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Der Nachfolger des Sidi Ergo2 Carbon wurde für 2012 ein klein wenig überarbeitet, bekam ein anderes Design und schicke neue Farben. Gleich geblieben sind seine Technologien wie der Micro-Lock Drehverschluss, das Heel-Cup-System zur Fersenfixierung, ein auswechselbarer Absatz, das "Instep Closure System" für verbesserte Anpassung an den Fuß, die leichte Carbon-Sohle und sein Obermaterial als Kombination aus widerstandsfähigen Lorica und Nylon Mesh für optimale Ventilation und Tragekomfort - alles handmade in Italy.Zwei unserer Bikeboard.at Crash Test Dummies haben den Schuh eine halbe Saison lang getestet und werden im folgenden Abschnitt darüber berichten. Während Bolli den Schuh mit der antibakteriellen Standard-Einlegesohle "Tecno-II Tab Pad" fuhr, ließ sich Flash82 von Solestar eine hochwertigere Carbonsohle individuell anpassen.
Wie bereits erwähnt wurde, ist der richtige Schuh entscheidend. Meine Wahl fiel auch dieses Mal wieder auf Sidi - nach zwei Jahren Sidi Ergo 2 musste ich einfach den neuen Ergo 3 haben. Qualität, High Tech-Materialien und nicht zuletzt das Rennflair sind kennzeichnend für Sidi. Außerdem sind auch meine MTB-Schuhe von Sidi, und so schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, da die Solestar-Einlegesohle aufgrund des gleichen Schnittes in allen meinen Schuhen verwendet werden kann. Leider war die Schuhwahl nicht ganz optimal, dazu aber später mehr. Nicht nur der Schuh ist entscheidend, sondern auch das Pedal. Es sollte genügend Bewegungsfreiheit bieten, um Fuß- und Kniegelenk zu schonen. Speedplay ist auf diesem Gebiet ein Vorreiter und bietet seine Pedale mit bis zu 30° Bewegungsfreiheit in beiden Richtungen an. Dazu ist der Einstieg in das Pedal kinderleicht. Ich kann nur bestes berichten - nach fünf Jahren Speedplay Zero gibt es für mich kein anderes Pedal mehr. Doch das beste Pedal hat keinen Nutzen, wenn die Pedalplatten nur nach Augenmaß an den Schuh geschraubt werden. "Mittig drauf und passt schon" ist leider die am häufigsten angewandte Methode. Das kostet im Normalfall Kraft und kann im schlimmsten Fall zu Schmerzen oder gar Verletzungen in den Gelenken führen.Richtige Montage der PedalplattenMit angezogenem Schuh markiert man sich das Großzehen- und das Kleinzehengrundgelenk. Beide sind sehr prominent und daher einfach zu ertasten und zu sehen. Diese Punkte werden nun auf die Sohle übertragen. Hierbei ist darauf zu achten, dass nicht senkrecht zum Boden, sondern senkrecht zur Sohle übertragen wird!Die beiden Punkte verbindet man nun mit einer Geraden. Am Schnittpunkt mit der Längsachse des Schuhes wird nun die Pedalplatte mittig montiert, die Ferse 3-5°nach innen gedreht (d.h. die Cleatspitze wird auf der Schuhsohle nach innen gedreht) - um eine natürliche Fußstellung zu garantieren - und die Platte fest verschraubt.Nun sollte der Fußballen exakt über der Pedalachse stehen und somit eine optimale und schmerzfreie Kraftübertragung gewährleisten.
Anpassung der Solestar EinlegesohlenDa es sich bei den Einlegesohlen um ein individuelles Produkt handelt, benötigt man für die Anpassung einen Spezialisten. Hierbei stand uns Mag. Wolfgang Lentsch von bständig4sports Mödling zur Seite.Bei der Anpassung wird ein Negativ des Fußes erstellt. Dabei zeigt sich für den Fachmann sofort, ob Auffälligkeiten vorhanden sind, die bei der Produktion der Sohlen mit berücksichtigt werden müssen.Wichtig: bei der Herstellung der Sohlen sollten die Schuhe mitgeschickt werden - die Sohlen werden nämlich nicht nur an den Fuß, sondern auch an den Schuh angepasst. Es besteht zwar auch die Möglichkeit, nur die originalen Sohlen einzuschicken, aber dann kann es passieren, dass die Passform nicht stimmt und der Schuh nachträglich eingeschickt werden muss.Obendrein bekam ich von Wolfgang eine genaue Analyse meines Fußes und auch gleich die Vorwarnung, dass der Sidi-Schuh - aufgrund meines breiten Fußes - wohl nicht die allerbeste Wahl ist. Tatsächlich sollte er Recht behalten...Die ganze Prozedur dauerte 15 Minuten und ich musste ohne meine nagelneuen Radschuhe nach Hause fahren. Hoffentlich passiert nix, geht nichts verloren, keine Kratzer, die schönen Schuhe... Normal dauert die Anfertigung der Sohlen 1-2 Wochen. Und tatsächlich erhielt ich nach einer Woche den erlösenden Anruf.
