Vredestein Fortezza Senso

Hinsichtlich des Fahrrad-Rahmenbaus hat sich seit der Jahrtausendwende einiges verändert. Besonders durch den Einsatz des Werkstoffs Carbon sowie moderner Techniken nahm die Steifigkeit an Rahmen, Komponenten und Laufrädern erheblich zu und moderne Rennräder verhalten sich im Grenzbereich - ganz besonders in Kurven und bei kaltem, nassem Wetter - deutlich widerspenstiger als früher. Reifen, die Bindeglieder zwischen Rad und Straße, besitzen größten Einfluss auf das Fahrverhalten. Sie sollen für gute Bodenhaftung sorgen um die Antriebs-, Brems-, Kurven- und Lenkkräfte zu übertragen, die Fortbewegung mit geringem Widerstand erlauben und gleichzeitig die hohe Steifigkeit des Rades ausgleichen.

Entgegen früherer Annahmen bestimmen beim Rennrad nicht das Profil, sondern hauptsächlich Gummimischung, Reifenbreite und Luftdruck die Fahreigenschaften des Reifens. Sprich: den Grip, den Rollwiderstand, den Komfort und die Verschleißfestigkeit. Dies war zugleich der Ausgangspunkt für die Neuentwicklung vom Vredestein Fortezza Senso, dem Nachfolger des mittlerweile in die Jahre gekommenen Fortezza TriComp.

"Mit der neuen Senso Serie haben wir den Grip sowohl bei nassen, als auch bei trockenen Bedingungen und den Rollwiderstand um mehr als 5% verbessert."
Harry Peppelman, Vredestein
Basierend auf umfassender Erfahrung mit Auto- und Fahrradreifen entwickelte Vredestein die neuen Pneus mit TriComp-Technologie* und in zwei unterschiedlichen Gummimischungen, um den gegenwärtigen Anforderungen Rechnung tragen.

Eine veränderte Rezeptur mit neuem Mischverhältnis zwischen Natur- und synthetischem Kautschuk verbessert die Interaktion mit "Silica" und soll den Rollwiderstand reduzieren. Die spezielle Kombination mit "Silaan" sorgt für optimalen Nassgrip und die Hinzugabe von "Carbon Black" für überragenden Grip unter allen Bedingungen.

Auf dieser Basis wurden zwei neue Compounds entwickelt: Fortezza Senso Xtreme Weather (XWS) und Fortezza Senso All Weather (AWS). Die AWS-Mischung ist außerdem in einer Superlight Version mit höherer TPI** erhältlich.

Neben der Gummimischung beeinflussen besonders Breite und Druck eines Reifens die Fahr- und Lenkeigenschaften. Breitere Reifen können mit weniger Druck gefahren werden, erhöhen die Kontaktfläche mit der Straße, was wiederum noch mehr Grip garantiert. Überdies reduzieren sie den Rollwiderstand. Diese Behauptung, welche fast aus einem Märchenbuch stammen könnte, folgt dem momentanen Trend und kann in Theorie und Praxis bewiesen werden. Wir haben dem Thema im Anschluss einen kurzen Physik-Exkurs gewidmet.

* Die TriComp-Technologie® ermöglicht die Verwendung spezifischer Gummimischungen an Lauffäche und Seitenwänden passend zu den jeweiligen Anwendungen.

** Die Fadendichte der Karkasse wird in TPI (Fäden pro Zoll) gemessen. Reifen mit höheren TPI-Werten sind eher für intensivere Nutzung durch Profis und Amateure konzipiert. Eine dichter gewebte Karkasse bietet Vorteile in Bezug auf das Gewicht, den Rollwiderstand, die Flexibilität und die Laufruhe des Reifens, allerdings verringert sich dadurch auch seine Lebensdauer.

Fortezza Senso Faltreifen

  • Vredestein Fortezza Senso

Der neue Wettkampf- und Trainingsreifen von Vredestein für alle Witterungsverhältnisse mit hervorragendem Pannenschutz. Der Reifen ist in zwei Mischungen (AWS und XWS), drei Dimensionen (23, 25, 28 mm) und verschiedenen Farbvarianten erhältlich. Racer, Zeitfahrer und Triathleten greifen zur leichten und besonders flexiblen SuperLite-Version mit 220-TPI-Karkasse.

