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Test: Magura MT5 eSTOP

Test: Magura MT5 eSTOP

23.09.20 05:44 1.581Text: Ralf HauserFotos: No Sane, NR22Mit dem Mehrgewicht, das E-Bikes generell mit sich herumschleppen, sind Komponenten gefordert. Magura will mit der spezifischen E-Bike-Bremse MT5 eSTOP die wuchtigeren Bikes sicher zum Stehen bringen.23.09.20 05:44 1.652

Test: Magura MT5 eSTOP

23.09.20 05:44 1.652 Ralf Hauser No Sane, NR22Mit dem Mehrgewicht, das E-Bikes generell mit sich herumschleppen, sind Komponenten gefordert. Magura will mit der spezifischen E-Bike-Bremse MT5 eSTOP die wuchtigeren Bikes sicher zum Stehen bringen.23.09.20 05:44 1.652

Als Grundstock des Systems vertraut Magura auf die bereits enorme Bremskraft seiner MT5-Vierkolbenbremse. Bis auf die spezifischen silberfarbenen Bremssattel-Blenden und Grafiken unverändert, finden sich die Hauptunterschiede in der Verwendung der empfohlenen Bremsbacken und Rotoren.

Der aus einem Teil geschmiedete Bremssattel ist besonders steif und liefert mit seinen vier Kolben massig Bremskraft. Der Bremsgriff wird aus Maguras Carbotecture-Material gefertigt, bestehend aus einem hohen Anteil an eingelagerten Carbonfasern in einer thermoplastischen Matrix.
Dank Flip-Flop-Design kann man je nach Bedarf die Vorder- und Hinterradbremse auf der jeweils rechten oder linken Seite aufsetzen. Das radiale Design sorgt für wenig Reibung und damit geringe Übertragungsverluste.

Die eSTOP wird mit dem 2-Finger-Hebel aus Aluminium ausgeliefert. Über einen Torx-Schrauben im Bremshebel kann der Abstand zum Lenker justiert werden. Eine Druckpunkt-Justage ist nicht vorhanden.
Optional hat Magura mittlerweile mehrere Bremshebel im Programm, die nachgerüstet werden können: den HC1 1-Finger-Hebel, Loic Bruni 1-Finger-Hebel, 3-Finger-Ball End und 4-Finger-Hebel.
Zusätzlich kann man mit Shift-Mix- oder Remote-Mix-Adaptern gängige Schalthebel oder Teleskopstützen-Fernbedienungen direkt mit dem Bremsgriff verbinden.

Die organischen Sport-Beläge sind speziell für die Ansprüche von E-Bikes entwickelt worden. Sie bieten laut Hersteller hohe Bremskraft (geringfügig unterhalb der Performance-Beläge), aber mit geringer Geräuschentwicklung (ähnlich den Comfort-Belägen) und, viel wichtiger, weitaus höherer Haltbarkeit als bei allen anderen Belägen.

Maguras Öl (Magura Royal Blood) basiert auf Mineralöl, greift daher keine Materialien an und zieht kein Wasser.
Zum Entlüften gibt es eine Easy Bleed-Variante, für welche man nur eine Spritze am Bremsgriff ansetzen muss. Zum vollen Entlüften muss man eine zweite Spritze am Bremszylinder ansetzen. Eine detaillierte Anleitung findet man hier.

Das Gesamtgewicht für Bremshebel, Leitung (bei voller Länge) und Bremssattel beträgt 273 Gramm. € 112,— kostet ein Set bestehend aus Hebel, Bremsleitung, Bremssattel und Sport-Bremsbacken.

Mit der MDR-P Bremsscheibe hat Magura ein Modell für harte Einsätze wie eben E-Bike-Nutzung oder Downhill entwickelt. Die patentierte sogenannte Dovetail Interlink-Verbindung – die spezielle Verzahnung zwischen Außen- und Innenring – ermöglicht bei Wärmeausdehnung des Außenrings eine zusätzliche Abstützung am Innenring und hat nichts mit einer schwimmenden Lagerung zu tun, auch wenn sie es auf den ersten Blick vermuten lässt. Dadurch wird das Drehmoment nicht ausschließlich über die Nieten, sondern über die gesamte Fläche übertragen, woraus sich eine erhöhte Steifigkeit und direkte Wärmeableitung bei Dauerbelastung ergibt.
Die neue Variante mit 220 mm Größe soll 10 % mehr Bremskraft als die 203 mm große Scheibe bringen, 20 % mehr als eine 180er Scheibe.

