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nicht mehr sehr blond, immer noch blauäugig, schokosüchtiger denn je
Keep It Stable - K.I.S.! Mit diesem Kürzel will Canyon "das Handling von Fahrrädern auf das nächste Level heben". Denn nach den zahlreichen Innovationen der letzten 20 Jahre - Scheibenbremsen, größere Laufräder, Einfachschaltungen, Dropper Posts, neue Geometrien uvm. - habe es zuletzt kaum noch bedeutende Fortschritte in der technischen Entwicklung gegeben.Während die Mountainbiker selbst permanent ihre eigenen Grenzen und das Limit ihres Equipments verschieben, habe sich die Industrie aufs Feintuning verlegt. K.I.S. hingegen sei anders. "K.I.S. ist in Sachen Performance und Kontrolle ein großer Schritt nach vorne." Für wen sich die Technologie eigne, entscheide jede/r für sich. "Es gab Reiter, die wollten keine Autos, Kerzenmacher, die wollten keine Glühbirnen, Mountainbiker, die wollten keine Scheibenbremsen. Aber die Allerwenigsten würden jetzt noch die Zeit zurückdrehen."Große Worte? Gewiss. Bahnbrechende Technologie? Werfen wir mal einen Blick auf die Details.
Die Keep It Stable-Technologie ist eine im Oberrohr integrierte und mit dem Steuerrohr verbundene Vorrichtung, welche aktiv den Lenker zentriert. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: einem Federmechanismus, einem besonders geformten Nockenring, und Kevlar-Bändern, welche den einen mit dem anderen verbinden.Das gesamte Konstrukt wiegt 110 Gramm und ist optisch nur durch den dezenten "Slider" im Oberrohr zu erkennen, welcher es gestattet, das System auf Körpergröße, Gewicht und Fahrstil der Piloten sowie das lokale Terrain anzupassen.Sinn und Zweck der Erfindung ist es, exzessive und ungewollte Lenkbewegungen, verursacht vom Rider oder Terrain, zu minimieren. Dies soll zu einem sichereren, stabileren Fahrgefühl in schnellen, ruppigen Passagen führen. Einengend oder restriktiv soll sich das Ganze aber trotzdem nie anfühlen - nicht einmal in engen Kurven oder bei starken Lenkeinschlägen.
Je ruppiger der Trail und höher der Speed, desto präziser die Lenkung
Ob die Lenkerzentrierung künftig so unabdingbar wird, wie Canyon in den Presseunterlagen suggeriert, sei dahingestellt. Aber um den potenziellen Nutzen von K.I.S. zu verstehen, hilft ein Blick auf Lenkstabilitätssysteme an anderen Fortbewegungsmitteln. Denn Autos, Flugzeuge und sogar Boote verfügen meist über Systeme, welche aktiv oder passiv die Lenkung zentrieren. Analog dazu soll man auch am Fahrrad von einem gleichbleibenden Referenzpunkt und einer stabilisierenden Gegenkraft in der Lenkbewegung profitieren können.Als unmittelbare Vorteile nennt Canyon zusätzliche Kontrolle bei geringen, mittleren und hohen Geschwindigkeiten, vorhersehbareres Handling und das Herausfiltern von ungewollten Lenkbewegungen durch das Abprallen des Vorderrads an Steinen und Wurzeln. Zudem sollen die Rider später ermüden, Drifts kontrollierbarer ablaufen und sich das Untersteuern, also das Rausschieben aus der Kurve, wiewohl der Lenker eingeschlagen ist, minimieren. Ergänzend zu diesen vorrangig bergab relevanten Benefits soll das System die Klettereffizienz steigern, weil es die Folgen des zutiefst menschlichen "Geigelns", um in langsamen und/oder steilen Passagen die Balance zu halten, reduziert. Und auch den nervigen Wheelflop, nicht zuletzt durch flachere Lenkwinkel, größere Vorderräder und längere Federgabeln quasi selbst verschuldet, will es merklich hintanhalten.
Kurzum: Mit K.I.S. fahren Mountainbiker laut Canyon geschmeidiger, wenn's ruppig wird, sind schneller in jeder Kurve, kontrollierter auf technischen Downhills und sogar im Uphill effizienter unterwegs.Das einzige Klientel, für welches die Koblenzer keine Vorteile sehen, sind Dirtjumper. Und abgeleitet von deren Vorliebe für Salti und Pirouetten werden vermutlich auch verspieltere Mountainbiker, die gerne bei geringeren Geschwindigkeiten auf Trails jibben und tricksen, Nachteile spüren.
