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Compex SP 8.0

Compex SP 8.0

13.10.15 09:03 17.624Text: Luke BiketalkerFotos: Erwin HaidenDer SP 8.0 ist das Topmodell von Elektrostimulations-Platzhirsch Compex. Wie schlägt sich das Gerät im Praxiseinsatz?13.10.15 09:03 18.790

Compex SP 8.0

13.10.15 09:03 18.790 Luke Biketalker Erwin HaidenDer SP 8.0 ist das Topmodell von Elektrostimulations-Platzhirsch Compex. Wie schlägt sich das Gerät im Praxiseinsatz?13.10.15 09:03 18.790

Die Spezialisten von Compex haben seit Jahren eine große Auswahl an elektrischen Muskelstimulationsgeräten im Programm. Der SP 8.0 bildet die aktuelle Speerspitze im Lineup der Schweizer, richtet sich mit seinem reichhaltigen Funktionsumfang vor allem an Profisportler, Physiotherapeuten und engagierte Hobbyathleten. Seit einigen Monaten walkt der SP 8.0 auch die Beine unserer Redaktion. Wir wollen euch unsere Erfahrungen mit dem Gerät nun nicht länger vorenthalten.

Im Vorjahr hat Compex die Produktpalette grundlegend überarbeitet. Aktuell umfasst sie nun drei Muskelstimulationsgeräte aus der Fitness-, sowie vier aus der Sport-Linie. Mit € 199,- stellt das Fit 1 die preisliche Untergrenze dar, unser Testgerät SP 8.0 steht mit € 1.229,- am anderen Ende der Skala. Ein stolzer Preis, für den man aber auch einiges an Gegenwert bekommt.

Ganze 40 Programme stehen zur Verfügung, die Übertragung zu den bis zu vier Elektrodenpaaren findet vollkommen kabellos statt. Lästige Kabel, die sich mit der Kleidung oder untereinander verheddern, gehören somit der Vergangenheit an. Lediglich zwischen den jeweils zusammengehörigen Pods laufen robuste Kabel. Diese können aber in der am Master Pod integrierten Führungsschiene aufgewickelt werden, und stellen so bei Transport und Lagerung ebenfalls kein Problem dar. Für manche Körperregionen hätten dieselben ruhig etwas länger ausfallen können, doch dazu später mehr. Vor allem im Vergleich zu früheren Modellen mutet die neue Steuereinheit beinahe futuristisch an.

Tech Specs

TechnologieKabellos
Programme40 Programme in 5 Kategorien
KanäleVier Kanäle/ Modulpaare
BildschirmMatrix Farbbildschirm
Leistung120 mA, 400 us, 150 Hz
Akku-Ladezeit2 Stunden
Preis€ 1.229,-
LieferumfangStimulator Compex SP 8.0 incl. Akku; 4 Doppel-Stimulationsmodule; Aufladestation; 2 x Päckchen SNAP Elektroden mit je 4 kleinen Elektroden (5x5cm); 2 x Päckchen SNAP Elektroden mit je 2 großen Elektroden (10x5cm); 2 x Päckchen SINGLE SNAP Elektroden mit je 2 großen Elektroden (10x5cm); USB-Kabel; Bedienungsanleitung

Das helle, gut lesbare Farbdisplay liefert alle wichtigen Informationen. So wird die Menüführung für die Generation Smartphone fast schon intuitiv: Nach der Wahl des gewünschten Modus scrollt man sich zur entsprechenden Muskelpartie. Am Display erscheint ein Bild mit der jeweiligen Elektrodenpositionierung und dazu passender Körperposition.

Mit etwas Übung und Erfahrung ist dies gut umsetzbar, die Unterstützung eines Partners macht die exakte Positionierung jedoch auch auf eigentlich gut erreichbaren Stellen um ein Vielfaches leichter. Alles Weitere kann man auf Wunsch - und dazu würden wir auch raten - die Elektronik übernehmen lassen. Intensität und Co. steuern dann die Funktionen der Muscle Intelligence, kurz MI-Technologie.

