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Der nahende Herbst und auch der kommende Winter sind die idealen Jahreszeiten, um sich bei Schlechtwetter in die Werkstatt zurückzuziehen und seine Bikes auf Vordermann zu bringen oder neue Projekte in Angriff zu nehmen. So ein Schrauber-Projekt ist Lego für Erwachsene, macht mächtig Spaß, und am Ende erfreut das Selbstgebastelte bei jeder Ausfahrt.Ein Container frisch gepresster Kohlefaser aus Fernost war das Startsignal für mein Projekt und gleichzeitig die erste Möglichkeit, um mit den neuen, elektronischen Schaltungen vertraut zu werden.Als Warnung vorab sei gesagt, dass das Hantieren mit Carbon-Rahmen ein gewisses Maß an Vorsicht und Erfahrung sowie das Vorhandensein entsprechender Werkzeuge voraussetzt. Der Werkstoff Kohlefaser ist sehr empfindlich, was zu hohe Drehmomente bei Verbindungen betrifft, und durch die Aero-Sattelstütze des Merida lässt sich der Rahmen auch nur bedingt in unserem Montageständer bearbeiten. Ein sorgfältiger Blick in die offiziellen Beschreibungen und Montageanleitungen ist in jedem Fall Pflicht, um keine bösen Überraschungen zu erleben.Zusätzlich zu Standard-Tools wie Inbus, Kassettenschlüssel und Co. hier noch eine Liste mit dem von uns verwendeten Spezialwerkzeug:
Angsthasen, die sich durch grobmotorisches Schrauben nicht gleich den Edel-Carbon-Rahmen zerstören wollen, empfehle ich, mit der Restauration eines alten Bikes zu beginnen. Mehr zu diesem Thema im Bericht "Papas Puch Clubman", der im Winter folgen wird.
Damit der Rahmen bereit für den Aufbau ist, muss die Gabel auf die richtige Länge gekürzt und montiert werden. Als erstes wird der 1,5" Gabelkonus mit dem richtigen Werkzeug aufgeschlagen, sodass dieser gerade und plan aufsitzt. Nach Zusammenbau des Steuersatzes kann die Gabel eingesetzt und mit Spacer und Vorbau versehen werden. Mit einem Stift markiert man die Länge der Gabel und klebt die vorgesehene Schnittstelle mit Klebeband ab, damit das Carbon nicht ausreißt. Je nach Ahead-Kappe und Kralle muss man ein paar Millimeter mehr absägen. Für einen geraden Schnitt sorgt dabei eine professionelle Schneidführung.Beim Einsetzen der Kralle ist wichtig, dass diese nicht zu locker ist, sonst besteht die Gefahr, dass die Kralle in die Gabel rutscht und sich verkantet. Die Feststellschraube sollte man erst anziehen, wenn der Vorbau schon auf der Gabel sitzt.
Beim Einfädeln der Hinterbrems-Bowden hilft der von Merida vorbereitete Platzhalter. Durch diesen fädeln wir das Bremsseil, und mit dem Shimano-Bowden schieben wir den Platzhalter entlang des Seils aus dem Rahmen. Das Ablängen der Bowden geschieht zu einem späteren Zeitpunkt.Der Kurbelmontage geht ein Einsetzen der Dura-Ace Lagerschalen voraus. Metall-Metall-Verbindungen sollten mit entsprechendem Fett bepinselt werden. So präpariert, schrauben wir die Lagerschalen mit dem entsprechenden Drehmoment in das BSA-Gewinde.
Mit Kassettenschlüssel schrauben wir die Kassette auf das hintere Laufrad. Das Laufrad selbst wird zum Einstellen des Schaltauges auf den Rahmen montiert. Wichtig dabei ist ein gerader und fester Sitz.Auch bei neuen Rahmen sollte das Schaltauge korrekt eingestellt werden. Mit dem Werkzeug wird das Auge so gebogen, dass es parallel zum Laufrad steht.Mit den montierten Laufrädern können jetzt auch die Bremsen und die Kurbel montiert werden. Details wie Drehmomente und genaue Position der Bremsbeläge stehen in der Montageanleitung von Shimano.
