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Größe: 181cm Schrittlänge 86cm Gewicht: 75kg Fahrstil/-können: nichts wirklich gut, dafür alles andere richtig schlecht stinkfaul und adipös
Ende letzten Jahres verkündete Canyon, dass die komplette Rennradpalette 2017 sowohl mit Felgen-, als auch mit Scheibenbremsen verfügbar sein wird. Ab sofort haben also Kunden der Koblenzer Versenders verzögerungstechnisch die Qual der Wahl.Für die individuell richtige Entscheidung zwischen den beiden Systemen sollte man sich genügend Zeit nehmen, denn kaum ein anderes Thema polarisiert die Radsportwelt mehr als die Frage: Disc am Rennrad, go oder no go? Für jedes Argument pro Scheibenbremse lassen sich mindestens zehn Gegenargumente finden, umgekehrt natürlich ebenso.Aber das hier soll nicht die x-te Diskussion zum Thema werden. Ich bin jedenfalls offen für neue Technologien und bilde mir erst nach ausgiebigem Testen meine Meinung - was ich übrigens nur jedem raten kann.Unvoreingenommenheit ist wichtig, aber zugegeben: Ich war schon sehr heiß auf dieses Testrad, war ich doch bis zuletzt mit der aktuellen Version, dem Ultimate SLX 9.0, mit Felgenbremsen unterwegs (hier geht’s zum Testbericht). Ich habe also quasi die besten Voraussetzungen, um beide Systeme möglichst objektiv miteinander vergleichen zu können.
Während sich einige Hersteller sofort auf die neue Technologie gestürzt haben und so jedes Jahr neue Achsstandards und Aufnahmestandards der Bremskörper auftauchten, hat Canyon abgewartet, bis sich die großen Hersteller auf einen einheitlichen Standard geeinigt hatten. Dieser Punkt ist laut den Deutschen nun erreicht.Ihre Entwicklung eines kompletten Rennrad-Disc-Sortiments basiert nicht einfach auf der schnöden Anpassung der Felgenbremsen-Plattformen. Die hohen Bremskräfte einer Disc beeinträchtigen die Performance des Rahmens. Aus diesem Grund wurden Konstruktion und Layup auf der Nichtantriebsseite an Gabel und Hinterbau zusätzlich verstärkt.Alle Modelle wurden von Grund auf neu entwickelt und von den Profiteams ausgiebig getestet um sicherzustellen, dass Fahrerlebnis und Handling auf dem gewohnt hohen Niveau liegen.
O-Ton Canyon, dem meinerseits nichts hinzuzufügen ist: "Es geht nicht darum, dass Scheibenbremsen mehr Bremskraft haben. Es geht darum, dass sie mehr Kontrolle geben. Kontrolle in Form von verbesserter Regulierung der Bremsleistung. Mehr Kontrolle bedeutet weniger Aufwand, um Geschwindigkeit länger aufrecht zu erhalten. Je besser man bremst, desto besser fährt man."
Felgenbremsen begrenzen die maximale Reifengröße. Dank größerer Reifenfreiheit können breitere Reifen montiert werden. Die Folge: besserer Grip und reduzierter Rollwiderstand. Zudem entsteht kein Felgenverschleiß.
Sowohl Rahmen als auch Gabel der Ultimate und Endurace Disc-Modelle haben genügend Reifenfreiheit, um eine maximale Reifenbreite von 33 mm zuzulassen. Außerdem sind alle Disc Modelle mit breiteren, modernen Felgen mit einer Maulweite von mindestens 17 mm ausgestattet - da hat Canyon meinen letzten Test wohl aufmerksam gelesen.Das bedeutet, dass selbst 25 mm breite Reifen vom größeren Luftvolumen durch bessere Fahreigenschaften profitieren.
Viel wurde über die Auswirkung von Scheibenbremsen auf die Aerodynamik diskutiert. Fakt ist: Trotz zusätzlicher Komponententeile und einer Zunahme der frontalen Fläche bringen Scheibenbremsen nur einen relativ kleinen aerodynamischen Nachteil.Unter gleichen Testbedingungen im Windkanal trennten das Ultimate Disc und jenes mit Felgenbremsen lediglich 3,3 W bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Beim Aeroad sollen es sogar nur 0,8 W sein. Dieser Unterschied rührt zum einen von den Scheibenbremsen selbst, zum anderen von den Disc-spezifischen Laufrädern mit dreifach gekreuzten Speichen und größeren Nabenkörpern für die Aufnahme von Steckachsen.
Um hohe Bremskräfte zu bewältigen, ist es notwendig, mehr Material zu verbauen, was das Rahmengewicht um ca. 70 g erhöht. Dazu kommt das Mehrgewicht der Bremsanlage selbst sowie – im Sinne der Standfestigkeit ebenfalls konstruktiv bedingt – der Laufräder.