Gelagert und geladen werden Compex samt Pods in einer aufklappbaren Dockingstation, die, frei im Raum stehend, nicht zuletzt wegen der prominenten Positionierung des Compex an der Außenseite eher an eine Soundanlage für amerikanische Smartphones denn an ein Fitnessgerät erinnert. Binnen zwei Stunden sind die Akkus voll, die Steuereinheit findet dann auch im Inneren der Box Platz. In der mitgelieferten Tasche können Dockingstation, Ladegerät und Elektroden gut untergebracht werden. Damit hat man stets alles Nötige beisammen.

MI-Funktionen

Die höherwertigen Geräte der Firma Compex arbeiten mit einer Technologie namens Muscle Intelligence (MI). Mit ihrer Hilfe sollen die individuellen Eigenheiten der Muskulatur besser berücksichtigt und die Stimulation optimal auf deren jeweilige Charakteristik abgestimmt werden. Die Impulsstärke wird also nicht wie bei anderen Geräten selbst reguliert, sondern das Gerät sucht sich den idealen Bereich für den jeweiligen Modus und die gewählte Muskelgruppe vollautomatisch. Damit soll der Physiologie des Anwenders Rechnung getragen werden, der Trainingsnutzen dadurch höher sein.

Möglich macht dies ein kleiner MI-Sensor, der den Stimulator mit den Elektroden verbindet und so die Muskelreaktionen misst. Wer lieber die Zügel selbst in der Hand behält, kann im Menü per Tastendruck sämtliche MI-Funktionen deaktivieren. Davon würden wir dem Otto-Normal-Verbraucher aber eher abraten, soll der Effekt maximal hoch bleiben.

MI-Scan
Unmittelbar vor jeder Trainingseinheit kann mit der Funktion MI-Scan der Trainingsreiz angepasst werden. Mittels Sensor wird die ausgewählte Muskelgruppe gescannt, und die Einstellungen des Stimulators an die Reizempfindlichkeit dieses Körperbereichs angepasst.

MI-Action
Die Funktion MI-Action ermöglicht das Auslösen einer elektro-induzierten Kontraktion durch eine willentliche Muskelaktivierung. Durch bewusstes Anspannen der zu trainierenden Muskelgruppe wird also der elektrische Impuls ausgelöst, der die Kontraktionskraft und den Trainingseffekt verstärken soll. Am Ende jeder aktiven Erholungsphase weist ein akustisches Signal darauf hin, dass wieder eine Kontraktion (oder Wiederholung) möglich ist. So kann das Training gesteuert werden, ohne sich auf den vorgegebenen Rhythmus der Elektronik verlassen zu müssen.

MI-Tens
Mit der Funktion MI-Tens kann die Stimulationsintensität in den Schmerztherapie-Modi Tens, Epikondylitis und Tendinits so gesteuert werden, dass ungewollte Muskelkontraktionen im schmerzhaften Bereich eingeschränkt werden. Da diese für solcherlei Schmerzprogramme absolut kontraproduktiv wären, misst und adaptiert der Sensor die Intensität permanent. Ist eine Muskelkontraktion messbar, wird die Intensität sofort reduziert.


MI-Autorange

Die Funktion MI-Autorange ermöglicht es, den idealen Grad der Stimulationsintensität für Massage, Kapillarisierung und Muskelschmerzen zu wählen. Zu Beginn des Programmes muss am Gerät nur der Richtungspfeil „Nach oben“ gedrückt werden. Danach wird die Intensität automatisch erhöht, bis der ideale Intensitätsgrad erreicht ist. Durch Drücken des gegenüberliegenden Pfeiles kann dies sofort unterbrochen und die Intensität manuell eingestellt werden.

Programmübersicht

TrainingsbereichFunktion
KonditionstrainingAusdauer; anaerobes Training; Kraft; Schnellkraft; Überkompensation; Sprunggelenkstärkung; CrossTraining; Rumpfstabilisation; Muskelaufbau; Muskeltraining; Prestart; Aufwärmen; Kapillarisierung
ErholungsmassagenTrainingserholung; Wettkampferholung; Entspannungsmassage; Anti-Muskelkater; Regenerationsmassage
RehabilitationMuskelatrophie; Muskelkräftigung
SchmerzbehandlungSchmerzbehandlung TENS; Akuter Schmerz; Muskelschmerz; Nackenschmerzen; Rückenschmerzen; Lumbago; Epikondilitis; Sehnenentzündung; Schwere Beine; Krampfvorbeugung
FitnessArme festigen; Oberschenkel straffen; 6-Pack Training; Bizeps trainieren; Bauchmuskeltraining; Gesäß formen; Power; Lymphdrainage

40 Programme, eingeteilt in die Kategorien Konditionstraining, Erholungsmassagen, Rehabilitation, Schmerzbehandlung und Fitness, machen eine Vielzahl an Trainings- und Therapieformen möglich. Über die Sinnhaftigkeit einiger Varianten lässt sich sicherlich diskutieren, der Großteil aber wirkt schlüssig und durchdacht.

