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René Reidinger Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: +/- 72 kg Fahrstil/-können: Auf dem Marathon MTB daheim, auf der Straße ein Novice.
Glück ist … in erster Linie natürlich, wenn in und mit der Familie alles passt. Läuft zu Hause alles rund und glatt, kann ich mich von Zeit zu Zeit auch in andere Projekte stürzen, die glücklich machen.Oder womöglich auch unglücklich? Denn ehrlich gesagt: Als ich im Spätherbst 2023 eingeladen wurde, als Bikeboard-Vertreter nach Katalonien zu reisen, um über Scotts Produkt-Launch des erst im Februar 2024 auf den Markt kommenden, neuen Ransom zu berichten, war ich mir ob meiner Eignung als Testfahrer nicht so sicher.Im Enduro-Bereich sehe ich, wie routinierte Augen ja vielleicht auch am von mir getragenen Helm-Modell erkennen können, nicht unbedingt meine größten Stärken beim Mountainbiken. Aber man bemüht sich ja. Und lernt. Und entwickelt sich.Also gebucht den Flug nach Barcelona und zurück. Danke an dieser Stelle an NoPain, der mich sanft in die richtige Richtung gestupst hat. Und immerhin: Meinen Einteiler habe ich vorsorglich zu Hause gelassen ...Eingeladen wurde nach Santa Coloma de Farners in der Nähe von Girona. Dort haben örtliche Trailfans im Wesentlichen in Eigenregie einen großen Bikepark angelegt, der wirklich einen Besuch wert ist. Die Routen liegen so eng beieinander bzw. kreuzen sich so häufig, dass es auch für Locals hilfreich ist, hin und wieder am Handy zu checken, wo man sich gerade herumtreibt, um nicht irrtümlich falsch abzubiegen.Ich hatte zusätzlich das Glück, aus dem verregneten Wien bei rund 6 Grad Tageshöchsttemperatur in ein trotz November wahrhaft spätsommerliches Katalonien fliehen zu dürfen. Alles in allem perfekte Voraussetzungen für den Launch.
Glück ist ...
Präsentiert wurde ein modernisiertes Ransom mit überarbeiteter Geometrie und neuer Kinematik.Wir erinnern uns: Erstmals erblickte ein Bike dieses Namens 2006 das Licht der Welt. Und schlug mit seinen leichtgewichtigen 160 mm Federweg, dem voluminösen Equalizer-Dämpfer und seiner potenten Abfahrts-Performance trotz guter Pedalierbarkeit in der Szene ein wie eine Bombe.2019 feierte das Ransom sein Comeback, diesmal als robustes 170er-Enduro mit TwinLoc Federungssystem und variabler Laufradgröße.Wie schon seine Vorgänger ist auch das 2024er-Ransom eindeutig als Enduro-Bike konzipiert. Und in seinem neuen Gewand sogar, so wird mir versichert, noch abfahrtsorientierter als die älteren Modelle.Hier bleibt Scott konsequent seiner Philosophie treu, neue Modelle mit mehr Downhill-Qualitäten auszustatten, ohne darauf zu vergessen, dass jeder Downhill oben am Berg beginnt - und dieses "Oben" auch erreicht werden will, ohne permanent auf Lifte oder andere Aufstiegshilfen angewiesen zu sein.Apropos Philosophie: Mit dem neuen Ransom gelingt außerdem der Beweis, dass sich sogar Dämpfer für 170 mm Federweg im Rahmen verstecken lassen.Zum Spark und Genius gesellt sich ab sofort also ein drittes Fully, diesmal eindeutig der Long-Travel-Fraktion zugehörig, mit Dämpfer im Rahmen. "All Integrated" wird dieses Design bei Scott genannt.
Schon die ersten Testfahrten verdeutlichten, dass das Rad macht, was es soll. Ich selbst brauche immer ein wenig, um mich von meinem Hardtail auf andere Räder umzustellen. Es dauerte aber nicht lange, und ich konnte mir das Ransom richtig zur Brust nehmen. Es fährt sich trotz - oder wegen, denn für ein Enduro mit 17 Zentimeter Federweg ist das ja eigentlich ein Fliegengewicht - seiner 15,2 Kilogramm (900 RC) leicht bergauf. Wurzelkanten oder Steinstufen stellen meist kein Problem dar. Die fetten Reifen schmiegen sich dank der feinfühligen Dämpfung förmlich an den Untergrund. Wenn man die nötige Kraft in den Beinen hat, helfen die (im Vergleich zu meinem privaten Hardtail) zusätzlichen Kilogramm sogar, weil man besser am Boden klebt, auch bergauf.
