Passwort vergessen?
Nachdem ich im Frühjahr dem Merida One-Twenty wieder den Rücken kehren musste, mir mein Hardtail zwar weiterhin mächtig Spaß bereitet, aber im wilden Gelände meine Defizite offensichtlich werden, war es an der Zeit, mangelnde Fahrtechnik durch mehr Federweg zu kompensieren.
Die nächste Stufe: Ein Lapierre Zesty 714 - so pikant wie der Name ist auch der Auftritt. Ein Bike, das man nicht an jeder Straßenecke sieht. Auffälliges Design und mit 140mm schon ein "All Mountain".Das Ziel: Meine Hausrunde Stage 3 - die "Engelsberg Südrinne" - ein felsiger Downhill mit groben Stufen, einer kurzen, rutschigen Rinne, beides garniert mit losem Kleinstgestein - optimal, um sich nach der Arbeit kurz den Ellenbogen aufzuschlagen und ernst genug, um mit dem Hardtail wiederholte Male kläglichst zu scheitern.
Da steht es nun also vor mir, das Zesty, in den Modefarben rot-schwarz-weiss. Die unterschiedlichen Rottöne (Rahmen, Schwinge, eloxierte Teile) sorgen für einen leichten Knick in meiner Fotografenoptik - dafür verwöhnen die Verarbeitung, die Idee mit dem roten "Z" von Oberrohr bis Ausfallende und ein paar schöne Rahmendetails das Auge. Die "7" in der Produktbezeichnung steht für die obere Mitte der 14er Serie (Zesty 214 - 914).Die verbauten Teile sind eine sehr wilde und eigenwillige Mischung, was dem Fahrvergnügen aber keinen Abbruch tut und Potential für Tuning lässt. So bringt funktionell natürlich auch der SLX Schalthebel das XTR-Schaltwerk zum punktgenauen Einrasten, und wenn statt teuren Schalthebeln ein Carbon-Rockguard das Schaltwerk schützt, soll uns das nur Recht sein. Wo man hinblickt, findet man interessante und durchdachte Details, von kleinen Lackspielereien über den Sag-Indicator bis hin zur Kabelführung.
Haben wir vor einigen Monaten auf Gran Canaria noch unsere Hardtails über die Felsen geprügelt, muss jetzt auch das Zesty auf Fels und Staub beweisen, was es kann. Gran Canaria ist der ideale Ort, um mit dem Bike vertraut zu werden für mein nächstes Ziel, die heimatliche Südrinne. Schon auf den ersten Kilometern wird klar, welches Terrain dem Zesty liegt und welches nicht. Feine Schläge steckt die Gabel nur widerwillig weg, doch kaum wird das Gelände grober oder das Tempo höher, arbeitet das Fahrwerk tadellos und macht richtig süchtig danach, den Grenzbereich auszuloten. Die Reifen zählen in Österreich eher zu den Exoten, passen aber gut zum Gesamtsetup. Je ruppiger das Gelände, um so besser kann das Zesty seine geometrischen bedingten Vorteile (Radstand, Lenkwinkel) ausspielen. Zurück in Österreich geht's auf meine altbewährte Hausrunde mit Downhill "Stage 3". Beim Einrollen auf Asphalt arbeitet das ProPedal System im Dämpfer hervorragend. Solange keine Schläge von unten kommen gibt's im Dämpfer kein Wippen. Die Gabel ohne Möglichkeit einer Absenkung und nur komplett zu sperren passt dabei nicht 100%ig zum Dämpfer, der zwar straff arbeitet, aber nie wirklich komplett sperrt. Vor allem, wenn's bergauf über Wurzeln geht oder man bergab auf den Lockout vergisst, arbeitet der Propedal Dämpfer trotzdem, während die Gabel komplett blockiert. Hier wäre meiner Meinung nach eine FOX Talas die bessere Option (Test folgt im KTM Bark 10 Bericht). Geöffnet passen Dämpfer und Gabel aber sehr gut zusammen.
Mit dem Hardtail bis dato für mich unfahrbar, ist die Rinne mit dem KTM Bark 10 (Bericht folgt) in langsamen Trial-Stil zu überwinden - also eine eher technische Sache, die präzises Einlenken und dosiertes Bremsen verlangt. Die Linie geben die großen Steine vor, die wie Prellböcke aus dem Untergrund ragen und umschifft werden wollen. Doch am Zesty komme ich selbst mit Fotorucksack nicht ins Schwitzen, und die Fuhre gleicht eher einer Schiabfahrt. Kontrolliert rutsche ich über die losen Steine, öffne die Bremse vor den großen Steinen, und das Zesty bügelt einfach drüber. So bekommt ein und die selbe Strecke auf zwei Bikes einen ganz unterschiedlichen Charakter. Fährt man am grazilen KTM rasiermesserscharf und präzise die Idealline, brettert man am Lapierre einfach in Fallline über die Felsen. Zusammengefasst ist das Zesty ein Bike für's Grobe und als Allmountain deutlich näher am Freerider als am XC-Bike.
Das Lapierre Zesty ist ein Allmountain-Bike, bei dem die sorgfältige Auswahl an Komponenten und Funktionen ein durchwegs stimmiges Gesamtbild ergeben. Es ist sehr hochwertig verarbeitet, mit schönen und vor allem durchdachten Details. In hartem Gelände oder auf schnellen Trails macht das Bike richtig Spaß.Über die leicht unterschiedlichen Rottöne der verarbeiteten Materialen kann man problemlos hinwegsehen - das Fehlen eines Flaschenhalters könnte schon eher ein Ausschlusskriterium sein. Ich würde meinem persönlichen Zesty noch FOX Talas Gabel und RockShox Reverb Sattelstütze gönnen, um für Jahre damit glücklich zu werden. Ein Carbon-Allmountain unter 12kg zum Listenpreis von knapp EUR 4.400,- ist schwer in Ordnung, das Gesamt-Produkt Zesty sehr gelungen. Alles in allem gibts daher von BIKEBOARD ein "leiwand" für das Lapierre Zesty 714.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
Alle Kommentare (5) im Forum