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nicht mehr sehr blond, immer noch blauäugig, schokosüchtiger denn je
Leichter, steifer und komfortabler als sein Vorgänger will das neue Addict CX sein, und dabei alles an Bord haben, was Crosser-Herzen heutzutage höher schlagen lässt. Mit knapp 1.300 g (Rahmen 890 g, Gabel 390 g, Herstellerangabe) soll das Frameset weniger wiegen als alle anderen derzeit erhältlichen Disc-Rahmen für den Querfeldeinsport. Das Komplettbike kommt auf der unbestechlichen BB-Waage in Gr. 54 auf 7,5 kg, was doch ein Eckerl mehr ist als die von Scott ursprünglich prophezeiten sub 7 (und wohl kaum am noch nicht finalen Gabeldesign unseres Testbikes liegen wird), aber immer noch verführerisch. Bei aller Gewichtsersparnis sollen die Carbon-Konstruktion (z.B. IMP Front-Dreieck, PF86 Tretlager, größere Rohrdurchmesser) und die hauseigenen Steckachsen (vorne 100x12, hinten 142x12 mm) für deutlich mehr Steifigkeit in allen diesbezüglich relevanten Bereichen sorgen. Insgesamt hat das Addict CX laut Scott im Vergleich zu seinem Vorgänger trotz Disc-Version um 60 g Rahmengewicht abgespeckt, um 14 bzw. 32% an Steifigkeit (BB bzw. HT) zugelegt und liefert fast 62% mehr Komfort.
"Spritzig wie ein junges Reh."
Der Rahmen mit seinen gemäß der Größe adaptierten Rohren (Ziel: konstante STW-Werte) ist hinsichtlich Scheibenbremsen-Standard sowohl Postmount- als auch Flatmount-kompatibel, sämtliche Züge werden innen geführt. Schalten ist mechanisch wie elektrisch möglich, auch an die künftige Möglichkeit einer versenkbaren Sattelstütze wurde gedacht.Den Komfort sollen Features wie direkt mit dem – zum Knotenpunkt hin oval geformten – Oberrohr verbundene Sitzstreben, eine 27,2 mm Sattelstütze und somit mehr vertikaler Flex garantieren.Dass an Cyclocross-typische Anforderungen wie ergonomisch geformte Rohre, um das Schultern zu erleichtern, oder viel Reifenfreiheit gedacht wurde, versteht sich irgendwie von selbst. Features wie eine Kettenstrebenform, die das Festsetzen von Dreck erschwert, eine abnehmbare Umwerfer-Aufnahme oder – optional für jene, die einfach fahren wollen – eine Kettenführung sind dann aber doch erwähnenswert.
Angeboten wird der neue Gatschhupfer mit Renngeometrie in fünf Größen (49-58 cm) und zwei Versionen (HMX vs. HMF-Carbon, Sram Force 1 vs. Shimano 105 2x11), die beiden Alu-Pendants hören auf den Namen Speedster und sind mit Shimano Ultegra 22s und hydraulischen Stoppern bzw. Shimano Tiagra 20s und mechanischen Scheibenbremsen bestückt.
Erste Fahreindrücke hat Testpilot Stefan Herr, seines Zeichens niederösterreichischer Querfeldein-Landesmeister 2015, bereits gesammelt: "Mit gefällt das Addict CX sehr gut. Es hat ein sehr stabiles Fahrwerk und ist spritzig wie ein junges Reh. Die Bremsen wirken für Discs sehr zurückhaltend, was bei einem Crosser absolut kein Nachteil ist. Die Schaltung ist top, der Lenker sagt mir hingegen weniger zu. Die Clincher sind zwar, durch den hohen Luftdruck, der gefahren werden muss, für die Kalziumeinlagerung in den Knochen gut, aber nicht unbedingt fürs Gelände. Prinzipiell sind die DT Swiss Roller (baugleich mit den von Scott spezifizierten Syncros RP 1.0) jedoch feinste Ware. Bei den Fashionistas werden vermutlich die Brems-Schalthebel nicht wirklich ankommen. Deren hohe Bauweise im Vergleich zur mechanischen Version bewährt sich aber extrem, weil man bei Schlägen und Bodenwellen nicht mehr so leicht abrutscht." Nach dem herbstlichen Einrollen und Kennenlernen ging's, gespannt wie ein Pfitschipfeil, wie sich das Bike im Kampf um Meter und Sekunden machen würde, auf die Rennkurse dieser Welt. Die Wettkämpfe bestritt Stefan mit einem Satz der neuen Pancho Wheels Rush Carbon. Nach Abschluss der Querfeldein-Saison ist es nun an der Zeit, Bilanz zu ziehen und zu erzählen, wie sich das Scott Addict in den ca. 100 Betriebsstunden über 40.000 Höhenmeter und 2.300 Kilometer gemacht hat ...
