versperren und die Fahrzeuge vor mir einzeln durchgewunken werden. Kurz nachdem mich einer der Polizisten erspäht, packt auch dieser seine Kelle aus und hält mich entschlossen an. Ich senke den Blick und lasse das Fenster hinunter. "Buongiorno! Documenti della macchina.", fährt er mich an. Sein aggressiver, düsterer Blick lässt keinen Zweifel daran, dass er es ernst meint. Er will sie sehen, meine Papiere, hier und jetzt und ich habe keine andere Wahl. Ich greife in meine speckige Ledergeldbörse, ziehe einen noch abgefuckteren österreichischen Führerschein heraus und reiche ihm das Dokument. Sichtlich beeindruckt quittiert er meine Kooperationsbereitschaft mit lautem "Scendere! Aprire!" und deutet hektisch auf den Laderaum. Während ich die Flügeltüren meines Busses öffne, rollt der Fahrer des zuvor von mir geschnittenen Mödlinger Minis mit gestrecktem Mittelfinger in Schrittgeschwindigkeit an uns vorbei. "Fuck, wie peinlich." Der Carabinieri nimmt mein Ladegut genau unter die Lupe. Dabei lichtet sich seine Miene und ich glaube ein verschmitztes Lächeln zu erkennen. Er zeigt mit dem Finger auf mein matt-schwarzes Cannondale Rennrad, sieht mir dabei tief in die Augen und spricht: "Ivan Basso!?". "Si." Ich antworte zustimmend mit dem Codewort "Liquigas", wobei ich "Eufemiano Fuentes" auch lustig gefunden hätte, aber irgendwie will ich ja weiterkommen. Wir sind uns also einig, der Polizist retourniert meine Dokumente, winkt seine Kollegen zur Seite und wünscht mir noch einen "Bella Vacanca!". Auf meine quietschenden Reifen reagiert er mit noch inbrünstigeren Urlaubswünschen und winkt mir sogar noch mit seiner Kelle hinterher. Ein netter Kerl, ich mag ihn.
Die Jagd in Richtung Venedig beginnt aufs Neue und ich bekomme den Mödlinger Mini noch einmal vors Fadenkreuz. "Man begegnet sich immer zweimal im Leben", schmunzle ich, während ich das jämmerliche Fahrzeug rechts überhole, ein wenig schneide und auf einen sicheren 60er hinunterbremse. Im Rückspiegel beäuge ich den rot angelaufenen und hektisch gestikulierenden Kollegen, lasse ihn aber schnell nach einem fliegenden Start hinter mir und hoffe auf eine freie Bahn. Venedig erreicht, zeigt sich mein Navi sichtlich verwirrt und kotzt sich an. Es kennt die befahrene Straße nicht. Ein gutes Zeichen, die Umfahrung ist also fertig. Und tatsächlich benötige ich nur 15 Minuten für einen Streckenabschnitt, auf welchem sich früher täglich Staudramen abgespielt haben. Bei Verona wechsle ich auf die Autobahn in Richtung Brenner, fahre bei "Lago di Garda Nord" ab und versuche im einsetzenden strömenden Gewitterregen den Wagen auf der Straße zu halten. Kurz vor 20:30 Uhr erreiche ich meine Pension in Torbole. Die 6-Stunden-Marke ist gefallen.
Die Begrüßung meiner Gastgeberin fällt genauso herzlich aus, wie ich es von früher gewohnt bin. "Alora! Zimmer 123, mit Blick auf Mecki. Es kommen auch noch andere Österreicher heute Abend." Sie hält kurz inne und überlegt sichtlich angestrengt. "Alora! Du siehst jemandem sehr ähnlich der hier früher oft auf Urlaub war", meint die Chefin, "nur etwas älter und kleiner." Ich nicke höflich, verschweige, dass es sich bei diesem "jemand" tatsächlich um mich handelt, schnappe mir den Schlüssel und beginne mein Gepäck aufs Zimmer zu schaffen. Als ich anschließend bei Donner, Blitz und Hagel durch den Laderaum robbe, um die letzten Sachen aus dem Auto zu fischen, höre ich ein Fahrzeug heranfahren. Der Dreck des geschotterten Parkplatzes spritzt zu den Seiten, die Scheibenwischer pfeifen aus dem letzten Loch und es parkt genau neben mir. Der Motor stoppt, Wischer verharren, Scheinwerfer erlöschen und die Fahrertür öffnet sich. Ein großer Mann steigt aus dem sehr niedrigen und beengenden Sportsitz. Er muss Bodybuilder, ein Mitglied der Cobra-Einheit oder Barack Obamas "last boyscout" sein. Ein kurzer Blick auf das Kennzeichen seines Minis verrät mir die Antwort: Er ist Mödlinger und wir werden ganz sicher dicke Freunde. Danach wird es dunkel.
Episode 0: "Das Testwochenende" (Liteville 301 Technik)Episode 1: "Trip zum Lago di Garda" (Cannondale SuperSix)Episode 2: "Siehst du was passiert, Larry?" (Liteville 301 Fahrbericht)
Das im Jahr 2008 eingeführte Cannondale SuperSix Rennrad wurde trotz zahlreicher Test- und Rennsiege für die aktuelle Saison komplett neu konstruiert. Das Flagschiff glänzt durch niedriges Gewicht bei extrem hoher Steifigkeit und ausreichendem Komfort und wusste beim großen RoadBIKE Test "Fünf Super-Renner Jahrgang 2010" zu überzeugen: deutlicher Sieg in den Kategorien "Gesamtgewicht", "Tretlagersteifigkeit", "Lenkkopfsteifigkeit", "Gabelsteifigkeit" bei gutem Komfort.