Der Compex kann bei der Regeneration und Erholung unterstützen, neue Trainingsreize setzen sowie bei und nach Verletzungen unterstützen. Praktisch ist dabei auch der Online Coach, der die Programme nicht nur detailliert erklärt, sondern auch bei der Planung und deren Einsatz unterstützt.

Bedienung

Wie bereits erwähnt ist die Menüführung recht logisch aufgebaut und lässt sich über eine zentrale Taste mit vier Richtungen einfach steuern. Auf/ab scrollt man durchs Menü, in der Mitte geht's ins jeweilige Untermenü, beziehungsweise wird die Auswahl bestätigt, links kommt man wieder einen Schritt zurück.

An der Hinterseite der Elektroden sind kleine Druckknöpfe integriert, mit denen sich die Pads an den Kontaktstellen der Pods einklicken lassen.

  • Erstens Programmkategorie auswählen ...Erstens Programmkategorie auswählen ...
    Erstens Programmkategorie auswählen ...
    Erstens Programmkategorie auswählen ...
  • danach den gewünschte Trainingsbereich.danach den gewünschte Trainingsbereich.
    danach den gewünschte Trainingsbereich.
    danach den gewünschte Trainingsbereich.
  • sowie das zugehörige Programm.sowie das zugehörige Programm.
    sowie das zugehörige Programm.
    sowie das zugehörige Programm.
  • Durch auf/ab scrollen wählt man die Muskelpartie und bekommt grafisch die Elektrodenpositionierung dargestellt.Durch auf/ab scrollen wählt man die Muskelpartie und bekommt grafisch die Elektrodenpositionierung dargestellt.
    Durch auf/ab scrollen wählt man die Muskelpartie und bekommt grafisch die Elektrodenpositionierung dargestellt.
    Durch auf/ab scrollen wählt man die Muskelpartie und bekommt grafisch die Elektrodenpositionierung dargestellt.
  • Sind die Sensoren noch deaktiviert, wird man nun dazu aufgefordert, sie einzuschalten.Sind die Sensoren noch deaktiviert, wird man nun dazu aufgefordert, sie einzuschalten.
    Sind die Sensoren noch deaktiviert, wird man nun dazu aufgefordert, sie einzuschalten.
    Sind die Sensoren noch deaktiviert, wird man nun dazu aufgefordert, sie einzuschalten.
  • Tbd: in die richtige Köperposition begeben und auf Start drücken.Tbd: in die richtige Köperposition begeben und auf Start drücken.
    Tbd: in die richtige Köperposition begeben und auf Start drücken.
    Tbd: in die richtige Köperposition begeben und auf Start drücken.
  • Per Tastendruck kann die Intensität jederzeit erhöht...Per Tastendruck kann die Intensität jederzeit erhöht...
    Per Tastendruck kann die Intensität jederzeit erhöht...
    Per Tastendruck kann die Intensität jederzeit erhöht...
  • ... oder gesenkt werden.... oder gesenkt werden.
    ... oder gesenkt werden.
    ... oder gesenkt werden.
  • Hat man den Funktionsumfang der MI-Sensorik aktiviert, passiert alles Weitere vollautomatisch.Hat man den Funktionsumfang der MI-Sensorik aktiviert, passiert alles Weitere vollautomatisch.
    Hat man den Funktionsumfang der MI-Sensorik aktiviert, passiert alles Weitere vollautomatisch.
    Hat man den Funktionsumfang der MI-Sensorik aktiviert, passiert alles Weitere vollautomatisch.
  • Unter Einstellungen kann man die MI-Funktionen einzeln deaktivieren. Wirklich notwendig ist dies aber nicht.Unter Einstellungen kann man die MI-Funktionen einzeln deaktivieren. Wirklich notwendig ist dies aber nicht.
    Unter Einstellungen kann man die MI-Funktionen einzeln deaktivieren. Wirklich notwendig ist dies aber nicht.
    Unter Einstellungen kann man die MI-Funktionen einzeln deaktivieren. Wirklich notwendig ist dies aber nicht.
  • Einmal benutzte Programme werden unter „Favoriten“ gespeichert, und sind so schnell zugänglich.Einmal benutzte Programme werden unter „Favoriten“ gespeichert, und sind so schnell zugänglich.
    Einmal benutzte Programme werden unter „Favoriten“ gespeichert, und sind so schnell zugänglich.
    Einmal benutzte Programme werden unter „Favoriten“ gespeichert, und sind so schnell zugänglich.
  • Alternativ können die Programme auch über den Ordner Ziele gefunden werden.Alternativ können die Programme auch über den Ordner Ziele gefunden werden.
    Alternativ können die Programme auch über den Ordner Ziele gefunden werden.
    Alternativ können die Programme auch über den Ordner Ziele gefunden werden.
  • Aus den online erstellten Trainingszielen können die aktuell fälligen Programme gewählt und abgearbeitet werden.Aus den online erstellten Trainingszielen können die aktuell fälligen Programme gewählt und abgearbeitet werden.
    Aus den online erstellten Trainingszielen können die aktuell fälligen Programme gewählt und abgearbeitet werden.
    Aus den online erstellten Trainingszielen können die aktuell fälligen Programme gewählt und abgearbeitet werden.
Wireless Coach

