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"Pavo" - dieser Name steht bei Simplon normalerweise für reinrassige Rennmaschinen, die Abkürzung "SL" steht für superleicht. Wie, und vor allem warum, gerade ein Granfondo-Modell zum Namensvetter des wohl bekanntesten High End Rennrades von Simplon wurde, stellte den Tester zunächst vor ein Rätsel ... Schon seit Jahren freuen sich die Hersteller von Granfondo-Rennrädern über steigende Verkaufszahlen. Eine entspannte Position und viel Dämpfung stehen für hohen Komfort, breitere und pannensichere Reifen erweitern den Aktionsradius, auch auf teils nicht asphaltiertem Untergrund. Das kommt bei Fahrern, die den Radsport und die Natur unverfälscht erleben wollen, recht gut an; und irgendwie ist es auch wieder ein kleiner Schritt zurück in die guten alten Zeiten. Früher stand die Bezeichnung "Gran Fondo" nicht für Radmodelle, sondern für eine spezielle Art von Radsportveranstaltung. Das Wort "Fondo" bedeutet übersetzt "Ausdauer". Gemeint waren also Radfahrten über sehr lange Distanzen. Zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann erstmals ein über 600 km langes Rennen von Mailand nach Rom ausgetragen - der Name: La Gran Fondo.
Seit dieser Zeit hat sich viel geändert. Heutzutage geht es sehr häufig um „Form follows Function“, um „Stiffness to Weight“; und damit um ultraleichte, supersteife Rahmen, die eine aggressive und aerodynamische Position erlauben. Oftmals auch auf Kosten des Komforts und der Ästhetik, denn Rahmen eine Nummer kleiner zu fahren, liegt gerade ziemlich im Trend. Mit dem Kopf nach unten und den Blick auf die Powermeter-Anzeige gerichtet, rast man über perfekt asphaltierte Landstraßen, mit dem klaren Ziel vor Augen, die eigene Leistungsfähigkeit zur Gänze auszureizen.Demgegenüber steht jedoch auch das Verlangen, sich beim entspannten Radfahren vom Stress des Alltags zu erholen; neue Wege zu finden und für sich zu erschließen, frei von Leistungsdruck das schöne Wetter und atemberaubende Landschaften zu genießen. Wer nun über mehrere Stunden die Gegend mit entsprechendem Komfort erkunden will, der braucht dafür auch eine passende Geometrie. Mit den Granfondo-Rädern wollen die Produzenten diesem Anspruch gerecht werden. Kommt man von den Vorteilen zu den Nachteilen dieser Modelle, so sind vor allem das höhere Gewicht, niedrigere Steifigkeitswerte und eine schlechtere Aerodynamik anzuführen. Auf die Frage, warum denn nun ein Granfondo „Pavo SL“ genannt wurde, gab man uns die Auskunft, dass ehemalige Rennfahrer nach ihrer Wettkampfkarriere gerne auf komfortable Rennräder umsteigen. Dennoch erwarten diese Ex-Racer schnelle, steife und leichte Räder und wollen auf High End nicht verzichten. Dass es sich beim Simplon Pavo GF SL genau um ein solches handelt, sollte die Namensgebung unterstreichen.
Sich beim entspannten Radfahren vom Stress des Alltags erholen; neue Wege finden und für sich erschließen, frei von Leistungsdruck das Wetter und die Landschaften genießen.
Über vieles lässt sich streiten, so auch über Geschmack. Persönlich finde ich, dass UD Carbon immer ein bisschen wie Plastik aussieht. Anderen gefällt bekanntlich gerade dieser Look besonders gut.Trotz der mäßigen Überhöhung macht das Pavo GF SL einen recht sportlichen Eindruck. Der Rahmen ist merklich geslopt, das stark abgeflachte Oberrohr verlängert sich fast fließend in die ebenso flachen Sitzstreben, welche im Vergleich zum mächtigen Tretlager und den massiven Kettenstreben fast schon grazil wirken. Sehr voluminös ist auch das Unterrohr, dieses geht nahtlos in ein groß dimensioniertes, getapertes Steuerrohr über. Die matte Lackierung macht einen wertigen Eindruck, das Rad ist nicht mit Grafik überladen. Das SL ist nur in der Farbkombination Carbon/Gelb Matt erhältlich. Sehr auffällig sind die extravagante Gabel mit „Raptor Dropout“ und auch die Aufnahme für die hinten abgeflachte Sattelstütze. Insgesamt ein schönes Rad mit recht hohem Wiedererkennungswert.
