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Seit 2011 steht das Merida Reacto für Aero-Performance mit Rennfokus. Die fünfte Generation soll nun neue Maßstäbe setzen: Unter 200 Watt nach der TOUR-Magazin-Messmethode (Reacto ONE: 196 Watt), geringeres Gewicht bei unveränderten Steifigkeitswerten mit Entwicklungsziel 6,8 kg sowie hohe Komfortwerte und Reifenfreiheit bis 32 mm. Das Reacto TEAM bringt in Größe M etwas über 7 kg auf die Waage.Trotz der weiterhin konkurrenzfähigen Vorgängerversion positioniert sich das Merida Reacto V als noch aerodynamischer und vielseitiger Allrounder. Zehn Modelle decken unterschiedliche Budgets und Einsatzbereiche ab.Witti vom Bikeboard hatte die große Ehre, beim Press Launch in Valencia dabei zu sein.
Seit 2011 steht das Reacto für kompromisslose Aerodynamik. Was als reines Aero-Racebike begann, wurde über fünf Generationen hinweg konsequent weiterentwickelt – mit einem klaren Ziel: maximale Effizienz, ohne dafür Komfort und Kontrolle zu opfern.
Mit dem Reacto V setzt Merida diesen Kurs konsequent fort. Im Fokus stehen nicht nur Bestwerte im Windkanal, sondern ein Rennrad, das schnell, stabil und kontrollierbar bleibt - im WorldTour-Einsatz ebenso wie auf der schnellen Feierabendrunde. Das neue Reacto versteht sich damit nicht als eindimensionales Aero-Spezialwerkzeug, sondern als vielseitiger Aero-Allrounder.
Vom Aero-Spezialisten zum modernen Allrounder
Die kompromissloseste Aero-Konfiguration erreicht im TOUR-Magazin-Windkanaltest 196 Watt. Das Gewicht liegt bei 7,4 kg in Größe M.Zum Einsatz kommt ein 1x-Antrieb mit Classified-Nabenschaltung, der die volle 2x-Übersetzungsbandbreite abdeckt. Verbaut sind DT Swiss ARC Laufräder mit Continental Aero 111 beziehungsweise Grand Prix 5000S TR Reifen in 29/30 mm. Ein Rotor Powermeter ist integriert, gebremst wird mit 160-mm-Scheiben vorne und hinten.
Der ultimative Allround-Aero-Performer erzielt im TOUR-Magazin-Windkanaltest 202 Watt. Das Gewicht beträgt 7,2 kg in Größe M.Die Aero-Balance ist auf eine besonders ausgewogene Performance bei Front- und Seitenwind ausgelegt, was sich in hoher Stabilität und sicherem Handling bei Seitenwind zeigt. Ein SRAM Powermeter ist integriert, gebremst wird mit 160-mm-Scheiben vorne und hinten.
Das Reacto Team ist das leichteste Modell der Reacto-Baureihe. Im TOUR-Magazin-Windkanaltest erreicht es 203 Watt und verbessert sich damit deutlich gegenüber dem Reacto IV Team mit 211 Watt. Das Gewicht liegt bei 7,1 kg in Größe M.Ausgestattet ist es mit einem Shimano Powermeter und 160-mm-Bremsscheiben vorne wie hinten.
Schon die Präsentation am Vorabend hatte meine Neugierde geweckt. Zwar habe ich die Spezialisierung im Rennradbereich - Aero, Light & Endurance - nicht verschlafen, mein eigenes Rennrad mit dem Geburtsdatum 2015 ist aber auf jeden Fall aus einer anderen Welt.Das Reacto geht optisch keine Kompromisse ein. Angefangen mit dem eigens entwickelten Cockpit CW 1P über die Gabel bis hin zur ganzen Rahmenform kann jeder Laie zweifelsfrei erkennen, dass es hier nur um eines geht: Speed.
Das Schöne daran ist, dass nicht auf den Alltagseinsatz vergessen wurde. Mit gleich 7 Rahmengrößen findet wohl jeder das passende Bike; die Geometrien sind sportlich, aber nicht extrem in Reach und Stack.Genial finde ich den Ansatz, gleich 3 Top-Bikes mit unterschiedlichen High-End Ausstattungen anzubieten. Das ONE mit Einfachantrieb und Classified-Nabe als ultimative Aero-Waffe, das 10K mit ausgewogenem Setup (Cockpit, Reynolds-Laufräder) und das TEAM als leichteste Variante mit Shimano Dura Ace-Komponenten und Laufrädern aus dem Hause Vision.
Neben diesen Topmodellen sind in Österreich vier weitere Reacto-Modelle erhältlich: das PRO mit Dura Ace Di2, günstigerem Cockpit und DT Swiss ARC 1600, das Modell 8000 mit Ultegra Di2, Vision Cockpit und Reynolds AR 60 DB Laufrädern sowie die Modelle 6000 (Shimano 105 Di2) und 5000 (Shimano 105).Die beiden Letztgenannten fallen in die Rubrik Vernunft. Der hier verbaute CF3 Rahmen hat die gleichen aerodynamischen Leistungsmerkmale wie der CF5 der Topmodelle, aber ein anderes Carbonlayout, und kann somit entsprechend günstiger angeboten werden. Aber sind wir uns ehrlich - wenn so eine Rakete ins Haus kommt, sollte sie schon in der Oberliga mitspielen.