Unter www.compex.info hat man als registrierter User freien Zugriff auf den Compex Wireless Coach. Damit kann das Endgerät mit dem PC oder Mac synchronisiert werden. Neben Updates und Softwareaktualisierungen sticht vor allem die Funktion des Trainingsplaners hervor.

Aus einer Vielzahl an vorgefertigten Programmen für unzählige Trainingsziele und Sportarten kann man sich online passende Trainingspläne schneidern, die etwa beim Rennradplan dann auch die Radeinheiten mit einschließen und ergänzende EMS Einheiten mit jeweils passendem Programm vorschlagen. Dieses ist danach beliebig weiter konfigurierbar, die fertigen Protokolle werden anschließend auf den SP 8.0 geladen. In umgekehrter Richtung ist es auch möglich, bereits absolvierte Einheiten, die auf dem Gerät gespeichert bleiben, mit dem Wireless Coach zu synchronisieren.

Mittels diesen durchaus sinnvoll erscheinenden Trainingsvorschlägen lässt sich der Trainingsalltag gut ergänzen.

  • Im Wireless Coach lassen sich Trainingsprogramme einfach mittels Auswahl der Sportart oder des Zieles erstellen.Im Wireless Coach lassen sich Trainingsprogramme einfach mittels Auswahl der Sportart oder des Zieles erstellen.
    Im Wireless Coach lassen sich Trainingsprogramme einfach mittels Auswahl der Sportart oder des Zieles erstellen.
    Im Wireless Coach lassen sich Trainingsprogramme einfach mittels Auswahl der Sportart oder des Zieles erstellen.
  • Auch Programme zur Reha oder Schmerzbehandlung können gewählt werden. Rechts findet sich auch eine Vielzahl an weiteren Trainingsvorschlägen.Auch Programme zur Reha oder Schmerzbehandlung können gewählt werden. Rechts findet sich auch eine Vielzahl an weiteren Trainingsvorschlägen.
    Auch Programme zur Reha oder Schmerzbehandlung können gewählt werden. Rechts findet sich auch eine Vielzahl an weiteren Trainingsvorschlägen.
    Auch Programme zur Reha oder Schmerzbehandlung können gewählt werden. Rechts findet sich auch eine Vielzahl an weiteren Trainingsvorschlägen.
  • Mit einem Doppelklick auf das gewählte Programm erhält man ausführliche und gehaltvolle Informationen rund um das Programm und dessen Zweck.Mit einem Doppelklick auf das gewählte Programm erhält man ausführliche und gehaltvolle Informationen rund um das Programm und dessen Zweck.
    Mit einem Doppelklick auf das gewählte Programm erhält man ausführliche und gehaltvolle Informationen rund um das Programm und dessen Zweck.
    Mit einem Doppelklick auf das gewählte Programm erhält man ausführliche und gehaltvolle Informationen rund um das Programm und dessen Zweck.
  • Im Kalender hat man seine erstellten Trainingsprogramme übersichtlich geordnet. Im Wochenplaner sieht man, wann welche Einheit vorgesehen ist.Im Kalender hat man seine erstellten Trainingsprogramme übersichtlich geordnet. Im Wochenplaner sieht man, wann welche Einheit vorgesehen ist.
    Im Kalender hat man seine erstellten Trainingsprogramme übersichtlich geordnet. Im Wochenplaner sieht man, wann welche Einheit vorgesehen ist.
    Im Kalender hat man seine erstellten Trainingsprogramme übersichtlich geordnet. Im Wochenplaner sieht man, wann welche Einheit vorgesehen ist.
Kleiner Ausflug in die Theorie

