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Robuster Alurahmen, RockShox Gabel, XT Schaltwerk, Rocket Rons auf 27,5“ Laufrädern, Boschmotor. Boschmotor? Ja, mit dem Genesis eLite 27,5“ stellt sich die Intersport-Hausmarke dem Trend der elektrifizierten Mountainbikes. Aktuell kommt kaum ein Hersteller darum herum, solch ein Bike in sein Sortiment zu nehmen. Während normale E-Bikes eher für gemächliche Touren und den Stadteinsatz gedacht sind, sollen die E-MTBs auch am Berg und im Gelände für Spaß sorgen. Doch wie gut funktioniert dieses Konzept in der Praxis? Das Genesis eLite 27,5“ musste sich durch Regen und Wind, auf Asphalt, Schotter und in leichtem Gelände als Tourenbike beweisen.
Steht man das erste Mal vor dem Genesis, springt einem sofort das große Display am Lenker ins Auge. Dies ist die Steuerzentrale des eLite, sozusagen Gehirn und Rückenmark des Boschantriebes. Es informiert über zurückgelegte Kilometer, Geschwindigkeit und Akkureichweite und regelt die Unterstützung des Elektromotors durch Tastendruck oder Fernbedienung am Griff in vier Stufen.Am Unterrohr sitzt das Energiedepot, das sich mit seiner Bemalung gut in das grün-schwarze Design des Hardtails einfügt. Anstelle eines konventionellen Tretlagers sitzt der Mittelmotor aus der Bosch Performance Linie. Die Kurbelachse wird direkt durch den Motorblock geführt, am Kurbelstern ist ein einzelnes Kettenblatt montiert. Der Rahmen aus 7005er Aluminium wirkt robust verarbeitet und integriert den Bosch Mittelmotor. Anstelle des Tretlagers sitzt die 60 Nm starke, pulverbeschichtete Drive Unit Performance Cruise. Der am Unterrohr fixierte Akku nennt sich PowerPack 400, arbeitet mit 36 V Spannung und bietet, wie der Name bereits suggeriert, 400 Wh. Nicht ganz zur ansonsten sehr wertigen Optik passt die etwas schief montierte Akkuhalterung an unserem Testbike. Ein unwichtiges Detail, das wahrscheinlich nur einem Lupensucher, wie es BB-Testfahrer nun Mal sind, wirklich auffällt.
Gesteuert wird die Elektronik, wie bereits erwähnt, durch einen Boardcomputer namens Intuvia. Der Fahrer hat die Wahl zwischen dem Modus OFF und den vier Fahrmodi Eco, Tour, Sport und Turbo. Damit kann man übers Display oder die Fernbedienung frei wählen, wie viel Schützenhilfe man sich vom Elektromotor gerade wünscht. Die Elektronik steuert dabei wie vom Gesetzgeber gefordert immer nur Leistung bei, Vortrieb gibt es also nur, wenn man auch selbst in die Pedale Tritt. Je nach Modus wird auf die Eigenleistung (100 %) eine gewisse Prozentzahl aufaddiert und vom System beigesteuert. Hier eine kleine Tabelle mit den Optionen und was man dafür bekommt.
Für den Komfort an der Front sorgt eine RockShox XC-30 TK mit 100 mm Federweg. TK steht bei RockShox für TurnKey Lockout, welches sich am Genesis bequem vom Lenker aus aktivieren lässt. Zugstufe und Vorspannung der Feder sind einstellbar, um die Stahlfedergabel aber auf das Fahrergewicht abzustimmen, ist ein Tausch der Stahlfedern nötig. Als Zubehör sind vier Abstufungen von extraweich bis extrahart erhältlich. Die Gangauswahl erfolgt mittels Deore Triggern, die die Befehle an ein XT Schaltwerk in der „Trail“-Ausführung weitergeben.Anstelle der vorderen Kettenblätter bekommt man den Elektromotor, die 11-36er Kassette hinten sorgt in Kombination für ausreichend Bandbreite. Hinsichtlich der Bremsen setzten die Produktmanager auf die günstigen Shimano BR- M445 mit 180er-Scheiben vorne und hinten. Gewichtsmäßig werden 20,2 kg angegeben. Diese Pfunde gehen hauptsächlich auf das Konto des Antriebes und des Akkus, die mit 4 bzw. 2,5 kg gehörig auf die Waage drücken. Auch die schwere RockShox Gabel trägt ihren Teil zum hohen Gesamtgewicht bei.
