Passwort vergessen?
Über die letzten Jahre sind verschiedene Lösungen an Anti-Platten Systemen auf dem Markt aufgetaucht. Eine der neuesten Versuche, dem Problem von Durchschlägen Herr zu werden, ist das Ergebnis zweier Unternehmer aus Amerika und lautet auf den Namen CushCore.Bei CushCore handelt es sich um ein Reifeninsert aus speziellem Schaumstoff, welches auf die Felge aufgezogen wird und sozusagen als Schutzschicht zwischen Mantel und Felgenflanke agiert, um Durchschläge zu vermeiden. Anders, als manche andere Lösungen hat CushCore dämpfende und vibrationsreduzierende Eigenschaften und agiert somit als eine Art Federung für harte Schläge. CushCore geht soweit und spricht von einem Inner-Tire Suspension System.Mittlerweile vertrauen große Namen der Gravity-Szene, wie Jared Graves, Richie Rude, Troy Brosnan, Loic Bruni oder Brendan Fairclough - um nur einige zu nennen - auf CushCore.
Der verwendete Schaumstoff von CushCore ist eine Eigenentwicklung, relativ leichtgewichtig mit hoher Schlagabsorptionsfähigkeit und Haltbarkeit sowie Wasserresistenz, wodurch keine Tubeless-Milch absorbiert wird.Durch die V-förmige Konstruktion drückt sich CushCore nicht nur gegen den Wulstkern, sondern bis zu circa der Hälfte der Innenhöhe des Reifens (je nach Volumen mehr oder weniger) gegen die Innenseite der Seitenflanken und verhilft dadurch dem Mantel zu höherer Stabilität in Schräglagen und Schutz vor schräg auftreffenden Schlägen.Gleichzeitig kann mit geringerem Luftdruck für höhere Traktion gefahren werden, mit dem Nebeneffekt, dass Burping kein Thema ist, da CushCore den Reifen gegen die Innenseite der Felgenflanke drückt.
CushCore benötigt die Verwendung eines eigenen Ventils aus 6061-T6-Aluminium in einer Tubeless-kompatiblen Felge, welches durch seine Form ein Befüllen oder Ablassen eines Tubeless-Reifens mit dem CushCore-Insert ermöglicht. Der Ventilkopf kann abgeschraubt werden, wodurch nach der Montage Tubeless-Milch in das Innere des Reifens eingefüllt werden kann.
CushCore ist kompatibel mit allen gängigen Tubeless-Reifen von 2,1" bis 2,5" und Tubeless-Felgen (inklusive Carbon-Felgen) mit einer Innenbreite zwischen 22 und 35 mm.Erhältlich ist CushCore für 27,5" und 29" Laufradgrößen. 26"- und 27,5" Plus-Größen sollten im Herbst 2017 vom Stapel laufen. Auch an Cyclocross und Gravel Bike-Versionen wird für Anfang 2018 getüftelt.Ein Set bestehend aus zwei CushCore Inserts und zwei Ventilen beläuft sich auf $149, mit internationalem Versand kommen nochmals $19,99 hinzu. Pro Insert wiegt CushCore 255 g bei 27,5" Laufradgröße. Das Ventil wiegt 4 Gramm. Auch einzelne Komponenten sind erhältlich. Bestellen kann man direkt von CushCores Website cushcore.com. Die Lieferung aus Amerika erfolgte rasch und unkompliziert.
Anders als nur Behauptungen von Schlag- und Vibrationsdämpfung aufzustellen, versucht CushCore die Vorteile mit Labormessungen zu untermauern. So zeigt sich eine Schlagreduktion von bis zu 50 %, bis zu 77 % Reduktion von querverlaufenden Vibrationen und 58 % längsverlaufenden Vibrationen.