Ungeachtet gängiger Marketingversprechungen von 15 % höherer Schnellkraft bis 25 % weniger Laktat, wollen wir an dieser Stelle näher darauf eingehen, wozu Elektrostimulation im Trainingsalltag einsetzbar ist, und was man sich erwarten darf.

Grundsätzlich ist Elektrostimulation (EMS) auf vielfältige Weise einsetzbar. In der Regel lösen Oberflächenelektroden elektrische Stimuli aus. Diese werden über der zu behandelnden oder trainierenden Muskulatur auf die Haut geklebt. Mittels vorgefertigter Programme am zugehörigen Stimulator oder per manueller Einstelltung von Inensität und Frequenz wird die Session gesteuert.

Für den Einsatz im Sport haben sich über die Zeit zwei Hauptanwendungsbereiche herauskristallisiert. Um die Erholungsprozesse aktiv zu unterstützen und zu beschleunigen, sind vor allem Anwendungen mit niedrigen Frequenzen bewährt. Zur Verbesserung der Muskelkraft und Muskelleistung wird hingegen oft auf hohe Frequenzen zurückgegriffen. Niedrig bedeutet in diesem Anwendungsfeld ein Bereich unter 15 Hz, hoch etwa 40 bis 50 Hz. Auch hinsichtlich der Reizamplitude unterscheiden sich die beiden Anwendungsformen von submaximalen, schmerzfreien Reizen bis hin zu maximal und deutlich spürbar. Die Kraft, die der Muskel dabei entwickelt, liegt im Bereich von unter 10 bis jenseits von 50 % der Maximalkraft.

Trotz der Tatsache, dass besonders Ausdauerathleten im Hochleistungssport gerne auf niederfrequente Behandlungen als regenerative Maßnahme zurückgreifen, ist es aus wissenschaftlicher Sicht nach wie vor umstritten, ob und wie EMS die Regeneration beschleunigen kann oder ob es anderen Methoden wie Kryotherapie oder aktiver Erholung gegenüber überlegen ist. Vieles deutet aber darauf hin, dass gute Ergebnisse damit erzielt werden können. Vor allem die positiven Effekte auf Muskelkater und schwere Beine sind deutlich spürbar.



Eine positive Wirkung von EMS auf Kraft und Leistungsfähigkeit ist hingegen gut belegt. Hinter der Anwendung im Leistungssport stehen zweierlei Ansätze. Einerseits ermöglicht EMS ein einzigartiges Ansteuerungsmuster, indem sehr schnelle Reize bei relativ geringer Kraftentwicklung gesetzt werden. Dies kann sowohl aus neurologischer als auch aus metabolischer Sicht als neuer Reiz angesehen werden, was bei gut trainierten Athleten zu weiteren Leistungszuwächsen führen kann.

Andererseits spricht auch der geringere Zeitaufwand für EMS. Nicht nur im Spitzensport stellt der Faktor Zeit oftmals einen limitierenden Faktor dar. So kann damit in etwa 15 min. eine Einheit absolviert werden.