Im Bikeboard.at Langzeittest: Senso All Weather 25 mm und Senso All Weather SuperLite23 mm

  • Fortezza Senso All WeatherFortezza Senso All Weather
    Fortezza Senso All Weather
    Fortezza Senso All Weather
  • Fortezza Senso All Weather SuperLiteFortezza Senso All Weather SuperLite
    Fortezza Senso All Weather SuperLite
    Fortezza Senso All Weather SuperLite
  • Fortezza Senso Xtreme WeatherFortezza Senso Xtreme Weather
    Fortezza Senso Xtreme Weather
    Fortezza Senso Xtreme Weather

Fortezza Senso Clincher

BreiteMischungFarbenGewicht*TPI*RoWi*LD*Grip*SchlauchPreis
All Weather23 mmAWSanthrazit, blau, rot, weiß225 g1205/64/66/620-25C44,90
All Weather25 mmAWSanthrazit, blau, rot, weiß240 g1205/64/66/620-25C44,90
All Weather SuperLite23 mmAWSanthrazit, rot, weiß195 g2206/63/66/620-25C49,90
Xtreme Weather23 mmXWSanthrazit245 g1204/65/66/620-25C44,90
Xtreme Weather25 mmXWSanthrazit260 g1204/65/66/620-25C44,90
Xtreme Weather28 mmXWSanthrazit280 g1204/65/66/628-35C44,90

Begriffserklärung: AWS = All Weather Silica, XWS = Xtreme Weather Silica, RoWi = Rollwiderstand, LD = Lebensdauer, Bewertung = 6 Punkte sind optimal
Technologien: TriComp, Excellent (AWS) bzw. Full Protection (XWS), Curve Control System für langes, hervorragendes Cornering
* Herstellerangaben

Fortezza Senso Schlauchreifen

  • Vredestein Fortezza Senso

Der neue Wettkampf-Schlauchreifen von Vredestein für alle Witterungsverhältnisse mit hervorragendem Grip, Pannenschutz und geringem Rollwiderstand. Der Reifen ist in zwei Mischungen (AWS und XWS) und zwei Dimensionen (23 und 25 mm) verfügbar. 

Im Bikeboard.at Langzeittest: Senso All Weather 23 und 25 mm

  • Fortezza Senso T All WeatherFortezza Senso T All Weather
    Fortezza Senso T All Weather
    Fortezza Senso T All Weather
  • Fortezza Senso T Xtreme WeatherFortezza Senso T Xtreme Weather
    Fortezza Senso T Xtreme Weather
    Fortezza Senso T Xtreme Weather

Fortezza Senso Tubular

 BreiteMischungFarbenGewicht*TPI*RoWi*LD*Grip*Preis
All Weather23 mmAWSanthrazit275 g2906/63/66/669,90
All Weather25 mmAWSanthrazit285 g2906/63/66/669,90
Xtreme Weather23 mmXWSanthrazit275 g2906/63/66/669,90
Xtreme Weather25 mmXWSanthrazit285 g2906/63/66/669,90

Begriffserklärung: AWS = All Weather Silica, XWS = Xtreme Weather Silica, RoWi = Rollwiderstand, LD = Lebensdauer, Bewertung = 6 Punkte sind optimal
Technologien: TriComp, Excellent (AWS) bzw. Full Protection (XWS), Curve Control System für langes, hervorragendes Cornering
* Herstellerangaben

Exkurs: Breite Reifen rollen besser

  • Vredestein Fortezza Senso

Werfen wir zuallererst einen theoretischen Blick auf die Summe aller Fahrwiderstände, mit denen der Radfahrer zu kämpfen hat. Laut TOUR (Robert Kühnen, 2008) entfallen auf den Rollwiderstand rund 17,4% des Gesamtwiderstands. Betrachten wir so beispielsweise eine Fahrt mit etwa 200 Watt Durchschnitt, schlucken die Reifen immerhin fast 35 Watt - gar nicht wenig.

Detailansicht
Quelle: TOUR

Um verstehen zu können, wie Reifenbreite und Luftdruck mit dem Rollwiderstand in Zusammenhang stehen, benötigen wir einige physikalische Grundkenntnisse, die im Folgenden trivial vermittelt werden.