Nur mit 6-Loch-Befestigung erhältlich, darf die MDR-P nicht mit Centerlock-Adaptern gefahren werden, da Schäden möglich wären. Um die physikalischen Probleme besser erklären zu können, haben wir bei Magura nachgefragt:

"Die Kräfte, beziehungsweise die Momente sind die gleichen, egal ob mit oder ohne Centerlock-Adapter. Aber die MDR-P Scheibe hat einen Alu-Spider. Dieser Alu-Spider muss die Kräfte in den CL-Adapter übertragen, genauso wie bei einer einteiligen Stahlscheibe. Da Alu aber bei gleichen Dimensionen eine geringere Festigkeit als Stahl aufweist, ist die MDR-P Scheibe mit 6-Loch-Aufnahme nicht für den Centerlock-Adapter zugelassen, da der Alu-Spider im Bereich der Centerlock-Aufnahme beschädigt werden kann.
Zur Info: Bei Bremsscheiben wird das über den Reibring eingebrachte Bremsmoment an die Nabe übertragen. Bei der 6-Loch-Montage erfolgt die Übertragung an der Kontaktstelle Scheibe-Nabe über Kraft-, beziehungsweise Reibschluss, nicht über den Formschluss der Schraubenbolzen. Dieser Kraftschluss wird über die Anpresskraft der Schraubenköpfe auf die Scheibe und die Nabe aufgebracht. Dadurch liegt bei der 6-Loch-Aufnahme eine deutlich größere Kontaktfläche als bei der CL-Adapter-Aufnahme vor, welche durch den Alu-Spider gut übertragen werden kann."

Das Gewicht für die 203 mm-Variante beträgt 214 g, für die 220 mm-Version 241 g.
Die MDR-P Bremsscheibe kostet ab € 53,61.
Auch eine günstigere E-Bike optimierte Version bis 220 mm Größe ohne Alu-Spider, die MDR-C, ist erhältlich.


Am Trail

In puncto Hebelgefühl gehört die MT5 — wie eigentlich alle Magura Bremsen — zur softeren Sorte. Schwammig ist sie nicht, aber man muss den weicheren Druckpunkt mögen, bei welchem der Bremshebel je nach Stärke des Zuges einige Millimeter nachgibt. Manch andere Hersteller vertrauen auf ein etwas definierteres Gefühl, zum Dosieren ist die MT5 aber auf alle Fälle sehr gut. Der Druck lässt sich kontinuierlich und kontrolliert aufbauen.
Möchte man das Druckpunkt-Gefühl beeinflussen können, sollte man eher zur MT7 greifen, bei der man optional dieses Feature nachrüsten kann.

Lange Zeit erschien mir das Konzept eines 2-Finger-Bremshebels veraltet, aber in puncto Ergonomie kann man sich auch bei Bedienung mit nur dem Zeigefinger - nachdem man den Bremshebel etwas weiter zur Innenseite des Lenkers rückt - nicht beklagen. Der wirkliche Vorteil liegt nämlich im längeren Hebel, verglichen mit den 1-Finger-Varianten. Und mehr Hebel ist mit etwas höherer Bremskraft bei gleicher Bedienkraft gleichzusetzen. Probiert habe ich in der Vergangenheit beide, und den 2-Finger-Hebel zu schätzen gelernt.
Einzig bei Einsatz der optionalen Shift-Mix-Adapter zur direkten Anbringung von Schalthebel oder Teleskopstützen-Fernbedienung könnte die Platzierung dann bei kleinen Händen etwas außerhalb der optimalen Reichweite liegen.

Neben dem obligatorisch wichtigen Einbremsen der Bremsbacken bedarf es beim eSTOP-Konzept einer sehr langen Einfahrzeit - hauptsächlich aufgrund der Bremsbacken -, bis die Bremse ihr volles Potenzial bereitstellt. Hätte mich ein Entwicklungsfahrer nicht zufällig darauf aufmerksam gemacht, hätte ich vermutlich die Bremsbacken auf bissigere Modelle gewechselt, noch bevor die Sport-Beläge ihre ganze Macht ausspielen konnten.

