Jump to content
×

Christian Ebner: "Letzte Woche wurde von der BSO das Urteil des Anti-Doping-Ausschuss bestätigt. Ich bin rückwirkend vom 13. September 2006 zwei Jahre lang für Eliterennen gesperrt worden. Ich bin mir bewusst, dass ich einen sehr dummen Fehler gemacht habe, als ich mich unabgemeldet vom Trainingslager entfernt habe und weiß, dass die Situation ein schlechtes Licht wirft.
Obwohl ich das Urteil äußerst hart finde, werde ich es akzeptieren und mich mit der Sperre abfinden. Trotzdem werde ich weiterhin professionell trainieren und mich durch die Teilnahme bei Radmarathons für mein Elite-Comeback vorbereiten.
Da ich bei den letzten Rennen neue Freunde bei den 2RadChaoten gefunden habe, möchte ich für die 2RC Darkquarter (Wiener Neustadt) an den Start gehen."

NoPain, DQ Obmann: "Ich kenne Christian jetzt seit einigen Wochen und denke, dass in ihm ein großes Potential steckt. Für seine unkluge Aktion wurde er ja mehr als genug bestraft und wir möchten ihm ab sofort die Rahmenbedingungen bieten, dass er weiterhin trainieren und Rennen fahren kann und somit den Anschluss an die Spitze nicht verliert.
Wir haben ihn beim Leithaberg Radmarathon als Teamplayer kennengelernt und freuen uns ihn im Verein zu haben."


Nachdem die Teilnahme des gesperrten U23 Fahrers Christian Ebner bei diversen Radtouristikveranstaltungen auf herbe Kritik unter den Hobbyfahrern stieß, und seine Person auf Bikeboard.at hart angegriffen wurde, suchten wir das Gespräch mit dem Elitefahrer. In einem Kurzinterview schilderte er uns die Vorfälle aus seiner Sicht und die persönlichen Gründe für die Teilnahme bei den letzten Radveranstaltungen.

Du wurdest im vergangenen Jahr vom österreichischen Anti-Doping-Ausschuss gesperrt. Wie ist der Status?

Es ist noch immer ein laufendes Verfahren, ich bin vom ÖRV suspendiert und darf bei keinen Eliterennen starten. Theoretisch dürfte ich mit einer einstweiligen Verfügung teilnehmen, wir sehen jedoch davon ab, bis das offene Verfahren abgeschlossen ist. Der Grund für die Sperre ist mein "unerlaubtes Entfernen" vom Trainingslager. Da am gleichen Abend eine unangekündigte Dopingkontrolle stattfand, soll dieses disziplinäre Vergehen als eine "Verweigerung der Dopingkontrolle" gewertet werden.

Wie hat sich das damals genau zugetragen?

Ich war im September des vergangen Jahres auf einem WM-Vorbereitungstrainingslager in Bad Tatzmannsdorf. Gegen 19 Uhr trafen zwei Kontrollore vom österreichischen Anti-Doping-Ausschuss im Speisesaal ein und wollten eine Trainings-Dopingkontrolle durchführen. Ich war zwei Stockwerke höher bei der Massage und habe davon nichts mitbekommen. Zu diesem Zeitpunkt war überhaupt nur ein kleiner Teil des Teams im Speisesaal anwesend. Der Bundestrainer wurde erst später von einem Fahrer informiert, dass eine Kontrolle stattfinden soll.
Ich kam um 19:30 Uhr mit meinem Masseur in den Speisesaal und habe zu Abend gegessen. Wir saßen an einem großen Tisch und es gab ein ständiges Kommen und Gehen meiner Teamkollegen. Die bevorstehende mögliche Dopingkontrolle war zu diesem Zeitpunkt kein Thema, da mich nur Leute umgaben, die davon ebenfalls nichts mitbekommen hatten. Explizit informiert oder darauf angesprochen wurde ich von niemandem.

Da ich meine 40 Kilometer entfernt lebende Freundin besuchen wollte und mir dieser Plan bereits zwei Tage davor vom Bundestrainer verboten wurde, setzte ich mich ohne offizielle Abmeldung um ca. 20 Uhr in mein Auto und fuhr nach Wiener Neustadt. Somit war mein Aufenthaltsort für meine Teamkollegen und den Trainer unbekannt.

In meiner Abwesenheit wurde ich zur Kontrolle gelost und konnte nicht gefunden werden. Mein Handy habe ich samt der Hotelkarte in meinem ÖRV Trainingsanzug auf dem Zimmer vergessen und die Telefonnummer meiner damals neuen Freundin war dem Team auch nicht bekannt.