Definition Rollwiderstand
"Der Rollwiderstand ist die Folge von Energieverlusten, die bei der dauernden Verformung des Reifens beim Durchlaufen der Reifenaufstandsfläche entstehen und in erster Linie auf die Dämpfungseigenschaften von Gummi zurückzuführen sind. Dabei wird mechanische Energie in Wärmeenergie umgewandelt, die sich in einer Erhöhung der Reifentemperatur bemerkbar macht.
Der Rollwiderstand lässt sich in den Walkwiderstand (unvollkommene elastische Formänderung zwischen Reifen und Fahrbahn) und den Abrollwiderstand (bremsendes Kippmoment um den wahren Drehpunkt) unterteilen."
Gressmann, Fahrradphysik und Biomechanik, 2009

Da sich der Rollwiderstand mit steigender Fahrgeschwindigkeit zwar stetig, jedoch nur minimal erhöht, hängt er in erster Linie von den Einflussgrößen Reifen, Systemgewicht und Fahrbahnoberfläche ab. Der Einfluss des Reifens ist wiederum von dessen Eigenschaften abhängig. Also beispielsweise von der verwendeten Gummimischung, des Aufbaus und zweier beeinflussbarer Größen: Luftdruck und Reifenbreite.

Luftdruck
Je höher der Druck, umso geringer der Rollwiderstand. Im Gegenzug leidet mit zunehmendem Druck der Fahrkomfort. Die Reifen verlieren an Grip und auf schlechtem Asphalt können Unebenheiten nicht mehr ausreichend absorbiert werden - die Reifen beginnen zu hüpfen und das Hinterrad bekommt Schlupf.

Detailansicht

Die Abhängigkeit von Rollwiderstand und Reifenluftdruck ist im Diagramm dargestellt. Mit zunehmendem Druck nähert sich die Kurve einer Asymptote an, was bedeutet, dass eine weitere Druckerhöhung ab einem gewissen Punkt nahezu keine Rollwiderstands-Einsparungen, dafür deutliche Komforteinbussen bedingt.

Reifenbreite
Entgegen früher Annahmen bringen breitere Reifen neben erhöhtem Grip, Komfort und besserer Pannensicherheit sogar beim Rollwiderstand Vorteile. Basis dieser Betrachtung ist die folgende physikalische Formel:

A = F/P
A = Aufstandsfläche des Reifens (mm2)
F = Gewichtskraft von Fahrer und Fahrrad (N)
P = Reifendruck (bar)


Man erkennt, dass die Reifenaufstandsfläche ausschließlich von Systemgewicht und Reifendruck definiert ist. Die Reifenbreite spielt dabei keine Rolle.

  • Vredestein Fortezza Senso

Das Diagramm zeigt die Reifenaufstandsflächen unterschiedlich breiter Reifen gleicher Bauart mit identem Druck. Bei gleicher Fläche besitzt der breitere Reifen eine wesentlich kürzere Aufstandsfläche und wird dadurch auch weniger stark eingedrückt. Damit ist die zu verrichtende Walkarbeit geringer und das für den Abrollwiderstand bremsende Kippmoment des Reifens kleiner, was in einer Verbesserung des Rollwiderstands resultiert.

Breitere Reifen besitzen bei gleichem Druck einen geringeren Rollwiderstand.
Gressmann, Fahrradphysik und Biomechanik, 2009

Zudem eröffnen breitere Reifen mehr Spielraum, das Rad an vorherrschende Bedingungen anzupassen. So können breitere Reifen bei kürzerer bis hin zu gleicher Aufstandslänge mit niedrigerem Druck gefahren werden, was dem Fahrkomfort zugute kommt. Selbstverständlich erhöht sich bei abnehmendem Druck wiederum die Gesamtaufstandsfläche - allerdings nehmen die Aufstandslänge und Eindrücktiefe des Reifens wesentlich mehr Einfluss auf den Rollwiderstand.

Gewichtsnachteil: Breitere Reifen erhöhen, je nach Fabrikat und Dimension, die außenliegende rotierende Masse (Trägheitsmoment), wobei der Unterschied zwischen 23 und 25 mm recht minimal ausfällt. 28er-Reifen hingegen sind deutlich schwerer.

Bikeboard.at Reifendruck-Tipp: 75 kg Fahrer pumpen 7,5 Bar in 23 mm und etwa 6,5 Bar in 25 mm breite Reifen. 0,5 Bar mehr verbessern RoWi und Durchschlagschutz, 0,5 Bar weniger erhöhen den Fahrkomfort auf besonders schlechtem Asphalt oder den Grip bei nass-kaltem Wetter.

