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nicht mehr sehr blond, immer noch blauäugig, schokosüchtiger denn je
In Oberösterreich ist der Name Hrinkow ja ziemlich jedem Radfahrer bekannt. Für alle anderen hier die Firmengeschichte im Superzeitraffer: 1986 machten die Brüder Hrinkow ihr Hobby zum Beruf und eröffneten im oberösterreichischen Steyr ihren ersten Bike-Shop. Weitere Filialen in Linz, Amstetten und Weyer folgten. Als aktive Sportler waren die Hrinkows in der Szene bekannt und machten sich schnell einen guten Ruf als zuverlässige Schrauber. Bereits zwei Jahre nach Firmengründung entschlossen sich die Hrinkows zur Herstellung eigener Rennräder, seit 1989 sind auch Mountainbikes in der Produktpalette vertreten. Heute verdienen "die Grünen" völlig zu Recht das Prädikat "Handmade in Austria". Zwar werden die Rahmen, wie in der Branche üblich, in Taiwan gefertigt und lackiert, alles andere - von Entwicklung über (händischem) Aufbau bis Marketing - passiert jedoch in Steyr.In jüngster Zeit bemüht sich Sport Hrinkow um eine Ausweitung der Vertriebswege: Seit 2013 gibt es einen Importeur für Italien, heuer folgte Schweden nach, und auch in Österreich soll ein Handelsvertreter bis Jahresende ca. zehn Partner-Händler gewinnen. Momentan verlassen rund 2.000 Bikes jährlich die Werkstatt. Das eigene Rennteam - seit dem Vorjahr ist Hrinkow Ausstatter des Teams Vorarlberg, zudem gab und gibt es zahlreiche Amateur-Sportler "in Grün" - liefert wertvolle Inputs, diese fließen umgehend in die Produktentwicklung ein. "Customizing" lautet ein Gutteil des Erfolges: Jedes Rad wird auf die Proportionen des Fahrers angepasst und gemäß individueller Kundenwünsche bestückt. Um diesen Prozess kundenfreundlicher zu gestalten, wurde unlängst sogar ein eigener "Bike Creator" gelauncht. Online klickt man sich darin zu Modell, Bestückung und Extras seiner Wahl, erhält dazu permanente Preisauskünfte und kann per Angabe von Körpermessdaten und Fahrweise das individuelle Setup perfektionieren lassen.
Für den Bikeboard-Test wurde das Topmodell der Hrinkow Hardtail-Serie ins Rennen geschickt, das Virgin 975 Carbon. In Sachen Ausstattung erhielten wir ein an die 90.0 XT-Spezifikation angelehntes "Vernunftpaket" mit knappen zehn Kilo Kampfgewicht um etwas über 4.000 Euro (vgl. Tech-Specs). Feiner Zug: SPD-Pedale (bzw. Alternative) sind da schon inklusive.Wie die Modellbezeichnung bereits vermuten lässt, nimmt es der Rahmen sowohl mit Laufrädern der Größe 650B als auch 29" auf. Concept Frame nennt Produktionsleiter Alex Hrinkow die dahinter stehende Überlegung, dass die unterschiedlichen Laufradgrößen auf das Chassis selbst nur halb so große Auswirkungen haben, wie uns das manch Hersteller glauben machen möchte: "Als die ersten 27er gekommen sind, war rasch klar, dass die Unterschiede zu 26ern minimal sind und es eigentlich nur ein paar Optimierungen braucht, um zu switchen. Analog gilt das auch für Twentyniner." Überhaupt vertritt Alexander Hrinkow in Sachen Laufradgrößen nicht unbedingt den mittlerweile etablierten Hersteller-Mainstream. Seiner Meinung nach können die Ansprüche und Erfahrungen ambitionierter Biker und Rennfahrer nicht einfach auf die breite Masse oder alle Körpergrößen heruntergebrochen werden. Daher bietet Sport Hrinkow auch nach wie vor 26"-Modelle bis in die oberste Carbon-Klasse an.
Zurück zum Testbike: Der Rahmen besteht aus HM-Carbon, ist formschön verarbeitet und astrein lackiert. An der modern interpretierten, klassischen Hardtailform sagt besonders zu, dass das Oberrohr direkt in die Sattelstreben übergeht. So wird optisch aus dem mächtigen 29er Rahmen ein handlicheres Bike, dass sich wohl flink über jegliches Terrain bewegen lässt. Zudem fällt die Überstandshöhe großzügig aus, der Schwerpunkt bleibt tief.Apropos Optik: Diese gefiel der Redaktion in Sachen Design, Linienführung und Farbabstimmung sehr gut. Wer Quietschgrün nicht mag, ist bei Hrinkow Bikes selten (aber doch ...) gut aufgehoben. Wir fanden den CI-Farbanteil jedenfalls hinreichend sparsam, aber allemal erfrischend platziert. Als letztes i-Tüpfelchen für einen aufgeräumten Eindruck ließe sich noch die hintere Bremsleitung im Rahmen verstecken. So bleibt's bei innenverlegten Schaltzügen, konischem Steuerrohr, auswechselbaren Ausfallende und 1.190 g (Hersteller-Angabe) Rahmengewicht.