SteckachsenEine steifere und stabilere Verbindung zwischen Rädern und Rahmen bringt ein besseres Handling für den Fahrer. Dies garantieren 12 mm Steckachsen vorne und hinten. Einen Inbusschlüssel sollte man allerdings im Falle eines Patschen eingesteckt haben.160 mm ScheibendurchmesserMit Ausnahme der Rahmengröße 2XS sind alle Disc-Modelle vorne und hinten mit 160 mm Scheiben ausgestattet. Dies garantiert optimale Kontrolle und verhindert, dass man schon im kleinsten Downhill wie eine Sternschnuppe verglüht.Flat Mount StandardFlächenbündig, optisch schön, leicht - was soll man hierzu noch mehr sagen?GeometrieDie Geometrie blieb im Vergleich zu den Felgenbremsmodellen weitestgehend unverändert. Reach und Stack sind praktisch ident, einzig der Radstand hat sich aufgrund der längeren Kettenstreben etwas vergrößert (z.B. Größe Medium und Large: + 8 mm)
Dank des zuletzt endlich besseren Wetters konnte ich auf dem Ende Jänner übernommenen Rad bisher knappe 1.200 km abspulen. Abseits des Verzögerungssystemes liegt wohl der größte Unterschied zu den Felgenbrems-Modellen im deutlich höheren Gewicht. 7,7 kg ohne Pedale zeigt die unbestechliche BB-Waage. Hebt man das Rad an, merkt man das auch sofort. Im Fahrbetrieb ist davon allerdings auf keinerlei Terrain etwas zu spüren, auch nicht an längeren Anstiegen. Wer mir nicht glaubt, den lade ich gerne ein, sich selbst davon zu überzeugen. (Und wer, wissend um meinen Wohnort, an der Existenz von Anstiegen bei meinen Ausfahrten zweifelt, möge sich manch Strava-Aktivität zu Gemüte führen.)
Im Handling ist praktisch keinerlei Unterschied zum Felgenbremsen-Pendant festzustellen. Nur die 40 mm hohen Mavic Laufräder sind natürlich anfälliger für Seitenwind und wegen des höheren Gewichts einen Tick träger in der Beschleunigung.Aufgrund schlechter Erfahrungen mit Mavic Reifen mussten die Pneus sofort 28 mm breiten Vittoria Corsa weichen. Diese Kombination rollt wirklich sehr gut und bietet auch auf schlechten Straßen richtig guten Komfort.Hier kommt auch gleich ein kleiner Kritikpunkt meinerseits: Aufgrund der Möglichkeit, bis zu 33 mm breite Reifen zu montieren, wäre es in Kombination mit meinen Quadratlatschen gut gewesen, den Radstand noch etwas mehr zu erhöhen. Leider ecke ich des öfteren mit dem Schuh am Vorderrad an; der obligatorische Stehversuch an der roten Ampel vor der Eisdiele wirkt deshalb nicht ganz so lässig.Die Shimano Ultegra Di2 verrichtet ihren Job perfekt, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten: Das ist die Leichtigkeit des Seins. Schnell, präzise, unkompliziert – so sollte eine Schaltung sein.Shimanos hydraulischen STI tragen zudem deutlich weniger auf als die Schalthebel von Sram und liegen ergonomischer in der Hand.Die Junction Box ist optisch und aerodynamisch ansprechend im Aerocockpit versteckt. Allerdings wird so das Laden des Akkus eine Fummelei, und auch der Akkustand lässt sich nicht ganz einfach während der Fahrt ablesen. In Anbetracht des Ladezyklus von ein- bis zweimal jährlich für mich aber ein verschmerzbares Manko.
Aber nun endlich zum wichtigstem Unterschied, den Bremsen. Um ganz ehrlich zu sein, so groß ist der Unterscheid bei einer – üblicherweise eher trockenen und freundlichen – Sonntagsausfahrt nicht. Die Shimano Disc sind sehr gutmütig, gut dosierbar, beißen aber auch richtig zu, wenn es sein muss. Da sind die Welten zwischen einer guten Alufelge und einer bescheidenen Carbonfelge (in Kombination mit noch bescheideneren Bremsbelägen) deutlich größer.In schnellen und auch nassen Abfahrten spielt die Disc allerdings ihre Karten gekonnt aus. Da genügt selbst am Unterlenker nur ein Finger an der Bremse, um das Rad kontrolliert zu verzögern.Noch heute wird mir schlecht beim Gedanken an eine Kühtai-Abfahrt vor ein paar Jahren. Vom strömenden Regen völlig durchnässt, quälte ich mich bei + 2° runter, in den Fingern völlig gefühllos und doch ständig genötigt, die Bremshebel zu ziehen, weil die Felgenbremse vor lauter Nässe einfach nicht funktionierte.Zugegeben: ein Extrembeispiel. Aber in genau solchen und wahrscheinlich vielen ähnlichen, wenngleich harmloseren Situationen macht die Scheibenbremse das Leben um einiges leichter und vor allem sicherer.
Das andere Bremssystem und die damit einhergegangenen Veränderungen des Rades insgesamt ändern nichts daran: Das Canyon Ultimate ist immer noch ein Rad, genau so, wie ich es mir wünsche.Die Scheibenbremsen stellen dabei für mich ein Upgrade dar, welches die Investition auf alle Fälle wert ist. Besserer Komfort, Grip und niedrigerer Rollwiderstand aufgrund breiterer Reifen bringen nachweislich mehr als 1 kg weniger Gewicht am Rad. Das deckt sich auch mit meinem subjektiven Gefühl.Ein etwas größerer Radstand aufgrund der breiteren Reifen würde lästiges Anecken am Vorderrad verhindern und den Poser-Faktor vor jeder Eisdiele erhöhen.
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