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Die Lefty-Carbon 2013 brachte einschneidende Neuerungen - rein auf dem Papier ausschließlich zum Vorteil der glücklichen Besitzer. Auch die Serviceintervalle wurden verlängert. Aber gibt es nicht nur Licht, wo es auch Schatten gibt? Die 2012er-Lefty - ich liebte sie von Anbeginn. Mit den ersten Tests des Flash Carbon 29er Bikes verfiel ich der einbeinigen Schönheit immer mehr. Zugegeben, Schönheit liegt im Auge des Betrachters und so manche sehen im Gegensatz zu mir vielmehr eine optische Verkrüppelung in der Einrohrgabel als ein visuelles Highlight. In einem sind sich jedoch (fast) alle, die sie fahren, sofort einig: die Gabel ist leicht und sehr steif, und vor allem spricht sie so feinfühlig auf Geländeveränderungen an wie kaum eine andere.
Für das Jahr 2013 kam sie technisch modifiziert auf den Markt. Sie wurde zu einer "Lefty Hybrid". Der Name bezieht sich auf die Kombination von Gleit- und Nadellagern. Verglichen mit einer Teleskopgabel ähnlicher Güte spart man schon einmal etwa 250 bis 300 Gramm an Gewicht ein - hier ist eins dann doch weniger als zwei. Eine neue Lagerung sorgt nun laut Hersteller für bessere Wasserdichtigkeit; daraus resultiert ein verlängerter Serviceintervall, was nicht nur mich sehr freuen wird. Gott sei Dank kam ich als Tester in den Genuss, das 2013er-Modell auf mein "Flash" schrauben zu dürfen. Vor dem Einbau allerdings hatte ich gehörig Bammel, die Angst war jedoch völlig unbegründet - zumal ich mit NoPain einen versierten Radmechaniker zu Seite hatte - zumindest sieht er das wohl so. Innerhalb von kaum mehr als einer Stunde war die Gabel eingebaut, und nach etwas Feintuning, um den Luftdruck anzupassen, stand dem Beginn des Tests nichts mehr im Wege.
Schnell war klar: Steifigkeit ist alles... fast. Nicht, dass die Gabel nicht fein ansprechen würde, aber sie kam mir sofort etwas straffer vor als das 2012er-Modell, seitlich wie vertikal - aber eben nicht ganz so sensibel. Sieht man sich die Konstruktion ein wenig genauer an, wird auch schnell klar, warum dies so ist. Zwei massive Gabelbrücken klemmen sich um ein 4 cm dickes Rohr, in meinem Fall aus wunderschön verlegten Carbonfasern gefertigt. Das Innenrohr taucht, von vier Nadellagern geführt, in diesem größeren Rohr auf und ab. Vor allem bei harten Durchschlägen und tiefen Schlaglöchern werden die Nadellager im 2013er-Modell durch Gleitlager unterstützt; laut Cannondale sollen sie zudem die Steifigkeit erhöhen. Beim Vorjahresmodell war nach je etwa 15 Stunden ein nicht ganz geringer mechanischer Eingriff erforderlich, um die verrutschten Nadellager wieder in ihre Position zu bringen. Nahm man diesen nicht vor, war der schleichende Verlust von Federweg unausweichlich. In der Hybrid Version rücken die Lager von selbst wieder in ihre Position zurück, den fast wöchentlichen Eingriff kann man sich also sparen. Geschützt vor Staub und Wasser sitzt darin die Dämpferkartusche. Der optisch suboptimale Faltenbalg der 2012er-Gabel ist nicht mehr erforderlich. Nun sorgt eine neue Lippendichtung dafür, dass drinnen bleibt, was drinnen bleiben soll (Öl), und sie draußen hält, was auch dorthin gehört (Dreck). Ein Schutzblech inkl. Bremsleitungs-Führung soll die „Lefty“ vor Beschädigungen schützen. Insgesamt macht es einfach nur Spaß, die Gabel bergauf oder bergab durchs Gelände zu treiben. Das Lockout funktioniert sehr gut, lediglich dauert ein Radwechsel eine Spur länger als mit Schnellspannern. In der Praxis zeigt die Gabel seit nunmehr 3 Monaten keinerlei Schwächen, aber man könnte kritisch anführen, dass freihändig fahren etwas gewöhnungsbedürftig ist. Also aufpassen, wenn man als erster über die Ziellinie fährt, was mit dem Material wohl nicht ganz unwahrscheinlich ist.
Ganz ehrlich? Ich erkenne kaum einen Unterschied zwischen den beiden Modellen, außer dass die Gabel ein wenig steifer ist und vielleicht um eine Nuance weniger feinfühlig. Vielleicht aber auch nur, weil die Gabel noch viel neuer ist. Seriös vermag ich das beim besten Willen nicht zu beurteilen. Optisch ist sie nun viel ansprechender, sie vermittelt Benzingeruch und Motocross-Feeling. Was geblieben ist, ist die für mich persönlich beste Mountainbike-Gabel der Welt. Nicht mehr und nicht weniger.
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