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Neorouleur
19-05-2014, 01:38
Ehemaliger Fußballer versucht sich im Jedermannradsport….(jetzt werden viele lachen)

Ganz kurz zu meiner Person. Habe jahrelang Fußball gespielt(seit meinem 6.Lebensjahr – jetzt 26). Eigentlich immer ambitioniert, und fast immer verletzungsfrei.
Und leider überwiegt hier das „fast“.
Nach meiner 3ten schweren Verletzung am gleichen Bein(rechts) überwiegte die Vernunft – ich höre mit der Bolzerei auf.

Nun gut – aber Ohne Sport? Geht nicht.
Durch einen Zufall landete ich auf einem geborgten Rennrad.
Auf Anhieb verliebt, und sofort in ein eigenes investiert. In ein Kuota Korsa Lite. Laut Radhändler ein perfektes Anfängerrad.

Jetzt sitze ich seit November am Rad. Zuerst auf der Rolle, und sobald es ging draussen.
Anstatt meines bisherigen Fußball Trainings fuhr ich durch die Gegend. Minimun 4x die Woche – maximal 6 x die Woche.
Und das konsequent. Zeit unter der Woche immer 2 Stunden + .
Am Wochenende auch ab und zu länger.
Nur halt ohne Plan. Grundlagenausdauer habe ich gemacht…that´s it – danach wurde einfach drauf losgefahren. Fühlte ich mich gut, fuhr ich für meine Verhältnisse schnell. Fühlte ich mich schwach, fuhr ich trotzdem – aber langsam.
Am 05.05.2014 fuhr ich dann den Vulkanland Radmarathon in Feldbach. Und da kam dann das böse Erwachen. Die nächsten 3 Stunden+ waren der reinste Horror.
Am Abend zuhause begann dann die Suche im World Wide Web.
Trainingssysteme usw….. eine nie endende Suche, wenn man komplett ahnungslos ist. Alleine diverse Begriffe…..klar man kann sich einlesen. Was ich mittlerweile auch schon gemacht habe. Aber eine Trainingssteuerung/Planung trau ich mir trotzdem nicht zu.


Um was geht es mir?
Würde mir gerne ein strukturierteres Training aufbauen.
Qualität statt Quantität.
Schwächen/Schwächen – Stärken/Stärken(falls vorhanden)
Unter dem Jahr immer diverse Radmarathons zu bestreiten.(Ohne Ambitionen – aber nie mehr so ein Debakel wie in Feldbach)
Meinen Ehrgeiz zufrieden zu stellen, und einfach zu sehen das was weitergeht.


Welche Lektüre würde sich anbieten?
Gibt es vl in Graz/Graz Umgebung jemanden der sich mit dieser Materie auskennt, und denn man kontaktieren kann.
Sollte man einen Leistungstest machen? Wenn ja wo?
Welche Tipps habt Ihr?
Wahrscheinlich habt Ihr solche Anfragen schon zig mal beantwortet, aber ich versuch mal mein Glück und freue mich auf jede Antwort.
Sportliche Grüße Wolfgang

Reini Hörmann
19-05-2014, 09:05
Hallo im Forum,

schön, dass ein Fußballer zum Radsport findet. Jemanden der dein Training steuert zu finden, das wird nicht so schwer sein.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Lektüre und Trainer nicht zusammenpassen. Würde ich mich dafür entscheiden mich selbst zu trainieren (was nur bis zu einem gewissen Grad gut gehen kann) würde ich mir
Lektüre kaufen - würde ich mir einen Trainer nehmen, eben nicht - der Trainer ist die Lektüre.

Es gibt sicher auch in Graz und Umgegung gute und leistbare Trainer - ich persönlich habe keine Referenz - aber der Trainer müsste ja nicht in Graz sein - das geht ja heute schon von überall aus.
Petra Machart ist sicherlich eine gute Adresse.

Leistungstests zu machen kann durchaus sinnvoll sein - es kommt halt auf die Art und Weise an.
Für den ersten vielleicht eine Ergospirometrie bei einem angesehen Diagnostiker oder Sportarzt, keine Laktatmessung, keine exotischen Protokolle.

Da du es ernst zu nehme scheinst - einen Bikefitter - wie z.b. Christian Bernhard - damit du perfekt auf dem Rad sitzt.

Das Material kann man sicherlich in weiterer Folge noch optimieren.

Mein Tipp: gehen lernen, laufen lernen - fliegen lernen. Auch wenn du schon Sport gemacht hast, Radsport ist nicht Fußball, ohne das despektierlich zu meinen. Ohne zu wissen, was bei dem Marathon passiert ist, gehe ich davon aus, dass
deine Erwartugnshaltung zu hoch war, du überzogen hast am Beginn und danach dafür leiden musstest - ist die erste sinnvolle Lektion. Wenn das nicht so war, wieso war es ein Desaster?

Ausdauersport, im speziellen der Radsport, braucht viel Zeit. Viele Kurbelumdrehungen, einiges an physischen Anpassungen, ein wenig Talent und Erfahrung.

Wer zu Beginn seiner Ziele und Erwartungen zu hoch setzt, wird - bis auf sehr wenige Ausnahmen - von sich selbst enttäuscht werden. Damit verbunden trainert man vielleicht härter, verbissener und sogar zuviel.