Am Trail bergab ist das Ransom sowieso eine Macht. Für mich brachten der Trip und das Rad an sich eine Erweiterung meines MTB-Horizonts.Zum Beispiel Wurzeln, die ich bis dato als ernstzunehmendes Hindernis eracht hätte: Sie dienten mir plötzlich zum Laden nach kleinen Drops. Trotz unzähliger kleinerer Sprünge mit Ladung im Flachen schmerzten meine Handgelenke nicht. Außerdem traute ich mich über Steilstufen, die ich bis dahin sicher nicht gefahren wäre. Trotzdem kam ich während der Tage in Santa Coloma nie in Schwierigkeiten oder gar zu Sturz.Im Nachhinein sinnierte ich, warum das alles so spielerisch vonstatten gegangen war in Katalonien. Meiner Meinung nach liegt es am Zusammenspiel vieler kleinerer und größerer Puzzleteile:
Der Rahmen ist, wie bei jedem Rad, das Herzstück. Wo platziere ich den Dämpfer? Wie stelle ich sicher, dass die einwirkenden Kräfte richtig gelenkt werden? Wie groß sollen die maßgeblichen Winkel sein?
Für mich sind der eingegliederte Dämpfer und das Linkage die entscheidenden Kriterien.Die integrierte Bauweise ermöglicht es, das Federbein tiefer als bei vielen anderen Rädern zu platzieren. Beim neuen Ransom liegt der Dämpfer horizontal bodennah im Rahmen. Dadurch wandert der Schwerpunkt des Bikes nach unten. Außerdem ist der Dämpfer vor Schmutz und dergleichen geschützt und es können Sattelstützen mit längerem Hub - bis zu 18 Zentimeter in Größe M - verbaut werden.Der Rahmen selbst wird bei sämtlichen Modellen aus Carbon gefertigt, wobei die verwendeten Fasern je nach Preisklasse variieren: HMX beim Topmodell, HMF beim Rest. Die Schwingen bestehen entweder ebenfalls aus Carbon (900 RC) oder, bei den günstigeren Modellen, aus 6061 Alu. Das Chassis wirkt äußerst massiv und mir wird versichert, dass es zu den stabilsten im Hause Scott gehört.
Rahmen und Schwingen sind durch eine sechsgelenkige Hinterradaufhängung verbunden. Dank dieser Wippe und Bauweise spricht das Bike sehr feinfühlig an, denn durch die 6-Link-Kinematik wird es möglich, jeden Parameter unabhängig von den anderen zu tunen. So genügen einerseits kleine Unebenheiten, um den Dämpfer reagieren zu lassen; andererseits wird bei großen Hindernissen die Kompression immer stärker, was ein Durchschlagen verhindert. Zwei weitere wichtige Eigenschaften sind das Verhalten der Dämpfung beim Bremsen und der Kickback beim Pedalieren. Bei den Testfahrten habe ich das Gefühl, dass ich bremsen kann, ohne dabei den Dämpfer zu blockieren. Wenn ich bergauf reintrete, spüre ich nur minimales Schwingen.
Die moderne Geometrie mit steilem Sitzwinkel von 77,4° (Größe L) und flacherem Lenkwinkel von 63,8° sorgt für Sicherheit beim Downhill und die nötige zentrale Sitzposition beim Uphill.Im Gespräch mit den Scott-Konstrukteuren erfahre ich, dass nicht blind dem gängigen longer-slacker-steeper-Kredo gefolgt wurde, sondern besonders auf eine ausgeglichene Balance der Faktoren geachtet wurde.