Bei noch näherer Betrachtung des Rades offenbart sich außerdem, dass es sich um ein völlig neues Konzept aus dem Hause Simplon handelt. Die Sattelstütze ist profiliert (hinten flach) und hat eine sogenannte Komfortaussparung. Mit dieser Profilierung ist die Stütze verdrehsicher und das Ausrichten des Sattels entfällt. Die Klemmung befindet sich im Rahmen und wird von einer Schraube gespannt, welche sich vor der Stütze am Rahmen befindet. Die Anpassung der Sitzhöhe ist insofern wirklich unkompliziert, jedoch sollte man tunlichst darauf achten, das Drehmoment einzuhalten und die Schraube nicht so weit aus der Klemmung zu drehen, dass diese in den Rahmen fallen könnte. Folglich können nur die Simplon Sattelstützen verwendet werden, was aber nicht wirklich ein Nachteil ist.
Die mächtigen Kettenstreben sind nach hinten drehend und gewährleisten so, zusammen mit den flachen Sitzstreben, einen merkbar gesteigerten Komfort. Für viel Verwindungssteifigkeit beim Antritt sorgen hohe Querschnitte und die markante Finne an der linken Kettenstrebe. Die Gabel verfügt über ein recht auffälliges Drop Out Ende. Dieses Design ermöglicht einen flacheren und somit komfortbetonten Lenkwinkel mit verhältnismäßig kurzem Radstand. Dieser wiederrum verbessert die Agilität im Fahrverhalten. Das Carbon Layup wurde im Vergleich zum normalen GF so verändert, dass eine Gewichtsersparnis von fast 220 g (Hersteller-Angabe) erreicht werden konnte. Der Rahmen selbst ist aus Hot Melt Nano Carbon gefertigt. Hierbei wird der Harzanteil im Faserverbund minimiert, die Carbonfasern werden ohne weitere Lösungsmittel mit Epoxidharz imprägniert. Diese Technik spart Gewicht und bringt hohe Steifigkeit. Die hochmodulen Kohlefasern stammen vom japanischen Technologieführer Toray. Das Rahmenkonstrukt besteht im Grunde aus zwei Einzelteilen (Double Fusion), die Fügestellen befinden sich lediglich an den Ketten- und Sitzstreben. PU Schaumkerne (schmelzend) gewährleisten durch einen höheren und homogenen Druck eine faltenfreie Aushärtung der Faserlagen. Am Sattelrohr ist ein Kettenabwurfschutz integriert, dieser schützt den Rahmen vor Beschädigung bei einer Kettenklemmung und passt sowohl für Compact- als auch für Full-Size-Kurbeln. Rahmen wie Gabel besitzen Aufnahmen für doppelgelenkige Direct-Mount Bremsen, somit wird eine bessere Bremskraft erreicht und die Modulation optimiert.
Um ein perfekt abgestimmtes GF zu bekommen, setzten wir uns an den Konfigurator auf der Homepage. Dieser erklärt sich Schritt für Schritt von selbst, es gibt eine feine Auswahl von Möglichkeiten, sich seine persönliche Ausstattung zusammenzustellen. Unser Testrad wurde mit mechanischer Shimano Dura Ace (Full Size Kurbel, mit Dura Ace Kassette 11-28) bestückt. Die Laufräder kommen aus dem Hause DT Swiss (RR21 DiCut) und diese wurden mit Schwalbe Pro One Tubeless 25mm bereift. Vorbau (Zero 120x7°, Alu), Lenker (ERG 42 Carbon) und Sattelstütze (Pavo GF) kommen aus dem Hause Simplon. Als Sitzgelegenheit wählten wir einen SLR KIT Carbonio Flow. In dieser Ausstattung wiegt das Rad federleichte 6.61 kg ohne Pedale, für diese Kombination müsste man 5.764 Euro hinblättern.