Ein paar banale Grundregeln zum Radsport:

Training macht dich schlecht! - Heißt - in der Ruhepause wird man stark, der Körper superkompensiert nur in solchen Phasen - wer keine Pause macht, der kann sich nicht entwickeln.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechtes Gewand - also, auch fahren wenn es draußen nicht schön ist, beim Rennen fragt auch keiner - man sollte auch bei unguten Bedingungen mit seinem Rad zurecht kommen, gutes - vor allem funktionelles Gewand ist Pflicht, so kann man immer trainieren.

Essen bevor der Hunger kommt: wenn es im Magen zieht ist es zu spät. Rechtzeitig das Richtige essen, sich mit adequater Ernährung ein wenig auseinandersetzen, vor allem beim aktiven Radsport.(Gilt für Belastungen ab zwei Stunden)

Trinken wann immer es geht: fast noch wichtiger als das Essen. Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, ob Iso, Malto, oder Apfelsaft gespritzt. Alles wo mehrer Zuckerarten drinnen sind, kann man mit 8% bis 10%er Lösung zum Radfahren nehmen, auch nur Wasser wenn es sein soll - aber Trinken gehört dazu.

Keep it simpel: Hör auf deinen Körper, es ist nicht notwendig ein Sportstudium zu beginnen, keine übertriebenen elektronische Sklaventreiber (Software, Hardware) aufs Rad schrauben. Radsport ist, für aktive Sportler, keine Wissenschaft. Viele sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Draufsetzen und fahren reicht meistens schon aus ;o) ob du dann in Folge nach Watt, Puls oder Gefühl oder mit allem trainierst wird sich zeigen. Zu Beginn reicht ein Pulsmesser und Körpergefühl.

Trainier was du können willst, wenn du es nachher ernst nimmst, spezialisier dich ein wenig. Zeitfahren, Bergzeitfahren, Bergfahren, Roller, Sprinter, Allrounder - man trainiert, was man können will. Viele versuchen die Schwächen zu trainieren, anstatt ihre guten Vorraussetzungen auszubauen. Kleine Schwächen dort oder da auszumerzen kommt am Schluss, zuerst würde ich meine guten Fähigkeiten forcieren.


Mit anderen Radfahrern plaudern und dadurch lernen.

Du kannst auch virtuelle Trainer nehmen - oder via Internet deine Training steuern: z.B.: http://home.trainingpeaks.com/

Zuletzt, fleissig hier im Forum stöbern, hier findeit sich unzähliges

revilO
19-05-2014, 09:54
wobei ich schon sagen muss, dass es speziell für den Straßenradsport völlig ungeeignetes Wetter (etwa Glatteis) gibt, in meinem Fall gilt das schon für jeden Regentropfen, der sich am Horizont erahnen lässt

Reini Hörmann
19-05-2014, 09:56
wobei ich schon sagen muss, dass es speziell für den Radsport völlig ungeeignetes Wetter (etwa Glatteis) gibt, in meinem Fall gilt das schon für jeden Regentropfen, der sich am Horizont erahnen lässt

ja, da hast du recht - wobei das mit dem regen die gemütlichkeit im radsportalter ist ;o) das macht man irgendwann einfach nciht mehr, ausser man kommt halt in den regen rein..aber wegfahren tu ich bei regen (ausser bei radreisen) auch nicht mehr..

Rubicon
20-05-2014, 13:42
Willkommen im Radsport!

Deine Situation erinnert mich ein bisschen an meine, als ich vor etwa 6 Jahren vom Laufsport zum Radfahren gewechselt bin. Rückblickend muss ich sagen (und da hat Reini vollkommen recht) - es dauert seine Zeit. Ausfahrten und Rennen, bei denen man sich komplett abschießt gehören da genauso zum Programm wie Traumtouren durch die Alpen. Nach 3-4 Jahren hab ich gemerkt, dass sich einfach mein Körper an die Abläufe gewohnt hat. Muskeln sind schnell da, bis sich aber Sehnen etc. daran gewöhnt haben, dauert es ein Weilchen. Ich hab mir erst nach 4 Jahren Training über Planung, Intensitäten etc. Gedanken gemacht, davor bin ich nach Lust und Laune gefahren. Hab auch gelesen, dass es zumeist 6-7 Jahre dauert, bis aus einem blutigen Anfänger ein wirklich kompletter Radfahrer wird. Das sollte man aber nicht als 'ewig langen Zeitraum' sehen, sondern eher als die super Phase, in der man sich laufend und mit relativ geringem Mehraufwand an Training noch erheblich verbessern kann...
Und was die Rückschläge betrifft - ich weiss, dass ich durch jeden Rückschlag stärker werden (und selbst wenn es nur ein Platter beim Rennen war, Felgenband wird jetzt regelmäßig kontrolliert :-) ). Das solltest du auch wissen, dann kommst mental da viel leichter drüber. Und ein Meister ist auch selten vom Himmel gefallen ;-)
Als gute Trainingslektüre kann ich dir - falls Bedarf besteht - die Trainingsbibel von Joe Friel empfehlen. Hat fast jeder ambitionierte Radfahrer daheim, den ich so kenne.
Ich wünsch dir viel Spass beim Radln und erfolgreiches Training weiterhin!