Rahmen-Kompatibilität: 25er-Reifen sollten mittlerweile in jeden modernen Rennrad-Rahmen passen. Trotzdem gibt es immer wieder Felgen/Reifen-Kombinationen, mit denen es bei Gabel, Bremssystem oder Tretlager knapp werden kann. Vor der Fahrt unbedingt auf ausreichenden Reifen-Freilauf vorne und hinten achten. 28er-Reifen passen definitiv nicht in alle Rahmen und bedürfen einer genauen Prüfung.

Felgenbreite: Bauart und Breite der Felge nehmen großen Einfluss auf das Lenkverhalten. Je breiter die Felge, umso mehr gewinnt auch der Reifen in seiner tatsächlichen Breite, was ein direkteres Lenkgefühl zur Folge hat. Außerdem können Reifen auf modernen Aerofelgen mit noch weniger Druck gefahren werden, ohne an Reifensteifigkeit zu verlieren.

Luftwiderstand: Um den gewonnenen Rollwiderstands-Vorteil auch ins Ziel zu bringen, sollten breite Reifen auf passende Felgenprofile montiert werden. Montiert man beispielsweise einen 25er-Reifen auf 20 mm schmale Standardfelgen, sind die aerodynamischen Verluste größer als die vergleichsweise geringen Rollwiderstands-Differenzen. Abhilfe schaffen moderne Aero-Laufräder von ZIPP, Mavic, Bontrager & Co.

Bikeboard.at Langzeittest

  • Vredestein Fortezza Senso

Reifentests sind Chefsache. Da Pneus in meinen Augen die wichtigsten Parts am Renner überhaupt sind, war ich auf die Performance der neuen Vredesteins besonders gespannt.

Um den Langzeittest breitgefächert zu gestalten, habe ich mich für die folgenden drei Paarungen entschieden (sieht Foto von li. nach re.):

1. Senso SL 23 mm am TT-Bike
2. Senso Tubular 23 mm vorne, 25 mm hinten am leichten Racebike
3. Senso 25 mm am Endurance Bike mit Discs

Wie es mit der Laufleistung und dem Pannenschutz aussieht, werden die nächsten Monate zeigen.

Status des Langzeittests

Senso SL 23 mm (80 g Butyl Schlauch, 7.5 Bar)
306 km Canyon Speedmax CF
850 km Cannondale Slice RS
kein Ausrutscher/Sturz
kein Patschen

Senso 25 mm (80 g Butyl Schlauch, 6.5 Bar)
873 km Cannondale Synapse Disc
kein Ausrutscher/Sturz
kein Patschen

Senso T 23/25 mm (7.5 Bar, TUFO Band)
> 1.000 km Pasculli Tormento & TREK 5500
kein Ausrutscher/Sturz
kein Patschen

Fazit

Vredestein Fortezza Senso
Modelljahr:2014
Testbeginn:März 2014
Zwischenstand:2. Mai 2014
Bisherige Km:> 2.000 km
+perfekter Grip in allen Lagen
+geschmeidige und komfortable Karkasse
+sehr pannensicher
+ehrliche Reifenbreiten-Angaben
oGewichte im grünen Bereich
BB-Urteil:Die Mischung machts.

Der neue Fortezza Senso Faltreifen ist in allen Belangen ein sensationeller Reifen und übertrifft im Grip sogar seinen Vorgänger "Fortezza Slick". Die 25 mm breite Version bereitet in jeder Lebenslage mächtig Spaß und ist dem Touren- und Marathon-Fahrer ans Herz zu legen. Triathleten, Zeitfahrer und Racer greifen zum 23 mm breiten Senso SL, der mit seiner 220 TPI Karkasse einen besseren RoWi bei niedrigerem Gewicht bietet.

In puncto Nassgrip hat der Fortezza spürbar an Performance zugelegt und ist mit seinen Vorgängern in keinster Weise vergleichbar. Die 25er-Pneus zaubern dem Fahrer sogar bei starkem Regen ein Lächeln ins Gesicht, wäre da nicht die schmerzhaft quietschende Scheibenbremse - aber das ist eine andere Geschichte.

In den nächsten Wochen bekommen auch die Schlauchreifen Gelegenheit zu zeigen, was sie können.


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