Als ich wenige Stunden später in der Nacht ins Hotel zurückkam, musste ich meinen Zimmerkollegen wecken, da ich ohne die Karte nicht ins Zimmer konnte. Dieser informierte mich sofort über die vorangegangene Kontrolle und über den Ärger des Bundestrainers über mein Fehlverhalten an diesem Abend.

Dass ich meinen Fixplatz damit verloren habe, war mir sofort klar. Die weitreichenden Konsequenzen aufgrund dieses Missverständnisses waren mir allerdings nicht bewusst. Der ÖRV Generalsekretär versuchte zu helfen und mich über mein Handy zu erreichen, nur leider war noch meine alte Telefonnummer in der ÖRV Datenbank gespeichert. So nahm ich in Eigenregie Kontakt mit meinem sportlichen Leiter bei Plaster Recycling Austria auf und wir versuchten so schnell wie möglich einen Termin zu einer international anerkannten Doping Kontrolle zu bekommen, was sich als sehr schwierig erwies. Trotzdem konnte ich am darauffolgenden Samstag einen Doping-Test durchführen lassen, mit dem Ergebnis: NEGATIV.
Der ÖRV ließ das Ergebnis meiner Probe sogar noch in einem zweiten Labor gegenprüfen - wieder mit dem gleichen Resultat: NEGATIV.


Wann ist mit dem endgültigen Resultat des Verfahrens zu rechnen? Und wie ist deine Einschätzung?

Das erste Verfahren des "Anti Doping Ausschusses" (ADA) fiel negativ für mich aus. Mein Fernbleiben wurde in den Auges des Vorsitzenden als "Verweigerung einer Dopingkontrolle" angesehen. Mein negativer Befund wurde nicht berücksichtigt.
Daraufhin nahm ich mir einen Anwalt und wir brachten bei der BSO unsere Berufung ein. Dieses Verfahren ist mittlerweile abgeschlossen, nur habe ich von offizieller Stelle bis heute noch keinen Urteilsspruch erfahren. Der ÖRV hat angeblich ein eMail bekommen, dass das Urteil auch von der BSO bestätigt wurde. Allerdings hat auch mein Anwalt noch keinen Entscheidungsbeschluss erhalten.

Es steht außer Frage, dass ich nicht gedopt war. Alles dreht sich nur um die Frage, ob ich von der Kontrolle gewusst habe bzw. wissen hätte können und ob ich mich somit "vorsätzlich" der Kontrolle entzogen habe. Da ich weder von den Kollegen, noch vom Trainer und auch nicht vom Kontrollor vor Ort informiert wurde, hoffe ich, dass sich das Blatt noch zum Guten wendet und ich bald wieder an Eliterennen teilnehmen kann.

Du hast in letzter Zeit für ein wenig Unmut bei den motivierten Hobbyfahrern des Wienerwald und des Mörbischer Radmarathons gesorgt. Warum nimmst du aktiv an diesen Radtouristikveranstaltungen teil?

Diese Events sind aufgrund der vielen starken Fahrer ein sehr gutes Training für mich. Solange ich an den Eliterennen nicht teilnehmen kann, möchte ich so viele Rennkilometer wie möglich sammeln. Ich habe den Eindruck, dass viele der "Radtouristen" auch bei Eliterennen gut abschneiden würden, das Niveau ist sehr hoch.
Aufgrund der Siegprämie, welche von meinem Verein intern für den ersten Platz ausgeschüttet wird, versuche ich natürlich zu gewinnen. Es geht mir nicht darum anderen Hobbyfahrern den Pokal wegzunehmen, es ist für mich zurzeit die einzige Verdienstmöglichkeit neben dem harten Training für mein Comeback nach der Sperre.
Ich freue mich sehr, dass meine Familie und mein Team "Plaster Recycling Austria" hinter mir stehen. Plaster Recycling Austria ist strikt gegen Doping und würde einen Fahrer, der unerlaubte Substanzen zur Leistungssteigerung einsetzt, nicht fördern.

Weitere Fragen oder Feedback beantwortet Christian gerne persönlich unter eduard-ebner@chello.at [np]

Steckbrief


Name: Christian Ebner
Geburtsdatum: 20.9.1984
Wohnort: Wiener Neustadt
Interessen: Langlaufen, Schitouren, Internet
Beruf: Schüler, derzeit arbeitslos
Team: 2RadChaoten.com DQ
Rennrad: Viper

Erfolge 2006
Vize-Staatsmeister am Berg (U23)
6. Platz Burgenland Rundfahrt
9. Platz Viper GP UCI 1.2
13. Platz Grand Prix Tell (U23)

Kontakt: eduard-ebner@chello.at