Letztendlich wird man mit sehr starker Bremskraft belohnt, die auch schwerere E-Bikes sicher zum Stehen bringen wird. Auch auf längeren Abfahrten und bei Steilstücken bewies die MT5 eSTOP ihre Standfestigkeit, in Extremsituationen war allerdings selbst mit der 220er E-Bike-Scheibe ein sehr leichtes Bremspunktwandern feststellbar.
Besonders Fahrer, die gefühlt alle zwei Monate abgefahrene Bremsbacken an ihren E-Bikes wechseln müssen, werden sich über die Haltbarkeit der Sport-Beläge freuen. Nach unserer Testphase - inklusive Nauders-Trip und Bikepark-Besuchen - zeigten sich die Bremsbacken noch von ihrer besten Seite.

In einer isolierten Situation konnte ich von einer Sekunde auf die andere den Bremshebel der Vorderbremse mit starker Bremskraftreduzierung bis an den Lenker durchziehen. Mehrmaliges Pumpen und Nachstellen des Bremsgriffabstandes löste das Problem dauerhaft, wäre das Phänomen in einer Rennsituation aufgetreten, hätte man den Run aber vermutlich abschreiben können.
In der Vergangenheit hatte ich bei einem Location-Wechsel mit einer MT7 einmal ähnliche, beziehungsweise noch größere Probleme mit fast komplettem Druckpunktverlust beider Bremshebel, was damals nur mittels einer vollständigen Entlüftung in den Griff zu bekommen war. Laut Austausch mit anderen Magura-Fahrern scheint die Bremse in seltenen Fällen vor allem bei starken Höhenunterschieden ihre Probleme zu bekommen, sollte sich Luft im System verstecken.

Die meisten Fahrer werden vermutlich nicht nach mehr Bremskraft verlangen, aggressive oder besonders schwere Piloten werden sich aber möglicherweise nicht mit der grundsätzlich geringeren Bremskraft der Sport-Beläge zufriedengeben wollen. Zum Test wechselte ich die eSTOP zusätzlich auf Maguras Race-Beläge und (nachdem ich bis jetzt noch nie das Gefühl hatte, jemals eine Bremse mit zu viel Bremskraft unter meinen Fingern gehabt zu haben) tendiere mit meiner persönliche Präferenz zu den bissigeren Belägen, um selbst bei langen steilen Abfahrten nicht übermäßige Handkraft anwenden zu müssen. Nachdem auch mit Race-Belägen die Dosierbarkeit auf sehr hohem Niveau liegt, lässt sich das Abbremsen trotzdem gut kontrollieren. Natürlich ist der Verschleiß um einiges höher, als mit den Sport-Belägen, aber das ist ein Nachteil, den ich gewillt bin in Kauf zu nehmen. Lauter ist das Bremsgeräusch im Vergleich zu den Sport-Belägen auch.

Inwieweit die Konstruktion der MDR-P-Schweiben wirklich die Standfestigkeit positiv beeinflusst, kann ich nicht sagen. Im Vergleich zu den Storm HC-Discs scheint sie aber weniger zur Verformung und dementsprechend zum Schleifen zu neigen, wodurch sie im Testbetrieb seltener ausgerichtet werden musste. Schon alleine deswegen ist sie empfehlenswert.

Kommentar am Rande: Auch wenn die eSTOP mit ihrem schwarzen Look nicht extrem heraussticht, ist die Kombination aus silbernen Alu-Abdeckkappen mit den auffälligen MDR-P-Rotoren ein optischer Leckerbissen, der während des Testbetriebs so manchen Blick auf sich gezogen hat.

Fazit

Magura MT5 eStop + MDR-P Discs
Modelljahr: 2020
Testdauer: 3 Monate
Preis: ab € 112,- UVP
+ Hohe Bremskraft
+ Gute Standfestigkeit
+ Mehr Bremskraft durch 220 mm Disc Option
+ Sehr langlebige Sport-Bremsbeläge
+ MDR-P Disc sehr stabil
o Etwas geringere Bremskraft der Sport-Bremsbeläge
o Extrem lange Einfahrzeit
- Sehr seltener plötzlicher Druckpunktverlust
BB-Urteil: Mehr Standfestigkeit für mehr Gewicht kommt jedem E-Biker gelegen.

Es ist erfreulich zu sehen, dass Magura Schritte setzt, um E-Bikes effizient zum Stehen zu bringen. Lange genug wurden Bremsen mit unzureichender Bremskraft an E-Bikes verbaut.
Während die MT5 eine alte Bekannte ist, ist die MDR-P-Bremsscheibe optisch und funktionell ein neuer Leckerbissen. Der 220 mm Durchmesser wird sich bei E-Bikes über kurz oder lang etablieren, die zehn Prozent extra Bremskraft will man nicht mehr missen.

