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Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: 73 kg Fahrstil/-können: Gemütlicher Allround-Mountainbiker, gerne auch knackig bergab
Rennrad & Gravel: Das Abenteuer steht im Vordergrund
Es öffnet sich ein Zeitfenster mit Blick zurück zu den Pionieren des Mountainbikesports. Mehr als 30 Jahre nachdem Tom Ritchey das Original-Timberwolf vorstellte, bringt die Firma eine Hommage an das damals für extreme Einsätze konzipierte Bike. Nun ist die Zeit weder an uns, noch an den Rädern vorübergegangen. Aus den extremsten Downhills, die die Helden von damals mit Stahlrahmen und Starrgabel, Protektoren aus Omas alter Bettwäsche und schrägen eierförmigen und ebenso farbenen Helmen rockten, wurden Wege, die einen modernen Downhiller nichtmal ein müdes Lächeln kosten.
Deshalb ist die Timberwolf-Neuauflage auch kein Stahlrahmen-Downhiller mit Starrgabel, sondern ein Trailbike geworden, mit abfahrtsfreundlichen 67° Lenkwinkel bei 140 mm (25% Sag). Wie sich’s für ein Trailbike gehört, mit der Möglichkeit, eine versenkbare Sattestütze einzubauen, 180 mm Discs zu verwenden und 2,4” breite Reifen zu fahren. Unser Testsetup rollt auf 2,25" breiten Ritchey Trail Bites, mit einer 150 mm Gabel und ohne versenkbare Stütze daher. Der Sitzwinkel ist, denke ich, wie im Showroom-Thread erwähnt, den geraden, klassischen Rohren geschuldet.
Ich war positiv überrascht vom Gesamtpaket und von der unkomplizierten Fahrweise auch im anspruchsvolleren Gelände.
Optimiert für 140 mm Federweg Geometrie-Berechnung mit 120 mm (140 mm Gabel mit 25% Sag)
Das Timberwolf ist ein Statement; kein High-End Carbon-Racer, kein Leicht-Enduro, mit dem die schwierigsten Trail gemeistert werden können. Es ist ein Teil für Individualisten, für Puristen und Fans klassischer Rahmenbaukunst, die etwas Besonderes aber Neues suchen und auf Trails Spaß haben wollen, ohne dabei ans Limit zu gehen. Ich fand das Konzept von Anfang an spannend und war extrem neugierig, wie sich so ein Teil fährt, was man von solch einem Bike erwarten kann und was nicht.Mit 90 mm-Vorbau und Rahmengröße L war mir das Bike etwas zu groß. So wurde das Timberwolf anfangs von Tom bewegt, für den es mit seinen 192 cm Körpergröße gerade noch passte. Wichtigstes Kriterium war, ob einerseits die Geo mit der 150 mm Gabel im steilen Gelände bergauf noch fahrbar ist, und wie es anderseits bergab aussieht, mit dermaßen viel Federweg vorne und Null hinten. Toms erster Eindruck: Es passt.
Die weiteren Ausfahrten absolvierte ich (180 cm) selbst mit einem 45 mm Vorbau. Ich mag kurze Vorbauten, vor allem in Kombi mit 67° Lenkwinkel und fettem Lenker sorgt das für gute Kontrolle bergab. Und so ging's auf die Hausrunde. Mit dem sonoren Brummen der Reifen im Ohr rolle ich über Asphalt Richtung Westen. Die Sitzposition ist angenehm, die Reifen sind keine Asphalt-Roller. Bergauf ist trotz 150 mm Federweg ein Absenken der Gabel kein Thema, da setzen vorher Übersetzung oder die Reifen Grenzen. Ich muss dabei nicht mal extrem auf die Sattelspitze wandern, um den Reifen am Boden zu halten. Ich denke, selbst mit einem M-Rahmen würde das Vorderrad nicht aufsteigen.