Befolgt man die Installationsempfehlung von CushCore, ist die Montage einfacher, als man denkt. Zwei Punkte sollte man aber unbedingt befolgen: die Innenseite des Mantels vor dem Aufziehen mit reichlich Seifenwasser oder Tubeless-Montageflüssigkeit einschmieren und CushCore an den Stellen, an denen man den Mantel mit Reifenhebern aufhebelt vorher von der Felge lösen, damit der Mantel in die Mitte des Felgenbetts rutschen kann. Dadurch wird der Reifenwulst nicht unter zusätzliche Spannung gesetzt, die einen Einbau vermutlich unmöglich machen würde. Beim Aufpumpen des Reifens und setzen auf der Felge rutscht das Insert dann durch die Eigenspannung von alleine in seine vorgesehene Position zwischen den Reifenwulst.Das eigene CushCore Ventil war in unserer Version noch nicht lang genug, um unproblematisch bei Felgen mit tiefem Profil (wie es oft bei Carbon-Modellen vorkommt) zu passen. Mittlerweile sollten aber längere Ventile im Lieferumfang enthalten sein.Bei Mavic's Downhill-Laufrädern Deemax konnte ich aufgrund seiner schmalen Innenbreite der Felge und tiefem Felgenbett die Ventile überhaupt nicht montieren und musste mir mit eigenen Tubeless-Ventilen aushelfen, dann funktioniert das Luftablassen aber nicht so, wie es soll. Wir vermuten einmal, dass die neue 2018er Generation der Deemax-Laufräder mit breiteren Felgen das Problem nicht hat. Beim Einbau mit e13 Laufrädern gab es keine Probleme.Nach zwei Saisonen mit Anti-Platten-System in allen meiner persönlichen Bikes, kann ich mir Biken ohne solche Technologie eigentlich nicht mehr vorstellen. In diesem Test verbaute ich CushCore sowohl auf einem Enduro Bike mit 170 mm Federweg und einem Downhiller mit 200 mm Federweg. Ein unabhängiger Tester war auf einem weiteren Downhiller unterwegs.
CushCore erlaubt diese Fahrweise und darüber hinaus mit einem geringeren Luftdruck zu fahren, als es ohne System je möglich wäre. Drücke von unter einem Bar sind für leichtere Fahrer möglich, und der Kurvenhalt damit vor allem in technisch schwierigen Passagen beeindruckend.Nicht nur das, agiert ein niedriger Luftdruck im Reifen auch dank seiner fast ungefederten Masse als eine Art Mini-Federung, die sensibel auf bereits kleine Unebenheiten am Boden reagieren kann, noch bevor der Schlag an die Federelemente weitergegeben werden kann.Die dämpfenden Eigenschaften des Materials sind kein Marketing-Gebrabbel, spürt man den Weichmacher-Effekt sofort in jeder Passage, in der spitzkantige Hindernisse warten. Oder besser gesagt, man spürt ihn nicht, da der mögliche harte Kontakt zwischen Felge und Boden bei härterer Fahrweise einfach wegfällt.CushCore redet davon, dass in der Regel Fahrer mit 5 psi weniger fahren, als gewohnt, bei mir sind es am Vorderreifen 6 psi bzw. Hinterreifen 8 psi weniger, ohne Probleme zu verursachen. Wer grundsätzlich mit betonsimulierenden Drücken in den Reifen unterwegs ist, um Platten zu vermeiden, kann diese Werte dementsprechend nach oben hin korrigieren.Zu niedrig kann man aus mehreren Gründen dennoch den Luftdruck nicht reduzieren. Ein Versuch bei richtig weicher Abstimmung (ca. 10 psi im Hinterrad) erzeugt bei härterem Bodenkontakt und Spitzkanten ein Durchschlagen, selbst mit CushCore. Dann wird das Schaumstoffmaterial so hart komprimiert, dass ähnlich einem Snake-Bite zwei unscheinbare Löcher im Material – an der Stelle wo Felgenkante und Reifen Kontakt während des Aufpralls hatten (siehe Bilder mit blauem Hintergrund) – entstehen. Ein Schaden an der Felge entstand in diesen Fällen dennoch keiner, dürften die Aufschlagkräfte selbst in diesem Fall stark genug reduziert werden. CushCore selbst erleidet dadurch auch relative wenig Schaden, ist die Chance dass man an exakt derselben Stelle wieder einen Aufschlag erzielt eher gering, beziehungsweise federt das Insert als Gesamtes weiterhin die einwirkenden Kräfte ab.Selbst bei wohlgewähltem Luftdruck kann es immer wieder einmal in Extremsituationen zu solchen Situationen kommen, wodurch CushCore nach längerer Verwendung und je nach individueller Wahl des Luftdrucks über kurz oder lang irgendwann Spuren zeigt. CushCore selbst spricht davon, dass das System der Regel nach zwei verbrauchten Reifensätzen vermutlich getauscht werden sollte, was je nach Fahrweise auch früher oder weitaus später geschehen kann.Ist man darüber hinaus mit exzessiv niedrigem Luftdruck im Hinterreifen unterwegs, fängt der Reifen trotz interner Stützung - die vor allem bei dünnen Karkassen durchaus merkbar ist - dennoch bei harten Schräglagen oder in schnellen Anliegern irgendwann zum Walken an.