Bezüglich der speziellen Sport-Bremsbelagsmischung ist die Einfahrzeit in Verbindung mit den großen Bremsscheiben elendslang, bis sie ihre Bremskraft entfalten. Ihre Haltbarkeit ist exzellent (zumindest konnten wir innerhalb der Testperiode keinen nennenswerten Verschleiß erzwingen), dafür ist die maximale Bremskraft etwas geringer als jene von Maguras Race oder sogar Performance-Belägen.
Ob man höhere Bremskraft oder bessere Haltbarkeit vorzieht, muss im Endeffekt jeder für sich selbst entscheiden, obwohl man auch mit den Sport-Bremsbelägen selbst im steilen Gelände sicher zum Stehen kommen wird.


Ergebnis 1 bis 10 von 10
  1. #1
    Registrierter Benutzer Avatar von NR22
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    Test: Magura MT5 eSTOP

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  2. #2
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    Ich hab die Bremsanlage schon 2x verbaut und die Scheiben fast allen wohlständigen Kunden auch bei anderen Bremsanlagen nachgerüstet - einfach genial.

  3. #3
    El Padre Avatar von ricatos
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    Ich hab die MDR-P 203mm Scheiben bei meiner MT Trail verbaut. Bremsleistung ist ein Traum und macht auch absolut keine Geräusche. Macht also auch ohne E-Bike Sinn
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  4. #4
    Registrierter Benutzer Avatar von KingM
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    Warum man auf einem Ebike andere bremsen als bei einem richtigen Bike brauchen soll ist mir auch ein Rätsel. Angenommen ich setze mich mit meinen 80 kg Kampfgewicht auf so ein 25 kg Moped Bin ich bei 105 kg Systemgewicht. Setzt sich ein 100 kg Bröckerl auf ein 10 kg MTB ist er bei 110 kg Systemgewicht, .... reines Marketing BlaBla

  5. #5
    Admin Avatar von NoPain
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    Zitat Zitat von KingM Beitrag anzeigen
    Warum man auf einem Ebike andere bremsen als bei einem richtigen Bike brauchen soll ist mir auch ein Rätsel. Angenommen ich setze mich mit meinen 80 kg Kampfgewicht auf so ein 25 kg Moped Bin ich bei 105 kg Systemgewicht. Setzt sich ein 100 kg Bröckerl auf ein 10 kg MTB ist er bei 110 kg Systemgewicht, .... reines Marketing BlaBla
    Dem Bröckerl würden die gleichen Discs eben auch nicht schaden. Die "E-Bike" Kennung auf Ketten, Bremsen, Laufrädern, Gabeln etc. hat sich zwischenzeitlich als Mascherl etabliert, um Produkte mit besonders hoher Stabilität, einem höheren maximalen Systemgewicht und längerer Lebensdauer zu kennzeichnen.

  6. #6
    El Padre Avatar von ricatos
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    Und geben dem gemeinen E-Bikern auch ein Gefühl der Sicherheit
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  7. #7
    Registrierter Benutzer Avatar von Connelly
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    Hello zusammen,

    der erwähnte Ausfall wo der Druckpunkt bis zum Lenker wandert bzw weg ist würde mich interessieren. Ich habe wegen eines solchen Vorfalls auf meinem Bike die vorher installierte MT8 vorne auf eine MT7Trail getauscht und war der Meinung, dass das jetzt erledigt sein sollte. Bremse funkt super, Dosierbarkeit ist perfekt, kein Wandern des Druckpunktes etc. ich dachte, das wäre die Lösung für mein Problem.
    Der hier beschriebene Vorfall verunsichert mich etwas.
    Es ist mir klar, dass jede Bremse irgendwann überhitzt und dann ausfällt aber kann mir bitte jemand bestätigen, dass das bei einer MT7 oder MT5 später der Fall ist als bei einer MT8 und dass meine Massnahme nicht sinnlos war.

    Schöne Grüße

  8. #8
    Registrierter Benutzer Avatar von KingM
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    Wenn es dich beruhigt: ich fahre seit Jahren MT5 an zwei Maountainbikes und habe das nicht 1x gehabt, auch nicht bei sehr langen, technischen Abfahren wo sehr viel gebremst wird.

  9. #9
    Registrierter Benutzer Avatar von Connelly
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    Ja, beruhigt mich :-)
    lg

  10. #10
    Geht scho! Avatar von FloImSchnee
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    MT5 seit einem Jahr, nie erlebt.