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Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da galt Scott als Referenz in Sachen Leichtbau. So gehörte auch die erste Generation des Addict zum Besten, was der Markt zu bieten hatte und die Schweizer fuhren mit ihren Teams einen Sieg nach dem anderen ein. Als der erfolgsverwöhnte Hersteller im Jahr 2011 das Addict zugunsten des aerodynamischen Foil einstellte, wurde es um die Leichtbau-Leader etwas ruhiger und Firmen wie Cervelo, Cannondale und Co. kämpften verbissen um die Regentschaft. Bis heute, denn nun kehrt der Klassiker in neuem Gewand zurück - laut Hersteller leichter und besser denn je!Das neue Addict SL besitzt einen superleichten Carbonrahmen, der inklusive Gabel unter 1.000 Gramm wiegen soll. Um dieses Gewicht ohne Einbußen bei Steifigkeit oder Haltbarkeit erreichen zu können, kommt beim Addict SL die steife, hochfeste und sehr teure Carbonfahrer HMX-SL zum Einsatz. Auszug von Scotts Carbon-Expert Microsite: "HMX-SL verwendet eine Nano-Technologie, welche mit Nanoröhren verstärktes Epoxidharz sowie T1000G Kohlefaser enthält. Die Kohlenstoff-Nanoröhren bieten eine verbesserte Festigkeit senkrecht und außeraxial zur Faserrichtung, wodurch eine höhere interlaminare Scherfestigkeit ermöglicht wird."
Abgesehen von der Modellbezeichnung hat das neue Addict SL mit seinem Vorgänger nicht mehr viel gemein. Zu den exklusiven Carbonfasern gesellt sich eine völlig neue Formensprache, deren Rohrprofile - ähnlich wie beim Trek Madone 7 oder Cervélos R5 - den Querschnitt eines hinten abgeschnittenen Tropfens aufweisen, was aerodynamische Vorteile bringen soll. Scotts Aerodynamiker haben unter der Bezeichnung F01-X125-Aero-Technologie eine radspezifische Rohrform erschaffen, die den Luftwiderstand ganz besonders bei fahrradtypischen Geschwindigkeiten optimieren soll. Bestätigt hat dies auch der letzte Aero-Test von TOUR (Ausgabe 02/2014), in dem das Addict nach dem R5 als schnellster konventioneller Leichtbau-Rahmen abschnitt.Aber "nur" leicht und aerodynamisch zu sein reichte den Schweizern offenbar nicht. Dementsprechend punktet der Alleskönner mit hoher Ausgewogenheit in Sachen Steifigkeit und Komfort. Besonders auffällig sind das zum Oversized-Tretlager hin immer breiter werdende Unterrohr und der neu gestaltete Knotenpunkt zwischen Sitzstreben und Sattelrohr. Auch die Steifigkeitswerte von Lenkkopf und Gabel liegen im grünen Bereich - für Rennfahrer wohlgemerkt; recht schwere Fahrer wünschen sich hier mehr. Was die Federung von Front und Heck betrifft, wurde wohl das maximal Mögliche erreicht. Bisher Verfechter von Oversize-Sattelstützen, wechselte Scott von 31,6 mm auf das dünnere Maß von 27.2 mm und erzielte mitsamt dünnerer Sitzstreben und angepasstem Carbon-Layup hervorragende Dämpfungseigenschaften.
* im Test: 53/39 vorne, 11-26 hinten, 120 mm Vorbau** Rahmen, Gabel, Steuerlager und Schaltauge des Testbikes (Gr. M54) wogen 1.120 g
Die direkte Konkurrenz wirbt mit dem Marketing-Begriff "Ballistec Carbon", das besonders schlagfest sein soll. Wie verhält es sich mit den HMX-SL Carbonfasern, welche beim Addict SL zum Einsatz kommen? Das neue Addict SL ist extrem Impact-resistent. Mit dem HMX-SL Lay-up benutzen wir Nano Harz, das 37% widerstandsfähiger als jenes vom normalen HMX ist (das nennt die Konkurrenz "Ballistec Carbon"), sowie T1000 Fasern, deren Widerstandsfähigkeit sogar um 51% darüber liegen (das benutzt die Konkurrenz nicht). Ausschlaggebend sind aber nicht nur die verwendeten Werkstoffe, sondern vielmehr die richtige Platzierung und Ausrichtung der Fasern.Trotz relativ langem Radstand und einem flachen Lenkkopfwinkel von 72,5 Grad ist das Rad bei hoher Laufruhe extrem agil geblieben. Wie geht das? Wie hoch ist der Gabel-Nachlauf und Trail beim 54er Rahmen?Der Gabel-Nachlauf beträgt 45 mm und der Trail in der Rahmengröße 54 kommt auf 59.7 mm. Die Agilität eines Rennrades hängt von vielen Parametern ab. Mit dem Addict haben wir eine gute Balance zwischen Geometrie, Gewicht und Steifigkeit gefunden.