Während Cannondale an der bewährten SuperSix Geometrie festhielt, wurden die Rohrverbindungen im Tretlager und Lenkkopfbereich völlig neu gestaltet. Große Durchmesser sorgen für mehr Stabilität bei weniger Gewicht. Das Steuerrohr besitzt einen tieferen Radius, durch welchen die Carbonfasern in einem Stück vom Oberrohr bis ins Unterrohr verlegt werden können. Für die hohe Steuersicherheit beim schnellen Bergabfahren sorgt der konifizierte Gabelschaft, der sich von mächtigen 1,5 Zoll am unteren Steuerlager auf 1 1/8 Zoll zum Oberen hin, verjüngt.Dünne und leicht geschwungene Sitzstreben zeigen sich für den hohen Sitzkomfort verantwortlich. Das Tretlager, mit dem von Cannondale erfundenem BB30 Standard, ist grundsätzlich unverändert. Die "BB30 Beat Box" ist weiterhin ein Teil der vorderen Mulde, wird aber beim aktuellen Modell durch ein spezielles Verfahren mit den asymmetrischen Kettenstreben verbunden. Der SuperSix Rahmensatz ist bis auf wenige Ausnahmen vollständig aus Carbon gefertigt. Im Gegensatz zur Konkurrenz wurde im Steuerlager, an der Gabelkrone und im Sitzrohr auf den Einsatz von Aluminium verzichtet. Gerade im Tretlager-Bereich, an den Ausfallenden und beim Schaltauge ist der Werkstoff Aluminium zu finden.Sogar die die Kabelstopper am Oberrohr wurden aus Carbon mitlaminiert. Der mattschwarze und unlackierte Ultimate Rahmen des Testmodells spart gegenüber den anderen SuperSix Modellen 60-70 Gramm zusätzlich.
Selle Italia SLR C64 Sattel & Rotor SP1 Sattelstütze"Wie kannst du nur auf diesem Sattel sitzen?", lautet die Standardfrage. Tatsächlich konnte ich es mir vorher auch nicht vorstellen. Fakt ist wohl, dass jeder Radfahrer, der mit einem Standard-SLR zurecht kommt, auch mit dem SLR C64 seine Freude haben wird. Selbst nach mehreren 6-Stündern in Folge hatte ich keinerlei Problem mit dem Sitzfleisch. Die glatte Oberfläche kommt außerdem allen zu Gute, die oft am Sattel vor und zurück rutschen. Überrascht war ich von der guten Dämpfung der Carbonschale.Eine ausgezeichnete Wahl war die Rotor SP1 Sattelstütze aus Aluminium. Sie ist dank ihrer "schlichten" Konstruktion extrem leicht (ca. 178g) und die Einstellung des Sattels kann mit den beiden Schrauben vorbildlich und millimetergenau vorgenommen werden. Der Offset mit 0° kommt mir besonders entgegen, da ich den Sattel aufgrund meiner kurzen Beinlänge recht weit nach vorne schieben kann, ohne in den Grenzbereich des Sattelgestells zu geraten.
ZIPP SL145 Vorbau & SL Contour LenkerWenn schon, denn schon. "Aller-Welts-Teile" haben auf diesem Rad nichts verloren. So fiel die Wahl bei Vorbau und Lenker auf die edlen Produkte von ZIPP. Der SL145 Vorbau wird mit 50 Carbonlagen per Hand, Titanschrauben aus dem Hause Ducati, einem rostfreien Stahl-Inlay und einem polierten Alu-Frontteil gefertigt. Laut dem EFBe Labor einer der steifsten und stabilsten Carbonvorbauten der Welt mit 132g bei 100mm Länge.Der SL Contour Lenker wurde auf Komfort, Ergonomie, Steifigkeit und Aerodynamik optimiert, wiegt 190g und zählt laut EFBe Test zur Kategorie "Top Performance Racing Standard".
Mavic R-Sys SLDer leichteste Drahtreifen-Laufradsatz von Mavic wertet das SuperSix zusätzlich auf und passt farblich perfekt zum mattschwarzen Ultimate Rahmen. Das niedrige Gewicht von 1.295g wird durch das ISM3D Tuning an den Felgen, die extraleichten Carbonnaben, Achsen und Lager, sowie die neuen Carbonspeichen möglich. Das perfekte Laufrad für Bergfahrer ohne Kompromisse in Sachen Zuverlässigkeit.
Auf Anhieb überzeugt das SuperSix mit seinem stabilen Geradeauslauf bei uneingeschränkter Wendigkeit. Egal ob im Wiegetritt bei langen Anstiegen oder während schneller Abfahrten auf schlechten Straßen; der Pilot erfreut sich stets der perfekten Beherrschbarkeit seines Arbeitsgeräts. Das niedrige Gesamtgewicht und die hohe Steifigkeit sorgen für extremen Vortrieb, bergauf wie auch im Sprint. Ein Traum von einem Rad für Renn- und Marathonfahrer.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
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