Schon auf den ersten Metern merkt man, dass das Genesis eLite auf den tourenorientierten, komfortbedachten Kunden abzielt. Selbst auf dem von uns getesteten 53er-Rahmen finde ich mit meinen 180 cm auch mit dem Standardvorbau noch eine langstreckentaugliche Position. Das standardmäßig hohe Cockpit und die anatomisch angepassten Griffe, offensichtlich den Ergon GP2 nachempfunden, unterstreichen dies zusätzlich. Auf ebener Strecke ist der ECO-Modus im Normalfall völlig ausreichend, da die gesetzlich vorgeschriebene Abriegelung bei 25 km/h bald erreicht ist und sich der Motor dann immer nur sporadisch zu Wort meldet, wenn die 25 km/h unterschritten werden.Unser Testbike schien einen Fehler bei der Kalibrierung der Reifengröße aufzuweisen, denn der Motor unterstütze bis 27,1 km/h Boardcomputeranzeige - am Garmin waren es allerdings nur 25 km/h. Eine genauere Einstellung des Reifenumfangs im Boardcomputer sollte dies aber beheben.
Wer sich im Stop-and-Go-Modus bewegt oder öfter beschleunigen muss, der hat bestimmt im Turbo Modus einen guten Kompagnon, da man so rasch auf Reisegeschwindigkeit kommt. Fährt man gemächlicher (sprich: dauerhaft unter 25 km/h) oder hat etwas Wind von der Seite oder von vorne, dann kann man den Anstrengungsgrad leicht per Tastendruck auf mehr oder weniger Unterstützung adaptieren. Dem Fahrer bleibt so stets die Wahl überlassen, wie sehr er sich anstrengen möchte.
Sobald sich der eingeschlagene Weg himmelwärts richtet, wird die Elektrounterstützung unabdingbar. An den Versuch, nach (absichtlicher) vollständiger Akkuentleerung eine mäßig steile Forststraße ohne künstlichen Rückenwind zu erobern, habe ich kaum positive Erinnerungen. Im Kontrast dazu steht der Uphill mit zugeschalteter Elektrounterstützung. Anfänglicher Skepsis zum Trotz, kann man auch mit einem E-Bike ins Schwitzen geraten. Wer es darauf anlegt, für den wird es nicht weniger anstrengend, es erhöht sich schlicht und einfach die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Hausrunde wird so doppelt gefahren, und man kommt ebenso auf seine Kosten.Doch weder diesen Grundgedanken, noch die Kunden dazu will Intersport mit diesem E-MTB ansprechen. Dieselben finden um € 2.500,- sicher leichtere und besser geeignete Hardtails oder auch Fullys. Die Zielgruppe für das eLite ist vorrangig eine andere. Ich denke, wer bis hierher gelesen hat weiß bereits, ob er Teil dieser Gruppe ist oder nicht ...
Man kann mit dem eLite je nach gewähltem Modus bergauf alles haben. Man kann sich enorme Unterstützung holen, wenn man im Turbo Modus berganstürmt. Erhöht man in diesem Modus die Kurbelumdrehungszahl, so steigt auch die Leistung enorm an. Nach der Pinkelpause an die Kumpels heranfahren? Kinderspiel. Dem stinkigen Traktor kurz davonfahren? Kein Problem. Man kann aber auch im Eco- oder Tour-Modus gemütlich bergankurbeln und die Landschaft genießen.Meine ursprüngliche Vermutung, dass der Eco-Modus schlicht und einfach das Gewicht des Bikes egalisieren würde, bestätigte sich allerdings nicht. Selbst in der geringsten Unterstützungsstufe wird das Gewicht durch den Motor überkompensiert und es geht rascher bergan als mit einem vergleichbaren, leichteren Hardtail ohne künstlichen Rückenwind. Ist man also in der Gruppe unterwegs, so müssen die Partner und Partnerinnen schon deutlich besser im Saft stehen als man selbst, um dem eLite nicht hinterher zu hecheln.
Auch wenn es nicht vorrangiges Haupteinsatzgebiet des eLite ist, so hat es mich doch gereizt, die Grenzen des Konzepts auf Trails auszuloten. Wald- und Wiesentrails stellen für das Genesis dabei überhaupt keine Schwierigkeit dar. Die Gabel arbeitet verlässlich, und bei angemessenem Tempo kommt sie mit dem hohen Systemgewicht problemlos klar. In technischen oder verwinkelten Situationen machen sich allerdings das Gewicht und der lange Radstand des Hardtails bemerkbar, und es fehlt jegliche Verspieltheit.Dennoch lassen sich Hindernisse sicher umschiffen oder überrollen, und man bekommt nie das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Man sollte allerding bergab stets den Motor auf OFF stellen, da man sonst in langsamer Fahrt, oder im Truckstand Gefahr läuft, durch eine unvorsichtige Kurbelumdrehung mit nachfolgendem Elektroschub abgeworfen zu werden.