Klassische EMS Programme sind denen von normalem Krafttraining recht ähnlich. Drei bis fünf Einheiten pro Woche zu je 30 bis 40 Kontraktionen über einen Zeitraum von drei bis fünf Wochen. Mit diesem oder ähnlichen Protokollen wurde in einer Vielzahl von Studien belegt, dass durch Elektrostimulation signifikante Verbesserungen der Maximalkraft, in einigen Fällen auch der anaeroben Leistungsfähigkeit (Sprungkraft, Sprints) erzielt werden können.

Für komplexe Bewegungen bleibt es allerdings unerlässlich, auch klassisches Training zu absolvieren. Nur so kann die nötige Koordination zwischen den einzelnen Muskelgruppen gewährleistet werden. Vor allem gute Athleten, die mit einem Leistungsplateau zu kämpfen haben, können von EMS Einheiten besonders profitieren. Das Training sollte allerdings nur als Ergänzung, nicht als Ersatz betrachtet werden.

Gute Ergebnisse können auch in Zwangspausen, sei es durch Verletzungen oder Krankheit erzielt werden. Mit der richtigen Intensität kann einem Abbau der Muskulatur und gewissen Verletzungen und Überlastungserscheinungen entgegengewirkt werden. Muskulatur schwindet, wenn keine Reize gesetzt werden. Mit der neuronalen Aktivierung durch die elektrischen Impulse bleibt die Muskulatur erhalten, ohne den kranken oder verletzen Körper und sein Immunsystem mit Konditionstraining zu belasten oder gar zu überfordern.

In der Schmerztherapie werden solche Systeme bereits seit langem erfolgreich eingesetzt. Hier sollte vor allem der Ausdruck "Tens" so ziemlich jedem ein Begriff sein.

Praxiserfahrungen

Auch wenn die Anwendung an sich recht einfach ist, empfanden anfangs einzelne Tester die Behandlung selbst als etwas unangenehm. Das unkontrollierte Zucken der Muskulatur benötigt definitiv eine gewisse Eingewöhnungsphase, wird dann aber schnell zur Normalität.

Bei der Bedienung, von der Menüführung bis hin zur korrekten Anbringung der Elektroden (hier ist vor allem die selbsterklärende Bebilderung am Display lobend zu erwähnen), wusste keine der Testpersonen von Problemen zu berichten. Auch die Kabel, die die Pods und damit die Elektrodenpaare verbinden, waren für unsere Versuchskaninchen lang genug. Menschen mit sehr langen Beinen könnten allerdings bei gewissen Programmen und in Bewegung so ihre Schwierigkeiten bei der Positionierung der Elektroden bekommen. Für lange Oberschenkel könnte das System etwa an seine Grenzen stoßen. "Normal" große Personen können hingegen im angeschlossenen Zustand sämtliche Bewegungen uneingeschränkt ausführen.

Absolut ausreichend war auch die durchschnittliche Akkulaufzeit in unserem Test. Erst nach etwa zehn durchlaufenen Programmen war in der Regel Schicht im Schacht.

Regeneration

Besonders überraschen konnten die Programme zur Regeration. Bisher waren lockeres Abwärmen, Faszienroller und kaltes Wasser das Mittel der Wahl. Doch was vor allem die Funktionen "Anti Muskelkater" und "Regenerationsmassage" nach sehr intensiven Trainingseinheiten leisten, ist beeindruckend.

Ungläubig wurden wir über den Testzeitraum hinweg immer wieder dazu verleitet, mit Tiefkniebeugen und Sprüngen Muskelkater regelrecht zu provozieren, um ihn dann - zur Kontrolle stets nur einseitig - wieder wegstimulieren zu lassen. Vor allem nach unfreiwillig harten Wettkämpfen und in den Anfangsphasen neuer Trainingsprogramme eine tolle Ergänzung, die nicht nur unwürdiges Treppenschleifen und Gestöhne merklich verringert. Ohne schwere Beine fällt die Qualität der darauffolgenden Einheiten schließlich auch höher aus.

Natürlich können auch mit Wechselbad und Ausrollen gute Ergebnisse für sehr viel weniger Geld erzielt werden. Wer bereit ist, etwas zu investieren, bekommt damit aber eine überaus gute Unterstützung. Es muss ja nicht immer gleich der Griff zum Topmodell sein. Den Favoriten "Anti-Muskelkater" hat auch bereits der € 429,- teure SP 2.0 im Funktionsumfang.

