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Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: 73 kg Fahrstil/-können: Gemütlicher Allround-Mountainbiker, gerne auch knackig bergab
Rennrad & Gravel: Das Abenteuer steht im Vordergrund
Letztes Jahr konnten wir die Recon Jet antesten, vor kurzem hatte ich nun die Möglichkeit, mich etwas intensiver mit der futuristischen Datenbrille auseinanderzusetzen. Diesmal kam das Modell in Weiß, zusätzlich mit klarem Glas und zweitem Akku. Das Setup gestaltet sich größtenteils selbsterklärend. Nach dem Einschalten muss man die Brille zuerst bei Recon Engage registrieren. Das funktioniert mittels zuvor gratis installierter Software, der Rest klappt dann von ganz alleine. Nach erfolgreicher Registierung kann man auch schon loslegen. Bei jedem weiteren Anstecken der Brille wird der Akku geladen, alle Daten synchronisiert, die neueste Firmware installiert und Bilder und Videos auf den Desktop geladen. Das hat in unseren Versuchen meistens gut funktioniert.
Was wirklich super funktioniert, ist die Einrichtung der Karten und Datenfelder. Hier könnten sich andere renommierte Hersteller eine Scheibe abschneiden. Im Map Manager zieht man ein Rechteck über dem gewünschten Ausschnitt auf, sieht dann im unteren Bereich, wieviel Platz die Karten in Anspruch nehmen, und einen Mausklick später werden die Karten auch schon synchronisiert. Ähnliches gilt für die Datenfelder. Es können ein, zwei, drei oder vier Datenfelder gleichzeitig dargestellt werden, die man per Drag&Drop an die gewünschte Stelle zieht. Einfacher geht's nicht. Wermutstropfen dabei ist, dass die Möglichkeiten der Datenfelder selbst beschränkt sind. So gibt es z.B. kein Feld für die aktuelle Höhe - für mich ein absolutes Muss. Positiv wiederum ist die einfache Anzeige und Einbindung von Powermeter und Herzfrequenz, wahlweise via ANT+ oder Bluetooth LE.
Ein Vorteil der Recon Jet gegenüber anderen Datenbrillen ist, dass sie zahlreiche Sensoren (Kompass, Gryo, GPS) und die oben erwähnten Schnittstellen (ANT+ und Bluetooth) mit an Bord hat und sogar eine Kamera verbaut wurde. Das drückt zwar auf's Gewicht, ermöglicht aber den Verzicht auf diverse weitere Geräte. Nach dem Einrichten kann man somit einfach aufdrehen und losfahren. Die Kartendarstellung ist gut, aber rudimentär und nur für die Straße geeignet. Es gibt aber eine App zur Darstellung von OpenStreetMap-Karten. Im App-Store finden sich auch Wetter-Apps oder eine Fernbedienungs-App für GoPro oder Garmin Virb.
Ganz generell klappt die Bedienung recht gut, der berührungs-sensitive Bereich erfordert ein wenig Eingewöhnung, aber die Menüführung ist klar und, sofern es am Trail nicht allzusehr rumpelt, auch während der Fahrt möglich. Es ist allerdings nicht so, dass man einfach durchs Display hindurch sieht; vielmehr ist ein Blick nach rechts unten nötig. Entsprechend müssen beide Augen auf den Nahbereich fokussieren, in etwa so als würde man in den Rückspiegel des Autos sehen - nur viel näher. Bei der Bedienung während der Fahrt verliert man dadurdch schnell den Blick nach vorne. Es macht so meiner Meinung nach kaum einen Unterschied ob man einen Radtacho abliest oder rechts unten ins Display sieht. Gleiches gilt für die Bedienung. Denn der Griff auf den Rahmen der Brille ist wesentlich weiter als jener zu einem am Lenker montierten Radcomputer.
Sowohl Nasenflügel als auch Ohrenbügel sind biegsam und lassen sich so stufenlos anpassen. Damit lässt sich die Brille relativ gut an die jeweilige Kopfform angleichen und sitzt trotz ihres Gewichts von 85 g sicher und halbwegs angenehm. Im dunklen Wald ist das Display gut ablesbar und es reicht ein kurzes Zwinkern Richtung Display, um Puls und Watt abzulesen. Im hellen Sonnenlicht wird das Ablesen deutlich schwieriger, da der Kontrast zwischen Hintergrund und Display geringer ist. Das Umschalten der verschiedenen Seiten klappt nach Eingewöhnung auch mit Handschuhen halbwegs fehlerfrei, mit Winterhandschuhen wird's dann allerdings etwas schwierig. Deutlich gewöhnungsbedürftiger ist der blinde Fleck, der sich zwangsweise durch das Display ergibt. Dort, wo dem linken Auge die Nase im Weg ist und das Rechte durch das Display verdeckt wird, sieht man schlicht nicht hin. Am Rennrad und auch beim gemütlichen Rollen in der Ebene stört das kaum, auf sehr technischen, steinigen und verblockten Trails empfand ich persönlich den blinden Fleck doch als deutliche Einschränkung. Hier fehlt im peripheren Sichtfeld einfach der wesentliche Blick auf mögliche Hindernisse oder alternative Linien am Trail.
Die Recon Jet ist ein nettes Gimmick für technikinteressierte Pioniere, die das Außergewöhnliche lieben und nicht vor der brachialen Optik und diversen kleinen Unzulänglichkeiten zurückschrecken. Es muss jeder selbst abwägen, für welchen Einsatzbereich er die Brille verwendet und ob die Vorteile die Nachteile überwiegen. Positiv sind die einfache Handhabe und die realtiv unkomplizierte Konfiguration via Webinterface aufgefallen; weiters die Tatsache, dass fast alle Sensoren und Schnittstellen an Bord sind. Während andere Datenbrillen sich auf reine Darstellung beschränken, ist die Recon Jet auch als Standalone-Lösung brauchbar. Für die breite Masse ist, denke ich, die Recon Jet im Moment noch ein wenig zu schwer, die Akkulaufzeit zu kurz und der blinde Fleck für Mountainbiker möglicherweise ein zu großer Störfaktor. Aber die Technik wird voranschreiten und man darf auf weitere Versionen gespannt sein ...
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