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Was vor 30 Jahren geschah

Was vor 30 Jahren geschah

25.11.15 08:02 3.646Rossin Mistral, Baujahr 1986 - und warum der Sport trotzdem überlebte.25.11.15 08:02 3.651

Was vor 30 Jahren geschah

25.11.15 08:02 3.6513 KommentareRossin Mistral, Baujahr 1986 - und warum der Sport trotzdem überlebte.25.11.15 08:02 3.651

Langsam fanden die ersten Mountainbikes nach Europa. Aus einem amerikanischen Phänomen war fünf, sechs Jahre später endlich ein globales geworden. Die europäische Bike-Industrie, komplett vom Rennrad geprägt, versuchte auf den Zug aufzuspringen und baute erste eigene Geländefahrräder. Leider hatten sie keine Ahnung. Sitzt man heute auf einem Mountainbike aus der Mitte der 1980er-Jahre wie diesem Rossin Mistral, Baujahr 1986, muss man sich wundern, wie dieser Sport jemals überleben konnte.
Die Geometrie machte alles falsch, was man falsch machen konnte: Langer Hinterbau, dafür aber steiler Lenkwinkel mit ewig viel Vorlauf: Das fährt vorderhand stabil, allerdings halt nur so lang, bis einer lenkt. Traktion bergauf: Nicht vorhanden. Oberrohr: Gerade, also bloß nicht absteigen müssen. Feldwege fühlen sich an, als hätte man sich mit dem Rennrad verfahren. Singletrails, vor allem im Nassen, sind bloß noch ein Trip, bei dem du wartest, auf welcher Seite du den Sattel verlässt: Nach links, nach rechts, oder doch oben drüber?

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Und trotzdem wollen wir nicht ungerecht sein: Ein 1986er-Rossin ist ein wunderschön aufwändig gefertigtes Werkstück mit Detaillösungen, die in den nächsten Jahren wegrationalisiert werden sollten: Die Ausfallenden mit Mikro-Verstellung. Die detailreichen Muffen. Die breiten Felgen, der Dreiecksvorbau oder der Stahllenker sind bis heute nicht kaputt zu kriegen.
Mit 15 Kilo ist das Bike definitiv auf der soliden Seite, aber es fehlten halt auch die Erfahrungswerte. Wohin würden die Menschen mit Mountainbikes fahren wollen, wie stark würden sie das Material beanspruchen? Von Bikeparks war noch nicht einmal in Amerika eine Spur. Als extrem galt, eine Wiese, eine Schipiste im Sommer runterzufahren.

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Dass der Sport überlebt hat, hat er zwei Features zu verdanken, die aus Japan kamen. Da war einmal ein Übersetzungsverhältnis von 1:1 im kleinsten Gang. Das Hemmnis harter Gänge, ein von Rennradfahrern dieser Zeit innig betriebener Fetisch, fiel so endlich weg. Heute kaum zu glauben, aber unter den eingefleischten Pirellis galt damals jener am meisten, der hinten das kleinste Kranzl treten konnte. Welch arme Narren! Das Mountainbike stellte sich dieser Trottelei nie und eröffnete sich somit für alle jenseits der Straßenfahrer-Sekte mit ihren schwarzen Socken und Sturzringen. Daran konnte nicht einmal Biopace, das berüchtigte ovale Kettenblatt von Shimano, etwas ändern.
Zweiter entscheidender Faktor war die Einführung funktionierender Bremsen. Dank Cantilever konnte man beim Fahrrad endlich von nennenswerter Verzögerung sprechen, sollte ein Baum schneller als geplant des Weges kommen.
Dass die jedoch in sehr vielen Fällen dennoch nicht ausreichen sollte, werden wir in den nächsten Folgen sehen. Die Pionierjahre waren geprägt von Trial & Error, und wir waren mittendrin.


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