Bei Lenker und Bremshebel ist wieder Vorsicht geboten, damit die maximalen Drehmomente nicht überschritten werden. Carbon-Carbon-Verbindungen sollten mit einer speziellen Carbon-Paste bestrichen werden - das erhöht Reibung und Halt bei geringeren Anzugsmomenten. Ein kreuzweises und gleichmäßiges Anziehen der Schrauben sorgt für geringeren Stress im Material.Die Bremshebel sollten nach der Montage bündig mit dem unteren Lenkerende sein. Die Ergonomie verändert man danach durch ein Verdrehen des Lenkers im Vorbau.Beim Di2-Umwerfer, der als nächstes an die Reihe kommt, muss zwischen Umwerfer und Rahmen ein Schutzblech. Beim Merida ist das Blech bereits Teil des Rahmens, alternativ liegen die Plättchen auch dem Umwerfer bei. Der Umwerfer sollte parallel zu den Kettenblättern stehen und der vertikale Abstand zum großen Kettenblatt dabei genau eingehalten werden.Das Schaltwerk wird einfach an das Schaltauge geschraubt.
Bevor es an das Einstellen der Schaltung geht, muss noch die Kette auf's Gerät. Dabei ist die Laufrichtung zu beachten (Beschriftung außen). Das Ablängen der Kette funktioniert so, dass in der Grundposition (vorne groß, hinten klein) die beiden Schaltröllchen vertikal zueinander stehen sollten. Im Zweifelsfall die Kette einfach ein bisschen länger lassen.Die Verkabelung und das Einstellen der Schaltung sind wesentlich einfacher als bei vollmechanischen Schaltungen. Alle Stecker rasten mit einem "Klick" ein. Mit dem Einsetzen des Akkus ist die Anlage einsatzbereit. Nach Schalten auf den 5. Zahnkranz bringt ein langer Klick bei der Akkuanzeige das System in den Setup-Mode. Schrittweise, durch Drücken am Schalthebel, wandert der Umwerfer nach links, bis die Kette beginnt, am nächstgrößeren Zahnkranz zu streifen. Danach bringt man den Umwerfer 4 Schritte zurück nach rechts und drückt erneut den Setup-Knopf an der Akkuanzeige. Das war's.Die Anschläge werden mit zwei Schrauben (High, Low) wie bei konventionellen Schaltungen eingestellt.
Zuletzt bringe ich die Schaltzüge auf die richtige Länge. Der Zug für die Hinterbremse sollte dabei gerade so lang sein, dass es bei eingeschlagenem Lenker keine Probleme gibt. Für die Montage des Lenkerbandes fixiere ich die Kabel und Züge mit einem Isolierband in der gewünschten Position. Danach wickelt man das Lenkerband so gleichmäßig wie möglich vom Lenkerende in die Mitte.Letzter Schritt ist der Sattel, der am Merida sehr komfortabel zu montieren ist. Dank 2-fach-Verstellung lässt sich die Neigung unabhängig von der horizontalen Position verstellen. Wasserwaage und Lot bringen den Sattel in die Optimal-Position.
Mit ein wenig Übung und dem nötigen Werkzeug ist ein Aufbau wie oben beschrieben auch für Amateurschrauber in wenigen Stunden möglich. Die Bastelei hilft, mit dem Material vertraut zu werden, und auch bei zukünftigen einfachen Wartungsarbeiten oder der Suche nach unerwünschten Geräuschquellen.Die erste gemütliche Ausfahrt im Rahmen des 2RC Maiaufmarschs im September war eine super Gelegenheit, die Di2 zu testen. Das Schaltwerk arbeitet lautlos, man spürt die Schaltvorgänge kaum. Der Umwerfer stellt sich dabei je nach Position des Schaltwerks automatisch nach. Ein Knopfdruck am linken Hebel, und der Umwerfer surrt kurz nach oben oder unten. So komfortabel und präzise war Schalten noch nie. Einen ausführlicheren Test der neuen etwas günstigeren Ultegra Di2 wird's im Frühjahr geben!Einen ausführlichen Test vom Merida Reacto 909 in der Dura-Ace Version gibt's hier:Merida Reacto 909 im Bikeboard Test
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