Rumpfstabilisation

Unser aller liebste Freizeitbeschäftigung erfordert eine gehörige Portion an Rumpfkraft, damit die im Sattel sitzend erzeugte Kraft auch tatsächlich an den Pedalen ankommt. Gleichzeitig gibt es aber kaum Sportarten, bei denen der Rumpf während des Trainings selbst weniger gestärkt wird als beim Radfahren. So ergibt sich ein ungünstiges Ungleichgewicht, dem man mit ergänzendem Training entgegenwirken sollte.

Die Rede ist hier nicht von gelegentlichen Situps, sondern von komplexen Übungen, die unsere Körpermitte in alle Richtungen stabilisieren. Mit dem Rumpfkräftigungsprogramm des Compex kann man dies noch weiter intensivieren. Dank der kabellosen Elektroden ist es möglich, sich auch bei Bewegungsfolgen oder Übungen mit größeren Bewegungsamplituden zusätzlich stimulieren lassen.

Erholungsproblem

Vereinzelt hatte der MI-Sensor so seine Schwierigkeiten in den Entspannungs- und Erholungsprogrammen. An den Beinen funktionierte alles Wunschgemäß, am unteren Rücken konnte die Software allerdings keine ideale Intensität finden und erhöhte die Intensität immer weiter, bis eine Fehlermeldung vom Scheitern berichtete. Danach blieb sie auf der hohen Stufe, und man musste von Hand nach dem passenden Bereich suchen. Vereinzelt führte dies soweit, dass die Programme auch zu Verspannungen führten, was angesichts ihres Zweckes doch recht unpraktisch erscheint. An den großen Muskelgruppen erfüllte das System hingegen seine Aufgabe zufriedenstellend.

Verletzungspause

Für eines unserer Versuchskaninchen kam der Compex gerade Recht. Von einer Rückenverletzung zu wochenlanger Zwangspause verdonnert und ob der bevorstehenden Untätigkeit um jedes Gramm Muskelmasse besorgt, lief der Compex heiß.

Gearbeitet wurde entgegen den Empfehlungen der Software nicht mit den Programmen Muskelatrophie und Muskelaufbau, sondern vor allem mit Schnellkraft und Power. Tatsächlich war durch oder mit der Compex-Therapie selbst nach medizinischen Untersuchungen kein Muskelschwund feststellbar. Vor allem im Bereich von Oberschenkelrückseite und Gesäß verbesserte sich subjektiv auch die Ansteuerung der Muskulatur deutlich. Streng genommen ein kleiner Gewinn, der aus dem Verletzungspech heraus entstand.

Leider ist der effektive oder trainingswirksame Zeitrahmen mit den Programmen beschränkt. Steigert man die Intensität konstant, so kommt es nach einigen Wochen wie bei allen andern Trainingsformen auch zur Stagnation.

Begleitet wird diese von einem brennenden Gefühl unter den Elektroden. Die Haut an den Kontaktstellen scheint durch die Intensität irgendwann so gereizt zu sein, dass es wirklich unangenehm werden kann.

Fazit


Compex SP 8.0
Modelljahr:2015
Testdauer:4 Monate
+Display
+Menüführung
+Regenertation für die Beine
+MI-Sensorik (dort wo sie funktioniert)
oKabellänge der Pods
-Unangenehmens Gefühl zu Beginn
-Preis
BB-Urteil:Teure aber wirkungsvolle Trainingsunterstützung für die, die es benötigen. Für die weniger intensive Nutzung gibt es bei Compex auch günstigere Alternativen.

Luxus oder Notwendigkeit? Der Compex SP 8.0 bietet einen enormen Funktionsumfang zu einem ebensolchen Preis. Man mag es drehen und wenden wie man will, € 1.229,- sind definitiv kein Schnäppchen. Wer allerdings nicht nur bei seiner Ausrüstung, sondern auch im Training nichts dem Zufall überlässt, gerne Neues probiert und sich intensiv mit der eigenen Leistungsfähigkeit auseinandersetzt, könnte an dem SP 8.0 durchaus Gefallen finden.
Ist man durch monotones Training auf einem Leistungsplateau angekommen, steckt mitten in einer Verletzungspause oder sucht nach Regenerationsmöglichkeiten, kann der Compex durchaus weiterhelfen. Ob es tatsächlich der Griff zum Topmodell sein muss, sei jedem Kaufinteressenten selbst überlassen. Auch die deutlich günstigeren Modelle bieten schon viele Programme zu Ergänzungstraining und vor allem Regeneration.

