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Ich hab' ja wirklich lange versucht, diesem Trend zu widerstehen. So von wegen, man muss ja nicht gleich jeden Scheiß mitmachen. Und wie unpraktisch eigentlich, das Ganze. Oder: Bin mal gespannt, wie lang sie mit diesem Hauch von Nichts den Bobos das Geld aus der Tasche ziehen können.Ähm, sagen wir, es hat einen guten Grund, warum ich mein Geld nicht als Trendforscherin verdiene. Damit wär' ich ungefähr so erfolgreich wie Thomas Forstner seinerzeit beim Eurovisions Songcontest (0 Punkte). Denn mittlerweile hab sogar ich so einen Hauch von Nichts neben meinem geliebten Renn-Boliden im Wohnzimmer stehen: einen Singlespeeder.
Ja, ich bin halt eine Spätzünderin. Wie gesagt, man muss ja nicht gleich jeden Scheiß... Aber wenn er sich bewährt hat, kann man ihn sich durchaus mal anschauen. Natürlich wollte ich meine Singlespeed-Jungfräulichkeit nicht an irgendein Klumpert von so einem One-Bike-Wonder-Produzenten verschwenden, die seit einigen Jahren wie die Schwammerl aus dem Internet schießen. Meine erstes Mal wollte ich mit einem Einzelgänger erleben, der Stil hat und natürlich auch schon einiges an Erfahrung.
Da steht es nun also, das GT Gutterball. Auf den ersten Blick wirkt es eher wie eines, vor denen einen die Mama immer gewarnt hat: Auffälliges Rahmen-Däsöh in schwarz-orange, das mir nicht nur einmal die Frage "Ah, is des a Ka Te Äm?" und dem Fragenden meinen vernichtendsten Todesblick einbrachte und sich auf den protzigen Hochprofilfelgen wiederfindet. Dieser Einzelgänger scheißt auf sehen - er will nur gesehen werden.
Aber mit voller Hose ist gut stinken. Denn wo GT draufsteht, ist eine Radmarke drin, die seit mehr als 40 Jahren eine eingeschworene Fangemeinde ihr Eigen nennen kann. Der Grund dafür heißt Triple Triangle und sorgt dafür, dass sogar Nulpen wie ich jedes GT erkennen, wenn die zwei Buchstaben nicht in orangenen Riesenlettern am Rahmen prangen. GT selbst nennt es eine physikalische Offenbarung, dass durch das Verbinden der Sitzstreben sowohl mit dem Sitz- als auch mit dem Oberrohr die Last für jedes der Rohre reduziert und das Bike somit steifer und belastbarer wird.Nachdem es in den vergangenen Jahren recht ruhig um die Marke geworden war und wenig Innovationen die Fangemeinde erreichten, ging diese einfach dazu über, ihre alten GTs aus dem letzten Winkel der Garage zu holen und mit einem Neuanstrich zu einem feschen Stadtrad zu pimpen.
Bei der Eurobike im letzten Jahr stieg GT jedoch wieder wie Phoenix aus der Asche: Und zwar in Form des Würdenträgers GT Zaskar (diesmal aus – no na – Carbon).
Aber zurück zu meiner kleinen Leuchtrakete. Diese entpuppte sich bei unserer ersten gemeinsamen Ausfahrt als Gute-Laune-Garant. Wendig lässt sie sich durch kleine Gasserln und den Donaukanal entlang manövrieren. Und obwohl ich nur meinen Rennhobel gewohnt bin, hab ich überraschenderweise nicht das Gefühl, wie der Off am Schleifstein draufzuhocken. Auch die Übersetzung macht Spaß. Sie ist so gewählt, dass ich nicht mit den ängstlichen Omis von der Ampel wegeiern muss, weil ich's aus dem Stand nicht dertret', trotzdem kann ich auch mal aufs Gas steigen, wenn ausnahmsweise nicht das Posen im Vordergrund steht. Garstige Bergwertungen hat man in Wien eh nicht zu erwarten, also kommt man so schon ganz gut über die Runden. Die Felgenbremse von Tekra macht brav Dienst nach Vorschrift und an die Bärentatzenpedale gewöhnt man sich auch. Andererseits bieten sie eine schöne Gelegenheit, sich ein bissl am reichhaltigen Singlespeed-Accessoiremarkt zu vergehen.
Allein bei der Verarbeitung des Gutterball muss man an einigen Stellen ein Auge zudrücken: Beim Verlegen der Bremskabel hätte sich sicher eine schickere Lösung finden lassen. Auch das markanteste Triangle aus dem berühmten Triple ist nur alibimäßig mit von der Partie, denn das Oberrohr läuft beim Gutterball nicht wirklich durch das Sitzrohr. In diesem Fall tut das der nötigen Steifigkeit aber keinen Abbruch. Dafür glänzt es mit Details wie Mohawk BMX flip-flop Fixie/Freilauf Naben. Die zaubern aus dem anfängertauglichen Singlespeeder ruckzuck ein Profigerät sprich: Fixie, indem man einfach das hintere Laufrad verkehrt herum einbaut. Ein Feature, das ich aufgrund des erhöhten Angstschiss-Risikos in diesem Leben wohl nicht mehr nutzen können werde.
GT liefert mit seinem Gutterball also einen schicken Singlespeeder für Großstadtcowboys und -girls, die an der Ampel gerne mal auffallen. Vielleicht erreicht es nicht die langjährigen GT-Jünger, die jeden Tag zärtlich die drei Dreiecke ihres 15 Jahre alten Zaskar streicheln. Dafür könnte es durchaus die Einstiegsdroge für eine neue Zielgruppe sein, die dadurch auf den Geschmack kommt und dann auch den härteren Stoff entdeckt, den GT sonst noch zu bieten hat.
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