Nachdem das Addict SL schon auf der Waage, am Prüfstand und im Windkanal eine starke Labor-Performance zeigte, musste es sich schließlich im realen Fahrbetrieb über 1.400 Kilometer auf den rauesten Straßen Gran Canarias behaupten. Da ich zur gleichen Zeit an einer anderen Story arbeitete und die Kombination passend fand, wurden Mavics neue CC40 Carbon-Clincher montiert. Die Fahreindrücke der Syncros RL1.0 Laufräder werden im Rahmen des Addict SL-Dauertests nachgeliefert.
Die Geometrie vom Addict ist rennsportorientiert, doch keinesfalls extrem. Im direkten Vergleich, beispielsweise zum Cannondale Evo, sind sowohl das Oberrohr als auch der tatsächliche Reach um ein Euzerl länger, was angesichts des niedrigen Steuerrohrs eine racemäßige Sitzposition erlaubt. Ein kleines, aber sehr wirkungsvolles Detail ist der relativ flache Lenkwinkel von 72,5 Grad (im Vgl. dazu Evo mit 73°), welcher für einen langen Radstand und damit stoischen Geradeauslauf sorgt. Außerdem bleibt die Schuhspitze während des Balanceakts an der Ampel und bei engsten Wendemanövern nicht am Vorderreifen hängen.Seine Ausgewogenheit sorgt für traumhafte Kontrolle - wie auf Schienen fährt das Addict durch jede noch so enge Kehre und folgt punktgenau dem eingeschlagenen Radius. Der kurze Gabel-Nachlauf, das minimal höher positionierte Tretlager und diverse Geometrie-Feinheiten gewährleisten bei aller Laufruhe ein agiles und extrem direktes Handling.Wie versprochen beschleunigt das Addict willig bei harten Antritten und besitzt dank seinem Steifigkeits/Gewichtsverhältnis hervorragende Klettereigenschaften. Für die optimale Kraftübertragung zeichnet primär die breite Verbindung von Unterrohr zu Tretlager mit ihren fließenden Übergängen verantwortlich. Der steife Lenkkopf, die Gabel und hochwertige Anbauteile von Ritchey tragen das ihre dazu bei.
Was den Federungskomfort anbelangt, so haben auch hier die Ingenieure mächtig Hirnschmalz bewiesen. Das neu gestaltete hintere Rahmendreieck lässt einen gewissen vertikalen Flex zu, ohne die Seitensteifigkeit negativ zu beeinflussen. Für eine noch bessere Steuerpräzision wurde die gleiche Technologie auch der Gabel spendiert. Dadurch liegt das Rad auch bei schlechten Verhältnissen satt auf der Straße und dämpft grobe Stöße vorbildlich ab. Einzig mit hochfrequenten Vibrationen kann das Fahrwerk nicht gleichermaßen souverän umgehen, was an den recht spröden Carbonfasern des Addict SL Rahmen liegen könnte.Das neue Addict SL zählt ganz sicher zu den besten Serienbikes am Markt und vereint niedriges Gewicht, Steifigkeit und Komfort zu einem im Vergleich zur Konkurrenz stimmigen Preis. In Bezug auf die Ausstattung bleiben keine Wünsche offen. Den hauseigenen Syncros-Clincher-LRS nehme ich mir noch gesondert zur Brust und berichte auf diesem Kanal.Fahrer unter 80 kg werden mit dem superleichten Addict SL ihre wahre Freude haben. Besonders schwere Athleten und richtige Sprintertypen wären mit dem Addict Team Issue (HMX Rahmen und Gabel unter 1.100 Gramm) wohl besser beraten und sparen obendrein ein paar Euros.
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