Praktisch ist vor allem das große Farbdisplay, sind darauf doch die Elektrodenpositionierung sowie die für die jeweilige Muskelgruppe und das gewählte Programm ideale Körperposition gut erkennbar. Dieses bekommt man ab dem - sonst etwas magerer ausgestatteten - Fit 5.0 für € 629,-. Wer darauf verzichten kann, und sich die Positionierung lieber aus Manual, Onlinecoach oder Hausverstand holt, bekommt auch schon mit dem SP 2.0 für € 429,- oder dem € 200,- teureren SP 4.0 absolut hochwertige und für die meisten Fälle ausreichende Trainingsunterstützung. Der Onlinecoach und Teile des MI-Funktionsspektrums gibt es auch hier.

Nur für den vollen Funktionsumfang aus MI-Sensorik und 40 Programmen muss zum Topmodell SP 8.0 gegriffen werden. Wer diesen zu schätzen weiß – Vereine, Trainer, Trainingsversessene –, wird wohl auch über den Kostenfaktor hinwegsehen. Empfehlenswert ist das Gerät allemal.

Übrigens wird sich der SP 8.0 in den nächsten Wochen in die Hände des Schmerzlosen begeben und ihn im Wiederaufbau und auf seinem #mywaytoybbs2017 begleiten. Er wird hier über seine Erfahrungen berichten, also dranbleiben …


Ergebnis 1 bis 8 von 8
  1. #1
    Registrierter Benutzer
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    Ort
    krieglach
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    Compex SP 8.0

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  2. #2
    Registrierter Benutzer
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    M
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    9
    Hallo,

    was genau ist dann der Unterschied zum Compex Wireless ?

  3. #3
    Registrierter Benutzer
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    Jun 2012
    Ort
    krieglach
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    341
    Hej,

    Der Compex Wireless ist ein Vorgängermodell, und so nicht mehr erhältlich. Aber im Prinzip haben die beiden Geräte meines Wissens einen ähnlichen Funktionsumfang. Nur das es den Wireless halt nimma zu kaufen gibt.

  4. #4
    Registrierter Benutzer Avatar von frenchman
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    65
    Zum Teil die Programme und deren übersichtlicheren Aufteilung (Konditionstraining, Erholung/Massage, Schmerz, Reha und Fitness) aber v.a. die Weiterentwicklung der Mi Funktionalitäten mit Mi TENS, Mi Action und Mi Autorange sowie deren Anwendung (im Setup separat ein- und ausschaltbar), die plus eine Transporttasche für das ganze System (inkl. Ladestation) und das um rund 20€ unterm Preis des "Wireless"!

  5. #5
    Registrierter Benutzer Avatar von fanti
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    SP4.0 um 200€ ist wohl ein Tippfehler, oder?

  6. #6
    im Training Avatar von krümelmonster
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    1.537
    kann man die Elektroden wieder verwenden, wie siehts da mit der Klebekraft aus?

  7. #7
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    SP4.0 um 200€ ist wohl ein Tippfehler, oder?
    nein, eine auslassung - da fehlte das wörtchen "mehr" - merci!
    NoMan

  8. #8
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    Die Elektroden sind wiedeverwendbar, ja. Je nachdem wie pfleglich man sie behandelt - Haut entfetten, vorsichig abziehen, nicht mit Schmutz oder Haaren verschmuddeln und immer auf den Kunststoffblättchen lagern - können sie schon so +25 mal verwendet werden. Kommt auch darauf an, wie empfindlich man ist. Sind sie alt und abgenutzt, beginnt es leicht zu brenzeln, wenn Strom draufkommt, weil das Gel nicht mehr so gut isoliert. Von der Klebekraft gibts eigentlich keine Probleme, die Fallen auch unter Bewegung nicht ab. Eher im Gegenteil, man muss aufpassen, dass man beim Abnehmen nichts kaputt macht...