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Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: 73 kg Fahrstil/-können: Gemütlicher Allround-Mountainbiker, gerne auch knackig bergab
Rennrad & Gravel: Das Abenteuer steht im Vordergrund
In den letzten Jahre hat sich die kleine Berliner Edelschmiede Pasculli bereits einen Namen im Rennradbereich gemacht. Auf Maß gefertigte Rahmen höchster Qualität, handgefertigt in Italien. Nun folgt mit dem Maiolo das erste Mountainbike der Pascullis, und man kennt ihm relativ schnell die Rennrad-Gene an: kompakt gebaut, steifer Steuersatz- und Tretlager-Bereich sowie die Bestückung mit einer Einfach-Übersetzung sprechen eine eindeutige Sprache. Andererseits bringen der breite Lenker und ein wenig Nachlauf an der Gabel auch gute Kontrolle im Downhill, wie man sie von einem leichten XC-Bike nicht in erster Linie erwarten würde.
Italienische Rahmenbaukunst, deutsche Technik und Perfektion
Dabei habe ich mich zuerst eher aus optischen Gründen ins Maiolo verschossen. Bei der letzten Eurobike hat mich neben der Verarbeitung vor allem die Farbkombination aus Hellgrau und Neon-Orange begeistert, die im Übrigen auf den Fotos ganz schwer einzufangen ist. Dazu sieht das Maiolo mit dem breiten Lenker und den Vier-Kolben-Bremsen ein wenig bergab-lastiger aus, als es in Wirklichkeit ist - eine Spannung, der ich einfach auf den Zahn fühlen musste.
Wie mit jedem neuen Bike geht's nach dem Fotostudio sofort ab auf die Hausrunde. Beim Einrollen auf Asphalt lege ich ein paar Ampelsprints hin - erstaunlich, wie direkt das Pasculli sich fährt. Mit 415 mm Reach sitze ich dabei relativ kompakt am Bike. Trotz 80 mm langem Vorbau bin ich so knappe 25 mm kürzer als auf meinem KTM Myroon 650B-Hardtail. Der Lenkwinkel ist dazu 1° steiler, und so habe ich auch mit 29" Reifen ein direkteres Fahrgefühl als am KTM. Das wird zusätzlich verstärkt durch den 73 cm breiten Lenker.Dann geht's die ersten Steigungen bergauf. Am Display meines Garmin Edge 500 sehe ich die Wattwerte nach oben klettern, während die Kette links auf Anschlag läuft. Wo ich am Liteville 301 mit 1-fach Übersetzung noch locker rauf fahre (30-42 auf 26"), bin ich mit der Übersetzung des Maiolo am Limit. Zum Nachrechnen: Das Liteville hat eine Entfaltung von ca. 1,5 m, das Pasculli ca. 1,73 m. Das sind ca. 15%, die bei steilen oder langen Steigungen einen entscheidenen Unterschied machen. Abgesehen von der etwas langen Übersetzung schaltet die XX1 knackig und das Maiolo klettert geschmeidig; selbst an steilen Stellen muss mein Hintern nur selten auf die Sattelspitze. Genau so stelle ich mir das bei einem XC-Bike vor.
Technisch ist das Maiolo am letzten Stand der Dinge. Steckachsen sind mittlerweile ebenso Standard wie die vibrationsärmere, hintere Bremsaufnahme im Streben-Dreieck. Die Bowden und Kabel sind alle durchgehend innen geführt - das ist zwar um ein paar Gramm schwerer als Anschläge am Rahmen, diese Art der Montage ist aber mit Abstand die problemlosere und wartungsärmere. Der Lenkwinkel von 71° ist XC-typisch relativ steil und sorgt für Wendigkeit, der Nachlauf der Gabel bringt ein wenig Ruhe. Der Sitzwinkel von 73° und die Sattelstütze mit etwas Setback erlauben eine relativ kurze Kettenstrebe, mit minimalem Knick im Sitzrohr. Die Sitzstreben selbst sind dünn und sorgen damit für ein wenig Flexibilität und Komfort im hinteren Rahmendreieck.
Auch die Wahl der Komponenten passt beim Maiolo. Die DT-Laufräder mit Tubeless-Reifen sind ausreichend steif und vor allem leicht. Die DT-Swiss Gabel wiegt dank OPM (One Piece Magnesium) leichte 1570 g und bietet eine 3-stufige Dämpfungsverstellung. Ein bisschen progressiver könnte sie für meinen Geschmack sein, bzw. leidet bei härterer Abstimmung ein wenig das Ansprechverhalten. Das alles kann natürlich auch an den winterlichen Temperaturen liegen. Besonderes Highlight ist der breite und steife Lenker in Kombination mit dem Vorbau. Dazu die gut zu dosierenden X0-Trail Bremsen, die mächtig zupacken und aus dem XC-Hardtail bergab eine echte Spaßmaschine machen.
Das stark abfallende Oberrohr in Kombination mit dem Lenker sorgt ebenso für zusätzliche Sicherheit im Grenzbereich. Auch ohne Spacer ist man so vor bösen Lenkereinschlägen im Oberrohr gefeit. Mit diesem Wissen im Hinterkopf taste ich mich auf meiner Hausrunde an mein persönliches Hardtail-Limit.
Denn kaum geht es bergab, zeigt sich das Maiolo von einer radikal unerwarteten Seite. Die Sitzposition ist für mich so perfekt im Schwerpunkt, dass auf kleinen Stufen bei schnellen Downhills ein leichtes Lupfen am Lenker reicht, um kontrolliert und völlig unspektakulär über die Kante zu springen. Die ersten Ausfahrten taste ich mich noch ein wenig verhalten ans Limit, um mit jeder weiteren Ausfahrt Blut zu lecken und schneller zu werden. Das Zickzack am weichen Waldboden zwischen Kiefern und Felsen lässt mich grinsen wie ein kleines Kind vorm Weihnachtsbaum.Selbst über die relativ steilen und rutschigen "Stage-2" und "Stage-3" Abfahrten meiner Hausberge lässt sich das Maiolo gut manövrieren. Die Reifen sind auf nassen Felsen zwar schnell am Limit, aber der breite Lenker und genügend Bewegungsfreiheit lassen keinen Stress aufkommen, auch ohne versenkbare Stütze. Klar, das Maiolo ist eine Cross-Country Rennmaschine mit steilem Lenkwinkel und genetisch einem Crosser näher als einem Allmountain, aber das Gesamt-Setup ist so stimmig und ausgewogen, dass es auch im mittelschweren Gelände Spaß macht.
Im Zickzack meiner Hausrunde erwische ich mich beim Gedanken das Maiolo über die neue XC Strecke in Obertraun zu jagen, mit einem breitem Grinsen durch den Rockgarden und über die Stufen.
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