Schwierig wird es auf nassem oder wurzeligem Terrain bergauf. Die Kraft und vor allem der Krafteinsatz des Bosch Motors stellt einen hier vor eine große Herausforderung. Speziell auf Anstiegen, die man nicht mit zuvor aufgebauter Geschwindigkeit überrollen kann, sondern in denen man kontinuierlich treten muss, wird es tückisch. Weil die Kraft etwas zeitverzögert einsetzt, verliert man am Hinterrad rasch an Traktion. Will man etwa über große Wurzeln das Hinterrad kurz entlasten, um danach gefühlvoll in die Pedale zu treten, so rutscht es fast immer durch. Die Kraft des Motors setzt in solchen Situationen einfach nicht dosiert genug ein. Ist der Trail nicht allzu steil, empfiehlt es sich somit eher, kurz auf die Motor-Unterstützung zu verzichten. Auf Erdböden, Wiesenpfaden und Forstautobahnen fühlt sich das Bike aber richtig wohl. Die 11-36er Kassette ist absolut ausreichend, und auch auf ruppigen, von Traktoren und Holztransportern gepeinigten Forstwegen bleibt das Genesis stets gut kontrollierbar und zeigt sich äußerst spurtreu. Die günstigen Shimano Bremsen vermitteln durch ihre (überraschend gute) Dosierbarkeit und Standfestigkeit ebenfalls sehr viel Vertrauen und geben dem Fahrer stets das Gefühl, Herr der Lage zu sein.
Weil es ja nicht ganz unerheblich ist zu wissen, wie lange man sich auf künstlichen Rückenwind verlassen kann, habe ich versucht, die Grenzen des Systems im Turbo- und im Eco-Modus auszuloten. Die Teststrecke führte über eine 4,2 km lange Zufahrt zum Fuß eines meiner Hausberge. Nach einer kurzen und steilen Asphaltrampe ging es über Forststraßen gut 10 km permanent bergauf. Dabei sammelt man etwa 900 hm. Nachdem bei beiden Tests, oben angekommen, noch Saft im Akku war, musste sich das Genesis nach der Abfahrt nochmals über die selbe Forststraße schinden.
Im Eco-Modus verließ mich der Akku nach insgesamt 49 km (29 davon unter Last). Dabei absolvierte das eLite die Teststrecke zwei Mal komplett und schaffte es beim dritten Anlauf noch 2,5 km weit. Wirklich interessant sind allerdings nicht die Kilometer, sondern die etwa 2.050 Hm, die der Akku durchhielt. Im Turbomodus habe ich versucht, den Motor auch auf der Zufahrt aktiv zu halten, bin also stets unter 25 km/h geblieben. Bergauf schwankte der Tacho permanent im Bereich zwischen 18 und 20 km/h. Falls er es liest, möchte ich mich an dieser Stelle bei dem Kollegen entschuldigen, der nach meinem Überholmanöver mit ungläubigem Blick beobachten musste, wie ich am nächsten Kurveneingang nur durch einen beherzten Griff in die Eisen einer Besichtigung der Botanik entging - ich hatte technische Unterstützung ...Doch zurück zur Reichweite. Nach insgesamt 28 km, davon 18 km unter Last und knapp 1.200 Hm, war das letzte Fünkchen Energie aus dem Akku entwichen.
Ich habe bewusst nur Höhenmeter getestet, da ich nicht glaube, dass ein Test auf ebener Strecke aussagekräftig wäre. Zu viele Variablen wie Wind, Untergrund, Streckenprofil und gefahrene Geschwindigkeit würden das Ergebnis beeinflussen. Die 2.050 bzw 1.200 Hm geben allerdings einen guten Anhaltspunkt, wenn man ungefähr weiß, wie das Profil der geplanten Runde aussieht.
Mit dem Genesis eLite 27,5“ bietet die Intersport Hausmarke ein E-MTB für ein breites Einsatzspektrum an. Von kurzen Abendrunden bis zu Tourenausflügen im Gelände als auch im Flachen kann man mit dem eLite praktisch alles abdecken. Die Akkulaufzeit ist dabei ausreichend und die Zielgruppe freut sich bestimmt über die aufrechte Sitzposition, die Laufruhe und das ergonomische Cockpit. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Geräuschkulisse des Bosch Antriebs - man fühlt sich anfangs stets wie von einem RC-Auto begleitet. Auch das Fehlen einer Flaschenhalterposition war etwas nervig; hier könnte man wenigstens am Sitzrohr eine Montagemöglichkeit anbieten. Gabel und Bremsen arbeiten absolut zuverlässig und geben stets Vertrauen und Sicherheit.
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