Das System besteht aus einer Kombination vorgespannter Sprungfedern, ultra-starker Polymerfaser-Bändern und einem speziell geformten Nockenring. Letzterer dockt über die Kevlarbänder und den Federmechanismus an einem verstellbaren Ankerpunkt im Oberrohr an, von dem rein äußerlich nur eine Abdeckung samt Schraube zu sehen ist.Dieses Trio erzeugt eine laut Canyon perfekt ausbalancierte Zentrierungskraft – aber nicht, wie andere, ältere Lenkstabilitätssysteme, mittels mechanischer Reibung via hydraulischem Dämpfer. Vielmehr generiert K.I.S. eine Gegenkraft am kurvenäußeren Griff, wenn sich mit dem Eindrehen des Lenkers eine wachsende Spannung in den Federn aufbaut. Deren „Kurve“ (tatsächlich handelt es sich eher um einen nicht-lineare, flache Steigung, vgl. Grafik), welche durch die besondere Form des Nockenrings und die Eigenschaften der verbindenden Bänder bestimmt wird, hat zu Beginn der Drehung ein höheres Losbrechmoment. Zwischen 15 und 50 Grad Lenkeinschlag bleibt der benötigte Kraftinput nahezu unverändert.
Das bedeutet: Die Kombination aus der Vorspannung der Federn, der speziellen Form des Nockenrings und der präzisen Dimensionen der verbindenden Bänder im System sorgt zu Beginn des Lenkeinschlags für einen stärkeren Gegenhalt und damit eine stärkere Zentrierung, was Rider dabei unterstützt, den Lenker in technischem Gelände und bei hohen Geschwindigkeiten gerade zu halten.
Was die weiter oben bereits angesprochene Einstellbarkeit betrifft: Um individuellen Vorlieben entsprechen zu können, ist es möglich, die Vorspannung der Federn zu variieren. Hierzu wird Canyon einen Setup-Guide für jedes Bike mit K.I.S.-System erstellen.Wer maximale Stabilität und Kontrolle auf Highspeed-Trails will, wählt das Strong-Setting. Wer's agiler und reaktionsfreudiger auf langsameren, engeren Wegen liebt, wählt ein leichteres Setting. Ein Indikator zeigt an, auf welchem Level sich das System aktuell befindet. Um dies zu ändern, bedarf es eines 4 mm Inbusschlüssels.
Abhängig ist die Wirkung des Systems grundsätzlich von Größe und Gewicht des Riders (je leichter und kleiner, desto geringere Spannung ist nötig), vom Fahrstil (wer gern carvt, wählt's straffer, wer gern spielt, macht's leichter) und vom Terrain. Bikepark-Shredder sind mit höherer Stabilität besser beraten, Spitzkehren-Trickser und Beinahe-Trialer mit mehr Reaktionsfreudigkeit.
Das Überdrehen oder Überspannen des Systems bei Stürzen zu verhindern, ist Aufgabe des integrierten Rotationsschutzes inkl. 90°-Lenkeinschlagsbegrenzer.Nach schwereren Stürzen kann es sein, dass man K.I.S. neu aufsetzen muss. Dazu öffnet man das Headsetcover, um die Klemmschraube des Nockenrings zu erreichen. Diese muss kurz gelöst werden, um den Nockenring neu auszurichten. Danach wird die Schraube wieder festgezogen - ready.Nota bene: Auf die gleiche Art und Weise gelingt die Wartung und bei Bedarf das Entfernen oder der Tausch der Federgabel. Stabil gebaut und vor äußeren Einflüssen geschützt positioniert, soll K.I.S. komplett wartungsfrei sein - kein Schmieren, kein Reinigen, kein Ersetzen von beweglichen Kleinteilen. Die Garantie gegen Materialfehler beträgt, wie auch beim Rahmen, sechs Jahre. Sollte es wider Erwarten zu technischen Problemen kommen, hat der Hersteller vollständige Sets sowie Ersatzteile für die relevanten Komponenten des Systems auf Lager.
Erfunden von Syntace Mastermind Jo Klieber und von Canyon mitentwickelt, kommt die neue Technologie erstmals im All Mountain Spectral CF 8 K.I.S. zum Einsatz. Weiterer exklusiver Launch-Partner ist, weil ja Teil der Syntace-Familie, die Marke Liteville, die mit einem E-MTB startet.Bei Canyon betont man nebst der hohen Performance des Premieren-Bikes und der Tatsache, dass es die neue Technologie auf Anhieb einem breiteren Publikum zugänglich macht als dies z.B. ein Downhiller geschafft hätte, auch den fairen Preis. Das Spectral CF 8 K.I.S. verfügt über ein Fox Performance Elite Fahrwerk mit 160/150 mm Federweg, einen Shimano XT Antrieb und ebensolche Bremsen, sowie die zuverlässigen XM1700 Laufräder von DT Swiss mit Maxxis Bereifung. Es wiegt rund 14,5 kg und kostet inklusive der LOAD Tasche fürs Oberrohr € 4.999,-.
Zeitgleich zum Launch bekam auch der Rest der Spectral-Familie ein Update spendiert und präsentiert sich für 2023 mit neuen Farben und Ausstattungsvarianten.Und an weiteren Bikes und Modellen mit K.I.S.-System wird ebenfalls schon gearbeitet - Rennrad-, Gravel- City- und Cargo-Bereich aus den Überlegungen nicht ausgenommen ...
In wenigen Minuten gratis inserieren – mit Fotos, Preis und Spion-Reichweite in der Bikeboard-Community.
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