Bergab bietet das Timberwolf unendlich mehr Reserven, als man das von einem historischen Rahmen mit ähnlicher Optik erwarten würde. So war die Sorge, in sehr steilem Gelände oder bei höheren Hindernissen über die einfedernde Gabel katapultiert zu werden, völlig unbegründet. Klar wird aus einem Trail-Hardtail kein Vollblut-Enduro, mit dem man einfach hinhalten kann; aber das sind auch nicht die Ansprüche dieses Konzepts. Am meisten Spaß hatte ich auf mittelschweren, flowigen Trails mit kleinen Sprüngen und rutschigen Kurven, wo man am Hardtail super Kontrolle über den Hinterreifen hat. In druckvolleren Kurven merkt man, wie der Rahmen ein wenig schwammig wird, nicht störend, aber da muss man einfach ein wenig mehr arbeiten. Hier kommt das Material Stahl im direkten Vergleich mit modernem Carbon oder konifiziertem Alu einfach an seinen Grenzen.
Der Testaufbau entspricht ziemlich meinen persönlichen Vorlieben. Die Sram Guide fahre ich seit kurzem auch auf meinem Enduro, und die Ritchey WCS Trail-Teile sind über jeden Zweifel erhaben. An der Gabel stört mich ein wenig der Reverse-Lockout, weil's mir im Test zwei Mal passiert ist, dass die Gabel versehentlich gesperrt wurde, weil ich anscheinend im Eifer des Gefechts am Lock-Hebel angekommen bin. Außerdem würde ich die Revelation mit vielen Tokens und sehr progressiv fahren, damit die letzten Zentimeter Federweg wirklich nur im äußersten Notfall gebraucht werden. Dann passt das Gesamt-Setup recht gut zum leicht dämpfenden Stahl-Hinterbau. Mit den Reifen bin ich ganz gut zurecht gekommen, außer bei nassen Bedingungen, da gibt's eigentlich keinen Spielraum im Grenzbereich. Wobei mit dieser Problematik auch andere amerikanische Hersteller immer wieder kämpfen. Die 1x11 Gruppe passt gut zum puristischen Rahmen, sollte aber genau auf die persönlichen Anforderungen abgestimmt werden. Für noch mehr Entspannung bergab und weil es auf die paar Hundert Gramm auch nicht mehr ankommt, würde ich persönlich noch eine Reverb Stealth einbauen.
Das Timberwolf ist für mich das, was man im Autobereich einen Hotrod nennt. Ein top restaurierter Oldtimer im alten Kleid, aber mit modernem Motor und Fahrwerk, ohne Rost und ohne Startschwierigkeiten im Winter. Während man sich auf alten Stahl-Mountainbikes heutzutage vorkommt wie auf einem Rennrad, fährt sich das Timberwolf angenehm neutral, bergauf wie bergab mit genügend Reserven.Es ist sozusagen das Anti-Race-Hardtail, ein Statement gegen ultimativen Leichtbau aber mit der Möglichkeit, selbst auf anspruchsvolleren Trails viel Spaß zu haben. Angepasste Geschwindigkeit vorausgesetzt, denn einen kleinen Wermutstropfen hat die Materialwahl Stahl. So braucht es gelegentlich in schnellen Kurven, auf griffigem Untergrund oder in Anliegern ein wenig mehr Nachdruck und Arbeit, weil der Stahlrahmen nicht ganz so steif ist wie moderne Materialien. In steileren Abfahrten hingegen, bei gemäßigtem Tempo, hat man dank konischem Gabelschaft und fettem Cockpit gute Kontrolle. Insgesamt war das Timberwolf für mich eine sehr interessante Erfahrung. Es hat mit einem konventionellen Hardtail ebenso wenig gemein wie mit einem 160 mm-Enduro oder Allmountainbike, ist aber als eigene Art absolut stimmig. Dazu bietet es viele Auf- und Umbau-Möglichkeiten, von den Reifenbreiten über die Sattelstütze bis hin zur Wahl des Federwegs. Wie eingangs erwähnt ist es ein Gerät für Individualisten, Fans von klassischen Rahmenformen und Stahl, die auch nette Singletrails zu schätzen wissen. Das Timberwolf ist ein Hotrod, gebaut um cool zu sein und damit Spaß zu haben.
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