Für die Individualisten unter uns: Der Lenkwinkel lässt sich von technisch einigermaßen Begabten mittels schräger bzw. (im Lieferumfang enthaltener) neutraler Steuersatzschalen selbständig zwischen 63,8/64,4/65° variieren. So kann den persönlichen Wünschen der Fahrer und den verschiedenen Anforderungen der Trails Rechnung getragen werden.Wer gerne mit einem 27,5 Zoll Hinterrad fährt, kann dies beim Ransom ebenfalls tun. Ein Flip Chip an der Kettenstrebe macht´s möglich. Einfach das Metallplättchen im Langloch wenden, das kleinere Laufrad montieren und losfahren. Ausprobiert habe ich es nicht, aber den Flip Chip umzudrehen, traue sogar ich mir ohne Hilfe zu.
Killer Geometry
Da Enduro-Fahrer oft auf "ihre" Dämpfer schwören, ist das Ransom mit verschiedensten Federbeinen kompatibel. So lassen sich nachträglich, vgl. Tabelle, Fabrikate aus den Häusern Fox, RockShox, Ohlins und Marzocchi verbauen.
Der Fox Float X Nude Dämpfer, der beim Testrad, dem 900RC, im Gegensatz zu allen weiteren Ausstattungsvarianten in der edlen Factory-Ausführung verbaut wurde, ist mittels TracLoc-Hebel vom Lenker aus bedienbar und erlaubt drei Varianten: Offen, die gesamte Bandbreite des Dämpfers wird genutzt. In der mittleren Position bekommt der Dämpfer etwas mehr Progression. Dies kann im Bikepark beim schnellen Downhill hilfreich sein. Die dritte Möglichkeit strafft das Ansprechverhalten weiter und ist für den Uphill gedacht.
Am Rahmen gibt es zwei abnehmbare Klappen, die großzügigen Zugriff zum Dämpfer und den innen geführten Bowdenzügen gewähren. Natürlich macht der innenliegende Dämpfer das Arbeiten mit den Kabeln nicht leichter, wenn man aber halbwegs geschickt ist und nie vergisst, neue Teile vor dem Rausziehen mit den alten zu verknüpfen, sollte sich das Wechseln als kein großes Problem darstellen. Außerdem bietet die größere, unten am Rahmen platzierte Klappe auch einen gewissen Schutz für den Rahmen. Zweimal bin ich bei größeren Stufen ebendort laut hörbar aufgesessen. Eine Kontrolle brachte nicht mal einen Kratzer an der Klappe zum Vorschein. Ebenfalls durch das Abnehmen der Abdeckung erreichbar ist ein im Unterrohr verstecktes Pannenset, das Synchros Matchbox Kit. Es enthält immerhin einen Schlauch, einen Reifenheber und ein Multitool inklusive Kettennieter.
An der Front arbeitet beim 900 RC die vielfach einstellbare Fox 38 Float Factory Gabel. Zeit, um am Setup herumzuspielen hatte ich nicht wirklich; aber die Gabel war von den Scott-Mechanikern offensichtlich perfekt für mich abgestimmt. Weder bergauf, noch bergab kann ich irgendwas bemängeln.Meine Sprungversuche brachten die Fox nie in Verlegenheit, genauso waren schnelle ruppige Passagen problemlos machbar. Bergauf fügte sie sich schön ins restliche Bild: Ich hatte Traktion am Vorderrad in engen, sandigen Kurven, und es gab auch nur wenig Wippen.
Ein weiteres sehr, sehr wichtiges Puzzleteil sind die Laufräder samt Reifen. Was bringt der beste Rahmen, würde ich einen Road-Laufradsatz verbauen? Ich weiß, das ist weit hergeholt, es ist auch nur als Gedankenexperiment gedacht. Beim Testbike stammten die Felgen von Race Face, genauer gesagt handelte es sich um die robusten Turbine R30 aus 6069 Alu mit 30 mm Innenweite. Die Gummis steuerte Maxxis bei, vorne den Assegai in 2,5 Zoll Breite, hinten den Dissector, 2,4 Zoll breit, natürlich schlauchlos verbaut. Für mich war diese Kombination die perfekte Sorglos-Variante. Egal, wie stark ich eingelenkt habe, egal wie ich nach einem Sprung gelandet bin, egal wie steil es war: Ich hatte immer Grip und nie das Gefühl, dass die Laufräder ihren Dienst versagen könnten.