In einer Welt in der Gewichtsreduktion der Rotationsmasse einen hohen Stellenwert einnimmt, scheint das Mehrgewicht von 255 Gramm pro Laufrad im ersten Augenblick als durchaus abschreckend. Denkt man allerdings daran, dass CushCore ermöglicht Mäntel mit dünnerer und leichterer Karkasse zu fahren sowie leichtere Felgen zu verwenden, relativiert sich die Gewichtsfrage einigermaßen. Wer noch mit halbwegs normalgewichtigen Schläuchen unterwegs ist, die allerdings keinen der Vorteile eines solchen Systems bieten, kommt sowieso auf ein vergleichbares Gewicht.Der Einsatz von leichteren Reifen ist vor allem für Fahrer von Vorteil, die zur Verhinderung von Platten vollwertige Downhill-Reifen oder ähnliches im All-Mountain oder Enduro-Segment einsetzen. Dann lässt sich mit CushCore sogar einiges an Gewicht sparen.Ich und der unabhängige Tester sind im Testperiode soweit gegangen, dass wir auch auf unseren Downhill-Testbikes herkömmliche Tubeless-Ready Maxxis-Reifen mit Exo-Karkasse einsetzten. Auch hier hatten wir keine Probleme mit Platten oder Dellen in den Aluminium-Felgen und selbst nach einer langen Saison hatten wir es nicht geschafft die dünneren Seitenwände in Steinpassagen aufzuschlitzten. Nicht, dass wir einen Racer davon überzeugen möchten, dass er in Zukunft auf leichtere Enduro-Reifen im Downhill-Rennbetrieb setzen soll.Aber selbst wenn man nicht auf leichtgewichtigere Reifen umstellen kann oder will, bleibt der Vorteil bedenkenlos durch ein spitzes Steinfeld donnern zu können, ohne sich großartige Gedanken über die Gesundheit seiner Komponenten zu machen, ein Vorteil, der die Gewichtsfrage bei weitem übertrumpft.Kann man trotzdem mit dem System noch einen Platten haben? Ein Beispiel des Enduro-Profis Jared Graves zeigt, dass es möglich ist, allerdings ist er selbst auch überzeugt davon, dass CushCore sein Laufrad vor Schlimmeren bewahrt hat und er dadurch und dank der Notlaufeigenschaft von CushCore sein Rennen ohne großen Zeitverlust fortsetzen konnte.Auch gegen einen aufgeschlitzten Reifen, oder einer Beschädigung, welche die Dichtmilch nicht mehr flicken kann, ist man nicht gefeit.Im Falle eines Falles bietet CushCore auch ziemlich gute Notlaufeigenschaften, und kann man selbst ohne Luft im Reifen noch halbwegs sicher und ohne die Komponenten zu gefährden, ins Tal rollen.Durchaus erwähnenswert ist die Wartungsarmut von CushCore gegenüber anderen Systemen. Einmal eingebaut, bedarf das Insert keiner weiteren Pflege. Keine Selbstverständlichkeit, bin ich ständiges Überprüfen von Luftdrücken und Herumärgern mit Spezialventilen eines anderen Systems etwas Leid geworden.Als einziges Manko muss man die Demontage des Systems empfinden. Den Reifen mit installiertem CushCore Insert wieder von der Felge zu bekommen, fordert neben gehöriger Handkraft und Einsatz von Werkzeugen einiges an Geduld. Sollte eine Demontage auf dem Trail notwendig werden, kann sich das durchaus als Problem erweisen.
Nach beinahe einer gesamten Saison ohne einen einzigen Platten, Defekt oder Schaden an Carbon- oder Alufelgen bei Enduro- und Downhill-Einsatz, bleibt eigentlich nur zu sagen, dass CushCore seinen Job hervorragend macht.Muss man normalerweise bei Spitzsteinpassagen gehörig vom Gas gehen, rauscht man mit CushCore einfach unbeeindruckt hindurch und werden Schlagspitzen effizient eliminiert. Vom geringeren Luftdruck, mit dem man fahren kann und welcher zu großartiger Traktion verhilft, den Notlaufeigenschaften und keinem Burping einmal abgesehen.Über die schwierige Demontage des wartungsarmen Systems kann man bei so vielen Vorteilen leicht hinwegsehen, über den Gesamtnutzen trotz Mehrgewicht nicht. Wer einmal mit CushCore unterwegs war, wird nicht mehr ohne fahren wollen.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
Alle Kommentare (9) im Forum