Auf der Straße präsentiert sich das Pavo GF SL fast wie ein reinrassiges Rennrad. Es ist leicht und agil, wenn auch nicht super beweglich und schon gar nicht nervös. Die Sitzposition ist entsprechend aufrecht und angenehm. Schnell wird jede Ausfahrt zum genussvollen Cruisen über Landstraßen. Nach kurzer Umgewöhnungsphase findet man recht flott ziemlich großen Gefallen an einem neuen, wirklich entspannten Fahrgefühl. Je schlechter die Straßen, umso deutlicher zeigen sich die wahren Tugenden des auf Komfort und Leichtbau getrimmten Pavo. Selbst auf Kopfsteinpflaster gibt es relativ geschmeidiges Rahmenfeedback, und auch echte Belastungsspitzen werden vom Hinterbau und der relativ flach stehenden Gabel merkbar abgeschwächt, ohne dabei den Bodenkontakt zu verlieren. Der Komfort ist schlichtweg sensationell. Die DT Swiss Laufräder beschleunigen und rollen gleichermaßen gut, durch ihr flaches Felgenprofil sind diese Laufräder (mit relativ wenig Reifendruck) auch im leichten Gelände eine hervorragende Wahl. Harte Antritte beeindrucken weder den Rahmen, noch die Laufräder.
"Beim Pavo ist's wie mit den Frauen: Je älter man wird, umso mehr schätzt man selbständige Persönlichkeit, Intelligenz und Lebenseinstellung."
Die Abstecher auf Feldwege mit einem "echten" Rennrad sind noch einmal eine eigene Erfahrung für sich. Nach anfänglicher Skepsis ertappt man sich irgendwann dabei, wie man ein superleichtes Rennrad über Feld- und Schotterwege prügelt, als wäre dies das Normalste auf der Welt. Der limitierende Faktor sind hier eindeutig die 25 mm Reifen, wobei der Rahmen auch einen Durchlauf von 28 mm gewähren würde. Panne gab es während der achtwöchigen Testphase keine einzige. Aber irgendwie ist das Pavo GF SL für solche Ausflüge schon fast zu schade. Bei Hochgeschwindigkeitsabfahrten zeigt das Rad viel Ruhe, und auch auf schlechten Straßen gibt's kein Lenkerflattern. Die Bremsverzögerung ist ebenfalls ohne jeden Tadel. Ein spürbarer aerodynamischer Nachteil (vor allem durch die Sitzposition) zeigt sich erst bei höheren Geschwindigkeiten knapp unter 40 km/h, bis dahin kommt niemals das Gefühl auf, man müsse im Vergleich zu einem klassischen Rennrad mehr Kraft für den Speed aufwenden. Aufgrund des geringen Gewichts, gepaart mit der angenehmen Sitzposition, machen auch lange Bergfahrten richtig Spaß, auch wenn man selbst kein ausgewiesener Kletterer ist.
Das Simplon trägt seinen Namen Pavo (für Rennrad) Granfondo (für den meisterhaft gelungen Komfort) und SL (weil mit 6,61kg wirklich leicht) völlig zu Recht. Es ist herausragend komfortabel, sehr leicht und spritzig, und auch mehr als steif genug für schwere Fahrer. Zeitfahren wird man aufgrund der auf Langdistanz getrimmten Sitzposition wohl kaum damit gewinnen, aber die Vielseitigkeit und das Fahrgefühl sind nahezu unschlagbar. Menschen mit Kreuzschmerzen oder Sitzproblemen, aber auch Genießer und Allrounder werden dieses Rennrad lieben – auch oder gerade weil es gleichzeitig noch immer und zweifelsfrei ein echtes Rennrad ist.Das Simplon Pavo GF SL ist ein rundum gelungenes Langstrecken-Rennrad für herausragenden Fahrspaß und ist zudem, im Vergleich zu anderen Topmarken, mit einem ansprechenden Preis-/Leistungsverhältnis ausgestattet.
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
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