Da die Solestar-Sohlen höher als die ursprünglichen billigsdorfer Sidi-Papiersohlen sind, muss der Sattel vor der ersten Ausfahrt um 4mm höher gestellt werden. Gleich vom ersten Tritt an war eine deutliche Veränderung zu bemerken: aufgrund des tiefer gelegten Großzehengrundgelenks und der Mittelfußstütze verteilt sich die Trittkraft auf den gesamten Fußballen und nicht - wie sonst - nur auf das Großzehengrundgelenk. Dadurch knickt das Fußgelenk nicht ein und das Bein wird exakt senkrecht geführt, ohne Schlenkern des Knies. Dies geschieht wie auf Schienen - ein gutes Gefühl. Damit verschwanden auch prompt das immer wiederkehrende Brennen und Kribbeln der Fußsohlen sowie das Gefühl, wie John Wayne auf dem Gaul zu sitzen. Etwas langwieriger war die Gewöhnung an die Pelotte. Da nun ein kleiner Druck dort war, wo bis jetzt keiner gewesen ist, und meine Füße von Geburt an allergisch auf Druck egal welcher Art reagieren, dauerte es bei mir sicher 200km, um mich daran zu gewöhnen. Nach dieser Gewöhnungszeit war aber nichts mehr zu spüren und alles bestens. Nun zurück zu den Sidi-Schuhen: Solestar fixiert den Fuß richtig im Schuh und richtet ihn auf. Dies ist wichtig, um eine optimale Kraftübertragung zu gewährleisten. Dadurch wird der Schuh aber auch enger. Um wie viel er enger wird ist individuell verschieden und hängt davon ab, wie dick die originale Einlegesohle ist. Bei Sidi ist sie leider dünn wie Papier, deshalb ist der Unterschied auch sehr groß. Aufgrund meines Spreizfußes hatte ich schon ohne den Sohlen wenig Raum - nun ist im Schuh noch weniger Platz und ich kann ihn nur noch auf den letzten Zacken schließen. Ich hatte mir den Schuh gekauft, bevor ich wusste, dass ich Solestar testen werde. Hätte ich das vorher erfahren, hätte ich auf jeden Fall einen breiteren Schuh gewählt.
Nicht nur für Profis! Mit Solestar gehören brennende Fußsohlen der Vergangenheit an. Scherkräfte in den Gelenken werden vermieden, der Bewegungsablauf optimiert und somit jedes Watt verlustfrei an die Kurbel übertragen.Bis jetzt war ein Probieren der Sohlen nicht möglich, da es sich um ein individuelles Produkt handelt. Aber kurz vor Redaktionsschluss erfuhr ich von Wolfgang, dass seit kurzem bei bstänig4sports Mödling Probesohlen aufliegen. Diese können 15 Minuten lang ausprobiert werden - für ein erstes Hineinfühlen sicher ausreichend.Bei einem Preis von € 249,- ist Solestar kein billiger Spaß, allerdings hält die Sohle um ein vielfaches länger als jeder Schuh. Und achtet man beim nächsten Schuhkauf darauf, dass Solestar reinpasst, kann sie problemlos weiter verwendet werden.Ich fahre die Sohle problemlos in 3 verschiedenen Schuhen.Kontakt:Mag. Lentsch Wolfgangbständig4Sports MödlingHauptstraße 572340 Mödling02236/864830 oder w.lentsch@bstaendig.at
Wie mein R&D Teamkollege Hannes durfte ich ebenfalls das neue Road Topmodell Ergo3 von Sidi ausgiebig testen. Über meine Farbwahl white/white kann man natürlich streiten, aber der Schuh sieht einfach sensationell aus. Das widerstandsfähige Lorica und die Meshoberfläche gewährleisten optimale Luftzirkulation. Es kommen drei verschiedene Justiermöglichkeiten zum Einsatz, ganz oben ein Ratschenverschluß, welcher nach kurzer Zeit intuitiv bedient wird. Auch während der Fahrt gelingt es mir, diesen nach kurzer Zeit ohne Hinzusehen zu verstellen. An das mittlere Verschlusssystem - den sogenannten Micro-Lock Drehverschluss - musste ich mich länger gewöhnen, um auch diesen im Blindflug zu finden. Der untereste Verschluss, ein klassischer Klettverschluss, verfügt über eine Verzahnung, welche die eingestellte Position besser fixieren soll. Ich hatte bisher immer nur Radschuhe mit 3 Klettverschlüssen; wie ich nun weiß, geben diese, nachdem man sie geschlossen hat, immer ein wenig nach. Mit den Ergo3 hatte ich bei den ersten Ausfahrten nach kurzer Zeit kein Gefühl mehr in den Füßen. Ich hatte die Verschlüsse - wie ich es gewohnt war - fast maximal geschlossen, nur geben Ratsche und Micro-Lock nicht nach, die eingestellte Position bleibt. Also man muss sich Schritt für Schritt an die optimale Passform herantasten. Der Schuh ist bequem wie ein Hauspatschen, aber man findet bombenfesten Halt darin. Die Weitenregulierung im Fersenbereich und die bekannte Sidi-Zunge runden die perfekte Passform ab. Auf der Sohle finden sich Lüftungsöffnungen, die in der warmem Jahreszeit geöffnet werden können (ich habe nach dem Öffnen keinen Unterschied bemerkt). Auch nach einer unfreiwilligen Wäsche in Form eines Wolkenbruchs waren die Ergo3 am nächsten Tag wieder einsetzbar, also über Nacht wieder ausgetrocknet. Fazit: Ausgereifter Topschuh, der optimalen Halt gibt. Radfahren mit Schuhen ohne Ratsche ist wie Schifahren ohne Schischuhe. Wenn da nicht der hohe Anschaffungspreis wäre...
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