Bereits auf den ersten Metern lässt das Bike erkennen, in welche Schublade es gesteckt werden will. Es ist eindeutig die Race-Abteilung (nichtsdestotrotz haben wir es auch auf gemütliche Touren mitgenommen): Steifer Rahmen, und doch flext er an den richtigen Stellen für ein Minimum an Komfort und Dämpfung. Echte Bandscheibenschonung kann ein Hardtail dieser Bauart freilich nicht bieten. Dafür einen unverkennbaren Drang nach vorne, unmittelbare Kraftentfaltung im Wiegetritt und insgesamt ein erfrischend spritziges Fahrverhalten.So "Twentyniner-like" (29er-Gabel, -Geometrie) das erste Aufsitzen war, so "klassisch" erschien das Virgin sodann im Fahrbetrieb. Sowohl für den Haupttester mit stolzen 171 cm Körpergröße als auch für die drei Zentimeter kleinere Co-Pilotin waren die - vom Hersteller empfohlenen - 27,5" Laufräder mithin optimal. Keine Spur von dem auf reinrassigen Twentyninern öfter empfundenen Hochrad-Gefühl, dafür deutlich mehr Wendigkeit speziell in engen Kehren und auf verwinkelten Trails. Umgekehrt verhinderte allein schon die 29er-Gabel Überschlagsgefühle in Steilpassagen - entsprechend furchtlos ging's mit der Jungfrau bergab.Einziges Manko der 975-Mischung: Das Tretlager eines mit 650B-Rollern bestückten Twentyniners wandert naturgemäß etwas tiefer, was die Chance, an Kanten aufzusitzen, erhöht. Wenn man die entsprechende Geländesituation aber nicht gerade absichtlich sucht (s. Fotos), wird sie ihn der Praxis kaum schlagend (und wenn doch, wird's halt Zeit, das Lupfen des Vorderrades zu lernen).
Die gewohnt hochwertige und zuverlässig arbeitende XT-Ausstattung mit Dreifach-Kurbel verlangte keine zu strammen Wadeln - auch das ein Verdienst der Hrinkow'schen Überlegung, wonach nicht jeder Biker automatisch ein vor Kraft und Ausdauer strotzenden Top-Racer ist. Mit den leichten Gängen strampelt man überall hinauf und ist auch nach Stunden noch nicht ausgepowert vom "Drüberdrücken". Die XT Bremse hat einen klar definierten Bremspunkt und enorm viel Power; wie gewöhnt kann man den Reach werkzeuglos am Bremshebel noch einstellen. Nachdem wir anfangs die Gabel der Undichtheit verdächtigt hatten (tatsächlich hatte sich nur das Ventil gelockert), herrschte nach erneutem Befüllen auch an dieser Front die gewohnte Zufriedenheit. Und auch an den Hrinkow-Eigenparts gab's nichts zu bemängeln, im Gegenteil: der Lenker lag echt gut in der Hand. Die Laufräder von DT Swiss ("serienmäßig" kommt die 90.0 XT-Spezifikation mit Alex-Felgen; individuelle Änderungswünsche möglich) erwiesen sich als stabil und steif, die breiten Conti X-King lieferten immer genug Bodenhaftung, auch auf nassem und schmierigem Untergrund.Einzig der Rahmenschutz sollte überdacht werden. Die um die Schaltbowden gewickelten "Gummilocken" zur Schonung des Steuerrohrs bleiben, sofern sie nicht überhaupt runterfallen, nie dort, wo die Kontaktstellen sind. Und auch am Unterrohr muss, wer es vor Steinschlägen o.ä. bewahren will, noch Hand (bzw. Klebefolie) anlegen.
Wie unkompliziert und logisch im Handling das Virgin ist, hat es bei einem spontanen Renneinsatz im Rahmen der Salzkammergut Trophy bewiesen. Zehn Minuten Einfahrzeit am Vorabend zur Überprüfung der gewählten Sitzposition reichten aus, um sich damit am nächsten Tag vom ersten Kilometer an pudelwohl und "wie zu Hause" zu fühlen. Über die zu Beginn sehr schmierige Abfahrt surfte das Bike mit sicherer Spur, im abschließenden, kurvig-kupierten Waldgelände gefiel es mit direkter Reaktion und genau keiner Trägheit. Kurzes Unbehagen bereiteten lediglich die ausbrechenden Reifen am nassen Asphalt - aber daran war nebst der Kombination von Schlamm und Geschwindigkeit vermutlich auch ein etwas zu hoher Luftdruck Schuld.
Das Hrinkow 975 Concept scheint durchdacht und stimmig. Wer sich einen zweiten Laufradsatz der anderen Größe zulegt, kann mit Mischformen experimentieren oder auch einfach nur das zum jeweiligen Einsatzzweck passendere Set montieren.
Das bei der Bestückung mit 650B-Modellen logischerweise tieferliegende Tretlager fiel erst nach quasi aktiver Problemsuche negativ auf. Fraglich ist, ob wir dort mit etwas besserer Fahrtechnik - Vorderrad anlupfen, wiewohl aus der engen Kurve heraus jeglicher Schwung fehlte - nicht trotzdem drübergekommen wären. Generell gefällt der mittlerweile extrem ausgebaute Customize-Gedanke von Hrinkow Bikes. Der vor wenigen Wochen online gegangene Bike Creator zeigt, welch große Bandbreite an Ausstattungsoptionen und Extrawünschen möglich ist und was diese jeweils kosten. Die individuelle Größenanpassung via Körpermessdaten und Fahrtyp ist das Tüpfelchen auf dem i.Im Regelfall nur wenige Tage nach Bestellung kann das Rad der Träume dann entgegengenommen werden.
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