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Test: Met Parachute MCR

Test: Met Parachute MCR

17.07.20 04:29 5.061Text: Ralf HauserFotos: Erwin Haiden, Ronald KalchhauserMit pfiffigen Detaillösungen will METs Hybridhelm bei den Alleskönnern mitspielen. Wie schafft er den Spagat zwischen Vollvisier- und Halbschalenhelm?17.07.20 04:29 5.210

Test: Met Parachute MCR

17.07.20 04:29 5.2101 Kommentare Ralf Hauser Erwin Haiden, Ronald KalchhauserMit pfiffigen Detaillösungen will METs Hybridhelm bei den Alleskönnern mitspielen. Wie schafft er den Spagat zwischen Vollvisier- und Halbschalenhelm?17.07.20 04:29 5.210

Ein konvertibler Vollvisierhelm muss viele Kriterien erfüllen können: Einfaches Anbringen und schnelle Abnahme des Kinnteils, guter Sitz, und Augenkrebs sollte er möglichst auch nicht verursachen - weder mit, noch ohne Kinnbügel.

MCR steht für Magnetic Chinbar Release. Die in Zusammenarbeit mit Fidlock entwickelte technische Lösung von MET will einen schnellen und simplen Auslösemechanismus schaffen. Magneten und ein kleiner Drehverschluss an den Seiten des Helms sollen in Sekundenschnelle den Wechselvorgang ermöglichen.

Der Parachute erfüllt den ASTM F 1952-15 und F2032-15 Standard, wobei der einzige standardisierte Test für Kinnbügel sogar mit 40 bis 50% des zu erfüllenden Limits überboten wird.
Ausgestattet mit MIPS, sollen die Rotationskräfte auf das Gehirn im Fall eines Aufpralls durch die gelbe Einlage zwischen Kopf und Helmschale reduziert werden.
Ein BOA Drehverschlusssystem auf der Rückseite des Helms ermöglicht die Anpassung an verschiedene Kopfformen.

Ohne Kinnteil wiegt der Parachute 438 g, 807 g mit. Erhältlich in den drei Größen S (52-56 cm), M (56-58 cm) und L (58-61 cm), ziert er momentan in sechs Farbvarianten das Lineup. Für € 330,- kann man ihn nach Hause nehmen.

Trail Time

Ich habe mittlerweile ein paar 2-in-1 Helmlösungen ausprobiert, immer wieder verwendet und manche davon aufgrund ihrer Optik, Passform oder Handhabung im Kasten als Gerüst für Spinnweben verstauben lassen. Der MET Parachute MCR wird definitiv keiner dieser Raumfresser.

Der Sitz von Helmen ist ja generell sehr Individuell (daher gilt auch für den Parachute, wie für jedes andere Modell: vor dem Kauf probieren), in meinem Fall passte selbst mit meinem Mini-Schädel das Größe S-Modell wie angegossen, allerdings auf kleinster Stufe des BOA-Mechanismus. Dieser funktioniert übrigens wie gewohnt unproblematisch und präzise.

Auch nach mehreren Stunden des Tragens entstehen keine Druckstellen, vermutlich auch, weil die Befestigungspunkte der Riemen am Helm etwas abgehoben sind und die Brille unterhalb der Riemen ohne Kontakt eingeschoben wird, ergo nicht unangenehm an den Kopf gedrückt wird.
Das Gewicht geht für einen Helm dieser Klasse in Ordnung, Preise gewinnt er in dieser Kategorie allerdings keine.

Ausgerichtet wird der Kinnbügel an den sekundären Rasterungen an der Front des Helms. Ist der seitliche Mechanismus ausgerichtet, kann man die Seitenteile einfach andrücken, bis sie von selbst einrasten.
Zum Lösen muss man den Drehmechanismus circa eine halbe Umdrehung rotieren, um das Seitenteil aus seiner Verankerung zu lösen, dann kann man es mit etwas Nachdruck nach vorne aus den sekundären Verankerungen ziehen und entfernen. Etwas ungewohnt ist, dass einer der Drehverschlüsse in Gegenrichtung rotiert, damit man mit beiden Händen dieselbe Richtung einschlägt. Weiß man es einmal, stellt es kein Problem dar.
Mit etwas Übung kann man den Kinnbügel sogar einrasten oder entfernen, ohne den Halbschalenhelm vom Kopf zu nehmen, empfindlichen Ohren könnte das Einrasten des MCR-Mechanismus allerdings etwas zu laut sein.

Einer der wenigen Kritikpunkte ist die etwas mickrig geratene Größe des ausklappbaren MCR-Drehverschlusses, um den Kinnbügel zu entfernen. Mit Handschuhen kann es schon passieren, dass man ein paar Sekunden länger nach der kleinen Erhebung sucht, um den Hebel auszuklappen, beziehungsweise daran zu drehen.

Angenehm für Enduristen ist die Form des Visiers, welches, wenn man es hochschiebt, unterhalb davon genügend Platz für eine Motocross-Brille bietet, will man sie einmal bei Auffahrten oder Pausen vom Gesicht entfernen. Der Helm bietet ohne und mit Kinnteil auch für etwas größere Brillenmodelle genügend Platz, ohne diese unangenehm auf die Nase zu drücken.
Das Helmband findet auf der leichten Einbuchtung auf der Rückseite des Helms guten Halt, um nicht ungewollt zu verrutschen.

Zwei Wangenpolster sind im Lieferumfang inbegriffen. Der eine war mir zu locker, der andere sitzt anfangs etwas eng, sollte aber erfahrungsgemäß nach längerer Nutzung gerade die richtige Mischung aus festem Sitz und ausreichend Komfort bieten.
Auch der magnetische Verschluss des Kinnriemens ist leicht und schnell zu bedienen.

Fazit

Schon einige Firmen haben sich an 2-in-1 Helmen versucht und sind auf die eine oder andere Art daran gescheitert. Der MET Parachute macht sehr vieles richtig und sieht optisch in beiden Varianten ansprechend aus.

Der Sitz (zumindest bei meiner Kopfform) ist exzellent, das Gewicht akzeptabel und das MCR-Verschlusssystem gut durchdacht, was einen schnellen Wechsel des Kinnteils erlaubt. Bis auf die etwas klein geratene Größe der MCR-Bedienhebel selbst, die bei der Bedienung mit Handschuhen fummelig werden können, wird der Parachute meinen bisherigen Hybridhelm dauerhaft ersetzen.


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