Verschiebe deine Grenzen!
Abgerundet wird das Ransom 900 RC durchwegs durch Teile vom Feinsten: Geschalten wird mit der Sram X0 Eagle AXS Transmission, gebremst per Sram Code Ultimate 4-Kolben-Bremse.Der Sattel mit Titangestänge, die versenkbare Sattelstütze (durchgängig: Duncan 1.5S) und die Griffe werden, wie bei Scott üblich, vom hauseigenen Anbieter Syncros beigesteuert.Last but not least sei die Lenker-Vorbau-Einheit, ebenfalls aus dem Hause Syncros, erwähnt. Sie ist nicht nur sehr, sehr schön, sondern bietet, weil es lediglich die Befestigungsschrauben am Gabelschaft gibt, auch viel Sicherheit. Meinem Verständnis nach sind weitere Schrauben zwischen Lenker und Vorbau nur mögliche Bruchstellen, die es beim Hixon iC-Cockpit nicht gibt.
In den Handel kommen vorerst vier Ausstattungspakete mit unverbindlichen Richtpreisen zwischen 5.199 und 9.999 Euro, wobei vom 910er auch eine bis auf den Sattel gleich bestückte, aber anders lackierte Damen-Variante mit reduziertem Größenspektrum (S, M, L statt S-XL) angeboten wird.Die Speerspitze bildet das hier schon ausführlich präsentierte Ransom 900 RC zum gerade noch vierstelligen Preis. 7.999 Euro kosten das Ransom 910 bzw. Contessa Ransom 910 mit Fox 38 Float Performance Elite Gabel, elektronischer Sram GX Eagle Schaltung, Sram Code RSC 4-Kolben-Bremse, Syncros Revelstoke 2.0 Laufradsatz und 15,7 kg Kampfgewicht.Um exakt 2.000 Euro weniger zu haben ist das Ransom 920, das in Sachen Federung auf eine RockShox Zeb Select+ vertraut, per Sram NX mit SX-Trigger schaltet und mittels Sram DB8 4-Kolben-Bremsen verzögert sowie auf Syncros Revelstoke 2.5 Laufrädern daherrollt. Auf das wunderschöne, einteilige Hixon Carbon-Cockpit muss man ab dieser Preisklasse zugunsten eines zweiteiligen Alu-Ablegers verzichten – macht unterm Strich 16,4 kg laut Hersteller.Und der Einstieg ins Enduro-Vergnügen beginnt mit dem Ransom 930 bei € 5.199,- und 16,7 kg. Hier wollen RockShoxs Domain R Gabel, Shimanos Deore Gruppe samt 4-Kolben-Bremse und eine Kombi aus Formula CL-Naben plus Syncros X-30S-Felgen für gediegenen Geländespaß sorgen.
Positiv am neuen Ransom hervorheben würde ich zusammenfassend die relative Leichtigkeit, mit der man trotz 170 mm Federweg ans obere Ende der Trails kommt. Sodann in der Gegenrichtung unterwegs, kenne ich meine Grenzen recht gut. Ich war erfreut, wie weit ich diese in Katalonien ins bislang Unvorstellbare verschieben konnte.Ermöglicht wurde beides durch das Zusammenspiel der oben beschriebenen Puzzleteile: Integrierte Dämpfung, ausgeklügelte Kinematik, perfekt ausbalancierte Geometrie und stimmige Bestückung.Da ich bei Service und Wartung nicht der Talentierteste bin, würde ich hinsichtlich manch Feinabstimmung rechtzeitig, bevor ich etwas kaputt mache, einen Profi zu Rate ziehen. Ich bin mir aber sicher, dass Veränderungen am Setup - Stichwort Geometrie, Fahrwerkseinstellung - oder diverse Reparatur- bzw. Erneuerungsarbeiten à la Zugverlegung durchaus auch in Eigenregie vorgenommen werden können.Und bin ich nun tatsächlich zum Gravity-Fan geworden? Ich will das angelehnt an die Worte eines Freundes beantworten: "Ohne die Unterstützung eines Enduro Bikes geht zwar auch vieles. Es ist aber gefährlicher und macht viel weniger Spaß."
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