Nach einem intensiven Workshop am Vormittag war es dann endlich so weit - ich durfte mein Reacto ausfassen. Zuerst war ich ein wenig enttäuscht, dass es das ONE wurde, aber das sollte sich bald legen. Ich habe mich für die Größe Medium entschieden, die dem Stack und Reach meines Cannondale SuperSix aus dem Jahr 2015 am ehesten entspricht.Nach Anpassung der Sattelhöhe und der Verbindung meines Wahoo-Computers mit dem Rotor-Power-Meter ging es mit der Merida-Crew und 20 anderen Sportjournalisten auf eine 47 km lange Runde.
Wie das so mit einem neuen Gefährt unter dem Allerwertesten ist, brauchte es ein paar Kilometer zur Eingewöhnung - immerhin bin ich die letzten vier Monate nur am Gravelbike gesessen.Im Flachen machte das Reacto ONE in der Gruppe viel Spaß. Im Windschatten musste ich mich gefühlt immer wieder zurücknehmen, um nicht am Vordermann aufzulaufen. Die Position am Rad ist naturgemäß sportlich. Zur satten Überhöhung gesellt sich ein angenehmer Reach - genau so, wie ich es bevorzuge. Die DT-Swiss-Laufräder zeigten sich im positiven Sinne unauffällig und eher auf der spurtreuen Seite, auch im Wind niemals nervös.
Bergauf - der Hügel über 9 km hatte immerhin 360 Höhenmeter - zeigte lediglich der Fahrer Schwächen. Die Steigung machte es erstmals notwendig, die Classified-Nabe zu aktivieren. Das geht überraschend geräuschlos und zuverlässig. Im Wiegetritt zeigte sich der Rahmen von meinem stattlichen Körpergewicht unbeeindruckt und supersteif, wobei mich der überraschend bequeme Prologo-Nago-Sattel die meiste Zeit in sitzender Position beließ.Für mich noch ungewohnt war der verbaute Vision-Aero-Lenker. Oberlenker fahren - außer auf den Hoods - ist anscheinend mittlerweile uncool. Aber es gibt ja Lösungen, um zumindest ein wenig Grip am Carbon-Lenker zu haben. In den Hoods fährt sich der schmale Vision jedoch grandios, ganz egal ob im Flachen, bergauf oder bergab.
Das größte Lächeln zauberte mir das Reacto ONE bei einer langen Abfahrt ins Gesicht. Eigentlich hatte ich es eher umgekehrt erwartet, aber in dieser Konfiguration ist dieses Aero-Geschoß eine richtige Abfahrtswaffe. Es ist wohl diese Kombination aus steifem Rahmen, Sitzposition, den DT-Swiss-Laufrädern und dem Cockpit, dass ich dem Reacto ONE von der ersten Kurve weg volles Vertrauen schenken konnte. Die Conti-Reifen mit 4 bar Druck klebten quasi am spanischen Asphalt und auch bei Höchstgeschwindigkeit - rund 80 km/h standen am Wahoo - zeigte das Reacto keinerlei Schwächen.
Auch die weiteren Ausfahrten bestätigten diesen Ersteindruck. Leider konnte ich nur kurz die TEAM-Variante ausführen. Als jahrzehntelanger Dura-Ace-Fahrer war ich von der Kurbel und dem Werfer angetan. Die verbauten Vision Metron 60 RS Laufräder zeigten sich im Vergleich zu den DT Swiss ARC 1100 am Reacto ONE deutlich agiler, aber auch windanfälliger.Die goldene Mitte sollen hier die Reynolds-Laufräder am Reacto 10K sein. Ein Magen-Darm-Virus verhinderte leider, dass ich dieses Modell testen konnte.Ich freue mich jedenfalls riesig auf den Langzeittest - ganz egal, welches der drei Topmodelle schlussendlich vor der Haustür steht.
Der enorme Entwicklungsaufwand, übrigens Made in Germany, hat sich bezahlt gemacht. Hatten frühere Aero-Renner in irgendeinem Bereich noch Schwächen, kann ich diese beim Merida Reacto V bis dato nicht erkennen. Performance-Einbußen gab es auf der Testrunde nur beim Fahrer selbst. Das Reacto fühlte sich auf jedem Terrain wohl - vor allem in den Abfahrten konnte die Aero-Maschine glänzen.Sämtliche Modelle sind klug ausgestattet; die High-End-Modelle mit einem Listenpreis von rund 10.000 Euro bieten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Modell 8000 mit Ultegra Di2 um 5.699 Euro ist ein veritables Schnäppchen.Der Langzeittest wird zeigen, ob das Merida Reacto V sein schlüssiges Konzept auch auf Dauer beweisen kann.
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