Es ist ja normalerweise nicht meine Art, in der Timeline eines Tests nach vorne zu springen, aber dieses Mal beginne ich mit der Querfeldein-ÖM Anfang Jänner in Neusiedl/Pernitz. Die Streckenbedingungen haben nämlich genau das herauskristallisiert, was ich von Beginn an am Rad geschätzt habe: die Robustheit und die unbeirrbare Funktionalität, egal auf welchem Terrain. Die Staatsmeisterschaftsstrecke präsentierte sich CX-würdig: tiefer Boden, rutschige Kurven und genügend Schlamm, der sich fair auf allen Rädern gleichmäßig verteilen konnte. Bei Letztgenanntem ist gleich positiv der großzügige Freiraum zwischen Rahmen und Reifen zu erwähnen. Die mud clearance hat von Beginn des Rennens an gut funktioniert, nichts war verklumpt oder hat geschliffen. Auch sonst hatte das Addict mit den schwierigen Bedingungen keine Probleme: Die Schaltvorgänge waren von Beginn an präzise, ebenso exakt und unbeeindruckt arbeiteten die Bremsen. Außerdem kam mir im tiefen Boden und schwierigeren Gelände die neutrale Geometrie entgegen. Da konnte der Schweizer Crosser seine Flexibilität voll ausspielen, denn gerade auf rutschigen Passagen und Downhills war es gut handzuhaben, verlor aber trotzdem nichts an Agilität.
Das Addict CX wurde von mir insgesamt sechs Monaten gefahren und hat sich in folgendem Gelände bewegt: Straße, Radweg, Forststraße, Trails bergauf und bergab (ja, natürlich auch auf dem berühmten Weidlinger Wienerwaldtrail) sowie CX-Bewerbe. Als Trainings- und Wettkampfgerät vor allem im Winter kann ich es demzufolge auf allen Terrains empfehlen. Seine Stärken hat es aber auf jeden Fall im eher schwereren Gelände - vgl. das weiter oben ausgesprochene Lob auf Geometrie und Handling sowie die gut funktionierenden Scheibenbremsen. Die Sram Red greift zwar im ersten Moment nicht wie die Hölle, ist aber dafür so gut dosierbar, dass man das Blockieren der Laufräder gut vermeiden kann.
"Optisch top!"
Sehr zu schätzen gelernt habe ich die Steckachsen vorne (100x12 mm) und hinten (142x12 mm). Auch die Lenker-Vorbau-Kombination macht der Steifigkeit des Addict alle Ehre. Selten haben mir Sprints mit einem Crosser so viel Spaß gemacht! Noch mehr Probleme hat mir aber der chain guide erspart – mit quasi null Gewichtszunahme hat er viele vorher altbekannte Stopps und schmutzige Hände verhindert. Dies macht das Addict zu einem unkomplizierten Wettkampf- und Trainingsgerät, auf das man sich verlassen kann.
Ein kleiner Tipp für die Rennfahrer unter euch: Die werksmäßig eingebauten Carbon Clincher Laufräder haben zwar ein sehr respektables Gewicht, sind aber eher defektanfällig, was sowohl bei Rennen als auch im Training schnell mühsam werden kann. Für die Wettkampf-Saison wechselte ich deshalb auf Rush 38 Disc Tubulars von Pancho Wheels, die mit ihrer gefühlten Unzerstörbarkeit und Steifigkeit wunderbar ins Gesamtgefüge passten - hier geht's zum detaillierten Testbericht.
Apropos Gewicht: Fahrfertig, also mit Pedalen und gefülltem Flascherl, bringt das Addict knappe acht Kilo auf die Waage, was natürlich einen recht feinen Wert darstellt. Aber nachdem mir Jammern auf höchstem Niveau erlaubt ist: ein halbes Kilo weniger (womit wir fürs nackerte Rad wieder bei den von Scott ursprünglich ja versprochenen sub 7 wären) würde einem Highend-Racebike auch nicht schaden. Auf der nächsten Schlammpassage würde es mir meine Lunge danken ... Optisch, worauf ich bekanntlich viel Wert lege, ist nichts auszusetzen. Ein "top" kommt mir selten aus, ist in diesem Fall aber durchaus angebracht! Fein innen verlegte Züge, die stimmige Farbkombination und ein schön verarbeiteter und top moderner Rahmen inklusive zweier Flaschenhalter-Aufnahmen und diverser Nachrüst-Möglichkeiten (elektrische Schaltgruppe, versenkbare Sattelstütze) verdienen eben Lob. Einzig die innen verlegten Schaltzüge klappern in ruppigem Gelände. Wer also keine Rehe in die Flucht schlagen will, der sei gewarnt.
"Ein halbes Kilo weniger würde nicht schaden."
Summa summarum ist das Scott Addict CX 10 ein topmodernes Trainings- und Wettkampfgerät mit viel Sexappeal, das kraft seiner Eigenschaften und Ausstattung speziell im Groben zu Höchstform aufläuft und diese gefühlt auch auf seinen Fahrer überträgt. Würde man es nur über Asphalt- und Schotterstraßen sowie harmloses Geläuf bewegen, wäre es definitv überbezahlt. Und auch bei adäquatem Einsatz stellt sich ob der sechseinhalbtausend Eier natürlich die Sinnfrage. Aber ohnehin bewegt man sich hier in einer Kategorie, in der mit Vernunft nicht weiterzukommen ist. Tipp: Das gleiche Image zum beinahe halben Preis bietet der kleine Bruder Addict CX 20 um 3.499 Euro.
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